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Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern
Keine deutsche Fußball-Stadt ist so durch ihr Stadion geprägt wie Kaiserslautern durch den „Betze“. Dabei ist das Juwel nicht ganz unschuldig am Niedergang des Traditionsvereins.
Von Daniel Meuren, Foto: Stadt Kaiserslautern
Am Ende hat es auch was Gutes, dass der 1. FC Kaiserslautern abgestiegen ist. Denn in der kommenden Saison wird der Publikumsmagnet in der 2. Liga häufi g am Montagabend für das DSF spielen. Dann dürfen die Pfälzer nach Einbruch der Dunkelheit ihr Stadion in jenes einzigartige Licht tauchen, das das Fritz-Walter-Stadion zu dem wohl magischsten unter Deutschlands Fußballarenen macht. Das ist zwar nur ein schwacher Ersatz für die heißen Europapokalnächte von einst, die dieser Ort bereits erlebt hat, aber allemal besser als das Alltagsgrau, das der „Betze“ in den vergangenen Spielzeiten erleiden musste.
Früher war das natürlich alles besser: Das Stadion war nicht nur Schauplatz großer Spiele in vielen Jahrzehnten. Nein, der „Betze“ mit seiner einzigartigen Atmosphäre hat Spiele gewonnen, hat Meisterschaften errungen, Wunder vollbracht. Oft unter Flutlicht, wenn man aus jedem Winkel der 100 000-Einwohnerstadt am Fuße des Betzenbergs den Lichtkegel über der höchsten Erhebung der Stadt sah und das teufl ische Geschehen in dem „brodelnden Vulkan“ erahnen, teilweise sogar hören konnte.
Der „Betze“ thront in solchen Momenten noch beherrschender – fast bedrohlich – über der Stadt als bei Tageslicht. Mehr noch als irgendeineFestung oder Burg, in der mit historischen Bauten reichlich gesegneten Pfalz, dominiert das Fritz-Walter-Stadion das Stadtbild und Denken sowie die Empfindungen der Pfälzer. Derzeit fühlen sie sich schlecht. Der Stolz der Region ist zum zweiten Mal nach 1996 aus der Bundesliga abgestiegen. Damals kam der Klub direkt zurück und wurde nach einem unvergleichlichen Durchmarsch postwendend Deutscher Meister. Das erhoffen dieses Mal nicht mal die kühnsten Fantasten im Block 8. Die Schuld an der Hoffnungslosigkeit geben nicht wenige dem im Stadion verbauten Größenwahn der Vereinsverantwortlichen.
Für die Bewerbung als WM-Spielort bauten die Pfälzer ihre traditionsreiche Spielstätte, die seit 1920 vom FCK genutzt wird, munter aus. Die Ausbau-Kosten in Höhe von fast 50 Millionen Euro für ein WM-gerechtes Outfit bedrohen nachhaltig die Existenz des Vereins. Die schwere finanzielle Krise wurde zur Hauptursache des sportlichen Niedergangs. Im Zuge der Konsolidierung musste der Klub das Stadion veräußern, von dem er als einziger Bundesliga-Verein über Jahrzehnte Eigentümer war. Heute ist der FCK nur noch Mieter in seiner guten Stube. Viele Fans schieben den Bautätigkeiten aber nicht nur in Bezug auf die Kosten die Schuld an der sportlichen Misere zu.
Die Zeit der Umbauarbeiten hat dem Stadion nach Meinung vieler Anhängerauch seine Stimmung geraubt. Es heißt, mittlerweile sei das Viereck viel zu groß, das besondere Betze-Feeling könne sich gar nicht mehr entwickeln. Die einstige Festung Betzenberg – die Paul Breitner als Bayern-Spieler gar nicht mehr ansteuern wollte, weil er den Versuch beim FCK einen Punkt gegen die„Roten Teufel“ zu gewinnen für aussichtslos erachtete – sei quasi mit jedem zusätzlich verbauten Stein geschliffen worden. Und dennoch gibt es noch immer viel Positives über den Betzenberg zu sagen. Bis heute sorgt allein der Weg hinauf auf die 286 Meter hoch gelegene Erhebung für Gänsehaut. Über Waldwege, steile Straßen und Treppen wälzen sich die Menschenmassen vor dem Anpfiff dem Stadion entgegen. Benannt nach dem 2002 verstorbenen Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 1954 ist das Fritz-Walter-Stadion neben dem Berliner Olympiastadion die wohl geschichtsträchtigste deutscheArena.
Es ist das einzige Stadion im deutschen Profi -Fußball, das zwischen all den „Signal-Iduna-Parks“ und „AOL-Arenen“ den Namen des größten Kickers seiner Vereinsgeschichte trägt. Bis heute fährt der Verein genau auf dem Spielfeld seine Punkte ein, wo schon die legendäre „Walter-Elf“ ihre Tore erzielte. Trotz des Umbaus ist der Rasen nur um wenige Meter verschoben worden. Nach Kriegsende spielten hier gleich fünf der Weltmeister von 1954 für den FCK und begründeten eine für Deutschland einzigartig enge Verbindung zwischen einer Region und deren Verein. Damals entstand der Mythos der „Roten Teufel“, wie man die Mannschaft wegen ihrer markanten Trikotfarbe und ihres temperamentvollen Spielstils respektvollnannte.
Neben dem Stadionnamen zeugt auch der nach Fritz Walters Bruder Ottmar benannte Zugang zur Haupttribüne vom Geschichtsbewusstsein der Fußballstadt. Zudem steht hinter der Westkurve, der Heimstätte der eingefl eischten FCKFans seit kurzem ein Denkmal für die fünf WM-Helden vom Betzenberg. Denkwürdig in der deutschen Stadiongeschichte ist auch ein Ereignis, auf das Werner Skrentny in seinem „Großen Buch der deutschen Fußballstadien“ (Werkstatt-Verlag) aufmerksam macht: 1964 wurde auf dem Betzenberg ein Fan zu Tode gequetscht. Es waren deutlich zu viele Karten für die Stehränge verkauft worden. Der anschließende Prozess vorm Landgericht Kaiserslautern hatte Signalwirkung für sämtliche deutsche Stadien. Das offi zielle Fassungsvermögen wurde kurz darauf in fast allen deutschen Fußballarenen gesenkt. Heute ist eine vergleichbare Katastrophe dank der modernen baulichenEntwicklung auf dem Betzenberg nahezu undenkbar. Die architektonische Progression auf dem Betzenberg hat nun vermutlich für Jahrzehnte ein Ende. Nicht alles ist so gelungen wie erhofft: Die Haupttribüne, die die Symmetrie des Stadions aufbricht, darf aufgrund von Anwohner beschwerden nicht angepasst werden. In den obersten Reihen werden die Zuschauer wegen einer merkwürdigen Dachkonstruktion also auchkünftig mehr oder weniger abgekapselt von der Stimmung im übrigen Stadionrund das Geschehen auf dem Rasen verfolgen.
Nach dem Ende der Bauarbeiten hoffen die FCK-Fans, dass auch die sportliche Misere vorüber ist. Hoffnung hingegen macht das Team: Der FCK spielt in der 2. Liga mit einem Kader, der wieder eine Pfälzer Prägung besitzt. Der Trainer Wolfgang Wolf, Spieler wie Fabian Schönheim oder Florian Fromlowitz sind am Betzenberg und in der Pfalz aufgewachsen. Es hat den Anschein, dass sich ein paar Einheimische in die schützende Obhut des Mythos Betzenberg gerettet haben, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. Nun muss das stattliche WMStadion seine Tauglichkeit auch auf der abenteuerlichen Reise durch provinzielle Zweitligagewässer nachweisen.
Anschrift: Fritz-Walter-Straße 1, 67663 Kaiserslautern
Baujahr: 1920, letzter Ausbau zur WM 2006
Fassungsvermögen: 50 754
Preise: 6 bis 34 Euro
Größte dokumentierte Zuschauerzahl: 50 754 (letztes Bundesligaheimspielder Saison 2005/2006 gegen Bayern Münchenam 6. Mai 2006)
Im Netz: www.fck.de
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Aus: 11Freunde - Magazin für Fussballkultur.
Autor: Daniel Meuren
im web: www.11freunde.de
Keine deutsche Fußball-Stadt ist so durch ihr Stadion geprägt wie Kaiserslautern durch den „Betze“. Dabei ist das Juwel nicht ganz unschuldig am Niedergang des Traditionsvereins.
Von Daniel Meuren, Foto: Stadt Kaiserslautern
Am Ende hat es auch was Gutes, dass der 1. FC Kaiserslautern abgestiegen ist. Denn in der kommenden Saison wird der Publikumsmagnet in der 2. Liga häufi g am Montagabend für das DSF spielen. Dann dürfen die Pfälzer nach Einbruch der Dunkelheit ihr Stadion in jenes einzigartige Licht tauchen, das das Fritz-Walter-Stadion zu dem wohl magischsten unter Deutschlands Fußballarenen macht. Das ist zwar nur ein schwacher Ersatz für die heißen Europapokalnächte von einst, die dieser Ort bereits erlebt hat, aber allemal besser als das Alltagsgrau, das der „Betze“ in den vergangenen Spielzeiten erleiden musste.
Früher war das natürlich alles besser: Das Stadion war nicht nur Schauplatz großer Spiele in vielen Jahrzehnten. Nein, der „Betze“ mit seiner einzigartigen Atmosphäre hat Spiele gewonnen, hat Meisterschaften errungen, Wunder vollbracht. Oft unter Flutlicht, wenn man aus jedem Winkel der 100 000-Einwohnerstadt am Fuße des Betzenbergs den Lichtkegel über der höchsten Erhebung der Stadt sah und das teufl ische Geschehen in dem „brodelnden Vulkan“ erahnen, teilweise sogar hören konnte.
Der „Betze“ thront in solchen Momenten noch beherrschender – fast bedrohlich – über der Stadt als bei Tageslicht. Mehr noch als irgendeineFestung oder Burg, in der mit historischen Bauten reichlich gesegneten Pfalz, dominiert das Fritz-Walter-Stadion das Stadtbild und Denken sowie die Empfindungen der Pfälzer. Derzeit fühlen sie sich schlecht. Der Stolz der Region ist zum zweiten Mal nach 1996 aus der Bundesliga abgestiegen. Damals kam der Klub direkt zurück und wurde nach einem unvergleichlichen Durchmarsch postwendend Deutscher Meister. Das erhoffen dieses Mal nicht mal die kühnsten Fantasten im Block 8. Die Schuld an der Hoffnungslosigkeit geben nicht wenige dem im Stadion verbauten Größenwahn der Vereinsverantwortlichen.
Für die Bewerbung als WM-Spielort bauten die Pfälzer ihre traditionsreiche Spielstätte, die seit 1920 vom FCK genutzt wird, munter aus. Die Ausbau-Kosten in Höhe von fast 50 Millionen Euro für ein WM-gerechtes Outfit bedrohen nachhaltig die Existenz des Vereins. Die schwere finanzielle Krise wurde zur Hauptursache des sportlichen Niedergangs. Im Zuge der Konsolidierung musste der Klub das Stadion veräußern, von dem er als einziger Bundesliga-Verein über Jahrzehnte Eigentümer war. Heute ist der FCK nur noch Mieter in seiner guten Stube. Viele Fans schieben den Bautätigkeiten aber nicht nur in Bezug auf die Kosten die Schuld an der sportlichen Misere zu.
Die Zeit der Umbauarbeiten hat dem Stadion nach Meinung vieler Anhängerauch seine Stimmung geraubt. Es heißt, mittlerweile sei das Viereck viel zu groß, das besondere Betze-Feeling könne sich gar nicht mehr entwickeln. Die einstige Festung Betzenberg – die Paul Breitner als Bayern-Spieler gar nicht mehr ansteuern wollte, weil er den Versuch beim FCK einen Punkt gegen die„Roten Teufel“ zu gewinnen für aussichtslos erachtete – sei quasi mit jedem zusätzlich verbauten Stein geschliffen worden. Und dennoch gibt es noch immer viel Positives über den Betzenberg zu sagen. Bis heute sorgt allein der Weg hinauf auf die 286 Meter hoch gelegene Erhebung für Gänsehaut. Über Waldwege, steile Straßen und Treppen wälzen sich die Menschenmassen vor dem Anpfiff dem Stadion entgegen. Benannt nach dem 2002 verstorbenen Kapitän der deutschen Weltmeister-Mannschaft von 1954 ist das Fritz-Walter-Stadion neben dem Berliner Olympiastadion die wohl geschichtsträchtigste deutscheArena.
Es ist das einzige Stadion im deutschen Profi -Fußball, das zwischen all den „Signal-Iduna-Parks“ und „AOL-Arenen“ den Namen des größten Kickers seiner Vereinsgeschichte trägt. Bis heute fährt der Verein genau auf dem Spielfeld seine Punkte ein, wo schon die legendäre „Walter-Elf“ ihre Tore erzielte. Trotz des Umbaus ist der Rasen nur um wenige Meter verschoben worden. Nach Kriegsende spielten hier gleich fünf der Weltmeister von 1954 für den FCK und begründeten eine für Deutschland einzigartig enge Verbindung zwischen einer Region und deren Verein. Damals entstand der Mythos der „Roten Teufel“, wie man die Mannschaft wegen ihrer markanten Trikotfarbe und ihres temperamentvollen Spielstils respektvollnannte.
Neben dem Stadionnamen zeugt auch der nach Fritz Walters Bruder Ottmar benannte Zugang zur Haupttribüne vom Geschichtsbewusstsein der Fußballstadt. Zudem steht hinter der Westkurve, der Heimstätte der eingefl eischten FCKFans seit kurzem ein Denkmal für die fünf WM-Helden vom Betzenberg. Denkwürdig in der deutschen Stadiongeschichte ist auch ein Ereignis, auf das Werner Skrentny in seinem „Großen Buch der deutschen Fußballstadien“ (Werkstatt-Verlag) aufmerksam macht: 1964 wurde auf dem Betzenberg ein Fan zu Tode gequetscht. Es waren deutlich zu viele Karten für die Stehränge verkauft worden. Der anschließende Prozess vorm Landgericht Kaiserslautern hatte Signalwirkung für sämtliche deutsche Stadien. Das offi zielle Fassungsvermögen wurde kurz darauf in fast allen deutschen Fußballarenen gesenkt. Heute ist eine vergleichbare Katastrophe dank der modernen baulichenEntwicklung auf dem Betzenberg nahezu undenkbar. Die architektonische Progression auf dem Betzenberg hat nun vermutlich für Jahrzehnte ein Ende. Nicht alles ist so gelungen wie erhofft: Die Haupttribüne, die die Symmetrie des Stadions aufbricht, darf aufgrund von Anwohner beschwerden nicht angepasst werden. In den obersten Reihen werden die Zuschauer wegen einer merkwürdigen Dachkonstruktion also auchkünftig mehr oder weniger abgekapselt von der Stimmung im übrigen Stadionrund das Geschehen auf dem Rasen verfolgen.
Nach dem Ende der Bauarbeiten hoffen die FCK-Fans, dass auch die sportliche Misere vorüber ist. Hoffnung hingegen macht das Team: Der FCK spielt in der 2. Liga mit einem Kader, der wieder eine Pfälzer Prägung besitzt. Der Trainer Wolfgang Wolf, Spieler wie Fabian Schönheim oder Florian Fromlowitz sind am Betzenberg und in der Pfalz aufgewachsen. Es hat den Anschein, dass sich ein paar Einheimische in die schützende Obhut des Mythos Betzenberg gerettet haben, um noch einmal ganz von vorne anzufangen. Nun muss das stattliche WMStadion seine Tauglichkeit auch auf der abenteuerlichen Reise durch provinzielle Zweitligagewässer nachweisen.
Anschrift: Fritz-Walter-Straße 1, 67663 Kaiserslautern
Baujahr: 1920, letzter Ausbau zur WM 2006
Fassungsvermögen: 50 754
Preise: 6 bis 34 Euro
Größte dokumentierte Zuschauerzahl: 50 754 (letztes Bundesligaheimspielder Saison 2005/2006 gegen Bayern Münchenam 6. Mai 2006)
Im Netz: www.fck.de
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Aus: 11Freunde - Magazin für Fussballkultur.
Autor: Daniel Meuren
im web: www.11freunde.de