vor 48 Minuten schrieb dreispitz:
Die Aussage des Artikels in der Süddeutschen ist doch gerade, dass die Politik von Minderheiten (Eliten, Lobbyisten, "Reiche" etc.) im stärkeren Maße beeinflusst wird und diese Erkenntnis auch noch verschleiert wird und wurde. Insofern ist Deine Einlassung etwas am Thema vorbei ...
DAS steht da so eben nicht:
Zitat
Die Wahrscheinlichkeit für eine Politikveränderung ist wesentlich höher, wenn diese Politikveränderung
von einer großen Anzahl von Menschen mit höherem Einkommen unterstützt wird."
Da steht eben nicht drin, dass es sich um eine kleine Zahl von "Reichen" handelt die Einfluß nehmen, sondern dass die Wahrscheinlichkeit (nicht der Fakt) höher ist, dass Menschen mit höherem Einkommen (als wer bzw. welcher Teil der Bevölkerung?) Einfluß auf die Politik nehmen.
Bürger mit unterschiedlichem Einkommen beteiligten sich in sehr unterschiedlichem Maß an der Politik. Dies ist für mich nur logische Konsequenz, weil es natürlich den Effekt gibt, den Upsalla beschreibt, nämlich dass Menschen denen die Politik nicht zu helfen scheint, sich weniger einbringen als denen den sie was bringt.
Mit dem populistischen "die Reichen"/die "Eliten" kann ich eh recht wenig anfangen, weil es viel zu unbestimmte Begriffe sind, die jeder anders abgrenzt - je nach eigener Position. Mein Stiefvater war auch immer ein großer Schimpfer über die "Reichen" und die "Besserverdienenden", wobei er dann überrascht war, als ihm mal vor Augen geführt wurde, dass er eigentlich zu denselben gehört, obwohl er selbst das nicht so sah. Für einen, der mit 600€ klar kommen muss ist schon jeder der 2000€ hat ein "Reicher", auch wenn dieser das natürlich anders sehen würde und für Ihn wiederum jeder mit 4000 "reich" ist. Der Sprung zu den oberen 10.000 ist da aber noch weit und diese 10.000 sind eben nicht "die große Anzahl von Menschen", die Einfluss nehmen, sondern eher wahrscheinlich sind es die Leute zwischen 2000 und 7000€, die sich aktiv für Ihre Interessen im Rahmen von Parteien, Vereinen und Verbänden einsetzen.
vor 20 Minuten schrieb uppsala:
Wenn man es sich leisten kann, ja. Wir sprechen schwerpunktmäßig über Altersarmut (nicht zuletzt aufgrund zunehmend gebrochener Erwerbsbiografien) und Kinderarmut. Die einen kommen nicht mehr zum Wahllokal, die anderen dürfen noch nicht wählen. Also nicht wirklich interessant für Politiker. Und Alleinerziehende mit Job und Kids am Hals haben ehrlich gesagt andere Probleme, als ne Partei hochzuziehen und politisch was bewegen zu wollen. Und alle 4 Jahre die Linke zu wählen? Da gibt es anscheinend zunehmend andere Alternativen ... und wenn das das Ergebnis von Lobbyisten-Politik ist, dass sich "Abgehängte" (wie sie despektierlich genannt werden) an ne Partei wie die AfD klammern, dann hat diese Kaste der Politiker versagt ... und dann gute Nacht Deutschland ...
Zum Teil mag es richtig sein, was Du sagst (uninteressant für Politiker und andere Probleme), aber der Unterton des Artikelverfassers bzw. von Johnny war ja, dass eine Reiche Minderheit die Politik beeinflusst, weil sie Kohle haben, und dies ist eben nicht so. Auch zeigt bspw. das Wahlergebnis "Trump" sowie auch die Wählerwanderungen bei der AFD, dass es sich hier nicht um altersarme Rentner und Alleinerziehende handelt, sondern auch in relevanten Mengen um Leute, die gewiss Probleme mit sich und der Welt haben, aber "Geld" bzw. dessen Abwesenheit im Sinne von "Abgehängt" gehört nicht dazu.