Ich finde, Geld und Nahrung bringt nichts (außer bei akuter Nothilfe natürlich).
Vielmehr ist ein Transfer von Know-How gefragt.
Ich versuche mich kurz zu fassen.
Ich würde Entwicklungshilfe so gliedern:
1. Infrastruktur
2. Politische Aufklärung
3. Medizinische Betreuung
4. Agrarökonomie
5. Forschung
Das wichtigste ist Infrastruktur. Also sollte man Ingenieure aus Entwiclungsländern ausbilden. Der Idealfall ist, wenn äthiopische Ingenieure und Arbeiter einer äthiopischen Firma in Äthiopien Straßen, Schulen und Krankenhäuser bauen.
Dafür brauchen sie das Wissen, wie so etwas nach heutigem Erkenntnisstand am besten gemacht wird und sie brauchen die Materialien. An Arbeitskraft mangelt es jedenfalls nicht.
Wichtig sind Transportwege und öffentliche Einrichtungen (v.a. Schulen und Krankenhäuser). Dann müssten Lehrer ausgebildet werden, sodass sie wirklich gut sind.
Und sie sollten gut bezahlt werden (ich habe in Nicaragua sowohl einen Englischlehrer kennen gelernt, der kein Englisch konnte (ohne Witz!), als auch einen Schuldirektor, der noch Lehrer an einer anderen Schule war und abends auf Baustellen gearbeitet hat, weil er sonst seine Familie nicht hätte ernähren können).
Viele afrikanische Staaten sind zentralistisch organisiert - das ist gerade in Ländern, die teilweise die Größe Westeuropas haben, nicht gerade ideal.
Um föderalistische Strukturen aufzubauen, bedarf es Kenntnisse in Sachen Kommunalverwaltung.
Hier müssen Verwaltungskkaufleute (oder wie man das bezeichnet) geschult werden.
Auch wissen viele Menschen gar nichts über Rechte, die sie in demokratisch orientierten Staaten haben.
Medizinische Betreuung erklärt sich von alleine. Hier entwickeln sich in westlichen Ländern die Standards stetig weiter - jeder gut ausgebildete westliche Arzt, Krankenpfleger/-schwester und Hebamme, Anästhesist, etc. der Kollegen in Entwicklungsländern so schult, dass diese nach dem Schneeballsystem wieder andere Kollegen schulen können ist mehr Wert, als sämtliche Geldspenden an korrupte Politiker!
Sehr wichtig ist auch der Bereich Agrarökonomie:
Wie kann man welchen Boden am sinnvollsten nutzen? Hierzu braucht es vor allem Wissen, aber auch technische Möglichkeiten und passendes Saatgut.
Wenn die ersten 4 Punkte ausreichend berücksichtigt wurden, kann man dahingehen, eigene Kompetenzzentren zu gründen, um selber Grundlagenforschung in bestimmten Bereichen zu betreiben, dass man später nicht mehr auf externe Hilfe angewiesen ist (also, dass das Spiel in 20 Jahren nicht wieder von vorne losgeht).
Prinzipiell kann fast jeder, der bspw. in Deutschland zu irgendwas ausgebildet wurde, in ein Entwicklungsland reisen, um dort seine Kenntnisse weiterzugeben. Das soll keine Arroganz sein, aber das, was wir hier an Bildung erfahren (dauert ja auch teilweise 25 und mehr Lebensjahre) ist in diesen Ländern weder qualitativ, noch quantitativ gegeben.
Ich behaupte, dass jeder von uns, der für ein, zwei Monate "dahinfährt", mehr leistet, als wenn er sein Leben lang 5 Euro pro Monat spendet!
Abgesehen davon, dass ich glaube, dass wir umgekehrt genauso viel von "denen" lernen können. Das soll nicht als einseitige gutherzige Sache verstanden werden, das ist durchaus zweiseitig angelegt.
Fazit: Das wichtigste ist Selbsthilfe. Aber deutsche Ingenieure sind einfach besser ausgebildet, als arfrikanische Ingenieure - also sollte es auch nicht überheblich klingen, wenn deutsche Ingenieure afrikanischen Kollegen etwas beibringen, oder?
Ein weiterer wichtiger Faktor für mich:
Afrikanische Eliten - es gibt ein paar ganz oben und viele ganz unten. Die tragenden Mittelschichten fehlen.
Wichtig wäre es, wenn Afrikaner auf europäische, amerikanische, asiatische Unis gingen und danach mit ihrem Wissen zurück in ihre Heimatländer kehren würden, um dort zu leben und zu arbeiten, anstatt in England, Frankreich, Kanada oder den USA zu leben.
Außerdem sollte die Anzahl von afrikanischen Studenten durch Stipendienprogramme erhöht werden.