Ich verstehe auch nicht, warum nicht endlich mal mit dem Thema der sozialen Ungerechtigkeit Wahlkampf gemacht wird und die Veranwortlichen dann auch dahinter stehen. Es muss doch in Deutschland ein Wählerpotenzial geben, welches hoch genug ist, als das dieses wichtigste Thema endlich mal prominent auf die Tagesordnung kommt!
Ich verstehe aber den Zusammenhang SPD - Hartz4 - "Sozial-Wahlkampf". Schade, dass unsere Medien sich sofort draufstürzen würden und mit der Moralkeule kommen würden: "Aber ihr habts doch verbrochen!". Was ja nur in Teilen stimmt.
Aber es fängt doch schon beim Begriff "soziale Gerechtigkeit" an. Was ist das überhaupt per definitionem und wer besitzt die Deutungshoheit darüber, was dieser Begriff beinhalten soll? Das wird doch von Partei zu Partei verschieden ausgelegt und dann der jeweiligen Wählerschaft in Wahlversprechen als vermeintliches Allheilmittel präsentiert und versprochen. Und aufgrund dieser schwammigen wischi-waschi-Auslegungsmöglichkeiten und billigen populistischen Versprechungen bleibt das immer eine Chimäre, die sich die Wähler dann meistens inhaltlich selbst so zurechtlegen können, dass sie in etwa folgendes hinein interpretieren:
- "soziale Gerechtigkeit" = materielle Umverteilung zugunsten der geringeren Einkommen.
- sinkende Abgabenlast
- sichere Renten
- Kita-plätze und Ganztages-Schulen zum Nulltarif für alle
- Erhöhung der Hartz IV-Beträge um den Betrag X
Und das wird ja niemals passieren. Die Leute wollen das aber glauben und deswegen wird dann 4 Wochen nach den Wahlen wieder überall rumgeschrien, man sei beschissen worden, wenn sich zur großen Überraschung aller herausstellt, dass das niemals eingelöst werden kann. Wer soll das auch alles bezahlen?
In Wahrheit ist das Ganze mittlerweile doch eine rein mathematische Angelegenheit, die keine Regierung - egal welcher Farbe - mehr lösen kann, ohne im Sinne einer nachhaltigen Lösung die tiefsten Einschnitte in der Geschichte der Bundesrepublik vorzunehmen.
In den 60er Jahren, als die Wirtschaft gebrummt hat und noch Geld da war, hat Ludwig Erhard ein Rentensystem mit privater Eigenvorsorge vorgeschlagen - in weiser Voraussicht der Tatsache, dass Wirtschaftswachstum nichts Ewiges ist. Stattdessen hat man ihn abgesägt, das heutige System eingeführt und ALLE Parteien ohne Ausnahme haben ihre Wahlen seitdem mit Sozialstaatsversprechen gewonnen. Für die Wähler war das in den fetten Jahren natürlich toll, weil sie sich nur das bessere Geschenk aussuchen mussten.
Seit der Einheit und allerspätestens jetzt mit der Finanzkrise ist das aber vorbei und es MUSS auch vorbei sein. Wir haben eine horrende und existenzgefährdende Staatsverschuldung (das Eingeständnis ist die Schuldenbremse) und der Staat bezahlt jetzt die Zeche dieser jahrzehntelangen Politik des gemeinsamen Selbstbeschisses von Parteien und Wählern.
Fakt ist: Der Staat gibt aus diesen Gründen seit Jahrzehnten mehr Geld aus, als er einnimmt. Zudem sprengt die demographische Entwicklung in absehbarer Zeit unser Rentensystem. Und auch dessen Reform ist eine reine Mathematikaufgabe. Man sollte endlich ehrlich zu den Leuten sein und ihnen parteiübergreifend endlich eingestehen, dass
- in absehbarer Zeit die Lebensarbeitszeit wohl auf 70 Jahre angehoben werden muss
- man trotz 30, 35 oder 40 Jahren Einbezahlens in die Rentenkasse bald nur noch mit einer Grundsicherung von 800-1.000 € rechnen kann, weil schlicht und einfach kein Geld mehr da ist
- sich die Steuern und Sozialabgaben dementsprechend erhöhen werden
- langfristig der Wohlstand sinkt
Das sind ja einfach Tatsachen, die so existieren. Keine Partei - egal welcher Richtung - kann vor diesen Problemen weglaufen. Deswegen wird es endlich Zeit für ideolgoiefreien und emotionslosen Pragmatismus. Was anderes können wir uns nämlich nicht mehr leisten.