Vorbericht 2. Bundesliga: 26. Spieltag 1.FC Kaiserslautern : KSC 15.03.2026 13:30 Uhr
2026 März 12/ By / 0 comment

Südwest-Derby auf dem Betzenberg: FCK empfängt den Karlsruher SC

Für den 1. FC Kaiserslautern steht am kommenden Sonntag wohl das wichtigste von zwei entscheidenden Spielen im bisherigen Saisonverlauf auf dem Programm. Am 26. Spieltag empfangen die Roten Teufel im traditionsreichen Fritz-Walter-Stadion auf dem Lautrer-Betzenberg die Gäste des Karlsruher SC zum bereits 69. rheinland-pfälzisch-badischen Südwestderby. (Anstoß So, 13:30 Uhr)

Die aktuellen Tabellenplätze beider Teams – Lautern auf Rang sieben (37 Punkte), der KSC mit 34 Zählern auf Platz acht direkt dahinter – treten bei diesem Prestige-Duell fast in den Hintergrund. Vielmehr geht es um die historische Rivalität, die beide Klubs und ehemaligen Gründungsmitglieder der Fußball-Bundesliga, bereits seit den 1950er-Jahren verbindet und die über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte schon unzählige emotionale sowie spannende Begegnungen in den direkten Aufeinandertreffen der beiden Vereine hervorgebracht hat, die geographisch betrachtet gerade einmal eineinhalb Autostunden trennen.

Noch gut in Erinnerung ist das Hinspiel am 9. Spieltag im Wildpark: In einer packenden und torreichen Partie konnten sich die Roten Teufel auswärts mit einem 3:2 (0:1) durchsetzen. Genau an dieses Ergebnis wollen die Männer in Rot nun anknüpfen, wenn sie am kommenden Sonntag vor heimischer Kulisse auf dem Betzenberg antreten. Denn in einem Derby zwischen dem 1. FCK und dem KSC gilt traditionell für beide Mannschaften: Verlieren verboten.

KSC mit stabiler Form – Nach der Krise zurück auf Kurs

Der Gast aus Karlsruhe reist als unangenehmer Gegner in die Fußballpfalz. Die Badener rangieren derzeit im Tabellenmittelfeld und konnten sich in den vergangenen Wochen wieder etwas stabilisieren, nachdem die Mannschaft unter ihrem langjährigen Cheftrainer Christian Eichner (43) gegen Ende der Hinrunde in einen deutlichen Abwärtsstrudel geraten war.

Beginnend mit dem 12. Spieltag Anfang November setzte es für die Eichner-Elf satte fünf Niederlagen in Folge sowie eine Punkteteilung (2:2) im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum am letzten Spieltag vor dem Jahreswechsel. Das Torverhältnis zum Ende der Hinrunde aus Sicht des KSC: 6:19. Auch wenn ein tabellarischer Absturz abgewendet werden konnte und man sich nach diesen fünf Wochen ohne Saisonsieg im Tableau überraschenderweise nur um einen Platz (von Rang acht auf neun) verschlechtert hatte, brannte der blau-weiße Weihnachtsbaum in der Fächerstadt verständlicherweise lichterloh.

Abseits der sportlichen Probleme sorgten in dieser Zeit auch personelle Veränderungen am Rhein für zusätzlichen Zündstoff. So wurde Eichners langjähriger Co-Trainer und ehemalige Bundesligaprofi Zlatan Bajramović (46) – der in seiner Profikarriere unter anderem für den FC Schalke 04, Eintracht Frankfurt und den FC St. Pauli spielte – Anfang Dezember nach der 2:3-Auswärtsniederlage gegen den SV Darmstadt 98 überraschend von seinen bisherigen Aufgaben entbunden. Der gebürtige Hamburger mit bosnischen Wurzeln arbeitete fast sechs Jahre lang mit Eichner im KSC-Trainerteam zusammen und galt nicht nur als einer der engsten und vertrautesten Mitarbeiter, sondern auch als persönlicher Freund seines Cheftrainers.

Die Entlassung von Bajramović sorgte für scharfe Kritik. Dem langjährigen und verdienten Mitarbeiter soll die Trennung offenbar ausschließlich telefonisch mitgeteilt worden sein, ohne dass ihm der Verein über die üblichen „sportlichen Gründe“ hinaus eine genauere Begründung dafür nannte. Viele Fans begegneten der Entscheidung mit Skepsis und werten seine Personalie bis heute als Bauernopfer. Als neuer Assistent von Eichner auf der Trainerbank übernahm anschließend der frühere KSC-Profi Daniel Gordon (41), der zuvor die U23 der Karlsruher betreut hatte.

Auch die Profimannschaft sowie Eichner selbst reagierten auf die Entlassung ihres verdienten Co-Trainers durchwachsen. Nach dem Jahreswechsel setzte sich der Negativtrend zunächst fort: Die „Gelbfüßler“ – so der liebevolle Kosename für den Verein von der falschen Rheinseite – holten aus den darauffolgenden fünf Spielen der Rückrunde nur einen Sieg, dazu zwei Unentschieden und zwei Niederlagen. Ihren Tiefpunkt erreichte die Durststrecke am 22. Spieltag mit einem 1:5-Auswärtsdebakel beim 1. FC Nürnberg, durch das auch Eichner selbst zunehmend in den Fokus der Kritik geriet.

Der lang ersehnte „Back-on-Track“-Moment für den langjährigen Übungsleiter und sein Team kam schließlich im darauffolgenden Heimspiel gegen die Störche aus Kiel, das im Vorfeld zum „Endspiel“ stilisiert worden war und für den KSC-Coach bereits als Schicksalspartie galt. Seine Mannschaft lieferte jedoch die entscheidenden Argumente zugunsten ihres Trainers und setzte sich im heimischen Wildpark souverän mit 3:1 durch. Nach der Niederlage standen die Norddeutschen selbst nur noch einen Punkt vor dem Relegationsplatz. In der Folge trennten sie sich von ihrem langjährigen Trainer Marcel Rapp (46). An der Kieler Förde übernahm anschließend der frühere HSV-Coach Tim Walter (50) seine Nachfolge.

Eine Woche später sicherte sich der KSC mit einem 3:1-Erfolg bei den akut abstiegsbedrohten Magdeburgern den dritten Auswärtssieg der Saison. Am vergangenen Spieltag stellte die Mannschaft zudem gegen die formstarken Dresdner große Comeback-Qualitäten unter Beweis: Nach einem zwischenzeitlichen 1:3-Rückstand kämpfte sie sich noch zu einem 3:3-Unentschieden zurück und hatte in der Schlussphase sogar mehrere Möglichkeiten, die Partie noch in einen 4:3-Heimsieg zu drehen.

Taktische Ausgangslage / Statistikecke

Formation
– In der Hinrunde setzte der KSC meist auf eine 4-2-3-1-Formation, gelegentlich auch auf ein 4-4-2, abhängig vom jeweiligen Gegner. In den letzten drei Spielen wurde das System jedoch zunehmend auf ein 3-5-2 umgestellt. Diese Umstellung dürfte die Lautrer vor dem direkten Duell am kommenden Sonntag aufmerksam machen, denn mit dieser Taktik sind die Badener bisher noch ungeschlagen.

Typische Merkmale:

  • Drei Innenverteidiger sorgen für Stabilität und Spielaufbau. (Kobald, Franke, Ambrosius)
  • Wingbacks agieren offensiv wie Flügelstürmer und defensiv wie Außenverteidiger (Herold, Jung)
  • Drei zentrale Mittelfeldspieler: zwei defensiver Sechser, ein kreativer Spielmacher (Burnić, Kwon, Wanitzek)
  • Zwei Stürmer: ein Zielspieler, ein dynamischer Angreifer für Räume und Konter. (Šimić, Ben Farhat)
  • Spielweise: Kontrolle im Zentrum, schnelle Flügelangriffe über Wingbacks, bei Ballverlust schnelle Absicherung durch die Dreierkette.

Mit 40 erzielten Toren (Platz 6) bei nur 301 Torschüssen (Platz 15) beweist der KSC vor dem gegnerischen Tor eine beeindruckende Effizienz. Laut xG-Werten hätte die Eichner-Elf theoretisch acht Treffer weniger erzielen dürfen als es tatsächlich der Fall ist. Beim xGa-Wert von +1,9 hat man rechnerisch hingegen zwei Gegentreffer zuviel kassiert.

Offensiv liegt der KSC im oberen Drittel der Liga: Mit 263 Flanken aus dem Spiel (Platz 6), einer Passquote von 82,7 % (Platz 8) sowie sechs Pfosten- oder Lattentreffern (Platz 6) zeigt das Team seine Qualität im gegnerischen Drittel. Hinzu kommt, dass vier von fünf verwandelten Elfmetern auf eine starke Präsenz im Strafraum und eine gewisse Effektivität bei Standardsituationen hinweisen.

Verbesserungsbedarf besteht jedoch bei den physischen Werten: gewonnene Zweikämpfe (Platz 15 – 2.488), Sprints (Platz 15 – 3.411) und intensive Läufe (15.194 – Platz 16) liegen am unteren Tabellenende.

Auch defensiv zeigt sich die Mannschaft von Eichner extrem anfällig: Mit 47 Gegentoren rangiert die KSC-Abwehr hinter den Schießbuden aus Fürth (56) und Magdeburg (48) auf Rang drei im Gegentorranking. Unter den ersten zehn Teams der Tabelle hat augenblicklich nur Fortuna Düsseldorf ein schlechteres Torverhältnis (-10) als der KSC (-7) vorzuweisen.

Schlüsselspieler

Hans Christian Bernat (25, TW) – wichtiger Rückhalt im Karlsruher Tor, der besonders durch seine starken Reflexe und spektakulären Paraden hervorsticht. Fehlte zuletzt im Spiel gegen Dresden gelbgesperrt und wurde vom Ex-Lautrer Robin Himmelmann (37) vertreten. Der 1,92 m-großgewachsene Däne dürfte im Spiel gegen den 1. FCK aber mit Sicherheit wieder zwischen die KSC-Torpfosten rücken.

David Herold (23, LV) – schneller und technisch starker Linksverteidiger, der sich nach seiner Zeit in der Jugend des FC Bayern München mittlerweile als verlässliche Stammkraft auf der linken Abwehrseite bei den Badenern etabliert hat. Herold bringt vor allem Tempo, Dynamik und offensive Ideen ins Spiel über die linke Außenbahn und sorgt mit seinen Vorstößen und Flanken für zusätzliche Tiefe im Angriff. Aktuell bester Torvorbereiter auf Seiten des KSC: Sechs Torvorlagen.

Marvin Wanitzek (32, ZM) – das absolute Herzstück im Karlsruher Spiel. Der erfahrene Mittelfeldspieler steuert den Spielaufbau, verteilt die Bälle präzise auf Flügel und Stürmer und zieht die gegnerischen Abwehrreihen seziermessergleich durch intelligente Lauf-/Passwege auseinander. Der gebürtige Bruchsaler gilt als verlängerter Arm seines Cheftrainers, der Spielsituationen sehr gut liest und oft die richtigen Entscheidungen auf dem Feld trifft – auch in Drucksituationen oder bei Rückständen. Zudem ist er einer der wichtigsten und besten Standardschützen der Liga: In dieser Saison war er an 42,5 % aller erzielten KSC-Tore beteiligt – Bestwert in Liga 2.

Louey Ben Farhat (19, HS) – Eigengewächs des KSC und vielseitiger Angreifer, der sowohl als Mittelstürmer als auch als hängende Spitze eingesetzt werden kann. Er überzeugt durch Tempo, technische Fertigkeiten und Torgefahr. Nach einer längeren Verletzungspause wegen eines Mittelfußbruchs in der Hinrunde ist er nun zurück und zählt im KSC-Angriff zu den wichtigsten Hoffnungsträgern: Er schafft Räume, nutzt Chancen effektiv und bringt zusätzliche Dynamik in die Offensive. Fünf Torbeteiligungen in den letzten drei Spielen unterstreichen seine Leistung und haben den Linksfuß zuletzt auch als potenziellen WM-Kandidaten für die tunesische Nationalmannschaft ins Gespräch gebracht.

Personalsituation

Innenverteidiger Marcel Beifus (23) fehlt den Fächerstädtern längerfristig aufgrund eines Knorpelschadens. Für ihn rückte zuletzt Winterneuzugang Stephan Ambrosius (27) auf die äußere Position in der Dreierreihe. Ansonsten muss der KSC im Südwestderby voraussichtlich auf keinen weiteren Spieler verzichten.

Rudelbildung und Doppelschlag: FCK verliert turbulentes Spiel beim VfL Bochum

Im Auswärtsspiel gegen den VfL Bochum zogen die Roten Teufel von FCK-Coach Torsten Lieberknecht am vergangenen Wochenende den Kürzeren. Beim Spiel an der Castroper Straße mussten sich die Betzebuwe mit einem 2:3 (1:1) geschlagen geben und damit die zweite Niederlage in Folge hinnehmen, nachdem sie eine Woche zuvor im Heimspiel gegen den SC Paderborn bereits mit einem 1:2 die unterlegene Mannschaft waren.

Auffällig beim Spiel im Ruhrpott – das von den beiden Co-Trainern Carsten Rump (44) und Niklas Martin (37) von der Seitenlinie aus betreut wurde, da Lieberknecht im Heimspiel gegen die Ostwestfalen aus Paderborn eine Woche zuvor einen Platzverweis erhalten hatte – waren insbesondere die ersten dreißig Minuten. In dieser Phase wirkten die Betzebuwe taktisch nicht auf der Höhe und mussten folgerichtig das frühe 0:1 durch Ex-FCK-Stürmer Phillip Hofmann in der 9. Minute hinnehmen. VfL-Linksverteidiger Maximilian Wittek (30) konnte dabei unbedrängt eine Flanke aus dem linken Halbfeld präzise auf den Kopf seines großgewachsenen Mannschaftskollegen servieren, während sich Leon Robinson (24) und Ji-soo Kim (21) in der Spielmitte offensichtlich uneins über die Manndeckung des Angreifers waren und nicht entscheidend eingriffen.

Wie Rump im Anschluss vor den TV-Kameras bestätigte, nahmen die Gäste danach eine taktische Umstellung vor, die sich insbesondere zwischen der 30. und 60. Spielminute bemerkbar machte. In dieser Phase gelang den Pfälzern zunächst durch Norman Bassette (30.) der Ausgleichstreffer zum 1:1, bevor FCK-Kapitän Marlon Ritter mit einem Zinedine-Zidanesquen Roulette-Tor sogar die 2:1-Führung für die Betzebuwe erzielen konnte (50.) – sehr zur Freude der rund 3.000 mitgereisten Fans im gut gefüllten Auswärtsblock der Roten Teufel.

Eine „Schlüsselszene“, wie sie FCK-GF Sport Thomas Hengen (51) im Anschluss nannte, ereignete sich allerdings dann nach rund einer Stunde Spielzeit: Während sich FCK-Flügelverteidiger und Vorlagengeber zum 1:1, Paul Joly (25), am oberen Spielfeldrand bei einem Sprintduell ohne Gegnereinwirkung verletzte und mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden ging, beförderten die Lautrer den Ball auf der gegenüberliegenden Spielfeldseite ins Seitenaus, um dem französischen Schienenspieler eine Behandlungspause durch den medizinischen Staff zu ermöglichen. Für den besten Vorlagengeber der Gäste (sechs Torvorlagen) ging es jedoch nicht weiter – er musste in der 63. Minute angeschlagen durch seinen Mannschaftskollegen Simon Asta (25) ersetzt werden.

Da der VfL Bochum den Ball anschließend fairerweise nicht wie üblich zu den Gästen zurückspielte, sondern selbst einen Angriff startete, verlor Bassette auf Höhe der Mittellinie die Nerven und schubste einen Bochumer Spieler, der zuvor den Einwurf ausgeführt hatte, über die Seitenlinie, was natürlich allein aufgrund der Feldposition direkt vor den Trainerbänken nahezu alle Ersatzspieler, Trainer und Assistenten beider Teams aufbrachte. Die Szenerie endete in einer Rudelbildung, in deren Folge Callum Marshall (21) auf Seiten der Hausherren und Kenny Prince Redondo (31) bei den Gästen jeweils eine gelbe Karte sahen, woraufhin sich die Gemüter schnell beruhigten. Dennoch schien dieser Vorfall die Hausherren zu beflügeln: In der letzten halben Stunde des Spiels übernahm der VfL Bochum wieder zunehmend die Kontrolle auf dem Rasen.

Nur wenige Zeigerumdrehungen später sorgten der soeben erst verwarnte Callum Marshall (66.) und Mats Pannewig (21) aus dem zentral-defensiven Mittelfeld, der nach einer Ecke am zweiten Pfosten zur Stelle war (69.), mit ihrem Doppelschlag nicht nur für den Ausgleich, sondern auch für die 3:2-Führung zu Gunsten des Vfl– was gleichzeitig auch den Endstand im Ruhrstadion an der Castroper Straße bedeutete, da in den letzten zwanzig Spielminuten auf beiden Seiten nichts Entscheidendes mehr passierte und ein Aufbäumen der Roten Teufel weitgehend ausblieb.

Der VfL Bochum feierte den ersten Sieg nach vier sieglosen Spielen in Folge und verbesserte sich in der Tabelle um einen Rang (von zehn auf neun). Für die Pfälzer hingegen bedeutete die Niederlage den zweiten Drei-Punkte-Verlust in Folge sowie die Verschlechterung im Tabellenbild um einen Rang von Platz sechs auf Rang sieben.

Unter Druck: Einzelaktionen statt System – Debatte um Trainer Lieberknecht

Die Lage bei den Roten Teufeln vor dem Prestigespiel gegen den Karlsruher SC gestaltet sich nach der zweiten Niederlage in Folge deshab durchaus angespannt: Verletzungen und Formschwankungen sorgen für personelle Unsicherheiten, während der Druck auf das Team und FCK-Cheftrainer Torsten Lieberknecht aufgrund der Bedeutung des Derbys im Umfeld deutlich spürbar ist.

Vor dem wichtigen Duell gegen den Karlsruher SC reißen die kritischen Stimmen in der Fußballpfalz nicht ab. Lieberknechts bevorzugter Spielstil und die taktischen Mittel seiner Mannschaft wirken auch mit fortschreitender Saison zunehmend durchschaubar – auch zuletzt beim Spiel in Bochum, auch wenn der Übungsleiter das Geschehen wegen seiner Gelb-Rot-Sperre aus der Partie gegen SC Paderborn nur von der Tribüne des Ruhrstadions verfolgen und nicht wie gewohnt von der Seitenlinie eingreifen konnte.

Die herausragende Einzelaktion von Marlon Ritter zum zwischenzeitlichen 2:1-Führungstreffer in der 50. Spielminute direkt nach Wiederanpfiff – die Fabian Klos (38), Sky-Experte und langjähriger Ex-Profi unter anderem bei Arminia Bielefeld, im Nachgang schlichtweg als „Weltklasse“ bezeichnete – steht sinnbildlich für die aktuellen Probleme der Fußballpfälzer. Gleichzeitig bestätigt sie die nicht leiser werdenden Kritiker rund um den Betzenberg, die der Mannschaft zu viel Stückwerk im Spiel und eine zu starke Abhängigkeit von individuellen Einzelaktionen vorwerfen, statt eines balancierten Ballbesitz- und Kombinationsspiels, das mit technisch beschlagenen Spielern wie Luca Sirch, Semih Şahin, Nataan Skyttä und nicht zuletzt Ritter selbst eigentlich problemlos möglich sein sollte.

Auch ehemalige Lautern-Profis üben mittlerweile verstärkte Kritik an der vom aktuellen FCK-Cheftrainer favorisierten ‚Hoch & Weit‘-Spielweise. So nahm Thomas Riedl (49), früherer Flügelspieler und mit 209 Pflichtspielen eine FCK-Legende, während des Spiels gegen Bochum den Coach im heimischen Wohnzimmer in die Pflicht. Riedl äußerte Zweifel, ob Lieberknecht als gebürtiger Pfälzer ohne seine regionale Verbundenheit und den ‚Stallgeruch‘ überhaupt noch auf der Cheftrainerbankd auf dem Betzenberg sitzen würde. Gleichzeitig relativierte der Ex-Profi seine Aussage: Mit ausreichend Geduld könne der Trainer durchaus eine erfolgreiche Mannschaft formen – Geduld, die im modernen Profifußball bei ausbleibenden Erfolgserlebnissen jedoch rar sei.

Wackelige Defensive, Neuzugänge hinter den Erwartungen – quo vadis 1. FCK?

Die Statistik unterstreicht den aktuellen Negativtrend: Während der 1. FC Kaiserslautern die Hinrunde noch auf Rang sieben beendete, liegen die Lautrer in der Rückrundentabelle derzeit nur auf Platz zwölf. Besonders alarmierend ist der aktuelle Gegentorschnitt: In den bisher acht Partien der zweiten Saisonhälfte kassierte das Team vom Betzenberg bereits siebzehn Treffer – im Schnitt mehr als zwei pro Spiel.

Der FCK-Coach muss seine Dreierkette in der Abwehr wegen Sperren und Verletzungen fast wöchentlich neu zusammenstellen. Nur einmal, am 19. und 20. Spieltag in den Partien gegen Schalke 04 und die SV Elversberg, stand zu Beginn die gleiche Formation auf dem Feld: Winterneuzugang Atanas Chernev (23), Luca Sirch (26) und Maxwell Gyamfi (26). Unter diesen Umständen bleibt wenig Gelegenheit, Automatismen zu entwickeln, Abläufe einzuüben und die für eine stabile Defensive so wichtigen Abstimmungen zu festigen.

Auch die Laufleistungen der Betzebuwe sind seit mehreren Monaten rückläufig. Seit dem 13. Spieltag und dem deutlichen 4:1-Heimsieg gegen Holstein Kiel Ende November blieb der FCK in allen folgenden Partien hinter den Laufwerten des jeweiligen Gegners zurück. Beim Spiel in Bochum waren es erneut rund 4 km weniger als auf Seiten der Gastgeber. Kein kriegsentscheidender Wert, aber eine weiteres Puzzlestück auf der Suche nach den Gründen der die aktuelle Schwächephase der Fußballpfälzer unterstreicht – insbesondere wenn man berücksichtigt, dass man in acht Spielen mit einer höheren Laufleistung im Schnitt 2,25 Punkte pro Partie holte, während der Punkteschnitt in den Partien mit geringerer Laufleistung auf nur 1,00 Punkt pro Spiel sank. Die Frage bleibt: Trägt der intensive Spielstil unter Lieberknecht, das mannorientierte Pressing und die hohe Intensität dieser Entwicklung Rechnung?

Naturgemäß wächst bei ausbleibenden Erfolgserlebnissen auch die Kritik an der sportlichen Führung und am im Winter durchgeführten Personalumbruch in der Fußballpfalz. Bis auf Angreifer Norman Bassette (21), der aufgrund der Verletzungen und fortwährenden Trainingsrückständen von Ivan Prtajin (29), Mërgim Berisha (27) und Mahir Emreli (28) sowie einer sichtbaren Formdelle seines Sturmpartners Daniel Hanslik (29) schnell zum Mittelstürmer Nr. 1 am Betzenberg avancierte, konnte keiner der restlichen drei Winterneuzugänge bislang eine tragende Rolle im Team der Betzebuwe übernehmen. Innenverteidiger Jacob Rasmussen (28) fehlte zuletzt wegen einer Gehirnerschütterung aus dem Spiel gegen Münster, Atanas Chernev (23) steckt nach einem vielversprechenden Debüt beim Auswärtsspiel auf Schalke in einem Formtief und wurde gegen den VfL Bochum nicht einmal in den 20-Mann-Kader berufen. Mërgim Berisha (27) muss trotz guter Ansätze weiterhin an seiner Fitness arbeiten, um dem FCK langfristig helfen zu können – derzeit reichen seine Einsätze maximal für 20 bis 30 Minuten pro Spiel – ebenso verhält es sich bei Mahir Emreli nach überstandener Adduktorenverletzung.

Personalsituation

Auch im kommenden Spiel gegen den KSC wird der FCK-Coach wieder zum Umbau seiner Mannschaft gezwungen sein. Gerade vor dem Spiel gegen den badischen Erzrivalen kommt die gelbbedingte Sperre für einen physischern Hybridspieler im Defensivverbund wie Leon Robinson (24) für die Lautrer zur Unzeit. Gegen Bochum wurde der zweikampfstarke Abräumer auf der linken Position in der Innenverteidigung eingesetzt.

Für ihn könnte möglicherweise Jacob Rasmussen in die linke Innenverteidigerposition zurückkehren – der 28-Jährige präsentierte sich gestern erstmals wieder gemeinsam mit seinen Mannschaftskollegen im öffentlichen Teamtraining. Auch Maxwell Gyamfi (26) wäre eine realistische Option für eine Rückkehr in den FCK-Kader.

Auch Mika Haas (20) kehrte am Dienstag nach einer hartnäckigen Nasen- und Nebenhöhleninfektion wieder ins Teamtraining zurück. Nach fast zwei Wochen Trainingsrückstand könnte seine Rückkehr auf die linke Schienenposition für den kommenden Sonntag allerdings eine zeitliche Punktlandung werden. Fraglich ist zudem die Einsatzmöglichkeit von Paul Joly, der, wie bereits beschrieben, in Bochum aufgrund muskulärer Probleme vorzeitig ausgewechselt werden musste und bei dem der Verein bis zum heutigen Tag noch keine offizielle Diagnose bekanntgab.

Bilanz gegen den Karlsruher SC

Ein klarer Vorteil für die Roten Teufel am kommenden Sonntagnachmittag ist ihre beeindruckende Bilanz in Heimspielen gegen den Karlsruher SC. Insgesamt 18 Siege, 11 Unentschieden und nur 5 Niederlagen bestätigen, dass die Bastion Betzenberg für die „Gelbfüßler“ nur selten eingenommen werden konnte. Das Torverhältnis von 58:27 fällt dabei ebenfalls klar zugunsten der Roten Teufel aus.

Auch beim letzten Aufeinandertreffen des Vorjahres siegten die Betzebuwe klar mit 3:1. Bereits in der 12. Spielminute brachte Boris Tomiak (27) den 1. FCK per Strafstoß mit 1:0 in Führung, bevor der ehemalige Chefcoach Markus Anfang (51) im weiteren Spielverlauf mit den Einwechslungen vom Lautrer-Derbyheld Kenny Prince Redondo (31) und seinem Mannschaftkollegen Jannis Heuer (26) ein goldenes Händchen bewies. Redondo steuerte in der 73. Minute nach einer toll eingeleitenden Kontersituation das 2:0 bei, während Heuer nach einer Standardsituation der Pfälzer nur drei Minuten später zur Stelle war und mit seinem ersten Saisontor den berühmten Deckel auf die Partie machte. Der späte Freistoß-Ehrentreffer für den KSC durch Marvin Wanitzek in der 88. Minute kam zu spät, um den Betze-Heimsieg noch zu gefährden.

So könnten sie spielen:

1. FC Kaiserslautern: Krahl – Sirch, Kim, Gyamfi (Rasmussen), – Haas (Kleinhansl), Joly (Asta), Kunze, Sahin, Ritter (C), Skyttä, – Bassette

Karlsruher SC: Bernat – Franke, Kobald, Ambrosius, – Jung, Herold, Kwon, Burnić, Wanitzeck (C), – Ben Farhat, Šimić

Sperren / Ausfälle:

1. FC Kaiserslautern: Simon Simoni (TW – Oberschenkelprobleme, Einsatz kurzfristig möglich), Ivan Prtajin (MS – Reha nach Achillessehnenriss), Paul Joly (RV – Oberschenkelblessur, Einsatz fraglich)

Karlsruher SC: Marcel Beifus (IV – Knorpelschaden)