Zu dem Achtelfinalspiel Spanien gegen Portugal muss ich zunächst eine fast unglaubliche, aber wahre Geschichte erzählen, die mir zwei Tage vorher passiert ist. Wie anderswo bereits erwähnt, bin ich mit British Airways nach Jo-burg geflogen und habe des nachts meinen Sitz in meine Deutschland-Fahne gekleidet. Ich bin dabei mit einem Englisch-Südafrikaner ins Gespräch gekommen, der mir erzählte, er habe Karten für die Spiele in Cape Town und mich gefragt hat, ob ich auch kommen würde. Ich sagte, Karten hätte ich, aber ich wüsste nicht, ob ich einen Flug bekomme. Von Johannesburg nach Kapstadt sind es 1400 km, zu weit zum fahren.
Nach der Landung kommt der Typ zu mir, drückt mir seine Karte in die Hand und meinte: wenn Du keinen Flug findest ruf mich an, eins meiner Flugzeuge fliegt am Dienstag morgen runter.
Und so kam ich erstmals in meinem Leben in den Genuss eines Privatflugs. Beechcraft, vier Passagiere: der Besitzer, ich, ein portugiesischer "Dandy" und seine 25 Jahre jüngere Freundin aus Mozambique, ein in teuren Pelz gehülltes Püppchen. Der Typ war Repräsentant für Hublot, den Uhrenausstatter der FIFA. Er drehte dann auch gleich meinem neuen Freund, dem Flugzeugbesitzer, ein Sondermodell für 28.000 Dollar an. Mein Gott, wo war ich denn da reingeraten. Aber es war eigentlich eine angenehme Atmosphäre, unser Gastgeber versorgte uns mit Gin Tonic aus dem Bord-Kühlschrank, und der Portugiese erzählte, warum Maradona immer die Arme über Kreuz hielt und zwei Uhren trug: Werbevertrag mit Hublot.
Kurz vor der Landung fragt mein Gastgeber, wo ich eigentlich bleibe. Ich sage ihm, dass ich noch kein Hotel habe, also wohl ins Terminal zur Information gehen werde und sehe wo ich bleibe. Er machte dann noch in der Luft einen Anruf an einen seiner Mitarbeiter, der gute Beziehungen zu Match (der VIP-Agentur des Neffen Blatters) hat, und besorgte mir ein Zimmer im VIP-Hotel der FIFA, brandneu, direkt gegenüber des Stadions. Ich zahlte 100 Euro für eine Suite, die wohl ursprünglich für 300-400 (mindestens) angeboten wurde. Ich habe ja schon einiges erlebt, aber Spülmaschine und Waschmaschine hatte ich auch noch nie auf dem Zimmer.
Zurück zum wirklichen Leben: Verkehr war ein Chaos an dem Tag in Cape Town, es regnete, und alles voll mit Vuvuzela-blasenden Menschen in Spanien- und Portugal-Trikots. Ich schaute auf meinem Zimmer noch das Elfmeterschiessen von Paraguay gegen Japan, und dann ab zum Spiel. Trotz langer Schlangen am Einlass hatte ich es diesmal geschafft, eine halbe Stunde vorm Spiel am Platz zu sein. Meine zweite Karte für das Match hatte ich unserem Piloten geschenkt, ein netter Typ aus Cape Town. Er hatte vor Ort keine Tickets bekommen und war daher sehr froh drum.
Im Stadion - beeindruckende Architektur. Vor allem die Lage des Stadions direkt am Green Point ist phantastisch. Wieder ging’s los mit Bier, Spiel, das ich im Stadion als sehr intensiv erlebt habe, und dann ab auf die Partymeile in Cape Town. Der Abend ging zu Ende, als wir so gegen vier Uhr morgens in einem Pub in der Long Street Pool gespielt haben, mit Leuten aus Südafrika, Jordanien, Schottland, Argentinien, Ghana, Spanien, und was weiss denn ich noch woher noch…
Ein gelungener Abend, abgeschlossen mit zu wenig Schlaf, und am nächsten Tag flog ich erstmal zurück, über Johannesburg und Zürich nach Frankfurt. „Kommerziell“ diesmal, nicht im Privatflieger