ViehliebMA
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Timo Hildebrand – zweiter Mann, was nun?
Der FC Valencia hat den deutschen Nationaltorhüter gegen den Willen von Trainer Quique Flores verpflichtet. Dieser stellte im Champions-League-Qualifikationsspiel gegen Elfsborg den langjährigen Stammkeeper Santiago Canizares ins Tor. Doch Hildebrand ist überzeugt: „Ich werde mich durchsetzen."
Die Erkenntnis kam nicht unerwartet, hart ist sie trotzdem: Deutschlands Nummer zwei im Tor gehört auch in seinem Klub nur zur Reserve. Das erste Pflichtspiel seines neuen Vereins FC Valencia verfolgte Timo Hildebrand von der Bank aus. Der ehemalige Stuttgarter hat das Duell mit Santiago Canizares um den Stammplatz vorerst verloren. Bleibt es dabei, muss Hildebrand ernsthaft um die Teilnahme an der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr bangen. Am Dienstag gewann Valencia das Drittrundenhinspiel der Champions-League-Qualifikation gegen den schwedischen Vertreter IF Elfsborg 3:0 (1:0). Einen Torhüter hätten die Spanier an diesem Abend gar nicht gebraucht, der Gegner hatte nicht eine Chance. Und so verlebte Canizares, mittlerweile 37 Jahre alt und seit 1998 im Verein, ein ruhiges 100. Europapokalspiel. Später durfte er viele Fragen zu diesem Jubiläum beantworten, nach seinem Konkurrenten fragte niemand. Auch in den spanischen Zeitungen war Hildebrands Dasein als Ersatzmann tags darauf kein Thema – zu offensichtlich scheint derzeit Canizares’ Rolle als Nummer eins. Dies verwundert kaum: Sein Status gleicht dem Oliver Kahns bei Bayern München, auch wenn dieser fraglos der bessere Torwart ist.
Hildebrand kann mit der Situation kaum zufrieden sein, er ist aber schlau genug, als Neuer nicht sofort auf den Putz zu hauen oder am Denkmal Canizares zu kratzen. „Erst einmal bin ich froh, dass wir vor der Champions-League-Teilnahme stehen“, sagte Hildebrand gestern: „Ich bin natürlich gekommen, um zu spielen. Wann der Zeitpunkt gekommen ist, entscheidet aber der Trainer.“
Hildebrands Befürworter wurde entlassen
Quique Flores gilt jedoch als ausgesprochener Befürworter von Canizares und hatte sich im Januar dafür stark gemacht, dass dieser trotz seines hohen Alters bis 2009 verlängert. Hildebrand hingegen wird dem Lager von Manager Amadeo Carboni zugerechnet, der den lange schwelenden Machtkampf mit Flores allerdings verlor und Ende Juni schließlich beurlaubt wurde.
Hildebrands Entscheidung, ins Ausland zu wechseln, war nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft sicherlich nicht falsch – viel mehr hätte er mit dem VfB kaum gewinnen können. Ob es aber wirklich richtig war, als Meistertorwart zu einem Klub zu gehen, bei dem er den Status der Nummer eins nicht verteidigen, sondern erst erreichen muss, gilt es noch zu beweisen. Hildebrand glaubt fest daran, dies zu schaffen. Er sagt: „Ich bin überzeugt, dass ich mich hier noch in dieser Saison durchsetzen werden.“
Nationalelf-Nominierung nur bei Stammplatz in Valencia
Er wird es müssen, will er seinen fünf Länderspielen bald weitere folgen lassen. Bislang ist er die Nummer zwei im deutschen Tor hinter Jens Lehmann und wird auch am Donnerstag für das Freundschaftsspiel in England am 22. August nominiert. Weitere Einladungen könnten dann weniger selbstverständlich werden. Dies machte Bundestrainer Joachim Löw im Interview mit WELT ONLINE deutlich: „Sollte er über eine ganze Saison nicht spielen, gibt es für uns eine Situation, wo wir über ihn nachdenken müssen, zumal die Konkurrenz sehr groß ist.“
In Valencia erscheint sie manchem sogar übermächtig. Hildebrands Vorgänger Ludovic Butelle wechselte gerade zum Ligarivalen Valladolid, weil er keine Perspektive mehr sah. Beim Abgang äußerte er die Vermutung, sein Nachfolger werde spätestens im Winter um die Freigabe bitten. An Canizares käme keiner vorbei.
Das Lehmann bei der EURO 08 im Tor steht, gilt als sicher, doch wer sollte eurer Meinung nach als Nummer 2 aufgebaut werden oder sollte Löw weiter auf Hildebrandt setzen, auch wenn der womöglich kaum Spielpraxis hat?