Der alte Mann und die Macht
München - Der Glaspalast im Londoner Nobelviertel Chelsea passt zum Selbstverständnis des Bernard Charles Ecclestone.
"Ich bin bescheiden. Ich brauche mein Steak, meinen Salat, meinen Hubschrauber und meinen Lear-Jet", sagt der Formel-1-Mogul über sich.
Mit einem geschätzten Vermögen von über drei Milliarden Dollar zählt "Bernie" zu den 20 reichsten Briten.
"Ob im Kindergarten oder der Grundschule - ich habe schon früh mit allem gedealt, was mir in die Finger kam", verrät der 76-Jährige.
Seit rund 30 Jahren lenkt der weißhaarige Impresario die Geschicke der Formel 1 und somit die wirtschaftlichen und sportlichen Interessen der Königsklasse.
Veto des Impresarios?
Auch der geschickten "Politik" des greisen Herrschers hat die Formel 1 das wohl spannendste Saisonfinale seit 20 Jahren zu verdanken.
Ob "Spionage"- oder "YouTube-Affäre", stets hat Ecclestone im Hintergrund auch mit an den Fäden gezogen, damit sein Highspeed-Zirkus möglichst unbeschadet bleibt.
So soll ein Veto des Impresarios dafür gesorgt haben, dass der Rechtsstreit zwischen McLaren-Mercedes und Ferrari nicht zu einem WM-Ausschluss der Silberpfeile führte.
"Die Formel 1 bin ich"
Als Präsident der Formula One Association (FOA) und Mitglied des Motorsport-Weltrats besitzt Ecclestone den nötigen Einfluss, um die Geschicke der Königsklasse in die gewünschte Richtung zu lenken.
"Demokratie und Formel 1 passen nicht zueinander", bekennt er. "Die Formel 1 bin ich."
Der Showdown zwischen Fernando Alonso, Kimi Räikkönen und dem WM-Führenden Lewis Hamilton beim Großen Preis von Brasilien ist so recht nach dem Geschmack des mächtigen Funktionärs.
"Würde das gerne sehen"
Recht unverblümt sehnt sich Mr. Formel 1 nach einem dramatischen Ende der Saison, Crash inklusive. "Es könnte mit den beiden so enden, wie bei Prost und Senna damals. Sie könnten schnell aneinander geraten. Ich würde das liebend gerne sehen!"
Der kometenhaften Aufstieg seines Landsmanns Hamilton beschert "seiner" Formel 1 einen Boom, den Ecclestone nicht besser hätte inszenieren können.
Macht über PS-Träume
Ein Youngster, der aus dem Nichts kommt und die etablierten Fahrer samt amtierendem Weltmeister gründlich aufmischt - das ist der Stoff, aus dem PS-Träume gemacht werden.
Und das ist auch der Stoff, der Ecclestone neues Geld in die Kassen spült. Seit den 70er Jahren hält er die TV- und Werbevermarktungsrechte am bedeutendsten Rennzirkus.
Im diesem Jahr erzielt das Motorsportspektakel nach Angaben des Fachmagazins "Formula Money" 3,05 Milliarden Euro Umsatz.
Der Verkauf der Veranstaltungsrechte stieg in den letzten fünf Jahren um 70 Prozent.
Streckenbetreiber kapitulieren
In Europa müssen die Streckenbetreiber zunehmend vor den Lizenzgebühren des umtriebigen Vermarkters kapitulieren.
Für Ecclestone ist das kein Grund zu Mitleid oder gar ein Anlass die Preise zu senken.
Ecclestone goes East
Stattdessen schlägt seine bunte PS-Show nun vermehrt die Zelte im Osten auf - fünf von 17 Rennen fanden 2007 bereits in Asien statt.
Vor zehn Jahren war der Japan-GP noch das einzige Gastspiel in Fernost.
Der fleißige Brite deutete in der Vergangenheit häufiger an, auch außerhalb des Motorsports finanziell die Muskeln spielen zu lassen.
Chelsea war ihm zu teuer
Beinahe wären er und Flavio Briatore dem russischen Öl-Milliardär Roman Abramowitsch als Eigner des englischen Premier-League-Klubs FC Chelsea zuvorgekommen.
"Wir dachten nicht, dass die einen anderen Käufer finden. Dann hat dieser Abramowitsch zugeschlagen. Wir wollten einfach zu billig einkaufen", sagte Ecclestone.
"Kaufe alles, wenn es nur billig ist"
Im Sommer nun wurde über seinen Einstieg bei Chelsea-Konkurrent Arsenal London gemunkelt. Offenbar waren die Konditionen aber nicht so, wie sie dem "König der Formel 1" vorgeschwebt waren.
"Wenn mir jemand etwas anbietet und ich den Eindruck habe, es könnte ein gutes Geschäft sein, dann bin ich dabei. Ich kaufe alles, wenn es nur billig ist."
Grundsätzlich hat sich also nichts geändert zu den Kindergartenzeiten Ecclestones - mal abgesehen vom Vermögen des wiefen Händlers.
Manuel Krons
quelle:
www.sport1.de