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RHEINPFALZ Artikel zur WM 2006

Schadenfreude und selbstkritische Töne



Mancher Niederländer überdenkt seine kritische Einstellung zu Deutschland





Der Jubel war unüberhörbar. Als Argentinien im Viertelfinale gegen Deutschland das 1:0 erzielte, tobten viele Niederländer. Ohrenbetäubender Jubel brandete durch die Straßen von Den Haag. Seit Holland aus der Fußball-WM ausgeschieden ist, gibt es im Oranjeland nur noch eine Frage. Und die heißt: Wann verliert Deutschland endlich? In den vergangenen Tagen wettete fast jeder Niederländer auf Italien und hoffte, dass dem Klinsmann-Team im gestrigen Halbfinale in Dortmund der Weg ins Finale von den Azzurri versperrt wurde.







Im allgemeinen Anti-Deutschland-Sentiment vieler Niederländer während dieser Weltmeisterschaft gibt es inzwischen aber mehr und mehr selbstkritische Töne. Das ist neu. So hat es der Deutschland-Korrespondent des Algemeen Dagblad, Arjan Paans, gewagt, sich als Fan des Klinsmann-Teams zu outen. So enthüllt der niederländische Fußballtrainer Huub Stevens, dass er es angeblich war, der Jens Lehmann die goldenen Tipps gab, wie die argentinischen Elfmeter zu halten sind. Stevens hat nämlich eine Datenbank, in der einige tausend Fußballer und deren Elfmeterschüsse gespeichert sind. Stevens, der Lehmann aus seiner Zeit bei Schalke 04 kennt, behauptet, es sei nicht die „Hand Gottes", sondern es seien seine Informationen aus seiner Elfmeter-Datenbank gewesen, die es Lehmann möglich machten, sich als „Elfmeterkiller" zu profilieren.







Wie dem auch sei, plötzlich entdeckt auch der Korrespondent der Volkskrant, Sander van Walsum, seine Sympathie für Deutschland. Ausgerechnet jene Volkskrant, deren Korrespondenten, so wird kolportiert, früher, bevor sie sich in Deutschland in ihrer Wohnung ins Bett legten, immer erst noch sicherheitshalber unters Bett schauten, um nachzuschauen, ob da nicht noch ein Nazi lag, schlägt nun auch deutsch-freundliche und sogar selbstkritische Töne an. „Jahrelang war die Anti-Deutschland-Stimmung Teil der niederländischen Identität. Noch immer denken die meisten Niederländer, dass die heute gespielte und gesungene deutsche Nationalhymne mit „Deutschland, Deutschland über alles" beginnt. Da muss man sich doch nicht wundern, dass diese Unkenntnis von deutscher Seite mit Kritik beantwortet wird," stellt Sander van Walsum fest.







Sein Fazit: Die Niederländer sollten endlich einmal von ihrem „hohen Ross" absteigen und nicht immer noch denken, sie seien „besser" als „die Deutschen". (htz)







JOASR / JOASR



Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung

Datum: Nr.153

Datum: Mittwoch, den 05. Juli 2006

Seite: Nr.3
 
Nicht nur Claudia Schiffer ist „amazing"



Die aus Deutschland zurückgekehrten englischen Fans berichten Erstaunliches über Germany





An der Themse haben sie es pünktlich zur Weltmeisterschaft mit Claudia Schiffer versucht, mit Werbeplakaten, auf denen schwarz-rot-goldene Tücher den nackten Körper des deutschen Models verhüllen und dabei die Kurven betonen. „Invest in Germany, boys!", steht unter dem Bild. Dann trat die Schiffer auch noch sehr grazil vor die Presse und erzählte, dass Deutschland außer Oktoberfest, Bratwurst und Sauerkraut noch ganz andere Qualitäten zu bieten habe, nämlich Kreativität, Witz und Lebensfreude.







Nüchtern betrachtet, hängen viel zu wenige von den Postern in Londons U-Bahn-Stationen, als dass sie etwas bewirken könnten. Was wirklich zieht, sind die Geschichten der englischen Fans, dieses „Wow, hätte ich mir so nicht vorgestellt", wenn sie aus Deutschland heimkehren und in der Kneipe vom Erlebten berichten.







„Amazing" ist dabei das Schlüsselwort, toll, ganz erstaunlich sei es gewesen. Weil man auch im Radio aus englischem Munde täglich die Vokabel „amazing" hört, glauben deutsche Diplomaten, dass sie gerade Zeugen einer historischen Zäsur werden: Dass die Briten Germany ab dieser WM nicht mehr nur als das Land der Kriege, der Krauts und Adolf Hitlers sehen, sondern endlich angekommen sind in der Gegenwart.







Tatsächlich, wer dieser Tage die Sunday Times liest, dazu die alten Schwarzweißraster englischer Blätter im Hinterkopf hat, der reibt sich verwundert die Augen. „Durch Deutschland zu reisen belebt ja richtig die Sinne", staunt Rob Hughes, einer der besten Fußballschreiber des Königreichs. „Die Menschen sind verblüffend offen, legen eine Freundlichkeit an den Tag, wie man sie weder vortäuschen noch anordnen kann." Irgendwie komisch, aber wahr, dass man zusehen kann, wie sich die Deutschen zu ihrem Nationalstolz bekennen, ohne dass man Angst davor haben muss. „Man braucht weder Politiker noch Fußballexperte zu sein, um zu erkennen, dass Deutschland seine Vergangenheit hinter sich gelassen hat." Mal sehen, wie lange der WM-Effekt anhalten wird. (fry)







JOASR / JOASR



Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung

Datum: Nr.153

Datum: Mittwoch, den 05. Juli 2006

Seite: Nr.3
 
Der Stadt geht jetzt ein Licht auf



KAISERSLAUTERN: Viele Installationen sollen nach WM bleiben





Alles leuchtet, Kaiserslautern ist ein Licht aufgegangen: Wer in den WM-Wochen zu vorgerückter Stunde durch die Stadt spazierte, kann es nicht entgangen sein, dass es neuerdings viele Lichtinstallationen in der City gibt. Das meiste soll auf Dauer bleiben, manches kommt aber auch wieder weg, so sagte Oberbürgermeister Bernhard Deubig.







Vor Monaten wurde ein so genannter Lichtmasterplan für Lautern entwickelt, erläuterte Deubig. Nach und nach kamen angestrahlte Gebäude hinzu, allein auf der WM-Meile waren es über 20 Lichtinstallationen. Wer eine Licht-Tour durch die Stadt machen will, sollte am Rathaus beginnen. Auf der Westseite pulsiert eine WM-Skulptur, erzeugt mit ganz vielen Blitzlampen. Eine senkrechte blaue Linie, die nach oben grün wird, zieht sich an der Außenfassade hoch, soll den Endpunkt der WM-Achse kennzeichnen.







Ihr Gegenpart steht oben auf dem Betzenberg. Es ist das Hochhaus in der Malzstraße 6. Die Etagen elf bis 14 leuchten seit der WM nachts farbig. Deubig: „Acht Familien haben sich bereit erklärt mitzumachen, da wurden bunte Lämpchen außen an den Fenstern angebracht." Schön angestrahlt sind auch das Justizzentrum, das Polizeipräsidium, die Unterführung zur Löwenburg, das Gebäude der Gasanstalt, die Kammgarn-Hallen. Auch dabei: die Stadtplatane in der Fruchthallstraße, drei beleuchtete Kanaldeckel in der Fußgängerzone, die Kreissparkasse am Altenhof. Auf der WM-Meile leuchtete und leuchtet noch der Aufzug des Modehauses Claussen, eine Ecke der Dresdner Bank, die Fassade von C&A, das Haus des früheren FCK -Spielers Werner Liebrich zwischen Weber- und Beethovenstraße, das Finanzamt.







Vieles hat die Stadt laut Deubig selbst inszeniert, unter der Regie von Gerhard Degen und Elke Franzreb vom Referat für Stadtentwicklung. Zudem wurden Ideen von Lichtkünstlern umgesetzt. (cla)







REDZIMH / REDZIMH



Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Westricher Rundschau

Datum: Nr.157

Datum: Montag, den 10. Juli 2006

Seite: Nr.16
 
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