Boxen im Zweiten
Sturm bleibt Weltmeister
Starke Vorstellung gegen
den Australier Pitmann
Mit einer rundum souveränen Vorstellung hat Felix Sturm seinen WM-Titel verteidigt. Der Mittelgewichtsboxer besiegte Jamie Pittman durch technischen K.o. in der siebten Runde. Auch Julia Sahin behält ihren WM-Titel.
Für Felix Sturm war es vor 4500 Zuschauern in Düsseldorf dennoch ein hartes Stück Arbeit, ehe er den WBA-Gürtel umlegen durfte. Sein Gegner aus Australien wurde umso mutiger, je härter er getroffen wurde. Selbst ein Niederschlag durch einen Leberhaken in der fünften Runde, ein tiefer Cut am linken Auge und ein weiterer Niederschlag in der sechsten Runde ließen Pittman nicht resignieren, sondern weckten eher noch seinen Kampfgeist.
Dreimal auf dem Boden
In der siebten Runde streckte der bärenstark und taktisch ausgefuchst boxende Sturm seinen Gegner dann zum dritten Mal nieder, worauf der Ringrichter den Kampf abbrach. Pittman kassierte nach 16 gewonnenen Kämpfen seine erste Niederlage - und auch seine ersten drei Niederschläge.
Sturm zeigte sich im Vergleich zum Unentschieden bei seinem letzten WM-Kampf gegen den US-Amerikaner Randy Griffin deutlich verbessert. Der Schützling von Michael Timm hielt sich eisern an sein Konzept und baute eine undurchdringliche Deckung auf. Pittman prügelte wild drauf los und traf meist nur Sturms Fäuste. Der Deutsche boxte sparsamer, aber enorm effektiv. Wenn immer die Faust nach vorne preschte, hinterließ sie Wirkung an Pittmans Schädel. Das K.o. inszenierte Sturm schulmäßig mit einer Kombination Aufwärtshaken-Körpertreffer-Kopftreffer.
"Explosiv"
Der Australier, der ein großes Kämpferherz zeigte und Beifall von den Zuschauern bekam, erkannte die Niederlage an: "Felix war so explosiv. Ich konnte machen, was ich wollte, ich hatte keine Chance."
Das lag auch daran, dass Sturm enorme Fortschritte gemacht hat. In den drei Monaten der Vorbereitung hatte ihm sein Trainer Michael Timm eingebleut, stets auch den Weg zum Körper des Gegners zu suchen. Im Kampf gegen Pittman ging dieses Konzept erstmals auf. Ein derber Leberhaken war der Anfang vom Ende des wackeren Australiers. "Felix hat großartig gekämpft", sagte der ansonsten mit Lob eher sparsame Michael Timm.
Jetzt gegen Castillejo?
Der Trainer orakelte, dass Sturms Weg nun in Richtung USA führen könnte. Das würde wohl ein Duell mit dem WBC- und WBO-Champ Kelly Pavlik bedeuten. Die nähere Zukunft findet aber erst einmal in Europa statt. Sturms nächste Herausforderung könnte ein Wiedersehen mit Javier Castillejo sein. Bis es allerdings soweit kommen kann, muss der Spanier erst den EM-Kampf in einer Woche gegen Sebastian Sylvester gewinnen. Gegen Castillejo hat Sturm schon zweimal geboxt. Den ersten Kampf verlor er durch K.o. (und damit auch den WM-Gürtel), das Rematch gewann er.
Im Raum steht auch die Frage, ob ein Duell mit dem IBF-Weltmeister Artur Abraham aus dem Sauerland-Boxstall verhandelbar ist. Am Samstag hatte Sturm vor dem Pittman-Kampf im Gespräch mit ZDFonline indirekt Bereitschaft signalisiert: "Artur ist für mich einer der leichteren Gegner. Er hat eigentlich nur Kraft und einen Punch - das reicht nicht, um sich lange an der Spitze zu halten."
Einstimmig
Im zweiten WM-Kampf des Abends verteidigte Halbfliegengewichtlerin Sahin ihren WIBF-Titel mit einem einstimmigen Punktsieg (96:94, 98:93, 97:92)-Erfolg gegen Yahaira Martinez aus Puerto Rico. Für die Kölnerin war dies der 20. Sieg in ihrem makellosen Kampfrekord.
In einem weiteren Fight bezwang der erstmals im Halbschwergewicht boxende Jürgen Brähmer (Schwerin) den Franzosen Karim Bennama mit technischen K.o. in der neunten Runde.
von Chr. Nürnberger
quelle: zdf