Meine Wunschaufstellung für heute - soll aber eher ein 3-4-2-1 mit Sauer und Tazemeta auf den offensiven Halbraumpositionen und Berisha als alleiniger Sturmspitze sein, der im eigenen Angriff dann situativ von Tazemeta unterstützt wird:
Klar, beim Spiel in Magdeburg hat sich keiner der Protagonisten so wirklich aufgedrängt, dass ich ihn heute unbedingt in der Startelf sehen wollen würde. Dennoch hat die Partie einige wichtige Erkenntnisse geliefert.
Auf der Schiene würde ich heute gerne wieder Joly und Haas zusammen sehen. Ich verstehe auch nicht, warum man Astas Rolle unbedingt auf Biegen und Brechen in einen „offenen Zweikampf“ mit Joly stellen muss. Asta fällt für mich nahezu in jedem Bereich deutlich gegenüber Joly ab – es sei denn, man spricht über die physischen beziehungsweise athletischen Faktoren, wo Asta vermutlich der stärkere der beiden ist. Beim offensiven „Drive“, der Spielintelligenz oder der Flankenqualität liegen für mich dagegen förmlich Welten zwischen den beiden.
Nachdem ich Murphy in Magdeburg nun erstmals über einen etwas längeren Zeitraum auf der linken Schiene sehen konnte, muss ich ebenfalls sagen, dass ich ihn dort eigentlich nicht sehe. Dafür fehlt ihm aus meiner Sicht einfach zu viel. Teilweise wählt er nicht die richtigen Laufwege, besetzt die falschen Räume, schaltet sich nur selten in die Offensive ein und war am vergangenen Samstag aufgrund der unklaren Rollen- und Aufgabenverteilung auch immer wieder irgendwo im luftleeren Raum zwischen Abwehr- u. Mittelfeld zu finden, wo große Strecken des Spiels an ihm vorbeiliefen. Das wurde von den Magdeburgern durch das ständige Überladen der Flügelpositionen und das bewusste Auseinanderziehen unserer Abwehr natürlich zusätzlich äußerst clever ausgenutzt.
Ich habe trotzdem zu seiner Personalie extra noch einmal auf unserer Homepage nachgeschaut. Dort war im Zuge der Bekanntgabe seiner Leihe ausschließlich von einem „flexiblen Spieler für den Defensivverbund“ die Rede, der „sowohl die Position des linken Flügelverteidigers wie auch die Rolle des linken Innenverteidigers einnehmen könne“. Für mich spricht das eher dafür, dass Murphy seine Stärken in erster Linie im defensiven Bereich hat und nicht unbedingt als klassischer Schienenspieler gedacht ist.
Bei Haas sehe ich das übrigens sehr ähnlich. Auch er ist für mich kein wirklicher Schienenspieler, weil ihm offensiv schlicht zu viel fehlt. Seine größte und im Grunde einzige klare Stärke im Angriffsspiel ist für mich seine Geschwindigkeit beziehungsweise seine Explosivität auf den ersten Metern. Von besonderen Dribblingfähigkeiten oder einer ausgeprägten Flankenstärke habe ich bislang dagegen wenig gesehen.
Ich verstehe deshalb nicht so recht, warum wir aktuell gleich zwei Spieler in ein System beziehungsweise eine Rolle drängen, für die sie offensichtlich nicht gemacht sind. Zumindest bei Haas, der diese Position nun seit mehr als einem Jahr ausfüllen darf, glaube ich auch nicht mehr daran, dass er irgendwann noch in diese Rolle „hineinwächst“. Ich denke, man kann inzwischen durchaus erkennen, dass da offensiv nicht mehr allzu viel kommen wird, auch weil ich ihn technisch nicht für den allerbesten Fußballer halte.
Aber da wir aktuell niemand anderen haben und TL das derzeitige System vermutlich ohnehin nicht umstellen wird, wird es wohl erst einmal dabei bleiben.
Bei Ritter bin ich mittlerweile ebenfalls ziemlich zwiegespalten. Seine Rolle als verdienter Betzespieler, Kapitän und vermeintlicher Anker im Mittelfeld sehe ich grundsätzlich. Gleichzeitig bin ich zunehmend nicht mehr vollends von ihm überzeugt. Dafür nimmt er sich in vielen Partien einfach zu lange seine Pausen, die er anschließend mit zwei oder drei genialen Momenten zu kompensieren versucht, wenn er sich mal dazu bequemt seinen Motor anzuwerfen.
Wenn das funktioniert, kann er – wie gegen Darmstadt – natürlich einen enormen Zugewinn darstellen. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht (mehr). Genauso oft läuft das Spiel über weite Strecken an ihm vorbei, gerade auswärts und man hat bspw. wie in Wolfsburg, bei St. Pauli oder nun auch in Magdeburg das Gefühl als würde man mit einem Mann weniger agieren, seine Auswechslung zur Halbzeit dort kam sicherlich nicht von ungefähr.
Spätestens wenn Skyttä zurückkehrt und Sauer durch mehr Einsatzzeit weiter Selbstvertrauen sammelt, könnte es für Ritter durchaus schwierig werden – allein schon deshalb, weil beide deutlich modernere Zehner verkörpern: dynamischer, variabler und in ihrem Spiel insgesamt beweglicher.
Bitte nicht falsch verstehen: Ich schätze Ritter sehr und bin ihm für alles, was er bisher für unseren Verein geleistet hat, äußerst dankbar. Aber das Leistungsprinzip darf keine Einbahnstraße sein. Wenn jüngere und hungrigere Spieler Druck machen, wäre es aus meiner Sicht nur konsequent, Ritter verstärkt in die Rolle des Edeljokers zu bringen, zumal ihm das auch sicherlich von seiner körperlichen Konstitution zugute kommen würde.
Bei Sahin hingegen sehe ich ebenfalls Licht und Schatten. In Magdeburg war er einer der wenigen, die sich permanent darum bemüht haben, anspielbar zu sein und ballorientiert zu agieren. Gleichzeitig ist mir seine mangelnde Rückwärtsbewegung, die teilweise falsche Raumaufteilung mit Kunze und vor allem die kaum erkennbare Kommunikation zwischen den beiden in Erinnerung geblieben.
In vielen Spielen wirkt es auf mich, als würden hier zwei Spieler nebeneinander ihren Stiefel herunterspielen – mit unterschiedlichen Aufgaben, aber ohne wirkliche Verbindung zueinander. Das 0:3 durch Iyoha war dafür ein erschreckendes Beispiel: keine Abstimmung, schlechtes Timing und fehlende gegenseitige Absicherung. Und das war beileibe nicht das erste Mal.
Mir gefällt dieses Zusammenspiel schlicht nicht. Deshalb würde ich gerne einmal diese Struktur (sofern man sie überhaupt als solche bezeichnen darf) aufbrechen und heute dort gerne einen Schramm oder einen Robinson sehen, sofern Zweiterer sein kleines Tief aus der Vorbereitung überwunden hat. Wenn ich das Endergebnis heute bereits kennen würde und wüsste dass wir einen ungefährdeten Heimsieg einfahren, würde ich sogar gerne einmal Schramm und Hofmeister zentral sehen – auch wenn das vielleicht etwas zu viel „Kinderriegel“ wäre. Leider wird Hofmeister als einer der wenigen Unterschiedsspieler offenbar gerade in der U21 gebraucht.
Auch wenn ich nach wie vor nicht vollständig von ihm überzeugt bin und mir seine Körpersprache sehr oft überhaupt nicht gefällt, würde ich heute Berisha noch einmal eine Bewährungschance in der Startelf einräumen. Insbesondere deshalb, weil ich einen eher tiefen Block aus Braunschweig erwarte. Da dürfte Yardimci wohl zunächst nicht der passendere Stürmertyp sein – zumindest habe ich bei ihm ohnehin das Gefühl, dass ihm noch einige Körner in Sachen Kondition und Fitness fehlen. Die dreiwöchige Länderspielpause dürfte für ihn deshalb wahrscheinlich nicht ungelegen kommen
Berisha hat seine größten Qualitäten sicherlich in der Box. Seine Anlagen blitzen immer wieder auf – eine gewisse „Bundesligaqualität“ steckt definitiv in ihm. Allerdings bekommt er diese PS auch nach seiner ersten vollständigen Sommervorbereitung noch immer nicht mit der nötigen Konstanz auf die Straße. Ob das an seiner offenbar weiterhin frustrierten Motivationskurve liegt oder daran, dass er vor dem Strafraum mehr Kombinationsspiel benötigt, kann ich nicht abschließend beurteilen. Wahrscheinlich eine Mischung aus beiden.
Ansätze dafür gab es beispielsweise bei Sauers Torchance am vergangenen Samstag: Über Sahin und Berisha lief der Ball über zwei Passstationen, ehe Sauer durch ein intelligentes Zuspiel von Berisha zum Abschluss kam. Auch seine eigene Chance, die Nollenberger in letzter Sekunde von der Linie köpft, macht in dieser Form sicherlich nicht jeder Zweitligastürmer.
Ich würde es einfach noch einmal mit ihm probieren, auch weil ich mir persönlich gerne noch einmal einen gewissen Leistungsstand von ihm abholen möchte. Auch für ihn gilt natürlich wie für alle anderen auch das Leistungsprinzip und gerade ein Stürmer wird letztendlich natürlich auch an seinen Toren gemessen. Vor dem Hintergrund, dass Ivan Prtajin bereits mit den „Hufen scharrt“ und laut unserem Coach extrem auf sein Comeback brennt, dürften sich Berishas Einsatzzeiten nach der Länderspielpause wohl ohnehin nicht gerade drastisch erhöhen - zumindest wenn er nicht bald mal aus dem berühmten Quark kommt, was ja offenbar auch sein eigener Anspruch ist bzw. bei seiner „Vita“ eigentlich sein sollte.