schnokes
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Schadenfreude und selbstkritische Töne
Mancher Niederländer überdenkt seine kritische Einstellung zu Deutschland
Der Jubel war unüberhörbar. Als Argentinien im Viertelfinale gegen Deutschland das 1:0 erzielte, tobten viele Niederländer. Ohrenbetäubender Jubel brandete durch die Straßen von Den Haag. Seit Holland aus der Fußball-WM ausgeschieden ist, gibt es im Oranjeland nur noch eine Frage. Und die heißt: Wann verliert Deutschland endlich? In den vergangenen Tagen wettete fast jeder Niederländer auf Italien und hoffte, dass dem Klinsmann-Team im gestrigen Halbfinale in Dortmund der Weg ins Finale von den Azzurri versperrt wurde.
Im allgemeinen Anti-Deutschland-Sentiment vieler Niederländer während dieser Weltmeisterschaft gibt es inzwischen aber mehr und mehr selbstkritische Töne. Das ist neu. So hat es der Deutschland-Korrespondent des Algemeen Dagblad, Arjan Paans, gewagt, sich als Fan des Klinsmann-Teams zu outen. So enthüllt der niederländische Fußballtrainer Huub Stevens, dass er es angeblich war, der Jens Lehmann die goldenen Tipps gab, wie die argentinischen Elfmeter zu halten sind. Stevens hat nämlich eine Datenbank, in der einige tausend Fußballer und deren Elfmeterschüsse gespeichert sind. Stevens, der Lehmann aus seiner Zeit bei Schalke 04 kennt, behauptet, es sei nicht die „Hand Gottes", sondern es seien seine Informationen aus seiner Elfmeter-Datenbank gewesen, die es Lehmann möglich machten, sich als „Elfmeterkiller" zu profilieren.
Wie dem auch sei, plötzlich entdeckt auch der Korrespondent der Volkskrant, Sander van Walsum, seine Sympathie für Deutschland. Ausgerechnet jene Volkskrant, deren Korrespondenten, so wird kolportiert, früher, bevor sie sich in Deutschland in ihrer Wohnung ins Bett legten, immer erst noch sicherheitshalber unters Bett schauten, um nachzuschauen, ob da nicht noch ein Nazi lag, schlägt nun auch deutsch-freundliche und sogar selbstkritische Töne an. „Jahrelang war die Anti-Deutschland-Stimmung Teil der niederländischen Identität. Noch immer denken die meisten Niederländer, dass die heute gespielte und gesungene deutsche Nationalhymne mit „Deutschland, Deutschland über alles" beginnt. Da muss man sich doch nicht wundern, dass diese Unkenntnis von deutscher Seite mit Kritik beantwortet wird," stellt Sander van Walsum fest.
Sein Fazit: Die Niederländer sollten endlich einmal von ihrem „hohen Ross" absteigen und nicht immer noch denken, sie seien „besser" als „die Deutschen". (htz)
JOASR / JOASR
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung
Datum: Nr.153
Datum: Mittwoch, den 05. Juli 2006
Seite: Nr.3
Mancher Niederländer überdenkt seine kritische Einstellung zu Deutschland
Der Jubel war unüberhörbar. Als Argentinien im Viertelfinale gegen Deutschland das 1:0 erzielte, tobten viele Niederländer. Ohrenbetäubender Jubel brandete durch die Straßen von Den Haag. Seit Holland aus der Fußball-WM ausgeschieden ist, gibt es im Oranjeland nur noch eine Frage. Und die heißt: Wann verliert Deutschland endlich? In den vergangenen Tagen wettete fast jeder Niederländer auf Italien und hoffte, dass dem Klinsmann-Team im gestrigen Halbfinale in Dortmund der Weg ins Finale von den Azzurri versperrt wurde.
Im allgemeinen Anti-Deutschland-Sentiment vieler Niederländer während dieser Weltmeisterschaft gibt es inzwischen aber mehr und mehr selbstkritische Töne. Das ist neu. So hat es der Deutschland-Korrespondent des Algemeen Dagblad, Arjan Paans, gewagt, sich als Fan des Klinsmann-Teams zu outen. So enthüllt der niederländische Fußballtrainer Huub Stevens, dass er es angeblich war, der Jens Lehmann die goldenen Tipps gab, wie die argentinischen Elfmeter zu halten sind. Stevens hat nämlich eine Datenbank, in der einige tausend Fußballer und deren Elfmeterschüsse gespeichert sind. Stevens, der Lehmann aus seiner Zeit bei Schalke 04 kennt, behauptet, es sei nicht die „Hand Gottes", sondern es seien seine Informationen aus seiner Elfmeter-Datenbank gewesen, die es Lehmann möglich machten, sich als „Elfmeterkiller" zu profilieren.
Wie dem auch sei, plötzlich entdeckt auch der Korrespondent der Volkskrant, Sander van Walsum, seine Sympathie für Deutschland. Ausgerechnet jene Volkskrant, deren Korrespondenten, so wird kolportiert, früher, bevor sie sich in Deutschland in ihrer Wohnung ins Bett legten, immer erst noch sicherheitshalber unters Bett schauten, um nachzuschauen, ob da nicht noch ein Nazi lag, schlägt nun auch deutsch-freundliche und sogar selbstkritische Töne an. „Jahrelang war die Anti-Deutschland-Stimmung Teil der niederländischen Identität. Noch immer denken die meisten Niederländer, dass die heute gespielte und gesungene deutsche Nationalhymne mit „Deutschland, Deutschland über alles" beginnt. Da muss man sich doch nicht wundern, dass diese Unkenntnis von deutscher Seite mit Kritik beantwortet wird," stellt Sander van Walsum fest.
Sein Fazit: Die Niederländer sollten endlich einmal von ihrem „hohen Ross" absteigen und nicht immer noch denken, sie seien „besser" als „die Deutschen". (htz)
JOASR / JOASR
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Bad Dürkheimer Zeitung
Datum: Nr.153
Datum: Mittwoch, den 05. Juli 2006
Seite: Nr.3