Blickpunkt
Harter Zweikampf um „Lustiano"
Auktion mit Original-WM-Inventar erbringt in Kaiserslautern 25 000 Euro für Fritz-Walter-Stiftung
617 Stücke aus dem Inventar der Fußball-WM in den Stadien von Kaiserslautern und Stuttgart hat das Hamburger Auktionshaus Dechow gestern in Kaiserslautern unter den Hammer gebracht. Kurz nach 11 Uhr begann die Versteigerung, gegen 15 Uhr war Schluss. Der Erlös, stolze 25.000 Euro, kommt der Jugendarbeit der Fritz-Walter-Stiftung zugute.
Von unserer Redakteurin
Anke Herbert
Thomas Kölsch ist sehr zufrieden. Gerade hat er den Zuschlag für „Lustiano", einen WM-Fußball mit Unterschriften der deutschen Nationalelf, gesteigert. Nach einem harten Zweikampf mit einem Unternehmer aus Rodenbach (Kreis Kaiserslautern). Zeitlich im Sekundentakt, preislich in Zehn-Euro-Schritten, war das Vorgebot von 201 Euro auf letztlich 1010 Euro in die Höhe geschnellt.
Sehr zur Freude von Auktionator Jan Bröker, Inhaber und Geschäftsführer des vom WM-Organisationskomitees beauftragten Hamburger Auktionshauses Dechow. „Die Münchner waren viel müder am Ball ...", meint er im Rückblick auf die erste von sechs WM-Versteigerungen: Auf München am vergangenen Samstag, wo 45.000 Euro für die Franz-Beckenbauer-Stiftung zusammen kamen, folgen nach Kaiserslautern noch Frankfurt, Köln, Berlin und Hamburg.
„Lustiano" wird in einer Vitrine in Thomas Kölschs Hotel auf dem Zweibrücker Flughafen ein neues Zuhause finden. Die „Verlierer" aus Rodenbach sind nicht enttäuscht, ihnen hat es großen Spaß gemacht, im Sekundentakt das grellgelbe Schild mit ihrer Bieter-Nummer zu heben. Außerdem haben sie noch andere WM-Gegenstände im Blick, darunter eine der Schiedsrichter-Kabinen. Darauf ist aber auch der elfjährige Johannes aus Kaiserslautern scharf. Noch viel lieber hätte er zwar „Lustiano" für sein Kinderzimmer ergattert, doch nach ein paar Geboten wusste seine Mutter, Schlimmeres zu verhindern.
Gut 150 Besucher sind zur Auktion in das ehemalige Industriemuseum auf dem Lauterer Gartenschau-Gelände gekommen. Viele wollen mitsteigern, so auch Katharina Eckert und Sven Scheffler aus Heidelberg. Das junge Paar will ein kleines Erinnerungsstück an die WM, „unser Preislimit liegt bei 100 Euro". Übers Internet, wo Vorgebote abgegeben werden konnten, die bei der Präsenzauktion berücksichtigt werden, sind sie auf die Veranstaltung gestoßen. Dass mehr als die Hälfte der Gegenstände aus Stuttgart stammt, stört sie nicht. „Wir wollen einfach nur ein Andenken, und Kaiserslautern war für uns am nächsten", erzählt Sven Scheffler.
Auktionator Bröker hat sich mittlerweile so richtig warm gelaufen. Der Voll-Profi versteht es, sein Publikum zu unterhalten und die Gebote im Sinn der guten Sache nach oben zu treiben. Ein Trinidad-und-Tobago-Trikot geht weg wie warme Semmeln, ebenso eine Stellwand „Welcome to Kaiserslautern" - für 210 statt dem Aufrufpreis von 100 Euro. Selbst für jene Dinge, die weniger gefragt sind, fällt ihm noch ein flotter Spruch ein. Wie die Hydro-Kulturen, die das Fritz-Walter-Stadion zierten: „Wenn Sie sonst nichts kaufen, mit einer Grünpflanze machen Sie bestimmt nichts falsch." Doch hat keiner wirklich Lust darauf, letztlich bleibt es bei den Internet-Geboten von um die 30 Euro.
Unterm Strich sind es schließlich 25.000 Euro, die in Kaiserslautern für die Fritz-Walter-Stiftung fließen werden, wie Stefan Hans, Abteilungsleiter Finanzen und Logistik beim WM-Organisationskomitee, am Abend mitteilt. „Wir sind nicht unzufrieden mit dem Zuspruch in Kaiserslautern", sagt er, zumal die Auktionen als Dankeschön an die Fans nur eine Komponente des Verwertungskonzepts für das WM-Inventar seien. Daneben sei die Infrastruktur der Fußballverbände, beispielsweise durch Computer-Hardware, verbessert worden, zudem habe das OK Dinge an andere Großveranstalter abgegeben, manches sei in den freien Verkauf gekommen, „weil wir die Stadien ja sehr schnell leer räumen mussten", anderes in das DFB-Archiv und in das Museum für Olympia und Sport in Köln. Einwurf
MUELLEJ / MUELLEJ
Quelle:
Publikation: DIE RHEINPFALZ
Regionalausgabe: Pfälzer Tageblatt
Datum: Nr.182
Datum: Dienstag, den 08. August 2006
Seite: Nr.14
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Einwurf
Gepunktet
Die Fußball-WM und die Versteigerung von Original-WM-Inventar haben einiges gemeinsam. Beides wird es in Kaiserslautern so schnell nicht mehr geben. Und ähnlich groß wie auf die WM war auch die Neugier auf die Auktion - neben echten Interessenten kamen zig Schaulustige auf die Gartenschau. Dass die Auktion nicht in Stuttgart, sondern in der Westpfalz über die Bühne ging, ist dem tollen Verlauf der WM in Kaiserslautern zu verdanken. Und wie bei der WM, hat die Stadt auch bei der Versteigerung gepunktet. Denn die unbürokratische und rasche Organisationshilfe durch WM-Büro, Gartenschau und Fachhochschule bezeichnete selbst das routinierte Auktionshaus Dechow als ungewöhnlich. (ahb)