Ein Bundespräsident, der Kritik als Majestätsbeleidigung auffasst und zurücktritt, weil ihm seine Parteigenossen nicht eilfertig zur Seite springen, hat eine eigenartige Auffassung von seinem Amt und der damit verbundenen Verantwortung.
Warum hat er das? Köhler hat oftmals in guten Reden Stellung bezogen, auch und vor allem zur Finanzkrise. Die letzte - wie ich finde sehr gute Rede - große Rede stammt vom Wirtschaftskongress in München.
Wie muss man sich fühlen, als Bundespräsident von Gnaden Merkels und Westerwelles, beliebt beim Volk, mit langjähriger Erfahrung in der Finanzwelt, wenn man seinen Worten so viel Glauben schenkt, als stünde ein kleiner Schuljunge vor der Zuhörerschaft?
Wie muss man sich fühlen, wenn man die Wahrheit ausspricht, die im Volk keine große Reaktion auslöst, man dafür dann aber öffentlich am Pranger der politischen Parteien und der Medienwelt steht? Wenn eine große Zeitung mit "Horst Lübke" aufmacht, dann ist das ein enormer Schaden, den der Mensch Köhler und das Amt des Präsidenten zu verarbeiten haben. Die SPD hat ihn einst vorgeschlagen, als Direktor des IWF, als er Bundespräsident wurde, kamen aus der SPD die Rufe man habe einen "Ewigen Sparkassendirektor zum Präsidenten gemacht". Er ist in den Jahren schon sehr beschossen worden, erstaunlich oft für einen Präsidenten, der in der Bevölkerung höchstes Ansehen genossen hat.
Das jemand mit Gegenwind rechnen muss, okay. Aber dem Bundespräsidenten durch die Blume mitzuteilen, dass er gegen die Verfassung des eigenen Landes verstößt, was ja gar nicht zutreffend ist, das ist schon harter Tobak. Und ich glaube auch, dass er gerne noch ganz anderes gesagt hätte, über die große Koalition, über Merkel und Westerwelle. Dass er vielleicht diesen Weg nicht mitgehen kann, nicht mitgehen will. Aber da hält er sich eben doch zurück, vielleicht auch, um das Land nicht noch mehr in die Krise zu stürzen. Wobei ich jetzt auf gar keinen Fall in das Lied der niedergehenden "Schwarz-Gelben"-Regierung einstimmen möchte.
Ich denke einfach, dass er auch bei denen, die ihn einst gefördert haben, die notwendige Unterstützung in diesen schweren Zeiten vermisst hat.