Tim Wiese im Blickpunkt
Rosa Pappe kommt und geht
Bremen (jgr). So einen Empfang wünscht sich jeder Fußballer: Als Tim Wiese gestern einlief, war die Farbgebung auf den Rängen sehr ungewohnt. Beinahe die komplette Fankurve und größere Teile der Plätze für die Besserverdiener kam in pink daher. Rosa Pappen wurden massenhaft hochgehalten, manches rosa Fähnchen geschwenkt, und das Bremer Fußballvolk ließ seinen Torsteher in Sprechchören hochleben.
Rührend war"s, wie die Bremer Fans am Samstag mit dem Deppen von Turin umgingen. Was wiederum kaum einen Bremer wunderte. Denn seit dem Champions-League-Aus war Fußball-Bremen im Wiese-Fieber. Das Drama gegen Juve war kaum abgepfiffen, der Bremer Keeper weinte noch über seine peinliche Norbert-Nigbur-Gedächtnis-Rolle, da überschlug sich der deprimierte Bremer Anhang schon mit trotzigen Solidaritätsbekundungen. Die Haltung zum Torwart wurde zum Charaktertest für alle Fans erhoben. Jetzt, da waren sich beinahe alle einig, müsste Wiese erst recht gestützt werden. Jetzt müssten die Geschmacksdebatten über Wieses rosa „Schwuchtelhemd" aufhören. Und nicht nur das. Ab sofort war in Bremen eine Farbe ganz besonders beliebt. Man ahnt schon, welche. Kaum hatte „Pink Tim" dann auch zum ersten Mal gegen einen frei stehenden Herthaner gerettet, gab"s den ersten Sprechchor-Nachschlag. Beim zweiten Mal sang der komplette Bremer Anhang. Erst als Wiese in der 54. Minute - peinlich, peinlich - im Fünf-Meter-Raum an einem Marcelinho-Freistoß vorbeifaustete und Hertha in Führung ging, war plötzlich keine rosa Pappe mehr zu sehen.
KONZOKH / KONZOKH
Quelle:
Publikation: Sonntag Aktuell