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Vorsicht, Berater
Spieler-Agent Wittmann hat Ärger mit der Justiz und den Sponsoren der Fußball-Nationalmannschaft
Von Oliver Trust, Kaiserslautern
Sportlich steht es nicht eben gut um den ersten Fußballklub der Pfalz, den 1. FC Kaiserslautern. Auch hinter den Kulissen geht es nach dem angekündigten Rücktritt von Vereinschef René C. Jäggi hoch her. Es geht dabei auch um die Kontrolle eines Bundesligaklubs in einer Stadt, die zu den zwölf deutschen WM-Standorten zählt. Eine der wichtigen Parteien im Machtkampf scheint die Spielerberateragentur von Roger Wittmann zu sein. Die „Rogon GmbH und Co KG“ gerät jetzt durch ein Urteil des Kammergerichts Berlin unter Druck.
So berichtet der Kölner „Express“ in seiner gestrigen Ausgabe über den Fall des von Rogon betreuten Profis Christian Timm, der nach Anlagegeschäften, die ihm seine Berater Wittmann sowie dessen früherer Geschäftspartner Egon Banghard empfahlen, bis zu 2,2 Millionen Euro verloren haben soll. Das Kammergericht lässt in seiner Urteilsbegründung (Aktenzeichen 10U279/03) in diesem Fall kaum Zweifel an einer engen Verbindung zwischen Wittmann und Banghard. Beide hatten Ende der Neunzigerjahre als Manager und Präsident beim inzwischen Pleite gegangenen Eishockey-Klubs Berlin Capitals gewirkt.
Banghard verbüßt derzeit eine dreijährige Haftstrafe wegen Betrugs und Untreue. Timm, der inzwischen beim Zweitligisten Fürth spielt, ist nach Recherchen des „Express“ finanziell ruiniert. In dem Prozess versuche er, Provisionszahlungen in Höhe von 107 345 Euro zu verhindern und fordere Schadenersatz von Banghard wegen „fehlerhafter Beratung in Immobilienfragen“ (Landgericht 23O325/03). Der Rechtsstreit dort ist bis März 2006 ausgesetzt. „Christian Timm wird dazu selbst Stellung beziehen“, sagt Roger Wittmann. „Er ist nach wie vor unser Kunde. Diese unglaubliche Geschichte trifft einen vermögenden jungen Mann, der eine lange sportliche Leidensgeschichte hinter sich hat.“
Timm spielt in dem Verfahren eine entscheidende Rolle, das bestätigte die Pressesprecherin des Kammergerichts für Zivilangelegenheiten dieser Zeitung. Im Schriftsatz des Kammergerichts heißt es unter anderem, der Gesellschaftszweck, der Rogon sei „die Geschäftsbesorgung und Beratung in Anlage- und Vermögensfragen“. Timm sei empfohlen worden, sich an seinen Vertragspartner Rogon zu halten. Der spielte in Deutschlands Fußball-Landschaft oft eine seltsame Rolle.
Zum Beispiel im Fall des Nationalspielers und Rogon-Kunden Kevin Kuranyi. Mit stolzem Unterton verkündete die Sportrechte-Agentur Sportfive in diesen Tagen den Abschluss eines Vertrages zwischen Kuranyi und Microsoft. Es geht um ein Internet-Tagebuch des Profis während der WM 2006. Von 300 000 bis 400 000 US-Dollar Honorar ist die Rede. Ausdrücklich wird dabei Rogon und Wittmann gedankt. Der Deal aber kollidiert direkt mit den Interessen des DFB-Generalsponsors Deutsche Telekom und dessen Tochterfirma T-Com. „Wir sind sicher, dass der DFB unsere Interessen schützt“, sagte ein Sprecher.
Der Vertrag war schon den Nationalspielern Michael Ballack, Oliver Kahn und Lukas Podolski angeboten worden. Deren Berater aber nahmen nach Rücksprache mit dem DFB und der Telekom von einem Abschluss Abstand. Microsoft hatte die englische Agentur „sfx“ mit der Suche von sieben Nationalspielern aus verschiedenen Ländern für das Tagebuch beauftragt. Nach den ersten Absagen wurde Sportfive bei Kuranyi und Rogon fündig. „Wir haben ohne Nachfrage Abstand genommen, weil es ein eindeutiger Interessenskonflikt ist. Zudem ist es immer suspekt, während einer WM ein Tagebuch zu schreiben“, sagte Kon Schramm von Podolskis Agentur „ans“. DFB-Pressechef Harald Stenger teilt mit: „Die sportliche Leitung hat beschlossen, dass während der WM von Spielern keine Kolumnen geschrieben werden dürfen.“ Roger Wittmann hält dagegen: „Wir machen nichts, was die Exklusivrechte verletzt. Gehen Sie davon aus, dass wir Rücksprache mit den Verantwortlichen gehalten haben.“
Bekanntheit erlangte Rogon auch durch eine hohe Konzentration von Spielern bei jeweils einem Verein. So war die Agentur beim 1. FC Saarbrücken, Waldhof Mannheim, Wormatia Worms, Jahn Regensburg und dem 1. FC Kaiserslautern tätig. Vereine, die später in große finanzielle Schwierigkeiten stürzten. Bis heute eilt den Leuten von Rogon der Ruf voraus, sie würden sich mitunter nachhaltig in die Politik der betroffenen Vereine einmischen.
Auch in Kaiserslautern scheinen die Fronten klar. Hier ehemalige Spieler und Funktionäre, denen gute Verbindungen zu Rogon nachgesagt werden. Dort der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und Vereinsboss René C. Jäggi. Es geht um die Neuwahl des Aufsichtsrates, der den neuen Vorstandschef des abstiegsbedrohten Klubs bestellt. Und es geht um reibungslose Abläufe am WM-Standort Kaiserslautern. In den vergangenen Wochen hatte in der Pfalz ein Krieg der Worte getobt, angeheizt vor allem vom früheren Lauterer Profi Mario Basler, der mit Wittmanns Schwester verheiratet ist. Basler und vor allem Wittmann, so vermuten viele, wollten mit Jäggi so eine alte Rechnung begleichen. „Als ich hier begonnen habe, hatte Rogon über zehn laufende Verträge mit einem Gehaltsvolumen von knapp 30 Millionen Euro“, sagt Jäggi.
Jäggi hatte bald nach seinem Amtsantritt im September 2002 die Zahl der Rogon-Spieler reduziert und so den Einfluss der Firma beschnitten. Vor allem Jäggis Vorgänger, Jürgen Friedrich, Robert Wieschemann und Gerhard Herzog, hatten mit Wittmann Geschäfte gemacht. Auf der Mitgliederversammlung 2002, die den Abgang von Friedrich und Co. perfekt machte, prangerte Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig als Aufsichtsrat die Provisionen für Wittmann an. Allein für den Spieler Christian Timm soll Rogon laut FCK-Finanzchef Erwin Göbel über 1,1 Millionen Euro bekommen haben. Üblich sind zehn bis zwölf Prozent des Spielergehalts. Timm hätte also rund zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen müssen.
Fußballgrößen wie Günter Netzer zeigten sich verwundert. „Wenn ein Spielerberater – wie in Lautern – einen Großteil der Spieler hat, wird der Einfluss natürlich gefährlich. Dann macht der Spielervermittler hinter den Kulissen Politik“, sagte Netzer im Herbst 2002 in einer Sportzeitschrift. Der Torhüter Andreas Reinke, früher beim 1. FC Kaiserslautern und heute bei Werder Bremen unter Vertrag, behauptete: „Die Wittmann-Spieler laufen beim Training rum und sagen anderen, sie sollen lieber zu Wittmann gehen, damit sie hier Fußball spielen können. Vor allem Mario Basler macht das. Das finde ich schon ein bisschen merkwürdig.“ Die Verbindung zwischen der alten FCK-Führung und Wittmann hatte 1999 spürbaren Aufschwung erhalten, als Basler vom FC Bayern in seine Pfälzer Heimat zurückkehrte. Die Münchener „Abendzeitung“ kommentierte damals, ein „geschäftstüchtiger Händler“ habe „die unbedarften Pfälzer mit Durchschnittskickern zugemüllt“.
Heute schwärmen ehemalige Fußballgrößen wie Bernd Cullmann und Karl-Heinz Förster zusammen mit dem ehemaligen Nationaltorwart Wolfgang Fahrian für Rogon auf Kundenfang aus. Die großen Zeiten der Geschäftspartner Banghard und Wittmann sind längst vorbei. Einige Klubs aus den Bundesligen werden zunehmend misstrauisch und überlegen sich inzwischen zweimal, ob sie einen Rogon-Klienten unter Vertrag nehmen. Wittmann selbst hält sich meist im Hintergrund. Er richtet den Blick gen Westen. Beim FC Schalke fand er ein neues Geschäfts- und Betätigungsfeld. Ein Großteil seiner namhafteren Klientel spielt mittlerweile dort.
Quelle: www.tagesspiegel.de
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Spieler-Agent Wittmann hat Ärger mit der Justiz und den Sponsoren der Fußball-Nationalmannschaft
Von Oliver Trust, Kaiserslautern
Sportlich steht es nicht eben gut um den ersten Fußballklub der Pfalz, den 1. FC Kaiserslautern. Auch hinter den Kulissen geht es nach dem angekündigten Rücktritt von Vereinschef René C. Jäggi hoch her. Es geht dabei auch um die Kontrolle eines Bundesligaklubs in einer Stadt, die zu den zwölf deutschen WM-Standorten zählt. Eine der wichtigen Parteien im Machtkampf scheint die Spielerberateragentur von Roger Wittmann zu sein. Die „Rogon GmbH und Co KG“ gerät jetzt durch ein Urteil des Kammergerichts Berlin unter Druck.
So berichtet der Kölner „Express“ in seiner gestrigen Ausgabe über den Fall des von Rogon betreuten Profis Christian Timm, der nach Anlagegeschäften, die ihm seine Berater Wittmann sowie dessen früherer Geschäftspartner Egon Banghard empfahlen, bis zu 2,2 Millionen Euro verloren haben soll. Das Kammergericht lässt in seiner Urteilsbegründung (Aktenzeichen 10U279/03) in diesem Fall kaum Zweifel an einer engen Verbindung zwischen Wittmann und Banghard. Beide hatten Ende der Neunzigerjahre als Manager und Präsident beim inzwischen Pleite gegangenen Eishockey-Klubs Berlin Capitals gewirkt.
Banghard verbüßt derzeit eine dreijährige Haftstrafe wegen Betrugs und Untreue. Timm, der inzwischen beim Zweitligisten Fürth spielt, ist nach Recherchen des „Express“ finanziell ruiniert. In dem Prozess versuche er, Provisionszahlungen in Höhe von 107 345 Euro zu verhindern und fordere Schadenersatz von Banghard wegen „fehlerhafter Beratung in Immobilienfragen“ (Landgericht 23O325/03). Der Rechtsstreit dort ist bis März 2006 ausgesetzt. „Christian Timm wird dazu selbst Stellung beziehen“, sagt Roger Wittmann. „Er ist nach wie vor unser Kunde. Diese unglaubliche Geschichte trifft einen vermögenden jungen Mann, der eine lange sportliche Leidensgeschichte hinter sich hat.“
Timm spielt in dem Verfahren eine entscheidende Rolle, das bestätigte die Pressesprecherin des Kammergerichts für Zivilangelegenheiten dieser Zeitung. Im Schriftsatz des Kammergerichts heißt es unter anderem, der Gesellschaftszweck, der Rogon sei „die Geschäftsbesorgung und Beratung in Anlage- und Vermögensfragen“. Timm sei empfohlen worden, sich an seinen Vertragspartner Rogon zu halten. Der spielte in Deutschlands Fußball-Landschaft oft eine seltsame Rolle.
Zum Beispiel im Fall des Nationalspielers und Rogon-Kunden Kevin Kuranyi. Mit stolzem Unterton verkündete die Sportrechte-Agentur Sportfive in diesen Tagen den Abschluss eines Vertrages zwischen Kuranyi und Microsoft. Es geht um ein Internet-Tagebuch des Profis während der WM 2006. Von 300 000 bis 400 000 US-Dollar Honorar ist die Rede. Ausdrücklich wird dabei Rogon und Wittmann gedankt. Der Deal aber kollidiert direkt mit den Interessen des DFB-Generalsponsors Deutsche Telekom und dessen Tochterfirma T-Com. „Wir sind sicher, dass der DFB unsere Interessen schützt“, sagte ein Sprecher.
Der Vertrag war schon den Nationalspielern Michael Ballack, Oliver Kahn und Lukas Podolski angeboten worden. Deren Berater aber nahmen nach Rücksprache mit dem DFB und der Telekom von einem Abschluss Abstand. Microsoft hatte die englische Agentur „sfx“ mit der Suche von sieben Nationalspielern aus verschiedenen Ländern für das Tagebuch beauftragt. Nach den ersten Absagen wurde Sportfive bei Kuranyi und Rogon fündig. „Wir haben ohne Nachfrage Abstand genommen, weil es ein eindeutiger Interessenskonflikt ist. Zudem ist es immer suspekt, während einer WM ein Tagebuch zu schreiben“, sagte Kon Schramm von Podolskis Agentur „ans“. DFB-Pressechef Harald Stenger teilt mit: „Die sportliche Leitung hat beschlossen, dass während der WM von Spielern keine Kolumnen geschrieben werden dürfen.“ Roger Wittmann hält dagegen: „Wir machen nichts, was die Exklusivrechte verletzt. Gehen Sie davon aus, dass wir Rücksprache mit den Verantwortlichen gehalten haben.“
Bekanntheit erlangte Rogon auch durch eine hohe Konzentration von Spielern bei jeweils einem Verein. So war die Agentur beim 1. FC Saarbrücken, Waldhof Mannheim, Wormatia Worms, Jahn Regensburg und dem 1. FC Kaiserslautern tätig. Vereine, die später in große finanzielle Schwierigkeiten stürzten. Bis heute eilt den Leuten von Rogon der Ruf voraus, sie würden sich mitunter nachhaltig in die Politik der betroffenen Vereine einmischen.
Auch in Kaiserslautern scheinen die Fronten klar. Hier ehemalige Spieler und Funktionäre, denen gute Verbindungen zu Rogon nachgesagt werden. Dort der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und Vereinsboss René C. Jäggi. Es geht um die Neuwahl des Aufsichtsrates, der den neuen Vorstandschef des abstiegsbedrohten Klubs bestellt. Und es geht um reibungslose Abläufe am WM-Standort Kaiserslautern. In den vergangenen Wochen hatte in der Pfalz ein Krieg der Worte getobt, angeheizt vor allem vom früheren Lauterer Profi Mario Basler, der mit Wittmanns Schwester verheiratet ist. Basler und vor allem Wittmann, so vermuten viele, wollten mit Jäggi so eine alte Rechnung begleichen. „Als ich hier begonnen habe, hatte Rogon über zehn laufende Verträge mit einem Gehaltsvolumen von knapp 30 Millionen Euro“, sagt Jäggi.
Jäggi hatte bald nach seinem Amtsantritt im September 2002 die Zahl der Rogon-Spieler reduziert und so den Einfluss der Firma beschnitten. Vor allem Jäggis Vorgänger, Jürgen Friedrich, Robert Wieschemann und Gerhard Herzog, hatten mit Wittmann Geschäfte gemacht. Auf der Mitgliederversammlung 2002, die den Abgang von Friedrich und Co. perfekt machte, prangerte Kaiserslauterns Oberbürgermeister Bernhard Deubig als Aufsichtsrat die Provisionen für Wittmann an. Allein für den Spieler Christian Timm soll Rogon laut FCK-Finanzchef Erwin Göbel über 1,1 Millionen Euro bekommen haben. Üblich sind zehn bis zwölf Prozent des Spielergehalts. Timm hätte also rund zehn Millionen Euro pro Jahr verdienen müssen.
Fußballgrößen wie Günter Netzer zeigten sich verwundert. „Wenn ein Spielerberater – wie in Lautern – einen Großteil der Spieler hat, wird der Einfluss natürlich gefährlich. Dann macht der Spielervermittler hinter den Kulissen Politik“, sagte Netzer im Herbst 2002 in einer Sportzeitschrift. Der Torhüter Andreas Reinke, früher beim 1. FC Kaiserslautern und heute bei Werder Bremen unter Vertrag, behauptete: „Die Wittmann-Spieler laufen beim Training rum und sagen anderen, sie sollen lieber zu Wittmann gehen, damit sie hier Fußball spielen können. Vor allem Mario Basler macht das. Das finde ich schon ein bisschen merkwürdig.“ Die Verbindung zwischen der alten FCK-Führung und Wittmann hatte 1999 spürbaren Aufschwung erhalten, als Basler vom FC Bayern in seine Pfälzer Heimat zurückkehrte. Die Münchener „Abendzeitung“ kommentierte damals, ein „geschäftstüchtiger Händler“ habe „die unbedarften Pfälzer mit Durchschnittskickern zugemüllt“.
Heute schwärmen ehemalige Fußballgrößen wie Bernd Cullmann und Karl-Heinz Förster zusammen mit dem ehemaligen Nationaltorwart Wolfgang Fahrian für Rogon auf Kundenfang aus. Die großen Zeiten der Geschäftspartner Banghard und Wittmann sind längst vorbei. Einige Klubs aus den Bundesligen werden zunehmend misstrauisch und überlegen sich inzwischen zweimal, ob sie einen Rogon-Klienten unter Vertrag nehmen. Wittmann selbst hält sich meist im Hintergrund. Er richtet den Blick gen Westen. Beim FC Schalke fand er ein neues Geschäfts- und Betätigungsfeld. Ein Großteil seiner namhafteren Klientel spielt mittlerweile dort.
Quelle: www.tagesspiegel.de