17. April 2006Druckversion
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[size=-2]FUSSBALLZWERG GIBRALTAR[/size]
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[size=-2]Scharmützel auf dem Affenfelsen
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Von Marcus Uhlig
Seit Jahren bemüht sich die winzige britische Kronkolonie Gibraltar darum, fußballerische Souveränität zu erlangen. Allerdings vergeblich. Der Traum von offiziellen Länderspielen hat sich bislang nicht erfüllt. Schuld daran soll der große Nachbar aus Spanien sein.
Fußball und Gibraltar? Das hört sich zunächst nach einem Widerspruch an. Außer als steuerlich begünstigte Briefkastenheimat für Online-Wettanbieter hat die britische Kronkolonie in dieser Sportart bislang keinerlei überregionale Schlagzeilen produziert. Knapp 28.000 Menschen leben an der Südspitze der iberischen Halbinsel.
<span>GEFUNDEN IN ...</span>
11 Freunde
Magazin für Fußball- Kultur
Heft 53 - April 2006

In Gibraltar erschlagen einen die Kontraste, man wähnt sich als Besucher einer überdimensionalen Modelleisenbahn-Landschaft. Eine Bergkette, aus der der berühmte Affenfelsen mit einer Höhe von etwas mehr als 400 Metern herausragt, lehnt sich direkt an die Stadt und den Hafen. Nach dem Grenzübergang gelangt man auf die Hauptstraße der Halbinsel, die nach wenigen Metern von einer Landebahn gekreuzt wird. Der Verkehr muss mehrmals am Tag gestoppt werden, immer dann, wenn ein Flugzeug starten oder landen will.
Gleich hinter diesem skurril anmutenden Flughafen erheben sich vier Flutlichtmasten. Das dazugehörige "Victoria Stadium" liegt inmitten einer durch britische Subventionsgelder finanzierten Sportanlage, die ihresgleichen sucht: zwei Sporthallen, von denen die neuere mit sechs digitalen Anzeigetafeln ausgestattet ist, mehrere Kunstrasenplätze, zwei Hockeyfelder, ein moderner Wassersporthafen und zahlreiche Squash-Courts. Sogar eine eigene kleine Darthalle gibt es, Plakate künden von einem demnächst stattfindenden "WM-Turnier mit einer Rekordausschüttung von 20.000 Pfund".
"Jeder, der in Gibraltar Sport treibt, kommt zu uns", erklärt Ricky, Mädchen für alles auf der Anlage. Er begleitet uns auf die Stadion-Tribüne, für heute ist ein Pokalspieltag terminiert. Alle 80 gibraltarischen Fußballteams teilen sich für ihre Pflichtspiele den Kunstrasenplatz des Stadions. Erstligist Manchester United Gibraltar trifft gerade auf den Drittligisten Gibraltar Pilots. Die Amtssprache der Gibraltesen ist zwar Englisch, die Kommandos auf dem Platz werden aber meist auf Spanisch gegeben.

Affenfelsen von Gibraltar: Ärger mit dem großen Nachbarn
Kurz vor der Halbzeit des, wohlwollend formuliert, maximal auf Kreisliganiveau stattfindenden Kicks baut auf der Gegentribüne ein Fernsehteam sein Equipment auf. "Natürlich zeigen wir das Spiel", sagt der Kameramann auf Nachfrage leicht irritiert. Wie immer gebe es eine Zusammenfassung in den Nachrichten. "Ihr interessiert euch für unseren Streit mit der Uefa?" Er deutet auf einen der wenigen Zuschauer: "Sprecht mal mit dem da, das ist der Präsident unseres Fußballverbandes."
Und so lernen wir Joseph Nuñez kennen, einen freundlichen Mittvierziger. 1997, berichtet er, habe Gibraltar erstmals einen Antrag auf Mitgliedschaft bei der Fifa gestellt, zwei Jahre lang sei erst einmal gar nichts passiert. Danach verwies man den kleinen Verband an die Uefa. Wieder verging ein ganzes Jahr, bis im Jahr 2000 schließlich das Stadion inspiziert wurde. "Wir möchten nicht mehr, aber auch nicht weniger, als dass unser Fußballverband offiziell anerkannt wird. Schließlich haben unsere Basketballer und Hockeyspieler diesen Status schon lange."
Seit Spanien eingegriffen hat, ist die Tür wie vernagelt
"Hinterher haben sie uns mitgeteilt, es gäbe keinen Grund, warum wir nicht Mitglied der Uefa werden könnten", ereifert sich Nuñez. "Doch dann haben die Spanier Wind von unseren Plänen bekommen. Und seitdem ist die Tür wie vernagelt." Doch welches Interesse könnte der große Nachbar haben, die gibraltarischen Pläne zu sabotieren? Nuñez' Miene wird noch finsterer: "Spanische Politiker! Was meinen sie, was bei denen los wäre, wenn man uns als offiziellen Verband anerkennt? Die denken, sie würden dann ihr Gesicht verlieren."
<span>WM-SPIELPLAN<IMG height=7 alt=">" src="http://www.spiegel.de/static/sys/v6/doppelpfeil_re_000_17x7.gif" width=17 border=0>
</span>
Der WM- Konfigurator von SPIEGEL ONLINE:
Spielen Sie das Turnier schon vor dem ersten Anpfiff durch - von der Vorrunde bis zum Finale

Die Situation Gibraltars ist durchaus sensibel. Geographisch gehört der Felsen zur Iberischen Halbinsel, politisch seit der britischen Annexion 1704 zum Commonwealth, ethnisch sowohl zu Spanien als auch zu Großbritannien. 1967 haben sich die Gibraltarer per Volksentscheid mit überwältigender Mehrheit dafür entschieden, unter britischer Verwaltung zu bleiben. Der damalige spanische Militärmachthaber, General Francisco Franco, ließ daraufhin kurzerhand die Grenze schließen und unterwarf Gibraltar einer 16 Jahre währenden Wirtschaftsblockade.
Bis heute hält der Konflikt um Gibraltar zwischen Großbritannien und Spanien an, unter dem nun auch die Fußballer zu leiden haben. Ob und wann ein Team aus der Commonwealth-Enklave offizielle Länderspiele austragen darf, steht in den Sternen. Seit einiger Zeit liegt die Petition aus Gibraltar schon bei der Cas, dem internationalen Schiedsgericht für Sportangelegenheiten. Die Sache ist eigentlich entscheidungsreif, doch kein Mensch verrät den Gibraltarern, wann etwas passieren wird.
"Ich weiß auch nicht, was wir noch tun sollen. Überall heißt es, wir würden sämtliche Kriterien erfüllen, aber wer weiß, wen Spanien auf offizieller Ebene alles bestochen hat", sagt der Präsident und blickt zum Upper Rock, dem Affenfelsen, hinauf. Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, wo frei lebende Affen beheimatet sind. Der Legende nach wird die britische Herrschaft in Gibraltar beendet sein, sobald der letzte Affe den Felsen verlassen hat.
"Hoffentlich vergiften sie nicht auch noch die Affen", sagt Nuñez zum Abschied. Einem abschließenden Fotowunsch verweigert er sich. "Aber schreiben Sie ruhig alles, was ich gesagt habe. Schreiben Sie die Wahrheit."
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,411026,00.html
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[size=-2]Scharmützel auf dem Affenfelsen
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Von Marcus Uhlig
Seit Jahren bemüht sich die winzige britische Kronkolonie Gibraltar darum, fußballerische Souveränität zu erlangen. Allerdings vergeblich. Der Traum von offiziellen Länderspielen hat sich bislang nicht erfüllt. Schuld daran soll der große Nachbar aus Spanien sein.
Fußball und Gibraltar? Das hört sich zunächst nach einem Widerspruch an. Außer als steuerlich begünstigte Briefkastenheimat für Online-Wettanbieter hat die britische Kronkolonie in dieser Sportart bislang keinerlei überregionale Schlagzeilen produziert. Knapp 28.000 Menschen leben an der Südspitze der iberischen Halbinsel.
<span>GEFUNDEN IN ...</span>
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Magazin für Fußball- Kultur
Heft 53 - April 2006

In Gibraltar erschlagen einen die Kontraste, man wähnt sich als Besucher einer überdimensionalen Modelleisenbahn-Landschaft. Eine Bergkette, aus der der berühmte Affenfelsen mit einer Höhe von etwas mehr als 400 Metern herausragt, lehnt sich direkt an die Stadt und den Hafen. Nach dem Grenzübergang gelangt man auf die Hauptstraße der Halbinsel, die nach wenigen Metern von einer Landebahn gekreuzt wird. Der Verkehr muss mehrmals am Tag gestoppt werden, immer dann, wenn ein Flugzeug starten oder landen will.
Gleich hinter diesem skurril anmutenden Flughafen erheben sich vier Flutlichtmasten. Das dazugehörige "Victoria Stadium" liegt inmitten einer durch britische Subventionsgelder finanzierten Sportanlage, die ihresgleichen sucht: zwei Sporthallen, von denen die neuere mit sechs digitalen Anzeigetafeln ausgestattet ist, mehrere Kunstrasenplätze, zwei Hockeyfelder, ein moderner Wassersporthafen und zahlreiche Squash-Courts. Sogar eine eigene kleine Darthalle gibt es, Plakate künden von einem demnächst stattfindenden "WM-Turnier mit einer Rekordausschüttung von 20.000 Pfund".
"Jeder, der in Gibraltar Sport treibt, kommt zu uns", erklärt Ricky, Mädchen für alles auf der Anlage. Er begleitet uns auf die Stadion-Tribüne, für heute ist ein Pokalspieltag terminiert. Alle 80 gibraltarischen Fußballteams teilen sich für ihre Pflichtspiele den Kunstrasenplatz des Stadions. Erstligist Manchester United Gibraltar trifft gerade auf den Drittligisten Gibraltar Pilots. Die Amtssprache der Gibraltesen ist zwar Englisch, die Kommandos auf dem Platz werden aber meist auf Spanisch gegeben.

Affenfelsen von Gibraltar: Ärger mit dem großen Nachbarn
Kurz vor der Halbzeit des, wohlwollend formuliert, maximal auf Kreisliganiveau stattfindenden Kicks baut auf der Gegentribüne ein Fernsehteam sein Equipment auf. "Natürlich zeigen wir das Spiel", sagt der Kameramann auf Nachfrage leicht irritiert. Wie immer gebe es eine Zusammenfassung in den Nachrichten. "Ihr interessiert euch für unseren Streit mit der Uefa?" Er deutet auf einen der wenigen Zuschauer: "Sprecht mal mit dem da, das ist der Präsident unseres Fußballverbandes."
Und so lernen wir Joseph Nuñez kennen, einen freundlichen Mittvierziger. 1997, berichtet er, habe Gibraltar erstmals einen Antrag auf Mitgliedschaft bei der Fifa gestellt, zwei Jahre lang sei erst einmal gar nichts passiert. Danach verwies man den kleinen Verband an die Uefa. Wieder verging ein ganzes Jahr, bis im Jahr 2000 schließlich das Stadion inspiziert wurde. "Wir möchten nicht mehr, aber auch nicht weniger, als dass unser Fußballverband offiziell anerkannt wird. Schließlich haben unsere Basketballer und Hockeyspieler diesen Status schon lange."
Seit Spanien eingegriffen hat, ist die Tür wie vernagelt
"Hinterher haben sie uns mitgeteilt, es gäbe keinen Grund, warum wir nicht Mitglied der Uefa werden könnten", ereifert sich Nuñez. "Doch dann haben die Spanier Wind von unseren Plänen bekommen. Und seitdem ist die Tür wie vernagelt." Doch welches Interesse könnte der große Nachbar haben, die gibraltarischen Pläne zu sabotieren? Nuñez' Miene wird noch finsterer: "Spanische Politiker! Was meinen sie, was bei denen los wäre, wenn man uns als offiziellen Verband anerkennt? Die denken, sie würden dann ihr Gesicht verlieren."
<span>WM-SPIELPLAN<IMG height=7 alt=">" src="http://www.spiegel.de/static/sys/v6/doppelpfeil_re_000_17x7.gif" width=17 border=0>
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Der WM- Konfigurator von SPIEGEL ONLINE:
Spielen Sie das Turnier schon vor dem ersten Anpfiff durch - von der Vorrunde bis zum Finale

SPIEGEL ONLINE
Die Situation Gibraltars ist durchaus sensibel. Geographisch gehört der Felsen zur Iberischen Halbinsel, politisch seit der britischen Annexion 1704 zum Commonwealth, ethnisch sowohl zu Spanien als auch zu Großbritannien. 1967 haben sich die Gibraltarer per Volksentscheid mit überwältigender Mehrheit dafür entschieden, unter britischer Verwaltung zu bleiben. Der damalige spanische Militärmachthaber, General Francisco Franco, ließ daraufhin kurzerhand die Grenze schließen und unterwarf Gibraltar einer 16 Jahre währenden Wirtschaftsblockade.
Bis heute hält der Konflikt um Gibraltar zwischen Großbritannien und Spanien an, unter dem nun auch die Fußballer zu leiden haben. Ob und wann ein Team aus der Commonwealth-Enklave offizielle Länderspiele austragen darf, steht in den Sternen. Seit einiger Zeit liegt die Petition aus Gibraltar schon bei der Cas, dem internationalen Schiedsgericht für Sportangelegenheiten. Die Sache ist eigentlich entscheidungsreif, doch kein Mensch verrät den Gibraltarern, wann etwas passieren wird.
"Ich weiß auch nicht, was wir noch tun sollen. Überall heißt es, wir würden sämtliche Kriterien erfüllen, aber wer weiß, wen Spanien auf offizieller Ebene alles bestochen hat", sagt der Präsident und blickt zum Upper Rock, dem Affenfelsen, hinauf. Gibraltar ist der einzige Ort in Europa, wo frei lebende Affen beheimatet sind. Der Legende nach wird die britische Herrschaft in Gibraltar beendet sein, sobald der letzte Affe den Felsen verlassen hat.
"Hoffentlich vergiften sie nicht auch noch die Affen", sagt Nuñez zum Abschied. Einem abschließenden Fotowunsch verweigert er sich. "Aber schreiben Sie ruhig alles, was ich gesagt habe. Schreiben Sie die Wahrheit."
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,411026,00.html
