-FCK-strassengraben
Member
FCK: Jetzt soll Briegel helfen
17.05.2006
Von Ulrika Sickenberger
SPORT BILD: Herr Jäggi, drei Mal hat der FCK den Abstiegskampf erfolgreich bestanden, jetzt hat es den Verein doch erwischt. Was bedeutet das für Sie?
René C. Jäggi (57): Für mich persönlich heißt es , daß ich zum ersten Mal zugeben muß: Mit diesem Ausgang habe ich nicht gerechnet. Und das tut weh, sehr weh sogar.
Rene C. Jäggi (Imago)
Empfinden Sie den Abstieg auch als eine persönliche Niederlage?
Ich bin zwar Teil dieser Mannschaft, aber ich habe ja nicht auf dem Platz gestanden. Und deshalb ist es für uns alle eine Niederlage.
Bekommt Trainer Wolfgang Wolf das von ihm geforderte Geld, um eine schlagkräftige Zweitliga-Truppe zusammenstellen zu können?
Ich habe noch am Samstag Abend mit ihm darüber gesprochen und ihn beruhigen können. Wir haben Spielraum, um den aktuellen Etat (8,7 Millionen; d. Red.) noch nach oben zu schrauben. Um alle Namen festzuzurren, sowohl was Ab- und Zugänge betrifft, haben wir ja noch einige Zeit.
Haben Sie Fehler gemacht und wenn ja, wo?
Ich hoffe, Sie gehören auch zu den Menschen, die sagen: Wer viel arbeitet, macht Fehler. Ich arbeite sehr viel und sehr lang, also habe ich auch Fehler gemacht. Aber Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl sagte einmal: Wenn die Summe meiner Entscheidungen positiv ist, bin ich mit dem, was ich gearbeitet habe, zufrieden. Ich halte es genauso.
Noch mal: Wo haben Sie Fehler gemacht?
Für mich zählt nur die Summe einer vierjährigen Tätigkeit und die ist positiv.
Unbestritten, Sie haben den FCK saniert, wirtschaftlich steht der Verein so gut da, wie lange nicht mehr. Aber das alles zu Lasten der sportlichen Qualität. Das war doch ein Fehler?
Das sehe ich nicht so. Ich will weder in Einzellob noch in Einzeltadel machen, das können Sie tun. Es wurde doch schon alles in epischer Breite geschrieben: Die vielen Transfers, die Fehleinkäufe, die Trainer-Entlassungen, aber das interessiert mich nicht. Ich schaue nur auf das Gesamte und das ist positiv! Wenn man mit meiner Leistung nicht zufrieden gewesen wäre, hätte man mich entlassen müssen. Ich bin niemanden Rechenschaft schuldig, nur den Mitgliedern und dem Aufsichtsrat, und von beiden Seiten habe ich nichts Negatives gehört. Ich kann jedenfalls in Ruhe morgens in den Spiegel schauen. Ich hoffe, das können alle anderen auch.
In den knapp vier Jahren, die Sie beim FCK waren, wurden Sie immer wieder kritisiert – von Ex-Spielern wie Mario Basler, Hans-Peter Briegel oder auch Ciriaco Sforza. Wie sehr hat Sie das genervt?
Das ist eine Frage der Qualität der Kritik. Und die war teilweise so tief unter der Gürtellinie, daß sie ihre Wirkung verfehlt hat.
Trotzdem haben Sie auch immer wieder auf die Angriffe reagiert, sich gegen die – wie Sie sagten – Heckenschützen gewehrt.
Es liegt in der Natur meiner Sportart (Jäggi war aktiver Judoka; d. Red.), daß man nicht alles stillschweigend akzeptiert, sondern daß man sich zur Wehr setzt. Es scheint so, daß diese Heckenschützen ein Mechanismus der Gesellschaft sind. Ich bin nicht der erste und nicht der einzige, der damit konfrontiert wird.
Was meinen Sie damit?
Was mich am meisten stört, ist die Brutalität mit der hier in Deutschland Dinge in der Öffentlichkeit kritisiert und diskutiert werden. Zum Beispiel die Angriffe auf Jürgen Klinsmann oder auf Oliver Kahn – da muß ich sagen, so geht man nicht mit Menschen um, das ist nicht meine Art. Aber es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und das ist macht mir ein bißchen Sorge.
Besteht nach dem Abstieg die Gefahr, daß Ihre Dauer-Kritiker schmutzige Wäsche waschen?
Das kann ich nicht ausschließen aber damit kann ich leben.
Eine Ihrer Aufgaben war es, neue Sponsoren und Investoren zu finden. Da ist nicht viel passiert. Sind Sie diesbezüglich gescheitert?
Moment mal, bei den Sponsoren haben wir heute mehr Geld als vorher. Bei der Exklusiv-Vermarktung durch unseren Hauptsponsor, die DVAG, waren es rund sechs Millionen Euro, jetzt liegen wir deutlich drüber. Und was einen neuen Investor angeht: Bei einem Verein mit einem derart katastrophalen Umfeld, bezogen auf die Dauer-Kritik und die große Unruhe durch die vielen Gerichtsprozesse, ist es sehr schwer jemanden zu finden, der investiert. Aber wir werden jetzt, trotz des Abstiegs, relativ schnell in eine strategische Klausurtagung gehen, um abzustecken, wie es diesebzüglich weitergeht.
Fällt die Investorensuche auch deshalb schwer, weil Kaiserslautern, mit Verlaub, Provinz ist?
Ich vergleiche das mal mit dem Schokoladenmarkt. Es gibt schwarze, braune und weiße Schokolade und es spricht nichts dagegen, auf dem weißen Schokomarkt die Nummer eins zu sein, selbst wenn die nicht alle mögen. Es ist also überhaupt kein Problem, Fußball-Provinz zu sein. Und wenn es eine Rolle gibt, die dem FCK gut steht, dann ist es die, des sympathischen Provinzvereins.
Hat der FCK nach diesem Abstieg noch eine Zukunft?
Aber natürlich! Man darf nur nicht wieder in den alten Fehler verfallen, sich mit den Großen messen zu wollen. Wenn man auf dieser jungen Mannschaft aufbaut, Wolfgang Wolf auch bei Rückschlägen ruhig weiter arbeiten läßt, nicht mehr Geld ausgibt als man einnimmt und damit lebt, daß man – nach geglücktem Wiederaufstieg – zum unteren Bundesliga-Drittel gehört, hat der FCK sehr gute Chancen. Aber ich glaube, nach dem Schock der vergangenen Jahre hat der Verein gelernt, daß man nein sagen muß, zu irgendwelchen Verlockungen.
Sollte der Verein, jetzt nachdem Sie als, sagen wir mal, Reizfigur, bald nicht mehr da sind, Hans-Peter Briegel zurückholen?
Das muß die neue Führung entscheiden. Aber ich habe Hans-Peter Briegel als Mensch immer sehr geschätzt. Bei aller Kritik, die er geäußert hat, war es doch immer die Kritik eines Mannes, dessen Herzblut bei diesem Verein war.
Da klingt trotz allem sehr viel Respekt mit.
Was Uwe Seeler beim HSV, Franz Beckenbauer bei den Bayern ist Briegel beim FCK – einer, der wie ein Leuchtturm für den Klub da steht. Ich bin sicher, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt wieder Mitglied und Teil des Vereins wird.
Was macht René C. Jäggi nach dem 31. Juli 2006?
Ich weiß nur eins: Ich werde wieder mehr in Richtung selbstständiges Arbeiten gehen. In den vergangenen Jahren war die Dauerbelastung doch sehr hoch. Das hat an den Nerven gezehrt und deshalb muß ich vor allem dafür sorgen, daß meine Lebensqualität gesteigert wird.
17.05.2006
Von Ulrika Sickenberger
SPORT BILD: Herr Jäggi, drei Mal hat der FCK den Abstiegskampf erfolgreich bestanden, jetzt hat es den Verein doch erwischt. Was bedeutet das für Sie?
René C. Jäggi (57): Für mich persönlich heißt es , daß ich zum ersten Mal zugeben muß: Mit diesem Ausgang habe ich nicht gerechnet. Und das tut weh, sehr weh sogar.
Rene C. Jäggi (Imago)
Empfinden Sie den Abstieg auch als eine persönliche Niederlage?
Ich bin zwar Teil dieser Mannschaft, aber ich habe ja nicht auf dem Platz gestanden. Und deshalb ist es für uns alle eine Niederlage.
Bekommt Trainer Wolfgang Wolf das von ihm geforderte Geld, um eine schlagkräftige Zweitliga-Truppe zusammenstellen zu können?
Ich habe noch am Samstag Abend mit ihm darüber gesprochen und ihn beruhigen können. Wir haben Spielraum, um den aktuellen Etat (8,7 Millionen; d. Red.) noch nach oben zu schrauben. Um alle Namen festzuzurren, sowohl was Ab- und Zugänge betrifft, haben wir ja noch einige Zeit.
Haben Sie Fehler gemacht und wenn ja, wo?
Ich hoffe, Sie gehören auch zu den Menschen, die sagen: Wer viel arbeitet, macht Fehler. Ich arbeite sehr viel und sehr lang, also habe ich auch Fehler gemacht. Aber Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl sagte einmal: Wenn die Summe meiner Entscheidungen positiv ist, bin ich mit dem, was ich gearbeitet habe, zufrieden. Ich halte es genauso.
Noch mal: Wo haben Sie Fehler gemacht?
Für mich zählt nur die Summe einer vierjährigen Tätigkeit und die ist positiv.
Unbestritten, Sie haben den FCK saniert, wirtschaftlich steht der Verein so gut da, wie lange nicht mehr. Aber das alles zu Lasten der sportlichen Qualität. Das war doch ein Fehler?
Das sehe ich nicht so. Ich will weder in Einzellob noch in Einzeltadel machen, das können Sie tun. Es wurde doch schon alles in epischer Breite geschrieben: Die vielen Transfers, die Fehleinkäufe, die Trainer-Entlassungen, aber das interessiert mich nicht. Ich schaue nur auf das Gesamte und das ist positiv! Wenn man mit meiner Leistung nicht zufrieden gewesen wäre, hätte man mich entlassen müssen. Ich bin niemanden Rechenschaft schuldig, nur den Mitgliedern und dem Aufsichtsrat, und von beiden Seiten habe ich nichts Negatives gehört. Ich kann jedenfalls in Ruhe morgens in den Spiegel schauen. Ich hoffe, das können alle anderen auch.
In den knapp vier Jahren, die Sie beim FCK waren, wurden Sie immer wieder kritisiert – von Ex-Spielern wie Mario Basler, Hans-Peter Briegel oder auch Ciriaco Sforza. Wie sehr hat Sie das genervt?
Das ist eine Frage der Qualität der Kritik. Und die war teilweise so tief unter der Gürtellinie, daß sie ihre Wirkung verfehlt hat.
Trotzdem haben Sie auch immer wieder auf die Angriffe reagiert, sich gegen die – wie Sie sagten – Heckenschützen gewehrt.
Es liegt in der Natur meiner Sportart (Jäggi war aktiver Judoka; d. Red.), daß man nicht alles stillschweigend akzeptiert, sondern daß man sich zur Wehr setzt. Es scheint so, daß diese Heckenschützen ein Mechanismus der Gesellschaft sind. Ich bin nicht der erste und nicht der einzige, der damit konfrontiert wird.
Was meinen Sie damit?
Was mich am meisten stört, ist die Brutalität mit der hier in Deutschland Dinge in der Öffentlichkeit kritisiert und diskutiert werden. Zum Beispiel die Angriffe auf Jürgen Klinsmann oder auf Oliver Kahn – da muß ich sagen, so geht man nicht mit Menschen um, das ist nicht meine Art. Aber es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft und das ist macht mir ein bißchen Sorge.
Besteht nach dem Abstieg die Gefahr, daß Ihre Dauer-Kritiker schmutzige Wäsche waschen?
Das kann ich nicht ausschließen aber damit kann ich leben.
Eine Ihrer Aufgaben war es, neue Sponsoren und Investoren zu finden. Da ist nicht viel passiert. Sind Sie diesbezüglich gescheitert?
Moment mal, bei den Sponsoren haben wir heute mehr Geld als vorher. Bei der Exklusiv-Vermarktung durch unseren Hauptsponsor, die DVAG, waren es rund sechs Millionen Euro, jetzt liegen wir deutlich drüber. Und was einen neuen Investor angeht: Bei einem Verein mit einem derart katastrophalen Umfeld, bezogen auf die Dauer-Kritik und die große Unruhe durch die vielen Gerichtsprozesse, ist es sehr schwer jemanden zu finden, der investiert. Aber wir werden jetzt, trotz des Abstiegs, relativ schnell in eine strategische Klausurtagung gehen, um abzustecken, wie es diesebzüglich weitergeht.
Fällt die Investorensuche auch deshalb schwer, weil Kaiserslautern, mit Verlaub, Provinz ist?
Ich vergleiche das mal mit dem Schokoladenmarkt. Es gibt schwarze, braune und weiße Schokolade und es spricht nichts dagegen, auf dem weißen Schokomarkt die Nummer eins zu sein, selbst wenn die nicht alle mögen. Es ist also überhaupt kein Problem, Fußball-Provinz zu sein. Und wenn es eine Rolle gibt, die dem FCK gut steht, dann ist es die, des sympathischen Provinzvereins.
Hat der FCK nach diesem Abstieg noch eine Zukunft?
Aber natürlich! Man darf nur nicht wieder in den alten Fehler verfallen, sich mit den Großen messen zu wollen. Wenn man auf dieser jungen Mannschaft aufbaut, Wolfgang Wolf auch bei Rückschlägen ruhig weiter arbeiten läßt, nicht mehr Geld ausgibt als man einnimmt und damit lebt, daß man – nach geglücktem Wiederaufstieg – zum unteren Bundesliga-Drittel gehört, hat der FCK sehr gute Chancen. Aber ich glaube, nach dem Schock der vergangenen Jahre hat der Verein gelernt, daß man nein sagen muß, zu irgendwelchen Verlockungen.
Sollte der Verein, jetzt nachdem Sie als, sagen wir mal, Reizfigur, bald nicht mehr da sind, Hans-Peter Briegel zurückholen?
Das muß die neue Führung entscheiden. Aber ich habe Hans-Peter Briegel als Mensch immer sehr geschätzt. Bei aller Kritik, die er geäußert hat, war es doch immer die Kritik eines Mannes, dessen Herzblut bei diesem Verein war.
Da klingt trotz allem sehr viel Respekt mit.
Was Uwe Seeler beim HSV, Franz Beckenbauer bei den Bayern ist Briegel beim FCK – einer, der wie ein Leuchtturm für den Klub da steht. Ich bin sicher, daß er zu irgendeinem Zeitpunkt wieder Mitglied und Teil des Vereins wird.
Was macht René C. Jäggi nach dem 31. Juli 2006?
Ich weiß nur eins: Ich werde wieder mehr in Richtung selbstständiges Arbeiten gehen. In den vergangenen Jahren war die Dauerbelastung doch sehr hoch. Das hat an den Nerven gezehrt und deshalb muß ich vor allem dafür sorgen, daß meine Lebensqualität gesteigert wird.