Ali Karimi - mehr als ein Werbegag?
Es ist sein erster "echter" Transfer. "Als ich damals nach München kam, war alles schon geregelt", erzählt Felix Magath, die Neuzugänge Lucio, Torsten Frings, Andreas Görlitz und Vahid Hashemian waren längst unter Dach und Fach. "Damit hatte ich nichts mehr zu tun." Anders in diesem Jahr, als die Bayern Anfang Mai ihren ersten Neueinkauf für die Saison 2005/06 bekannt gaben, den Iraner Ali Karimi. "Den wollte ich haben", sagt der Trainer.
Ein feiner Techniker: Ali Karimi gilt in Asien als einer der besten Fußballer der Welt.
Er - und nur er. Gegen alle Skeptiker im eigenen Klub betrieb Magath die Verpflichtung des 26-Jährigen. Schon vor dem 9. Oktober 2004, als Karimi beim deutschen 2:0-Sieg in Teheran mehr als eine Halbzeit lang glänzte - und im kicker mit einer "2" die beste Note aller eingesetzten Feldspieler erhielt -, war er den Bayern angeboten worden. Während des Länderspiels dann beobachtete Magath den Mittelfeldspieler, der kurz vorher zu "Asiens Fußballer des Jahres 2004" gewählt worden war, ganz genau. "Denn wenn er gegen eine Mannschaft antritt, die man gut kennt, sieht man noch ein bisschen mehr."
Das Münchner Interesse war geweckt. Im Winter flogen Manager Uli Hoeneß, Chefscout Wolfgang Dremmler und Co-Trainer Seppo Eichkorn nacheinander nach Dubai, wo Karimi seit 2001 bei Al-Ahly dem Leder hinterherjagte. Jagte? Nun ja. Nicht nur die Spione beschrieben ihn nach ihrer Rückkehr als schlecht austrainiert und wenig lauffreudig; schwierig sei er, hieß es, ein wenig phlegmatisch und kaum in die Mannschaft integriert, so Winfried Schäfer, der Karimi seit Anfang März 2005 unter seinen Fittichen hatte. Doch Magath setzte den Transfer durch, der Anfang Mai vollzogen wurde. Der ablösefreie Mittelfeldspieler unterschrieb in München einen Einjahresvertrag mit beidseitiger Option.
Ein Mann, der vier Jahre lang weitgehend unbeachtet irgendwo in der Wüste kickte, wechselt zu einem Bundesligisten, dessen Trainer ohnehin aus einem "Überangebot an hochkarätigen Mittelfeldspielern" auswählen kann und muss? Prompt schossen die Spekulationen ins Kraut. Gibt's andere als sportliche Gründe für diesen Einkauf? Benutzt der FC Bayern Asiens Fußballer des Jahres, um, ähnlich wie auf der Ende Juli anstehenden fünftägigen Japan-Reise, den lukrativen und schnell wachsenden asiatischen Markt für seine Merchandising-Produkte zu erschließen?Ali Karimi: "Ballack ist eines meiner Idole, neben Figo und Zidane"Karimi - nur ein Werbegag? "Das ist Quatsch", sagt Manager Uli Hoeneß. "Schauen Sie doch, was die Leute im Iran verdienen, dann wissen Sie, dass Sie dort nicht das große Merchandising aufziehen können." Magath schlägt in die gleiche Kerbe. Karimi sei aus rein sportlicher Sicht "mein Wunschspieler": Beidfüßig, dribbel- und schussstark, auf beiden Außenbahnen, im zentral-offensiven Mittelfeld und auch als Stürmer einsetzbar, "er hat ein sehr gutes Passspiel und kann Tore machen". Weil der FC Bayern in der Bundesliga oft auf Gegner treffe, die sich im und am eigenen Sechzehner einigeln, "weil wir meistens im Vorwärtsgang sind und einen Spieler brauchen, der Gegenspieler auf engstem Raum ausspielen kann", sei Karimi verpflichtet worden. Wenn einer wie er bereits in Europa spielen würde, "könnten wir ihn nicht mehr bezahlen".
Dank der vier Jahre im Petro-Paradies Dubai gilt Karimi heute als finanziell unabhängig, "und mit dem Wechsel zu uns", sagt Magath, "hat er sich finanziell verschlechtert". Ob der Iraner seine Qualitäten in der Bundesliga umsetzen könne, "das weiß ich nicht", so der Trainer. Karimi habe in der ersten Trainingswoche "einen guten Eindruck" hinterlassen, werde aber Zeit brauchen, um sich an das mitteleuropäische Spieltempo zu gewöhnen, dürfe sich durch die unvermeidbaren Rückschläge "nicht verrückt machen" lassen. Doch aus der Tatsache, "dass er jetzt sportlich einen Schritt nach vorne machen wollte, dass es ihm nicht mehr reicht, nur in Asien bekannt zu sein", schöpft Magath die Gewissheit, "dass Ali es bei uns unbedingt schaffen will".
Magaths erster Transfer als Trainer des FC Bayern. "Ich weiß, dass in Deutschland alle nur darauf warten, dass man einen Fehler macht, um dann über einen herzufallen", meint er. Einen Fehler wie die Verpflichtung eines iranischen Nationalspielers, der dann nach einem Jahr wieder abgegeben wird, weil er sich in der Bundesliga nicht durchsetzen konnte? "Nein", sagt der Fußball-Lehrer, dieser Einkauf stelle für Bayern kein Risiko und keinen Werbegag dar, sondern nur eins: "Eine riesige Chance."
Quelle: www.Kicker.de
Es ist sein erster "echter" Transfer. "Als ich damals nach München kam, war alles schon geregelt", erzählt Felix Magath, die Neuzugänge Lucio, Torsten Frings, Andreas Görlitz und Vahid Hashemian waren längst unter Dach und Fach. "Damit hatte ich nichts mehr zu tun." Anders in diesem Jahr, als die Bayern Anfang Mai ihren ersten Neueinkauf für die Saison 2005/06 bekannt gaben, den Iraner Ali Karimi. "Den wollte ich haben", sagt der Trainer.
Ein feiner Techniker: Ali Karimi gilt in Asien als einer der besten Fußballer der Welt.
Er - und nur er. Gegen alle Skeptiker im eigenen Klub betrieb Magath die Verpflichtung des 26-Jährigen. Schon vor dem 9. Oktober 2004, als Karimi beim deutschen 2:0-Sieg in Teheran mehr als eine Halbzeit lang glänzte - und im kicker mit einer "2" die beste Note aller eingesetzten Feldspieler erhielt -, war er den Bayern angeboten worden. Während des Länderspiels dann beobachtete Magath den Mittelfeldspieler, der kurz vorher zu "Asiens Fußballer des Jahres 2004" gewählt worden war, ganz genau. "Denn wenn er gegen eine Mannschaft antritt, die man gut kennt, sieht man noch ein bisschen mehr."
Das Münchner Interesse war geweckt. Im Winter flogen Manager Uli Hoeneß, Chefscout Wolfgang Dremmler und Co-Trainer Seppo Eichkorn nacheinander nach Dubai, wo Karimi seit 2001 bei Al-Ahly dem Leder hinterherjagte. Jagte? Nun ja. Nicht nur die Spione beschrieben ihn nach ihrer Rückkehr als schlecht austrainiert und wenig lauffreudig; schwierig sei er, hieß es, ein wenig phlegmatisch und kaum in die Mannschaft integriert, so Winfried Schäfer, der Karimi seit Anfang März 2005 unter seinen Fittichen hatte. Doch Magath setzte den Transfer durch, der Anfang Mai vollzogen wurde. Der ablösefreie Mittelfeldspieler unterschrieb in München einen Einjahresvertrag mit beidseitiger Option.
Ein Mann, der vier Jahre lang weitgehend unbeachtet irgendwo in der Wüste kickte, wechselt zu einem Bundesligisten, dessen Trainer ohnehin aus einem "Überangebot an hochkarätigen Mittelfeldspielern" auswählen kann und muss? Prompt schossen die Spekulationen ins Kraut. Gibt's andere als sportliche Gründe für diesen Einkauf? Benutzt der FC Bayern Asiens Fußballer des Jahres, um, ähnlich wie auf der Ende Juli anstehenden fünftägigen Japan-Reise, den lukrativen und schnell wachsenden asiatischen Markt für seine Merchandising-Produkte zu erschließen?Ali Karimi: "Ballack ist eines meiner Idole, neben Figo und Zidane"Karimi - nur ein Werbegag? "Das ist Quatsch", sagt Manager Uli Hoeneß. "Schauen Sie doch, was die Leute im Iran verdienen, dann wissen Sie, dass Sie dort nicht das große Merchandising aufziehen können." Magath schlägt in die gleiche Kerbe. Karimi sei aus rein sportlicher Sicht "mein Wunschspieler": Beidfüßig, dribbel- und schussstark, auf beiden Außenbahnen, im zentral-offensiven Mittelfeld und auch als Stürmer einsetzbar, "er hat ein sehr gutes Passspiel und kann Tore machen". Weil der FC Bayern in der Bundesliga oft auf Gegner treffe, die sich im und am eigenen Sechzehner einigeln, "weil wir meistens im Vorwärtsgang sind und einen Spieler brauchen, der Gegenspieler auf engstem Raum ausspielen kann", sei Karimi verpflichtet worden. Wenn einer wie er bereits in Europa spielen würde, "könnten wir ihn nicht mehr bezahlen".
Dank der vier Jahre im Petro-Paradies Dubai gilt Karimi heute als finanziell unabhängig, "und mit dem Wechsel zu uns", sagt Magath, "hat er sich finanziell verschlechtert". Ob der Iraner seine Qualitäten in der Bundesliga umsetzen könne, "das weiß ich nicht", so der Trainer. Karimi habe in der ersten Trainingswoche "einen guten Eindruck" hinterlassen, werde aber Zeit brauchen, um sich an das mitteleuropäische Spieltempo zu gewöhnen, dürfe sich durch die unvermeidbaren Rückschläge "nicht verrückt machen" lassen. Doch aus der Tatsache, "dass er jetzt sportlich einen Schritt nach vorne machen wollte, dass es ihm nicht mehr reicht, nur in Asien bekannt zu sein", schöpft Magath die Gewissheit, "dass Ali es bei uns unbedingt schaffen will".
Magaths erster Transfer als Trainer des FC Bayern. "Ich weiß, dass in Deutschland alle nur darauf warten, dass man einen Fehler macht, um dann über einen herzufallen", meint er. Einen Fehler wie die Verpflichtung eines iranischen Nationalspielers, der dann nach einem Jahr wieder abgegeben wird, weil er sich in der Bundesliga nicht durchsetzen konnte? "Nein", sagt der Fußball-Lehrer, dieser Einkauf stelle für Bayern kein Risiko und keinen Werbegag dar, sondern nur eins: "Eine riesige Chance."
Quelle: www.Kicker.de