Klingenstädter
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KINDERMORDE IN INDIEN
<span>Polizisten wegen Schlamperei entlassen</span>
Totenschädel, Kinderskelette, Leichenteile in Plastiktüten: Nach den Morden an mindestens 17 Kindern und Frauen in einem Vorort von Neu-Delhi haben die indischen Behörden sechs Polizisten entlassen und drei suspendiert. Sie sollen die Vermisstenanzeigen der Angehörigen ignoriert haben - weil es sich um Slumbewohner handelt.
Lucknow - In den vergangenen zwei Jahren sind 38 Menschen in der Ortschaft Noida, einer südöstlichen Vorstadt von Delhi, verschwunden. Die meisten von ihnen Kinder. Ihre Eltern, ärmste Slumbewohner des Ortes, befürchteten das Schlimmste - doch sie scheiterten an den indischen Behörden, die deren Sorgen und Ängste nicht ernst nahmen. Bis jetzt vor kurzem im Garten eines reichen Geschäftsmannes und in dem Abwasserkanal vor dessen Villa Skelettteile und Schädel entdeckt wurden.
Sechs Polizisten seien entlassen, drei leitende Beamte vom Dienst suspendiert worden, erklärte ein Sprecher des Bundesstaates Uttar Pradesh, in dem Noida liegt. Die Familienangehörigen und andere Dorfbewohner werfen den Behörden vor, ihre Hinweise mehrfach ignoriert zu haben. Der Verwaltungschef Navin Chandra Bajpai erklärte, den Polizisten drohten Anklagen, sollte ihnen Versagen nachgewiesen werden.
Ein Geschäftsmann soll gemeinsam mit seinem Hausangestellten Frauen und Kinder entführt, vergewaltigt und bestialisch ermordet haben. Bei den Opfern handelt es sich um die ärmsten Einwohner Indiens: Slumbewohner, die zwischen großzügigen und gepflegten Anwesen in selbst gebauten Wellblechhütten hausen, auf der Straße leben, kochen, waschen, essen.
Ihr einziger Lichtblick sind Gelegenheitsjobs bei den Reichen. Als die Zahl der vermissten Kinder immer mehr anstieg, gingen sie zur Polizei - doch niemand setzte sich für sie ein. Erst als der Gestank aus dem Abwasser unerträglich wurde, sie sich selbst auf die Suche machten und erste Leichenteile fanden, schaltete sich die Polizei ein und verhaftete den Villenbesitzer und seinen Hausdiener.
Mit Spielzeug und Süßigkeiten ins Haus gelockt
Der geistig zurückgebliebene Hausangestellte legte bereits ein Teilgeständnis ab. Er gestand, acht Kinder getötet zu haben. Die Leichen habe er im Garten hinter dem Haus oder in einem Abwasserkanal davor versteckt. Mit Süßigkeiten und Spielzeug hätten sie die Kinder, mit Jobs die Frauen auf das Anwesen gelockt. Dort seien sie über ihre Opfer hergefallen, missbrauchten sie auf übelste Art und Weise und zerstückelten sie. Es heißt, dieser Fall sei der schlimmste Massenmord in der Geschichte Indiens.
Das Hausmädchen des Geschäftsmannes, gleichzeitig die Ehefrau des Hausangestellten, wird ebenfalls verhört. Es soll laut "Süddeutscher Zeitung" zwei Häuser und Anteile an einer Manufaktur besitzen - unbeschreiblicher Reichtum für ihr klägliches Gehalt. Noch ist unklar, was sich auf dem Anwesen en detail abspielte. Es muss Abgründiges sein, nachdem die Polizei Skelettteile und Totenschädel aus dem Abwasserkanal fischte und Leichenteile aus dem Garten ausgrub, meist fehlte der Torso. Die Knochen seien so durcheinander geworfen, dass bisher nicht klar sei, um wie viele Skelette es sich handele.
Polizeichef R.K.S. Rathore erklärte, bei den Opfern handele es sich um mindestens zehn Kinder und fünf Frauen. Rathore sagte, der Geschäftsmann habe "illegale Beziehungen" gesucht, eine in Indien gängige Umschreibung für Sex mit Kindern. Der Verdächtige gehört zur Elite Indiens. Er soll laut "Süddeutscher Zeitung" auf teuren Colleges studiert haben und in einer arrangierten Ehe leben.
Aufgebrachte Demonstranten drohen mit Lynchjustiz
Die Polizei sagt, der Mann sei in Verdacht geraten, weil er das Mobiltelefon eines vermissten 16-jährigen Mädchens benutzt habe. Die Beamten kamen zu seinem Haus und seien so auf den Verwesungsgeruch der Leichenteile gestoßen. Die Familien der vermissten Kinder erklären dagegen, sie hätten die Polizei zwingen müssen, an den Ort des Verbrechens zu kommen, nachdem sie auf ihr Flehen und Bitten nicht reagiert hätten. "Wir haben der Polizei gesagt, dass wir diesen Mann verdächtigen, aber sie haben uns immer wieder ignoriert", sagte Kuldeep Kumar, dessen vierjähriger Neffe seit Ende Februar vermisst wird.
Die Bezirksregierung bot den Familien der Opfer inzwischen jeweils rund 3400 Euro als Entschädigung an, kritisierte die Polizei in dem Bundesstaat und bot an, eine Eliteeinheit der Bundespolizei könne bei der Aufklärung der grausamen Verbrechen helfen. "Hätte die Regierung des Bundesstaates eher reagiert, hätten die Leben zahlreicher Kinder gerettet werden können", kritisierte Indiens Vize-Innenminister Sriprakash Jaiswal.
Wütende Bewohner von Noida stürmten inzwischen das Grundstück des Geschäftsmannes, verwüsteten das Haus und den Garten. Als Gerüchte aufkamen, der Mann habe mit den Organen seiner Opfer Handel betrieben, zog die aufgebrachte Meute in ein Privatkrankenhaus und wütete dort.
Es kam zu heftigen Straßenschlachten mit der Polizei, in deren Verlauf die Bewohner mit Steinen um sich warfen. Die Beamten warfen die Steine zurück und wehrten sich mit Knüppeln gegen die Demonstranten. Die Angehörigen fordern die Herausgabe des Verdächtigen. "Wir werden ihn töten", sagte Kamlesh, dessen acht Jahre alte Tochter zuletzt im Juli gesehen wurde. "Wir werden ihn in Stücke schneiden."
Allein im Jahr 2005 hat es nach Angaben der indischen Justiz 1327 Kindermorde und 4026 Fälle von Vergewaltigungen von Kindern gegeben.
jjc/AP/dpa
Quelle: spiegel
<span>Polizisten wegen Schlamperei entlassen</span>
Totenschädel, Kinderskelette, Leichenteile in Plastiktüten: Nach den Morden an mindestens 17 Kindern und Frauen in einem Vorort von Neu-Delhi haben die indischen Behörden sechs Polizisten entlassen und drei suspendiert. Sie sollen die Vermisstenanzeigen der Angehörigen ignoriert haben - weil es sich um Slumbewohner handelt.
Lucknow - In den vergangenen zwei Jahren sind 38 Menschen in der Ortschaft Noida, einer südöstlichen Vorstadt von Delhi, verschwunden. Die meisten von ihnen Kinder. Ihre Eltern, ärmste Slumbewohner des Ortes, befürchteten das Schlimmste - doch sie scheiterten an den indischen Behörden, die deren Sorgen und Ängste nicht ernst nahmen. Bis jetzt vor kurzem im Garten eines reichen Geschäftsmannes und in dem Abwasserkanal vor dessen Villa Skelettteile und Schädel entdeckt wurden.
Sechs Polizisten seien entlassen, drei leitende Beamte vom Dienst suspendiert worden, erklärte ein Sprecher des Bundesstaates Uttar Pradesh, in dem Noida liegt. Die Familienangehörigen und andere Dorfbewohner werfen den Behörden vor, ihre Hinweise mehrfach ignoriert zu haben. Der Verwaltungschef Navin Chandra Bajpai erklärte, den Polizisten drohten Anklagen, sollte ihnen Versagen nachgewiesen werden.
Ein Geschäftsmann soll gemeinsam mit seinem Hausangestellten Frauen und Kinder entführt, vergewaltigt und bestialisch ermordet haben. Bei den Opfern handelt es sich um die ärmsten Einwohner Indiens: Slumbewohner, die zwischen großzügigen und gepflegten Anwesen in selbst gebauten Wellblechhütten hausen, auf der Straße leben, kochen, waschen, essen.
Ihr einziger Lichtblick sind Gelegenheitsjobs bei den Reichen. Als die Zahl der vermissten Kinder immer mehr anstieg, gingen sie zur Polizei - doch niemand setzte sich für sie ein. Erst als der Gestank aus dem Abwasser unerträglich wurde, sie sich selbst auf die Suche machten und erste Leichenteile fanden, schaltete sich die Polizei ein und verhaftete den Villenbesitzer und seinen Hausdiener.
Mit Spielzeug und Süßigkeiten ins Haus gelockt
Der geistig zurückgebliebene Hausangestellte legte bereits ein Teilgeständnis ab. Er gestand, acht Kinder getötet zu haben. Die Leichen habe er im Garten hinter dem Haus oder in einem Abwasserkanal davor versteckt. Mit Süßigkeiten und Spielzeug hätten sie die Kinder, mit Jobs die Frauen auf das Anwesen gelockt. Dort seien sie über ihre Opfer hergefallen, missbrauchten sie auf übelste Art und Weise und zerstückelten sie. Es heißt, dieser Fall sei der schlimmste Massenmord in der Geschichte Indiens.
Das Hausmädchen des Geschäftsmannes, gleichzeitig die Ehefrau des Hausangestellten, wird ebenfalls verhört. Es soll laut "Süddeutscher Zeitung" zwei Häuser und Anteile an einer Manufaktur besitzen - unbeschreiblicher Reichtum für ihr klägliches Gehalt. Noch ist unklar, was sich auf dem Anwesen en detail abspielte. Es muss Abgründiges sein, nachdem die Polizei Skelettteile und Totenschädel aus dem Abwasserkanal fischte und Leichenteile aus dem Garten ausgrub, meist fehlte der Torso. Die Knochen seien so durcheinander geworfen, dass bisher nicht klar sei, um wie viele Skelette es sich handele.
Polizeichef R.K.S. Rathore erklärte, bei den Opfern handele es sich um mindestens zehn Kinder und fünf Frauen. Rathore sagte, der Geschäftsmann habe "illegale Beziehungen" gesucht, eine in Indien gängige Umschreibung für Sex mit Kindern. Der Verdächtige gehört zur Elite Indiens. Er soll laut "Süddeutscher Zeitung" auf teuren Colleges studiert haben und in einer arrangierten Ehe leben.
Aufgebrachte Demonstranten drohen mit Lynchjustiz
Die Polizei sagt, der Mann sei in Verdacht geraten, weil er das Mobiltelefon eines vermissten 16-jährigen Mädchens benutzt habe. Die Beamten kamen zu seinem Haus und seien so auf den Verwesungsgeruch der Leichenteile gestoßen. Die Familien der vermissten Kinder erklären dagegen, sie hätten die Polizei zwingen müssen, an den Ort des Verbrechens zu kommen, nachdem sie auf ihr Flehen und Bitten nicht reagiert hätten. "Wir haben der Polizei gesagt, dass wir diesen Mann verdächtigen, aber sie haben uns immer wieder ignoriert", sagte Kuldeep Kumar, dessen vierjähriger Neffe seit Ende Februar vermisst wird.
Die Bezirksregierung bot den Familien der Opfer inzwischen jeweils rund 3400 Euro als Entschädigung an, kritisierte die Polizei in dem Bundesstaat und bot an, eine Eliteeinheit der Bundespolizei könne bei der Aufklärung der grausamen Verbrechen helfen. "Hätte die Regierung des Bundesstaates eher reagiert, hätten die Leben zahlreicher Kinder gerettet werden können", kritisierte Indiens Vize-Innenminister Sriprakash Jaiswal.
Wütende Bewohner von Noida stürmten inzwischen das Grundstück des Geschäftsmannes, verwüsteten das Haus und den Garten. Als Gerüchte aufkamen, der Mann habe mit den Organen seiner Opfer Handel betrieben, zog die aufgebrachte Meute in ein Privatkrankenhaus und wütete dort.
Es kam zu heftigen Straßenschlachten mit der Polizei, in deren Verlauf die Bewohner mit Steinen um sich warfen. Die Beamten warfen die Steine zurück und wehrten sich mit Knüppeln gegen die Demonstranten. Die Angehörigen fordern die Herausgabe des Verdächtigen. "Wir werden ihn töten", sagte Kamlesh, dessen acht Jahre alte Tochter zuletzt im Juli gesehen wurde. "Wir werden ihn in Stücke schneiden."
Allein im Jahr 2005 hat es nach Angaben der indischen Justiz 1327 Kindermorde und 4026 Fälle von Vergewaltigungen von Kindern gegeben.
jjc/AP/dpa
Quelle: spiegel