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Jürgen Friedrich: "Die Spieler waren froh, hier spielen zu dürfen"
Fußball
„Es gab keinen korrekteren Verein als den 1. FC Kaiserslautern”
Von Thomas Klemm, Kaiserslautern
24. Mai 2005 Dieser Tage lernt die Pfalz den Fußball auch in seinen unschönen Facetten kennen. Am Samstag wurde eine am Ende lustlose Bundesligamannschaft des 1. FC Kaiserslautern von seinen Fans unter Pfiffen in den Urlaub verabschiedet, am Sonntag regnete es beim Sportkirchentag in der Stadt in Strömen, am Montag standen frühere Funktionäre des Fußballklubs vor dem Kadi.
Keine guten Tage für den FCK und sein Umfeld, und vor allem nicht für den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Friedrich, das frühere Vorstandsmitglied Gerhard Herzog und den einstigen Aufsichtratschef Robert Wieschemann, denen in mehreren Fällen Steuerhinterziehung aus den Jahren 1999 bis 2001 vorgeworfen wird.
„Absurd und lächerlich”
Als "lächerlich ohne Ende" und "absurd" bezeichnete Wieschemann die Vorwürfe; er habe mit seinen beiden Kollegen erstmals im Jahre 2002 über Steuern gesprochen. Während Friedrich gelassen seine ähnliche Sicht der Dinge kundtat und behauptete, "es gab keinen korrekteren Verein als den 1. FC Kaiserslautern", kündigte ein sich als "körperlich und seelisch" leicht angeschlagen präsentierender Herzog eine schriftliche Stellungnahme an, die er dem Gericht überreichte.
Vorne rechts im Sitzungssaal 1 des Landgerichts Kaiserslautern, das am Fuße des Betzenbergs liegt, steht ein Rollwagen mit knapp zwanzig Aktenordnern, in denen alle Unterlagen zu dem Strafverfahren abgeheftet sind: Laut der Anklage der Staatsanwaltschaft Zweibrücken soll die einstige FCK-Vereinsführung 375.000 Mark veruntreut haben, weil sie einen unlauteren Vertrag mit der Sportmanagementfirma Rogon abgeschlossen habe, ohne daß in den Jahren 1999 und 2000 eine Leistung in Form einer Medienberatung erfolgt sei. Vor allem aber soll Friedrich in zehn Fällen 5,1 Millionen Euro an Lohnsteuern hinterzogen haben, Herzog in neun Fällen 5 Millionen Euro, Wieschemann (7 Fälle) 3,8 Millionen Euro.
Verschleierte Gehaltszahlungen
"Wissentlich und willentlich" sei dies geschehen, lautet die Anklage. Die Überweisungen, mit denen der Verein die Persönlichkeitsrechte an fünf Fußballprofis erworben habe, seien als "verschleierte Gehaltszahlungen" anzusehen. So soll allein der französische Weltmeister Youri Djorkaeff über eine Marketingfirma 11,8 Millionen Mark erhalten haben, die nicht versteuert worden seien.
"Ohne den geringeren steuerlichen Aufwand", so der Oberstaatsanwalt Lißmann bei der Verlesung der Anklageschrift, seien Djorkaeff sowie seine Mitspieler Jeff Strasser, Nenad Bjelica, Taribo West und Lincoln für den Verein nicht zu finanzieren gewesen.
Eine Frage der Ehre?
Diese Behauptung mochte Friedrich nicht auf sich sitzen lassen. Eigentlich nur zu seinen persönlichen Daten und seinem bisherigen Lebensweg gefragt, präsentierte der frühere Fußballprofi, Präsident, Aufsichtsratschef und Vorstandsvorsitzende der "Roten Teufel" ad hoc einige Bilanzzahlen des 1. FC Kaiserslautern aus den neunziger Jahren, die insgesamt auf eine recht entspannte Finanzlage hindeuteten.
"Wir hatten keinen Grund, Kosten zu verschleiern, die unseren Gewinn minimieren", sagte der Einundsechzigjährige, der zudem behauptete: "Nettovereinbarungen gab es bei uns nicht - die Spieler waren froh, hier spielen zu dürfen." Also keine Frage des Geldes, sondern der Ehre und der sportlichen Herausforderung?
Persönlichkeitsrechte der Fußballprofis zu erwerben, so die Linie der Verteidigung, sei völlig normal und sogar im damals geltenden Lizenzspielerstatut des Deutschen Fußball-Bundes in Paragraph sechs vorgesehen. Dieses Dokument in der Anklageschrift nicht berücksichtigt zu haben, warf Wieschemann der Staatsanwaltschaft verärgert vor.
Kurze Wege zwischen den Funktionären
Wer zu welchem Zeitpunkt in den Vereinsgremien was gewußt hat, diese Frage scheint in der überschaubaren pfälzischen Stadt beinahe überflüssig. Auf gewohnt joviale Art bezeichnete Jürgen Friedrich die kurzen Wege zwischen den Funktionären sogar als Vorzüge der "Roten Teufel": "Die intensive Zusammenarbeit der kleinen Gemeinschaft ist immer eine Stärke des FCK gewesen." Also sollte jeder von den Entscheidungen gewußt haben, wiewohl bei Kontaktaufnahmen mit Spielern das Vorstandmitglied Herzog "nur partiell dabei war", wie Friedrich behauptete.
Wieschemann, von Hause aus Jurist, sprach sogar launig davon, daß er Friedrich vor knapp acht Jahren zum Amt des Vorstandsvorsitzenden überredet habe mit der Absicht, "eine Bande zu gründen".
Dieser gewagte Kommentar war selbst dem zu Ironie und Witz neigenden Richter Feltes zu viel. Die sportlichen Erfolge der "Roten Teufel" indes wußte auch der Richter an der Wirtschaftskammer zu würdigen. "Aufstieg und Meisterschaft 1998 war schon ein Highlight." Weniger gut kam beim Vorsitzenden Richter Feltes an, daß Wieschemann vergessen hatte, sein Handy abzustellen. Als es während des ersten Verhandlungstages klingelte, griff er durch: "Etwas Wichtigeres als dieses Strafverfahren gibt es nicht." Der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende gelobte Besserung. Zehnmal wird man sich noch im Landgericht Kaiserslautern treffen