Geheimtreffen mit Stefan Kuntz am Ruhetag
Betze-Geflüster: Über Rote Teufel, die zum unbeliebten Erzrivalen SV Waldhof Mannheim wechselten
Von Wolfgang Kreilinger
Wenn der 1. FC Kaiserslautern am Freitagabend im DFB-Pokal beim Erzrivalen Waldhof Mannheim antritt, dann trifft Trainer Torsten Lieberknecht auf seinen ehemaligen Arbeitgeber. Ja, der 20-jährige Jungprofi sah 1994 keine Perspektive mehr beim damaligen deutschen Vizemeister FCK und wechselte zum SV Waldhof. 22 Zweitligaspiele und ein Tor für die Blau-Schwarzen stehen in seiner Vita, ehe er nach Mainz weiterzog. „Eine Station in meiner Laufbahn, die mir in der Pfalz schon viel Hohn und Spott bescherte“, weiß Lieberknecht heute, wie der Wechsel links des Rheins ankam.
Auch eine richtige FCK-Legende würde die Initialen SVW wohl liebend gerne aus seiner Biografie streichen. In der Saison 2002/2003 sollte Stefan Kuntz als Trainer die Waldhöfer vor dem Abstieg aus der Zweiten Liga retten. Dabei mussten die Vertragsgespräche geheim bleiben. Aber wo treffen zwischen Mannheim und Neunkirchen, dem Wohnort von Stefan Kuntz, ohne gesehen zu werden?
Kuntz rief einen Freund aus Kaiserslautern an, den leider viel zu früh verstorbenen Handball-Trainer Thomas Woll. Dessen Eltern führten im Ortsteil Dansenberg ein Hotel-Restaurant, das am Tag des Treffens Ruhetag hatte. Woll schloss dem Waldhof-Vorstand und Stefan Kuntz ein Nebenzimmer auf. Beide Parteien wurden sich schnell einig. Das Vorhaben Klassenerhalt scheiterte übrigens grandios. Sechs der acht Spiele gingen verloren. Waldhof landete in der Dritten Liga.
Jüngster Neuzugang beim SV Waldhof mit FCK-Vergangenheit ist Denni Strich (59), seit Januar für das Marketing der Mannheimer zuständig. Der Sohn des einstigen FCK-Torhüters Horst-Dieter Strich war Kapitän der B-Jugend von Trainer Ernst Diehl, die 1983 Deutscher Meister wurde. In der Saison 1985/86 gehörte er dem Profikader der Roten Teufel an, absolvierte aber kein Spiel und wechselte danach zum Zweitligisten Union Solingen. Strich war nach seiner aktiven Laufbahn unter anderem 13 Jahre Marketing-Direktor beim DFB und von 2020 bis 2024 in der Geschäftsführung der TSG Hoffenheim.
Keine Chance bei Maurizio GaudinoBereits 1980 bekam FCK-Talentspäher Ernst Diehl einen heißen Tipp. Bei der TSG Rheinau im Süden von Mannheim gebe es einen 14-Jährigen mit einer begnadeten Technik. Diehl kam, sah und wollte den Jungen mit italienischen Wurzeln sofort zum Betzenberg lotsen. Doch der und seine Eltern sagten für die B-Jugend des SV Waldhof Mannheim zu. Vier Jahre danach, kurz vor seinem 18. Geburtstag, bestritt der spätere Nationalspieler Maurizio Gaudino für Mannheim sein erstes von 294 Spielen in der Ersten Bundesliga.
Die Jugendarbeit am Alsenweg im Mannheimer Stadtteil Waldhof hatte in den 1980er Jahren einen sehr guten Ruf, der über den Rhein schallte. Deshalb war Diehl schnell klar, dass er sich 1982 einen Anruf in Lambsheim bei Frankenthal eigentlich sparen konnte. Auch der spätere Weltmeister Jürgen Kohler, damals 16 Jahre jung, sagte den Waldhöfern frühzeitig zu …
Unser Autor
Im „Betze-Geflüster“ greifen wir Begebenheiten rund um den 1. FC Kaiserslautern auf. Wolfgang Kreilinger (62), stellvertretender Chefredakteur der RHEINPFALZ, ist in Kaiserslautern aufgewachsen und besucht seit seinem achten Lebensjahr Spiele auf dem Betzenberg.
Quelle: Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 193 Freitag, den 21. August 2026