Wieder nur zweiter Sieger im Sechs-Punkte-Spiel gegen die kleinen Gummiadler mit einem Spiel weniger in der Tabelle – und das trotz eigener Führung. Echt ernüchternd.
Ich denke, dass man sich spätestens in der Winterpause intensiv mit gezielten Verstärkungen beschäftigen muss. Entscheidend ist für mich allerdings die Frage, wie groß der finanzielle Spielraum dafür überhaupt ist. Wurden für einen solchen Fall entsprechende Rücklagen gebildet oder mögliche Wintertransfers bereits finanziell eingeplant? Man kann es eigentlich nur hoffen.
Dass der Wintertransfermarkt seine eigenen Herausforderungen mit sich bringt, sehen wir bereits bei den Profis. Deshalb stellt sich mir die Frage, ob die Situation im Unterbau beziehungsweise auf Halbprofiebene grundsätzlich anders aussieht oder ob man dort vor ganz ähnlichen Problemen steht. Gerade bei der Suche nach kurzfristig verfügbaren Spielern mit der nötigen Qualität dürfte die Auswahl schließlichnicht unbegrenzt sein.
Wenn man sich die vermeintlichen Führungsspieler anschaut, ist die Auswahl zudem recht überschaubar: Linsmayer kam im Sommer ablösefrei von Depp II, Shipnoski ebenfalls ohne Ablöse aus Heilbronn, und Zimmer gehört ohnehin mehr oder weniger zum FCK-Inventar. Viel mehr fällt mir in dieser Hinsicht ehrlich gesagt nicht ein. Reicht diese Besetzung tatsächlich aus, um einer Mannschaft in einer sportlich schwierigen Phase die nötige Stabilität, Orientierung und Führung zu geben? Gerade wenn es auf dem Platz nicht läuft, braucht es doch Spieler, die Verantwortung übernehmen und auch in schwierigen Situationen vorangehen.
Insgesamt ist die Lage aus meiner Sicht mittlerweile äußerst prekär. Wenn ich mir die Highlights auf dem YouTube-Kanal der Regionalliga Südwest anschaue, wirkt unser Defensivverhalten, insbesondere in der Abwehr, häufig erschreckend naiv um nicht zu sagen schlafmützig. Zu oft scheinen die grundlegende Ordnung und die notwendige Abstimmung zu fehlen. Dazu kommen die Fragezeichen auf der Torhüterposition. Onohiol wirkt bislang oftmals unsicher, während auch Heck bei seinem Startelfdebüt gegen den FSV in der vergangenen Woche einen recht nervösen Eindruck hinterlassen hat. Kamga fehlt aktuell verletzt bzw. mit einer Augenentzündung.
Den beiden jungen Torhütern möchte ich daraus ausdrücklich keinen persönlichen Vorwurf machen. Gerade auf dieser Position sind Fehler in der Entwicklung nicht ungewöhnlich. Trotzdem muss man die gezeigten Leistungen kritisch bewerten und sich fragen, ob wir dort momentan tatsächlich ausreichend gut aufgestellt sind. Wenn die defensive Stabilität fehlt und gleichzeitig auf der Torhüterposition keine verlässliche Sicherheit ausgestrahlt wird, macht das die Situation für die gesamte Mannschaft natürlich nicht einfacher.
Natürlich ist die Lage auch für Baffoun alles andere als einfach. Letztlich fällt ein Großteil der Kritik auf den Trainer zurück, unabhängig davon, wie viel Potenzial er tatsächlich mitbringt oder wie talentiert er auf der Trainerbank auch sein mag. Wenn die dringend benötigten Punkte ausbleiben, geraten irgendwann zwangsläufig auch seine Fähigkeiten und seine taktischen Ansätze in den Fokus. Entscheidend wird sein, ob es ihm gelingt, der Mannschaft kurzfristig mehr Stabilität zu vermitteln und die vorhandenen Probleme in den Griff zu bekommen, aber auch da ist er natürlich an die zur Verfügung stehende „Hardware“ bzw. seine Spieler gebunden.
Darüber hinaus frage ich mich schon länger, ob wir möglicherweise noch immer die Folgen des unter Bugera praktisch nicht vorhandenen Defensivkonzepts zu spüren bekommen. Meiner Erinnerung nach waren wir bereits in der Oberliga defensiv auffällig anfällig. Vielleicht handelt es sich also nicht ausschließlich um ein aktuelles Problem, sondern um eine strukturelle Schwäche, die uns schon länger begleitet und bis heute nicht nachhaltig behoben wurde. Auf höherem Niveau treten solche Defizite naturgemäß noch deutlicher zutage. Falls dieser Eindruck zutrifft, wird es vermutlich nicht ausreichen, lediglich an einzelnen Stellschrauben zu drehen. Dann müsste man sich grundsätzlich Gedanken darüber machen, wie die defensive Organisation und die taktischen Abläufe dauerhaft verbessert werden können.
Eine weitere Frage beschäftigt mich in diesem Zusammenhang zusätzlich: Unter welchen Voraussetzungen dürfen Spieler, die eigentlich für den Profikader vorgesehen/registriert sind, auch in der zweiten Mannschaft eingesetzt werden? Gibt es dabei eine zahlenmäßige Begrenzung oder bestimmte vertragliche beziehungsweise verbandsrechtliche Vorgaben, die zu beachten sind? Gerade mit Blick auf die sportliche Situation wäre es wichtig zu wissen, welche Möglichkeiten der Verein überhaupt hat, die Mannschaft bei Bedarf mit Spielern aus dem Profikader zu verstärken.
Ich finde, dass wir uns im Hinblick auf den drohenden Abstieg alle verfügbaren Optionen offenhalten müssen. Ein direkter Abstieg unserer U21 wäre aus meiner Sicht der absolute Worst Case – sowohl für die perspektivische Entwicklung junger Spieler & Talente sowie auch für den gesamten Unterbau des Vereins.