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Rheinpfalz-News WM-Berichterstattung DFB-TEAM

Teufelsanbeterin

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Klose beschenkt sich mit einem Doppelpack

Deutscher 4:2-Auftaktsieg gegen Costa Rica durch Abwehrschwächen getrübt - Rüffel für Arne Friedrich



MÜNCHEN (zkk). Dank eines Doppelpacks von Miroslav Klose schnürte die deutsche Fußball-Nationalmannschaft gestern Abend beim 4:2 (2:1) gegen Fußball-Zwerg Costa Rica ein Drei-Punkte-Paket.





Die Abwehrschwächen ließen die deutschen Fans aber bis zur 87. Minute der WM-Eröffnungspartie um den Sieg zittern, ehe Torsten Frings mit einem klasse Schuss aus der Distanz alles klar machte. Welch wundervolle Tore: In der 6. Minute erbeutete Miroslav Klose die Kugel in dem ihm eigenen Stil, legte quer auf den heranbrausenden Philipp Lahm, der den Ball von der Kante des 16-Meterraumes zum 1:0 in den rechten Torwinkel zimmerte.





In der 17. Minute ließ der gewitzte Bernd Schneider Linksverteidiger Marin aussteigen, passte nach innen. Bastian Schweinsteiger verblüffte mit seinem tollen Antritt die Defensivabteilung der Mittelamerikaner, die maßgeschneiderte Eingabe des Bayern drückte „Miro" Klose über die Linie: 2:1. Der Bundesliga-Torschützenkönig beschenke sich mit zwei Toren an seinem 28. Geburtstag selbst am schönsten. Vor seinem 3:1 scheiterte der Bremer nach Flanke des überragenden Lahm mit einem Kopfball an Torwart Porras. Klose aber nutzte den zweiten Ball zu seinem zweiten Tor.





Durch seinen Treffer brachte er nach dem überraschenden Ausgleich Costa Ricas wieder mehr Sicherheit in die deutsche Mannschaft. Mit einem Doppelpass hatten Gomez und Paulo Wanchope die Abseitsfalle der Deutschen ausgehebelt, abgezockt hatte Wanchope den Ball an Lehmann vorbei ins Netz geschoben. „Arne Friedrich hat das Abseits quasi aufgehoben", rüffelte Bundestrainer Jürgen Klinsmann.





Auch das zweite Tor der Costa-Ricaner markierte der stark auftrumpfende Wanchope. Wieder wurde offenkundig, wie anfällig die deutsche Innenverteidigung ist, wenn Pässe in die Schnittstelle gespielt werden. Per Mertesacker, der seine besten Szenen wie zuletzt schon im Dress von Hannover 96 in der Offensive hatte, und Christoph Metzelder waren Unsicherheitsfaktoren. Übertroffen aber von Arne Friedrich. Der Berliner, immer wieder ins Spiel gebracht, erwies sich als Kombinationsbremse.





Die deutsche Mannschaft versuchte, Jürgen Klinsmanns Philosophie von Tempo-Fußball und Direktpassspiel anfangs vehement umzusetzen. Allerdings fehlte Angreifer Lukas Podolski diesmal das Durchsetzungsvermögen.





Vor allem Lahm und Bastian Schweinsteiger am linken Flügel und Kapitän Bernd Schneider auf der rechten Seite setzten Akzente. Das gelang Ballack-Ersatz Tim Borowski trotz starker Präsenz nicht wirklich. Wirkungsvoller Torsten Frings, der mit seiner Balleroberung und klugem Passspiel gefiel.





So spielten sie





Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Schneider (90. + 1 Odonkor), Frings, Borowski (72. Kehl), Schweinsteiger - Klose (79. Neuville), Podolski





Costa Rica: Porras - Umana, Sequeira, Marin - Martinez (66. Drummond), Fonseca, Solis (78. Bolanos), Gonzalez - Centeno (90. +1 Azofeifa), Gomez - Wanchope





Tore: 1:0 Lahm (6.), 1:1 Wanchope (12.), 2:1 Klose (17.), 3:1 Klose (61.), 3:2 Wanchope (73.), 4:2 Frings (87.) - Gelbe Karte: Fonseca - Beste Spieler: Lahm, Frings, Klose - Wanchope, Gomez - Zuschauer: 64.700 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Elizondo (Argentinien).







KONZOKH / KONZOKH

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
stimmen und stimmungen

Klinsmann: Kein Streit mit Ballack

Lobgesang auf Philipp Lahm - Kollektiver Schulterschluss - Miroslav Klose Mann des Tages



Zwei Tore beim 4:2 (2:1) gegen Costa Rica geschossen und am Ende von der Technischen Kommission des Welt-Fußballverbandes (Fifa) zum Mann des Tages gekürt - da durfte Miroslav Klose wirklich stolz Geburtstag feiern. „Es gibt nichts Schöneres, als im Eröffnungsspiel einen Sieg einzufahren, zu dem ich auch noch zwei Tore beisteuern konnte", sagte „Miro" Klose, der gestern 28 Jahre alt geworden ist.





Zufrieden mit dem Ergebnis und der Mannschaftsleistung zeigte sich der Bundestrainer. Trotz zweier Schönheitsflecken ... „Wir wollten die Zuschauer mit attraktivem Fußball mitreißen, das ist uns gelungen", meinte Jürgen Klinsmann. Die beiden Gegentreffer, nach gleichem Strickmuster herausgespielt, mochte der deutsche Trainer nicht dramatisieren. „Es war klar, dass eine gewisse Nervosität und Anspannung da waren. Das führte zu Fehlern", resümierte Klinsmann: „Wir arbeiten daran, diese Fehler abzustellen!" Er sprach angesichts vieler Nullnummern bei früheren WM-Ouvertüren von einem „außergewöhnlichen Eröffnungsspiel".





Richtig Spaß bereitet hat den Fans und dem Bundestrainer Philipp Lahm. Er spielte stark auf, schottete seine Seite ab, bügelte Stellungsfehler der Abwehrkollegen durch schnelles Umschalten und Sprintqualitäten aus. Lahm bereitete einen Treffer vor und schoss mit dem 1:0 ein Tor des Monats. „Wie Philipp da links durch geht und das Ding in den Winkel haut ... das ist ein Moment, auf den er stolz sein darf. Philipp Lahm ist aus dieser Mannschaft überhaupt nicht mehr wegzudenken", lobte Klinsmann den mit einer Schutzmanschette am lädierten linken Ellbogen aufgelaufenen Münchner.





Immer wieder nestelte Lahm an dem Schutzteil herum. Probleme? Klinsmann: „Vielleicht ist ihm die Schiene zu schwer geworden." Völlig losgelöst raste Lahm nach seinem Tor auf die Gegengerade, ließ sich von seinem alten Stuttgarter Spezi Timo Hildebrand herzen und dem zur Schonung auf der Bank sitzenden Michael Ballack feiern. Vor der Partie hatten sich die deutschen Spieler beim Erklingen der Nationalhymne demonstrativ in die Arme genommen: der kollektive Schulterschluss.





Von Stress und Streit mit seinem Kapitän mag der Bundestrainer nichts wissen. Michael Ballack hatte am späten Donnerstagabend seine Einsatzbereitschaft für das Eröffnungsspiel signalisiert, Klinsmann aber mochte kein Risiko eingehen und verwies überdies auf den Trainingsrückstand des 29-Jährigen, der sich eine Woche mit einer Muskelverhärtung in der Wade geplagt hatte. „Doktor Müller-Wohlfarth hatte darauf hingewiesen, dass was passieren kann", begründete Klinsmann sein Nein zu Ballack. „Er hat heute intensiv trainiert", beschied der Trainer. Torjäger Klose: „Michael Ballack ist unser Leader. Er ist unheimlich wichtig für unsere Mannschaft!"





So dezent gekleidet wie gestern als Moderator der WM-Eröffnungs-Gala kam Thomas Gottschalk, Deutschlands Showmaster Nummer 1, noch nie in unsere Wohnzimmer. „Ich habe die Ehre, dies als Stimme Deutschlands zu moderieren", erklärte Gottschalk bei der Einstimmung der Besucher und Fans für die Live-Einschaltung. „Zeigen wir, dass wir gut feiern können, das wird ja weltweit in Frage gestellt", appellierte „Tommy". Franz Beckenbauer, den Präsidenten des Organisationskomitees (OK), begrüßte er als „den Mann, der die WM nach Deutschland gebracht hat, unseren Kaiser Franz Beckenbauer".





„Endlich geht es los, wir freuen uns auf vier Wochen Fußball", rief Bundespräsident Horst Köhler den Besuchern und Fernsehzuschauern zu, bevor er das Fußballfest eröffnete: „Willkommen in Deutschland, Sie sind zu Gast bei Freunden!" (zkk)







KONZOKH / KONZOKH

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
KOMMENTAR

Klinsmanns Problemzone

Von Horst Konzok



Die WM-Eröffnungsfeier ist gelungen. Mit einer Abwehrleistung wie beim 4:2 gegen Costa Rica aber wird die deutsche Mannschaft nicht weit kommen.





Der Ball bei der Fifa-Weltmeisterschaft rollt. Durch das Diktat des Welt-Fußballverbandes wurde die geplante Eröffnungs-Gala, die André Heller mit Millionenaufwand kreiert hatte, vor wenigen Monaten gestrichen. Das war Geldvernichtung der Marke Blatter!





Stattdessen wurde das Festival des Welt-Fußballs gestern Nachmittag mit einer auf 30 Minuten reduzierten Mini-Schau feierlich eröffnet. Klein, aber fein. Das war zwar kein wirkliches „Du bist Deutschland", zumal der bayerische Einschlag dominierte, aber nett anzuschauen. Toll die Präsentation von 160 Größen des Fußballs, Helden und Legenden der Weltmeisterschaften von 1930 bis 2002.





Gelungen der offizielle Fifa-Song von Herbert Grönemeyer. „Zeit, dass sich was dreht", singt er. Wie recht er hat ...





Bei der deutschen Mannschaft besteht nach wie vor ein krasses Missverhältnis zwischen Defensive und Offensive. Vor allem Rechtsverteidiger Arne Friedrich lag völlig schief. Steigert sich die deutsche Defensive nicht, wird die Mannschaft trotz Klinsmanns Schönrednerei scheitern!







KONZOKH / KONZOKH

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
„Mit dem Messer zwischen den Zähnen"

Miroslav Klose rechnet heute im zweiten Gruppenspiel gegen Polen mit einem heißen Abend - Identitätsfrage geklärt



Von unserem Redakteur





Horst Konzok





BERLIN. Die Identitätsfrage haben sie längst eindeutig geklärt: Lukas Podolski und Miroslav Klose sind in Polen geboren, sie haben ein Herz für ihr Heimatland. Aber sie stürmen heute (21 Uhr) in Dortmund im Spiel der WM-Gruppe A für Deutschland gegen Polen.





„Weghauen" - heißt das „Poldi"-Rezept. Egal gegen wen es geht und trotz aller Sympathie für die alte Heimat. Dorthin zieht es auch Klose immer wieder. „Ich habe noch Onkel und Tante dort. Jetzt sind sie aber hier", verrät der Stürmer. Mit einem Heimsieg soll schon heute Abend der Einzug ins Achtelfinale perfekt gemacht werden. „Ich will das Spiel gewinnen. Ich spiele für Deutschland", betont Klose vor dem Spiel, das kein Spiel wie jedes andere ist, das er aber doch wie jedes andere gewinnen helfen will. Klose: „Ich habe nicht die Torjägerliste im Blick, sondern nur die Mannschaft." Fritz Walter, der am 17. Juni 2002 gestorbene Ehrenspielführer, wäre wahrhaft stolz, würde er seinen sportlichen Erben so reden hören.





„Die Polen müssen gegen uns was bewegen, wenn sie im Turnier bleiben wollen", rechnet der deutsche Trainer Jürgen Klinsmann heute mit einer „ganz harten Kiste". Nach der 0:2-Auftaktniederlage ist Polens Trainer Pawel Janas, ein Kauz, der es zu genießen scheint, dass ihn keiner wirklich mag, unter Druck geraten. Fehlen wird in jedem Fall der verletzte Kamil Kosowski, dessen Leihvertrag beim FC Southampton nicht verlängert wird. So dürfte der 28-Jährige am 1. Juli wieder beim FCK auf der Matte stehen, denn der Vertrag des polnischen Nationalspielers besitzt bis zum 30. Juni 2007 Gültigkeit. „Wir vom FCK sollten alle mit Polen-Fähnchen auf der Tribüne sitzen und hoffen, dass Kosowski gut spielt", hatte Frank Aehlig, der Manager des 1. FC Kaiserslautern, vor dem WM-Start orakelt, und darauf spekuliert, den polnischen Nationalspieler nach positiver Nabelschau verkaufen zu können.





Klinsmann sieht die Anspannung wachsen, setzt aber auch wie Torwart Jens Lehmann auf die ganz spezielle Atmosphäre in der Dortmunder WM-Arena. Klinsmann: „Wen man sich in die Köpfe der polnischen Spieler rein versetzt, dann weiß man, dass es für sie schon fünf vor Zwölf ist." Sein Rückschluss: Hier wird eine Mannschaft Alles oder Nichts spielen. Der Bundestrainer: „Wir müssen von der ersten Sekunde an positiv aufgeladen zur Sache gehen!" Miroslav Klose, der mit achteinhalb Jahren mit seinen Eltern und seiner Schwester nach Kusel kam, erhielt zu FCK-Zeiten das Angebot des damaligen polnischen Nationaltrainers, für Polen zu spielen. Obwohl „Mirek", wie ihn seine alten Freunde liebevoll nennen, davon spricht eine „polnische Mentalität" zu haben, die Bescheidenheit der Menschen in der Heimat bewundert, war das nicht wirklich ein Thema. „Ich wusste schon damals, wenn ich so weiter mache, dann werde ich auch in Deutschland meine Chance bekommen."





Der Fußball war die Chance des kleinen Klose, sich schnell und problemlos zu integrieren - über anfängliche Sprachprobleme hinweg. „Nach der Schule den Ranzen in die Ecke und dann auf den Bolzplatz. Ich durfte überall mitspielen, weil ich ein bisschen besser als die anderen war. Wenn auf der Straße gewählt wurde, die Mannschaften zusammengestellt wurden, wurde ich immer zuerst genommen", erinnert sich Klose an die Jugendtage.





„Miro" Klose und Lukas Podolski unterhalten sich bisweilen auch in polnischer Sprache miteinander. „Der ,Poldi" spricht auch in Polnisch ohne Punkt und Komma. Das ist ein Supertyp, ich verbringe gerne meine Freizeit mit ihm", beschreibt der Bundesliga-Torschützenkönig das Miteinander. Der Torjäger ist auf einen heißen Abend eingestellt. „Die werden mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns losgehen", sagt Klose blumig. Die Gefahr, dass er bei beiden Hymnen mitsingen könnte, gibt es nicht: „Die Polnische kann ich gar nicht."





So spielen sie





Deutschland: Lehmann (Arsenal London/36 Jahre/33 Länderspiele) - Friedrich (Hertha BSC Berlin/27/37), Mertesacker (Hannover 96/21/24), Metzelder (Borussia Dortmund/25/23), Lahm (Bayern München/22/19) - Frings (Werder Bremen/29/53) - Schneider (Bayer Leverkusen/32/65), Schweinsteiger (Bayern München/21/29) - Ballack (Bayern München/29/65) - Klose (Werder Bremen/28/56), Podolski (1. FC Köln/21/26)





Polen: Boruc (Celtic Glasgow/26/18) - Bosacki (Lech Posen/30/11), Lewandowski (Schachtjor Donezk/27/25), Bak (Al-Rayyan Doha), Zewlakow (RSC Anderlecht/30/57) - Radomski (Austria Wien/28/21) - Jelen (Wisla Plock/25/10), Krzynowek (Bayer Leverkusen/30/59) - Szymkowiak (Trabzonspor/29/30) - Smolarek (Borussia Dortmund/25/14), Zurawski (Celtic Glasgow/29/51).





Schiedsrichter: Cantalejo (Spanien).







KAMMC / KAMMC

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
WM-Magazin



„Jedes Schulkind in





Polen kennt dieses Spiel"





DORTMUND (rzp). Manche Fußball-Spiele sind unvergessen. So wie 1974 die Wasserschlacht von Frankfurt zwischen Deutschland und Polen (1:0). „Das Spiel kennt bei uns jeder", sagt der 1981 geborene Ebi Smolarek von Borussia Dortmund vor der Neuauflage dieser Begegnung.





Einen Temperatursturz auf nur noch 20 Grad am Tag und 7 Grad in der Nacht sowie eine Niederschlagswahrscheinlichkeit von immerhin 50 Prozent kündigen die Meteorologen für heute in Dortmund an.





Die polnische Fußball-Auswahl wird diese Prognose mit sehr gemischten Gefühlen vernehmen. Schließlich spukt allen 23 Akteuren im Kader des östlichen Nachbarn noch das unvergessene Spiel der zweiten Finalrunde vom 3. Juli 1974 im Kopf herum, auch wenn 22 Spieler aus dem aktuellen WM-Kader damals noch gar nicht geboren waren: die „Wasserschlacht" im Frankfurter Waldstadion. „Jedes Schulkind in Polen kennt dieses legendäre Spiel", sagt der damals beteiligte Grzegorz Lato über eine legendäre Partie.





Vor dem Spiel waren innerhalb von nur 20 Minuten bei zwei schweren Gewittergüssen 14 Liter Wasser pro Quadratmeter auf den durch tagelangen Regen eh schon übersättigten Rasen gefallen. Für eine ordentliche Drainage war im Vorfeld kein Geld vorhanden gewesen. Das ohnehin schon tiefe Spielfeld verwandelte sich binnen Minuten in eine wahre Seenlandschaft. Mit Walzen und Wassersaugern der Frankfurter Feuerwehr wurde unter den Augen der TV-Kameras verzweifelt versucht, das Terrain halbwegs spielfähig zu machen. Es gelang kaum, dennoch pfiff der österreichische Schiedsrichter Erich Linemayr die Begegnung mit halbstündiger Verspätung an. „Diese Bodenverhältnisse waren ein klarer Vorteil für Deutschland. Wir konnten unsere Stärke mit dem schnellen Flügelspiel nicht entfalten", sagt Lato heute.
 
Sein oder Nichtsein

Für Polen geht es heute um alles



BARSINGHAUSEN (sid). Trotz der schweren Hypothek nach der ernüchternden 0:2-Auftaktpleite gegen Ecuador und dem Hohn aus der Heimat geht die polnische Fußball-Nationalmannschaft optimistisch in ihr zweites WM-Vorrundenspiel heute in Dortmund gegen Deutschland (21 Uhr/live bei ARD und Premiere).





„Für uns zählt nur der Sieg. Deutschland ist nicht unschlagbar", sagt Stürmer Ebi Smolarek von Borussia Dortmund, der im Westfalenstadion praktisch ein Heimspiel hat. Mindestens einen Punkt müssen die Polen gegen den favorisierten Gastgeber einfahren, um nicht wie schon bei der WM 2002 in Japan und Südkorea nach der Vorrunde auszuscheiden. „Es ist ein sehr, sehr wichtiges Spiel. Wenn wir nicht wenigstens unentschieden spielen, müssen wir die Koffer packen", meint der umstrittene Trainer Pawel Janas: „Es ist die Partie unseres Lebens. Es geht um Sein oder Nichtsein."





Dabei könnte sich auch die Zukunft des Coaches entscheiden, dessen Vertrag nach der WM-Endrunde ausläuft. Ein Scheitern in der Vorrunde dürfte ihm kaum verziehen werden, schon jetzt hat sich die polnische Presse auf den öffentlichkeitsscheuen 53-Jährigen eingeschossen. Seit der Niederlage gegen Ecuador vergeht kein Tag, an dem Janas und sein Team nicht gehörig ihr Fett wegkriegen.





Als „Dorftruppe" und „Kindermannschaft" wurde die Elf bereits verhöhnt. Nach dem freien Sonntag verglich die Boulevardzeitung „Fakt" die Mannschaft gar mit „Teenagern auf einem Schulausflug". Auch polnische Alt-Internationale melden sich fast täglich mit Ratschlägen für den Coach zu Wort. Für den WM-Helden von 1974, Grzegorz Lato, ist die Partie gegen Deutschland gar ein „Spiel auf Leben und Tod".





Bundestrainer Jürgen Klinsmann ist die angespannte Atmosphäre beim nächsten Gegner nicht entgangen: „Für Polen ist es fünf vor zwölf. Im Umfeld herrscht viel Aggressivität. Es wird richtig zur Sache gehen." Smolarek, der sich mit seinen Teamkollegen am Sonntagabend auf einer Sitzung ohne Janas auf das Spiel einstimmte, bestätigt die Prognose des DFB-Trainers: „Wir werden über 100 Prozent geben und so spielen, dass wir nach der Partie stolz auf uns sein können."





Mit welchem Personal die Polen den ersten Sieg gegen Deutschland im 15. Vergleich einfahren wollen, ist derweil noch unklar. Janas will sich in Sachen Aufstellung und Taktik nicht in die Karten schauen lassen. „Ich werde sicherlich einige Veränderungen vornehmen. Welche das sein werden, bleibt ebenso mein Geheimnis wie die Taktik", meint der Trainer, der auf deutsche Abwehrschwächen hofft: „Im Angriff sind sie sehr gut, in der Defensive aber vielleicht ein wenig schwächer." Respekt zeigt man vor dem wiedergenesenen Mannschaftskapitän Michael Ballack. „Mit ihm sind sie sicherlich stärker. Er ist sehr wichtig für die Mannschaft", erklärt Smolarek. „Aber auch wir haben ein gutes Team und wollen das beweisen."







KAMMC / KAMMC

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
von Horst Eckel



weltmeister-impressionen

Wer je den Adler auf der Brust getragen hat



Beim Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Polen war es wieder da - dieses Gefühl der Nähe, das sich bei mir immer einstellt, wenn ich unsere Mannschaft spielen sehe. Ich fühle dann eine tiefe Verbundenheit mit unseren Spielern, die eigentlich nur der richtig empfinden kann, der selbst einmal den Adler auf der Brust getragen hat. Es ist wie ein Band, das die aktuellen und die ehemaligen deutschen Nationalspieler miteinander verbindet.





Immer wieder habe ich es erlebt, dass der Kontakt sofort da ist, wenn ich mit den jungen Nationalspielern, die ja meine Enkel sein könnten, zusammentreffe. In diesen Gesprächen spüre ich den Respekt, den die Jungen den „54ern" entgegenbringen. Sie schauen zu uns hoch, und es ist für mich ein schönes Gefühl, zu erleben, dass unsere Leistungen nicht vergessen sind.





Einer dieser jungen deutschen Spieler ist Philipp Lahm, der mir am Mittwochabend im Gruppenspiel gegen die Polen besonders gut gefallen hat. Sein ganzes Auftreten, sein couragiertes Spiel zeigten, dass er will. Er will gewinnen und mit seiner Mannschaft Weltmeister werden. Das ging mir 1954, bei der WM in der Schweiz, genauso; auch ich war damals ein junger Spieler, und auch ich wollte damals den Titel unbedingt gewinnen.





Das Spiel gegen die Polen, die gegen uns eine Klasse besser gespielt haben als gegen Ecuador, habe ich zu Hause vor dem Fernseher verfolgt. Mir hat es imponiert, dass unser Team von der ersten bis zur letzten Minute Druck gemacht hat. Es war dann auch ein verdienter Sieg in einer dramatischen Partie.





Als Neuville in der Nachspielzeit der Siegtreffer gelang, bin ich zwar nicht aus dem Sessel gesprungen, aber ich empfand eine große innerliche Freude. Dass wir nicht mehr Tore geschossen haben, lag wohl daran, dass Miroslav Klose und Lukas Podolski in diesem Spiel gehemmt waren. Die beiden, die ja polnische Wurzeln haben, sagten zwar vor der Partie, es würde ihnen nichts ausmachen, gegen ihr früheres Heimatland zu spielen. Aber während des Spiels konnten sie das dann doch nicht so einfach abschütteln. Ich habe dafür großes Verständnis.





Da die polnische Mannschaft nach der Niederlage gegen die deutsche Elf keine Chance mehr hat, ins Achtelfinale zu kommen, wird sich das Problem für die beiden Nationalstürmer in diesem Turnier nicht mehr stellen. Sie können also in den nächsten Spielen ganz ungehemmt aufspielen, und wir dürfen uns dann hoffentlich über Tore der beiden freuen.







HERBERA / HERBERA

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.137

Datum: Freitag, den 16. Juni 2006

Seite: Nr.24

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Lokomotive Ballack zieht „Klinsmänner" ins Achtelfinale

Großes Spiel beim 1:0 gegen Polen - Pechvogel Klose mit großer Moral - Lahm überragend - Odonkor beflügelt



DORTMUND (zkk). Endspiel um den Sieg in der WM-Gruppe A: Deutschland ist nach dem 1:0 (0:0) gegen Polen ebenso wie Ecuador für das Achtelfinale qualifiziert. Die deutsche Mannschaft aber braucht am Dienstag (16 Uhr) in Berlin einen Sieg gegen das punktgleiche Ecuador, das das bessere Torverhältnis aufweist, um Gruppensieger zu werden.





Im dramatischen Finale von Dortmund schienen Miroslav Klose und Michael Ballack zu tragischen Helden zu werden: In der Schlussminute trafen beide die Latte des polnischen Tores. In der Nachspielzeit aber stach der Joker: Oliver Neuville schoss das „goldene Tor". „Es war ein sehr gutes Spiel, man hat gesehen, dass Fitness sehr wichtig ist", bilanziert Philipp Lahm, erneut Deutschlands Bester.





„Ich habe auch nach den zwei Lattentreffern noch daran geglaubt, gedacht, irgendwann kommt noch was", resümiert der Bundestrainer nach dem Krimi, den 65.000 Augenzeugen live im Dortmunder WM-Stadion erlebten. Polen und Deutsche sorgten für eine wunderbare WM-Stimmung, die Mannschaft feierte euphorisiert ihren späten, hoch verdienten Sieg nach großer Leistung. Und Jürgen Klinsmann hatte einfach nur noch seine „Freude herausgebrüllt".





„Für uns ist wichtig, dass wir Optionen in der Tasche haben", frohlockte der deutsche Trainer nach dem Happy-End in der Nachspielzeit. Er hatte Arne Friedrich nach 64 Minuten raus genommen. Der Berliner hatte seine Seite dicht bekommen. Dort waren in Wechselschicht Jacek Krzynowek und der eminent schnelle Ireneusz Jelen, dessen Zukunft 1. FC Kaiserslautern heißen könnte, aufgetaucht. Bös" verunglückt aber zwei Flanken des Berliners. So kam Lokalmatador David Odonkor, beflügelte die rechte Seite, meist gefüttert von dem auf die rechte Verteidigerposition zurück gerückten Spaß-Fußballer Bernd Schneider. Neuville löste den nicht überzeugenden Lukas Podolski in der 71. Minute ab, der seine zweite Riesenchance nach brillanter Zuarbeit von Kapitän Ballack und Flankenspezialist Philipp Lahm vermasselt hatte (45. + 1).





Der Druck wuchs, als Radoslaw Sobolewski nach Regelwidrigkeit an Miroslav Klose die Ampelkarte quittieren musste (75.). „Ein dummes Foul", haderte Polens Trainer Pawel Janas.





In Überzahl agierte die deutsche Mannschaft im 4-4-2-System, Tim Borowski kam für den nach ansprechender erster Halbzeit in ein Leistungsloch gestürzten Bastian Schweinsteiger. Und das war gut so! Symptomatisch für den plötzlichen Knick der Formkurve des fintenreichen Individualisten, der vor der Pause im Zusammenwirken mit Lahm über links einiges bewirkt hatte, dass er sich mit zwei Übersteigern selbst austrickste ...





Die deutsche Mannschaft ließ nur drei Chancen der Polen zu. Die Abwehr arbeitete hoch konzentriert, Christoph Metzelder imponierte und ließ seinem Dortmunder Klub-Kollegen Ebi Smolarek im verbesserten Zusammenwirken mit Per Mertesacker kaum eine Entfaltungsmöglichkeit. Die Abwehr profitierte von der Art und Weise, wie sich Michael Ballack einbrachte. Der Kapitän sah sich als Abfangjäger, als Antreiber, lieferte auch klasse Pässe auf Klose, Schneider und später Odonkor. Und wenn nötig, dann gab der Kapitän auch den Einpeitscher der Fans.





„Ballack ist unsere Lokomotive, er hat ein exzellentes Spiel gemacht", lobt der Bundestrainer den „Leader". Mit ein wenig mehr Glück hätte „Miro" Klose drei Tore gemacht. Groß seine Moral, großartig sein leidenschaftlicher Einsatz. „Diese Mannschaft ist bereit, an ihr Maximum zu gehen", attestierte Jürgen Klinsmann nach dem Freudenfest.





So spielten sie





Deutschland: Lehmann - Friedrich (64. Odonkor), Mertesacker, Metzelder, Lahm - Frings, Ballack - Schneider, Schweinsteiger (77. Borowski) - Klose, Podolski (71. Neuville)





Polen: Boruc - Baszczynski, Bosacki, Bak, Zewlakow (85. Dudka) - Sobolewski, Radomski - Jelen (90. + 1. Fabianski), Zurawski, Krzynowek (77. Lewandowski) - Smolarek





Tor: 1:0 Neuville (90. + 1) - Gelbe Karten: Ballack, Metzelder, Odonkor - Boruc, Krzynowek - Gelb-rote Karte: Sobolewski (75.) - Beste Spieler: Lahm, Schneider, Ballack - Boruc, Bosacki, Jelen - Zuschauer: 65.000 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Cantalejo (Spanien).







SCHOEPU / SCHOEPU

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.137

Datum: Freitag, den 16. Juni 2006

Seite: Nr.19

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Keine Schutzhaft für Gelb-Sünder

Siegen für Jürgen Klinsmanns Reiseroute - Bundestrainer lobt Löw



BERLIN (zkk). Der Weg ist das Ziel: Bundestrainer Jürgen Klinsmann will mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft (unbedingt) als Gruppenerster ins WM-Achtelfinale einziehen. Deshalb wird am Dienstag (16 Uhr) in Berlin gegen Ecuador auch kein mit einer gelben Karte vorbestrafter deutscher Spieler aus der Gefahrenzone genommen.





„Michael Ballack spielt", kündigte Klinsmann gestern an. Ebenso wie Christoph Metzelder, der in der Abwehr gesetzt ist, und Joker David Odonkor, ist der deutsche Kapitän mit einer gelben Karte vorbelastet. Bei einer zweiten gelben Karte ist der jeweilige Sünder fürs Achtelfinale gesperrt. Ansonsten werden die „Vorstrafen" nach Abschluss der Gruppenspiele getilgt.





„Unser großer Wunsch wäre, dass wir uns mit einem Sieg gegen Ecuador als Gruppenerster qualifizieren. Das liegt uns am Herzen", unterstrich Klinsmann gestern. Als Gruppensieger würde Deutschland am kommenden Samstag in München auf den Zweiten der Gruppe B treffen. Achtelfinale in München, Viertelfinale in Berlin, Halbfinale in Dortmund - diese Wegstrecke will Klinsmann mit seinem Team gehen. „Wir alle haben einen Traum", sagt der Trainer mit Blick auf das Endspiel am 9. Juli in Berlin. „Unsere Hauptstadt", merkt der Wahl-Kalifornier immer wieder gerne mit Pathos an.





Gestern hatte Klinsmann eine Fitnesseinheit angesetzt. „Stabilität, Kraft, Explosivität", nannte der Coach die Schwerpunkte der Arbeit. Bis zum Training heute Abend ist ein freier Tag für die Spieler angesetzt. Für den Trainerstab gilt dies nicht, da sind Videostudien eines jeden Spielers aus Ecuador vorgesehen. Urs Siegenthaler, „Klinsis" Spion, gibt den Filmvorführer.





„Die Mannschaft aus Ecuador hat ja die Vorurteile widerlegt, sie könnte nur in der Höhenluft von Quito gegen starke Mannschaften gewinnen. Ecuador bestätigt jetzt, warum es nach Brasilien und Argentinien die Nummer 3 in Südamerika ist", zeigt Jürgen Klinsmann Respekt. Nach dem 2:0 gegen Polen und den 3:0 gegen Costa Rica ist Ecuador aufgrund des besseren Torverhältnisses Tabellenführer vor dem punktgleichen Deutschland. Die deutsche Mannschaft braucht einen Sieg, um den Gruppensieg zu landen (und Klinsmanns Reise-Fahrplan Realität werden zu lassen).





Dass seine Spieler die Freiheit ausnutzen könnten - für Klinsmann überhaupt kein Thema. „Da wird keiner bis 2 Uhr in einer Berliner Disco rumhängen", ist er sich sicher. „Das sind erwachsene Leute! Es ist eine Generation, die weiß, was sie möchte. Sie sind sehr konzentriert, sie haben sich sehr viel vorgenommen für diese Weltmeisterschaft. Sie zeigen das in jeder Trainingseinheit, in jedem Spiel", lobt der Trainer.





Begeistert ist er von der intensiven Arbeit seines Assistenten Joachim Löw. Er hat bei der Trainingsarbeit im taktischen Bereich freie Hand, ist da federführend tätig. „Der ,Jogi" Löw geht da in seiner Arbeit richtig auf", anerkennt Klinsmann. Er sieht sich als Teamarbeiter in einem ausgezeichneten Team.







SCHOEPU / SCHOEPU

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
Der Ersatzmann des Ersatzmanns

Hildebrand hofft auf Zeit nach der WM



BERLIN (zkk). Er ist gesetzt. Als Torwart Nummer 3. Und wenn alles läuft, wie es immer läuft, ist er bei dieser WM ohne Chance auf einen Einsatz: Timo Hildebrand, die Nummer 1 des VfB Stuttgart.





Der 27-Jährige weiß um seinen Stellenwert, seine Aufgabe, seinen Platz in der Hierarchie. Er kennt seine Rolle als Ersatz des Ersatzmannes. Und er hofft auf die Zeit nach der WM, wenn die Nach-Lehmann- und die Nach-Kahn-Ära beginnt. Jens Lehmann wird 37, Oliver Kahn ist 37. Aber Hildebrand, der erst drei A-Länderspiele bestritten hat, ist nicht der Einzige, der auf das Erbe spekuliert. Da ist Robert Enke von Hannover 96, der schon für den WM-Kader auf Abruf stand, da sind der Dortmunder Roman Weidenfeller und Tim Wiese von Werder Bremen. Eine Lobby besitzt schon jetzt U21-Nationaltorwart Michael Rensing, bei Bayern München der Mann nach Kahn ...





„Ich hoffe, dass meine Chance dann auch wirklich kommt", äußert Timo Hildebrand, der gebürtige Wormser, in Hofheim/Ried groß geworden, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Aus der Mimik, aus den Worten sprechen leise Zweifel. Die aktuelle Rangfolge aber stimmt auch hoffnungsfroh. Hildebrand weiß, dass auch Kahn und Lehmann als Nummer 3 bei großen Turnieren lernten.





So lebt, so fiebert, so feiert Hildebrand mit der Mannschaft. Nach dem ersten WM-Tor der deutschen Elf beim 4:2 gegen Costa Rica rückte der Ersatz vom Ersatz ins Blickfeld: Philipp Lahm stürmte nach seinem Traumtor zum „alten" Kumpel Timo. Auch Hildebrand jubelte wie entfesselt auf der Bank, strahlte vor Glück, und verabreichte dem groß aufspielenden Lahm die verdienten Streicheleinheiten. In den zwei gemeinsamen Stuttgarter Jahren sind aus Kollegen gute Freunde geworden.





„Die Erfahrung, die ich bei dem Turnier machen und mitnehmen kann, die möchte ich nicht missen", begreift sich Deutschlands Nummer 3 als Lernender. Frust ob seiner Rolle kommt nicht auf. Hildebrand ist Realist. Träumen wird er ab August. Träumen vom ganz großen Durchbruch. Von der Nummer 3 zur Nummer 1. Beim VfB hat Hildebrand das geschafft, sich gegen Marc Ziegler in der Erbfolge durchgesetzt und dann Franz Wohlfahrt abgelöst.





„Egal in welchem Stadion wir gespielt haben, die Stimmung war immer klasse. Dortmund war überragend, weil wir so kurz vor Schluss das Siegtor gemacht haben. Das war sehr emotional", schildert der Torwart sein Erleben bei der Deutschland-Reise.





Der Stilwandel, Klinsmanns Offensiv-Stil, der Power-Fußball kommt an, begeistert die Zuschauer wieder für die Nationalmannschaft. Das motiviert, das berauscht - auch die Leute aus der zweiten und der dritten Reihe. „Es ist schön zu sehen, wie die Mannschaft die Vorgaben des Trainers umsetzt", anerkennt der Stuttgarter.





Technik und Taktik, Einstellung und Kondition - die Basis, um auch das Achtelfinale am Samstag (17 Uhr) in München gegen Schweden zu meistern. Getragen aber wird die deutsche Mannschaft vor allem von ihrem Wir-Gefühl, glaubt Timo Hildebrand. „Die Stimmung im Team ist sensationell. Uns war immer klar, dass wir spielerisch nicht überragend sind, dass bei uns alles über den Teamgeist geht", sagt er.







KAMMC / KAMMC

Quelle:

Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
„Miro hat es allen gezeigt"

Ballack lobt Klose und Löw - Künstlername adelt Schneider



BERLIN (zkk). Das Vorurteil über das deutsche Mittelfeld: mangelhafte Kreativität. Das WM-Zwischenzeugnis vor dem Achtelfinale am Samstag (17 Uhr) in München gegen Schweden: überraschend kreativ.





Michael Ballack, der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft, relativiert das: „Alles muss sich stabilisieren und verbessern."





Für Kreativität made in Germany steht vor allem auch Bernd Schneider. Ein Straßen-Fußballer, der im Sport-Internat in Jena Fußball lernte, Taktik begriff, ohne seine Tricks zu vergessen. „Schnix" haben sie das verspielte Schneiderlein damals getauft. Ein Künstlername, der sein Spiel adelt. Heute weiß der 32-Jährige Fußball zu kreieren. „Ganz zufrieden bin ich noch nicht. 2002 war ich stärker. Ich ärgere mich schon über einige Abspielfehler", bekundet Schneider selbstkritisch. Vize-Weltmeister ist der Mann von Bayer Leverkusen vor vier Jahren geworden. Jetzt träumt er einen großen Sommertraum ...





Morgen trifft er einen früheren Leverkusener Club-Kollegen als Gegner wieder: Teddy Lucic. Der 33-Jährige ist eine feste Größe in der starken Vierer-Abwehrkette des Drei-Kronen-Teams. In Leverkusen war der nette Schwede nur zweite Wahl, kehrte frustriert zurück in die Heimat, kickt bei Provinz-Klub BK Häcken. „Teddy Lucic ist ein gestandener Abwehrspieler. Er hatte das Pech, in einer Zeit nach Leverkusen zu kommen, als wir als Mannschaft ganz schlecht gespielt haben", begründet Schneider das Scheitern.





Schneider, Frings, Ballack, Schweinsteiger - dem deutschen Mittelfeld ist Kreativität nicht abzusprechen. Das Quartett bürgt vor allem für Offensiv-Qualität. „Ein Tor schießen wir immer", behauptet Michael Ballack. Seine Sicherheitstheorie, das heißt das vernünftige Mittel zwischen Offensive und Defensive zu finden, soll helfen, im Turnier zu bleiben. „Ich glaube die Mannschaft hat an Sicherheit gewonnen, weil sie jetzt zweimal keine Gegentore bekommen hat. Wir wissen, dass die Spiele jetzt schwerer werden. Da kann ein Fehler schon das Aus bedeuten", warnt Ballack.





„Wir wissen, dass es ans Eingemachte geht", äußert der deutsche Mannschaftskapitän Respekt vor den Schweden. „Wir bekommen einen verbissenen Gegner. Wir kennen alle Spieler, sie sind sehr robust, sehr zweikampfstark. Sie entwickeln aus jedem Mannschaftsteil viel Druck."





Gute Noten erteilt der Kapitän Trainer-Assistent Joachim Löw. Der arbeite - ähnlich wie Michael Skibbe vor vier Jahren als Partner Rudi Völlers - sehr selbstständig. „Er ist eine absolute Respektsperson, hat hohes Fachwissen. Er ist kein typischer Co-Trainer, eher ein zweiter Trainer", urteilte Ballack.





Bei der gestrigen DFB-Pressekonferenz stimmte auch er ein Loblied auf die Entwicklung von Miroslav Klose an: „Wir haben ja lange in Deutschland nach so einem Top-Stürmer gelechzt. Man hat ,Miro" anfangs belächelt, er hat es aber allen gezeigt. Er hat das Zeug zu einem absoluten Ausnahmespieler!"





Ein englischer Reporter wollte gestern hören, in wie weit sich der künftige-Chelsea-Spieler schon mit dem neuen Premier League-Spielplan auseinandergesetzt habe, dem Auftakt gegen Manchester City. Ballack entschuldigte sich lächelnd: „Gar nicht. Mein Fokus liegt auf dem Achtelfinale am Samstag."





Riesenparaden konnte Jens Lehmann im bisherigen Turnierverlauf nicht zeigen. „Wäre das notwendig gewesen, wären wir jetzt nicht so optimistisch", sagte der Keeper in Anspielung auf die verbesserte Defensive. Und genießt das WM-Gefühl.







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Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
Wm-magazin



„Die Könige aus dem





Norden greifen an"





BREMEN (sid). Deutschland hat genug gefeiert, zumindest wenn es nach den Schweden geht. „Wir werden Euch die Party verderben", titelte die schwedische Tageszeitung Aftonbladet mit Blick auf das Achtelfinalspiel gegen den WM-Gastgeber am Samstag (17 Uhr) in München. Die Kampfansage an die DFB-Elf wurde sogar extra in Deutsch verfasst: „Achtung Deutschland! Die Könige aus dem Norden greifen an."





Während die Zeitungen für die eher martialischen Töne verantwortlich sind, formuliert es Schweden-Coach Lars Lagerbäck subtiler: „Wenn die Deutschen glauben, sie hätten im Vergleich zu England den leichteren Gegner erwischt, werden sie sich wundern. Wir sind mindestens genauso gut wie England." Tatsächlich scheinen sich die Skandinavier rechtzeitig zum Beginn der K.o.-Runde von einer monatelangen Schwächeperiode erholt zu haben. „Die zweite Halbzeit gegen England war das Beste, was wir hier bislang gespielt haben", erklärt Lagerbäck. Dagegen habe ihn das deutsche Team nicht übermäßig beeindruckt: „Sie haben eine stabile Mannschaft. Aber sie hatten bislang auch nicht die stärksten Gegner."





Im vierten WM-Duell gegen Deutschland (nach 1934/1:2, 1958/3:1 und 1974/2:4) soll wieder mal ein Sieg her. Und dabei kann Lagerbäck aus dem Vollen schöpfen. Denn auch Torjäger Zlatan Ibrahimovic (Adduktorenzerrung), wird wohl einsatzbereit sein. Lagerbäck hält sich bei dieser Personalie noch bedeckt: „Wir müssen bei Zlatan noch etwas abwarten". Allerdings war bereits zu beobachten, dass der Angreifer von Juventus Turin beim Training schon wieder topfit wirkte: kraftvolle Sprints, satte Distanzschüsse und spektakuläre Seitfallzieher - nach Problemen mit der Leiste sah das nicht aus.





Getroffen haben die Nordeuropäer zuletzt sogar besser ohne ihren Stürmerstar. Ausgerechnet als Ibrahimovic in der zweiten Halbzeit des Paraguay-Spiels (1:0) und gegen England (2:2) auf der Bank saß, fielen Tore. Fredrik Ljungberg, Marcus Allbäck und Henrik Larsson unterstrichen mit ihren Treffern, dass Schwedens Offensive keineswegs von ihrem Toptorjäger abhängig ist.
 
WM 2006

weltmeister-impressionen

Nach Wunder von Bern das Wunder von Berlin



Nachdem nun die Gruppenspiele alle gespielt sind, geht die Weltmeisterschaft erst richtig los. Von heute an gibt es nur noch K.-o.-Spiele. Auf Schützenhilfe kann keiner mehr hoffen, jeder ist auf sich selbst gestellt. Bei der WM 1954 hatten wir fast nur solche Spiele. Schon unser erstes gegen die Türkei mussten wir unbedingt gewinnen. Hätten wir es verloren, wäre es wohl nicht zum Wunder von Bern gekommen. Ich weiß noch, dass ich in diesen entscheidenden Spielen immer viel konzentrierter als in den anderen Begegnungen war.





Auf das Achtelfinalspiel am kommenden Montag zwischen Italien und Australien freue ich mich schon jetzt. Es ist leider das letzte WM-Spiel auf dem Betzenberg. Und obwohl ich natürlich hoffe, dass es ein spannendes Achtelfinale wird, so kann ich doch nicht so recht daran glauben. Ich erwarte einen Sieg der cleveren Italiener; sie werden sicher in der Abwehr stehen, ein Tor machen, und das wird es dann gewesen sein; daran werden die tapferen Australier, die so beeindruckend ihr Gruppenspiel gegen Japan auf dem „Betze" gewonnen haben, wohl nichts ändern können.





Ebenso sicher bin ich mir hinsichtlich des Ausgangs der Achtelfinalpartie zwischen Deutschland und Schweden: Unser Team wird gewinnen. Die Skandinavier haben hervorragende Fußballer und genießen in Deutschland und besonders in Kaiserslautern, wo früher der unvergessliche Ronnie Hellström und Roland Sandberg für den 1. FCK gespielt haben, große Sympathie. Auch ich schätze die beiden sehr. Aber auf dem Platz wird es keine Freundschaft geben, da wird unsere Nationalmannschaft mit vollem Einsatz spielen, um gegen die Schweden den Sieg zu erringen, und die deutschen Zuschauer werden im Münchner WM-Stadion geschlossen hinter ihr stehen.





Zuversichtlich stimmt mich bei dieser Weltmeisterschaft, dass die anderen wieder Respekt vor uns haben. Das konnte man beim Spiel der Schweden gegen die Engländer sehen. Da haben beide Mannschaften bis zur letzten Minute darum gekämpft, Gruppenerster zu werden, um uns so aus dem Weg zu gehen. Und die Engländer waren heilfroh, dass ihnen das gelungen ist. Die deutsche Mannschaft ist bei dieser WM auf dem besten Weg, eine Turniermannschaft zu werden; sie kann das Endspiel erreichen.





Und warum sollte es dann nach dem Wunder von Bern nicht auch ein Wunder von Berlin geben? Ich glaube daran. Doch bis dahin ist es noch ein langer und harter Weg.





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Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.144

Datum: Samstag, den 24. Juni 2006

Seite: Nr.24
 
Alter Schwede" ist „unkaputtbar"

Henrik Larsson eine Stütze im kompakten Drei-Kronen-Team - Teddy Lucic: Die Deutschen sind besser als ihr Ruf



MÜNCHEN (zkk). Schweden, heute (17 Uhr) in München Gegner der deutschen Fußball-Nationalmannschaft im WM-Achtelfinale, das ist ein Team, das Rasenschach der Marke Lars Lagerbäck praktiziert.





Der knapp 58-Jährige hat eine Mannschaft geformt, die in der Raute klar strukturiert ist. Die Vorzüge: kompakte taktische Disziplin, Kopfballstärke. Seit 1998 arbeitet der Verfechter des System-Fußballs als Nationaltrainer. Bis 1994 als kongenialer Partner von Tommy Söderberg, der nach der EM 2004 abgetreten ist. Nun ist der eher introvertierte Naturfreund alleinverantwortlich für das Drei-Kronen-Team. Lagerbäck hat sich den ehemaligen Nationalverteidiger Roland Andersson als Assistenten an die Seite gestellt. Mit Ruhe und Besonnenheit weiß der Routinier auf der Trainerbank notfalls auch handfeste Konflikte zu lösen. Wenn es um das große Ganze geht ...





Olof Mellberg, der Kapitän, eine Säule der Abwehrkette, und Fredrik Ljungberg, der Mann der wichtigen Tore, haben sich schon einmal eine heftige Schlägerei auf dem Trainingsplatz geliefert. Die TV-Kamera lief mit. Auch heuer soll es zwischen den England-Legionären gekracht haben. „Es gab keine Schlägerei, ganz sicher nicht", dementierte Mellberg. Er wirkt bei Aston Villa, Ljungberg spielt mit Jens Lehmann bei Arsenal London. Eine reizvolle Konstellation.





„Es war wichtig, dass gegen Paraguay der Knoten geplatzt ist. Das Tor hat uns einfach gefehlt. Du spielst, du rennst, du kämpfst und der Ball geht nicht rein. So war das ja auch im ersten Spiel gegen Trinidad und Tobago", reflektierte Freddie Ljungberg. Er ist - neben dem „unkaputtbaren" Fußball-Globetrotter Henrik Larsson und Zlatan Ibrahimovic - der Star des Ensembles. Ljungberg passt nach England. Mit seiner Pferdelunge ist er stets bereit, Kilometer runter zu reißen, am Flügel zu kleben, aber auch über die Halbposition auf des Gegners Tor zuzusteuern. Ljungberg ist einer, der Bälle anschaffen geht. Bälle, von denen Zlatan Ibrahimovic profitiert. Die WM war bislang allerdings sein Ding nicht. Schwach in den beiden ersten Spielen, beim großen 2:2 gegen England verletzt in der Zuschauerrolle - Ibrahimovic sah seinen Vertreter Marcus Allbäck treffen (und überzeugen). Allbäck, gegen Paraguay noch der personifizierte Chancentod, bereitete aber da immerhin Ljungbergs „goldenes Tor" vor, traf gegen England zum 1:1.





„Ich werde ja nicht fürs Tore schießen bezahlt, aber das war ein psychologisches Problem. Wir waren vier Spiele ohne eigenen Treffer", analysierte Andreas Isaksson. Der Torwart spielt mit Linksverteidiger und Ex-Karlsruher Erik Edman und Spielgestalter Kim Källström bei Stade Rennes in Frankreich. Källström ist 23, der neue Fan-Liebling und zuständig für die Spielkultur. „Diese Mannschaft hat viele Möglichkeiten. In jedem Spiel", sinniert Henrik Larsson (34). Der „alte Schwede" ließ auch beim 2:2 gegen die Engländer seine Qualitäten erkennen. Rochierend, gut zu Fuß und torhungrig, das zeichnet ihn aus. Vor einem Unterschätzen der Deutschen heute warnt Teddy Lucic. Bei Bayer Leverkusen ist der 33-Jährige sportlich gescheitert, im Konzept Lagerbäck aber eine gesetzte Größe. Lucic: „Ich habe es schon vor dem Turnier gesagt: Die Deutschen sind besser als ihr Ruf."





„Wir haben Respekt vor den Schweden. Sie haben viele erstklassige Spieler, die bei großen europäischen Vereinen spielen", würdigt Bundestrainer Jürgen Klinsmann den Gast.





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Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.144

Datum: Samstag, den 24. Juni 2006

Seite: Nr.22
 
atzverbot für Albtraum vom Ausscheiden

Heute im Achtelfinale gegen Schweden - Klinsmann verordnet Optimismus - Metzelder spielt wieder für Huth



BERLIN (zkk). Gibt es das Ende des deutschen Sommertraumes schon heute (17 Uhr) im WM-Achtelfinale in München gegen Schweden? Bundestrainer Jürgen Klinsmann verbietet sich und seiner Mannschaft solche Albträume.





„Ausscheiden? Ich denke in keiner Weise an so was. Das hat keinen Platz in unseren Köpfen!" Berlin ist das Ziel! Das Finale am 9. Juli. „Ein Land, das dreimal Europameister, das dreimal Weltmeister war, muss eine andere Zielsetzung haben. Wir haben einen Traum und tragen diesen Wunsch in unserem Herzen", schwelgt der Bundestrainer. Fast poetisch formuliert er hehre Ziele: „Unsere Erwartungen als Fußball-Nation hören nicht mit dem Achtel- oder Viertelfinale auf."





Auf die Losung, „Glaube kann Berge versetzen", baut und setzt das Trainergespann Klinsmann/Löw. „Wir haben das Gefühl, die Mannschaft hat einen wirklich großen Glauben an sich", sagt Klinsmann. Er glaubt an diesen Kader, an seine Klasse, an den Charakter, an die Einstellung jedes einzelnen Spielers.





Die Nominierung der 23 Spieler - es ist ein Glaubens-Bekenntnis in 23 Kapiteln: „Die Willenskraft ist da!" „Wir sind ein Team", brüllen sie nach harten Trainingseinheiten. Gelebte Symbolik. „Wir haben großartige Spieler, die auf dem Weg in die internationale Klasse sind, die dabei sind, sich international einen Namen zu machen", unterstreicht der Nationaltrainer. Beispiele: Miroslav Klose, Philipp Lahm, Bastian Schweinsteiger. Eine offene Liste ...





Einen großen Namen besitzt der Kapitän längst: Michael Ballack. „Er macht seinen Job perfekt", lobt der Bundestrainer den 29-Jährigen. Ballack ist einer, der sich intensiv mit seinem Job, seinem Sport, auch dem Gegner beschäftigt. Das Bemühen um Fachwissen schätzt auch sein bisheriger Trainer Felix Magath an dem „Chef". „Die Schweden spielen in der Raute, wir doch mehr im klassischen 4-4-2", analysiert der deutsche Kapitän die Unterschiede.





Die Mannschaft steht. „Alle 23 Mann sind fit", sagt Klinsmann. Gestern Nachmittag ist der DFB-Tross von Berlin-Tegel aus nach München geflogen. Im WM-Stadion stand am Abend das Abschlusstraining an. Ein paar Bilder für die Medien waren erlaubt, nach 15 Minuten fiel der Vorhang. Geschlossene Gesellschaft ... In der Innenverteidigung der deutschen Mannschaft ist heute ein Wechsel angesagt: Christoph Metzelder, beim 3:0 gegen Ecuador geschont, spielt anstelle von Robert Huth.





Klinsmann ist kein Trainer, der Statistiken quält. Klinsmann ist keiner, der in der Vergangenheit lebt und diese Zeiten glorifiziert. Aber manche Erfahrung, auch mit K.o.-Spielen, hilft ihm heute schon, seinen Job zu machen. Vorsorge als Fürsorge: „Ich habe positive und negative Erfahrungen gemacht. Zum Beispiel bei der WM in den USA: Wir hatten das Spiel gegen Bulgarien praktisch schon gewonnen. Dann haben wir zweimal gepennt und waren raus. Die Konsequenz: Wir hatten einen WM-Titel aus dem Fenster geschmissen. Dabei waren wir 1994 stärker als 1990 ..."





Stärker als 2002 ist Miroslav Klose. Vor vier Jahren schoss er bei der WM in Asien fünf Tore, heuer sind"s bis jetzt vier. Aber der 28-Jährige bot drei klasse Spiele. „Miroslav ist in sehr guter Verfassung. Und er hat sich ja auch sehr viel vorgenommen", sagt der Bundestrainer. Er hofft auf noch manchen Tor-Salto des Torjägers beim Turnier: „Wir geben ,Miro" nur die besten Haltungsnoten ..."





Trifft Klose heute, folgt der Salto. „Immer nach wichtigen oder schönen Toren." Und wichtig ist heute jedes Tor. „Ein frühes wäre hilfreich bei der Hitze", orakelt Offensiv-Verteidiger Philipp Lahm. „Die anderen spielen bei den gleichen Temperaturen, haben die gleichen Bedingungen", will Kapitän Ballack keine Alibi-Diskussionen. Bastian Schweinsteiger: „In Schweden ist es ja auch nicht so warm ..." Ob 90 oder notfalls 120 Minuten plus Elfmeterschießen - für Klinsmann ist das kein Problem: „Wir haben hart gearbeitet. Das zahlt sich jetzt aus."





So spielen sie





Deutschland: Lehmann (Arsenal London/36 Jahre/35 Länderspiele) - Friedrich (Hertha BSC Berlin/27/39), Mertesacker (Hannover 96/21/26), Metzelder (Borussia Dortmund/25/24), Lahm (Bayern München/22/21) - Schneider (Bayer Leverkusen/32/67), Frings (Werder Bremen/29/55), Ballack (Bayern München/29/67), Schweinsteiger (Bayern München/21/31) - Klose (Werder Bremen/28/58), Podolski (1. FC Köln/21/28)





Schweden: Isaksson (Stade Rennes/24/41) - Alexandersson (IFK Göteborg/34/90), Mellberg (Aston Villa/28/67), Lucic (BK Häcken/33/84), Edman (Stade Rennes/27/40) - Linderoth (FC Kopenhagen/27/61) - Wilhelmsson (RSC Anderlecht/26/32), Källström (Stade Rennes/23/37), Ljungberg (Arsenal London/29/60) - Ibrahimovic (Juventus Turin(24/40), Larsson (FC Barcelona/34/92)





Schiedsrichter: Simon (Brasilien).





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Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.144

Datum: Samstag, den 24. Juni 2006
 
Deutschland nach 2:0 gegen Schweden im Viertelfinale

Lukas Podolski schießt Tür nach Berlin auf



München (zkk). Deutschland steht nach dem 2:0 (2:0)-Sieg gegen Schweden im WM-Viertelfinale. Das Tor nach Berlin aufgeschossen hat Lukas Podolski mit einem Doppelpack. Beide Treffer arbeitete der überragende Miroslav Klose heraus.





Lukas Podolski schoss die deutsche Mannschaft mit einem Doppelschlag binnen acht Minuten zur Pausenführung. Der Mann des Spiels, Primus auf dem Rasen aber war Miroslav Klose. Der Bundesliga-Torschützenkönig ebnete nicht nur beiden Treffern die Bahn, der Bremer bestach mit seiner Explosivität im Antritt, seiner Lufthoheit, großer Technik und Übersicht. Das war bis zur Pause Weltklasse! Und danach, als in Überzahl die Zeit der Ergebnisverwaltung angebrochen war, war seine Leistung noch immer herausragend.





4. Minute: Michael Ballack, sofort präsent, stark im zweiten Stock, treibt die Mannschaft nach vorne, der Pass findet Klose, gegen seinen Turbo-Antritt haben Teddy Lucic und Erik Edman nichts zu bestellen, Torwart Andreas Isaksson wehrt heldenhaft ab. Das Glück des Tüchtigen bringt Podolski an der Kante des Sechzehnmeterraums ins Spiel, der Kölner fackelt in seiner künftigen Heimat ab - 1:0!





12. Minute: Wieder geht „Miro" Klose für Podolski den Ball anschaffen, serviert in bester Spielmachermanier - 2:0.





Bis zur 18. Minute erspielt die wie entfesselt gestartete deutsche Mannschaft Chancen im Sechs-Minuten-Takt. Ballack und Klose, die beiden Besten, bleiben aber ohne Schussglück.





Gegen Klose sah der Ex-Leverkusener Teddy Lucic ganz alt aus. Nach seiner Textilbremse in der 35. Minute quittierte der 33-Jährige die Ampelkarte. Trainer Lars Lagerbäck reagierte. Regisseur Kim Källström, im Schatten Ballacks nur Statist, wurde geopfert. Petter Hansson kam und rückte zu Kapitän Olof Mellberg ins Abwehrzentrum.





Für einen ersten, kleinen Bruch im Spiel der Deutschen sorgte Arne Friedrich. Der Berliner war gut in die Partie gekommen, stand zunächst sehr gut gegen Frederik Ljungberg. Die Schwachstelle schien kuriert, dann aber der fatale Fehlpass am eigenen Sechzehnmeterraum. Das Löschkommando in Gestalt von Christoph Metzelder kam gegen Henrik Larsson im letzten Moment. Und Ballack, höchst erregt, faltete den Kollegen Friedrich verbal heftig zusammen. Was den aber nicht sicherer machte. In der 43. Minute verlor der Herthaner einen Zweikampf mit Larsson, Jens Lehmann ließ den Ball durchrutschen, doch der aufmerksame Tempomacher Philipp Lahm hatte aufgepasst und wusste zu klären. Drei Minuten vorher hatte Torwart Lehmann den Ball in höchster Not zur Ecke „gepatscht", als sich Zlatan Ibrahimovic an Metzelder vorbei gedreht hatte.





Metzelder war es auch, der in der 53. Minute mit einem Foul an Larsson die zehn Schweden fast noch einmal zurück ins Spiel gebracht hätte. Den Elfmeter aber drosch Larsson weit über das deutsche Tor. „Fußball ist, Tore zu schießen. Wir haben keine geschossen", klagte der Schwede nach seinem Versagen.





Die zweite Halbzeit sah eine souveräne, aber nicht mehr so glanzvolle deutsche Mannschaft. Bernd Schneider, dem nun einiges missriet, und Bastian Schweinsteiger vermochten nicht mehr den Flügelschwung zu entwickeln, Podolski ließ nach. Kloses Tatendrang wurde nicht belohnt, zwischen dem schussgewaltigen Ballack und dem großartig haltenden Andreas Isaksson entwickelte sich ein sehenswertes Privatduell. Schwedens Bester hatte Glück, dass Ballack (55.) und Schneider (84.) nur den Pfosten trafen.





Beeindruckend die Strategie, mit der Torsten Frings das deutsche Spiel neben und hinter Ballack sortierte. „Super, dass wir gleich die zwei Tore gemacht haben. So konnten wir das Spiel kontrollieren", sagte der Bremer. „Im Viertelfinale aber werden wir sicher nicht so viele Chancen bekommen..."





So spielten sie





Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Schneider, Frings (85. Kehl), Ballack, Schweinsteiger (72. Borowski) - Klose, Podolski (74. Neuville)





Schweden: Isaksson - Alexandersson, Mellberg, Lucic, Edman - Linderoth - Jonson (53. Wilhelmsson), Ljungberg - Källström (39. Hansson) - Ibrahimovic (72. Allbäck), Larsson





Tore: 1:0 Podolski (4.), 2:0 Podolski (12.) - Gelbe Karten: Frings - Allbäck, Jonson - Gelb-rote Karte: Lucic (35.) - Beste Spieler: Klose, Ballack, Frings, Podolski - Isaksson, Linderoth - Zuschauer: 66.000 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Simon (Brasilien).







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Publikation: Sonntag Aktuell
 
Stimmen und Stimmungen

Ein Klose-Salto für Podolskis Führungstor



„Besser als wir angefangen haben, kann man nicht spielen. Das konnte besser nicht sein!" So schwärmte Bundestrainer Jürgen Klinsmann nach dem Einzug seiner Mannschaft ins WM-Viertelfinale. Horst Konzok fing Stimmen und Stimmungen nach dem 2:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen Schweden in München ein.





Salto in der 4. Minute: „Miro" Kloses Kultsprung - und das nach einem Tor seines Stürmerkollegen Lukas Podolski. „Ich hab" den Salto gemacht, weil ich den Pass gespielt habe", frohlockte Klose, gestern bester Mann, nach dem Coup. Beide Tore hatte Klose vorgelegt.





„Ich bin absolut zufrieden. Es ist ein schönes Gefühl, von Anfang an befreit aufspielen zu können. Besser konnte es gar nicht laufen", sagte Deutschlands Top-Stürmer im Gespräch mit Sonntag aktuell. Klose: „Das Spiel hat gezeigt, dass wir uns von Spiel zu Spiel als Mannschaft gesteigert haben."





„Das Zusammenspiel von ,Miro" und mir wird immer besser. Wir trainieren das und wurden auch heute belohnt. Die Euphorie wird immer größer. Jetzt ist alles möglich", erklärte Podolski nach seinen WM-Toren Nummer zwei und drei. Dass er in München traf, ließ den Bald-Bayer besonders strahlen: „Das ist mein neues Stadion. Ich freu" mich riesig über die Tore."





„Ich habe vor drei Jahren noch in der A-Jugend gespielt. Hätte ich damals gesagt, dass ich bei der WM 2006 nach vier Spielen drei Tore haben würde, hätten sie gesagt: Der ist doof", meinte der 21-Jährige lachend. Ihn ärgert aber, dass er zu WM-Beginn gleich ob seiner Ladehemmung in der Kritik stand: „So ist das in Deutschland, gleich rechnen sie die Minuten zusammen, in denen du nicht triffst. Ich wusste aber immer: Ich treffe wieder!"





„Wenn ,Miro" Torschützenkönig wird, dann gönn" ich ihm das. Es ist aber nicht wichtig, wer Torschützenkönig wird. Wir wollen Weltmeister werden", präzisierte Podolski.





Zerknirscht gab sich Schwedens Trainer Lars Lagerbäck nach dem Aus im Achtelfinale. „Ich möchte nicht viel über den Schiedsrichter sprechen, aber er hat uns benachteiligt. Der Platzverweis von Teddy Lucic war überzogen. Mit zehn Mann bei 0:2 gegen starke Deutsche zu spielen, das ist schwierig", sagte Lagerbäck. „Was unseren Rhythmus unterbrochen hat, das war lustigerweise der Platzverweis der Schweden. Dann kam der Elfmeter dazu, das Spiel hätte noch einmal kippen können", reflektierte der Bundestrainer mit Blick auf Henrik Larssons Fehlschuss in der 53. Minute. Jürgen Klinsmann: „Es ist fantastisch. Die Mannschaft wird von Spiel zu Spiel besser. Die Zuschauer tragen uns auf einer Wolke!"





„Das war kein Elfer. Geht der Ball rein, wird es noch mal ein enges Spiel", meinte Christoph Metzelder, der den Strafstoß verursacht hatte, sein Duell mit Larsson anders als Schiedsrichter Carlos Simon aus Brasilien bewertete.





„Ich war überrascht, dass das so schnell ging. Das Turnier geht weiter, wir müssen sehen, dass die Spieler ihre Freizeit bekommen und uns dann neu konzentrieren. Noch haben wir nichts erreicht", sagte Teammanager Oliver Bierhoff und lenkte den Blick bereits auf das Viertelfinale.





„Beim ersten Mal in München hatte ich noch Probleme mit der Situation, auf der Bank zu sitzen. Ich habe mich aber mit der Rolle arrangiert und versuche der Mannschaft zu helfen, wo ich kann. Wir haben ein super Team", reflektierte Ersatz-Keeper Oliver Kahn das Spiel und seine Lage: „Ich bin in der Situation nicht wichtig!"





„Ich freue mich, dass die WM für uns und für mich weiter geht. Ich bin den Trainern dankbar, dass sie immer hinter mir gestanden haben", bemerkte Arne Friedrich. Kapitän Michael Ballack: „Man spürt als Spieler: Hier kann nichts mehr passieren. Wir haben ein gutes Spiel gemacht. Wir haben sehr gut aus der Abwehr heraus kombiniert."







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Publikation: Sonntag Aktuell
 
ANSTOSS

Brot und Spiele



Deutschland im Freudentaumel, Deutschland im WM-Viertelfinale. Mit dem 2:0 gegen Schweden nahm die deutsche Nationalmannschaft die Achtelfinal-Hürde. Der nächste Fußball-Feiertag steigt am Freitag (17 Uhr) im Berliner Olympiastadion.





Der Verlauf der WM 2006, die vier bisherigen Auftritte der Mannschaft um Kapitän Michael Ballack, haben die Personalentscheidungen des Trainerstabes bestätigt. Oder - wie im Fall der Nummer 1 - zumindest nicht widerlegt. Jens Lehmann kassierte in 360 Minuten zwei Tore. Schuld an den Gegentoren gegen Costa Rica trug er nicht. Einer Unsicherheit gegen die Polen ließ der 36-Jährige die bei ihm nicht unüblichen kleinen Konzentrationsschwächen gegen Ecuador folgen. Gestern gingen zwei Abschläge daneben, eine Eingabe verpasste er. Besser als Kahn?





Das Achtelfinale im Münchner Fußball-Tempel sah drei das Spiel prägende und entscheidende Figuren: Michael Ballack, den Pass-und Ideengeber, die mitreißende Leitfigur. Miroslav Klose, der in der ersten Halbzeit Fußball wie von einem Stern zelebrierte, beide Tore vorlegte. Und eben Lukas Podolski, der beide Treffer erzielte.





Das WM-Turnier 2006 - es ist die Fortsetzung der Aussöhnung der Nationalmannschaft mit ihrer riesigen Fan-Gemeinde. Das Erleben, auch des Jugend-Stils, hat Unterhaltungswert. Schöne Stunden im sonnigen Deutschland. Momente, die die Identitätskrise eines Landes ein wenig in den Hintergrund drängen. Der Fußball als Freizeitvergnügen. Brot und Spiele. Horst Konzok







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Publikation: Sonntag Aktuell
 
Meister- und Gesellenbrief im Doppelpack

Lukas Podolski ist als Lausbub real und als „Prinz Poldi" eine Boulevard-Erfindung



Von unserem Redakteur





Horst Konzok





BERLIN. Lukas Podolski spielt am liebsten sich selbst: der Profi als Lausbub. Ein Millionär in kurzen Hosen. In der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bekam der 21-Jährige vor seinen drei WM-Toren einen Vorgeschmack auf seine Zeit bei Bayern München: Der Druck wächst.





In Köln ist er „Prinz Poldi". Ein kleiner König. Auch den zweiten Abstieg des 1. FC Köln, den der Stürmer miterlebte, macht keiner an ihm fest: Vor zwei Jahren war er Lehrling, diesmal Kapitän. Dass er nach den beiden ersten WM-Spielen in der Kritik stand - für Lukas Podolski nicht nachzuvollziehen. Miroslav Kloses öffentlich gemachte Forderung - „Lukas muss mehr aus der Bewegung kommen" - mag Podolski partout nicht als Anpfiff des Älteren verstehen. „Er hat mich gar nicht kritisiert", wertet der Noch-Kölner all das als Fehldeutung der Medien. „Ich habe Spieler und Trainer um mich, deren Meinung ist wichtiger als die der Medien", kontert der Angreifer. Beim 3:0 gegen Ecuador markierte er den letzten Treffer, beim 2:0 gegen die Schweden schnürte der Mann mit der Rückennummer 20 einen Doppelpack. Podolski trotzig: „Ich musste nichts beweisen. Ich wusste, irgendwann wird das Tor fallen."





Ob Trainer oder Management - in der Führung der Nationalmannschaft besitzt der Stürmer eine Lobby. Das beruhigt. Auch bei Ladehemmung muss der begabte Angreifer nicht gleich um seinen Platz bangen. Oliver Neuville, Gerald Asamoah und Mike Hanke - Ersatz-Lösungen. Podolski ist gesetzt. Fast so sicher wie Miroslav Klose.





„Lukas ist kaltschnäuzig, schnell, er hat einen guten Schuss", attestiert Teammanager Oliver Bierhoff. Der gewesene Stürmer weiß natürlich auch um die Defizite des jungen Hüpfers im Kombinationsspiel, kennt auch das gedankliche Ausklinken. Aber er ist gerade erst 21 geworden, er ist Lehrling - auf hohem Niveau. Das ist so einer der Hochbegabten seiner Zunft, der Meister- und Gesellenbrief auf einmal machen soll, kann und will. Bierhoff: „Lukas ist sehr clever. Er ist wahnsinnig ehrgeizig. Die Belohnung hat er jetzt im Spiel bekommen."





Jürgen Klinsmann verfolgt mit seinem favorisierten Stürmer-Paar eine Vision. „Wie Rudi Völler und ich" sollen Podolski und Klose einmal werden. „Die Automatismen müssen sich entwickeln", sagt der Bundestrainer, überzeugt von der Klasse und den Fähigkeiten beider.





„Mich freut, dass sie bei den beiden Toren gegen Schweden miteinander gespielt haben", lobt Bierhoff das zuvor oft noch unterentwickelte Miteinander. Ein weiterer Punkt im Forderungskatalog wurde somit erfüllt, das stärkt die Zuversicht mit Blick auf die Viertelfinal-Hürde Argentinien am Freitag (17 Uhr) im Berliner Olympiastadion.





Vom neuen deutschen Traumsturm, von den Hymnen auf Klose und Podolski, mag der künftige Bayern-Star noch nichts wissen und hören. „Klar, dass jetzt jeder von einem Traumsturm spricht. Vor einer Woche aber wurde noch alles kritisiert. Wir haben gegen Schweden ein ganz ordentliches Spiel gemacht. Wir können und wir müssen uns noch steigern", sagt der 21-Jährige - fast schon in des Trainers Diktion.





Lukas Podolski - ein Talent. Aber auch ein Medien-Star, der vermarktet wird. Podolski ist noch ziemlich echt, „Prinz Poldi" eine Erfindung des Boulevards. Das macht sich die Werbeindustrie zunutze. Das Management des Profis, der zum deutschen Pop-Fußballer aufgebaut wurde, nutzte diese Chance - ohne Rücksicht auf die Karriere. „Ich mach" mir keinen Kopf", pflegt der „kölsche Jung" mit polnischen Wurzeln in Zeiten mit Gegenwind gerne kess zu sagen. In den ersten WM-Tagen hat er das auch gesagt - und erkannt, wie schnell sich der Wind drehen kann. Und wie schnell Schulterklopfer die Seiten wechseln.







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Publikation: DIE RHEINPFALZ
 
„Deutschland ist stark, sehr stark - aber wir sind besser"

Ausgelassene Stimmung bei Argentinien - Trainer Pekerman sind eigene Schwächen nicht verborgen geblieben



HERZOGENAURACH (sid). Sie lachen im Training, sie scherzen mit den Fans, und sie kokettieren mit der Presse: Die Stimmung im Lager der argentinischen Fußball-Nationalmannschaft könnte vor dem Duell gegen Deutschland kaum gelöster sein.





„Deutschland ist stark, sehr stark", sagt Juan Pablo Sorin mit ernster Miene. Dann aber lächelt der Kapitän der Albiceleste plötzlich und betont mit fester Stimme: „Aber wir sind besser."





Sätze wie diese bekommt man derzeit von jedem „Gaucho" zu hören. „Die Deutschen haben uns gegen Schweden beeindruckt", sagt Stürmer Javier Saviola, „aber wir werden trotzdem gewinnen." Maxi Rodriguez, im Achtelfinale gegen Mexiko mit seinem spektakulären Volley-Treffer zum 2:1 der Matchwinner, ergänzt: „Wir können jede Mannschaft der Welt schlagen, auch Deutschland."





Sprach"s, und verabschiedete sich erst mal in den freien Montagnachmittag. Die Heimat erwartet wie selbstverständlich einen Sieg. Zwar ist auch am Rio de la Plata die Renaissance des deutschen Fußballs mit Staunen verfolgt worden. Doch ein Ausscheiden der Stars in Weiß und Himmelblau wird gar nicht erst diskutiert. Stattdessen stimmt sich Argentinien mit markigen Worten auf die „deutschen Kolosse" (Clarin) ein. „Ihr müsst sie schlagen", fordert Edel-Fan Diego Maradona: „Ich will Revanche für 1990." Der größte argentinische Fußballer verließ vor 16 Jahren nach dem 0:1 in Rom unter Tränen den Platz, nachdem der Weltmeister von 1986 seinen Titel an Deutschland verloren hatte. Sorin denkt viel lieber an das 3:2 im Finale 1986 zurück. „Ich habe das entscheidende Tor von Jose Luis Burruchaga damals gesehen. Es hat mich als Fan und Spieler geprägt", sagt er, und deshalb ist für ihn klar: „Wir wollen den Sieg wiederholen. Das Zeug dazu haben wir."





Hinter der zur Schau gestellten Gelassenheit verbergen Sorin und Co. aber auch Zweifel. Trainer Jose Pekerman sind die eigenen Schwächen gegen Mexiko nicht verborgen geblieben. Innenverteidiger Gabriel Heinze hatte einen ganz schwachen Tag, sein Partner Roberto Ayala fand nur sehr langsam in die Partie, und auf der rechten Seite spielte Lionel Scaloni so schwach, dass Pekerman gegen Deutschland wohl auf den wieder genesenen Nicolas Burdisso setzen wird.





Auch der zweite Rekonvaleszent, Luis Gonzalez, hat gute Chancen auf einen Einsatz, weil Esteban Cambiasso im rechten Mittelfeld kaum überzeugte. Die größte Stärke der Argentinier liegt im Angriff. Das etatmäßige Offensiv-Trio mit Regisseur Juan Roman Riquelme und den Spitzen Javier Saviola und Hernan Crespo spielte in der Vorrunde bei den Siegen gegen die Elfenbeinküste (2:1) und Serbien (6:0) groß auf - ehe es gegen Mexiko von seltsamer Lethargie befallen wurde.





„Lasst doch endlich Lionel Messi von Beginn an spielen", fleht Maradona deshalb. Doch Pekerman schätzt den Jungstar genau wie Pablo Aimar und Carlos Tevez als idealen Einwechselspieler, der ein Spiel mit überraschenden Offensivaktionen drehen kann - zumal Argentinien in der deutschen Defensive Schwächen ausgemacht hat. „Sie sind nicht mehr so solide wie früher", findet Sorin. Diese Probleme gelte es zu nutzen, fordert Saviola.







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Blanko-Scheck nach dem Pech-Abo

Metzelder bei Klinsmann gesetzt



BERLIN (zkk). Wir sind ein Team! Schlagwort. Und Schlachtruf. Die deutsche Nationalmannschaft beschwört den Teamgeist als Erfolgsgeheimnis. „Erstaunlich, wie das funktioniert", schwärmt Abwehrspieler Christoph Metzelder vom kollegialen, oft gar freundschaftlichen Miteinander.





Thomas Hitzlsperger, einer von denen, die noch keine WM-Sekunde spielen durften, hat seine Rolle angenommen. „Kurz vor dem Spiel gegen die Schweden, fünf Minuten bevor wir raus sind, hat er kurz zur Mannschaft gesprochen", erzählt Metzelder von der Motivationstechnik des Bundestrainers. Indem er den zweiten Anzug einbezieht, weckt Klinsmann den besonderen Geist in der Mannschaft.





„Jürgen Klinsmann hat die Mannschaft von seinem Weg, seinem Stil überzeugt", bekennt Metzelder. Er hat den größten Vorschusslorbeer des Bundestrainers mit auf den Weg bekommen. Denn seit der Vize-Weltmeisterschaft 2002, bei der Metzelder den Sprung in die internationale Güteklasse schaffte, beutelte ihn das Verletzungspech. Bei Borussia Dortmund war der 25-Jährige lange im Leistungsloch. In der Bundesliga-Rückrunde saß Metzelder meist draußen. Seinen Stammplatz neben dem gesetzten (und bei Klinsmann aussortierten) Christian Wörns hatte er an Markus Brzenska verloren. „Der Bundestrainer hat mir immer sein Vertrauen geschenkt", bemerkt Metzelder dankbar. Im Verhältnis zu BVB-Trainer Bert van Marwjik tut sich nun aber ein tiefer Graben auf.





Metzelder ist bei Klinsmann gesetzt. Aber es ist noch längst nicht der Metzelder in der Form von 2002. Beim 4:2 gegen Costa Rica war der Abwehrmann zumindest an einem Gegentor beteiligt. Beim 1:0 gegen Polen spielte der Lokalmatador gegen BVB-Kollege Smolarek stark, wurde gegen Ecuador geschont. Im Achtelfinale gegen die Schweden fiel wieder ein dunkler Schatten auf den Auftritt des klugen Kopfes, den Ibrahimovic ein-, zweimal alt aussehen ließ. „Wenn der Elfmeter rein geht, kann das Spiel kippen", sagte Metzelder, der den Strafstoß an Henrik Larsson verursacht hatte. Dessen Schuss in die Wolken ersparte ihm eine neue Diskussion.





Jetzt geht"s gegen Argentinien. Mit Crespo und Saviola, Messi und Tevez in der Hinterhand. Metzelder: „Ich möchte nicht, dass die WM für uns am Freitag schon zu Ende ist ..."







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WM-Magazin



Köpke: „Stimmung unter





den Torhütern ist optimal"





MÜNCHEN (sid). Andreas Köpke ist überzeugt davon, dass es während der WM keine Dissonanzen zwischen den deutschen Torhütern Jens Lehmann und Oliver Kahn geben wird. „Die Stimmung unter den Torhütern ist wirklich optimal", sagte der Bundestorwarttrainer.





Auch wenn sich Kahn jüngst in Interviews noch einmal unzufrieden über seine Rolle als Nummer zwei geäußert hat, würde dies die Atmosphäre in der Mannschaft nicht belasten. „Es ist so, dass wir es wirklich verstanden haben, richtig gute Stimmung reinzubekommen", meinte der Europameister von 1996 und äußerte gleichzeitig Verständnis dafür, dass sich Kahn bei der Euphorie auch innerhalb der Mannschaft zurücknimmt: „Das fällt natürlich Oliver Kahn wesentlich schwerer, wenn es dann losgeht, wenn das Spiel kommt und er sich auf die Bank setzen muss, während der Jens ins Tor geht."





Köpke zeigte sich aber hoch erfreut darüber, „dass Oli wirklich umsetzt, was er bei seiner Pressekonferenz damals angekündigt hat und damit auch unheimlich wichtig für die jungen Spieler ist". Der Umgang mit dem 37-Jährigen sei für ihn zudem völlig problemlos: „Ich kenne den Oliver schon sehr lange und ich weiß auch, wann er in Ruhe gelassen werden muss, vor allen Dingen am Spieltag. Man merkt, wann er sich zurückziehen will und braucht dann auch nicht großartig mit ihm reden. Es ist sicherlich eine ganz bittere Situation für ihn, aber er meistert das im Moment hervorragend."





WM-Sprüche





„Wenn wir beim VfB gesagt haben, dass die Spieler im Klubanzug kommen sollen, dann kam Jürgen Klinsmann sicher im bunten Hemd und mit grüner Krawatte. Das ist Jürgen Klinsmann."





DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder über die Eigenheiten des Bundestrainers. (sid)





„Ich könnte ihnen schon empfehlen, meine Karriere einzuschlagen, wenn sie in Kauf nehmen, angegriffen und ausgebuht zu werden."





DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder zu einem Journalisten. (sid)







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Abwehrriese als feste Größe

Deutsche Zuversicht vor Viertelfinale gegen Argentinien



BERLIN (zkk). Die neue deutsche Welle rollt: Optimismus, Glauben an die eigene Stärke. „Keiner von uns denkt über ein Ausscheiden nach", versichert Torsten Frings vor dem WM-Viertelfinale der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Freitag (17 Uhr) im Berliner Olympiastadion gegen Argentinien.





Die Mannschaft von Josè Pekerman gilt als Titelfavorit Nummer 2 - hinter Rekord-Weltmeister Brasilien. Zweimal spielten die Deutschen in den letzten zwei Jahren gegen die Südamerikaner. Es gab zwei Unentschieden. Zweimal aber spielten die Deutschen ohne ihren seit Monaten besten Stürmer: „Miro" Klose - der gestern ebenso wie Kapitän Michael Ballack nicht mit der Mannschaft trainierte, ein spezielles Fitnessprogramm absolvierte - soll den Unterschied machen.





„Fakt ist, dass wir heute stärker sind", behauptet denn auch Torsten Frings. Und: „Wir waren zweimal fast die bessere Mannschaft." Körperlich wähnt er sich und seine Kollegen „auf dem höchsten Stand". „Diese Mannschaft kann 90 - und wenn es sein muss, auch 120 Minuten - voll gehen", proklamiert der Bundestrainer.





Die weltweit positiven Kritiken, in drei WM-Spielen in Folge ohne Gegentor geblieben - Faktoren, die der Seele der Mannschaft gut tun. „Das ist ein großes Kompliment für die Mannschaft, auch weil das Gelaber über die schlechte Abwehr aufgehört hat", bekundet Frings. Innenverteidiger Per Mertesacker: „Klar, das fühlt sich gut an! Wir haben als Mannschaft gut gestanden, haben uns über den Mannschaftsverbund Selbstvertrauen geholt." Einen weiteren Pluspunkt der verringerten Defizite nennt der Hannoveraner augenzwinkernd: „Wir haben jetzt nicht mehr so viele Videoanalysen ..."





Deutschland gegen Argentinien - das ist das Duell Goliath gegen David. Mertesacker (1,98 Meter) und Christoph Metzelder (1,93 Meter), die beiden deutschen Innenverteidiger, treffen auf die beiden Sturm-Asse Javier Saviola (1,68 Meter) und Hernan Crespo (1,84 Meter). Fußballerische Riesen sind die beiden stürmenden Joker: Lionel Messi (1,69 Meter) und Carlos Tevez (1,68 Meter).





„Gegen Saviola ist es immer schwer zu spielen, weil sein Körperschwerpunkt tiefer liegt", erklärt Mertesacker. Der Längste im deutschen Team ist eine feste Größe in der Nationalmannschaft, nennt den Weg, um die favorisierten Südamerikaner vom Kurs abzubringen: „Wir müssen sie zu langen Bällen zwingen. Da stehen wir ganz gut ... Bei Eins-zu-Eins-Situationen wird es schwieriger."





Eine Schlüsselrolle dürfte Torsten Frings in der Mittefeld-Zentrale zufallen. Dort kreuzt sich sein Weg mit dem von Roman Riquelme. Er ist der Mann, der den „tödlichen" Pass beherrscht. Er ist der klassische Spielmacher, der „Zehner". „Natürlich werde ich auf ihn treffen. Aber wir dürfen nicht den Fehler machen, alles an Riquelme festzumachen. Die haben lauter Spitzenleute", sagt Frings. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich 90 Minuten lang hinter Riquelme her rennen muss", setzt der Bremer darauf, das eigene Offensivspiel mit zu pflegen. „Es macht richtig Spaß, für Deutschland zu spielen. Und es ist nach wie vor eine große Ehre für mich."







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Klose: Pech der Argentinier

Ex-Hockeyer Alex Schütt Manager des „neuen Miro"



BERLIN (zkk). Miroslav Klose überrascht. Fast jeden Spieltag bei dieser Fußball-WM. Und auch gestern, als er keck bei der DFB-Pressekonferenz prognostizierte: „Argentinien, das ist eine Top-Mannschaft. Die waren der WM-Favorit. Jetzt haben sie leider das Pech, auf uns zu treffen ..."





Da ist er, das ist er. Der neue Klose. Der gereifte Klose. Der selbstbewusste Klose. Kein Sprücheklopfer. Eher einer mit feinsinnigem, mit englischem Humor. Einfach nur pointiert. Dieser Stil gefällt auch Oliver Kahn. Als Kapitän der Nationalelf hat er bei der WM 2002 einen ruhigen, zurückhaltenden „Miro" kennen gelernt. „Er war die Überraschung des Turniers", erinnert sich Kahn. Und ist begeistert vom Quantensprung des nun 28-Jährigen. „Miro hat sich ja nicht nur sportlich entwickelt, sondern auch als Persönlichkeit."





Die Mentalität des Stürmers, dessen unbeugsamer Wille, das Streben nach Perfektion begeistert Kahn. „Was ich an ihm so mag, das ist sein Ehrgeiz, die Ruhe, die er dennoch ausstrahlt. Und dass er seinen Worten Taten folgen lässt."





In den beiden jüngsten Länderspielen gegen Argentinien fehlte Klose. „Diesmal sind wir stärker", bläfft deshalb auch Kollege Torsten Frings. „Wenn wir sie permanent unter Druck setzen, dann machen sie auch Fehler", nennt Klose Rezepte.





Die Stürmer der Argentinier schätzt er: „Saviola ist am Ball sehr stark. Crespo ist immer für ein Tor gut. Den sieht man ein ganzes Spiel nicht, dann ist er da, knipst das Tor! Wie van Nistelrooy." Über die Abwehrspieler mag der deutsche Torjäger nicht lange reden: „Da mache ich mir keine Gedanken. In der Verfassung, in der ich im Moment bin, muss ich mich vor niemandem verstecken."





Über die Zukunft des deutschen Top-Stürmers darf spekuliert werden. Fakt ist: Der Vertrag des 28-Jährigen bei Werder Bremen läuft bis 2008. Fakt ist: Klose gefällt es in Bremen. Fakt ist: Klose will ins Ausland. Nicht nach Irgendwo, sondern zu einem Verein des Hoch-Adels.





„Miro tritt im Moment bei allem auf die Bremse. Er ist total erfolgsorientiert. Er will sich absolut auf die WM konzentrieren", sagt Alex Schütt. Der ehemalige Hockey-Nationalspieler, der bei der TG Frankenthal und beim Dürkheimer HC spielte, gehört seit vier Jahren zum Mitarbeiterstab Kloses. Seit WM-Beginn sieht Klose in Schütt seinen Berater für alle Fragen, und erklärt die Bindung zu Ballack-Manager Michael Becker als beendet.





„Miro hat alle Trümpfe in der Hand", beschreibt Schütt das Werben um den Nationalstürmer. Wird das Thema Thema, wird es nur zum Thema, wenn Werder Bremen mitspielt. Noch nennt ihn Werder-Manager Klaus Allofs unverkäuflich. Das hatte der auch bei Micoud gesagt.





Weiter Werder? Oder doch Manchester United? Real Madrid? AC Mailand? Oder am Ende gar der FC Bayern München? Für Klose heißt das Thema Argentinien. So beendete er gestern seinen Auftritt, wie er ihn begonnen hatte: „Gewinnen, das ist unser Thema Nummer 1. Es ist leider das Pech der Argentinier, dass sie uns jetzt bekommen ..."







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Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.148

Datum: Donnerstag, den 29. Juni 2006

Seite: Nr.21

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Löw: Argentiniern auf die Nerven gehen

Co-Trainer nennt Wege zum Sieg



BERLIN (zkk). Der nächste Gegner ist der schwerste. Gleich, ob Sepp Herberger den Satz kreierte oder auch nur übernahm und nachbetete: Argentinien ist morgen (17 Uhr) im WM-Viertelfinale ganz sicher der schwerste Brocken, den die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in diesem Turnier bisher zu besiegen hatte.





„Das ist die eingespielteste, die homogenste Mannschaft bei dieser WM", urteilt DFB-Trainer Joachim Löw. Er weiß, wo die Ursprünge liegen, er kennt das Erfolgsgeheimnis der Crew des José Pekerman: „Viele spielten schon bei der U17 und U 20-WM zusammen." Der Assistent Klinsmanns sieht Parallelen in der Mannschaftsentwicklung - und eine reelle Chance auf das Halbfinale. „Das, was wir seit zwei Jahren und in aller Konsequenz seit sechs Wochen tun, das machen die Argentinier seit vielen Jahren. Wir sind dennoch der Meinung, dass wir eine gute Chance haben."





Die deutschen Abwehrspieler, argumentiert Löw, haben den Arbeitsnachweis geliefert, beweglich genug zu sein. Auch, um Spieler der Kategorie Crespo, Saviola, Messi und Tevez an die Kette zu legen. Löw: „Per Mertesacker und Christoph Metzelder haben sich enorm gesteigert. Ich denke, dass sie in der Lage sind, auch diese Weltklasse-Stürmer auszuschalten." Wenn eine Voraussetzung geschaffen wird: „Wichtig ist, dass wir den Argentiniern schon im Mittelfeld auf die Nerven gehen, ihnen die Passwege zu machen." Die „genialen Ideen eines Riquelme" kennt der DFB-Coach. Vergleiche mit den beiden Remis gegen Argentinien mag Löw nicht überstrapazieren. „Wir sind mittlerweile einen Schritt weiter, wir sind auch in der Lage, das Spiel zu gestalten." Er weiß aber auch um die Güteklasse des Titel-Mitfavoriten: „Die Argentinier sind zu jeder Phase in der Lage, das Tempo perfekt zu variieren. Sie sind in der Lage, Unaufmerksamkeiten zu bestrafen."





Michael Ballack (Schwellung im Sprunggelenk) und Miroslav Klose (Sehnenentzündung im Fuß) sind wieder fit und seit gestern im Training.







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Datum: Nr.148

Datum: Donnerstag, den 29. Juni 2006

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Kahn lobt Erzrivale: Jens hält tadellos

Der „Titan" will helfen



BERLIN (zkk). Oliver Kahn war gestern nicht in WM-Stimmung. Aber nicht wegen Klinsmann, Lehmann oder der missliebigen Reservistenrolle. „Sondern wegen des flauen Gefühls im Magen", gab der 37-Jährige - süffisant grinsend - zu Protokoll. Am Vortag hatte er beim Training pausieren müssen.





Gestern sprach Kahn, gestern stellte sich Kahn bei der DFB-Pressekonferenz. Das ganz große Ziel vor Augen, sieht er auch bei sich, obwohl nicht mehr in der Rolle der Nummer 1, die Anspannung wachsen. „Selbst ich spüre jetzt den großen Kitzel, die Anspannung. Es ist eine Spannung da, die sich in mir aufbaut", schildert Kahn. Und scheint selbst überrascht über sein Seelenleben. „Heute Morgen hatten wir frei. Aber jeder hat irgendetwas getan. Es ist schon ein ganz spezieller Geist in dieser Mannschaft."





Kahn, das ist ein Denkmal, das der Bundestrainer (ohne Not) vom Sockel stürzte. Die abgelöste Nummer 1 aber trat nicht zurück, sondern an, um der neuen Rolle gerecht zu werden. „Es ist für mich nicht einfach. Ich hatte das große Ziel, Weltmeister zu werden. Ich stand 2002 kurz davor ..." Jetzt will er in neuer Rolle helfen, die Mission WM 2006 zu einem großen Erfolg zu machen. Den Respekt, den er für seine Haltung erfährt, der hat Kahn überrascht. „Ich war immer so total auf Erfolg und Titel geeicht. Das ist jetzt eine neue Erfahrung."





Anerkennung findet die Leistung, die Jens Lehmann, sein Nachfolger, nun bringt. „Olli" Kahn: „Jens hält tadellos. Er spielt ruhig, abgeklärt. Wichtig ist, dass er die Hintermannschaft dirigiert. Er versucht ja, viel zu reden. Die letzten drei Spiele waren zu null. Das spricht für sich." „Als Torwart bist du bei einer WM in einer bestimmten Welt. Du bist sehr konzentriert", philosophiert Kahn, als er gestern gefragt wurde, was passieren müsse, dass er mit Lehmann ein Bier trinken gehen würde. Jetzt würde „der Jens das sicher lieber mit seiner Frau tun". Oder echten Freunden. Ab dem 9. Juli aber scheint „Olli" bereit ...







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Datum: Nr.148

Datum: Donnerstag, den 29. Juni 2006

Seite: Nr.21

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Das neue Deutschland will ins Halbfinale

Klinsmanns Himmelsstürmer heute Nachmittag um 17 Uhr im WM-Viertelfinale gegen Argentinien

BERLIN (zkk). Drei Sterne auf dem Trikot - jeder Stern symbolisiert einen WM-Titel: 1954, 1974, 1990. Um am 9. Juli den vierten Stern zu holen, müssen Jürgen Klinsmanns Himmelsstürmer aber erst einmal heute (17 Uhr) im Berliner Olympiastadion die knifflige Hausaufgabe im WM-Viertelfinale gegen Argentinien lösen.



„Wir wollen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten tun", mochte der Bundestrainer gestern nicht über den etwaigen Halbfinalgegner spekulieren. Der Sieger aus dem Spiel Italien gegen Ukraine, das heute (21 Uhr) in Hamburg ausgetragen wird, trifft am Dienstag (21 Uhr) in Dortmund auf den Gewinner des Klassikers Deutschland gegen Argentinien.





„Es ist eine besondere Konstellation, solch einen Gegner haben zu dürfen", bezeugt Klinsmann Hochachtung vor den Südamerikanern, aber auch die Überzeugung, dass die deutsche Mannschaft inzwischen das Zeug dazu hat, solche Klassegegner zu schlagen. Klinsmann: „Wenn ich sehe, wo unsere Mannschaft vor eineinhalb Jahren stand und wo sie heute steht..." Hilfreich, weil lehrreich, die Niederlagen auf der Teststrecke zur WM.





Großen Respekt äußert der deutsche Coach vor dem Werk des argentinischen Nationaltrainers José Pekerman: „Er hat in Argentinien etwas aufgebaut, was beispielhaft ist. Viele seiner Spieler haben schon in der U19 und U20 zusammen gespielt. So haben sich viele Automatismen über Jahre entwickelt." Begeistert ist Jürgen Klinsmann von der Darstellung Deutschlands, vom Echo in aller Welt. „Wir freuen uns, dass so viele Ausländer diese positive Stimmung hier erleben, mitfeiern. Mich freut es, dass wir 16 Jahre nach der Wiedervereinigung ein neues Deutschland geworden sind!"





Was politisch, was atmosphärisch gilt, das soll auch sportlich so werden. Auch durch den Heimvorteil, durch die Fans als zwölftem Mann. „Der Heimvorteil gibt den Spielern Rückendeckung. Wir wollen, dass das Publikum die Mannschaft nach vorne treibt", philosophiert der Coach. Torwart Jens Lehmann: „Solch eine Begeisterung wie jetzt habe ich schon lange nicht mehr in einem Stadion erlebt. Die Atmosphäre ist fantastisch."





Auf 60:40 schätzt Dribbel-„Floh" Javier Saviola die Chancen Argentiniens aufs Weiterkommen ein. „Das sehe ich genau so - nur anders rum", kontert Michael Ballack gut gelaunt. Der deutsche Kapitän und sein Trainer scheinen nach dem Reizklima der ersten WM-Tage wieder auf einer Wellenlänge zu senden. Gestern lobte der Kapitän den Trainer und vorher der Trainer den Kapitän. Der verbale Doppelpass - Harmonie in Reinkultur. „Michael hat in den letzten zwei Jahren als Kapitän sehr gute Arbeit auch hinter den Kulissen gemacht. Er ist die starke Führungspersönlichkeit dieser Mannschaft, ihr Leader. Er ist kritisch, auch in Gesprächen mit uns Trainern. Er hat nochmals einen großen Schritt nach vorn getan", attestiert Klinsmann. Den schätzt Ballack als „jungen Trainer, der schon immer sehr nah an der Mannschaft gewesen ist und sehr viel für ihren Zusammenhalt tut."





„Angst haben wir überhaupt nicht, auch wenn der Gegner Argentinien neben Brasilien der große WM-Favorit ist", bekundet Ballack seinen Siegeswillen. „Unsere Mannschaft ist gelöst und selbstbewusst."





„Wir werden Riquelme sicher nicht in Manndeckung nehmen", weiß Ballack: „Wir wollen unser Spiel spielen." Das heißt: Über die Flügel, mit den Flankengebern Bernd Schneider rechts, Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger links. Mit schnellen Pässen in die Tiefe auf die Torjäger Klose und Podolski. Und mit absoluter Ordnung, die Torsten Frings und Ballack vor der Vierer-Abwehrkette herzustellen haben. Pässe von Riquelme auf Crespo und Saviola zu verhindern, eine Schlüsselaufgabe. „Standards vermeiden", weiß Co-Trainer Joachim Löw um eine andere Notwendigkeit, um Kunstschütze Riquelme sein Hobby zu vermiesen. Jens Lehmann jedenfalls hat so eine Vorahnung: „Wenn beide Mannschaften wieder so gut organisiert sind, dann ist ein Elfmeterschießen nicht auszuschließen."





So spielen sie





Deutschland: Lehmann (36 Jahre/36 Länderspiele/Arsenal London) - Friedrich (27/40/Hertha BSC Berlin), Mertesacker (21/27/Hannover 96), Metzelder (25/25/Borussia Dortmund), Lahm (22/22/Bayern München) - Schneider (32/68/Bayer Leverkusen), Frings (29/56/Werder Bremen), Ballack (29/68/Bayern München), Schweinsteiger (21/32/Bayern München) - Klose (28/59/Werder Bremen), Podolski (21/29/1. FC Köln)





Argentinien: Abbondanzieri (33/26/Boca Juniors) - Burdisso (25/11/Inter Mailand), Ayala (33/104/FC Valencia), Heinze (28/32/Manchester United), Sorin (30/74/FC Villarreal) - Mascherano (22/19/Corinthians), Cambiasso (25/16/Inter Mailand) - Maxi Rodriguez (25/17/Atletico Madrid), Riquelme (28/35/FC Villarreal) - Crespo (30/58/FC Chelsea London), Saviola (24/34/FC Sevilla)





Schiedsrichter: Michel (Slowakei).







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Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.149

Datum: Freitag, den 30. Juni 2006

Seite: Nr.9

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WM 2006





Gastkommentar „Klose ist der Star der Mannschaft"





Ich bin bei der Weltmeisterschaft laufend unterwegs, habe 15 Spiele gesehen. Ich werde auch nach Berlin fliegen, mir das Viertelfinale unserer Mannschaft gegen Argentinien anschauen. Die Karten fürs Viertelfinale in Frankfurt überlasse ich meiner Frau. Pilar wollte eigentlich ihre Spanier sehen ...







Am 17. Juni war ich in Kaiserslautern, habe das neue, das ausgebaute Fritz-Walter-Stadion beim Spiel der Italiener gegen die USA gesehen, erlebt. Das Stadion: toll, ganz toll! Es ist wirklich sensationell schön. Deswegen muss der FCK so schnell wie möglich wieder in die Bundesliga. Das hat die ganze Region verdient. Sie lechzt ja nach Fußball! Aber den Aufstieg sofort zu schaffen, das ist schwer. Man darf nicht sagen, wir müssen es sofort schaffen. Das Ziel haben viele - jedes Jahr. Wolfgang Wolf, mein alter Kollege und Freund, will es schaffen, er ist auch sehr angespannt. Aber man darf den Druck nicht zu groß machen. Auch nicht für ihn!







Ich bin mit dem Herzen noch immer eng beim FCK . Es war aber unheimlich traurig, wie das damals abgelaufen ist. Nach drei Spielen war ich im August 2002 weg, weil der Aufsichtsrat glaubte, mit Bayern mitspielen zu können. Ich habe als Trainer 56 und 50 Punkte geholt, sehr gut mit „Atze" Friedrich zusammen gearbeitet. Diese Leute aus dem Aufsichtsrat aber haben mir gesagt, das wäre mit dieser Mannschaft zu wenig. Ich habe schon damals entgegnet, wenn ein Trainer kommt und mit der Truppe mehr holt, dann gratuliere ich ihm. Es kam keiner, der es geschafft hätte. Man sieht heute, was passiert ist! Fritz Walter hätte das Stadion auch im Grab verkaufen können. Dafür lassen sich jetzt andere Leute als Retter feiern. Sie haben dem FCK den Abstieg gebracht.







Fritz war mein väterlicher Freund. Ich war an seinem Todestag in seinem Haus dabei, das Bernd Lutzi zu einem wunderbaren Museum in Alsenborn gemacht hat. Ich war am Grab, ich habe mich vor Fritz verneigt ...







Gerade in diesen Tagen werde ich immer und immer wieder auf das Finale 1990, auf meinen Elfmeter angesprochen. Ich muss aber ganz klar sagen: Die heutige Mannschaft der Argentinier ist auf alle Fälle stärker als unser Endspielgegner. Das war kein schönes Finale, weil die gar nicht mitgespielt haben.







Heute haben sie eine spielerisch sehr gute Mannschaft. Aber: Unsere Nationalmannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. So wie sie gegen Schweden drauf sind, mit dem Tempo, hat die Mannschaft eine Chance, ins Halbfinale zu kommen. Ein Riesenkompliment für Jürgen Klinsmann. Er hat etwas bewegt, er geht konsequent seinen Weg. An dieser Einschätzung ändert auch eine Niederlage nichts; gegen Argentinien kann man ausscheiden.







Der Star unserer Mannschaft ist „Miro" Klose. Es macht Spaß zu sehen, wie er sich speziell in Bremen weiter entwickelt hat. Ich habe ihn ja von Oktober 2000 bis August 2004 trainiert, er hatte schon damals eine tolle Einstellung, einen super Charakter. Er ist zum Weltklassespieler geworden. Wenn er nicht WM-Torschützenkönig wird, und wir werden trotzdem Weltmeister, dann ist es auch in Ordnung.







Enttäuscht bin ich - trotz ihrer Weltklasseabwehr - von den Italienern. Enttäuscht bin ich auch von vielen Schiedsrichterleistungen. Das Spiel der Italiener gegen Australien hat der Schiedsrichter entschieden. Ich mag die Italiener, freu" mich deshalb, dass sie weiter sind. Aber verdient war es nicht!







Andreas Brehme (45) schoss Deutschland 1990 zum WM-Titel. Brehme, damals für Inter Mailand aktiv, verwandelte einen Elfmeter zum 1:0. Der Linksverteidiger war 1986 Vize-Weltmeister, beendete nach dem WM-Aus 1994 seine internationale Karriere. Brehme spielte insgesamt zehn Jahre beim 1. FC Kaiserslautern, außerdem als Profi beim 1. FC Saarbrücken, Bayern München und Real Saragossa.





Andreas Brehme





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Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Ludwigshafener Rundschau

Datum: Nr.149

Datum: Freitag, den 30. Juni 2006

Seite: Nr.9
 
Eine Hauptrolle für den zwölften Mann

Die deutsche Mannschaft setzt im morgigen Halbfinale gegen Italien auf die Fans in Dortmund



BERLIN (zkk). „Weltmeister sind wir vor zwei Tagen geworden. Jetzt können wir noch Europameister werden!" Blumige Replik von DFB-Trainer Joachim Löw auf den Einzug von vier europäischen Nationalmannschaften ins WM-Halbfinale.





Der deutsche Gegner am Dienstag (21 Uhr) in Dortmund heißt Italien. Cannavaro, Buffon und Kollegen haben die Deutschen am 1. März demontiert, beim 4:1 eine Lektion in allen Registern modernen Fußballs erteilt. „Das Video möge man uns ersparen", formulierte Torsten Frings eine eindeutige Botschaft. Der Trainerstab wird den Wunsch erfüllen. „Auf das Spiel von Florenz werden wir gar nicht mehr eingehen. Das ist Vergangenheit", versprach Klinsmann-Assistent Joachim Löw gestern. Wichtig ist das Heute. Und das Morgen.





Morgen - das Halbfinale in Dortmund bestimmt auch die Gedanken von Lokalmatador Christoph Metzelder: „Wir wissen, dass jetzt eine andere Mannschaft auf dem Platz stehen wird. Das wissen auch die Italiener ..."





Metzelder beweist nach holprigem WM-Start fast wieder alte Klasse. Das ist der Mann mit Ausstrahlung, der in enger Abstimmung mit dem vier Jahre jüngeren Per Mertesacker gegen Argentinien eine Abwehrwand aufgebaut hatte. Metzelder: „Mit Luca Toni haben die Italiener einen richtigen Torjäger, der weiß, wo man stehen muss, er ist sehr bullig. Aber das kommt Per und mir ja eher entgegen." Die Messlatten liegen hoch: Toni misst 1,93 Meter, Metzelder 1,93 Meter, Mertesacker 1,97 Meter.





Das 1:4 von Florenz - für Christoph Metzelder ist das Spiel längst bewältigte Vergangenheit. Und nicht mal mehr eine Fußnote wert: „Unsere Motivation kann nicht sein, uns für ein Spiel im März zu rächen. Unsere Motivation ist, ins Endspiel zu kommen!"





Dem Gegner begegnen die deutschen Spieler und Trainer mit Respekt. Nichts, aber auch gar nichts wird dem Zufall überlassen. So hat DFB-Chefscout Urs Siegenthaler am Freitag nach 60 Minuten das Berliner Olympiastadion verlassen, flog nach Hamburg und beobachtete die Italiener beim 3:0-Viertelfinalsieg gegen die Ukraine. „Als er ging, lagen wir 0:1 zurück. Da sieht man, welches Vertrauen wir in die Mannschaft haben", sagte Löw gestern.





Die Haltung der Elf nach dem Rückstand imponierte dem DFB-Coach sehr: „Die Mannschaft hat ein kleines Meisterstück abgeliefert." Die Sicherheit der Elfmeterschützen ließ Löw positive Rückschlüsse ziehen: „Wie wir im Elfmeterschießen aufgetreten sind, wie sicher verwandelt wurde, das zeigte, wie stark die Mannschaft auch psychisch ist. Das spricht für die Klasse dieser Mannschaft."





Gegen Italien ist eine weitere Top-Leistung nötig, um das Finale am 9. Juli zu erreichen. „Die Italiener lieben es, ihre Aktionen aus der Defensive zu bringen. Die spielen ihre Aktionen in der Abwehr meist sehr sauber aus, benötigen nur selten Fouls", zollt „Jogi" Löw Respekt. Und: „Wenn wir diese Klassemannschaft schlagen, dann stehen wir im wichtigsten Spiel, das es gibt: dem WM-Finale!"





„Italien ist speziell in der Abwehr unheimlich gut organisiert", attestiert Christoph Metzelder. Er setzt ganz besonders auf den zwölften Mann, die Fans in Dortmund, von denen auch Trainer und Mitspieler schwärmen. „Es ist schön, dass es nicht mehr nur mein Stadion ist, sondern unser Stadion", schwelgt der Dortmunder Borusse und sagt erwartungsfroh: „Ich glaube, dass wir in Dortmund ein Spiel erleben werden, wie es von der Atmosphäre her noch keins gegeben hat."





Als Edel-Joker im deutschen Kader hat sich der Bremer Tim Borowski bewährt. „Mit der Rolle des zwölften Mannes habe ich mich abgefunden", sagt der Blondschopf. In der Vorbereitung trat er an, sich einen Stammplatz zu erkämpfen. „Es ist mir nicht gelungen, die Trainer zu überzeugen. Aber ich habe kein Problem mit meiner Rolle, ich kann damit sehr gut leben. Wir stehen voll hinter denen, die spielen, wir pushen die Jungs und helfen, wenn wir reinkommen."





So lässt sich der 26-Jährige auch vor dem Halbfinale gegen Italien, das der mexikanische Schiedsrichter Benito Archundia leiten wird, nicht auf Spekulationen ein, er könnte für den zuletzt matten Bastian Schweinsteiger in der Startelf stehen. „Wir haben als Mannschaft ein enorm großes Ziel. Man kann in den Augen der Spieler den Hunger ablesen", beschwört Klinsmanns taktische Vielzweckwaffe den Teamgeist. Borowski: „Ich denke, diese Flexibilität ist mein großes Plus. Es geht nicht um einzelne Spieler, es geht nur um den Erfolg der Mannschaft."







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Publikation: DIE RHEINPFALZ

Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt

Datum: Nr.151

Datum: Montag, den 03. Juli 2006

Seite: Nr.17

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