SVWW-Neuzugang Steffen Bohl: Ein junger, alter Routinier
23.06.2009 - WIESBADEN
Von Carsten Dietel
Manchmal muss ein Fußballer auch ein Zocker sein. Auf dem Spielfeld, bei den Spieleabenden im Trainingslager, besonders aber, wenn es darum geht, gute Verträge auszuhandeln. Nicht selten passiert es allerdings, dass sich beim Poker um Gehalt und Laufzeit ein Spieler auch verzockt. Ein Fakt, den der Neuzugang des SV Wehen Wiesbaden, Steffen Bohl, nur bestätigen kann. Der Mittelfeldmann aus der Pfalz hatte vor der vergangenen Saison einige Anfragen, als in der Szene bekannt wurde, dass er den 1. FC Kaiserslautern verlassen würde. Der damals 25-Jährige zögerte aber zu lange und kam schließlich nur beim Drittligisten VfR Aalen unter.
Schnell zugesagt
Als nach dem Abstieg der Schwaben sein Vertrag auslief, entschloss er sich diesmal sehr schnell für seinen neuen Verein, den SVWW. Sehr bald, nachdem Trainer Hans Werner Moser sich bei ihm gemeldet hatte und nachfragte, ob sein ehemaliger Schützling er sich nicht vorstellen könne, wieder mit ihm zusammen zu arbeiten, kam das Okay des torgefährlichen Sechsers.
“Der Trainer war nicht das Hauptargument, aber sicher ein wichtiger Gesichtspunkt, dass ich mich für den SVWW entschieden habe", verrät der Bad Dürkheimer, der zur Zeit noch eine Fahrgemeinschaft mit dem ebenfalls in der Pfalz wohnenden Danko Boskovic bildet. Damit soll allerdings bald Schluss sein. “Du verlierst durch die Pendelei einfach zu viel Energie. Außerdem gehört zur Identifikation mit dem Club auch dazu, dass du vor Ort wohnst", ist Bohl kein Freund langer Autofahrten. Besonders dann nicht, wenn sie auch noch zur Rushhour stattfinden.
Fußballerisch, da ist sich Bohl sicher, kann seine neue Mannschaft in der Dritten Liga eine gute Rolle spielen. Obwohl: “Mit der Besetzung die wir in Aalen hatten, durften wir nie im Leben absteigen." Bohl ist sich bewusst, “dass elf gute Fußballer noch lange keine Top-Mannschaft sind". Doch die Voraussetzungen hält er für wesentlich besser, als sie in Aalen waren. Denn dort waren es vor allen ältere Spieler, die das Team bildeten, viele die schon auf eine längere Karriere im Profifußball zurückblicken konnten. “Hier gehöre ich mit meinen 25 Jahren schon zu den ältesten Spielern", beschreibt Bohl die Altersstruktur seiner neuen Mannschaft.
Kein Freund von Sasic
Und dass sich Bohl in jungen Teams wohl fühlt, ist ein Grund, weshalb es ihn nach Wiesbaden gezogen hat. Auch im jungen Kaiserslauterer Team, das nach dem Bundesligaabstieg 2006 gebildet wurde, war er eine feste Größe. Doch nachdem Milan Sasic das Team übernommen hatte, schwand bei Bohl die Freude am Fußball immer mehr. “Dazu kam auch, dass ich eine Fußverletzung hatte und immer wieder nur unter Schmerzmitteln spielen konnte", sieht Bohl in Sasic nicht den alleinigen Grund dafür, dass er sich schließlich vor einem Jahr einen neuen Verein suchte. Dass es in diesem Sommer wieder zu einer Luftveränderung kam, war dann so nicht geplant. Und diesmal soll die Entscheidung auch für länger sein. Und Zocken wird Bohl bestenfalls an den Trainingslager-Abenden mit den Kumpels. Aber diesmal mit richtigen Karten und nicht um einen neuen Vertrag.
Quelle:
http://www.wiesbadener-tagblatt.de/sport/lokalsport/fussball/7012589.htmhttp://www.wiesbadener-tagblatt.de/sport/lokalsport/fussball/7012589.htm