Die Laster kommen im Halb-Stunden-Takt
Auf dem Platz des Alten Theaters wird der WM-Globus aufgebaut - Präzisionsarbeit gefragt
Von unserem Redakteur
Gerhard Dürnberger
Dietmar Gentele und seine Männer sind von der ganz schnellen Truppe. Soeben stehen der Bauleiter und seine sechs Helfer noch inmitten herumliegender Stahlteile, ein paar Stunden später haben sie bereits ganze Arbeit geleistet. Da ist schon erkennbar, was das Team eigentlich macht. Es setzt den WM-Globus zusammen, der vom 17. Mai bis 19. Juni auf dem Platz des Alten Theaters geöffnet ist.
Dietmar Gentele ist Bauleiter vor Ort und Stahlbau-Koordinator für den Globus. Er arbeitet für eine Stahlbaufirma in seiner Heimatstadt Leipzig, seine Männer kommen aus Ostdeutschland. Reisende in Sachen WM-Globus. Sie jetten zwar nicht rund um den Globus, fahren aber kreuz und quer durch Deutschland. Wenn die von dem Künstler André Heller geschaffene Erdkugel in einer der zwölf WM-Städte auf- und abgebaut wird: Die sieben Männer aus Ostdeutschland sind immer dabei.
Der Aufbau ist Präzisionsarbeit. Just-in-Time-Produktion. Alles läuft wie am Schnürchen. Auf dem Platz des Alten Theaters sind fünf Betonfundamente gesetzt, auf die fünf Container kommen; einer mit der Klimaanlage, einer mit der Kasse, einer mit einem Verkaufsshop, einer mit der Computertechnik und einer für VIPs. Die fünf Container bilden das Fundament, auf das der Globus gesetzt wird. Dabei ist Maßarbeit angesagt. Um 14.30 Uhr gestern Mittag kommt der erste Container auf die vorbereitete Betonplatte. Ein Kran holt ihn vom Tieflader, nimmt ihn an den (besser gesagt an die vier) Haken, hebt ihn an und lässt ihn butterweich auf das Fundament nieder. Millimeterarbeit. Gentele sitzt neben dem Fundament, macht dem Kranführer mit Daumen und Zeigefinger Zeichen. Die beiden Stahlrohre an der Unterseite des Containers müssen in die beiden Löcher im Betonfundament. Sie rasten nicht richtig ein. Noch mal drei Zentimeter hoch, dann einen Zentimeter nach hinten, jetzt sitzt der Container.
Gentele reckt den Daumen. Der Container kommt von den Haken, der Tieflader darf wegfahren. Während er an der Kaufhalle rausfährt, biegt gegenüber in der Burgstraße der nächste Brummi auf den Platz ein. Das ist kein Zufall. Die Tieflader sind zeitversetzt gestern Morgen in Dortmund losgefahren, wo der Globus bis zum 17. April stand. „Die Container kommen im Halb-Stunden-Takt. Wenn das nicht funktioniert, gibt es richtig Ärger", sagt der Bauleiter.
Er ist mit seinen Männern ebenfalls erst gestern aus Dortmund gekommen. Während die Container auf die Fundamente gesetzt werden, legt die Truppe letzte Hand an die Grundkonstruktion des Globusses, die auf die Container kommt. Die Stahlteile werden auf dem Platz des Alten Theaters zusammengesetzt und dann mit einem Kran hochgehievt. Um 18.30 Uhr gestern Abend sitzt die Konstruktion auf den Containern. Alles andere passiert im Baukastensystem. Teil für Teil wird von Hand am Globus montiert. Am Schluss kommt dann noch eine Klimahaube auf die Kugel, die dafür sorgt, dass keine kalte oder warme Luft nach innen gelangt.
Die Truppe aus Ostdeutschland muss auf die Tube drücken. Nächsten Mittwoch soll das Stahlskelett des Globusses stehen. Die Stahlbauer montieren dann noch die Mittelbühne und die Treppen im Innern der Kugel sowie die Außentreppe. Auf das Skelett wird schließlich die Außenhaut gezogen, innen muss die Elektronik installiert werden. Damit haben Gentele und sein Team aber nichts mehr zu tun. Das machen andere Firmen. Solange der Globus in Kaiserslautern steht, arbeiten die Stahlmonteure auf anderen Baustellen in der Republik. Beispielsweise beim Bau eines großen Parkhauses in Stuttgart.
Die ostdeutschen Arbeiter sind vom Standort für den Globus in der Westpfalz begeistert. Die Stadt habe den Platz großräumig gesperrt, alle Stahlteile könnten hier gelagert werden. Das sei nicht in allen WM-Städten so. „Super Arbeitsbedingungen", sagt der Bauleiter. Der Platz sei hell und zentral gelegen, da komme der Globus bestimmt schön zur Geltung.
DUERNBG / DUERNBG
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzische Volkszeitung