FCK Triathlon

Dr.BETZE

Moderator
Teammitglied
patrick lange siegte in einer unglaublichen zeit und pulverisierte die bisherige bestmarke mit 7:52:39.
kurz nach dem zieleinlauf machte er seiner freundin noch einen heiratsantrag.

auch der zweite blieb unter der magischen 8 stunden marke. die bedingungen waren wohl auch ideal, vor allem kaum wind.
schade, dass frodeno nicht dabei war, die hätten sich bestimmt auch nochmal gepusht.
bei den frauen wurde eine deutsche dritte, weiss den namen nicht mehr, anne irgendwas.
 

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„Miriam Welte ist die Schirmherrin beim Spiel der Lotto-Elf“

Sport-Plauderei: Klaus Böshans, Emil Fröhlich und Jan Wagenblatt über die Aktion für Kristina Vogel und Eileen Görtler in Bruchweiler
„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.“ Das ist der Leitsatz aus der Feder von Erich Kästner für das Benefizspiel der Lotto-Elf am 16. Juli (19 Uhr) in Bruchweiler gegen eine Ü40 aus dem Dahner Tal. Der Reinerlös ist für die seit einem Radunfall gelähmte Olympiasiegerin Kristina Vogel (28) und für die rheumakranke Eileen Görtler (17) aus Nothweiler bestimmt.


Schirmherrin ist Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte, die mit Kristina Vogel so viele Erfolge feierte. Die Organisation leisten die beherzten Mitmacher der SG Bruchweiler mit Präsident Jan Wagenblatt (33). Zum Team gehören auch Emil Fröhlich (71) aus Erlenbach und Klaus Böshans (57) aus Bundenthal.

Herr Fröhlich, Sie sind schon zum siebten Mal Mitorganisator eines Benefizspiels der Lotto-Elf. Wie kam’s?
Fröhlich:
Das begann 2011 in Bundenthal durch Sportkameraden. Kurt Leidner sagte: Du bischd in Rente, wir brauchen einen, der das Ding managt. Dann ging es Schlag auf Schlag. Mit Lotto haben wir einen tollen Partner gefunden, mit Marko Sasic und seiner wunderbaren Frau Celia haben sich echte Freundschaften entwickelt. Den Anstoß gab Miriam Welte. Sie hat gefragt: Können wir nicht was für die Kristina machen? Mit der SG Bruchweiler sind wir auf gutem Weg. Miriam ist Schirmherrin.

Wagenblatt: Ich bin ja bei der Bundespolizei. Unser Chef sagt immer, wir sind eine Familie. Da Kristina Vogel Bundespolizistin ist, sagte ich: Da müssen wir helfen, da machen wir auch was für unsere Kollegin! Unsere Anlage ist ja barrierefrei. Mario Wegmann aus unserem Verein hatte vor Jahren einen Radunfall, ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. Auch um ihm den Zugang zu ermöglichen, haben wir das so realisiert. Sein Sohn spielt bei uns in der ersten Mannschaft, Mario unterstützt uns sehr. Es gibt aber auch einen zweiten Gedanken: Wenn wir in der Region etwas machen, dann machen wir auch was für die Region. So haben wir uns für Eileen Görtler, eine erfolgreiche Sportschützin aus Nothweiler, entschieden. Sie ist 17, leidet seit ihrer Kindheit an rheumatischen Erkrankungen. Sie ist im Alltag auf viele Hilfsmittel angewiesen, die Kosten werden nur teilweise von den Krankenkassen übernommen. Eileen kann die Unterstützung gut gebrauchen.

Herr Böshans, Sie sind als Sprecher in der Radsportszene bekannt und nun auch in Bruchweiler am Start.
Böshans: Ja, ich habe Emil Fröhlich 2011 beim Benefizspiel in Bundenthal kennengelernt. Der machte das alles sehr professionell. So kam der Kontakt zustande. Da Radsport bei diesem Spiel jetzt eine Rolle spielen wird, kann ich meine Kompetenz mit einbringen. Wir haben ja auch ein Trikot von Pascal Ackermann versteigert, werden den Reinerlös am 16. Juli in Bruchweiler übergeben.

Fröhlich: Klaus macht das super, entlastet mich, so dass ich an anderen Stellen anpacken kann.

Wie viele Zuschauer fasst ihr Platz?
Wagenblatt:
Gut 1000 können wir unterbringen. Damit rechnen wir auch bei gutem Wetter. Dafür engagieren wir uns alle – wir drei sind nur die Speerspitze. Da steht der ganze Verein dahinter.

Was wollen Sie einspielen?
Fröhlich:
Wir wollen die Spannung hochhalten. Die Mindestsumme von 4000 Euro, die wir uns zum Ziel gesetzt haben, haben wir. Da sind wir schon locker drüber. Es wird das beste Ergebnis, das wir bei den Benefizspielen bisher hatten.

Herr Wagenblatt, Sie haben mit der SG Bruchweiler Verbandsliga gespielt, jetzt kickt die SG in der C-Klasse ...
Wagenblatt:
Da gibt es viele Gründe. Uns fehlten zeitweise eine A-Jugend und der Nachwuchs. Die SG gehört definitiv nicht in die C-Klasse. Wir haben jetzt wieder viele Eigengewächse in der Mannschaft, die Zuschauer kommen wieder. Yannick Nagel kommt als Spielertrainer aus Pirmasens zurück, der Verein wird 2020 100 Jahre alt. Da käme der Aufstieg passend.Interview: Horst Konzok

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 123 Dienstag, den 28. Mai 2019
 

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Auf „Grün Kap“-Tour
BENEFIZTOUR: FCK-Triathlet Heiko Schulz radelt im Juni auf die Insel Rügen – Zugunsten der Hans-Zulliger-Schule
Von Anja Benndorf

„Ich komme euch mal mit dem Rad besuchen.“ Das hat Heiko Schulz aus Asselheim vor einigen Jahren zu seinen Schwiegereltern gesagt. Und die wohnen nicht gerade um die Ecke, sondern auf der Insel Rügen – rund 860 Kilometer entfernt. Am 21. Juni wird der 47-Jährige das Versprechen einlösen. Und das verbindet er mit einem guten Zweck. Profitieren von seiner „Tour de Grün Kap“ auf dem Drahtesel von Grünstadt nach Kap Arkona wird die Grünstadter Hans-Zulliger-Schule. Von dort startet er heute (11 Uhr) seine Tour.

Wie kommt ein kinderloser Kfz-Sachverständiger auf diese Idee? Er habe eine Familie in seinem Bekanntenkreis, deren Sohn die Einrichtung mit Förderschwerpunkt Ganzheitliche Entwicklung besucht, erzählt Schulz. „Und ich wollte nicht einfach nur so just for fun losfahren.“ Purer Spaß ist das sowieso nicht. Der gebürtige Altleininger muss für sein Vorhaben sehr hart trainieren. Allerdings ist er daran gewöhnt.Heiko Schulz hat Ende der Neunzigerjahre mit dem Radrennsport angefangen. Seit 2007 ist er Triathlet des 1. FC Kaiserslautern, hat an Ironman-Wettkämpfen in Frankfurt und Köln teilgenommen. „Um dafür fit zu sein, muss man rund ein Dreivierteljahr bis zu 18 Stunden pro Woche laufen, schwimmen und Rad fahren“, erläutert er. Auf sein bevorstehendes Projekt bereitet er sich seit Januar vor, tritt wöchentlich 500 Kilometer in die Pedale. Im April hat er zudem 15 Tage lang auf Mallorca unzählige Höhenmeter auf zwei Reifen überwunden.

Radlastiger Trainingsplan„Mein Triathlon-Coach Tobias Alt, der sich Tobinature nennt, hat für mich kostenlos einen radlastigen Trainingsplan erstellt“, so Schulz, der auch regelmäßig zum Pilates beim TuS Sausenheim geht. Damit er den Plan trotz seiner Berufstätigkeit und auch bei mitunter unpassendem Wetter abarbeiten kann, hat er sich einen Rollentrainer für daheim gekauft. Dieser wird an den Laptop angeschlossen, über den das Gerät den wöchentlich variierenden Trainingsplan lädt. Das Fahren damit sei ziemlich authentisch, sagt der sportbegeisterte Pfälzer. Da seien Teilstrecken dabei, die sich anfühlten, als würde man im Windschatten eines Lkw radeln, und dann wieder Etappen, bei denen es steil bergauf gehe.

Schon mal 15 Stunden im SattelDas Gros des Trainings absolviert Schulz an den Wochenenden. „Samstags und sonntags sitze ich schon mal 15 Stunden im Sattel.“ Dabei schaue er entweder durchs Fenster in die Weinberge oder auf dem Monitor ein Video. Manchmal unterhält er sich auch einfach mit Musik. Das hört sich locker an, aber Schulz tritt 230 bis 280 Watt als Dauerbelastung. „Das werde ich noch steigern“, blickt er auf die kommenden drei Wochen, die die entscheidenden sein werden.
Anschließend wird er sich nach ein paar Erholungstagen aufs Rad schwingen und gen Norden aufbrechen. 250 Kilometer hat er sich pro Tag vorgenommen. Dabei wird er Abstriche machen müssen, zumindest in den Kasseler Bergen, die er nicht umfahren kann und die sicherlich sehr anstrengend werden. „Den Harz kann ich aber östlich liegen lassen“, freut er sich, „und weiter nördlich wird es flach.“ Die Tour wird sich live übers Internet verfolgen lassen.

Schulz hat alles bis ins Detail durchgeplant, überlässt nichts dem Zufall. „Mein Schwiegervater und meine Frau Anne werden mich im Wohnmobil begleiten.“ In dem Fahrzeug wird alles transportiert, was der 47-Jährige braucht: Verpflegung, ein zweites Rad, das speziell für die Berge geeignet ist, und ein ganzes Ersatzteillager. „Ich will unabhängig von Geschäften entlang der Strecke sein“, erklärt er. Und auch auf Übernachtungsbetriebe, die er zu bestimmten Zeiten ansteuern muss, ist er nicht angewiesen.

„Das Geld fließt komplett an den Förderverein der Hans-Zulliger-Schule“, betont der Asselheimer, der besonders gern früh morgens in die Pedale tritt: „Das ist Freiheit pur, wenn man an der frischen Luft unterwegs ist, Rehen begegnet und die Vögel zwitschern hört.“ Und nach dem Absteigen sei es ein tolles Gefühl, sich sportlich betätigt zu haben.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 141 Freitag, den 21. Juni 2019
 

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In einer Weltklasse-Zeit
BahnRadsport: Miriam Welte und Emma Hinze holen DM-Gold über 500 Meter
VON KLAUS D. KULLMANN

Gold und Silber für die beiden WM- und Olympiakandidaten aus der Pfalz und eine Handvoll Top-Talente in der Hinterhand: Frank Ziegler und Hermann Mühlfriedel, die Chefs des Bahnteams Rheinland-Pfalz, waren am dritten Tag der Rad-DM in Berlin mit den Medaillen 13 und 14 sehr zufrieden.

Ein paar Ecken weiter wurden gestern die Eisbären Berlin vorgestellt – vor Tausenden von Fans. Im Velodrom versammelten sich nicht mal 400, aber die machten mächtig Stimmung und feierten Miriam Welte und Emma Hinze. Mit der Weltklassezeit von 32,55 Sekunden für die 500-m-Distanz trumpften die beiden als Renngemeinschaft Pfalz/Lausitz auf. „Ich glaube, es war mein 20. Deutscher Meistertitel“, sagte die 32 Jahre alte Olympiasiegerin vom 1. FC Kaiserslautern und strahlte erleichtert. „Das war schneller als bei der WM, und es war sehr harmonisch. Es zahlt sich aus, wenn man sich in Ruhe vorbereiten kann“, sagte Welte, die mit Emma Hinze im März WM-Bronze in Polen geholt hatte. Die beiden reifen zu einem genialen Duo mit Blick auf Olympia in Tokio heran.
Den Daumen nach unten senkte dagegen Timo Bichler (20, RV Dudenhofen). „Das war nichts. Abhaken und nachforschen, woran es lag“, sagte beim Ausfahren der Anfahrer des Teamsprint-Trios mit Stefan Bötticher und Robert Förstemann, die dem Erdgasteam aus Chemnitz mit Nik Schröter, Maximilian Dörnbach und Marc Jurczyk wie im Vorjahr in Dudenhofen unterlagen. Vor allem war Bichler zwei Zehntelsekunden langsamer als sein direkter Konkurrent um einen internationalen Startplatz, Nik Schröter. Aber der gebürtige Bayer ist ein Kämpfertyp und will dran bleiben an seinen Tokio-Ambitionen.
Für Alessa-Catriona Pröpster geht die Titeljagd im Velodrom grenzenlos weiter. Nach dem souveränen Sieg tags zuvor im 500-m-Zeitfahren setzte sich die 18-Jährige vom RSC Ludwigshafen gestern im Kampfsprint durch. Sozusagen „Frau gegen Frau mit ein bisschen Körpereinsatz“, wie sie sagte. In diesem Keirin war sie vor drei Wochen in Gent Europameisterin geworden. „Es ist schon sehr cool, erstmals in einem EM-Trikot anzutreten“, gestand sie. Auf die Schnelle gab die Teamleitung den individuellen weißen Rennanzug mit den blauen Streifen und gelben Sternen in Auftrag, damit ja alle Sponsoren des Bahnteams Rheinland-Pfalz zur Geltung kamen. „Ich kenne so einen Auftritt mit dem Teamsprint-WM-Trikot, aber mit einem allein gewonnenen Trikot zu fahren, ist etwas Besonderes“, sagte die Wahl-Pfälzerin und gab zu, dass sie jetzt mit dem WM-Trikot im Keirin in zwei Wochen in Frankfurt/Oder liebäugelt.
Heute tritt sie im Teamsprint und morgen im Sprint an. „Klar, beide Titel sollen her. Heute fahren wir zu dritt, mit Sophie Deringer in der Qualifikation und mit Katharina Albers im Finale.“ Albers, die Hamburgerin im Team, holte hinter Pröpster Keirin-Silber, und die 16 Jahre alte Deringer (beide vom RV Dudenhofen), die aus der Jugend für den Teamsprint aufrücken darf, könnte dann endlich mal ein Meistertrikot bekommen. „Ich ärgere mich schon. Ich habe schon fünf Titel und immer noch kein Trikot“, sagte sie. Der Bund Deutscher Radfahrer sieht das aus Kostengründen nicht vor. Gestern trumpfte Sophie Deringer aus Römerberg taktisch klug im Keirin auf und verteidigte ihren Titel. „Der Donnerstag mit Platz drei im Sprint war nicht so mein Tag, ich war ein bissel im Tief, aber heute lief es dafür super. Ich mag Keirin sehr, es macht viel Spaß“, sagte Deringer, die ebenfalls ans Heinrich-Heine-Gymnasium geht.
Hervorragend schlugen sich erneut ihre Team- und Schulkollegen Henric Hackmann (16) und Luca Spiegel (15), zwei „ganz dicke Freunde“ (Spiegel). Dieses Mal drehten sie die Reihenfolge im Vergleich zum Zeitfahren hinter dem nahezu unschlagbaren Willi Weinrich (Thüringen) um: Der Kirchheimer Hackmann (RV Rodenbach) holte Silber, der Landauer Spiegel (RV Offenbach) Bronze.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 178 Samstag, den 3. August 2019
 

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Demonstration der Stärke
Bahn-Radsport: Theo Reinhardt und Franziska Brauße holen je drei Titel bei den deutschen Meisterschaften in Berlin.
Erfolgreicher ist nur Alessa-Catriona Pröpster mit vier Siegen.
Das Bahnteam Rheinland-Pfalz gewinnt sieben Titel und 19 Medaillen.

VON KLAUS D. KULLMANN

BERLIN. Und das soll wirklich nur eine Zwischenstation auf dem Weg zu den Junioren-Weltmeisterschaften in Frankfurt an der Oder gewesen sein? Irgendwie schon. Aber Alessa-Catriona Pröpster, die zweifache Europameisterin, nutzte die nationalen Titelkämpfe im Berliner Velodrom zu einer unglaublichen Demonstration der Stärke in der Juniorenklasse.
Sie hatte ein Riesenprogramm zu absolvieren, aber die 18 Jahre alte Württembergerin aus Jungingen im Schatten der Burg Hohenzollern, die längst im Schatten des Fritz-Walter-Stadions in Kaiserslautern heimisch geworden ist, vergaß nie das Lachen, was irgendwie auch eine Demonstration ist, nämlich die der Lockerheit. „Die DM war in der Tat Teil des Trainingsprozesses mit Blick auf die Heim-WM“, sagte Trainer Frank Ziegler, „wir wollten Gänge ausprobieren und sonst Verschiedenes testen.“
Gestern holte Pröpster in ihrem vierten DM-Wettbewerb ihren vierten Titel – wie schon im Keirin im direkten Duell gegen ihre Teamgefährtin Katharina Albers, die aus Hamburg auf die Eliteschule des Sports nach Kaiserslautern kam. Dort wohnen Pröpster und Albers, ebenfalls bei der Junioren-Weltmeisterschaft nun mit großem Selbstbewusstsein am Start, im Internat des Heinrich-Heine-Gymnasiums.
Und dorthin wird nach den Ferien auch Luca Spiegel wechseln. Der 15-Jährige aus Landau wusste vor zwei Jahren noch gar nicht, was ein Bahnrad ist, nun holte er sich seine dritte Medaille. Dritter wurde er im Keirin, was Frank Ziegler als eine „bärenstarke Leistung“ kommentierte. Teamkollege und Freund Henric Hackmann belegte Platz fünf. Damit standen am Ende sieben Titel und 19 Medaillen für das Bahnteam Rheinland-Pfalz zu Buche, das nun im zweiten Jahr erfolgreich über deutsche Radrennbahnen rollt.
Lea Sophie Friedrich hat zum Abschluss der fünftägigen Meisterschaften den Titel in der Königsdisziplin Sprint gewonnen. Die 19-Jährige aus Dassow bezwang die zweifache deutsche Meisterin Emma Hinze (22), die 2014 ebenfalls Mitglied der Kaiserslauterer Trainingsgruppe gewesen war, in drei Läufen – ganz sicher einer der Höhepunkte dieser am Ende doch ganz gut besuchten Meisterschaften auf der WM-Bahn des kommenden Jahres.
Friedrich war in der Qualifikation überragende 10,5 Sekunden auf den 200 Metern gefahren. Bronze sicherte sich Teamsprint-Olympiasiegerin Miriam Welte (1. FC Kaiserslautern) nach zwei Läufen gegen Pauline Grabosch. Die 32-Jährige überraschte dabei Grabosch im zweiten Lauf, als sie sehr früh angriff und ihren Sprint über 500 Meer durchzog. Den ersten Lauf hatte sie nach Zielfotoentscheid gewonnen.
Miriam Welte geht nun mit einem kompletten Medaillensatz dieser Titelkämpfe in die Vorbereitung auf die Europameisterschaften im Oktober in Apeldoorn. Ihr Hauptziel in Berlin war es, schnellste Anfahrerin zu sein, und das gelang ihr eindrucksvoll.
Im Mannschaftszeitfahren der Männer feierte Madison-Weltmeister Theo Reinhardt seinen dritten Sieg in Berlin. Der Lokalmatador setzte sich mit seinem Vierer in 3:56,777 Minuten vor den Rivalen um Maximilian Beyer (3:59,038) durch. Gemeinsam mit Beyer hatte Reinhardt das Madison-Rennen für sich entschieden und das Punktefahren gewonnen.
Franziska Brauße (Öschelbronn) verfehlte ihren vierten Titel knapp. Nach Gold in der Einerverfolgung, der Mannschaftsverfolgung und im Madison sprintete die 20-Jährige zur Silbermedaille im Scratch hinter Michaela Ebert.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 179 Montag, den 5. August 2019
 

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Miriam Welte nimmt Fahrt auf
Bahnradsport: Souveräner Heimsieg gestern beim Sprintrennen in Dudenhofen
Von Klaus D. Kullmann

Riesenspektakel in der Dudenhofener „Badewanne“ mit dem Heimsieg der Olympiasiegerin Miriam Welte. Souverän schlug sie die Italienerin Miriam Vece im Sprint. Klar und deutlich, ohne Videobeweis, den es gestern Abend zuhauf gab. Was im Bahnradsport für absolute Spannung steht.

Seit über zwei Jahren puschen sie sich gegenseitig in der Trainingsgruppe, gestern fuhren sie tatsächlich ihr erstes offizielles Rennen gegeneinander. Was für die gut 1200 pfälzischen Radsportfans hinter der Bande eine superspannende Angelegenheit war: Im Sprint-Halbfinale schlug Miriam Welte (32) die 14 Jahre jüngere Alessa-Catriona Pröpster. Hier die Olympiasiegerin von 2012, da die frischgekürte Junioren-Weltmeisterin, beide tragenden Säulen im Bahnteam Rheinland-Pfalz.

„Es ist superschön, mit Alessa zu trainieren, weil sie eine Sportlerin ist, die genau weiß, was sie will und so ähnlich tickt wie ich. Sie macht alles dafür, im Training und in der Schule, um überall erfolgreich zu sein“, sagte Welte gestern Abend auf ihrer Trainingsbahn in Dudenhofen und fand es cool, gegen Pröpster zu fahren – und zu gewinnen. „Ich denke, dass sie absolut das Zeug dazu hat, auch in der Frauenklasse oben anzukommen, wenn sie so weiter macht, weil sie hart dafür arbeitet“, sagte Welte.

Pröpster dürfte als Junioren-Weltmeisterin, quasi mit Wildcard, schon in den Frauen-Weltcups starten. Ob Bundestrainer Detlef Uibel in der Olympia-Vorbereitung und -Qualifikation das zulässt, bleibt abzuwarten.

„Wir verstehen uns megagut. Bei jedem läuft mal ein Trainingstag nicht so rund, und da können wir uns schon gegenseitig helfen und puschen“, erzählte der Jungstar, „für mich ist„s ein Ansporn, an Miri heranzufahren und für sie ist es ein Ansporn, zu sagen hey, sie ist noch jung, sie lass ich nicht so schnell vorbei. Das ist doch eine richtig gute Basis, oder?“

In der Sprintqualifikation fuhr Welte in 11,507 Sekunden auf Platz zwei (hinter Miriam Vece, 11,501), Pröpster kam auf 11,843 für die 200 Meter fliegend. Damit waren die Fronten fürs Halbfinale schon mal geklärt. „Miriam ist natürlich noch schneller, zum einen aufgrund ihrer Erfahrung, zum zweiten wegen ihres höheren Kraftpotenzials, das sich Alessa erst noch erarbeiten muss“, erläuterte Trainer Frank Ziegler. Und noch eines ist zu beachten: Für Pröpster ist die Saison mehr oder weniger vorbei, die Luft mit zweimal Gold und zweimal Silber bei den Junioren-Weltmeisterschaften so gut wie raus. Die Olympiasiegerin dagegen nimmt jetzt gerade Fahrt auf für die Europameisterschaften im Oktober in Apeldoorn. Und dann geht es Schlag auf Schlag: die Weltcups, die WM in Berlin und, wenn alles gut geht, in Tokio 2020 die dritte Olympiateilnahme. Harte, konsequente Arbeit steht an. Wie seit 2006, denn solange fährt Miriam Welte aus Kaiserslautern schon in der Weltspitze.

In der „Badewanne“ war gestern ordentlich Frauen-Power angesagt. Im sogenannten Omnium, einem Vierkampf aus Scratch, Temporennen, Ausscheidungs- und Punktefahren nahmen 22 Fahrerinnen teil, darunter in Ebtissam Zayed auch eine Ägypterin, eine Exotin im Bahnradsport, aber auch Amy Pieters (28), die Weltmeisterin im Madison und die noch unbekannte, erst 18 Jahre alte Vittoria Guazzini, die sich gestern einen Namen machte, ein Ausrufezeichen setzte. Sie gewann das Scratch- und Ausscheidungsrennen, Pieters das Temporennen, mit 116 Punkten gingen die beiden gleichauf ins Punktefahren. Eine halbe Runde vor Schluss lag Pieters noch vorne, dann zog Guazzini vorbei. 160 zu 154 Punkte für die Italienerin, welch ein triumphaler Sieg!

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 196 Samstag, den 24. August 2019
 

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Der Teufel in der Badewanne

Betze-Geflüster: Olympiasiegerin Miriam Welte hat, wenn ihr FCK spielt, das Handy in der Trikottasche und fiebert mit

Die Badewanne ist voll, und Miriam Welte genießt. Die Olympiasiegerin dreht ihre Runden auf der gleichnamigen Radrennbahn in Dudenhofen, reißt die Arme hoch und animiert das Publikum, sie anzufeuern. Denn gleich soll es passieren: Sie will den ersten Rundenrekord für Frauen aufstellen. Die Radsportfans auf der Tribüne fiebern mit, klatschen, machen die Welle, pushen sie nach vorn. Und am Ende passiert es: Sie fährt ihre Gegnerinnen in Grund und Boden und wird Rundenrekordhalterin. Auch, weil das Publikum so mitgegangen ist. „Die Zeit war richtig schnell. Schneller als in der Quali. Da war aber auch keiner in der Kurve. Dass die alle so mitgehen und mich anfeuern, das hört man schon, und das pusht einen unheimlich“, sagt die Radsportlerin, die kurz davor beim Internationalen Radsportmeeting in der Badewanne den Sprint-Titel geholt hat.

Der RV 08 Dudenhofen ist stolz auf seine „Miri“, erwähnt nicht ohne Stolz, dass sie Ehrenmitglied beim RV 08 ist, auch wenn sie im Trikot des 1. FC Kaiserslautern startet. Das trägt sie mit Stolz.

Seit 2014 ist sie Mitglied der Triathlonabteilung des FCK. Jockel Faulhaber, ein Freund der Familie, der für den Radsport lebt und unter anderem eine Rennradsammlung zusammengestellt hat, die im Technikmuseum Sinsheim zu sehen ist, hat dafür gesorgt, dass das auch jeder sehen kann. Er hat ein Radtrikot für sie entworfen, auf dem groß der Teufel zu sehen ist. Welte, die inzwischen zum Ehrenmitglied des FCK ernannt worden ist, ist stolz, dass sie für den Verein fahren darf, der schon immer ihrer war. „Meine Verbindung zum FCK ist noch größer geworden. Vorher war ich nur Fan.“ Sie trägt das Trikot gern. „Den FCK kennt jeder, egal, wo ich starte, in Kolumbien, Südafrika, Mexiko. Den kennt man auf der ganzen Welt.“

Am Training hat sich seitdem für sie wenig geändert. Sie übt weiter im neuen Kraftraum ihrer alten Schule, im Heinrich-Heine-Gymnasium. Zu Steffen Höfs, dem Leiter der Triathlonabteilung des 1. FC Kaiserslautern, hat sie neuerdings eine doppelte Verbindung: Er ist seit kurzem für die Sportfördergruppe verantwortlich und ihr direkter Vorgesetzter bei der Polizei. Ihren Vereinskollegen Mathias Mester, den kleinwüchsigen Weltmeister im Speerwerfen, der ebenfalls Athlet in ihrem Verein ist, trifft sie ab und zu. „Ich sehe ihn immer wieder mal im Stadion, wenn er zu Heimspielen kommt.“

Die verfolgt sie auch, wann immer es geht, von der Nordtribüne aus. Fünfmal hat sie es in der vergangenen Saison geschafft, zweimal war sie außerdem dienstlich dort - für die Polizei. Ansonsten hält sie sich per Ticker auf dem Laufenden. „Der läuft im Trainingslager, wenn ich im Kraftraum bin. Und wenn ich auf dem Fahrrad sitze, dann habe ich das Handy in der Trikottasche.“

Dass in ihrer Wohnung der FCK überall seine Spuren hinterlassen hat, ist klar. Nicht zuletzt, seit sie mit Oliver Schäfer zusammen ist, Mitglied der Meistermannschaft, ehemals Co-Trainer der Profis, Athletiktrainer, Trainer der U23. Er hat jede Menge Dekorationsgegenstände mitgebracht: das Trikot von der Meisterschaft hängt im Wohnzimmer, in der FCK-Vitrine stehen Originalschuhe aus der Zeit, liegt der Ehrenring, die Goldene Ehrennadel. Ein Oliver-Schäfer-Bild hängt an der Wand. Die Vorhänge im Wohnzimmer hat der ehemalige FCK-Profi selbst gebastelt, aus Trikots der Mannschaften, gegen die er gespielt hat, Ajax Amsterdam, Betis Sevilla ...

Aber auch Miriam Welte hat ihre FCK-Spuren in der Wohnung hinterlassen: Im Flur hängt ein FCK-Trikot aus dem Jahr 2012, das Miriam Welte gehört, mit „Olympiasiegerin“ auf dem Rücken. Und dann ist da noch die Urkunde zur Ehrenmitgliedschaft, für die sie sich ein paar Frotzeleien von ihrem Oli anhören durfte: „Wie viele Spiele hast Du für den Verein gemacht“, foppte er sie. Miri Welte genießt und schweigt.

Von Maria Huber

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 197 Montag, den 26. August 2019
 

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Die Fußstapfen von Welte werden so langsam ausgefüllt, hoffe sie fahren dann auch für den FCK

Amtsblatt

„Sie sind wirklich weltmeisterlich“

Joachim Färber gratuliert drei Radsportlerinnen des HHG zu fünf WM-Medaillen

„Meine Damen, Sie sind wirklich weltmeisterlich!“ – mit diesen Worten empfing der Beigeordnete und Sportdezernent Joachim Färber die drei Schülerinnen Katharina Albers, Alessa-Catriona Pröpster und Lea Waldhof des Heinrich-Heine Gymnasiums in Kaiserslautern.
Die Radsportlerinnen des HHG waren bei den Junioren-Weltmeisterschaften im Bahnradsport in Frankfurt/Oder am Start und brachten
fünf Medaillen mit nach Kaiserslautern. „Ein herausragendes Ergebnis“, freute sich Färber.

Auch die beiden Trainer Frank Ziegler und Josef Schüller freuten sich über die sehr guten Resultate. In seiner Rede hob Färber hervor, dass es im wettkampforientierten Sport Vorbilder brauche, die zeigen, dass sich Einsatz und Training lohnen, um Ziele zu erreichen.

„Wenn Sportlerinnen und Sportler wie Sie es schaffen, andere durch Ihr Engagement, Ihren Einsatz und Ihren Erfolg zu begeistern, dann sind Sie viel mehr als ’nur’ außergewöhnliche Athletinnen und Athleten – dann sind Sie Vorbilder“, lobte Färber die drei Schülerinnen.

Er dankte auch der Schulleitung, insbesondere Ulrich Becker, und Lehrern für das vorbildliche Förderkonzept des Heinrich-Heine-Gymnasiums, das diese sportlichen Erfolge neben der Schule überhaupt erst möglich mache. ps

SÜWE - Wochenblatt Kaiserslautern Süd - Nr. 134 Mittwoch, den 28. August 2019
 

playerred

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Die Wochenend-Kolumne
Ich bin der Meinung,
dass Kaiserslautern dringend eine Radrennbahn braucht.

65 Kilometer sind’s nach Dudenhofen. Im Sommer und bei Sonne (weil die Radrennbahn kein Dach hat). 720 Kilometer nach Frankfurt/Oder. Ganzjährig. Leger gesagt: Mir verriet mal jemand, dass er ko... könnte, wenn er nur an die weite Fahrt denke.Nun, es wird endlich Zeit, dass Kaiserslautern, damit’s für die Athleten nur noch um die Ecke ist, eine Radrennbahn, oder politisch ausgedrückt, eine Sportstättenerweiterung im Sportpark bekommt. Jan van Eijden, Miriam Welte, Timo Bichler und andere haben’s vorgemacht, jüngst haben Alessa-Catriona Pröpster mit je zwei EM- und WM-Titeln und all die anderen bei deutschen Meisterschaften bewiesen: Da läuft doch was in K-Town! Wann, wenn nicht jetzt, will die Politik die Erfolge anerkennen?

Gewünscht ist eine Halle – Achtung, wichtig – mit polyvalentem Nutzungskonzept. Eine für Leistungs-, Schul- und Hochschulsport. Und auch Badminton sollte darin gespielt werden. Denn am Heinrich-Heine-Gymnasium sind Radsport und Badminton Schwerpunktsportarten. Das HHG ist eine Eliteschule des Sports, der Deutsche Olympische Sportbund signalisierte gerade, dass Eliteschulen nur noch an Standorten erhalten werden, die für die Spitzensportverbände wichtig sind. Was am HHG der Fall ist. Also, liebe Leut: Noch Fragen zu Plänen und Grundsteinlegung?

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 202 Samstag, den 31. August 2019
 

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Dann war da noch ...

... Radsport-Olympiasiegerin Miriam Welte, die ein Herz für Küken hat. Zumindest für jenes, das am Donnerstagabend verlassen auf einem Kaiserslauterer Kreisel saß. „Vielleicht ist es von einem Transporter gefallen“, so vermutet die 32-Jährige. Auf jeden Fall war der gebürtigen Kaiserslautererin klar: Auf dem Kreisel soll es auf keinen Fall bleiben. Also stoppte Weltes Lebensgefährte Oliver Schäfer den Wagen und die Sportlerin konnte das kleine Federknäul mit einiger Mühe einfangen. Ihr Plan: Das Küken darf in Otterberg (Kreis Kaiserslautern) in den Hühnerstall von ihrem Vater einziehen. Genauer: In die Kükenstube. Dort scheint es dem Kleinen recht gut zu gefallen. Noch ist zwar unklar, ob es eine Henne oder ein Hahn ist. Aber einen Namen hat es bereits: Olmi – nach den Vornamen seiner beiden Retter. sba

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 209 Montag, den 9. September 2019
 

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Blickpunkt

Die letzte Bereitschaft zum Quälen fehlt

Damit hat wohl niemand gerechnet: Miriam Welte, die Olympiasiegerin im Bahnradsport von 2012, hat 304 Tage vor Beginn der Olympischen Spiele in Tokio ihr Karriereende bekanntgegeben. Sie trainierte letzte Woche schon nicht mehr. „Ich habe immer gesagt, ich möchte den Zeitpunkt selbst entscheiden und nicht, dass jemand für mich entscheidet“, sagte die 32 Jahre alte Athletin in einem langen und emotionalen Gespräch in ihrem Elternhaus in Otterbach.
Von Klaus D. Kullmann

Die Entscheidung ist unumstößlich – nach 18 Jahren Zusammenarbeit mit ihrem Trainer und Stiefvater Frank Ziegler, nach 13 Jahren Leistungssport auf Weltniveau seit ihrer ersten aktiven WM 2006 in Bordeaux, nach Olympia-Gold 2012 und Olympiabronze 2016, sechs Weltmeistertiteln und 37 internationalen Medaillen. „Du hast alles erreicht in deiner Karriere, in deiner Entscheidung bist du frei, sagte ich immer zu Miri“ – so reagierte Ziegler zuletzt in vielen Gesprächen über die Zukunft auf Autofahrten oder in Trainingslagern, eben auch vor einer Woche in Frankfurt/Oder. Ziegler: „Ich habe nicht interveniert“.

Miriam Welte verzichtet damit auch auf einen Start bei den Heimweltmeisterschaften im Februar 2020 in Berlin und wird wohl ihre Arbeit als Polizei-Oberkommissarin regelmäßig aufnehmen. „Wie und wo, darüber ist noch nicht gesprochen worden“, sagt die Sportlerin des Jahres in Rheinland-Pfalz, die in der vergangenen Woche Innen- und Sportminister Roger Lewentz ihren Entschluss mitteilte.

Welte weiß nicht – und die unangenehme Erfahrung mit Ausscheidungsrennen vor den Spielen 2016 ist ihr nicht aus dem Kopf –, ob sie in Tokio in der Startmaschine gestanden hätte, um etwa mit Emma Hinze, mit der sie zuletzt im März in Pruszkow WM-Bronze im Teamsprint holte, zum dritten Mal um olympischen Edelmetall zu fahren. „Ein Jahr sich zu quälen, um am Ende nur als Tourist oder gar nicht dabei zu sein, das kommt für mich nicht in Frage“, gibt sie unumwunden zu. „Ich habe bei den ganzen Trainingsmaßnahmen gemerkt, gerade auch in der vorletzten Woche in Frankfurt/Oder, dass ich nicht mehr bereit bin, mich so zu quälen, wie es sein müsste, um die Leistung zu bringen, die notwendig wäre. Diese letzte Bereitschaft, komplett an die absoluten Grenzen ran zu gehen, die ist einfach nicht mehr da“, offenbart Welte ihre Gefühlswelt.

Miriam Welte erzählt, dass sie sich im Sommer mal mit der Mainzer Ex-Sprinterin Marion Baumgärtner, geborene Wagner, unterhielt. Einfach so. Die Staffelläuferin kam in London 2012 nicht zum Einsatz. „Marion erzählte mir, dass sie ihre Karriere schon vor London beendet hätte, hätte sie ihre Rolle als Ersatzläuferin geahnt. Das gab mir zu denken“, berichtet Welte.

Und es ist ja so: Das Keirin-Zentrum in Izu, auf dem die Olympia-Medaillen vergeben werden, liegt 180 Kilometer und zweieinhalb Stunden von Tokio entfernt. Gefahren wird in der dritten Woche. „Wir sind nicht bei der Eröffnungsfeier, wir wohnen nicht im olympischen Dorf, wir können nicht ins Deutsche Haus gehen. Dieses ganz Besondere, was die Spiele ausmacht, den Austausch mit anderen Athleten, dass man sich anfeuert, das haben wir alles nicht“, sagte Welte und verdeutlicht, wie auch dieser Umstand in die Entscheidung einfloss.

„Den Arsch aufgerissen“Wir sitzen gemütlich zusammen auf dem halbrunden Sofa im elterlichen Wohnzimmer. Miriam im Schneidersitz, Mama Alexandra, Stiefpapa Frank Ziegler. Ihr Lebensgefährte Oliver Schäfer beobachtet aus der Ferne. Es ist Samstag Vormittag. Die Olympiasiegerin ist sich ihrer Sache sicher. Fast keiner weiß Bescheid, es ist ihr auch, so scheint es, nicht so wichtig. Wir vereinbaren als Termin der Bekanntgabe des Rücktritts Montag, 11.30 Uhr. Dann nämlich wird sie im Flieger sitzen auf dem Weg zum „Club der Besten“ der Sporthilfe auf Fuerteventura, vielleicht noch das ein oder andere Mail verschickt und auf Facebook die Neuigkeit gepostet haben und gespannt warten, was all die anderen Athleten sagen, wenn sie aus dem Flieger steigt. Sorge davor, dass irgendwer ihre Entscheidung nicht versteht, hat sie nicht. „Im Gegenteil. Ich habe das für mich entschieden, ich weiß, dass es richtig ist, ich bin glücklich damit“, sagte sie: „Entweder man versteht es, oder man versteht es nicht.“ Ach so, das noch: nein, schwanger sei sie nicht, sagt sie und grinst.

Ihre größten Erfolge feierte sie mit Kristina Vogel (28) im Teamsprint. Mit deren Schicksal hat Weltes Karriereende nichts zu tun. „Mit Kristina war es etwas sehr Besonderes, auch wenn wir Phasen hatten, in denen wir kämpften, auch miteinander. Wir wussten ganz genau, was wir wollten, wir haben uns zusammen den Arsch aufgerissen und alles getan, um am Ende auf dem Podium zu stehen. Wir sind ja zusammen groß geworden, auch wenn sie vier Jahre jünger ist, aber wir waren zu einem Team zusammengeschweißt.“

Miriam Welte würde alles wieder so machen. „Ich habe viele Opfer in dieser Zeit gebracht, aber es hat sich alles gelohnt. Es war nicht immer einfach, weil wir Probleme mit Trainingsbedingungen in der Pfalz hatten. Wir mussten viele Kompromisse eingehen, um die Erfolge zu erreichen. Ich habe den Sport super gerne gemacht, ich hatte klare internationale Ziele“, lässt sie 18 Jahre im Rückblick Revue passieren.

Nach vorne geschaut, weiß sie, mit Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze sind zwei da, mit denen Bundestrainer Detlef Uibel nun in Ruhe die Vorbereitung auf Tokio angehen an. „Diese Entscheidung muss ich erstmal sacken lassen“, sagte Uibel gestern aber der Deutschen Presseagentur, nachdem er vom Rücktritt erfahren hatte.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 222 Dienstag, den 24. September 2019
 

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Sport und Politik sagen: Chapeau!

Stimmen: Minister Roger Lewentz: „Habe großen Respekt vor der Entscheidung“
DIE RHEINPFALZ hat sich in der Familie und unter wichtigsten Repräsentanten des Sports umgehört, um zu erfahren,
wie sie über den Rücktritt von Miriam Welte denken.


Mutter Alexandra Welte: „Ich sagte zu ihr, ich hätte es schön gefunden, du machst die Olympischen Spielen mit den O, also London, Rio, Tokio. Ich hätte sie gerne noch mal bei Olympia gesehen. Trotzdem: Ich denke, man soll dann aufhören, wenn man für sich den richtigen Zeitpunkt gekommen sieht. Das ist dann der Fall, wenn man merkt, dass die Leidenschaft nicht mehr reicht, um 110 Prozent zu bringen. Es ist für mich okay, dass sie aufhört.“

Trainer Frank Ziegler: „Ich hatte mit Jan van Eijden von 1992 bis 2006 und danach nahtlos mit Miriam zwei ganz herausragende Athleten.
Miriam war absolut strukturiert, zielstrebig, konsequent. Wir haben ihre Karriere gemeinsam geplant, aber sie hat nicht einfach einen Trainingsplan umgesetzt, sie hat ihn hinterfragt. Wir diskutierten. Sie ist wissbegierig und bringt ihre eigene Gedanken ein. Sie hat nun auch ihre Übungsleiterlizenz gemacht. Sie hat auf allen Familienfesten ein Glas Wasser getrunken, und das Glas Wein stehen lassen.“

Lebensgefährte Oliver Schäfer: „Miriam hat absolut die körperlichen Fähigkeiten, weiter zu machen. Aber im Kopf ist sie nicht mehr ganz so bereit, wir haben das oft erörtert, und dann kann sie meines Erachtens nicht mehr den Weg weiter gehen, den sie gegangen ist, nämlich in der Weltspitze vorne mitzufahren. Die drei oder die fünf Prozent dafür fehlen. Ich verstehe, wenn sie sagt, unter diesen Voraussetzungen fahre ich nicht mehr zu Olympia nach Tokio. Es war ein Reifeprozess, mit dem man sich aufgrund des Alters irgendwann halt mal beschäftigt.“

Innen-und Sportminister Roger Lewentz: „Miriam Welte ist eine super erfolgreiche Sportlerin, die weltweit im Bahnradsport große Anerkennung genießt und auch der rheinland-pfälzischen Polizei alle Ehre gemacht hat. Dafür hat sie alle Anerkennung und großen Respekt für ihre Entscheidung verdient. Mich beeindruckt sehr, dass Miriam Welte für sich entschieden hat, sich mitten aus der Erfolgsspur ihrer großen sportlichen Karriere heraus vom Leistungssport zu verabschieden. “

LSB-Präsident Jochen Borchert: „Schade. Mit Miriam geht eines der erfolgreichsten Gesichter, die der rheinland-pfälzische Sport hatte, von der Bühne. Man hatte immer das Gefühl, sie war Teil der Familie. Sie war nie abgehoben. Es ist für sie wahrscheinlich ein wichtiger Schritt.“

Patrick Moster, Sportdirektor des Bundes Deutscher Radfahrer und pfälzischer Landsmann aus Landau, sagte in der WM-Stadt Harrogate: „Ihr Rücktritt kommt sehr überraschend für uns alle. Das hatten wir nicht erwartet, hofften, dass sie bis zur WM in Berlin weitermacht, im besten Fall bis Tokio. Miriam ist eine sehr verdiente Sportlerin. Respekt, wenn sie den Weg frei macht für die Jugend. Wir akzeptieren, wenn sie sich nicht mehr über 100 Prozent motivieren kann. Schade, aber vollstes Verständnis.“

Wilfried de Buhr, der Vorsitzende des 1. FC Kaiserslautern e. V.: „Der 1. FCK ist stolz auf Miriam Welte. Mit dem Olympiasieg und den vielen WM- sowie internationalen und nationalen Titeln ist sie ein absolutes Aushängeschild für unser Land, die Region und unseren Verein. Sie ist dabei immer heimatverbunden und natürlich geblieben. Ein Charakterzug, der sie weit und breit beliebt gemacht hat.“ ku/osp

Kommentar
Die Welt(e)meisterin geht

VON KLAUS D. KULLMANN

Überraschung? Nein! Miriam Weltes Rücktritt ist nachvollziehbar, denn
mit ihren 32 Jahren hat sie alles erreicht. Sie könnte nur noch verlieren.


Für die meisten Experten und Radsport-Sympathisanten kommt Miriam Weltes Rücktritt vor der jetzt beginnenden Weltcupsaison mehr als überraschend. So kurz vor der Heim-WM in Berlin und den Olympischen Spielen in Tokio das Rad an den Nagel zu hängen, das mag auf Unverständnis stoßen. Aber die 32 Jahre alte Athletin ist sich nach 18 intensiven Jahren im Leistungssport bis in die letzte Sekunde treu geblieben: Ihr Entschluss ist mutig, konsequent und nachvollziehbar. Chapeau!

Sie wollte das unbedingt, was viele nicht können: Das Ende des bis dahin wichtigsten Lebensabschnittes selbst festzulegen. Welch ein Glück, wenn man sich diese Freiheit nehmen kann. Kristina Vogel, ihre so geniale Partner im Teamsprint, mit der sie zwei Olympia- und vier WM-Medaillen holte, konnte das nicht. Vogel ist vor 15 Monaten tragisch verunglückt, sitzt querschnittgelähmt im Rollstuhl. Sicher ein außergewöhnlich schlimmes, ein tragisches Karriereende.

Miriam Welte war leistungsbereit bis unter die Haarspitzen, diszipliniert und ehrgeizig, offen für jede technische Entwicklung. Sie konnte sich im Kraftraum unter der Langhantel bis zum Erbrechen quälen, überzeugte auf den Radrennbahnen dieser Welt mit klarem Kopf und schnellen Beinen. Sowohl in einem dreistündigen Training wie in den 18 oder 19 Sekunden, in denen es als Anfahrerin im Teamsprint auf der ersten von zwei Runden ankam. Miriam Welte wusste, was sie wollte und was sie konnte. Das wird auch in Zukunft so sein.

Kann gut sein, dass Bundestrainer Detlef Uibel erst jetzt, nach dem auch für ihn sicher unerwarteten Rücktritt, spürt, was er verloren hat: Eine erwachsene Frau, eine mündige Athletin und eine glaubwürdige Leistungsgarantin. Sie war (und ist) ein sehr aufgeschlossenes Vorbild für die Jugend im Sport, und sie blickt auf eine unfassbare Karriere zurück. Olympiasiegerin, Weltmeisterin, deutsche Meisterin, Weltrekorde, und das alles zigfach. Mal ehrlich: Miriam Welte, die alles erreicht hat, hätte doch nur verlieren können. Sie hat vor Niederlagen nicht gekniffen. Nein, sie hat abgewägt, Für und Wider überdacht. Vielleicht auch, um das zu behalten, was sie eben auch ausgezeichnet: eine Natürlichkeit und Fröhlichkeit, die aufzusaugen einfach nur Spaß machte. 18 Jahre lang. Danke dafür, Miri!

Zur Sache

Erfolg – Erfolg – Erfolg


Miriam Welte, geboren am 9. Dezember 1986 in Kaiserslautern, wo sie auch wohnt, wurde Leichtathletin bei Karl-Heinz Schröder in Otterberg, bis sie Frank Ziegler im August 2011 unter seine Fittiche nahm. Seit 2002 verpasste sie keine deutsche Meisterschaft im Bahnradsport, holte 21 nationale Titel, dazu 15 Mal Silber und 7 Mal Bronze. Seit fünf Jahren startet sie im Trikot des 1. FC Kaiserslautern, seit zwei Jahren führt sie das Bahn-Team Rheinland-Pfalz an.

International startete sie seit 2006 ununterbrochen bei Weltmeisterschaften. Ihre Ausbeute dort: Sechs mal Gold, davon vier Titel im Teamsprint und zwei Titel im 500-m-Zeitfahren, fünf Mal Silber und acht Mal Bronze. Teamsprint-Weltmeisterin war sie mit Kristina Vogel 2012, 2013, 2014 und 2018, als Solistin im Zeitfahren 2014 und 2018.

Radsportstatistiker notieren, dass sie drei Mal einen Teamsprint-Weltrekord fuhr und als erste Deutsche in 10,643 einen Weltrekord über 200 Meter aufstellte. Den deutschen 500-m-Rekord verbesserte sie sieben Mal und steht mit 33,062 Sekunden auf Platz drei der ewigen Weltbestenliste.

Ihren größten Erfolg feierte sie 2012 in London, als sie mit Kristina Vogel Olympiasiegerin wurde. Daraufhin wurde ihr das „Silberne Lorbeerblatt“ der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Nicht viel weniger wert ist die Bronzemedaille des Duos bei den Spielen 2016 in Rio de Janeiro.

In Rheinland-Pfalz ist sie die einzige noch aktive Olympiasiegerin. Natürlich genießt sie in diesem Bundesland hohen Stellenwert, seit 2012 wurde sie fünf Mal zur Sportlerin des Jahres gewählt. Keine Frage: Die Polizei-Oberkommissarin kam natürlich auch im Polizeisport zu Ehren, als Polizeisportlerin des Jahres 2013 in Rheinland-Pfalz und gemeinsam mit Vogel 2018 als Polizei-Mannschaft des Jahres. ku

„Absolutes Aushängeschild“

Stimmen von Weggefährten zum Rücktritt von Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte
Die bekannte Bahnradfahrerin Miriam Welte hat so ziemlich alles gewonnen, was man im Radsport gewinnen kann.
Nun beendet sie ihre sportliche Karriere − mit vielen guten Wünschen der Stadt, ihrer früheren Schule und ihren Vereinen.


Wilfried de Buhr, Vorsitzender des 1. FC Kaiserslautern e. V.: Der 1. FC Kaiserslautern ist stolz auf Miriam Welte. Mit dem Olympiasieg und den vielen Weltmeister- sowie internationalen und nationalen Titeln ist sie ein absolutes Aushängeschild für unser Land, die Region und unseren Verein. Sie ist dabei immer heimatverbunden und natürlich geblieben. Ein Charakterzug, der sie beliebt gemacht hat. Ich bin davon überzeugt, dass sie auch in der vor ihr liegenden Zukunft einen erfolgreichen Weg gehen wird – und freue mich darauf, dass wir dich, Miriam, sicherlich häufiger auf dem Betze sehen werden.
Ulrich Becker, Leiter des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Kaiserslautern: Ich bedauere Miriam Weltes Entscheidung. Ich hatte gehofft, sie noch einmal bei den Olympischen Spielen in Tokio im nächsten Jahr fahren zu sehen. Ich habe großen Respekt vor ihrer sportlichen Leistung. Sie hat für den Radsport unendlich viel geleistet. Sie war für unsere Nachwuchsfahrer immer ein echtes Vorbild, eine Persönlichkeit, die auch ansprechbar war. Wenn man einmal erlebt hat, wie distanzlos – im positiven Sinne – sie mit unseren Schülern umgegangen ist, das war schon toll. Ich hoffe, dass wir Miriam Welte, in irgendeiner Form, auch an unsere Schule binden können. Sie ist uns schon sehr lange verbunden, hat immer wieder bei uns im Kraftraum trainiert. Dass sie nun einen so klaren Strich zieht, dafür zolle ich ihr Respekt.

Klaus Weichel, Oberbürgermeister: Miriam Welte hat in den vergangenen Jahren unglaublich viel für das Image Kaiserslauterns getan und war sympathisches Gesicht von Stadt und Region mit bundesweiter Strahlkraft. Ihre vielen sportlichen Erfolge sprechen für sich. Mindestens genauso eindrucksvoll ist aber ihr soziales Engagement. Ich bedauere den Entschluss sehr und wünsche alles Gute für die Zukunft!

Theo Augstein, Vorsitzender des RSC Kaiserslautern: Miriam Welte hat als junge Radfahrerin ihre Karriere bei uns begonnen. Sie ist als 15-Jährige 2001 zu uns gekommen. Sie hat einen guten Charakter, ist immer umgänglich. Sportlich ist sie eine absolute Ausnahmeerscheinung, sie hat alles erreicht, was man erreichen kann: Deutsche Meisterin, Europa- und Weltmeisterin, Olympiasiegerin. Nach ihren Olympiasieg wurde sie zum Ehrenmitglied im RSC ernannt. Wenn sie jetzt ihre Karriere beendet, habe ich volles Verständnis. Miriam ist dem Wunsch ihrer langjährigen Radfahr-Partnerin Kristina Vogel gefolgt, nach deren schwerer Verletzung ihre Erfolge mit einer jüngeren Partnerin weiter zu pflegen. Aber nun ist sie 32, die jüngere Konkurrenz rückt nach. Gerade als Sprinterin ist es da schwierig, an der Spitze zu bleiben, das erfordert extrem viel Krafttraining. Das ist eine einzige Quälerei, vielleicht hat sie sich überlegt, dass das Leben noch andere Seiten hat und es Zeit ist, mit der Schinderei aufzuhören.bld/dür/osp

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Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 222 Dienstag, den 24. September 2019
 

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Miriam Welte feiert Abschied vom Radsport
Von Klaus D. Kullmann

Stippvisite in der Pfalz: Alfons Hörmann, Präsident des Olympischen Sportbundes, im Plausch mit Miriam Welte.

Stippvisite in der Pfalz: Alfons Hörmann, Präsident des Olympischen Sportbundes, im Plausch mit Miriam Welte. (Foto: VIEW)

Olympiasieg, sechs Weltmeistertitel, 21 Deutsche Meistertitel – die Karriere von Miriam Welte war außergewöhnlich. Gast Alfons Hörmann, Präsident des Olympischen Sportbundes, denkt laut über eine Weiterbeschäftigung von Welte nach.

Ach ja, die Miri. Jetzt hat sie also wirklich den Punkt gesetzt. Den Punkt hinter ihrer großen Bahnrad-Karriere. Endgültig! Endgültig?

Kein bisschen bereut habe sie dieses Satzzeichen. „Ja, es war die richtige Entscheidung im richtigen Moment“, versicherte Miriam Welte gestern Abend im Kreise ihrer Familie und Freunde. Für die Olympiasiegerin, sechsfache Weltmeisterin, Botschafterin der Pfalz – und erste Frau in der „Pälzer Ausles“ – war es ein für eine Radrennfahrerin typischer Abend: einfach rund. Fröhlich dazu, mit Grußbotschaften, Liedchen und wunderschön zusammengestelltem Büffet. Und selbst die köstlichen Pralinen, die sie in stundenlanger Feinarbeit fabrizierte, um sie ihren Gästen mit auf den Heimweg zu geben, sind ihr gelungen. Chapeau!

„Wir werden auf sie zukommen“
Auf der Einladungskarte zu ihrer privaten Abschiedsfete hängte sie ihr Rad an den berühmten Nagel, in einer Videobotschaft grüßten Konkurrentinnen aus dem In- und Ausland, manche mit einem verdrückten Tränchen im Auge, und sagten „Tschüs Miri“. Doch halt! Wer nun glaubt, Miriam Welte sei aus der Welt, der wird sich täuschen. Niemals!

Schon gar nicht, nachdem sie Alfons Hörmann, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, gestern aufforderte und einlud, dem Sport etwas zurückzugeben: „So jemand wie Sie, ein Mensch mit solch tollem Charakter, muss dem deutschen Sport erhalten bleiben. Wir werden auf Sie zukommen“, kündigte Hörmann an. Er war am Morgen von Berlin nach Köln zur „20-Jahr-Feier des Sport- und Olympiamuseums“ gestartet, verließ das Fest jedoch früher, weil er Weltes Abschiedsfeier – welch eine Ehre! – nicht verpassen wollte, bevor er ins heimische Allgäu reiste. „Sie ist eine so faszinierende Athletin. Ich lasse sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den sportlichen Ruhestand gehen. Lachend, weil sie Mut und Charakter hatte, im für sie richtigen Moment zu gehen, das gelingt ja nicht vielen Sportlern. Weinend, weil sie einfach eine großartige Sportlerin und Persönlichkeit war“, sagte er.

Einmal wird Welte noch aufs Rad steigen
Hörmanns Vorgänger im Amt, IOC-Präsident Thomas Bach, grüßte im Video: „Willen, Leidenschaft und Herz haben dich ausgezeichnet, und so viel Freude und Optimismus. Danke dafür. Lass es heute einfach krachen.“

18 Jahre Hochleistungssport auf dem Rennrad, in allen Erdteilen der Welt, mit einer unfassbaren Sammlung von Titel und Medaillen – und trotzdem ist Welte dabei normal geblieben. Wie hatte ihr Oma Brigitte dereinst mit auf den Weg gegeben: „Pass bloß auf, dass du auf dem Boden bleibst und nicht abhebst.“ Miriam Welte hat sich daran maximal konsequent gehalten.

Nur mit einem scheint es doch nicht ganz zu klappen. Mit dem „Endgültig“. Clemens Spiekermann, der Dudenhofener Bahnchef, ließ das Geheimnis gestern Abend schon raus: „Wir werden im kommenden Jahr dir zu Ehren, Miriam, einen Renntag ausrichten.“ Dann wird sie noch mal aufs Rad zurückkehren. Zu ihrem wirklich letzten Rennen. Punkt!.|ku

https://www.rheinpfalz.de/artikel/miriam-welte-feiert-abschied-vom-radsport/
 

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Gehört Honig auf die Dopingliste?

Betze-Geflüster: Miriam Welte nimmt auf dem Betzenberg Abschied

Das Fritz-Walter-Stadion ist in schwaches Licht getaucht, in der Club Lounge 100 brennt noch Licht. Über die Flachbildschirme flimmern Bilder von Miriam Welte, aus den Lautsprechern schallt ein Miri-Rap. Ihre Mutter Alexandra hat den Text geschrieben. „Die Nabe am Rad war ihre Achse zur Welt“, philosophiert sie. Bahnrad-Olympiasiegerin Miriam Welte nimmt offiziell Abschied. Nicht vom FCK, ihrem Verein, sondern vom Leistungssport. Freunde, Familie, Physios, Chiropraktiker, der Chefmechaniker, Funktionäre, Sponsoren, Menschen, die ihren Anteil daran hatten, dass sie so erfolgreich war, hat die Kaiserslautererin eingeladen.

Wilfried de Buhr, Präsident des FCK e. V., dankt ihr als Hausherr. „Die Erfolge sind überwältigend. Ich bin dankbar, dass wir ein Stück von dem Glanz abbekommen“, sagt er und lobt „Miri“, die natürlich geblieben sei und ein „fantastischer Mensch“.

Er bekam sehr persönliche Geschichten zu hören, über Miris Opa zum Beispiel, der „den weltbesten Honig“ macht. „Egal, wo ich hingeflogen bin, ich hatte immer ein paar Gläser Honig dabei.“ Ihr Opa habe ihr geraten, vor jedem Wettkampf ein Glas Honigwasser zu trinken. Die Radsportlerin hielt sich nicht ganz an den Rat: „Ich habe ihn lieber aufs Butterbrot geschmiert.“ Und dann gibt es da noch die Sache mit dem Manuka-Honig, den ihre Tante besorgt hat und der eine Wunderheilung bewirkt hat, nachdem sie sich am Fuß verbrannt hat und fast nicht starten konnte.

Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, lobt den Charakter der Sportlerin, der ihr den entscheidenden Moment gezeigt hatte, um zu sagen, „das war’s. Hut ab“. Mit einem Augenzwinkern kündigt er Untersuchungen der Dopingkommission an, die prüfen werde, ob Honig auf der Liste der Dopingliste steht und ob er auf Butterbrote darf. Er sagte aber schon das Ergebnis voraus: „Ab sofort werden Honiggläser in die Grundausstattung unseres Team D aufgenommen.“

Miriam Welte ist sichtlich gerührt nach den vielen persönlichen Worte, Grußbotschaften von Menschen wie Thomas Bach, dem Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees, der ihr in London die Goldmedaille überreicht hatte. Und von Sportlern und Trainern aus der ganzen Welt, die Jan van Eijden, der gerade beim Weltcup in Hongkong ist, wo sie erstmals nicht dabei ist, vor die Kamera gezerrt hatte. Sie wünschen ihr Glück für ihr „Leben danach“.

„Es fühlt sich sehr gut an. Ich bin glücklich mit der Entscheidung“, sagt Miriam Welte. Sie genießt ihr neues Leben, das ihr plötzlich viel mehr Freiheiten bietet. Sie hat das Backen für sich entdeckt und scheint da nicht untalentiert zu sein. Sie war mit ihrer Mutter drei Tage in Hamburg. „Wir sind 20 Kilometer durch die Stadt gelatscht. Das hätte ich früher nie gemacht.“ Jetzt ist sie bei allen Geburtstagen dabei, bei den Familienfeiern, die sie sonst verpasst hat.

Ganz normal ist ihr Alltag immer noch nicht. Die ehemalige Bahnradsportlerin hat viele Termine und trainiert viel. Sechs mal pro Woche, vier bis fünf Stunden am Tag. Damit sich der Körper langsam umstellt. Sie schwitzt im Kraftraum ihrer alten Schule, dem Heinrich-Heine-Gymnasium, macht Athletik- und Krafttraining, fährt Fahrrad und kann jetzt auch das Training richtig genießen. „Ich habe beim Krafttraining keine Schmerzen mehr, weil ich mit weniger Gewicht trainiere.“

Anfang nächsten Jahres steigt Welte richtig ins Berufsleben ein, arbeitet bei der Kriminalpolizei im Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz. „Wo genau, ist noch nicht ganz klar.“

Aber eins ist für sie sicher, dass sie ihrem Verein, dem 1. FC Kaiserslautern, immer treu bleiben wird. Klar, dass sie so oft wie möglich ins Stadion geht. Sie sitzt dann auf der Nordtribüne und feuert ihren FCK an, für den sie bis vor kurzem noch Rad gefahren ist. FCK-Utensilien hat sie jede Menge, Pullis, T-Shirts, Trikots, Schals. Und ein besonderes Stück erfolgreiche FCK-Geschichte hat sie, so oft es geht, bei sich: ihren Lebensgefährten Oliver Schäfer, DFB-Pokalsieger und Mitglied der Meistermannschaft von 1998, er war Trainer, Co-Trainer, Fitnesstrainer auf dem Betzenberg und auf dem Fröhnerhof. Zwei Ehemalige schauen jetzt zusammen zu, wie’s bei ihrem Verein weitergeht.

Von Maria Huber

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 278 Samstag, den 30. November 2019
 

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