Klose bringt den WM-Pokal
Fragen & Antworten: Knapp 200 Tage bleiben bis zum Anpfiff der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland. Am 14. Juni beginnt das Turnier, bei dem Weltmeister Deutschland seinen Titel verteidigen möchte. Und heute wird es ernst, denn in Moskau werden ab 16 Uhr die Gruppen ausgelost.
Fußballfans in mehr als 200 Ländern können heute die Auslosung der Vorrundengruppen für die WM 2018 im TV verfolgen. Im Moskauer Kremlpalast werden auch die drei ersten Kontrahenten der deutschen Elf festgelegt. Bundestrainer Joachim Löw ist vor Ort. Vor der Zeremonie bringt WM-Rekordtorschütze Miroslav Klose den WM-Pokal auf die Bühne. Fragen & Antworten zur Auslosung.
Wie funktioniert die Auslosung?
Die 32 WM-Teilnehmer wurden von der Fifa auf vier Töpfe mit je acht Mannschaften aufgeteilt. Zunächst werden die Mannschaften aus dem Topf 1 gezogen. Russland ist in jedem Fall an Position 1 der Gruppe A platziert. Die weiteren sieben Teams, darunter Deutschland, werden nacheinander auf die Positionen B1 bis H1 gezogen. Anschließend werden die Töpfe 2, 3, und 4 geleert. Diese Mannschaften können innerhalb der acht Gruppen auf die Positionen 2, 3 oder 4 gezogen werden, was Einfluss auf die Reihenfolge der Partien gegen den Gruppenkopf hat.
Gibt es Restriktionen für die Zusammensetzung der Gruppen?
Ja. Regionale Regeln hat die Fifa festgelegt. In jeder Gruppe muss mindestens ein Team aus Europa sein, mehr als zwei sind nicht erlaubt. Direkte Duelle von zwei Teams aus einer der fünf anderen Konföderation in der Vorrunde sind untersagt.
Wie wurden die 32 Teams auf die Töpfe verteilt?
Die Fifa hat erstmals nur sportliche Kriterien für die Bildung der Töpfe herangezogen und dabei die eigene Weltrangliste von Oktober zugrunde gelegt. Die aktuelle November-Fassung konnte nicht genommen werden, da dann die Teams in den Ausscheidungs-Play-offs gegenüber den direkt qualifizierten Teams einen Vorteil gehabt hätten. Bis zur WM 2014 wurden die Töpfe stets in einer Mischung aus sportlichen und regionalen Kriterien gebildet. Einzige Ausnahme diesmal ist Gastgeber Russland, dem der Platz A1 garantiert wurde.
Was wäre die schwerste und was die leichteste Gruppe für Deutschland?
Als dickster Brocken in Topf 2 droht Spanien. Auch die Engländer könnten aus diesem Topf dem DFB-Team zugeordnet werden. Aus Topf 3 kämen dann Senegal oder der Favoritenschreck von 2014, Costa Rica, als komplizierte Kontrahenten in Frage. Aus Topf 4 wäre Nigeria ein unangenehmer Gegner. Doch auch sehr leichte Gruppen sind möglich. Peru, Iran und Panama wären keine große Herausforderung. Auch eine Konstellation mit Kroatien, Ägypten und Saudi-Arabien ist denkbar.
Was wird für die DFB-Elf durch die Auslosung noch entschieden?
Fast interessanter als die Vorrunden-Konstellation sind für den DFB der weitere Turnierverlauf und die logistischen Details, die durch die Auslosung bestimmt werden. Je nach Gruppenzugehörigkeit wird auch bestimmt, wer im Achtel- und Viertelfinale warten könnte, wenn es über Kreuz in K.o.-Duellen weitergeht. Brasilien oder Frankreich will man in der Nachbargruppe daher gerne vermeiden. Auch die Spielorte stehen am Freitag fest. Dabei ist von Kaliningrad (als G1) an der Ostsee bis Jekaterinburg (als C1) am Tor zu Sibirien alles möglich. Sicher ist nur, dass die DFB-Elf eines ihrer drei Gruppenspiele in Moskau bestreitet. Zu einem historisch geprägten Match in Wolgograd – dem ehemaligen Stalingrad – kommt es nur als Kopf der Gruppe H. Von den Spielorten will der DFB auch seine Quartierwahl abhängig machen und ein Hotel in Moskau oder Sotschi buchen.
Wer zieht die Lose?
Acht Lospaten hat die Fifa ausgesucht und ist sich dabei dem Prinzip treu geblieben, prominente Ex-Stars auszuwählen. Laurent Blanc, Gordon Banks, Cafu, Fabio Cannavaro, Diego Forlan, Diego Maradona, Carles Puyol und Nikita Simonyan werden die Kugeln ziehen. Geleitet wird die Show von Englands Ex-Star Gary Lineker und der russischen TV-Moderatorin Maria Komandnaja.
Wie ist der DFB in Moskau vertreten?
Delegationsleiter ist DFB-Boss Reinhard Grindel. Bundestrainer Joachim Löw und Teammanager Oliver Bierhoff sind da. Miroslav Klose wird als Vertreter des Siegerteams von 2014 im Kremlpalast den WM-Pokal auf die Bühne bringen.
Kann die Fifa bei der Auslosung schummeln?
Die Legende der angewärmten Kugeln hält sich schon lange. Tatsächlich bewiesen wurden Mauscheleien bei Auslosungen noch nicht. Fifa-Wettbewerbsleiter Chris Unger versicherte: „Ich kann Sie auf die Bühne einladen. Und Sie können sich selbst überzeugen, dass es Bälle mit verschiedenen Farben gibt, aber sonst unterscheiden sie sich nicht“, sagte er in Moskau vor Journalisten. „Sie sind gleich in Größe und Temperatur.“dpa
Quelle
Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 278
Freitag, den 1. Dezember 2017