Ch. League
Inter-Hooligans provozieren Abbruch - 12.04.2005 22:50
Schwere Ausschreitungen in San Siro
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Das Viertelfinal-Rückspiel in Mailand wurde am Dienstagabend in der zweiten Halbzeit von schweren Ausschreitungen der Inter-Anhängerschaft überschattet. Zahllose Feuerwerkskörper und Flaschen flogen in den Strafraum der "Rossoneri", die zu diesem Zeitpunkt mit 1:0 führten und das Halbfinalticket sicher in der Tasche zu haben schienen.
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Gut 70 Minuten waren gespielt, als Inters Mittelfeldspieler Cambiasso nach einer Ecke zum vermeintlichen Ausgleich traf. Der deutsche Schiedsrichter Dr. Markus Merk erkannte den Treffer jedoch wegen eines Foulspiels nicht an. Unmut machte sich breit, der Inter-Ultras-Block hinter AC-Keeper Dida griff zu in Italien zuletzt leider "gern praktizierten Maßnahmen".
Raketen flogen aufs Spielfeld, zunächst ein paar wenige nur. Dida bückte sich nach den brennenden Gegenständen, wurde dann von einem heranfliegenden Feuerwerkskörper an der Schulter getroffen. Der Brasilianer musste unter Schmerzen behandelt werden.
Indes ging die Wurforgie der "Nerazzuri-Fans" weiter. Unbeschreibliche Szenen spielten sich ab, der Strafraum glich zeitweise einer Großbrandstelle. Flaschen wurden benutzt. Feuerwehrleute begannen, den Strafraum zu säubern. Merk ließ die Mannschaften zwischenzeitlich in die Katakomben zurückkehren. Nach einem weiteren Versuch, die Partie fortzusetzen, brach der Referee dann endgültig ab, nachdem erneut Raketen auf das Spielfeld geflogen waren.
Mit einer drastischen Strafe gegen Inter Mailand und einer Spielwertung (wahrscheinlich 3:0) zu Gunsten des Stadtrivalen ist nun zu rechnen. Die Entscheidung soll bereits am Mittwoch folgen. Eher unwahrscheinlich ist nach Aussage eines UEFA-Delegierten eine Wiederholung der Partie. Die Gewaltwelle im italienischen Fußball nimmt somit kein Ende. Zuletzt hatten rechtsradikale Lazio-Fans am Wochenende beim Spiel gegen Livorno einmal mehr mit Nazi-Parolen und -Spruchbändern für Aufsehen gesrogt. Lazio wurde dafür am Dienstag mit einer Geldstrafe von 25.000 Euro belegt.
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Spielbericht bis zum Zeitpunkt des Abbruchs in San Siro:
Im Lombarden-Duell versuchten beide Teams erstmal, sich durch hartes Einsteigen Respekt zu verschaffen. Je eine Gelbe Karte nach nur sechs Minuten war die Folge.
Nach der hektischen Anfangsphase mit vielen Fouls und zahlreichen Spielunterbrechungen fing sich Milan als erstes. Kaka war bei den ersten konstruktiven Kombinationen der "Gäste" der auffälligste Akteur, weil stets anspielbar. Nach elf Minuten durchquerte der Brasilianer mit Riesenschritten das Mittelfeld und hatte am gegnerischen Strafraum bei einer Überzahlsituation alle Optionen, überlegte aber einen Moment zu lange - Cordoba "bereinigte" die brenzlige Lage auf Kosten der dritten Verwarnung der Partie. Den fälligen Freistoß zirkelte Pirlo knapp vorbei.
Gegen den technisch überlegenen AC erkämpfte sich Inter in der Folge ein leichtes Übergewicht. Verons Knaller rief erstmals Dida auf den Plan (14.), sollte aber in der ersten halben Stunde die einzige nennenswerte Chance der Mancini-Elf bleiben. Milan konnte sich auf seine sattelfeste Abwehr, in der Nesta sich heiße Duelle mit Adriano lieferte, verlassen. Zudem wussten sich die Rossoneri immer wieder mit geschickten Stafetten aus der Defensive zu befreien und wirkten bei Kontern stets gefährlich.
Torjäger Shevchenko blieb es dann nach einer halben Stunde vorbehalten, für die frühzeitige Vorentscheidung um den Einzug ins Halbfinale zu sorgen. Der Ukrainer kam am rechten Strafraumeck an den Ball, lief noch ein, zwei Schritte und jagte dann das Leder mit einem fulminanten Linksschuss aus 16 Metern am sich vergeblich reckenden Toldo vorbei ins äußerste linke Eck.
Inter zeigte sich trotz der Tatsache, dass es nun schon vier Tore für das Weiterkommen benötigte, wenig geschockt. Vielmehr intensivierten die "Nerazurri" ihre Angriffsbemühungen, hatten durch Gonzalez (33.) und Adriano (35., 38.) durchaus gute Tormöglichkeiten. Zwischendrin freilich hätte Cafu Inter bereits den endgültigen Knockout verpassen können (37.).
Mit zwei Neuen - Cruz und Mihajlovic kamen für Gonzalez und C. Zanetti - versuchte Inter-Coach Mancini das Unmögliche noch möglich zu machen. Die taktischen Vorstellungen von Mancini waren schon nach kurzer Zeit Makulatur - Goalgetter Adriano nämlich musste nach wenigen Minuten verletzt vom Feld, und damit schwanden die verbliebenen Hoffnungen der "Heim"-Elf weiter.
Zudem gesellte sich zum Verletzungs- auch noch Schusspech: Der eingewechselte Martins scheiterte bei seiner ersten Aktion am Pfosten (51.).
Danach spielte der AC seine technische Überlegenheit immer mehr aus. Ruhig lief der Ball durch die Reihen von Kaka, Pirlo und Co. Verständlicherweise riskierte die Ancelotti-Elf im Vorwärtsgang nicht mehr allzu viel, so dass Torchancen für die "Rossoneri" rar blieben.
Auf der anderen Seite bewies Inter zwar Moral und griff weiter an, im Gefühl des fast schon sicheren Ausscheidens machte sich freilich Ernüchterung in den Reihen der Mancini-Elf breit. Vereinzelte Chancen machte Dida zunichte (Martins, 59., Van der Meyde, 70.). Nach einer Ecke landete dann der Ball nach einem Kopfball von Cambiasso doch im gegnerischen Tor, doch Schiedsrichter Dr. Merk versagte dem Treffer wegen angeblichem Foulspiel von Cruz am brasilianischen Keeper die Anerkennung (71.).
Danach kam es zum bereits erwähnten Skandal von San Siro.
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