Um mal ein zusätzliches Schlaglicht auf einen anderen Aspekt zu werfen:
Man sollte - bei aller gerechtfertigten Empörung und ohnmächtiger Wut über das, was gerade geschieht - Eines nicht ganz außer Acht lassen:
Dieses Krebsartige Wuchern der Geheimdienste und ihrer unsauberen Machenschaften wird leider - gerade in den letzten 20-25 Jahren - zusehends begünstigt von einer Entwicklung, die man als "freiwilligen Weg in die Unmündigkeit" bezeichnen kann.
Immer mehr Menschen geben sich einerseits fröhlich der Bequemlichkeit technischer Erfindungen hin, die ihnen das Leben erleichtern. Seien es Mobiltelefone, Navigationssysteme, Internet oder andere Dinge. Bequem wie der Mensch nun einmal ist, nimmt er für die - vorgebliche - Zeit- und Stressersparnis, die ihm diese Dinge bieten, die Nachteile des "gläsernen Bürgers" dafür gerne in Kauf. Der Paradesatz wurde ja von Reddy schon zitiert: "Ich hab nichts zu verbergen, warum sollte ich..."
Nun kann man natürlich argumentieren, dass technologische Fortschritte so alt sind wie die Menschheit selbst. Das ist richtig und damit wäre das oben gesagte für sich allein genommen in der vorliegenden Diskussion auch kein Argument. Hinzu kommt meiner Ansicht nach aber gerade heutzutage der schon oben genannte Faktor der "freiwilligen Unmündigkeit".
Diese wird in meinen Augen durch die materiellen Lebensverhältnisse bestimmt. Die westliche Welt hat einen Lebensstandard erreicht, indem existenzielle Nöte so gut wie keine Rolle mehr spielen. Für das Existenzminimum sorgt im Zweifelsfall der Sozialstaat (mal mehr, mal weniger), so dass sich die "Probleme" der meisten Menschen überspitzt formuliert auf Entscheidungen zwischen dem richtigen Fernsehprogramm, der Lieblingspizza oder dem favorisierten Ziel der nächsten Freizeitaktivität abspielen. Für die meisten Menschen dienen Arbeit und Beruf und zunehmend auch die sozialen Beziehungen zu ihren Mitmenschen nur als Mittel zum Zweck der Konsumbefriedigung. Dabei gehen im westlichen Lebensstandard die meisten - vor allem junge Leute - inzwischen einfach davon aus, dass Lebensmittel, Daseinsvorsorge, Infrastruktur und Freizeitbelustigung Selbstverständlichkeiten sind, die ihnen bitteschön das Leben zu versüßen haben, wenn sie von ihrem lästigen Job nach Hause kommen.
Diese Dinge haben "da zu sein". Es wird immer weniger gefragt, woher sie kommen, wer sie wie erwirtschaftet oder in Schuß hält und - jetzt kommen wir zum Punkt - was man als Einzelner Mensch dazu beitragen kann, dass das so bleibt.
Und mit dem gleichen Gefühl einer selbstverständlichen Gleichgültigkeit nehmen die Menschen immer mehr Abstand vom Gemeinwesen und dem Staat (den sie ja selbst bilden!). Die meisten Dinge interessieren sie nur noch am Rand. Catch the Millionaire, Germanys Next Topmodel und der Bachelor sind halt interessanter als Außen- oder Sozialpolitik. Gerade die große Masse der jungen Leute ist mittlerweile fast zu sowas wie "Konsumzombies" verkommen, die weder ihren Bezug zu ihrer sozialen Umwelt hinterfragen, noch sich groß Gedanken über größere Zusammenhänge machen. Hauptsache ist, man kann Am Wochenende in die Disco und ansonsten Playstation spielen, Kleider kaufen, Fast Food essen und Fernsehen.
Das Ergebnis ist eine weit verbreitete Lebensuntüchtigkeit und eine Mentalität des durch nichts begründeten Anspruchs auf Statussymbole und ein sorgenfreies Leben. Die Leute lassen sich berieseln, von der Yellow-Press und RTL2/RTL/Pro7 etc. unterhalten und flüchten vor der Realität, der sie - wenn sie sich einmal doch nicht ganz aussperren lässt - zu großen Teilen nicht gewachsen sind.
Die Verantwortung für ihr Leben geben sie dann gerne an andere, oder vor allem an den Staat ab. Und in diesem Sinne sind viele Menschen in den westlichen Ländern heute - obwohl sie ALLE Möglichkeiten hätten, sich zu informieren - genauso "unmündig", wie es vor ein paar hundert Jahren die Bevölkerungsmehrheit vor der Aufklärung war. Kant hat ja damals gesagt, Aufklärung wäre der Weg des Menschen aus der Unmündigkeit.
Da die Menschen aber zum Großteil nicht mehr mündig sein wollen, haben sie kaum noch eine Ahnung von ihrer Stellung bzw. ihrem eigenen Bezug zum Gefüge des Gemeinwesens, geschweige denn von ihren Rechten und Pflichten. Die haben sie nämlich vorm GNTM-Gucken, Facebook-Posten oder vorm Playstation-Spielen an der gedanklichen Garderobe abgegeben - freiwillig!
Eine Welt mit einer großen Mehrheit an fröhlichen Konsum-Opfern, denen außer ihrem Freizeitvergnügen und materiellen Bedürfnissen so ziemlich alles wurscht ist, stellt für Geheimdienste und für Leute im Hintergrund, die Zusammenhänge kennen und lenken wollen, geradezu ein Paradies dar.
Es gibt also nicht immer nur eine Seite zu bedenken.