Ich muss (auch wenn ich damit wohl fast allein stehe) sagen, dass mir persönlich die Saison KEINEN Spaß gemacht hat, trotz der Truppe. Das hängt auch nicht mit dem Tabellenplatz oder Einzelergebnissen oder Schiedsrichtern zusammen, sondern schlicht und ergreifend mit dem langweiligen Spielsystem von Runjaic.
Als Barcelona zwischen 2008 unter Guardiola angefangen hat, den Ballbesitzfußball spielen zu lassen, war es etwas ganz neues und auch ansehnlich. Da haben die besten Fußballer der Welt den Gegner eingeschnürt und einen nach dem anderen mit dicken Packungen nach Hause geschickt. Dazu kam ein Messi in absoluter Topform, der eine halbe gegnerische Mannschaft allein aussteigen lassen kann.
Aber der Fußball hatte sich abgenutzt. Die Gegner stellen sich drauf ein, machen die Räume enger, der letzte Rest der Manndeckung ist verschwunden und einer peniblen Raumdeckung gewichen, in der zwischen den einzelnen Verteidigern kaum mehr als 5-6 Meter Platz ist. Im direkten Gegenzug ist durch die weit aufgerückte Viererkette allerdings massig Platz zum Kontern (übrigens der Hauptgrund warum die Gegner ja "nur einmal aufs Tor schiessen und das Ding machen"). Das hat absolut nix mit Glück, sondern mit der Chancenqualität zu tun.
20 Torschüsse wie wir sie oft haben gegen 3 Schüsse des Gegners, was sagt das aus? Da wird jedes Ding, was schon am 16er zum Einwurf abgefälscht wird, mitberechnet. In Schüssen auf das Tor steht es gegen Pauli 4:3 für uns, das ist kein großer Unterschied.
Das Ballgeschiebe in der gegnerischen Hälfte macht einfach keinen Spaß mehr. Das Schlimmste dabei ist ja sogar, dass wir den Ballbesitzfußball nicht einmal KÖNNEN! Das System ist darauf angelegt, Ballbesitzquoten >70% zu erreichen, um den Gegner 1. müde zu spielen, 2. durch die individuelle Klasse durch Einzelaktionen zu Toren zu kommen, 3. durch gezielte Angriffe zu Toren zu kommen. Unser Schwachpunkt liegt überall in allen 3 Punkten.
zu 1: Unser Spiel ist so langsam und behäbig, dass man denken könnte, der ballführende Spieler schläft gleich ein. So kann sich der Gegner immer rechtzeitig sortieren und verschieben. Offene Räume schafft man so nicht. Ganz ganz selten, wenn mal ein langer Diagonalball geschlagen wird (Karl!) und die Ballannahme nicht komplett missglückt, wird deutlich, wie viel da rauszuholen ist. Eine Spielverlagerung über die Viererkette ist aber nur sinnvoll, wenn diese maximal 2-3 Sekunden dauert. Sobald diese > 5 Sekunden dauert, ist die andere Mannschaft wieder in Position ("die spielen so defensiv, mimimi"). Das hat NICHTS mit einem "Zerstörer"-Spiel des Gegners zu tun, das ist komplett eigenverschuldet. Wenn man den Ball nicht hat, versucht man ihn zurückzugewinnen und das geht nur hinter dem Ball. Warum sollte ein Stürmer des Gegners an der Mittellinie stehen, wenn unsere Viererkette 5 Meter weiter vorne ist? Natürlich zieht man sich zurück, um Räume eng zu machen, das hat allerdings wenig mit defensiver Spielweise zu tun, sondern 1. öffnet man sich Räume für Konter, 2. wirds deutlich leichter den Ball zu erobern. Wären Orban und Heubach/Heintz nicht recht schnell unterwegs, hätten wir uns deutlich mehr Gegentore gefangen.
zu 2.: Wir haben wohl die technisch besten Spieler der Liga (Einzelspieler wie Groß oder Poulsen mal ausgenommen). Unter technisch versierten Spielern kann man wohl Ring, Zimmer, Matmour, Demirbay, Stöger, Younes ... fassen, die alle in der Lage sind, einen gepflegten Ball zu spielen. Aber entweder haben diese einen zu großen Egoismus (Demirbay, Stöger, Younes) oder sind im Offensiv 1gegen1 zu schwach (Zimmer, Matmour). Das Ballbesitzsystem lebt davon, dass auch in der Offensive der Ball zirkuliert, bis einer durchbricht. Nicht davon, dass ein AOM es mit 3-4 Gegnern aufnimmt, davon 2 tunnelt und dann merkt, ******e hat ja nix gebracht. Dazu kommt, dass sowas auch viel zu selten funktioniert. Der Klassenunterschied ist nicht so groß zu den allermeisten Verteidigern der 2. Liga. Die fahrlässige Chancenverwertung wenn dann doch mal was klappt, trägt einen eigenen großen Anteil dazu bei...
zu 3.: Gezielte Angriffe sind praktisch nicht vorhanden. Ganz ganz selten sieht man mal etwas offensichtlich einstudiertes. Warum klappt sowas so selten? Zimmer und Schulze z.B. schaffen es sehr oft durch gezielters Hinterlaufen Chancen zu kreieren. Durchs Zentrum oder die linke Seite wirds da schon viel düsterer. Klar kann man sagen, wie viel soll man denn einstudieren? Da braucht man doch so eine indivuelle Klasse, die hat bei uns keiner... RICHTIG. Deswegen lässt man den Fußball einfach. Selbst bei Bayern klappt nix mehr, wenn Ribery und Robben fehlen, sobald ein ernstzunehmender Gegner kommt, verlieren die. Und zwar aus den selben Gründen, warum wir Spiele wie gegen Pauli verlieren, exakt die selben Probleme.
Unsere Standards sehe ich gar nicht so schlecht wie die meisten hier, wir dürften unter den Top3 der Standardtore sein. Nur die kurzen Ecken gehen mir auf den Sack, aber den Mist werden wir wohl noch weiter ertragen müssen...
Klar kann man jetzt wieder sagen, das System funktioniert doch, so viele Punkte wie wir haben, 3. Platz etc. Das liegt halt auch daran, dass so wenig Punkte benötigt werden wie schon lange nicht mehr.
2009/2010 wäre man mit 54 Punkten nach 32 Spielen 4. mit 4 Punkten Rückstand auf 3,
2010/2011 schon raus aus dem Rennen,
2011/2012 ebenfalls komplett raus,
2012/2013 waren wir im Rennen um Platz 2 lange raus mit sogar einem Punkt mehr
2013/2014 war man damit 3., allerdings hat Fürth (damals 3. mit 54 Pkt) danach auch 2 Mal gewonnen.
In den letzten 5 Jahren wären wir mit unserem Punktekonto nicht 2./3. gewesen, sondern 4.-6. zum Teil ohne Chance auf den Aufstieg.
Dazu kommt, dass unsere Spiele ja trotz punktemäßig guter Ausbeute (zumindest zuhause, auswärts war das ja die ganze Saison schon nix) schwer zu ertragen, selbst für eingefleischte Fans schlicht langweilig sind. Einzig das Spiel gegen Heidenheim konnte streckenweise überzeugen, obwohl auch dort die Lethargie zu spüren war.
Dazu kommen die persönlichen Probleme von Kosta. Er wechselt mMn zu spät, kann nicht richtig auf Spielsituationen reagieren, wirkt zu emotionslos.
Mein Fazit zu CK ist einfach: Er mag ein taktisch guter Trainer sein, er passt aber nicht auf den Betze. Der Betze mag solchen Fußball nicht, auch wenn er erfolgreich ist. Wir wollen alle mitgerissen werden, können Fehler verzeihen und die Mannschaft nach vorne treiben. Aber ein Spiel zu sehen, in dem es vllt 3-4 klare Torchancen gibt (und das nicht die Ausnahme, sondern die absolute Regel ist (!)), das macht dem FCK Fan einfach keinen Spaß. Mir persönlich hat selbst das Jahr 2007/2008 mehr Spaß gemacht, weil in jedem Spiel trotz grausigem Trainer eine Mannschaft auf dem Platz stand, die jede Sekunde gefighted hat. Selbst in der damals katastrophalen Hinrunde hat man mehr Einsatz gesehen, als heute, jetzt wird ein Spiel einfach nach Plan runtergespielt, wenn der Plan nicht zu 100% funktioniert, hat man keine Optionen mehr. Wers nicht glaubt, schaut einfach noch mal das 3:0 gegen Köln aus dem Jahr. Da wurde gerannt um jeden Meter, jeden Ball, jede verdammte Sekunde. Heute merkt man bei 2 Tore Rückstand irgendwann in der 85. Minute, dass man vllt doch mal Gas geben sollte. Und die Mannschaft heute ist nicht viel jünger als die 2007/2008. Vor allem ist sie technisch besser, nur zu überheblich, mit dem Kopf woanders, sonstwas.
Deswegen stehe ich dazu, dass ich auch nach der Saison an der Stelle von Schupp auf dem Trainermarkt sondieren würde, welche Optionen es gibt, ob es eine passendere Lösung für den FCK gibt. Wenn nicht, dann behält man CK mit seinen Fehlern und hofft, dass er dazu lernt, evtl von seinem sturen System runter kommt und wieder Betze-Fußball spielen lässt. Oder es gibt Möglichkeiten, dann sollte man eine einvernehmliche Trennung suchen (unanhängig von der Ligazugehörigkeit).
Zur Stimmungsdiskussion sag ich nur: Bei solchen Spielen kann keine Stimmung aufkommen, weil das was auf dem Platz passiert, zu 95% tot ist. Kein Mensch bejubelt Pässe zwischen Orban, Heintz und Karl oder die nächste Schwalbe von Stöger.