News zum Stadion

Fanhalle wird zum Tanztempel​

Electric Stadium Festival lockt mit Top-Künstlern der DJ-Szene auf den Betze​

Ein Blick in den Kalender macht deutlich: Die übliche Festivalsaison ist bereits vorüber, doch nicht so auf dem Betzenberg. Erschallen in der Fanhalle Nord des Fritz-Walter-Stadions eigentlich Fangesänge von Anhängern des 1. FC Kaiserslautern, wurden dort am Samstag – zumindest für die Örtlichkeit – völlig neue Töne angeschlagen.

Über elf Stunden hinweg bot die Fanhalle eine perfekte Kulisse für die Premiere des Electric Stadium Festivals, das Liebhaber elektronischer Musik ins Stadion lockte. Und laut den Feierenden darf die restlos ausverkaufte Erstausgabe des Festivals wahrlich als ein gelungenes Projekt bezeichnet werden. Die Stimmung bei den Besuchern war prächtig. So war es wenig verwunderlich, dass es dem Publikum auf der Tanzfläche trotz der kühlen Herbsttage ganz und gar nicht kalt wurde. Schließlich sorgten Künstler der DJ Szene wie Karotte oder Andhim dafür, dass die Tanzfläche in dieser besonderen Atmosphäre stets gut gefüllt war. Eine gute Grundlage für eine mögliche Wiederholung im kommenden Jahr scheint gelegt. An der Vorfreude auf mehr dürfte es bei der Feiergemeinde jedenfalls nicht mangeln.nlk

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 269 Montag, den 20. November 2023
 
Jetzt auch Malle aufm Betze. Weiß jemand, ob durch sowas auch was beim FCK hängen bleibt bzw wie viel?

 
Der Zorn des Kaisers
Erwin Saile, der WM-Koordinator Kaiserslauterns, erinnert sich an Franz Beckenbauer

Von Dirk Leibfried

Der Tod von Fußball-Legende Franz Beckenbauer hat auch in Kaiserslautern Trauer ausgelöst. „Er war der Stadt und dem FCK immer zugetan“, weiß Erwin Saile. Der 81-Jährige traf als WM-Koordinator Kaiserslauterns bei mehreren Gelegenheiten den „Kaiser“ persönlich. Dabei war das Verhältnis zwischen Beckenbauer und Kaiserslautern nicht immer herzlich.

Dienstreisen nach Kaiserslautern waren für Franz Beckenbauer alles andere als vergnügungssteuerpflichtig. Die legendäre 4:7-Niederlage des Star-Ensembles im Oktober 1973 hatte sich fest in seiner Fußballer-Seele eingebrannt. Damals, als der Betzenberg noch nicht umgebaut und für viele Gegner furchteinflößend daherkam, weil die Rentner auf der Nordtribüne ihre Schirme stets griffbereit im Anschlag hatten. Zu den obligatorischen Beschimpfungen der Bayern-Spieler kam jetzt auch noch Häme dazu.
Im März 2002, Beckenbauer war längst vom Spieler zum Präsidenten des Rekordmeisters und ganz nebenbei auch zum WM-Organisationschef aufgestiegen, ging es ähnlich dramatisch zu. 0:0 trennten sich der FCK und die Bayern nach einem wilden Spiel, in dem der heutige FCK-Trainer Dimitrios Grammozis sogar des Feldes verwiesen wurde. Trotzdem waren die Münchner danach fuchsteufelswild: „Das war ein klarer Fall von Gesundheitsgefährdung, die sind wie die Stiere aufeinander los“, wütete Bayern-Präsident Beckenbauer damals.
In seiner Rolle als WM-Chef legte er ein paar Tage später nach: „Bei der Entscheidung über die Spielorte für die WM 2006 spielt das Thema Sicherheit eine Hauptrolle. Wir werden kein WM-Spiel an ein Stadion geben, wo die Sicherheit für die Mannschaften nicht absolut gewährleistet ist.“ Hintergrund dieser Aussage: Nach dem Spiel wurde der Mannschaftsbus der Bayern von FCK-Anhängern attackiert. Dem „Kaiser“ ging es ums Grundsätzliche: „Die Lauterer müssen sich was einfallen lassen. Sie haben auf ihrem Berg ohnehin das Problem, dass es nur eine Zufahrt gibt.“
In Kaiserslautern wussten sie damals um die Macht und den Einfluss Beckenbauers. Sein Zorn hätte weitreichende Folgen haben können. Und nachdem auch noch der Stadionausbau ins Stocken und der Verein in finanzielle Schieflage gerieten, stand die Weltmeisterschaft in Kaiserslautern tatsächlich kurzzeitig vor dem Aus. „Zu dieser Zeit hatte ich viele schlaflose Nächte“, erinnert sich Erwin Saile, WM-Koordinator der Stadt Kaiserslautern. „Ich musste mehrmals beim Organisationskomitee in Frankfurt antreten und die Herren beruhigen.“
Der Rest ist Geschichte. Stadtgeschichte. Kaiserslautern berauschte sich an der Weltmeisterschaft, die Beckenbauer nach Deutschland geholt hatte. Für Erwin Saile steht fest: „Ich habe bei all unseren Begegnungen immer seine Grundsympathie für den FCK und Kaiserslautern gespürt.“ Das hing ganz sicher auch an Fritz Walter, der ebenso wie Beckenbauer Ehrenspielführer der Nationalmannschaft war.
Vor der WM organisierte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mit Beckenbauer als Delegationschef eine Wirtschaftsreise nach Sydney. Natürlich wollte auch Kaiserslautern dabei sein, nachdem feststand, dass die Nationalmannschaft Australiens während der WM in Kaiserslautern spielen wird. Saile wollte die große Bühne für die Stadt nutzen und schloss sich der Reisegruppe an. „Bei dieser Gelegenheit habe ich seine Gunst für uns gespürt.“
Auch zu anderen Anlässen, wie der Kick-off-Veranstaltung im Kulturzentrum Kammgarn, habe Saile Franz Beckenbauer als „zugänglichen und völlig bodenständigen Menschen“ schätzen gelernt. Über das Stadion wurde übrigens nie wieder gesprochen. Im Gegenteil: Beim ersten WM-Spiel in Kaiserslautern würdigte Beckenbauer den Lauterer WM-Chef und die Stadiongesellschaft höchstpersönlich. Mit einem Glaspokal. Weil am Ende dann doch alles glatt lief.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 8 Mittwoch, den 10. Januar 2024
 

Der Blick von außen​

„Betze, K’Town, Pfaff“ heißt eine der vier großen Ausstellungen des Jahres im Museum Pfalzgalerie Kaiserslautern (mpk). Kuratieren wird sie der Museumsleiter selbst. Kaiserslautern kennt Steffen Egle erst seit wenigen Jahren. Ein Wagnis also?​

Von Susanne Schütz

„Es ist immer noch der Außenblick, den ich habe“, sagt der aus dem bayerischen Illertissen stammende und in Heidelberg wohnende Museumsdirektor Steffen Egle, der seit Mai 2022 im Amt ist, bei der Vorstellung des Jahresprogramms des mpk. Und mit einem solchen frischen Blick lassen sich Entdeckungen machen, die auch alteingesessenen Kaiserslauterern vielleicht neue Perspektiven eröffnen. So hat Egle auch bewusst vier Künstlerinnen und Künstler als Ausstellende eingeladen, die ebenfalls nicht aus Kaiserslautern kommen, um der Identität der Stadt nachzuspüren. Und so heißt die Ausstellung, die am 13. September eröffnen soll und bis 19. Januar 2025 angesetzt ist, auch im Langtitel „Betze, K'Town, Pfaff. Künstlerische Sichten auf Kaiserslautern von Sophie Innmann, Nikolaus Koliusis, Elisabeth Neudörfl und Erik Sturm“.

Einer der Stadterkunder, Nikolaus Koliusis, hat sich allerdings schon länger umgeschaut in Kaiserslautern. Derzeit läuft am, im und außerhalb des Museums bereits sein Projekt „Warum blau“. Die Worte sind zum Beispiel als Schriftzug auf einem Stadtbus zu sehen. Auch blaue Quadrate gehören zu seinen „Interventionen“, mit ihnen wird er für die neue Schau dann auch für ihn wichtige städtische Orte markieren, so Egle, und so auch die Einheimischen zu einem anderen Blick auf Bekanntes auffordern. Dem nach wie vor als „Betze“ bekannten Fritz-Walter-Stadion wiederum will sich die Künstlerin Sophie Innmann über das Thema Klang widmen. Mit ihrer Kamera wird zudem die Dokumentarfotografin Elisabeth Neudörfl die Stadt erkunden, auf der Vogelweh war sie schon. Und Erik Sturm spürt der Geschichte der Litfaßsäule auf dem Pfaffplatz nach: Er untersucht die Plakat- und damit Werbe- und Veranstaltungsgeschichte der Stadt Schicht für Schicht.

Um Architektur und „Stadtarchäologie“ also geht es Egle als Kurator, um soziologische, gesellschaftspolitische, künstlerische und identitätsstiftende Fragen. Und da es dem Museum auch wichtig sei, näher an die Stadt und das Publikum heranzurücken, sollen auch städtische Initiativen, die Stadtpolitik und lokale Künstler mit ins Programm zur Ausstellung eingebunden werden, verspricht Egle, das heimische Know-how nicht zu vernachlässigen. So habe er etwa schon Kontakt zu Michael Fetzer von der Künstlerwerkgemeinschaft Kaiserslautern aufgenommen, der mit Projekten wie „Bank für alle“ und seiner jüngsten Foto-Ausstellung im Kunstraum Westpfalz, die so manche Kaiserslauterer Bausünde zeigte, für eine lebenswertere Stadtgestaltung eintritt.

Weitere Ausstellungen der Pfalzgalerie widmen sich dieses Jahr der US-amerikanischen Pop-Art, dem Pfalzpreis für Bildende Kunst sowie Max Liebermann. Das Programm wollen Steffen Egle und sein Team heute auch beim für alle Interessierten kostenlos zugänglichen Neujahrsempfang im Museum (18. Januar, 19 Uhr) vorstellen.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 15 Donnerstag, den 18. Januar 2024
 

 
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AUSNAHME.

Stadion: Pachtregelung verlängert​

Der 1. FC Kaiserslautern kann auch für die Spielzeit 2024/25 mit einer reduzierten Pacht für das Fritz-Walter-Stadion planen. Der Stadtrat verlängerte die aktuell gültige Regelung mit großer Mehrheit für eine weitere Spielzeit. Er setzte aber auch eine Frist, bis wann der neue Pachtvertrag vorliegen soll.​

von Chrsitian Clemens

Bei der Verabschiedung des seit 2015 gültigen Pachtvertrages hatte man sich über marktübliche Pachthöhen informiert, erinnerte Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD). „Die 3,2 Millionen Euro, die die Stadiongesellschaft pro Jahr braucht, sind eben in der Zweiten Bundesliga nicht marktüblich“, so Kimmel zu den Erkenntnissen.

Vertagungsantrag der Linken abgelehnt:
Daher sieht die nun auch für die Saison 2024/25 gültige Regelung vor, dass der FCK in Liga zwei nur eine Mindestpacht von 2,4 Millionen Euro zahlen muss, 625.000 Euro sind es in Liga drei. In der Ersten Bundesliga ist die Pacht nach Tabellenplätzen gestaffelt von 3,6 bis 4,6 Millionen Euro. Dazu kommen zusätzliche Zahlungen bei Erfolgen im DFB-Pokal oder bei Erreichen eines bestimmten Zuschauerschnittes. Der aktuell gültige Nachtrag zum Vertrag regelt drüber hinaus weitere Punkte: Die Stadiongesellschaft darf beispielsweise Flächen im Logenturm sowie in der Ost- und Südtribüne des Stadions nutzen. Außerdem werden der Stadt Sponsoringleistungen in Höhe von 100.000 Euro im Jahr gewährt. Und ein Wirtschaftsprüfer muss bestätigen, dass die Pachtreduzierung für den FCK überhaupt notwendig ist, fasste Kimmel zusammen. Dass die Stadt der Stadiongesellschaft den Fehlbetrag nach EU-Beihilferecht zuschießen darf, wurde durch ein Gutachten der Anwaltskanzlei Kapellmann und Partner erneut bestätigt.

Eben dieses Gutachten hätte Stefan Glander, Fraktionssprecher der Linken, gerne eingesehen. Seinem Antrag auf Akteneinsicht stimmte der Rat zu. Nicht zugestimmt hat das Gremium Glanders Antrag auf Vertagung der Entscheidung über die Pacht. Bis 15. März muss der FCK die Lizenzunterlagen für die kommende Spielzeit bei der Deutschen Fußball Liga einreichen, erst bei der kommenden Stadtratssitzung am 11. März über die Pachtregelung zu beraten, hielt die Oberbürgermeisterin für zu kurzfristig, die Ratsmehrheit ebenfalls.

Glander wünscht sich InflationsanpassungGlander monierte, dass die Höhe der reduzierten Pacht 2015 festgelegt wurde, mit Blick auf die Inflation müsste der Betrag inzwischen höher ausfallen. „Das gilt leider nicht für Stadionmieten in der Zweiten Liga“, hielt Grünen-Sprecher Tobias Wiesemann dagegen. Man könne vom FCK nicht verlangen, dass er unübliche Margen erwirtschafte. Auch SPD-Sprecher Patrick Schäfer machte deutlich, dass man bei den Haushaltsverhandlungen bereits 800.000 Euro eingestellt habe, um eine weitere Pachtreduzierung auszugleichen. „Wir haben den Weg also schon eingeschlagen“, so Schäfer. Er plädierte dafür, den Beschluss unter den Vorbehalt der Zustimmung der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion zu stellen, was der Rat mittrug. Außerdem machte er deutlich, dass die Mehreinnahmen für die Stadiongesellschaft aus dem Erfolg des FCK im DFB-Pokal dringend gebraucht würden, um in die Sicherheit im Stadion zu investieren und nicht für andere Vorhaben zu verwenden.

„Mich erinnert das etwas an die finanzielle Rettung des Westpfalz-Klinikums. Beide, der FCK und das Klinikum, sind aus der gesellschaftlichen Struktur Kaiserslauterns aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht wegzudenken“, sagte AfD-Fraktionssprecher Dirk Bisanz. Letztlich stimmte der Rat gegen die Stimmen der Linken und bei Enthaltung der FDP für die Verlängerung der Pachtregel.
Hengen: Bei neuem

Vertrag Gas geben„Na klar, sind wir erleichtert“, sagte FCK-Geschäftsführer Thomas Hengen, der die Sitzung zusammen mit Rainer Keßler, dem Vorsitzenden des Beirates der 1. FC Kaiserslautern Management GmbH, verfolgte. „Es ist ja nicht so, dass wir nicht gerne mehr geben würden. In der Ersten Bundesliga wäre das auch gar kein Problem“, sagte Hengen. Zufrieden mit der Entscheidung des Rates war auch Stefan Weiler, der Geschäftsführer der Stadiongesellschaft.

Beide – FCK und Stadiongesellschaft – verhandeln gerade über einen neuen Pacht- und Betreibervertrag. Weil der bis zur Frist für die Einreichung der Lizenzunterlagen noch nicht beschlossen sein wird, wurde die aktuelle Pachtregelung nun verlängert. Die Verhandlungen seien ein komplexes Unterfangen, so Kimmel. Es gehe darum, festzuhalten, dass die Stadiongesellschaft als Eigentümerin für den Unterhalt der tragenden Konstruktion zuständig ist, der FCK nur für übliche Unterhaltungen. Noch einmal, das machte der Rat deutlich, wolle man sich aber nicht mit einer Verlängerung befassen. Andreas Jacob (Freie Wähler) beantragte daher, dass ein beschlussfähiger Vertrag bis Oktober/November dieses Jahres vorliegen solle. Er erhielt Unterstützung von der CDU-Fraktionsvorsitzenden Ursula Düll. „Ich möchte nicht am 1. März 2025 darüber entscheiden“, sagte sie. Macht das nun Probleme? „Im Gegenteil, wir wollen sogar aufs Gaspedal drücken. Wir haben uns Mitte des Jahres zum Ziel gesetzt, je früher desto besser“, sagte Thomas Hengen. Auch Stefan Weiler gab sich optimistisch. Womöglich komme man schon in den nächsten sechs Wochen zu einer Lösung. „Bis Oktober sind wir ohnehin durch“, so der Geschäftsführer.

Kommentar​

Verlängerung der Pachtregel ist richtig
von Christian Clemens

Dass ein Wirtschaftsprüfer testiert, ob der FCK die Pachtreduzierung überhaupt braucht, ist richtig. Dass die Stadt ihr zustimmt ebenfalls.

Eine klamme Stadt wie Kaiserslautern kann nicht leichtfertig Hunderttausende oder gar Millionen Euro in die Unterstützung eines Vereins stecken. Schließlich fließen Steuergelder. Es ist wichtig, dass ein Wirtschaftsprüfer begutachtet, ob der FCK diese Hilfe braucht. Andererseits ist die Unterstützung richtig, denn der FCK ist – Spitzenforschung an Uni und Instituten hin oder her – das Aushängeschild der Stadt. Wie viele Menschen kennen Kaiserslautern nur wegen des FCK? Wer sollte das Stadion nutzen, wenn nicht der FCK? Zudem ist der Verein ein Wirtschaftsfaktor. Heimspiele bedeuten Belastungen für Anwohner, aber auch Gäste für die Stadt – aus der Region und ganz Deutschland. Beim Abendspiel gegen Schalke sah man danach in etlichen Hotellobbys blau gekleidete Fußballfans. Sie lassen Geld in Gastronomie und Hotellerie, auch das muss man im Blick haben.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 31 Dienstag, den 6. Februar 2024
 

Stadt und FCK – eine Schicksalsgemeinschaft​

Christian Clemens

10. Februar 2024 - Die Rheinpfalz

Hat irgendjemand ernsthaft daran gezweifelt, dass der Stadtrat die aktuelle gültige Pachtzinsregelung für das Fritz-Walter-Stadion um eine weitere Saison verlängert? Nicht wirklich, oder? Der 1. FC Kaiserslautern kann damit in der kommenden Spielzeit weiter mit einer reduzierten Pacht für das Stadion rechnen, und die Stadt wird weiterhin das Defizit der Stadiongesellschaft ausgleichen. Die Alternativen auf beiden Seiten sind ja auch begrenzt. Die Stadt braucht einen Mieter für ihr Stadion – und dafür kommt in Kaiserslautern nun mal genau ein Verein in Frage. Und der FCK braucht eine Spielstätte, in die im Schnitt über 40.000 Zuschauer passen. Einzige Option in KL: das städtische Stadion. Also tun Stadt und FCK gut daran, für beide Seiten gangbare Kompromisse zu suchen und sich mit Wertschätzung zu begegnen.

FCK-Führung verfolgt Stadtrat als Zuschauer​

Letzteres hat die Führung des FCK auch damit gezeigt, dass Geschäftsführer Thomas Hengen und Rainer Keßler, der Vorsitzende des Beirates der 1. FC Kaiserslautern Management GmbH, die Stadtratssitzung von der Zuschauertribüne verfolgten. Das darf durchaus so interpretiert werden, als dass sie die Unterstützung der Stadt eben nicht als selbstverständlich gegeben ansehen. „Ja, klar sind wir erleichtert“, sagte Hengen im Anschluss an die Entscheidung. Es hätte ja auch eine Hängepartie geben können, die dem FCK Probleme im Lizenzierungsprozess für die kommende Spielzeit beschert hätte.
Tatsächlich ist es so, dass es eben keine Selbstverständlichkeit ist, dass die nicht auf Rosen gebettete Stadt und damit auch die Steuerzahler den Verein bereits seit Jahren finanziell unterstützen. Die jährlich 800.000 Euro in Liga zwei – womöglich reduziert durch Zusatzzahlungen aus dem DFB-Pokal und wegen des guten Zuschauerschnittes – mögen noch irgendwie zu verschmerzen sein. Aber ein Zuschuss von 2,5 Millionen Euro bei einem Abstieg in die dritte Liga? Einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt hat das Team vergangenes Wochenende in Elversberg verpasst. Statt punktemäßig an den Aufsteiger, der seit fünf Spielen nicht mehr gewonnen hatte, heranzurücken, ihn in den Abstiegskampf mit reinzureißen, haben die Saarländer nun sieben Punkte Vorsprung vorm FCK. Thomas Hengen fand im Anschluss die richtigen Worte. Auch wenn die Roten Teufel in dieser Runde wahrlich schlechtere Spiele gezeigt haben, kritisierte er im Nachgang des Spiels – anders als einige Spieler – zurecht, dass dem Team für eine Mannschaft im Abstiegskampf der letzte Biss gefehlt hat. Das muss sich schnellstens ändern, will die Mannschaft dem Verein, den Fans und auch der Stadtkasse eine weitere Spielzeit in Liga drei ersparen.

Stadt darf andere Vereine nicht vergessen​

Auch wenn der FCK für Kaiserslautern der Markenbotschafter schlechthin ist, tun die politischen Entscheidungsträger gut daran, die vielen anderen Vereine nicht zu vergessen, die mit ihrer Arbeit so wichtig für die Stadtgesellschaft sind. Die sollen künftig auch durch die Bürgerhospitalstiftung unterstützt werden. Dafür wurde extra deren Satzung geändert. Allerdings lief diese Änderung nicht so, wie sich der zuständige Hospitalausschuss das gewünscht hatte. Der wollte nämlich sicherstellen, dass das Geld nicht herangezogen wird, um Spitzensport, sprich den FCK, zu fördern, sondern der Breitensport zum Zuge kommt. Eine Beschränkung, die die Kommunalaufsicht gestrichen hat. Doch warum? Weil die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion die Stadt gerne dazu anhalten möchte, das Geld der Stiftung für die Stadionfinanzierung zu nutzen? Das sollte die Stadt tunlichst vermeiden. Schon jetzt haben Vereine – nicht ganz zu unrecht – den Eindruck, dass die Sportförderung eine Zwei-Klassen-Gesellschaft ist. Bei diesen Mitteln sollten die Profis des FCK nicht zum Zuge kommen.
 
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