2026 Apr. 16/ By / 0 comment

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Ein Bundesliga-Absteiger kämpft ums Überleben

Holstein Kiel steht derzeit mit 32 Punkten auf dem 12. Tabellenplatz und gehört damit zu einer Gruppe von ganzen acht Mannschaften, die sich im engen Kampf um die direkten Abstiegsränge beziehungsweise den Relegationsplatz befinden. Aktuell belegt wird dieser von der Eintracht aus Braunschweig (30 Pkt.) und selbst der Tabellenletzte aus Münster ist nur zwei Punkte entfernt.

Am vergangenen Spieltag setzte die Mannschaft vom neuen/alten Trainer Tim Walter (50), der die Störche bereits in der Saison 18/19 betreute und der nach seinen weiteren Stationen aus Stuttgart, Hamburg oder Hull City nun Ende Februar wieder auf die Trainerbank bei den Störchen zurückgekehrt ist, allerdings ein dickes Ausrufezeichen. Im direkten Duell gegen den Tabellenvierzehnten von Fortuna Düsseldorf siegte man am Rhein durch Treffer von Mittelstürmer Phil Harres (50.) und Innenverteidiger Ivan Nekic (79.) mit 2:1 (0:0).

Über die insgesamt enttäuschende Saison aus Sicht des KSV kann dieser Erfolg jedoch nicht vollständig hinwegtäuschen. Als Bundesligaabsteiger hatten sich die Kieler unter ihrem inzwischen entlassenen Erfolgs- u. Aufstiegstrainer Marcel Rapp (46) vor der Spielzeit sicherlich in deutlich höheren Tabellenregionen gesehen, als fünf Spieltage vor Schluss um den Klassenerhalt in der 2. Liga kämpfen zu müssen.

Die sportliche Realität im fußballerischen Frühjahr sieht an der stürmischen Förde im hohen Norden allerdings anders aus: In der Heimtabelle belegt man gegenwärtig den 14. Platz. Im heimischen Holstein-Stadion holten die Störche dabei bisher vier Siege, vier Unentschieden und sechs Niederlagen sowie insgesamt 16 Punkte (Torverhältnis: 36:43).

Zuletzt gab es zu Hause allerdings über mehrere Wochen nur fußballerische Magerkost: Wenn am kommenden Freitagabend der Anpfiff gegen die Fußball-Gäste aus der Pfalz ertönt, liegt der letzte Heimsieg des KSV fast auf den Tag genau geschlagene drei Monate zurück. Am 18. Spieltag Mitte Januar bezwang man den aktuellen Tabellenzweiten des SC Paderborn zu Hause mit einem 2:0.

Taktische Ausgangslage / Statistikecke

Es wird sicherlich noch einige Zeit benötigen, bis der übliche „Walter-Ball“, der sich normalerweise durch eine mutige und offensive Spielweise auszeichnet, an der Förde (wieder) Einzug halten wird, im Angesicht der prekären tabellarischen Lage zählt aktuell bei den Nordlichtern nur der Klassenerhalt bzw. fußballerischer Pragmatismus.

Beim letzten Spiel in Düsseldorf vertraute der neue Chefcoach des KSV auf eine geordnete 4-2-3-1-Formation, ebenso schon im vorangegangenen Heimspiel gegen den SC Preußen Münster (0:0) und bei Walters Pflichtspielpremiere im Auswärtsspiel beim VFL Bochum, welches man ebenfalls mit einem 3:2 für sich entscheiden konnten. Mit anderen Worten: Unter ihrem neuen Cheftrainer sind die Störche seit drei Spielen ungeschlagen.

In den Statistiken fällt auf, dass man sich in Kiel insbesondere beim Toreschießen schwer tut: Unterschiedsspieler Alexander Bernhardsson (27) ist trotz mehrerer u. wochen-/monatelanger Verletzungspausen und nur 17 von 29 möglichen Saisoneinsätzen mit zwei Toren und acht Vorlagen nach wie vor der beste Vorbereiter im Kader. Sein direkter Nachfolger im interen Ranking, Adrián Kaprálik (23) (3 Tore / 4 Vorlagen) fehlt beim Spiel gegen die Roten Teufel mit einer Gelbsperre. Bester Torschütze des KSV ist der ehemalige Stürmer des FC 08 Homburg, Phil Harres (24) mit acht Saisontreffern, dicht gefolgt vom slowenischen Abwehrchef David Zec (5 Tore).

In der Gesamtübersicht stellen 36 Saisontore insgesamt die viertschwächste Offensive hinter Düsseldorf (27), Eintracht Braunschweig und Preußen Münster (beide 31) da. Auch die Anzahl der abgegebenen Torschussversuche (359) in dieser Saison macht in diesem Ranking nur Platz fünfzehn aus.

Beim Ballbesitz präsentieren sich die Störche solide (50% – Platz 6.), ebenso bei den gewonnenen Kopfballduellen (575 – Rang 9.). Weniger überzeugend ist hingegen die Passquote (81,7% – Platz 13) oder die Anzahl der in den Strafraum geschlagenen Flanken (247 – Platz 14).

Starke Werte liefern die Störche in Sachen Zweikämpfe (3.198 – Rang 3.), wobei die Lautrer am kommenden Freitagabend auch die XXL-Schienbeinschoner nicht im Auswärtsreisegepäck vergessen sollten, mit über 400 begangenen Foulspielen, gibt es keine andere Mannschaft in der Liga die ihren Gegnern so häufig auf die Füße steigt als die Kieler. Insgesamt 81 Karten (Rang drei) und bereits fünf Platzverweise im Laufe der Saison bestätigen diesen Trend.

Von den physischen Werten her betrachtet sticht insbesondere die Gesamtlaufleistung (3.530 km – Platz 3) ins Auge. Heruntergebrochen auf die bisherigen Spieltage macht das einen extrem starken Schnitt von über 120 km pro Partie. Auch die Anzahl der Sprints (4.774 – Platz 4) sowie der intensiven Läufe (20.809 – Platz 3) unterstreichen die hohe Intensität. Die Lautrer dürften sich am Freitagabend somit auf eine physisch und körperlich geprägte Partie einstellen, wie sie für eine Mannschaft im Abstiegskampf absolut typisch ist.

Personallage

Die Störche haben seit mehreren Wochen mit einigen erheblichen Verletzungssorgen zu kämpfen – insbesondere die augenblicklichen Ausfälle von Unterschiedsspielern wie Abwehrspieler Carl Johansson (31, Knieprobleme) oder dem bereits oben erwähnten Bernhardsson (27, muskuläre Probleme) treffen die Mannschaft von Coach Walter aktuell empfindlich ins Mark.

Gegen Düsseldorf verletzte sich zudem mit John Tolkien (23) der erste nominelle Linksverteidiger aus der Viererkette beim KSV – der US-Boy musste in der Partie gegen Düsseldorf bereits nach wenigen Minuten ausgewechselt werden nachdem er bereits in der Anfangsphase unglücklich im Rasen hängen blieb. Die nachfolgenden Untersuchungen bestätigte eine Innenbandverletzung, die nicht nur die Saison bei den Störchen sondern auch wohlmöglich den WM-Traum des 23-jährigen Flügelverteidigers vorzeitig beendet haben könnte.

Weitere Personalausfälle auf Seiten der Störche vor dem anstehenden Flutlichtspiel gegen den 1. FCK sind: Patrick Erras (DM – Gehirnerschütterung), Hamza Muqai (ZM – Knieverletzung) oder Andu Kelati (OM – Zerrung). Zusätzlich stehen hinter Innenverteidiger David Zec (Zahn-OP, trainiert individuell) und Mittelfeldspieler Jonas Meffert (Magen-Darm-Infekt, fehlt im Teamtraining) aktuell noch Fragezeichen.


Revanche geglückt: FCK siegt in Berlin und stoppt Herthas Lauf

Nein, so wirklich einkalkuliert haben dürfte man die Leistung bzw. den 1:0-Auswärtserfolg bei der „Alten Dame“ im Berliner Olympiastadion am vergangenen Samstagmittag wohl kaum. Mit ihrem vierten Auswärtssieg der laufenden Saison beendeten die Pfälzer dabei aber überraschend die letzten Aufstiegsträume der Hertha jäh, die nun mit 47 Zählern fünf Spieltage vor Schluss durch die Siege der tabellarisch besser platzierten Teams aus Hannover (53 Punkte), Paderborn (57 Punkte) und Schalke 04 (58 Punkte) den Abstand zur aktuellen Spitzengruppe weiter abreißen lassen mussten.

Auch wenn die Mannschaft von Cheftrainer Stefan Leitl (48) insgesamt dominanter und spielbestimmender auftrat und sich die offensive Kreativabteilung angeführt von Hertha-Kapitän Fabian Reese (28) durchus immer wieder gute Torraumszenen herausspielte, überzeugten die Lautrer nicht weniger attraktiv mit einer ungewohnten Sicherheit und Stabilität in der von Coach Lieberknechf neu-formierten Viererkette, in der bspw. Rechtsverteidiger Simon Asta (25) überraschenderweise den Vorzug vor den beiden bisherigen Stammverteidigern Luca Sirch (26) sowie Paul Joly (26) erhielt und auch Flügelflitzer Kenny Prince Redondo (31) zu seinem zweiten Startelfeinsatz der Saison kam, während FCK-Leihgabe Norman Bassette (21) für den langjährigen und erfahrenen Publikumsliebling zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen musste.

Angeführt von den beiden besten Akteuren der Partie, FCK-Innenverteidiger Maxwell Gyamfi (26) und Torhüter Julian „Kralle“ Krahl (26), der die Hertha insbesondere nach der 1:0-Führung in der Schlussphase der Partie durch seine spektakulären Paraden ein ums andere Mal um den fußballerischen Verstand brachte und mehrere „Hundertprozenter“ der Hauptstädter entschärfte, riefen die Männer in Rot im Olympiastadion eine ihrer besten Auswärtsleistungen der Saison ab, die der 2:2-Punkteteilung beim Spiel auf Schalke vom 19. Spieltag in nichts nachstand – diesmal allerdings nicht nur einen, sondern drei Zähler einbrachte.

Der Man of the Match des Tages aus Sicht der Betzebuwe war FCK-Stürmer Mërgim Berisha (27), der nach einem Eckball (hört, hört) unmittelbar nach der Halbzeitpause das richtige Stürmernäschen bewies und den am Strafraumrand noch einmal scharf gemachten Ball durch Teamkollege Semih Şahin (26) gedankenschnell mit einem Linksschuss aus der Drehung an Hertha-Keeper Tjark Ernst (23) vorbei im Berliner Tor unterbrachte (47.)

Nach der erfolgreichen Abwehrschlacht zeigte sich der FCK-Tross am Ende sehr glücklich und gelöst über den dreifachen Punktgewinn im Berliner Westend, insbesondere weil man den favorisierten Herthanern – wie bereits erwähnt – die Aufstiegstür metaphorisch wohl vor der eigenen Nase zuschlug und sich zugleich für die derbe Schlappe im DFB-Pokalachtelfinale revanchieren konnte, bei dem die Lautrer Anfang Dezember letzten Jahres mit einem 1:6 aus dem Olympiastadion geschossen wurden. Am vergangenen Samstag jedoch überzeugten die Roten Teufel beim Spiel im Olympiastadion vor einer Kulisse von etwas mehr als 4.500 mitgereisten Fans aus der Pfalz mit einer kämpferisch tadellosen Einstellung sowie einer außergewöhnlich hohen Aufmerksamkeit und Konzentration, dass sich sicherlich einige im weiten Rund überrascht die Augen reiben mussten.

Die neu entdeckte Auswärtsstärke darf die Mannschaft von FCK-Coach Lieberknecht nun direkt ein zweites Mal in Folge im hohen Norden beim Flutlichtspiel gegen Holstein Kiel (Anstoß Fr. 18:30 Uhr) unter Beweis stellen.

Besonders spannend dürfte dabei die Frage sein, ob der erfahrene Übungsleiter der Pfälzer weiterhin an seiner neu formierten Viererkette aus Berlin festhält – denn das 4-2-3-1-System, das die kommenden FCK-Gastgeber aus Kiel wie eingangs erwähnt in ihren bisherigen drei Pflichtspielen unter Walter zeigten, könnte sich ideal für eine erneute „Spiegelung“ eignen.

Gleichzeitig bleibt jedoch abzuwarten, wie sich die Partie im Holstein-Stadion entwickelt, da dort – nicht zuletzt aufgrund anderer Voraussetzungen und einer grundverschiedenen Tabellenkonstellation – ein vollkommen anderes Spiel zu erwarten ist.

Aus personeller Hinsicht gibt es aus Sicht der roten Teufel keine gravierenden Probleme zu verzeichnen – erfreulicherweise. Bis auf den Langzeitverletzten Ivan Prtajin (29, Reha nach Riss der Achillessehne) und Erik Wekesser (grippaler Infekt) können die Betzebuwe an der Förde nahezu aus dem Vollen schöpfen, im Gegensatz zu den bereits erwähnten Ausfällen auf Seiten der Gastgeber.

Bilanz gegen Holstein Kiel

Auch ein Blick auf die bisherige Bilanz dürfte die Lautrer optimistisch auf die kommende Partie im Holstein-Stadion blicken lassen.

Insgesamt trafen beide Mannschaften bislang zehnmal aufeinander – erstmals sogar im Rahmen der Finalrunde um die deutsche Meisterschaft 1953, die der FCK damals knapp mit einem 2:1 für sich entscheiden konnte.

Die Lautrer siegten insgesamt schon sieben Mal gegen Holstein, einmal trennte man sich Unentschieden, zweimal gingen die Störche als Sieger vom Rasen. Auch auswärts liegt die Tendenz mit zwei Siegen, einem Remis und einer Niederlage (Torverhältnis 7:10) leicht auf Seiten der Roten Teufel.

Zuletzt trafen beide Mannschaften am 31. Spieltag in der Saison 23/24 im Holstein-Stadion aufeinander. Während der Betze unter seinem damaligen Coach Friedhelm Funkel (72) und seiner personifizierten Feuerwehrmann-Retteraktion einen 3:1-Auswärtssieg und ganz wichtige drei Punkte im Abstiegskampf holte (Tore durch D. Hanslik, F. Kaloč und M. Ritter) bzw. sich dadurch zum ersten Mal seit mehreren Wochen wieder über den berühmten Strich in der Tabelle hieven konnte, fiel der Frust in Kiel nach der Niederlage nicht allzu groß aus. Am Ende stiegen die Störche als souveräner Tabellenzweiter mit fünf Punkten Vorsptung vor dem damaligen Tabellendritten aus Düsseldorf in die Bundesliga auf – mussten allerdings nur ein Jahr später schon wieder den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten.

So könnten sie spielen:

KSV Holstein Kiel: Weiner – Nekic, Zec, Ivezic, Rosenboom, – Meffert, Davidsen, Niehoff (Tohumcu), Skrzybski (C), Therkelsen – Harres

1. FC Kaiserslautern: Krahl – Rasmussen, Gyamfi, Asta (Sirch, Joly), Haas, – Şahin, Kunze, Ritter (C), Skyttä, Redondo (Bassette) – Berisha

Sperren / Ausfälle:
KSV Holstein Kiel: Adrián Kaprálik (RA – Gelbsperre), Patrick Erras (IV – Gehirnerschütterung), John Tolkien (LV – Innenbandverletzung), Carl Johansson (IV – Knieprobleme), Andu Kelati (LA – Zerrung), Alexander Bernhardsson (RA – muskuläre Probleme), David Zec (IV – Zahn-OP, trainiert individuell),

1. FC Kaiserslautern: Ivan Prtajin (MS – Reha nach Achillessehnenriss), Erik Wekesser (LV – grippaler Infekt