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Kolumbien: Nach dem Neuanfang droht neue Gewalt

Klingenstädter

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<span>Kolumbien: Nach dem Neuanfang droht neue Gewalt</span>



SAN MIGUEL, Kolumbien, 20.02.2007 (UNHCR) - Vor zwei Jahren war San Miguel eine Geisterstadt. Heute findet der Ort am Fluss San Juan mitten im pazifischen Regenwald Kolumbiens langsam zurück ins Leben.



Die Hütten aus Holz sind frisch in hellem Pink und Blau gestrichen. Ein kleiner Laden bietet Getränke und ein paar Konserven an. Am Mittag kommen Kinder in dunkelblauen Uniformen aus der Schule gerannt.



Doch dieses neu erwachte Leben in dem kleinen Ort könnte von kurzer Dauer sein. Wie dutzende anderer Siedlungen von Afro-Kolumbianern und indigenen Gruppen entlang des Flusses ist San Miguel erneut durch Gewalt bedroht. Kämpfe zwischen rivalisierenden Gruppen verbreiten sich nach Norden entlang des Flusses in die Region Chocó.



"Sowohl indigene als auch afro-kolumbianische Gemeinden sind sehr gefährdet: Sie riskieren, vertrieben zu werden. Einige wollen gehen, aber ihnen fehlen die Mittel dazu", sagt Julio Roberto Meier, UNHCR-Vertreter in Kolumbien.



"Es ist äußerst wichtig, dass das Ausland erfährt, wie das Leben dieser kleinen Gemeinden in den Konfliktregionen ist", fügt er hinzu. Letzte Woche hätten UNHCR-Mitarbeiter mit hochrangigen Diplomaten aus Frankreich, den Niederlanden, Spanien und Schweden die Siedlungen am Fluss San Juan besucht.



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Schüler vor der wieder eröffneten Schule in San Miguel. © UNHCR/M.-H. Verney



UNHCR hat zur Finanzierung eines Sonderprogramms von über 14 Millionen US-Dollar aufgerufen, um seine Arbeit bis Ende des Jahres für hunderttausende von Binnenvertriebenen ausweiten zu können. „In Orten wie San Miguel oder Bebedo ist die Aussicht darauf, wieder alles zu verlieren, besonders entmutigend für die Menschen, die bereits so viel durchgemacht haben", sagt Meier.



Wie 85 Prozent der Bevölkerung von Chocó ist auch die Gemeinde San Miguel afro-kolumbianisch. Die 1.500 Einwohner flohen zum ersten Mal aus der Siedlung, als Ende 2004 Kämpfe zwischen den rivalisierenden bewaffneten Gruppen ausbrachen. Sie schlossen sich Tausenden Menschen aus anderen Siedlungen in einer kleinen Stadt weiter flussaufwärts an.



"Wir hatten noch nie zuvor in einer Stadt gelebt und wussten nicht, was wir tun sollten. In der Stadt musst du alles kaufen, was du isst, sogar eine Banane oder eine Mango kostet Geld", sagt José, der mit seinen acht Kindern als einer der ersten im Sommer 2005 nach San Miguel zurückkehrte.



Die Kämpfe brachen jedoch einige Monate später wieder aus, und die ganze Familie war gezwungen, ein weiteres Mal zu fliehen. Im vergangenen Jahr kehrten sie zurück. Heute ist rund die Hälfte der Bevölkerung von San Miguel heimgekehrt und muss täglich für ihr Überleben sorgen.



San Miguel mangelt es an jeglicher Infrastruktur. Einst gab es Elektrizität, aber die Leitungspfosten aus Holz sind verrottet, zusammengebrochen und nie ersetzt worden. Das Krankenhaus bleibt geschlossen, während die Schule für Kinder bis zum 11. Lebensjahr wieder geöffnet ist.



Zum Kochen, Waschen und Trinken wird Wasser aus dem Fluss benutzt. Früher wurde außerdem gefischt, aber nun gibt es wegen Verseuchung durch Quecksilber nur sehr wenige Fische im Fluss.



Und erneut müssen die Bewohner des Dorfes sich vor der Gewalt fürchten. Derzeit leeren sich die umliegenden Dörfer. Die Einwohner des nahen Santa Rosa flohen, nachdem am 25. Dezember 2006 bewaffnete Männer bei ihnen auftauchten. Sie sagten sie seien nicht Teil der regulären Streitkräfte.



"Wir erzählten ihnen, wir würden zu einem Neujahrsfest flussabwärts gehen. Wir haben nur die Kleidung mitgenommen, die wir anhatten - Festkleidung, so dass sie nicht auf den Gedanken kommen könnten, wir würden endgültig weggehen", sagt Denise, eine 55-jährige Großmutter, die am 27. Dezember in der Stadt Istmina eintraf.



Seitdem teilt sie sich eine Hütte am Fluss mit 13 anderen Leuten. Sie seien gut aufgenommen worden, sagt sie, aber es sei schwer, in dem Heim anderer Menschen zu leben. Sie könne sich niemals daran gewöhnen, auch wenn es bereits das dritte Mal sei, dass sie Zuflucht in der Stadt suche.



Rund zehn Prozent der Bevölkerung von Chocó sind derzeit auf der Flucht. Viele, unter ihnen Denise und José, haben mehrere Male versucht, zurück nach Hause zu gehen, nur um noch mehr Gewalt und Unsicherheit zu erleben.



"Solange die Kämpfe andauern, fehlen die Voraussetzungen für eine sichere Rückkehr", sagt Meier. „UNHCR tut, was es kann, aber letzten Endes können wir ihre Sicherheit nicht garantieren."



Es gibt drei Millionen Binnenvertriebene in Kolumbien. Als Teil der „Kampagne für die Rechte vertriebener Menschen in Kolumbien“ hat sich UNHCR in diesem Jahr mit mehr als 130 anderen Organisationen zusammengeschlossen, um sich für deren Rechte einzusetzen.



Marie-Hélène Verney


San Miguel, Kolumbien






Quelle: unhcr
 
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