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[US-Wahlen 2006] Sozialist im US-Senat

WAHLEN IN DEN USA



<span>Demokraten gewinnen auch Montana</span>
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Die Stimmauszählung in Montana ist beendet: Auch der Senatssitz dieses Staates geht an die Demokraten. Nun hängt die Mehrheit im Senat am Ergebnis aus Virginia. Doch das lässt auf sich warten.



Washington - Wie schwer fällt die Niederlage für US-Präsident George W. Bush bei den US-Kongresswahlen aus? Erstmals seit 1994 haben Bushs Republikaner im Repräsentantenhaus die Mehrheit wieder an die Demokraten verloren. Und auch im US-Senat ist die Wahlschlacht noch längst nicht geschlagen.



Nachdem im zweitletzten offenen Staat Montana eine Mehrheit den Bewerber der Demokraten wählte, richten sich nun alle Augen nach Virginia. In diesem Bundesstaat führt derzeit der demokratische Herausforderer - jedoch nur hauchdünn vor dem republikanischen Amtsinhaber. In Virginia liegt Jim Webb weniger als 7000 Stimmen vor Senator George Allen, weniger als 0,3 Prozentpunkte. Ausgezählt waren rund 99 Prozent der Stimmen. Beträgt der Vorsprung nach Auszählung aller Stimmen wie zu erwarten noch immer weniger als ein Prozent, kann der unterlegene Kandidat eine Neuauszählung aller Stimmen beantragen.



Dass damit in Virginia zu rechnen ist, lässt sich der Reaktion des derzeit wahrscheinlichen Verlierers Allen entnehmen. "Das Rennen geht weiter", sagte der Republikaner, auch nachdem sich sein Konkurrent Webb längst zum Sieger erklärt hatte. Die Leiterin der Wahlbehörde in Virginia, Jean Jensen, sagte dem Sender ABC, eine Neuauszählung würde wegen zahlreicher gesetzlich vorgeschriebener juristischer Formalien nicht vor dem 28. November beginnen. Sie könnte sich damit bis Mitte Dezember hinziehen. Die Folge: Eine wochenlange Hängepartie, die Erinnerungen an den Präsidentschaftswahlkampf im Jahr 2000 weckt. Damals stand erst fünf Wochen nach dem Wahltag Bush als neuer Präsident fest.



Auch jetzt ist wegen Virginias Senatorensitz der komplette Wahlausgang offen. 50 Sitze im Senat gehören sicher den Demokraten, 49 den Republikanern. Wenn Virginia an die Demokraten fällt, dann haben sie dort die Mehrheit. Wenn Virginia an die Republikaner fällt, dann steht es 50 zu 50 - aber dann gibt die Stimme von Vizepräsident Cheney den Ausschlag, der dem Senat vorsteht. In diesem Fall hätten also weiter die Republikaner die Oberhand.



Überforderte Wahlhelfer in Montana




In Montana, das bis zuletzt auch offen war, hat sich der demokratische Herausforderer Jon Tester mit weniger als 1600 Stimmen vor dem republikanischen Senator Conrad Burns durchgesetzt. In dem dünn besiedelten Rocky-Mountain-Staat hatte sich die Auszählung verzögert, weil die Behörden in einigen Bezirken mit den neuen Wahlmaschinen und dem mancherorts ungewöhnlich großen Wähleransturm schlichtweg überfordert waren.



Die vier anderen bisherigen Republikaner-Staaten, die an die Demokraten gingen, sind Pennsylvania, Rhode Island, Ohio, Missouri und Montana. In Pennsylvania verlor der Republikaner Rick Santorum, ein enger Gefolgsmann von Präsident Bush, gegen seinen demokratischen Herausforderer Robert Casey. In Ohio gewann die Demokratin Sherrod Brown gegen den republikanischen Amtsinhaber Mike DeWine, und in Rhode Island schlug der Demokrat Sheldon Whitehouse den bisherigen Senator Lincoln Chafee von den Republikanern. Neuer Senator von Missouri ist die Demokratin Claire McCaskill, die den Republikaner Jim Talent aus dem Kapitol verdrängte.





INTERAKTIVE GRAFIK



Ergebnisse der Wahlen in den USA





In Vermont gewann der parteilose Bernie Sanders. In Connecticut wurde Senator Joseph Lieberman wiedergewählt. Der ehemalige Vizepräsidentschaftskandidat der Demokraten trat als Unabhängiger an, nachdem er bei der innerparteilichen Vorwahl wegen seiner Unterstützung der Irak-Politik Bushs gescheitert war. Beide haben angekündigt, im Senat mit den Demokraten stimmen zu wollen.



Sollten Demokraten und Republikaner sich die Siege in Montana und Virginia teilen, hätte dies also einen Patt im Senat zur Folge. In diesem Fall jedoch würde Vizepräsident Dick Cheney den Republikanern die Mehrheit sichern, weil er als Senatspräsident über die entscheidende Stimme verfügt.



Deutliche demokratische Mehrheit im Abgeordnetenhaus




Das Abgeordnetenhaus dagegen haben die Demokraten nach zwölf Jahren mit deutlichem Vorsprung zurückerobert. Hier werden die Demokraten nach Prognosen von US-Fernsehsendern ihre Zahl der Mandate von 201 auf 235 ausbauen können. Bereits der Zugewinn von 15 Sitzen hätte für die Rückeroberung der Kammer ausgereicht. Die Republikaner werden demnach künftig 200 Abgeordnete stellen.



Präsident Bush gratulierte am Morgen in einem Telefonat der Demokratin Nancy Pelosi, die als erste Frau in der US-Geschichte Mehrheitsführerin in der größeren Kongresskammer und damit zugleich Parlamentspräsidentin wird. Nach Angaben einer Sprecherin des Weißen Hauses, Dana Perino, bot Bush der künftigen ranghöchsten Politikerin im Land Zusammenarbeit an. In einer ersten Reaktion auf das Wahlergebnis hatte sich Bush Perino zufolge enttäuscht gezeigt. Der Präsident wollte sich am Mittwoch um 19 Uhr MEZ ausführlich zum Wahlausgang äußern.



Die Demokraten forderten noch in der Wahlnacht einen unverzüglichen Kurswechsel im Irak. "Wir müssen unseren Kurs im Irak verändern", sagte der Fraktionsvorsitzende der Demokraten im Senat, Harry Reid, in Washington. Die neu gewählte demokratische Senatorin McCaskill aus Missouri verlangte die Entlassung von Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Pelosi selbst sagte vor jubelnden Anhängern, die Amerikaner hätten insgesamt für grundlegende Änderungen gestimmt.



phw/asc/AP/dpa/reuters






Quelle: spiegel.de
 
REPUBLIKANER-DEBAKEL



<span>McCain rechnet mit Bush ab</span>



Der charismatische Republikaner John McCain hat den Glauben an Präsident Bush verloren: Die Niederlage bei den Kongresswahlen nannte er einen "Weckruf" für seine Partei. Doch von der Schlappe könnte McCain persönlich profitieren - als Kandidat bei den nächsten Präsidentschaftswahlen.



Washington - Senator John McCain aus Arizona war einer der ersten führenden Republikaner, der ausführlich zur Niederlage Stellung bezog. Er sei "enttäuscht", gab McCain im Sender Fox News wenig überraschend zu Protokoll, um dann trotzig zu einem historischen Vergleich auszuholen, der seiner Partei Hoffnung machen sollte, bald wieder die führende Kraft in den Vereinigten Staaten zu sein.





Senator John McCain: "Wir haben den Preis bezahlt"



Er denke an den früheren Präsidenten Ronald Reagan zurück, der bewiesen habe, dass die Partei in der Lage sei, nach einer schweren Niederlage bei den Zwischenwahlen aus eigener Kraft wieder aufzustehen. "Ich erinnere mich an 1976, als die Republikaner alles verloren. Dann tauchte Ronald Reagan auf und führte uns zum Sieg", sagte McCain - ein nicht zu überhörenden Seitenhieb auf US-Präsident George W. Bush, dem er wohl nicht mehr zutraut, die Republikaner in den letzten beiden Jahren seiner Amtszeit wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen.



McCain gilt als eher moderater Republikaner, er hatte sich im Wahlkampf lieber mit all jenen Kandidaten gezeigt, die auf Distanz zum Präsidenten gingen. Vom schlechten Wahlergebnis seiner Partei könnte McCain als mutmaßlicher Anwärter für eine Präsidentschaftskandidatur 2008 profitieren - zumal der Liebling der republikanischen Rechten, George Allen, bislang Senator in Virginia, seinen Bundesstaat nicht klar gewinnen konnte. Zur Stunde werden dort noch immer Stimmen ausgezählt. Das Ergebnis ist so eng, dass eine Nachzählung droht - und die könnte sich bis Dezember hinziehen.



McCain, der auch bei vielen unabhängigen Wählern Sympathien genießt, appellierte an seine Partei, die Verluste bei den Kongresswahlen als "Weckruf" ernst zu nehmen. "Wir gingen nach Washington, um die Regierung zu verändern, doch viele Menschen glauben, dass die Regierung uns verändert hat", sagte der Senator. Übermäßige Ausgaben, die Einwanderungspolitik, die soziale Sicherheit - Versäumnisse und Fehler habe es in der Vergangenheit einige gegeben, räumte McCain ein. Man habe die Steuergelder der Wähler nicht ordentlich verwaltet, "dafür haben wir den Preis bezahlt".



Und dann sei da natürlich das Thema Irak, das die Wähler wohl am meisten "desillusioniert" habe. Das Weiße Haus müsse jetzt Klartext reden über den Kampf gegen den Terror. "Ich glaube, das amerikanische Volk muss wissen, was auf dem Spiel steht, und es steht viel auf dem Spiel", sagte McCain. "Wir müssen den Menschen sagen, dass es noch ein langer und harter Weg ist."



Der Senator bekräftigte seine Forderung nach einer Verstärkung der Truppen im Irak. Der Schlüssel sei, nach vorne zu blicken statt im Zorn zurückzuschauen. "Wir brauchen eine parteiübergreifende Strategie für den Irak", sagte McCain. Wie die aussehen sollte, sagte er allerdings nicht. Nur so viel: Ein sofortiger Abzug wäre "eine Katastrophe". "Wir müssen den Willen zum Sieg haben."



phw






Quelle: spiegel.de
 
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