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Hooligans

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DEN LABERFRED FINDET IHR UNTER DIESEM LINK http://www.roteteufel.de/showthread.php?t=12509http://www.roteteufel.de/showthread.php?t=12509







04.10.2006 - Von ZSKA-Hools attackiert

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Interview mit HSV-Fan Bastian Reschke über die Reise zum Champions League-Spiel in Moskau.



„HSV-Fans im Vorfeld des Champions-Spiels bei ZSKA Moskau angegriffen!“, lautete eine Eilmeldung, die von der Deutschen Presse Agentur vor knapp einer Woche an die Redaktionen geschickt wurde. Inzwischen sind die Hamburger allesamt zurück und können von einer eher ungemütlichen Tour und deren Begleitumständen berichten.



Stadionwelt: Wie war der „ereignisreiche“ Tag in Moskau?

Reschke: Insgesamt waren 160 Hamburger in Moskau. Rund 80 davon haben sich dann gegen 17 Uhr auf dem Roten Platz versammelt, wo wir um 17.30 Uhr einen Treffpunkt vereinbart hatten - eine bunte Mischung aus älteren Allesfahrern, Rentner und Frauen waren auch dabei. Als wir dort auf einer Wiese saßen kamen vier oder fünf Leute vorbei. Die waren höchstens 18, haben sich aber als Spartak-Hools ausgegeben, um zu fragen, was die Chosen-Few-Fahne zu bedeuten habe und ob wir Hools dabei hätten, was wir verneinten. Später kam dann ein Polizist, der sich einen Ausweis und eine Visitenkarte unseres Hotels zeigen ließ. Als wir dann bemerkten, dass er sich in dieselbe Richtung entfernte, aus der auch vorher die „Späher“ kamen, und sich mit denen auch noch unterhielt, haben wir vermutet, dass er sich schmieren ließ. Da wussten wir schon, was kommen würde und dass die später noch am Hotel auftauchen würden. Und weil immer mal wieder Leute mit Jogginghose und Pitbull- oder Lonsdale-Pullover und karierten Mützen - die haben da denselben Dresscode wie beispielsweise auch in Polen – vorbeischauten, wussten wir, dass sie uns weiter beobachteten.



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Die Fahne der Chosen Few auf dem Roten Platz.

Bild: hsv+sgw



Stadionwelt: Wie kam es dann zur Konfrontation?

Reschke: Wir sind dann mit 80 Leuten runter in die U-Bahn. Schon bald kamen die beiden ersten wieder die Treppen hoch uns sagten, wir würden unten erwartet. Unser Fanbeauftragter Sven Freese und ich sind dann mal unten nachschauen gewesen. Wir haben dann nur noch einen weiteren Späher gesehen und auf seinen Pfiff hin stürmten 60 Leute mit „ZSKA-Hooligans“-Rufen auf uns zu. Oben sind dann alle 80 Leute über die Drehkreuze geflüchtet, was trotz einiger Stürze relativ gut geklappt hat. Da standen auch vier Polizisten, die sich aber einen Dreck dafür interessiert haben. Nur vier oder fünf haben sie erwischt, aber beispielsweise auch von den Mädchen abgelassen. Wir haben uns dann auf viele Gassen verstreut und teilweise in der Nationalbibliothek verschanzt. Erst dort hat sich ein deutsch sprechender Student dafür eingesetzt, dass die Polizei kommt. Eine halbe Stunde später war dann auch der HSV-Vorstand da.



Stadionwelt: Hört sich aus der Distanz wie eine Horrorstory an. War es eine?

Reschke: Jein - ich bin beim Hoppen in Polen oder anderen Ländern natürlich schon etwas vorsichtig. Viele aus der Reisegruppe, die solche Szenen nicht kennen oder nicht erwartet haben, waren natürlich verängstigt und wollten nur noch ins Hotel. Man weiß in Osteuropa nie wie die Leute so reagieren.



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HSV-Fans in Moskau.

Bild: hsv+sgw



Stadionwelt: War es im Stadion ähnlich gefährlich?

Reschke: Im Stadion war es o.k., auch wenn aus den Nebenblöcken Rufe wie „Deuze Szweine“ kamen. Nach dem Spiel haben sie uns dann applaudiert. Das habe ich aufgrund der Vorgeschichte nicht erwartet. Wahrscheinlich hat es sie auch irgendwie beeindruckt, dass so viele Leute so weit reisen und ordentlich supporten. Man hatte uns dann zwei Busse organisiert, damit wir nach einer halben Stunde Blocksperre sicher zu unserem Hotel in einer Hochhaussiedlung kommen konnten. Schon bei der Abfahrt kam es mir da ungewöhnlich ruhig vor. Unten vor dem Hotel befindet sich ein Kiosk, an dem wir uns dann noch mit Getränken für den Abend versorgten. Als die letzten zehn noch da standen, sprangen 40 Leute, teilweise mit Sturmhauben, aus dem Gebüsch. Diejenigen Hamburger, die sich gewehrt haben, bekamen - auf gut deutsch gesagt - auf die Fresse. Eine Fotokamera und die „Wedel“-Fahne haben sie erbeutet. Die für unseren Schutz abgestellt Polizei ist natürlich zwei Minuten vorher in ihre Autos verschwunden und kam pünktlich zwei Minuten nach der Auseinandersetzung zurück. Da hatten einige dann die Pläne aufgeben, dass Hotel zu verlassen, anderen tranken draußen noch bis in die frühen Morgenstunden. Am nächsten Tag waren wir zu fünft bei einem Spiel von Spartak und da fielen wir natürlich allein schon aufgrund unseres Äußeren auf. Auch da waren wir der Meinung, dass uns ein Auto verfolgte, aber das war vielleicht auch Paranoia.



Stadionwelt: Hast Du persönlich die Lust auf solche Touren verloren?

Reschke: Einige HSVer sagten nachher, sie hätten sich die Reise lieber geschenkt, oder dass sie beim nächsten Mal zu Hause bleiben würden. Ich persönlich gehöre nicht dazu. Mit so was muss man in Russland einfach rechnen. (Stadionwelt, 4.10.2006)



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Choreografie des ZSKA-Fans im Spiel gegen den HSV.

Bild: hsv+sgw
 
Am 29. Mai 1985 stand im ausverkauften Heysel-Stadion in Brüssel das Europa-Pokal-Endspiel zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool bevor, als sich plötzlich erschreckende Szenen abspielten: Liverpooler Fans stürmten auf Zuschauer aus Turin los, die in Panik Zuflucht suchten. 39 von ihnen kamen um, und mehr als 400 erlitten teils schwere Verletzungen. Um die Situation nicht noch weiter anzuheizen, wurde das Spiel dennoch angepfiffen, während das deutsche Fernsehen wegen der schrecklichen Bilder die Übertragung abbrach.

Nur vier Jahre später, am 15. April 1989, war Liverpool an einer weiteren Katastrophe beteiligt, als die Mannschaft im Hillsborough Stadion in Sheffield ein Pokalspiel gegen Nottingham Forest bestritt. Auch hier brach eine Panik aus, bei der 96 Personen starben.

Während der Weltmeisterschaft 1998 lieferten sich deutsche Fans anlässlich einer Begegnung zwischen Deutschland und Jugoslawien im nordfranzösischen Lens eine Straßenschlacht mit französischen Polizisten, bei der sie einen von ihnen so schwer verletzten, dass er sechs Wochen im Koma lag und seitdem schwerbehindert ist.

Dies sind nur die schlimmsten Krawalle, die in den letzten Jahrzehnten Fußballspiele überschatteten. Vor allem in den 1980er Jahren waren Spiele in nahezu ganz Europa immer wieder von Ausschreitungen begleitet, die glücklicherweise nur selten zu Todesfällen führten, aber oft mehr oder minder schwere Verletzungen sowie Zerstörungen zur Folge hatten. Zuschauer mussten zunehmend befürchten, Opfer gewalttätiger Fans zu werden, und die Besucherzahlen bei Fußballbegegnungen gingen zurück. Der Begriff Hooligan kam auf und allgemein wurde diskutiert, wo die Ursachen für diese Gewalt lagen, seit wann sie bestand und was dagegen unternommen werden konnte.

Ausschreitungen von Zuschauern besitzen eine lange Tradition. Bereits zwischen 1895 und 1914 wurden in England jedes Jahr rund 200 Fälle verzeichnet. Hier und bald darauf in Deutschland und zahlreichen anderen Ländern konnte die Situation bei Fußballspielen so eskalieren, dass Zuschauer aufeinander losgingen. Zeitungen sahen darin Aktionen von Minderheiten und nannten in England die beteiligten Personen schon vor 1900 Hooligans, ein Begriff, dessen Ursprung unklar ist und der vermutlich anfangs ganz allgemein gewalttätige Personen bezeichnete.

In Deutschland tauchte der Begriff Hooligans erst in den 1970er Jahren auf, als die Ausschreitungen eine neue Qualität erreichten. Bis dahin waren diese eher selten und zufällig aufgetreten, wenn etwa ein Spiel besondere Spannung erzeugte oder traditionelle Rivalen aufeinander trafen. Dabei konnte es zu Raufereien oder Schlägereien kommen - wie bei Kirmessen, Schützenfesten oder anderen Anlässen, zu denen große Gruppen von Männern versammelt sind. Seit den 1970er Jahren hingegen nahm nicht nur die Zahl dieser Ausschreitungen zu. Vielmehr konnten sie auch ganz unabhängig vom Spielverlauf vorkommen, sich weit außerhalb der Stadien ereignen und systematisch vorbereitet werden, indem Hooligans zu bestimmten Ereignissen gezielt anreisten - so zur Fußballweltmeisterschaft in Frankreich 1998.

Diese neuen Formen der Gewalt waren leicht zu erkennen, da die daran Beteiligten keinen Hehl aus ihrem Verhalten machten und sich damit sogar brüsteten. Bedeutend schwieriger zu beantworten war die Frage, ob die Gruppe der Hooligans eindeutig abgrenzbar sei, wie viele Personen mit welchem beruflichen und sozialen Hintergrund zu ihr gehörten und warum es zu derartigen Ausschreitungen kam.



so hab auch mal was gefunden

finde ich ziemlich erschreckend

auch wenns schon paar Jahre zurück liegt



ich wusste gar nicht das es schonmal so viel Tote gab
 
Nähere Bestimmung

Hooligans treten häufig in größeren Gruppen auf und zeigen eine hohe Gewaltbereitschaft, was allerdings nicht auf das alltägliche Leben eines Hooligans zutreffen muss, da es recht unterschiedliche Charaktere unter den Hooligans gibt. In der Regel sind sie auch fanatische Anhänger eines Sportvereins, unterscheiden sich aber von den normalen Anhängern. Vor allem bei und im Umfeld von Fußballbegegnungen treffen sie auf ebenso aggressive Hooligans des gegnerischen Vereins. Bei der Konfrontation der miteinander verfeindeten Fangruppen kommt es häufig zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Hooligans sind nicht nur von gewöhnlichen Fans und Ultras, sondern auch von anderen Gruppierungen, Szenen und Einzelpersonen zu unterscheiden, da sie eine bestimmte, charakteristische Art von Gewalt kultivieren.



Abweichend davon wurde in der Vergangenheit der Begriff Hooligan von Außenstehenden oft für alle Randalierer und Schläger in und um die Stadien benutzt.





Etymologie des Begriffes

Die genaue Herkunft des Begriffes Hooligan ist nicht bekannt. Eine Theorie lautet, die Bezeichnung gehe zurück auf den Iren Patrick Hooligan, der 1898 in London in einem Polizei-Bericht als Randalierer und Anführer einer Jugendbande auftaucht. Das Wort entstammt sonach dem Londoner Polizeijargon und ist zurückzuführen auf den Bandenführer mit dem Spitznamen Hooley, der die Bevölkerung des Londoner Stadtteiles Islington geraume Zeit terrorisierte. Das Wort „hooley“ stammt aus dem Irischen und bedeutet „wild“.



Das Wort wurde in der Sowjetunion (dann im Ostblock generell) früh für Schläger, aber auch für abweichende Jugendliche überhaupt benutzt. Nicht ausgeschlossen, dass es über die DDR in den deutschen Sprachschatz geraten ist.



Eine bekannte, häufig gebrauchte, Kurzform des Begriffs lautet "Hool" bzw. in der Mehrzahl entsprechend "Hools".





Herkunft und Verbreitung

Meistens sah man Hooligans bei Fußballspielen, aber es gab sie auch bei anderen Sportarten und in anderen Lebensbereichen. Die Hooligan-Bewegung stammt ursprünglich aus England und hat sich sehr schnell in alle Teile der Welt ausgebreitet. In den 1950er und 1960er Jahren war Hooliganismus in Großbritannien bei Tanzveranstaltungen in Großstädten weit verbreitet.





Hooligan-Philosophie und Hooligan-Kultur

Das Zelebrieren von Gewaltritualen und das Kultivieren einer Ästhetik der Aggressivität sind bestimmende Elemente der Hooligan-Kultur. Hooligans behaupten, der Beweggrund für ihr Handeln sei der Kick, den sie daraus zögen, mit physischer Gewalt zu zeigen, dass man stärker sei als der Gegner. Auch der Zusammenhalt in der Gruppe der "harten Männer" sei für viele der Grund, einer Hooliganbande beizutreten und sie auch nicht wieder zu verlassen.



Unter Hooligans gibt es laut eigener Aussage so etwas wie Regeln, der sog. Ehren-Kodex: Es werden im Normalfall keine anderen Zuschauer der Veranstaltungen, sondern nur gegnerische Hooligangruppen angegriffen. Personen, die auf dem Boden liegen, dürfen nicht weiter geschlagen werden, und der Gebrauch von Waffen und Gegenständen (Regenschirme, Stöcke, Flaschen, Steine, Bierdosen) ist nicht die Regel. Geschilderte Fälle normaler Sportveranstaltungsbesucher belegen jedoch z.T. das Gegenteil. Besonders in Ost- und Südeuropa, aber auch in Deutschland werden in letzter Zeit die Grenzen des sogenannten "Ehren-Kodex" missachtet, und so kommt es teilweise zu blinder Gewalt mit vereinzeltem Einsatz von Hieb- und Stichwaffen.



Für die Hooligans spielt das Fußballspiel selbst dabei teilweise nur eine untergeordnete Rolle. Oft nehmen Hooligans nicht einmal als Zuschauer teil, sondern verabreden sich mit anderen Hooligangruppen außerhalb davon oder suchen den Konflikt im Umfeld des Stadions. Dies ist vor allem dadurch entstanden, weil rund um die Stadien der Bundesliga eine umfassende Videoüberwachung und erhöhter Polizeieinsatz Alltag geworden sind. Dies hat das Hooliganproblem jedoch nicht behoben, sondern nur verdrängt. Das Ausweichen auf untere Ligen und neutrale Plätze gehört mittlerweile zum Alltag - dies steht aber nicht mehr so häufig in der Presse.



Wie zwischen den Fanklubs der Vereine gibt es auch zwischen den Hooligans Freund- und Feindschaften. Je nach Verein sind die Hooligans politisch rechtsstehend - in wenigen Fällen vermischt mit rechtsradikalen Boneheads), oder sie grenzen sich davon ab. Im Osten Deutschlands ist es meist so, dass alle Gruppen mit Neonazis durchsetzt sind. Hooligans, die sich bewusst als politisch linksstehend bezeichnen, sind seltener zu finden. Anhand der Namen der Hooligangruppierungen kann man (allerdings nicht immer) häufig schon erkennen, ob sie politisch motiviert sind oder nicht.



Hooligans stammen aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Von Arbeitern über Angestellte hin zu Akademikern ist alles vertreten. Die Altersgrenzen reichen von etwa 14 Jahren bis Mitte/Ende 40.



Der klassische Hooligan ist als solcher im Stadion nicht so einfach zuzuordnen wie der traditionelle Fan, da er - im Gegensatz zum Fan einer Mannschaft - nicht die Devotionalien seines Vereins trägt, sondern eher unauffällige, aber prestige-trächtige Markenbekleidung bevorzugt, allerdings in der Regel in einem charakteristischen Stil. Bevorzugt werden meist weite, bauschige Schnitte: Blousons und schenkelweite Hosen. In den frühen neunziger Jahren etablierte sich ein relativ einheitlicher Stil aus z.B. Sweatshirts oder Pullover der Marken Best Company, Tesco, Fred Perry oder Iceberg, College-Jacken von Chevignon oder Replay, Nylon-Jacken im Jeansjackenstil von Blue System, Diesel oder Replay, sowie bananenförmige Jeans von Diesel (Modell "Saddle", oft auch in Cord) und teure Anzüge von Armani. Bis heute ist dieser Stil präsent, wird allerdings ergänzt durch Designerkleidung von Burberry, Stone Island, Henri Lloyd, Ralph Lauren, Lacoste und anderen bekannten Modeschöpfern, sowie durch Hosen oder Jeans der Marke Jet Lag. Auch Streetwear- und Sport-Marken wie Lonsdale, Pit Bull, Umbro oder New Balance (Schuhe) wurden und werden getragen. Hooligans bevorzugen oft nicht nur den beschriebenen Stil und bestimmte Marken, sondern auch ganz bestimmte Kleidungsstücke mit Kult-Status - die stereotyp von vielen getragen werden. Teilweise sind das "legendäre" Kleidungsstücke aus der Hooligan-History, die nicht mehr hergestellt werden und deshalb zu einer Ikone der Szene, zum begehrten Klassiker und zum raren Sammelobjekt mutieren (z.B. Best Company Sweatshirts). In Hooligan-Kreisen ist ein plakatives Zur-Schau-Stellen von Marken in Form großer Logos sehr verbreitet, sowie z.T. ein aggressives "pimp"-artiges Posing mit prestigeträchtigen Statussymbolen. Mit diesem Stil und dieser Haltung haben die Hooligans auch die jugendliche Massenmode in den letzten 15 Jahren nachhaltig beeinflusst. Interessant ist auch die stilistische Nähe des Kleidungsstils zur politisch meist ganz anders denkenden „Lan“-Szene.



Einer großen Öffentlichkeit wurde das schon lange vorhandene Hooligan-Phänomen anlässlich des Europapokalendspiels zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool im Brüsseler Heysel-Stadion am 29. Mai 1985 bekannt, bei dem 39 Menschen starben. Viele Hooligans distanzieren sich von diesem Ereignis und behaupten, dass solche Taten nicht von "wahren" Hooligans begangen würden.





Der Fall Nivel

Das wohl bekannteste Opfer randalierender Fußballhooligans ist der französische Gendarm Daniel Nivel. Am 21. Juni 1998 kam es im nordfranzösischen Lens nach dem Spiel Deutschland gegen Jugoslawien bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1998 zu Straßenschlachten zwischen Hooligans und der Polizei. Nivel erlitt damals schwerste Kopfverletzungen, fiel sechs Wochen ins Koma und ist seitdem schwerbehindert. Die Bilder der Prügelszene gingen um die Welt.





Großveranstaltungen

Für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 wurde eine besondere Schwere der Gewalttaten befürchtet, die aufgrund des großen Polizeiaufgebotes und der allgemein positiven Euphorie der Fans jedoch ausblieb. Hooligan-Übergriffe, wie 1998 in Frankreich, wurden nicht bekannt.



Die meisten Hooligan-Gruppierungen veranstalten ihre Aufeinandertreffen heute nicht mehr an bestimmten Spieltagen, sondern nur noch bei Wald-und-Wiesen-Treffen fernab von den Begegnungen. Hierzu verabreden und treffen sich die verschiedenen Gruppierungen zur selbstinszenierten "dritten Halbzeit" an ruhigen und verlassenen Orten, in Wäldern, auf Feldern oder auch in Gewerbegebieten. Dieses deviante Verhalten führt in der Regel zu Ermittlungsverfahren und Verurteilungen wegen Landfriedensbruchs und gefährlicher Körperverletzung.





Sicherheitsvorkehrungen gegen Hooligans

Die Polizei agiert in Deutschland mit szenekundigen Beamten in Zivil, die besonders gewaltbereite Personen an Spieltagen verstärkt beobachten oder gleich mit einem Stadionverbot belegen.



Zur Gewaltprävention werden vielfältige Maßnahmen angesetzt, durch die sich Hooligans und normale Zuschauer besser identifizieren und überwachen lassen. Dabei werden die Hooligans mitunter als Begründung für die Notwendigkeit neuer Sicherheitsmaßnahmen herangezogen (Videoüberwachung in den Städten bezüglich der WM 2006).





1992 wurde die Zentrale Informationsstelle Sporteinsätze (ZIS) beim Landeskriminalamt Düsseldorf eingerichtet. Die ZIS registriert und beobachtet bundesweit Fußball-Gewalttäter im Rahmen der Kartei und steht mit anderen Ländern über den internationalen Datenaustausch in Verbindung, um den Einlaß von Hooligans in Stadien zu verhindern. Der Jahresbericht 2002 führt 7302 deutsche Fans der Kategorien B ("bei Gelegenheit gewalttätig") und C ("zur Gewalt entschlossen") an. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 10 Prozent weniger.
 
Wiedersehen 20 Jahre nach dem Drama im Heysel-Stadion



Nach dem Elfmeter wandte sich Michel Platini einfach ab. Ohne Jubel. Es war in der 55. Minute des Europapokalfinals zwischen Juventus Turin und dem FC Liverpool, als der Franzose den entscheidenden Strafstoß zum 1:0 für Turin verwandelte. Doch es war kein wirklicher Sieg: Wenige Stunden zuvor hatten im Brüsseler Heysel-Stadion 39 Fußballfans ihr Leben verloren. Für Platini war der Abend des 29. Mai 1985 der furchtbarste seiner Karriere. Im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" erinnerte er sich: "Du bist Kind und siehst Ajax und Bayern den Europacup gewinnen. Und dann bist du Spieler, und sie geben dir diesen Pokal in der Umkleide. Du kommst dir betrogen vor, dafür bin ich nicht Fußballer geworden."

Wenn Juventus am Dienstag im Viertelfinale der Champions League erstmals nach 20 Jahren wieder auf Liverpool trifft, werden sie wieder präsent sein, die Opfer des Abends im Heysel-Stadion. Noch bevor das Spiel damals angepfiffen wurde, waren die 39 Fans, größtenteils Italiener, tot: Begraben unter den Trümmern einer Mauer, die sie in ihrer Panik zum Einsturz brachten. "Wir wollten diesen Sieg so sehr, der Europacup war die einzige Trophäe, die Turin noch fehlte. Ein Grund, für den es sich zu leben lohnt. Oder zu sterben, wie es unsere Tifosi in ihren Hymnen besangen", schrieb Platini in seiner Biographie.

Bis heute kann niemand genau sagen, warum sich diese schreckliche Prophezeiung erfüllte. Um den Hergang der Katastrophe zu klären, beauftragte Premierministerin Margaret Thatcher den Richter Sir Justice Popplewell. Viele Faktoren seien zusammengekommen, schrieb der später in seinem Bericht an die Regierung. Das Stadion sei zu alt, die Sicherheitskräfte seien nicht ausreichend vorbereitet gewesen. "Eines haben wir sofort mit Sorge bemerkt, als wir das Stadion betraten", sagt Alan Kennedy rückblickend. "Unsere Fans standen direkt neben den Italienern, es gab keine neutrale Zone dazwischen. Alles, was sie trennte, war ein dünner Drahtzaun."

Bereits eine Stunde vor Anpfiff fingen die Anhänger von Juventus an, die Polizisten im Stadion mit Steinen und Leuchtraketen zu gefährden. Die "Red Animals" aus Liverpool antworteten mit Schmähgesängen und bengalischen Feuern. Schließlich stürmten zwei Juventus-Fans den Rasen. "Sowohl Polizei als auch Gendarmerie bestätigten mir, daß das Verhalten der italienischen Fans bis dahin schlimmer war als das der englischen", schrieb Sir Popplewell nüchtern in seinen Bericht. Um Viertel vor acht war es soweit. Angestachelt von den Provokationen versuchten mehrere hundert Fans des FC Liverpool, den benachbarten Block zu stürmen. Doch hier, im Block Z, standen vor allem italienische Familienväter und Gastarbeiter - ihre Tickets hatten sie auf dem Brüsseler Schwarzmarkt gekauft. Die Fans aus Liverpool interessiert das wenig: Im dritten Anlauf schaffen sie es, den maroden Stahldraht zu durchbrechen. Die flüchtenden Juventus-Fans geraten in Panik. Die Mauer, gegen die sie drücken, fällt wenige Minuten später zusammen - unter ihr begraben liegen die meisten der 39 Opfer.

Das Grollen der zusammenbrechenden Betonwand ist bis in die Kabinen zu hören. Während die ersten Toten und Verletzten abtransportiert werden, warten die Fußballer in der Umkleide auf ein Zeichen des Schiedsrichters. Minutiös beschreibt Platini in seiner Biographie die Sekunden bis zum Anpfiff. "Um 20 Uhr kommt ein Vertreter des Europäischen Fußballverbands in die Umkleide. Er fragt uns: Seid ihr bereit zu spielen? Einige Spieler verneinen. Er dreht sich zu ihnen und sagt: Wenn ihr nicht spielt, gibt es da draußen nicht dreißig Tote, sondern hundert." Mit seinen Kollegen lief Platini zu dem Block, in dem die Mauer zusammengebrochen war, und sprach mit den Fans. Als er zurückkehrte, klangen ihre Bitten wie ein Echo in seinem Kopf. "Spielt nicht! Denkt an die Toten!"

Während Platini in der Umkleide die schwerste Entscheidung seines Lebens fällte, pendelte Alan Kennedy zwischen der Kabine und den Familien der Liverpooler Spieler. "Noch heute habe ich so etwas wie eine mentale Blockade im Kopf", sagte Kennedy. "Ich kann mich nicht an alles erinnern, dazu standen wir zu sehr unter Schock. Die Situation war furchtbar, dieses Spiel hätte niemals stattfinden dürfen."

Sir Justice Popplewell stellte später fest: Die Katastrophe hätte verhindert werden können, wären die Fans besser voneinander getrennt worden. Die Folgen des Desasters für den englischen Fußball sind drakonisch: Fünf Jahre lang werden englische Vereinsmannschaften von europäischen Wettbewerben ausgeschlossen, Liverpool für sieben. 14 englische Fans werden verurteilt, der belgische Staat und die UEFA entschädigen die Angehörigen der Opfer mit rund 1,3 Millionen Euro.

In Brüssel wird ab Mai eine 60 Quadratmeter große Sonnenuhr als Denkmal an die Opfer erinnern. 1995 wurde der Name des Stadions in "König Baudouin" geändert. Für Platini bleibt die Erinnerung jedoch immer mit dem Namen Heysel verbunden: "In diesem Stadion hat der Fußball seine Unschuld verloren. Du kommst nach Heysel, und all deine Träume zerbrechen."
 
Dynamo Dresden

Vermummte Hooligans machen Jagd auf Spieler

Von Reiner Burger, Dresden

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Schon zu DDR-Zeiten gab es Gewalt-Exzesse der Dynamo-Fans



26. Februar 2007

Die nach kurzem Stocken in Angst umschlagende Überraschung ist den Spielern von Dynamo Dresden in der kurzen Fernsehsequenz anzumerken. Als die Fußballspieler am Sonntagvormittag auf ihrem Weg zum Training sind, stürmt plötzlich eine Gruppe vermummter, zumeist schwarz gekleideter Fans bedrohlich hinter ihnen her. Schließlich blockieren die fünfzig Männer den Weg der Mannschaft, beschimpfen die Spieler und zünden Feuerwerkskörper. Ein Fernsehteam des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), das die Szene dokumentiert, berichtet von Schüssen aus einer Schreckschusspistole.

Nach dem 0:1 gegen den VfL Osnabrück am Samstag scheint beim Drittligisten Dynamo Dresden, dem Traditionsverein mit den vielen tausend so treuen wie friedlichen Fans und den einigen hundert gewaltbereiten Problem-Anhängern, vieles außer Kontrolle geraten zu sein. Zwar hatte die Dynamo-Elf auf dem Rasen wirklich vieles versucht, hatte - wie auch von den Fans im Stadion auf Spruchbändern gefordert - gekämpft, doch am Ende musste die Dresdner Mannschaft sich den über weite Phasen des Matches viel schwächeren Osnabrückern geschlagen geben. Unmittelbar nach Abpfiff beschimpften dann Dynamo-Fans ihre Mannschaft übel. Beim Verlassen des Stadions mussten Sicherheitskräfte die Spieler abschirmen.



„Quasi vogelfrei“

Die Fans von Dynamo Dresden gelten als besonders gewaltbereit



Nach der Attacke vom Sonntag äußerten sich Dynamo-Spieler tief betroffen. Stürmer Marco Vorbeck sagte, er habe Angst um sein Leben. „Es kann einfach nicht so weitergehen.“ Zudem kritisierte Vorbeck Dynamo-Hauptgeschäftsführer Volkmar Köster scharf. Köster hatte nach dem Spiel im MDR gesagt, es sei völlig normal und das „gute Recht der Fans, den Spielern mal zu sagen, was sie machen können und was nicht“. Vorbeck warf Köster vor, die Mannschaft „quasi vogelfrei gestellt“ zu haben. Am Montag ließ die Geschäftsführung, der Aufsichtsrat und das Präsidium von Dynamo eine Mitteilung verbreiten, in der die Gremien den Vorfall „auf das Schärfste“ verurteilen. Der Verein habe Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt und unterstütze die Ermittler mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln.

Hauptgeschäftsführer Köster sagte in Anspielung auf die von Fans organisierte Blockade des Spieler-Busses nach der 0:3-Niederlage in Ahlen am Samstag vorvergangener Woche, wenn Fans ihren Unmut gegenüber den Fußballern kundtun, sei das normal. „Auch Pfiffe und harte Worte nach dem Osnabrückspiel sind aus Frust über die erneute Niederlage noch verständlich. Aber kein Grund der Welt rechtfertigt eine solche körperliche und verbale Bedrohung unserer Mannschaft.“



Das spezielle Dynamo-Phänomen

Zieht sich den Unmut der Spieler zu: Dynamo-Geschäftsführer Köster



Tatsächlich ist es ein neues Phänomen, dass offensichtlich gewaltbereite Fans ihren Frust nicht mehr wie bisher im Anschluss an Spiele an gegnerischen Fans oder (falls diese zu gut abgeschirmt sind) am Ersatzgegner Polizei abarbeiten, sondern nun sogar die eigene Mannschaft attackieren. Offenbar handelt es sich um eine weitere Variante einer langen Gewalttradition unter Dynamo-Fans. Denn Exzesse eines kleinen aber im wahrsten Sinne des Wortes doch sehr schlagkräftigen Teils der Dynamo-Fans hat es schon zu DDR-Zeiten gegeben. Hintergrund war damals unter anderem, dass Dynamo auf Anweisung der Staatsführung im Vergleich zu Berliner Klubs benachteiligt wurde.

Ganz allgemein galt manchen Krawall als eine Form des legitimen Aufbegehrens gegen das Regime. Auch nach der Wende riss diese unsägliche Tradition nicht ab. Anfang der neunziger Jahre kam es zu schweren Ausschreitungen beim Europacup-Spiel gegen Roter Stern Belgrad. Ein trauriger Höhepunkt war im September 2002 das Stadtderby gegen den Dresdner Sportclub, bei dem sich nicht nur Hooligans, sondern auch bisher ungescholtene Leute vor dem Dynamo-Stadion eine wilde Schlacht mit der Polizei lieferten. Weitere 1000 Personen standen dabei und applaudierten. Das ist das spezielle Dynamo-Phänomen: Zwar zählen die Dynamo-Hooligans, also so genannte gewaltsuchende Fans „nur“ rund 100 Mitglieder, zusammen mit den rund 500 „gewaltgeneigten“ Dynamo-Fans ergibt sich aber ein beachtliches Problempotential.



Irrwitzig viele Polizisten zu Regional-Veranstaltungen

Trainer Norbert Meier hat mit Dynamo einen schwachen Rückrundenstart hingelegt



Das zeigte sich auch im vergangenen Herbst - das WM-Gefühl einer friedlichen Fußballgemeinschaft in Deutschland war noch längst nicht verflogen, da zeigte der Hooliganismus seine schreckliche Fratze in der Dritten Liga: Nach der Partie Dynamo gegen Herta BSC II kam es zu schweren Ausschreitungen. Dass Gewalt unter Fußballfans nicht nur in Ost- sondern auch in Westdeutschland vor allem in den unteren Ligen aufbricht, hängt auch damit zusammen, dass die Stadien der dort spielenden Vereine sich geradezu als Spielwiese für Grenzüberschreitungen anbieten, denn es fehlt überall an Kontrolle und Überwachung. Regelmäßig muss die Polizei geradezu irrwitzig viele Beamte zur Sicherung der Regional-Veranstaltungen einsetzen - bei manchen Parteien sind mehr als 1000 Sicherheitskräfte rund um die Stadien präsent.

Gerade bei Ost-Vereinen wie Lok Leipzig oder eben Dynamo Dresden kommt noch ein anderer Aspekt dazu: Zu DDR-Zeiten waren beide Klubs große Vereine. Noch in den ersten Jahren nach der Wende spielte Dynamo in der ersten Bundesliga. Mitte der neunziger Jahre stürzte der traditionsreiche Verein dann ab, als er wegen Überschuldung die Lizenz entzogen bekam. Zwar hatte sich Dynamo zwischenzeitlich bis in die Zweite Bundesliga hochgearbeitet - doch erholen konnte sich der Verein bis heute nicht richtig. Anlässe die Mannschaft zu feiern gibt es bei Dynamo für die Fans selten - also gingen sie dazu über, sich selbst zu feiern. Gerade die gewaltgeneigten Fans sind heute nicht auf den einstmals guten Ruf ihrer Mannschaft, sondern auf den miesen Ruf der Gefährlichkeit, der ihnen bei Auswärtsspielen vorauseilt, stolz. Die Grenzen zu den so genannten Ultras - die sich auch in Dresden als der wahre Verein begreifen - sind dabei fließend.



Text: FAZ.NET

Bildmaterial: ddp, dpa, picture-alliance/ dpa

http://www.faz.net/s/RubFB1F9CD53135470AA600A7D04B278528/Doc~EB9355FFA5082473FB9DFD9E514088453~ATpl~Ecommon~Scontent.html
 
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