Vorbericht 2. Bundesliga: 31. Spieltag 1. FC Kaiserslautern – Einracht Braunschweig Fr., 24.04.2026 – 18:30 Uhr
2026 Apr. 22/ By / 0 comment

Zu wenig für den Befreiungsschlag: Braunschweig bleibt im Abstiegssog

Eine Punkteteilung im Heimspiel gegen die „Alte Dame“ aus Berlin hätte der kommende FCK-Gegner aus Braunschweig vor der Saison wohl sofort unterschrieben. Den frühen Führungstreffer der Gäste durch einen Foulelfmeter von Hertha-Kapitän Fabian Reese (28) – der im ersten Versuch allerdings zunächst an BTSV-Keeper Ron-Thorben Hoffmann (27) scheiterte und das 1:0 erst im Nachschuss besorgte – konnte der 21-jährige Max Marie (21.) im weiteren Spielverlauf zumindest noch zum Endstand eines 1:1 egalisieren (78.). Obwohl die Hausherren durch den jüngsten Rotsünder der Zweitligahistorie in Person von Kennet Eichhorn (16), der nach einem rüden Foulspiel gegen Florian Flick (25) mit einer roten Karte des Feldes verwiesen wurde (73.), die Schlussphase sogar mit einem Mann in Überzahl bestreiten durften, reichte es am Ende gegen zehn Berliner nicht für den sechsten Heimsieg der laufenden Saison.

Wie wichtig dieser Dreier aus Sicht der Gastgeber allerdings gewesen wäre, zeigt ein Blick auf die gegenwärtige Tabelle: Dort rangiert Braunschweig derzeit mit 31 Punkten auf dem Relegationsplatz, punktgleich mit Fortuna Düsseldorf. Tabellenletzter ist Preußen Münster, die mit drei Zählern Rückstand augenblicklich die rote Lampe ihr Eigen nennen müssen.

In der entscheidenden Schlussphase der Saison – vier Spieltage vor dem Ende und mitten im Kampf um das nackte, sportliche Überleben – benötigen die Löwen somit dringend weitere Punkte, um ihr Saisonziel nicht zu gefährden. Dieses beschränkt sich auch in diesem Jahr ausschließlich auf den Ligaverbleib, weshalb sportliche Ambitionen darüber hinaus beim einstigen Bundesliga-Gründungsmitglied und deutschen Meister von 1966/67 auch in der aktuellen Spielzeit schon frühzeitig ad acta gelegt werden mussten.

Trainerwechsel ohne erhofften Schub

Obwohl man bei den Niedersachsen bereits zur sprichwörtlichen „letzten Patrone“ griff und vor fünf Spieltagen mit Lars Kornetka (48) einen neuen Cheftrainer an der Hamburger Straße installierte, der auf den umstrittenen Ex-Coach Heiner Backhaus (44) folgte, hat sich der nachhaltige Erfolg unter dem neuen Übungsleiter bislang noch nicht spürbarer eingestellt.

Kornetka liegt mit einer aktuellen Zählerausbeute von 1,0 Punkten pro Spiel exakt auf dem gleichen Level wie sein Vorgänger – allerdings mit dem Unterschied, dass Backhaus diesen Schnitt über 26 Spieltage hinweg halten konnte. In welchem Bereich sich die geholten Zähler für den aus dem nordrhein-westfälischen Würselen stammenden Fußballlehrer – der in zweiter Instanz auch als aktueller Co-Trainer der österreichischen Nationalmannschaft tätig ist und somit an der anstehenden Fußballweltmeisterschaft im kommenden Sommer in den USA, Mexiko und Kanada teilnehmen wird – nach einer ähnlich langen Amtszeit einpendeln werden, ist derzeit offen – ebenso wie die Frage, in welcher Liga dies letztlich passieren wird. Optimistischer dürfte der Blick beim BTSV aktuell auch nicht gerade ausfallen, wenn man sich mit dem kommenden Auswärtsauftritt bei einer der heimstärksten Mannschaften aus Kaiserslautern beschäftigt, die nach einer 0:3-Schlappe gegen Holstein Kiel am Freitagabend allerdings selbst ihre ganz eigenen Baustellen mit zum direkten Duell auf Deutschlands höchsten Fußballberg bringen werden – doch dazu später mehr. In der Auswärtstabelle belegen die Löwen aktuell den vorletzten Platz, insgesamt erst elf magere Pünktchen konnte man im bisherigen Saisonverlauf in fremden Stadien ergattern, nur die Arminia von Bielefelder Alm präsentiert sich mit zehn Zählern auswärts noch bescheidener. 14 Tore / 25 Gegentore machen zudem ein deutlich negatives Torverhältnis aus Sicht des BTSV vor dem direkten Duell mit den Betzebuwe aus.

Statistikecke

Auch in den bisherigen Saisonstatistiken präsentiert sich der BTSV durchwachsen, um nicht genauer zu sagen äußerst sprunghaft. Die Werte bei den abgegebenen Torschüssen (381 – Platz 12), den begangenen Fouls am Gegner (361 – Platz 10) sowie den intensiven Läufen (19.224 – Platz 9) bewegen sich im soliden, aber unspektakulären Ligamittelfeld. Mit insgesamt 3.203 gewonnenen Zweikämpfen (Platz 7) zeigt sich der BTSV in Sachen Physis und Körperlichkeit hingegen sogar leicht überdurchschnittlich. Ähnlich verhält es sich bei den gewonnenen Kopfballduellen (604 – Platz 7), was für eine gewisse Robustheit der Mannschaft von der Hamburger Straße spricht.

Deutlich schwächer dagegen fällt der spielerische Bereich aus: Die Passquote (79,2 % – Platz 16), der Ballbesitz (46 % – Platz 16) sowie die zurückgelegte Laufdistanz (3.415 km – Platz 17) bewegen sich klar im unteren Tabellendrittel. Auch bei den geschlagenen Flanken (217 – Platz 17) und den erzielten Toren (32 – Platz 16) rangiert man nahezu durchgehend im absoluten Tabellenkeller. Entsprechend wenig überraschend findet sich der BTSV auch in den aktuellen tabellarischen Regionen wieder, in denen er sich – abgesehen von der guten Startphase an den ersten vier Spieltagen mit einem einstelligen Tabellenplatz – im weiteren Saisonverlauf sukzessive immer weiter nach unten einordnen musste und die zweistelligen Tabellenränge seither auch kein einziges Mal mehr verlassen konnte.

Taktische Ausgangslage

Seit dem durchgeführten Trainerwechsel Mitte März agiert der BTSV nicht mehr wie zuvor in einem eher offensiv ausgerichteten 3-4-3 bzw. 3-4-2-1-System, sondern deutlich häufiger aus einem 4-2-3-1 mit klarer Viererkette heraus. Diese Umstellung bringt vor allem mehr defensive Stabilität und klarere Zuordnungen im Spiel gegen den Ball.

Die grundsätzliche Spielidee der Eintracht bleibt jedoch auch in der neuen Formation bestehen: Nach eigenen Ballgewinn sucht die Mannschaft sofort den Weg in die Tiefe. Dabei liegt der Fokus weniger auf längeren Ballbesitzphasen, sondern vielmehr auf einem zielstrebigen, vertikalen Spiel mit wenigen Ballkontakten. Man könnte somit auch sagen, dass der aktuelle Spielstil des BTSV stark an die taktische Marschroute des 1. FCK unter Ex-Trainer Dirk Schuster aus der Aufstiegssaison 22/23 erinnert.

Die bisherige Bilanz des neuen Cheftrainers – ein Sieg, zwei Unentschieden und zwei Niederlagen bei einem Torverhältnis von 4:7 – deutet darauf hin, dass auch das neue System kein taktisches Allheilmittel ist und nicht automatisch die dringend benötigten Punkte für Braunschweig garantiert.

An guten Tagen kann der BTSV jedoch selbst vermeintlich stärkeren Gegnern in der 2. Liga erhebliche Probleme bereiten. Diese Erfahrung musste unter anderem der aktuelle Tabellenführer FC Schalke 04 machen, der kurz vor der Winterpause im Braunschweiger Eintracht-Stadion mit 1:2 unterlag. Auch die Lautrer gerieten am 14. Spieltag bei ihrer inzwischen fast schon traditionellen Auswärtsniederlage an der Hamburger Straße mit 0:2 deutlich ins Hintertreffen.

Schlüsselspieler

  • Ron-Thorben Hoffmann (TW, 27): Der aktuelle Mannschaftskapitän des BTSV ist klar als klassischer Torhüter eingebunden. Sein Schwerpunkt liegt auf der Strafraumbeherrschung sowie der Absicherung hinter der Viererkette. Besonders stark ist er bei der Kontrolle hoher Flanken, zudem trifft er bei langen Bällen meist schnelle und konsequente Entscheidungen.
  • Kevin Ehlers (IV, 25): Der gebürtige Münchner agiert als klassischer Innenverteidiger, meist in einer eher absichernden Rolle, insbesondere in der neu-formierten Viererkette. Seine Hauptstärke liegt im direkten Zweikampf und im Verteidigen des Strafraums.
  • Mehmet Aydin (RM, 24): Der Sommerneuzugang des FC Schalke 04 interpretiert die Position des Rechtsverteidigers eher offensiv als verkappter rechter Mittelfeldspieler. Mit fünf Saisontoren und vier Vorlagen ist er aktuell der torgefährlichste Spieler beim BTSV.
  • Jovan Mijatovic (MS, 20): Seine Beweglichkeit macht ihn im Offensivbereich flexibel einsetzbar. Im 4-2-3-1-System agiert er als nomineller Mittelstürmer und bringt Agilität, Abschlussstärke und Unberechenbarkeit mit.

Bekannte Muster, gleiche Fragen

Kaiserslautern, Betzenberg, Heimspiel, Charakterfrage – nach einer weiteren 0:3-Auswärtsniederlage im Spiel gegen Holstein Kiel dürften sich bei den Pfälzern erneut einige Grundsatzfragen über den eigentlichen „Betriebszustand“ der eigenen Mannschaft stellen. Obwohl das Team von FCK-Trainer Lieberknecht das Spiel im Holstein-Stadion mutig und couragiert begann und zumindest in der Anfangsviertelstunde sogar die höheren Spielanteile hatte, reichte ein Gegentreffer durch Umut Tohumcu (21) in der 16. Minute aus, um das in Auswärtsspielen ohnehin instabile Kartenhaus der Lautrer erneut in sich zusammenfallen zu lassen. Auch der öffentliche Rundumschlag von FCK-GF Sport Thomas Hengen wirkte nach der Partie wenig neu, zumal er als Teil der sportlichen Leitung ebenfalls Verantwortung für die Kadergestaltung trägt. Nach dem Spiel gegen Kiel kündigte man bei den Betzebuwe interne, personelle Konsequenzen an, die laut Cheftrainer Torsten Lieberknecht „sehr hart“ ausfallen werden.Wie diese aussehen und ob sich die Reaktion bereits im Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig zeigt, dürfte sich spätestens am kommenden Freitagabend um 18:30 Uhr zeigen.

Bilanz gegen Eintracht Braunschweig

Das Duell der Roten Teufel gegen die Löwen geht am kommenden Freitagabend bereits in seine 70. Auflage und feiert damit ein kleines, rundes Jubiläum.Auf dem Betzenberg standen sich beide Mannschaften bisher 34-mal gegenüber. Dabei holten die Lautrer 20 Heimsiege, zehn Partien endeten unentschieden, und nur viermal siegten die Gäste aus Niedersachsen. Auch das Torverhältnis fällt mit 63:33 deutlich zugunsten der Pfälzer aus.Gute Erinnerungen dürften die Betzebuwe auch an das letzte Heimspiel gegen den BTSV aus dem Spätherbst 2024 haben. Am 13. Spieltag der vergangenen Saison setzte sich der 1. FC Kaiserslautern im eigenen Stadion mit 3:2 durch. Der mittlerweile nach Bulgarien abgewanderte Filip Kaloč (26) brachte die Roten Teufel bereits in der 17. Minute in Führung. Kurz vor der Pause erhöhte Ragnar Ache (27) auf 2:0 (41.) und stellte damit die Weichen zunächst klar auf Sieg.

Direkt vor dem Halbzeitpfiff verkürzte BTSV-Stürmer Rayan Phillipe (25) per Elfmeter auf 2:1 (45.). Doch quasi im direkten Gegenzug stellte Daniel Hanslik (29) den alten Zwei-Tore-Vorsprung noch vor der Pause wieder her und traf zum 3:1 (45.). In der Nachspielzeit verkürzte Phillipe noch einmal auf 3:2 (90.+6), für eine Wende reichte das jedoch nicht mehr.

So könnten sie spielen

1. FC Kaiserslautern: Krahl – Kim (Rasmussen, Sirch), Gyamfi, Joly (Asta), Haas, Sahin, Kunze (C), Skyttä, Redondo (Ritter) – Berisha, Bassette (Hanslik)

Eintracht Braunschweig: Hoffmann (C) – Hoti, Ehlers, Di Michele Sánchez, Gómez, Aydin, Flick, Tempelmann, Heußer, Marie, Mijatovic

Sperren und Ausfälle

  • 1. FC Kaiserslautern: Ivan Prtajin (MS – Reha nach Achillessehnenriss), Erik Wekesser (LV – Aufbautraining nach grippalem Infekt)
  • Eintracht Braunschweig: Frederik Jäkel (IV – Reha nach Kreuzbandriss), Patrick Nkoa (IV – Knieprobleme, Rückkehr unbekannt), Sidi Sané (RA – Muskelverletzung im Oberschenkel, im Lauftraining), Aaron Opoku (LA – Muskelfaserriss)