Und hier wächst
die Fußball-Macht
Mit aller Macht drängt Hopp in Liga 1.
Aber nicht nur Hoffenheim hat Investoren
Von Axel Hesse
und Berries Boßmann
Der reservierte Platz im Aachener Stadion blieb frei. Dietmar Hopp (67), Geldgeber von 1899 Hoffenheim, war zum 2:2 seines Klubs erst gar nicht angereist. Der Gründer des Software-Herstellers SAP, mit geschätzten 6,3 Milliarden einer der zehn reichsten Deutschen, verzichtet auf das Spiel - aus Angst.
Denn neulich in Augsburg war er auf der Tribüne so übel angepöbelt worden, dass er in der Halbzeit in den VIP-Raum floh. Die Fans des VFL Osnabrück druckten Geldscheine mit Hopps Kopf. Sogar bei Heimspielen fühlte er sich bedroht. Fans des 1.FC Kaisserslautern hatten mit Plakaten gegen den Investor protestiert, darauf stand: " Der Mob hasst Hopp!" Als gäbe es nur ihn.
Natürlich investiert der Milliardär in Hoffenheim in einer neuen Dimension. Um den Hauptsitz der Software-Firma SAP in Walldorf baut er ein Sport-Imperium auf. Der Deutsche Eishockey-Meister Mannheim und der Handball-Spitzenverein Rhein-Neckar Löwen gehören auch zu diesem Paket. Genauso ist es mit der Eishalle in Mannheim, dem Golfplatz in St. Leon-Rot und dem neuen Fußballstadion, das für 60 Millionen Euro in Sinsheim gebaut wird. Zur Fertigstellung 2009 soll Hoffenheim in der Bundesliga spielen - es soll eine Fußball-Macht entstehen.
Was Hopp anfasst, macht er richtig. Seine Profi-Klubs stützt er durch Jugendzentren. Dass er überall Spitze sein will, ist verständlich. Selbst Karl-Heinz Rummenigge, Boss des FC Bayern, kann das nachvollziehen. Er sagt: "In der zweiten Liga wird mir ein bißsschen zu sehr krakeelt. Her Hopp investiert sein sauber verdientes Geld in den Fußball." So führte er den Klub aus der Kreisliga A in die Zweite Bundesliga.
Eine ganz neue Form der Übernahme
droht in Jena - durch Alpha Invest
Aber er ist nicht allein. Einige der 36 Profi-Klubs sind verkauft. Nichts anderes passierte in Wehen. Die Unternehmer Heinz und Markus Hankammer halten sich den Zweitliga-Aufsteiger als Hobby. Paderborn hängt an Wilfried Finke, Koblenz an Walterpeter Twer, Augsburg an Walther Seinsch, Aue an Uwe Leonhardt. Sie sind die kleinen Hopps, haben etwas weniger Geld - aber genug um zu bestimmen.
Eine ganz neue Form der Übernahme droht in Jena. Investor Alpha Invest plant nun den zweiten Versuch, 49 Prozent des Klubs zu schlucken. 20 Millionen Euro sollen in den nächsten fünf Jahren fließen. Im Gegenzug wollen sie die Macht übernehmen. Alpha Invest will einer der beidenGeschäftsführer-Posten besetzen - und en Sportdirektor stellen.
Wer im Fußball das Geld gibt, will eben immer mitspielen. Das ist auch in Deutschland nicht neu. Der börsen-notierte Klub Borussia Dortmund kann längst nicht mehr frei entscheiden. Die Morgan Stanley Bank in London gibt vor, was beim BVB finanziell passiert.
Die Bank hält 33 Prozent der Vereins-Aktien und gibt bis 2020 die Höhe aller Investitionen vor. "Wer das Geld bringt, will bestimmen", weiß Hannovers Boss Martin Kind.
Wie er bei 96. Kind ist der gewählte Vorstandschef des Vereins und gleichzeitig als Geschäftsführer der Fußball GmbH und der Dachgesellschaft Sales & Service tätig. Das Wichtigste: Kind ist auch Hauptgesellschafter.
Er hält durch seine Einlage von rund acht Millionen Euro knapp zwei Drittel von Sales & Service, der der Fußball untergeordnet ist. Ein Konstrukt, mit dem Kind den Verein Ende der 90er vor der Pleite rettete - das aber auch die aktuellen Verbands-Vorgaben unterwandert.
Kind bestimmt in Hannover alles. Wenige Kilometer weiter wurde der Einstieg eines Investors längst akzeptiert. Der VW-Konzern, jahrzehntelang schon Hauptsponsor, stieg 2001 beim VFL Wolfsburg ein. Die Autobauer halten 90 Prozent der Fußball GmbH. Sollte Porsche wie angedacht Volkswagen übernehmen, würde der VFL aus Stuttgart regiert. Wo ist der Unterschied zu einem anderen Investor?
Bayer Leverkusen ist eine 100-prozentige Tochter des Bayer-Konzerns, egal. In Duisburg bestimmt Walter Hellmich. Er baute das Stadion, ist der Fußball-Boss. Die Marketing-Gesellschaft des Klubs trägt seinen Namen. Beim FC Bayern regiert Adidas als 10-Prozent-Teilhaber mit. Unternehmens-Chef Herbert Hainer sitzt im Aufsichts rat.
Dort schob er die Millionen-Investitionen an, die Mannschaft wurde für 70 Millioenen Euro aufgerüstet. Das sie von Sieg zu Sieg eilt, freut den Fan. Und Adidas, den Investor.
quelle: sportbild vom vergangenen mittwoch