Hoffentlich bleibt uns das Duo Merkel/Westerwelle erspart. Und mit "uns" meine ich alle die hier im Forum, die darauf angewiesen sind, sich ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen und die im Alter weder auf üppige Beamtenpensionen noch auf reiche Erträge aus Aktien- oder sonstigen Geldanlagen rechnen können. Ich meine auch die, die nur dank BAFöG und gebührenfreier Universitätsausbildung sich ein Studium leisten können, ich meine die Familien mit Kindern und vor allem meine ich die heutigen Rentner(Innen) und die Kranken.
Wenn ich die einseitige Verteufelung der Gewerkschaften durch Onkel Helmut (!) lese, werd ich zornig. Eigentlich genügt es, sich die Entwicklung der Firmenumsätze- und gewinne und die Entwicklung der Löhne und Gehälter in den letzten 25 Jahren anzusehen: Die Firmengewinne sind um ca. 70 %, die Lohn- und Einkommen um inflationsbereinigte etwa 20 % gestiegen. Es ist nur legitim, diejenigen, die diese Firmengewinne erarbeitet haben, an den Zuwächsen zu beteiligen. Aber die Herren Arbeitgeber- und Industrieverbands-Präsidenten sind und waren sich nie zu blöd, immer weitere Zugeständnisse der Arbeitnehmer zu verlangen, immer mit dem Totschlagargument, dadurch die Arbeitsplatzsicherheit zu gewährleisten.
Und so sackten die Herren eine Subvention nach der anderen ein, verlangten (und bekamen) Lohnzurückhaltung, Arbeitszeitverlängerung, Feiertage wurden abgeschafft, Unternehmenssteuern gesenkt bis hin zur Perversität der Rückzahlung bereits gezahlter Steuern, die Aktienkurse stiegen und die Zahl der Arbeitsplätze sank. Und seit Jahren das gleiche Lied: Für die Sicherung der Arbeitsplätze sollen die Arbeitnehmer und deren Vertreter Einbußen hinnehmen, sie tuns, und die Arbeitsplätze werden immer weiter abgebaut. Zum Kotzen!
Besonders schlimm wurde es während der Wiedervereinigung getrieben. Die immensen Gewinne wurden privatisiert (nicht etwa re-investiert!) und im Ausland steuersparend und weiter gewinnbringend angelegt, gleichzeitig wurden Verlustabschreibungen sozialisiert. Die Bauruinen, die man heute in der Ex-DDR tausendfach rumstehen sieht, sind die sichtbaren Zeichen der Steuersparmodelle, mit denen sich eine reiche Oberschicht arm gerechnet hat.
Ich fürchte, dass bei einer Regierung Merkel/Westerwelle die Sozialverpflichtung des Eigentums immer mehr zu einer Floskel verkommt, wobei sich leider auch die Regierung Schröder diesbezüglich taub gestellt hat und die Umverteilung von unten nach oben, die Kohl und Konsorten jahrelang schamlos betrieben haben, fortgesetzt hat.
Bei dem, was im Moment an Gestalten in der Politik aktiv ist, kann man leider nicht darauf hoffen, dass der Karren in absehbarer Zeit aus dem Dreck gezogen wird. Ich bin der Meinung, die einzige Chance besteht darin, eine begrenzte Zeit eine Große Koalition zu bilden. Dann kann sich keiner der derzeit aktiven Polit-Dilettanten durch bloßes Geschwafel und Angrifffe auf den politischen Gegner um klare, nachvollziehbare Aussagen mehr drücken.
Und was die Atomkraft angeht: Wie palatino und Jonny bereits ausgeführt haben, wären die alternativen Energien schon sehr viel effektiver einsetzbar, wenn man nur einen Bruchteil der Milliarden, die der Atom-Mafia in den Rachen geschoben wurden, in die Entwicklung dieser alternativen Möglichkeiten gesteckt hätte. Aber da war ja die CDU/CSU, insbesondere der Großaktionär Strauß, vor.