FRITZ WALTER der TEUFEL aller TEUFEL

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100 Jahre Fritz Walter (3)
Freundlicher Ratgeber mit Spendierhosen

Horst Konzok

Hans-Peter Briegel (64) war dem Ehrenspielführer und dessen Frau Italia freundschaftlich eng verbunden. Nach jedem Sieg der Nationalmannschaft hat Fritz Walter ein kleines Geschenk geschickt. Das und noch vieles mehr erzählt Briegel, die „Walz aus der Pfalz“, im Jubiläumsjahr.

Hans-Peter Briegel und Fritz Walter – das passte. Die Liebe zum FCK hat sie verbunden, aus persönlicher Sympathie wurde Freundschaft. Als Hans-Peter Briegel 1985 mit Hellas Verona sensationell italienischer Fußball-Meister geworden ist, waren Fritz und Italia Walter Gäste bei der Meisterfeier. Lächelnd packt Briegel beim Interview Bilder aus, die die Walters strahlend beim Tanz zeigen. „Es war schon wieder hell als die Feier endete“, sagt Briegel beim Blick zurück auf seinen größten Triumph neben dem EM-Gewinn mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft 1980. 1982 und 1986 wurde Briegel, der am 11. Oktober 65 Jahre alt wird, mit der Nationalelf Vize-Weltmeister.

Der erste Handschlag
Das erste Mal begegnet ist Briegel der FCK-Ikone Fritz Walter in der Kabine auf dem Betzenberg, als Erich Ribbeck Trainer war und der bei den Amateuren eingesetzte Briegel ab und anbei den Lizenzspielern mittrainieren durfte. „Fritz hat in der Zeit auch öfter mal beim Training zugeschaut“, erzählt Briegel. Den ersten Händedruck mit Fritz Walter gab’s, als Briegel Profi geworden war. „Fritz Walter ist nach den Spielen oft in die Kabine gekommen, hat gratuliert, wenn wir gewonnen haben“, berichtet Briegel, der sich noch heute gerne an die Besuche „beim Fritz“ in Alsenborn erinnert oder an nette Abende bei gemeinsamen Freunden wie der Familie Lutzi in Mehlingen.

Der Diplomat
„Für mich war Fritz Walter auch ein Ratgeber“, sagt Briegel, der 72 Länderspiele bestritten hat. „Wenn wir nach Spielen gesprochen haben, da hat Fritz Sachen gesagt, auch oft sehr kritisch, die hätte er nie in der Öffentlichkeit gesagt. Er konnte sich auch richtig ärgern“, verrät Briegel.
Die Diplomatie des auf Harmonie bedachten Ehrenspielführers war und ist Briegels Sache nicht. Die „Walz aus der Pfalz“ poltert schon mal los, vor allem wenn es um seine große Fußballliebe, den FCK, geht. Und da gibt es seit Jahr und Tag reichlich Grund, sich aufzuregen. Ein Amt will Briegel beim FCK nie mehr übernehmen, das hat er einst seiner Mutter versprochen, als ihn der damalige Vereinschef René C. Jäggi bei einem unglaublichen Rachefeldzug verklagt hatte. Briegel trat tief verletzt und gekränkt aus dem Verein aus, gab seine Ehrungen zurück. Mit dem FCK ist Briegel ausgesöhnt, längst wieder Mitglied. Vor einem Jahr sorgte Briegel maßgeblich dafür, dass die Bayern zu einem Benefizspiel beim FCK angetreten sind und rund eine Million Euro in die schwindsüchtige Kasse brachten. So ist sich Briegel sicher, dass Walter, würde er noch leben, einer Umbenennung des Fritz-Walter-Stadions zustimmen würde, wenn ein Namensgeber dem FCK „zehn oder 20 Millionen geben würde“.

Ein Freund mit Herz
„Wir hatten eine sehr freundschaftliche Verbindung, wir konnten uns sehr gut über Fußball austauschen“, beschreibt Briegel das Verhältnis zu einem Menschen, der ihm ans Herz gewachsen war. „Nach jedem Sieg mit der Nationalmannschaft hat er Fritz-Walter-Sekt geschickt“, berichtet Briegel von den besonderen Gesten.

Fritz Walter – der Mann mit der Nummer 8. Briegel hat ihn nie spielen gesehen, aber er weiß, was der Ausnahmefußballer geleistet hat, dem der Krieg viele gute Jahre raubte. So hat Walter auch „nur“ 61 Länderspiele, in denen er 33 Tore schoss. Briegel: „Fritz Walter war der Kopf der Lauterer Mannschaft, mit ihm holte der FCK die ersten deutschen Meistertitel. Er war nicht nur Kapitän, er war ja auch Trainer, Manager – er hatte alle Funktionen inne. Er hat die Mannschaft auf dem Platz geführt. Der WM-Titel war das i-Tüpfelchen auf seiner Karriere.“ Der WM-Gewinn, das 3:2 am 4. Juli 1954 im Berner Wankdorf-Stadion, war ja mehr als nur ein Titel. „Deutschland war nach dem verlorenen Krieg am Boden. Die Nationalmannschaft gab den Menschen in Deutschland das Selbstvertrauen zurück. An diesem Sieg hatte Fritz Walter großen Anteil – er war auf dem Platz der Stratege, aber auch ein Kämpfer. Mit Sepp Herberger hatte er einen Trainer, der auch gut zuhören konnte. Fritz hat ihm auch gesagt, wen er unbedingt zur WM mitnehmen muss…“

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100 Jahre Fritz Walter (4)
Detektivarbeit im Zeitungsarchiv

Maria Huber

100 Jahre Fritz Walter (4): Spiele mit den „Roten Jägern“, Kartoffelspiele, Länderspiele. Fritz Walter könnte viel erzählen von den Begegnungen. Aufzeichnungen darüber gibt es nicht so, wie wir das heute gewohnt sind. Und so war es jede Menge Detektivarbeit für das „Ermittlertrio“ der Faninitiative, das ab 23. Juli 100 Tage lang Spielberichte vom großen Fußballer veröffentlichen will.

Die Idee dazu hatte Eric Lindon, Vorstandsmitglied der Initiative Leidenschaft FCK-Fritz-Walter-Museum Kaiserslautern e. V. Er forscht seit 20 Jahren, kann alleine über Fritz Walters Vorkriegsjahre einen Vortrag mit 400 Folien halten. Der Amerikaner, pensionierter Major der US-Luftwaffe, hat alles, was er an Zeitungen von 1836 bis 1950 gefunden hat, nach Sportmeldungen durchforstet und akribisch genau aufgeschrieben, was er gefunden hat.
Seine Kollegen von der Initiative machten sich wie er lange vorher Gedanken, wie der Verein Fritz Walter in seinem Geburtstagsjahr entsprechend würdigen könnte. Matthias Gehring, leidenschaftlicher FCK-Fan und zuständig für die Medienarbeit der Initiative, stellte mit ihnen einen Fritz-Walter-Kalender zusammen, der Ende 2019 auf den Markt kam. Inzwischen ist der Kalender, der auf 1900 Exemplare limitiert war, längst ausverkauft, und Lindon hatte die Idee für die nächste große Aktion: 100 Tage lang bis zum Geburtstag am 31. Oktober sollen 100 Geschichten über Spiele Fritz Walters erzählt werden – auf der Internetseite der Initiative, auf Facebook und auf der Fritz-Walter-Seite, die die Fritz-Walter-Stiftung einrichtet. Sie lässt Zeitzeugen Geschichten erzählen von Fritz Walter, wie sie ihn kannten.

Lindon wollte den Schwerpunkt lieber auf die Spiele legen. Auch weil es bisher nirgends eine vollständige Aufzählung gibt und weil es ihm um Fritz Walter als Fußballspieler geht. Gehring und Hans Walter, der Vorsitzende des Vereins, waren sofort begeistert und erklärten sich bereit, mitzuhelfen, mitzurecherchieren und auszuformulieren, was der Amerikaner beim Quellenstudium fand.

Das war nicht immer viel und manchmal auch enttäuschend. „Beispielsweise beim Bundespokalendspiel Bayern gegen Südwest. Da hat Fritz gar nicht gespielt, er war verletzt.“ Oder bei einem Testspiel in Frankreich nach dem Krieg. Fritz war als Soldat in Lothringen stationiert. Man hätte da viel erzählen können. „Dazu gab es zwei Zeilen in der Zeitung.“, berichtet Lindon enttäuscht. Er wusste, dass es zur Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft ’54 ein Testspiel zwischen der Schweiz und dem FCK gab. „Ich habe nichts gefunden.“ Über ein Spiel 1956 fand er dann etwas. Da wollte die Nationalmannschaft gegen eine Kombimannschaft aus FCK und FK Pirmasens spielen. Die Partie musste verschoben werden, Pirmasens konnte zum neuen Termin nicht. Deutschland spielte dann gegen den FCK und gewann 2:1.

Lindon weiß, dass Fritz Walters Abschiedsspiel nicht sein letztes Spiel war. Er absolvierte danach noch zwei Testspiele für den FCK. „Die Berichterstattung in der Vorkriegszeit war oft recht oberflächlich“, sagt der Wahlpfälzer . Er hat sich nie auf eine Quelle verlassen, immer wieder verglichen, hat unter anderem die RHEINPFALZ und den „Kicker“ zu Rate gezogen. Gerade in der Zeit der nicht allzu seriösen Medien stimmten nicht mal die Torschützen überein. „Man darf nie glauben, wenn es heißt, Fritz Walter hat so viele Tore geschossen“, sagt Lindon mit einem Augenzwinkern.

Lindon, Gehring und Walter, der viel aus seiner Erinnerung weiß, erzählen in ihren Geschichten nur, was wirklich stimmt. Beispielsweise die Sache mit den Kartoffelspielen nach dem Krieg, als der FCK durch die Vorder- und Nordpfalz gezogen war und sich säckeweise Kartoffeln und andere Lebensmittel erspielt hat. Oder die Geschichte mit den „Roten Jägern“, der Militäreinheit, die Torwart Hermann Graf im Dritten Reich gegründet hat. Der hoch angesehene Jagdflieger brachte da talentierte Fußballspieler zusammen, die Freundschaftsspiele austrugen. Mit einer Schwindelei – Fritz Walter sei sein Cousin – überredete er Generaloberst Friedrich Fromm, den Nationalspieler zur Luftwaffe zu versetzen. „Fritz hat davon nichts gewusst und war überrascht“, erzählt Hans Walter. Und alle drei sind sich mit Sepp Herberger einig, dass Fritz „durch den Fußball gerettet wurde“. Fritz Walters war auf Sardinien stationiert, als die Alliierten auf Sizilien landeten. Gehring: „Ohne die Rückkehr von Fritz hätte es die Walter-Elf nie gegeben und auch nicht den Erfolg des FCK.“ Von vier der Roten-Jäger-Spiele erzählt das Ermittlertrio in seiner Serie.

Info
Los geht es am Mittwoch, 22. Juli, mit einem Vorbericht. Am Donnerstag, 23. Juli, startet die Serie, die täglich bis zum Tag vor Fritz Walters Geburtstag fortgesetzt wird. In Teil eins geht es um ein Spiel am 6. Mai 1934 zwischen den Schülermannschaften des FCK und des FK Pirmasens auf dem Betzenberg. Es ist der erste Pressebericht, in dem Fritz Walter erwähnt wird. Zu finden sind die Geschichten auf der Seite initiative-fritz-walter-museum.de und der Geburtstags-Webseite der Fritz-Walter-Stiftung www.fritz-walter-wird-100.de.

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100 Jahre Fritz Walter ( 5 )
Der Bittbrief des „großen Fritz“

Wolfgang Kauer

Fritz Walter wurde mit seinem 1. FC Kaiserslautern 1951 und 1953 deutscher Fußball-Meister, die Zuschauer strömten auf den Betzenberg. Einige Jahre später aber nicht mehr. 1960 war der FCK auch wegen ausbleibenden Publikums finanziell so sehr in Not geraten, dass sich der Weltmeister zu einem Schreiben an die Mitglieder veranlasst fühlte.

In diesem Brief bat Fritz Walter um finanzielle Unterstützung für den damaligen Oberligisten, der vor der Einführung der Fußball-Bundesliga 1963 in einer der vier regional unterteilten höchsten Spielklassen spielte. In dieser Oberliga hatten die Kaiserslauterer mehrmals den Titel verpasst. Es waren die starken Jahre des FK Pirmasens. Am 26. Juni 1955 hatte der FCK zum vorerst letzten Mal zu Oberligazeiten am Endspiel um die deutsche Meisterschaft teilgenommen und gegen Rot-Weiss Essen mit 3:4 verloren. 1957/58 beendeten die Roten Teufel die Runde als Zweite, 1958/59 als Dritte, 1959/60 nur als Fünfte, 1960/61 als Vierte – es fehlten herausragende Spieler. Und das Geld, um bessere Leute „einkaufen“ zu können. Die Ikone des 1. FCK sah Anlass zum Handeln. Fritz Walter hatte seine Karriere 1959 beendet.

Das „Mit sportlichen Grüßen – Ihr Fritz Walter“ unterzeichnete Schreiben an die Vereinsmitglieder lautete auszugsweise:
„Sie werden sicher mit großem Erstaunen diese Zeilen lesen. Aber in Anbetracht der augenblicklich so ungemein ernsten Lage, in der sich unsere 1. FCK befindet, fasse ich mir den Mut und bitte Sie aufrichtigst um Ihr wohlwollenes Verbescheiden dieses an Sie herangetragenen Wunsches.
Ich habe mich entschlossen, ab sofort unsere erste Vertragsspieler-Mannschaft zu betreuen. Ich will versuchen, in Zusammenarbeit mit unserem Trainer Richard Schneider und dem Spielführer Werner Liebrich auf rein kameradschaftlicher Basis der Mannschaft wieder das nötige Selbstvertrauen zu geben. Obwohl ich geschäftlich sehr viel unterwegs bin, will ich meine ganze Kraft zum Wohle des 1. FCK einsetzen, damit kein weiterer Rutsch nach unten erfolgt und vor allen Dingen, dass am Ende der Saison nicht noch einmal drei, vier unsere besten Spieler aus finanziellen Gründen abwandern.

Erstklassige Kräfte verpflichten
Darüber hinaus will ich versuchen, die Möglichkeit zu schaffen, eventuell zwei bis drei erstklassige Kräfte zu verpflichten. Dazu gehört natürlich Geld, das leider Gottes durch die schlechten Zuschauerzahlen (teilweise bedingt durch schlechte Leistungen der ersten Mannschaft) so rar geworden ist.

Ich möchte mir den Vorschlag erlauben, ob Sie gewillt wären, ab dem 1. Dezember 1960 bis einschließlich Juni 1961 a) einen monatlichen Betrag auf das Sonderkonto 11122 bei der Stadtsparkasse Kaiserslautern einzuzahlen, oder b) den Gesamtbetrag aus a) bis einschließlich Juni 1961 auf dieses Konto zu überweisen, oder c) einen einmaligen Betrag auf dieses Konto zu spenden.

Ich bin Ihnen von Herzen auch für den kleinsten Betrag dankbar, den ich zusätzlich für Essen nach Training und Spielen sowie Kleinigkeiten für die Mannschaft bekomme. Dass sparsam und nur für die erste Mannschaft gewirtschaftet wird, dafür garantiere ich Ihnen mit meiner ganzen Person.“
So weit der Brief.

Immerhin: 1961 hatte der FCK erstmals das Finale im DFB-Pokal erreicht. In Gelsenkirchen verlor die Mannschaft das Endspiel mit 0:2 gegen den SV Werder Bremen.

1961/1962 klappt es noch nicht mit Titel
In der Saison 1961/62 klappte es auch noch nicht mit dem ersehnten Oberliga-Titel: Der 1. FC Kaiserslautern wurde Vierter. Doch 1962/63 beendete der FCK die letzte Oberliga-Saison als Meister. In der folgenden Endrunde um die deutsche Meisterschaft schaffte es der FCK aber nicht ins Endspiel. Das gewann Borussia Dortmund in Stuttgart mit 3:1 gegen den 1. FC Köln. In der Saison 1963/1964 war der FCK eins der 16 Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga.

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100 Jahre Fritz Walter (6)

Miro wollte selbstlos wie Fritz Walter spielen

Horst Konzok

Für Miroslav Klose, den späteren WM-Rekordtorschützen, war der Ehrenspielführer eine Leitfigur. Der Tod der FCK-Ikone am 17. Juni 2002 schockte Klose, der mit der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Japan und Südkorea am Ball war. Am 31. Oktober 2020 wäre Walter 100 Jahre alt geworden. Miro Klose erinnert sich gerne an sein Idol.

Als junger Kerl stand Miroslav Klose mit seinen Freunden bei FCK-Spielen am liebsten in der Westkurve des Fritz-Walter-Stadions. Das Trikot mit der Nummer 11 war seins – die 11 trug damals sein Lauterer Lieblingsspieler: Olaf Marschall. Wenn dann auch noch das Flutlicht brannte … Die Fangesänge faszinierten den jungen Stürmer aus Kusel, der in der Zeit noch für die SG Blaubach-Diedelkopf spielte – Bezirksliga Westpfalz. Sein Förderer und Entdecker Erich Berndt hat ihn meist mit zum „Betze“ genommen.

„Als Fan in der Westkurve begreift man schnell – Fritz Walter ist ein Mythos. Ich hatte das große Glück, ihn persönlich kennenzulernen“, erzählt Klose im RHEINPFALZ-Interview. Inzwischen ist der Weltmeister von 2014 42, nach zwei Jahren als U17-Trainer bei Bayern München wurde er zum Co-Trainer von Hansi Flick beim deutschen Rekordmeister befördert und hat die elfmonatige Ausbildung zum Fußball-Lehrer begonnen. „Ich will es so machen wie in meiner Karriere als Fußballer, Schritt für Schritt gehen, ich will nichts überstürzen“, weiß der ehemalige Weltklassestürmer, der nach der Hauptschule eine Zimmermannslehre absolvierte, wie wichtig die Lehrjahre sind. Das Ziel hat er schon nach seinem Karriereende 2016 bei Lazio Rom und Schnupperkursen als Stürmertrainer im Team von Bundestrainer Joachim Löw klar formuliert und fixiert: „Ich will – irgendwann – Bundesliga-Trainer werden.“

Wie bekloppt gejubelt
Am 24. März 2001 gab Klose sein Debüt in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, kam in Leverkusen nach 73 Minuten für den angeschlagenen Oliver Neuville und traf in der 88. Minute kniend per Kopf zum 2:1 im WM-Qualifikationsspiel gegen Albanien. Es war das Siegtor, weitere 136 Länderspiele und 70 weitere Tore im Nationaltrikot sollten folgen. „Ich habe gejubelt wie ein Bekloppter, als er das Tor gemacht hat“, schilderte Ehrenspielführer Fritz Walter der RHEINPFALZ am Tag nach dem Traum-Debüt seines sportlichen Ur-Enkels seine Gefühle. Nach einer Halbzeit am Fernseher hatten die Nerven Fritz Walters gestreikt – die deutsche Mannschaft spielte erbärmlich schlecht. Er zog sich zurück und erlebte das Happy-End am Radio. „Hat er seinen Salto gemacht?“, wollte Walter von uns wissen. Er hat !

„Ein Tor im ersten Länderspiel, besser geht es gar nicht. Ich kann Miroslav Klose nur ganz, ganz herzlich gratulieren und wünsche ihm, dass er mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt“, kommentierte der damals 80 Jahre alte Ehrenspielführer den Einstand, den Weltmeister Horst Eckel als Gast in der „BayArena“ live bestaunte. „Ich habe vor drei Jahren noch in der Bezirksliga gespielt“, konnte Miro Klose sein großes Glück, die Riesensätze auf der Karriereleiter, kaum fassen. Der 22 Jahre junge Lauterer hatte nach Marko Rehmers Eingabe und einem der wenigen gewonnenen Zweikämpfe Carsten Janckers getroffen. „Ich habe mir vorgenommen, alles zu geben, um das Spiel zu drehen. Es ist mir Gott sei dank gelungen“, rekapitulierte Klose, der „Herrn Völler“ einfach dankbar für die Berufung und den ersten Einsatz war. „Ein großes Talent, das auf gutem Weg ist, ich sehe ihn schon bald in der Anfangsformation. Ich freue mich für diesen Jungen, dass er das Tor gemacht hat. Er ist so talentiert und so bescheiden“, lobte Günter Netzer, damals ARD-Experte, im RHEINPFALZ-Gespräch.

Miro Klose, der WM-Torschützenkönig 2006, hat Fritz Walter verehrt. „Ich kann mich gut erinnern, als ich im VIP-Raum zum ersten Mal mit Fritz und Ottmar Walter und Horst Eckel an einem Tisch gesessen habe. Ich hab’ genau zugehört, als sie über Fußball sprachen, gehört, wie sie den Fußball sehen. Fritz sagte, ,nicht ich war wichtig, immer nur die Mannschaft’. Ich hatte meine Karriere damals ja noch vor mir, ich stand ganz am Anfang. Ich habe mir damals aber ganz fest vorgenommen, so Fußball zu spielen wie Fritz Walter. Heute, wo meine Karriere beendet ist, kann ich mir sagen: Es ist mir gelungen. Ich habe immer für die Mannschaft gespielt – so wie Fritz Walter“, philosophiert Klose. Er bekam 2006 den Goldenen Schuh als bester WM-Torschütze, 2002 gewann er den Silbernen Schuh. 2005/2006 war er im Dress von Werder Bremen Bundesliga-Torschützenkönig – 25 Tore in 26 Spielen. Und dazu 14 Torvorlagen. Er war der beste Vorbereiter der Bundesliga. Weil er so selbstlos spielte wie Fritz Walter: immer im Dienst der Mannschaft.

Walters Tod war ein Schock
Am 17. Juni 2002 ist Fritz Walter gestorben. Miro Klose war mit der deutschen Mannschaft bei der WM in Japan und Südkorea, am Ende stand die Vize-Weltmeisterschaft. „Ich kann mich noch gut erinnern, als Harald Stenger zu mir kam und mir sagte: Fritz Walter ist gestorben. Das war ein Schock …“, sagt Klose beim Rückblick auf die Nachricht, die ihm der damalige DFB-Mediendirektor überbrachte. Klose war unendlich traurig. Nicht mal zu Beerdigung seines Idols konnte er kommen. Es gab kein Gespräch mehr, kein Austausch. Wie oft hatte der große Fritz Walter nach Miros Toren und Erfolgen mit Fritz-Walter-Sekt und herzlichen Schreiben gratuliert. „Ich hab’ den Sekt nie aufgemacht, der steht noch immer bei meinen Eltern im Regal“, verrät Klose. Dankbare Erinnerungen an einen außergewöhnlichen Sportsmann. Miro hat gespielt wie Fritz: immer im Dienst der Mannschaft. Nicht das Ich, das Wir war beiden wichtig!

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Fritz, Bill und Onkel Alois

Am 31. Oktober würde Fritz Walter seinen 100. Geburtstag feiern. Er war der größte Spieler, den der 1. FC Kaiserslautern hervorgebracht hat. Der langjährige RHEINPFALZ-Sportredakteur Peter Lenk erinnert mit einer sehr persönlichen Erzählung an den Jahrhundert-Fußballer.
Von Peter Lenk

In den Fünfziger Jahren war’s. Ich durfte zum ersten Mal mit meinem Bruder Hannes und Onkel Alois auf den Betzenberg. Die Beiden, schon länger Stammgast bei den Heimspielen des 1. FCK, konnten meinen flehentlichen Blick eines Sonntagnachmittags nicht mehr ertragen. „Also gut“, sagte Onkel Alois zu mir, „du därfsch mit enuff“. Wir gingen die Richard-Wagner-Straße hinauf, bogen nach links in die Logenstraße ein und ließen uns mit dem Strom Mensch durch die Bahnunterführung ziehen. In der Malzstraße spielte ein blinder Mann auf einer Ziehharmonika, zwischen den Knien ein Stoffsäckchen. Ein Bild auf der Ziehharmonika zeigte ihn stehend auf einem Trapez. „Da Pitsche“, drückte mir Onkel Alois zehn Pfennig in die Hand, „die sind fer dänn Mann“.

Der Onkel Alois war ein lieber Mensch. In all den Jahren habe ich von ihm kein einziges böses Wort gehört, auch nicht von seiner Frau, der Tante Lisje. Er fuhr Hefe für die Bäckerinnung in Kaiserslautern und Umgebung aus. In den großen Ferien durfte ich manchmal mitfahren. Ein besonderes Erlebnis. Aus einem bestimmten Grund. In Schallodenbach belieferte er eine Bäckerei und stets brachte er mir aus dieser eine mit Zuckerguss überzogene Schneckennudel mit. Das kleine Führerhaus des Transporters roch herrlich nach der frischen Schneckennudel, ein Geruch, den ich heute noch in der Nase habe. „Da, die iss fer doi Bruder“, sagte Onkel Alois und überreichte mir eine Tüte. Die roch den ganzen Heimweg verführerisch, aber ich konnte widerstehen. Abends, als mein Bruder und ich zusammen wie immer unser Hörspiel im Radio hörten, füllte sich das Dachzimmerchen mit dem Geruch der allerdings nicht mehr frischen Schneckennudel, die, so bin ich auch heute noch überzeugt, die besten auf der ganzen Welt waren.

Eine dunkle Haarsträhne auf der StirnDer Hannes und der Onkel Alois hatten ihren Stammplatz auf dem „Betze“ auf der Südseite des Stadions, wo sich die Menschen eng an eng drängten. Ich stand hinter den beiden und jedesmal, wenn sie mit der Reihe in die eine oder andere Richtung rückten, gab ein kleiner Zwischenraum zwischen ihnen den Blick auf das Spielfeld frei. Und ich erblickte zum ersten Mal Fritz Walter. Was mir besonders auffiel, war nicht seine Fußball-Kunst, sondern eine dunkle Haarsträhne, die sich auf der schwitzenden Stirn sechsförmig nach unten zog. „Wie bei Bill Haley“, schoss es mir in den Kopf.

Ich war ein leidenschaftlicher Fan des amerikanischen Rock’n’ Rollers. Wenn mein Bruder eine Party machte, die Mädels ihre Petticoats wirbeln ließen, spitzte ich durch einen Türspalt und lauschte fasziniert dem Ohrwurm „Rock around the clock“, der bestimmt hundertmal am Abend lief.

Der Hannes war sechs Jahre älter als ich. Und beim Kanälcherspiel wurde er stets als einer der ersten gewählt. Weniger wegen seiner fußballerischen Qualitäten, aber er galt als sehr mannschaftsdienlich und fair. Und zudem brachte er stets seinen kleinen Bruder mit, der sich mit seinen dünnen Ärmchen als idealer Ballklauber aus dem Kanalloch entpuppte.

Geniale Zuspiele: „Däs do kann nur de Fritz“Der Onkel Alois, der Hannes und später mein langjähriger Kollege Heinrich Breyer waren sich einig, den besten Fußballer der Welt gesehen zu haben. „Däs do, däs kann nur de Fritz“, pflegte der Onkel Alois bei einem genialen Zuspiel oder einem phantastischen Dribbling zum Hannes zu sagen. Und ich meinte, dass der Fritz der erste weltweit war, der den Pass zu einem Mitspieler schickte, obwohl er nicht in seine Richtung blickte. Später tauften die US-Basketball-Größen um Michael Jordan diese Art des Passes auf „no look pass“. Aber der Fritz war der erste.

Der Heimweg vom „Betze“ geriet fast immer zu einem Triumphzug. Voller Stolz marschierten wir „ennunner“ in die Stadt. Und als wir ans Viadukt kamen, riefen uns Eisenbahner fragend von oben zu: „Unn, wie hadd dann de Betze gespielt“? Und der Hannes und ich brüllten freudig hinauf zu den rußgeschwärzten Gesichtern mit den bleckend weißen Zähnen: „Mer hänn gewunn.“

Heinrich Breyer hatte eine besondere Affinität zum Fritz. Als junger Sportredakteur hatte er als einer der wenigen deutschen Sportreporter das „Wunder von Bern“ live miterlebt. Und als der 1. FCK mit dem Fritz gleich zweimal Deutscher Meister wurde, kannte die Zuneigung von Heiner für den Fritz keine Grenzen mehr. Ich saß jahrzehntelang neben ihm auf der Pressetribüne des „Betze“ und auch in fremden Stadien. Als junger Sportjournalistendachs neben dem Altgedienten.

Stets musste ich mich links neben den Heiner setzen, weil ihm als junger Flakhelfer in Mannheim das Trommelfell des rechten Ohrs zerborsten war. Nicht selten murmelte der Heiner in all den Jahren zuweilen unverständliche Sätze und er machte ein Gesicht, als habe er in eine Zitrone gebissen. Spielte ein Roter Teufel nämlich einen Fehlpass, stöhnte der Heiner gequält auf: „Ach, wann däs de Fritz sieh’ würd.“

Ich hegte große Bewunderung für meinen beruflichen Ziehvater besonders dann, wenn mal wieder ein runder oder halbrunder Geburtstag vom Fritz anstand, und der Heiner mit nicht nachlassender Begeisterung die Laudatio in die Tasten der Schreibmaschine und später des Computers hämmerte. Er fand jedesmal neue Formulierungen, phantasievolle Bezeichnungen für die Fußball-Kunst des Fritz und seinen edlen Charakter. Dabei hätte der Heiner lediglich die Jahreszahl des Geburtstags-Artikels ändern müssen, denn in fünf oder zehn Jahren hatte sich in Fritz’ Leben nichts Nennenswertes getan. Und weil der Fritz auch keine Plaudertasche war, fielen die journalistischen Wort-Weihen fast immer fast vorhersehbar aus.

Für den Fritz aus Mannheim fortgezogenDass der Heinrich Breyer aus totaler Bewunderung für den Fritz aus Mannheim einst fortzog, einen weiten Abstoß entfernt vom Fritz ein Haus baute, dementierte der Ur-Mannheimer bis ins hohe Alter vehement. „Bu, babbel nät dumm“, pflegte er mich dann grinsend anzupflaumen. „Bu“, sagte er immer noch zu mir, als ich längst im Renten-Alter war.

Was mich heute noch ärgert ist, dass ich den Heiner nie darauf aufmerksam gemacht habe, dass er den Fritz mal hätte fragen können, ob er ein Anhänger von Rock ’n’ Roll und Bill Haley gewesen ist.

Nun, vielleicht wird dieses Geheimnis am Lauterer Fußball-Stammtisch im Himmel gelüftet. Wenn der Fritz, der Onkel Alois, der Heiner und der Hannes bei einer Weinschorle und einem Gläschen Sekt (für den Fritz) fachsimpeln. Eines ist nämlich sicher: Die Vier sind alle in den Himmel gekommen. Weil sie gute Menschen gewesen sind.

Der Autor

Peter Lenk hat – nicht nur als junger Bub – unzählige Spiele des 1. FC Kaiserslautern verfolgt. Lenk war ab 1969 bis zu seinem Ruhestand 2006 Sportredakteur bei der RHEINPFALZ in Kaiserslautern.

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