Imola-Vorschau: Die Formel 1 ist zurück in Europa
In unserer Rennvorschau beschäftigen wir uns mit dem Grand Prix von San Marino, dem ersten Rennen 2006 auf europäischem Boden
(F1Total.com) - Auch in diesem Jahr ist der Große Preis von San Marino in Imola nach den ersten drei Überseerennen das Auftaktrennen zur Formel-1-Saison in Europa. Der Unterschied könnte kaum größer sein: Über die Wüste in Bahrain in die Tropen nach Malaysia, dann in den australischen Herbst in Melbourne - und nun gastiert die Formel 1 in der italienischen Provinz. Das Rennen wird nicht in dem mittelalterlichen Zwergstaat San Marino ausgetragen, der als Namensgeber fungiert, sondern einige Kilometer östlich, im 'Autodromo Enzo e Dino Ferrari' von Imola, sehr malerisch inmitten der Hügel der Emilia Romagna gelegen.
An die Rennstrecke der Kleinstadt zwischen Bologna und Rimini können die Teams endlich wieder mit dem vollen Equipment anreisen, auf das man bei den Überseerennen zum Teil hatte verzichten müssen. Aus diesem Grund sind alle Teammitglieder überdurchschnittlich gut gelaunt. In den Boxen stehen viele neu angeschaffte und auf Hochglanz polierte Motorhomes und andere neu erworbene Schmuckstücke, die man den vermehrt auftretenden Prominenten gerne zeigt.
Seit der Tragödie von 1994 sind zwölf Jahre vergangen
Trotz aller Vorfreude auf das Rennen kehrt aber immer wieder die schreckliche Erinnerung an das Horrorwochenende von 1994 zurück, als erst Roland Ratzenberger ums Leben kam und einen Tag später mit Ayrton Senna die Formel 1 einen weiteren Fahrer verlor. Imola war früher eine Rennstrecke mit vielen langen und schnellen Kurven, die auch Nelson Piquet bei einem schweren Qualifying-Unfall 1987 nach einem Reifenschaden im Williams-Honda beinahe zum Verhängnis wurden - allerdings hier ohne ernstere Folgen. Auch Gerhard Berger erinnert sich ungern an das Rennen von 1989 in Imola zurück, bei dem er in einem Feuerball mit seinem Ferrari an der Mauer entlang rutschte. Die Unglücke passierten allesamt in der berüchtigten 'Tamburello'-Kurve, eine Vollgaspassage, die den Piloten aufgrund der angrenzenden Betonmauer, die wegen dem dahinter liegenden Fluss notwendig ist, gehörig Respekt einflößte.
Strecke wurde vom High-Speed- zum Stop-and-Go-Kurs umgebaut
Die zwei tödlichen Unfälle von 1994 führten zu Veränderungen an der Strecke. Die Fahrer werden seitdem durch zusätzliche Schikanen eingebremst, die man für rund zweieinhalb Millionen Euro einbaute. Wie so oft gingen durch die Umbaumaßnahmen Überholmöglichkeiten verloren; die Strecke wurde von einem Hochgeschwindigkeitskurs zu einer mittelschnellen Strecke. Die Piste sorgte dennoch auch in den folgenden Jahren für spannende Rennen, aber auch den einen oder anderen Zwischenfall: 1995 hatte Michael Schumacher einen seiner heftigsten Rennunfälle, als er auf nasser Strecke in der 'Piratella'-Kurve von der Strecke rutschte und in die Mauer krachte. Dennoch ist die 4,933 Kilometer lange Strecke bei vielen Fahrern beliebt, da es weiterhin herausfordernde Kurven gibt und Senken und Steigungen für den nötigen Fahrspaß sorgen.
Imola liegt in Italien, dennoch: Grand Prix von San Marino
Die kleine Republik San Marino, zu finden südwestlich des beliebten Badeorts Rimini, ist Namensvetter des Rennens. Mit einer Größe von lediglich 60,5 Quadratkilometern ist San Marino die kleinste und älteste unabhängige Republik der Welt. Obwohl das Rennen als Großer Preis von San Marino ausgetragen wird, liegt Imola gar nicht in San Marino, sondern in Italien. Dieser Umstand ist auf einen Streit zurückzuführen, der bis in das Jahr 1980 zurückdatiert. Damals wechselte der Große Preis von Italien von Imola nach Monza. Im Jahr darauf wurde Imola wieder ein Grand Prix zugestanden, aber da unter dem Namen eines Landes nur ein Rennen pro Saison ausgetragen werden darf, übernahm San Marino kurzerhand die Patenschaft für das Rennen.
Die Stadt Imola selbst wirkt katholisch verschlafen und liegt in der landschaftlich sehr schönen Emilia Romagna. In zahlreichen Restaurants wie dem 'San Domenico' oder dem 'Pappagallo' gibt es nicht nur köstliche Pasta-Gerichte, sondern mit etwas Glück auch den einen oder anderen Prominenten zu sehen. Für Ferrari-Fans - und die sind in Imola reichlich vertreten - lohnt ein Abstecher in die 'Galleria Ferrari', die im rund 70 Kilometer entfernten Ferrari-Werk in Maranello zu finden ist.
Die italienischen Restaurants bieten Gaumenfreuden
Zur Stärkung gibt es Restaurants ohne Ende, in denen man es sich bei Rotwein und Pasta in allen Variationen richtig gut gehen lassen kann. Im 'Molino Rosso', im 'Nettuno' und speziell im 'San Domenico' in der 'Via G. Sacchi' in Imola kann man abends auch schon mal den einen oder anderen Formel-1-Piloten antreffen. Voraussetzung hierfür ist aber auf alle Fälle ein gut gefüllter Geldbeutel, denn ein Dinner hier ist nicht ganz billig.
Ein kleiner Geheimtipp ist das 'Mario's' in Riolo Terme, etwa 15 Autominuten von Imola entfernt. Hier sollte man auf alle Fälle die deutsche Speisekarte verlangen - für Amüsement und Gelächter ist mit Sicherheit gesorgt! Gestärkt und voller Energie kann man dann entweder zu einer der Partys auf dem so genannten 'Lambrusco'-Hügel bei Start und Ziel in Imola gehen oder - wenn man richtig auf Nachtleben mit all seinen Facetten steht - nach Bologna oder Richtung Adria fahren.
Hübsche Mädchen und coole Partys
Die hübschesten Mädchen Bolognas und die coolsten Partys gibt es in den großen Klubs wie dem 'Sottotetto Sound Club' und dem 'Il Corvo' in der 'Viale Zagabria'. Musikliebhaber sollten ins 'Corso Maltesa' in der 'Via del Borgo di San Pietro' oder ins 'Officina Estragon' in der Via Calzoni gehen. Heiße Nächte, auch wenn es draußen noch etwas kalt ist, kann man aber ebenso, vielleicht sogar noch besser, in Rimini erleben, wo auch außerhalb der Badesaison einiges geboten wird: Die Bars rund um die 'Piazza Tre Martiri' laden zu einem ersten Drink ein, bevor man im berühmten 'Paradiso' oder im 'Bandiera' die Nacht zum Tag machen kann. Zum Abtanzen und für heiße Flirts empfehlen sich auch Discos wie das 'Baia Imperiale', das 'Villa Mona Amour' in Rimini oder das 'Energy' in Cesenatico. Wer dann noch genügend Energie besitzt, sich das Rennen am Sonntag anzuschauen, kann es sich auf einem der Hügel rund um die Strecke bequem machen und sehen, wie die Ferraris und McLarens aus der Tosa den Hügel raufjagen und um die Rivazza donnern.
Imola ist eine Strecke der Gegensätze: Langgezogene und schnelle Kurven folgen dem Verlauf des Santerno, einem kleinen Fluss, der an der Strecke - dem Verlauf der Boxengasse folgend - vorbeifließt. Gegenüber führt eine Kombination von langsamen Kurven durch einen Weinberg. Idyllisch und schön gelegen ist der Kurs, doch davon bekommen die Fahrer im Auto wenig mit. Sie haben Sorgen mit ihren Bremsen, die extrem belastet werden, und müssen sich um eine gute Balance ihres Autos kümmern, die in den schnellen Kurven wichtig ist.
Traktion und Bremsen sind die wichtigsten Kriterien
Und für die Rebstöcke haben die Fahrer auch keinen Blick übrig, denn das Herausbeschleunigen aus den engen Kurven, die oftmals auch noch stark bergauf führen, erfordert nicht nur viel Grip, sondern auch einen gefühlvollen Fuß auf dem Gaspedal - Traktionskontrolle hin oder her. Ein sehr gutes Setup ist wichtig, denn auf keiner Strecke muss man so hart über die Randsteine fahren, um schnell zu sein, wie in Imola. Hinzu kommt, dass Imola neben Istanbul und Interlagos die einzige Strecke ist, die gegen den Uhrzeigersinn verläuft.
Wie so oft ist auch Michael Schumacher in Imola der mit Abstand erfolgreichste Pilot mit sechs Siegen, fünf zweiten Plätzen und insgesamt 92 WM-Zählern bei 13 Starts. Nur vier der aktuellen Fahrer konnten bisher in Imola siegen: Michael und Ralf Schumacher sowie David Coulthard und Fernando Alonso.
Die Rennstrecke existiert seit mehr als 50 Jahren
Aus dem Boden gestampft wurde die Rennstrecke 'Autodromo Dino Ferrari' im Jahr 1952 im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Den Namenzusatz "Enzo" gab man dem Kurs erst nach dem Tod Enzo Ferraris. Nach einigen Motorradrennen gastierte die Formel 1 1963 zum ersten Mal auf der damals mit noch vielen Überholmöglichkeiten versehenen Strecke. Allerdings zählte der damalige Lauf nicht zur Weltmeisterschaft der Formel 1; erst 1980 gastierte die Formel 1 erstmals in Imola und vergab WM-Punkte.
1981 wurde zum ersten Mal ein Großer Preis von San Marino ausgetragen, nachdem der Name Großer Preis von Italien an das Rennen in Monza übergegangen war. Seitdem gewannen zwei Italiener auf heimischen Boden: Elio de Angelis 1985 in einem Lotus und Riccardo Patrese 1990 im Williams. Die aktuellen Italiener in der Formel 1 sind Jarno Trulli (Toyota), Giancarlo Fisichella (Renault) und Vitantonio Liuzzi (Scuderia Toro Rosso), der im Vorjahr sein Formel-1-Debüt in Imola gab.