Das Hauptproblem, was sich mal mehr oder minder deutlich durch die Saison zieht, ist in meinen Augen die Geschwindigkeit im Spielaufbau.
Gestern hatten wir drei von vier Spielern im Mittelfeld (Tiffert, De Wit, Kirch), die tendenziell immer den Ball halten und zu einem sich freilaufenden Spieler abgeben - nur war da keiner, der ohne Ball steil gegangen wäre, der Lücken in der gegnerischen Deckung identifiziert und aufgerissen hätte, oder der auch mal einen Haken geschlagen hätte, um anspielbar zu sein.
Letzte Saison hatten wir da mit
- Lakic einen immer flach und hoch anspielbaren Stürmer, der in Bedrängnis Bälle behaupten und weiterverarbeiten konnte (haben wir mit Kouemaha und Nemec noch, siehe sogar auch teilweise gestern)
- Moravek, der sowohl den Ball halten und klug passen konnte, aber auch Lücken erkannt hat und selber ausgenutzt hat (fehlt derzeit, Fortounis könnte in zentraler Position diese Rolle übernehmen)
- Ilicevic (in der Rückrunde dann mit Abstrichen Hlousek), dem man fast immer den Ball geben konnte und der sofort Geschwindigkeit aufgenommen hat
- Hoffer (bei zwei Stürmern), der sich häufig hat zurückfallen lassen oder auf die Flügel auswich, um dort den Ball zu erhalten und mit Tempo Richtung Strafraum zu gehen (haben wir mit Shechter, nur dass der in der Regel nicht an den ersten zwei Abwehrspielern in seinem Weg vorbei kommt)
Diese Saison haben wir fast ausschließlich das Tempo in Offensivaktionen bekommen, was nötig ist um gegnerische Defensiven in Bedrängnis zu bringen, wenn entweder Fortounis mal ein paar Meter mit Ball gegangen ist, Shechter etwas Platz hatte, oder die Verteidiger gut hinterlaufen haben (vor allem Dick, aber auch mit Abstrichen Jessen oder Bugera) und somit Druck auf die Flügel ausgeübt haben. All das hat gestern nicht stattgefunden, zwar war Kouemaha immer anspielbereit (wurde aber fast immer wegen teils lächerlicher Begründungen zurück gepfiffen) und Shechter hat einige Male Lücken gesucht (wenn dies aber nur einer macht, dann bleibt nur einer der Flügel, wo er dann extrem leicht den Ball wieder verloren hatte). Aber ohne schnelle Aktionen aus der Tiefe (Moravek) und über die Flügel (Ilicevic, überlaufende Außenverteidiger) kann man keine noch so anfällige Defensive in Unordnung bringen und Chancen erspielen. Sahan war bei Duisburg einer, der mit Geschwindigkeit seine Außenbahn beackert hat, bei uns wirkt er aber immer zögerlich, langsam und überfordert.
Ich glaube zwar nicht, dass Kurz in dieser Situation ein komplett neues System ausprobiert, aber optimal in Hinblick auf unsere Offensivschwäche wäre in meinen Augen ein 4-3-3
--------Trapp
Dick-Abel-Rodnei-Jessen
--Tiffert-Kirch-De Wit
----Kostas-Shechter
------Kouemeha
Mit Kouemaha haben wir einen obligatorischen Zielspieler im Zentrum, um ihn herum sollen Fortounis und Shechter Lücken finden, reißen und ausfüllen, dabei auch zurückfallen und rochierend auf die Flügel ausweichen, um die nötige Bewegung und Anspielbarkeit zu erzeugen. Das Dreiermittelfeld soll diese Spieler dann in Szene setzen und gegebenenfalls nachrücken (Tiffert, De Wit).
Defensiv würde sich das so gestalten, dass der ballnahe Mittelfeldspieler den Außenverteidiger auf seiner Seite unterstützt, während die ballfernen Mittelfeldspieler das Zentrum sichern. Einer der hängenden Stürmer muss dann halt zurückkommen und die Seite des ballfernen Außenverteidigers besetzen, da dieser in der Regel tief in die Mitte einrückt und sonst die Seite komplett frei wäre.
Perspektivisch sehe ich für unsere beiden Stammsysteme folgende Schwachstellen, an denen personell reagiert werden müsste:
(In der Abwehr könnten wir auch auf jeder Position einen besseren Spieler vertragen, aber hier muss wohl das derzeitige Personal ausreichen.)
--------Trapp
Dick-Abel-Rodnei-Jessen
X--Tiffert--DeWit--Kostas
----Dorge-Shechter
Für dieses System fehlt mindestens ein Flügelspieler, Fortounis ist eher falsch eingesetzt und statt De Wit könnten wir einen stärkeren 6er gebrauchen, aber da diese zwei Spieler noch zu unseren besten gehören, würde ich sie ungern absägen wollen.
--------Trapp
Dick-Abel-Rodnei-Jessen
-----Tiffert-X
X-------Kostas--------X
-------Kouemaha
Für dieses System fehlen uns im Grunde zwei offensive Außen, die nach vorne explosiv und torgefährlich sind und zuverlässig und gut nach hinten arbeiten. Solche Spieler sind für uns wohl auch nicht zu haben, weshalb unser 4-2-3-1 immer wie ein 4-4-2 mit hängendem Stürmer aussieht.
Unsere Ressourcen sollten wir auf nur zwei Spieler bündeln, da wir sonst wieder mehr Masse als Klasse bekommen. Ich würde mir einen Flügelspieler wünschen, der einsetzbar ist (d.h. auch seinen Hintermann unterstützen kann) und einen 6er der Marke Alexandre Song
(der robust, zweikampfstark und beweglich ist und uns zudem fußballerisch helfen kann). Damit wäre uns sehr geholfen.
Ansonsten bleibe ich bei meiner Kritik, dass für die zwei Hauptsysteme die falschen Spieler da sind, sodass individuell starke Spieler (wie Fortounis, Tiffert, De Wit oder Shechter) falsch eingesetzt werden müssen, weil deren Positionen entweder nicht existieren, oder weil wir keine vernünftigen gelernten Spieler auf diesen Positionen haben.
Wir haben eine Mannschaft mit guten Jungs, aber ohne wirkliche Häuptlinge - auch ein Tiffert ist zu sehr mit sich selbst beschäftigt, als dass er in Ballack-Style mal einen phlegmatischen Kollegen aufwecken und an der Mittellinie einen Gegner rasieren würde.
Wie schon von vielen Usern angesprochen muss bei uns einfach einge ganze Menge passen, um erfolgreich zu sein und selbst dann haben wir es schwer, mal Siege einzufahren (gegen Schalke hats geklappt, in Hoffenheim und gegen Leverkusen dann wieder nicht). Auffällig ist, dass wir relativ wenige Gegentore haben, uns aber in gefühlt jedem Spiel ein Ei durch saudumme Fehler selbst ins Nest legen. Hier haben durch die Bank alle Verteidiger schon gepatzt, was man wohl auch auf den fehlenden Offensivdruck unserer Mannschaft zurückführen kann und darauf, dass die Verteidiger zu viel zu tun haben, um immer 100% konzentriert und im Bilde zu sein.
Der Klassenerhalt ist mit Sicherheit nicht unmöglich, aber es muss einiges passen und gut gehen, um dieses Jahr zu überstehen.