Fortuna Düsseldorf vor schwerer Auswärtsaufgabe auf dem Betzenberg
Nach der aktuellen Länderspielpause richtet sich der Fokus am Rhein auf die Pfalz: Fortuna Düsseldorf tritt auswärts beim 1. FC Kaiserslautern im traditionsreichen Fritz-Walter-Stadion an. Anpfiff ist am Samstag, den 04.04.2026, um 13:00 Uhr.
Im Duell zweier ambitionierter Zweitligisten, die im bisherigen Saisonverlauf jeweils auf ihre eigene Art und Weise nicht durchgehend zu überzeugen wussten, möchte (bzw. muss) Düsseldorf nun im Saisonendspurt wichtige Punkte einfahren. Doch die Aufgabe könnte schwieriger kaum sein – ausgerechnet auf dem Betzenberg, Deutschlands höchstgelegenem Fußballstadion.
Nach 27 Spieltagen belegt Fortuna Düsseldorf aktuell den 11. Tabellenplatz. Mit 31 Punkten (9 Siege, 4 Unentschieden, 14 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 26:40) findet sich der einstige deutsche Meister von 1933 sowie zweimalige DFB-Pokalsieger (1979, 1980) klar im unteren Mittelfeld wieder und hat den Anschluss an die oberen Ränge längst aus dem Sichtfeld verloren.
Angesichts eines augenblicklichen Vorsprungs von lediglich vier Punkten auf den ersten direkten Abstiegsplatz – derzeit belegt von 1. FC Magdeburg mit 27 Zählern – muss sich der Blick in Düsseldorf sogar zunehmend nach unten richten. Zumal auch die Verfolger aus dem Tabellenkeller wie Fürth, Dresden und Kiel zuletzt ebenfalls wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden haben.
Aufgrund mehrfacher aussichtsreicher Chancen auf eine Rückkehr in die Bundesliga und durchgehend stabilen Tabellenplatzierungen in den vergangenen Jahren – meist unter den Top Ten, teilweise sogar unter den besten Fünf – ging der Blick in Düsseldorf auch zur neuen Saison verständlicherweise ambitioniert nach oben in Richtung Aufstieg. Schon nach wenigen Wochen zeichnete sich jedoch ein besorgniserregender Abwärtstrend ab, der die Rheinländer nach und nach bis ins graue Mittelfeld der Liga abrutschen ließ.
Bereits nach dem achten Spieltag und einer schmerzhaften 2:3-Heimniederlage gegen den letzten FCK-Gegner aus Nürnberg sah man sich bei F95 dann offenbar zu einem der drastischsten Schritte des heutigen Profifussballs gezwungen und trennte sich nach dem verlorenen Heimspiel vom langjährigen Cheftrainer Daniel Thioune (51), der das Team über drei Jahre an der Seitenlinie begleiten durfte und den Fortunen in der Saison 23/24 sogar den Fast-Aufstieg in die Bundesliga bescherte, in der damaligen Relegation allerdings hochdramatisch gegen den VFL Bochum scheiterte (Hinspiel 3:0 / Rückspiel 0:3 (5:6 im Elfmeterschießen).
Vom Aufstiegskandidaten zum Sorgenfall: Fortunas schleichender Absturz
Obwohl man dem umsichtigen, ruhigen und stets loyalen F95-Cheftrainer auch nach dem verpassten Aufstieg noch rund eineinhalb Jahre die Treue auf der Cheftrainerbank hielt, zeichnete sich unter seiner Regie unterschwellig eine Art Eigendynamik ab, die sich offenbar auch subtil und nachhaltig in der Teamdynamik-/Chemie seiner Mannschaft bemerkbar machte. Thiounes Mannschaft wirkte in der Saison nach dem verpassten Aufstieg phasenweise etwas ausgebrannt, trotz wechselnden Spielermaterials und abweichenden Spielsystemen. Eine spürbare Weiterentwicklung fand unter Thiounes Leitung nicht mehr statt – die letzte Saison schloss man „nur“ noch auf Tabellenplatz Sechs ab – augenscheinlich zu wenig für die hohen Ansprüche aus Düsseldorf.
Nach der Heimniederlage gegen die Mannschaft von Miroslav Klose im vergangenen Oktober musste Daniel Thioune schließlich seinen langjährigen Posten räumen. Seine Nachfolge trat ausgerechnet der frühere Lautrer-Übungsleiter Markus Anfang (51) an. Als ehemaliger Profi von Fortuna Düsseldorf (2006–2008, 84 Pflichtspiele) ist der gebürtige Kölner am Rhein ebenfalls kein Unbekannter. Am kommenden Samstagmittag steht nun das erste Wiedersehen mit seinem früheren Verein im Fritz-Walter-Stadion an. Dort war Anfang im April 2025 nicht ganz geräuschlos von seinen Aufgaben als Cheftrainer entbunden worden, nachdem der 1. FCK drei Mal in Folge gegen Magdeburg (0:2), den 1. FC Nürnberg (1:2) und Eintracht Braunschweig (0:;2) verloren hatte und seine leichten Aufstiegshoffnungen schon frühzeitig im Saisonendspurt mehr oder weniger ad acta legen konnte.
Der nackte Punkteschnitt unter seiner Regie fällt bislang auch bei seinem neuen Verein deutlich verbesserungswürdig aus. Nach 20 Spielen liegt Anfang bei lediglich 1,05 Punkten pro Spiel – zum Vergleich: Thioune kam in seiner Zeit von über drei Jahren auf der Düsseldorfer-Trainerbank auf einen Schnitt von 1,72 PPS. Unter Anfangs Leitung gab es bislang sechs Siege, drei Unentschieden und elf Niederlagen bei einem Torverhältnis von 19:28 – ein Ergebnis, das den Trainerwechsel aus der Ferne sicherlich kontrovers erscheinen lässt und zu Diskussionen anregt – auch in den Fankreisen von F95 selbst, in denen die Personalie Markus Anfang ähnlich streitbar diskutiert wurde und wird wie auch damals beim 1. FC Kaiserslautern nach seiner Installation im Sommer 2024.
Doch nicht nur an der Seitenlinie zeigen sich die aktuellen Probleme bei Fortuna Düsseldorf. Ein mindestens ebenso entscheidender Faktor war die Transferpolitik in der vergangenen Sommerpause, die damals noch maßgeblich von Ex-Sportvorstand Klaus Allofs (69) und Ex-Sportdirektor Christian Weber (42) verantwortet wurde – beide sind seit Mitte Dezember nicht mehr im Amt bzw. offiziell freigestellt. Seitdem fungiert der ehemalige Chefscout von Borussia Dortmund, Sven Mislintat (53) als neuer starker Mann bei den Fortunen und soll einen strategischen Neuanfang einleiten. Die vakante Position des Sportdirektors, die zuvor Weber innehatte, wurde bislang nicht neu besetzt.
Obwohl die Fortunen in der vergangenen Sommerpause allein durch Abgänge von Leistungsträgern wie Mittelfeldspieler Ísak Jóhannesson (5,5 Mio. – 1. FC Köln) und Innenverteidiger Jamil Siebert (5,5 Mio. – US Lecce) über zehn Millionen Euro Einnahmen zur neuen Saison generieren konnten, wurden viele Schlüsselspieler und Abgänge nicht adäquat ersetzt. Zudem verpufften vermeintliche Sofortverstärkungen wie Žan Celar (27, Queens Park Rangers), Sotiris Alexandropoulos (24, Sporting Lissabon), Jesper Daland (26, Cardiff City), Christian Rasmussen (23, Ajax Amsterdam) oder auch ein ehemaliger Wegbegleiter der Roten Teufel, Tim Breithaupt (24, Leihe vom FC Augsburg), in ihrer bisherigen Zeit am Rhein zu mehr oder weniger offensichtlichen „Missverständnissen“.
Taktische Ausgangslage / Statistikecke
- Grundordnung: meist 3-1-4-2, 3-4-2-1 oder 3-5-2
- Ansatz: kontrollierter Spielaufbau mit Ballbesitzphasen
- Umschaltspiel: vorhanden, aber nicht konstant effektiv
- Problemzone: Chancenverwertung und Restverteidigung
Die Saison der Fortuna gleicht bislang einer Achterbahnfahrt. Phasen mit starken Auftritten wie bspw. beim 2:1-Heimsieg gegen den SC Paderborn am 20. Spieltag wechseln sich regelmäßig mit unerklärlichen Leistungseinbrüchen wie bspw. beim 2:5 gegen die Berliner-Hertha unmittelbar vor der aktuellen Länderspielpause ab. Genau diese Inkonstanz verhindert bislang eine bessere Platzierung im oberen Tabellendrittel.
Offensiv zeigt sich Düsseldorf grundsätzlich gefährlich, lässt jedoch zu oft klare Chancen ungenutzt. Defensiv wiederum fehlt es in entscheidenden Momenten an Stabilität, was sich insbesondere gegen kompakt auftretende Gegner bemerkbar macht. Im Konter-/Umschaltspiel präsentiert sich die Fortuna ebenso anfällig, geht es beim Gegner schnell in die Vertikale, geht es bei der Mannschaft vom Rhein im Spiel gegen den Ball oftmals zu langsam.
Bei der Anzahl der Flanken (346) rangiert man gegenwärtig sogar auf Platz 1 im Ligavergleich, was bei einem großgewachsenen Stoßstürmer wie Cedric Itten sicherlich auch nicht sehr verwunderlich scheint, der im System von Trainer Anfang als klarer nomineller Zielspieler agiert.
Trotz 360 Abschlüssen – Ligaplatz neun in dieser Kategorie – stehen für die Elf von F95 bisher gerade einmal 26 eigene Treffer zu Buche. Das macht ligaweit den letzten Rang, noch hinter Eintracht Braunschweig (29 Tore). Die Chancen sind offenbar vorhanden, doch Präzision und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlen und hängen zu sehr von den wenigen Unterschiedsspielern wie Itten oder Muslija ab.
Auch in den physischen Leistungswerten präsentiert sich Fortuna Düsseldorf bislang wechselhaft. Während man bei den gewonnenen Zweikämpfen (2.835) einen soliden neunten Rang belegt und sich mit bereits 65 Gelben Karten durchaus körperbetont zeigt, liegt die Mannschaft in den Bereichen Sprints (3.726 – Platz 14) sowie intensive Läufe (16.528 – Platz 15) lediglich im unteren Drittel der Liga.
Schlüsselspieler:
Forian Kastenmeier (27 TW) – Erfahrener Torwart und aktueller Mannschaftskapitän der Fortunen. Ein zuverlässiger, reaktionsschneller Torhüter mit guter Strafraumbeherrschung und solider Fähigkeit im Aufbauspiel, der seiner Abwehr Sicherheit gibt. Kastenmeier ist besonders stark bei schnellen Abschlüssen aus kurzer Distanz und Reflexparaden. Er hält auch in hektischen Phasen die Ruhe, zeigt Führungsqualitäten und kommuniziert viel mit der Abwehr.
Cedric Itten (29 ST) – Bester Torschütze der Fortuna (11 Tore / 2 Vorlagen) und zentraler Zielspieler im Angriff. Der mit 1,90m großgewachsene Schweizer ist ein klassischer Mittelstürmer, dessen Spiel stark auf Effizienz im Strafraum und physische Präsenz ausgelegt ist. Durch seine Größe und sein Timing ist er eine echte Waffe bei Flanken und Standards. Er hat ein gutes Gespür für Räume und steht häufig dort, wo der Ball herunterfällt. Er kann Bälle festmachen, sich gegen Innenverteidiger behaupten und als Wandspieler fungieren.
Florent Muslija (27 OM, LA) – Kreativer Offensivspieler, der zwischen den Linien agiert und Chancen kreieren kann. Er hat ein gutes Gefühl für kreative Lösungen, überraschende Pässe und unorthodoxe Aktionen. Seine größte Stärke ist das Eins-gegen-eins. Er kann Gegenspieler auf engem Raum ausspielen und so Überzahlsituationen schaffen. Ebenfalls ist er als starker Standardschütze bekannt. Meist agiert der aktuelle Nationalspieler des Kosovo als offensiver Mittelfeldspieler oder inverser Flügelspieler, musste allerdings durch die Verletzenmisere zuletzt auch verstärkt als linker Schienenspieler agieren. Nach Itten zweitbester Scorer der Fortunen (Fünf Saisontore / Sechs Vorlagen).
Anouar El Azzouzi (24, ZM) – Der Niederländer mit marokkanischen Wurzeln fungiert als wichtiger Verbindungsspieler im Mittelfeld mit hoher Präsenz im Spielaufbau. Laufstark und diszipliniert, sorgt er für die nötige Balance im Zentrum. Mit gutem Stellungsspiel liest er Passwege frühzeitig und schiebt intelligent nach, um Räume zu schließen – häufig im Zusammenspiel mit dem japanischen Winterneuzugang Satoshi Tanaka (23), der ihn defensiv absichert. Der aktuelle Nationalspieler der marokkanischen U20 ist einer der wenigen Neuzugänge die noch unter dem ehemaligen Gespann Aloffs/Weber im vergangenen Sommer verpflichtet wurden, sich allerdings schnell zur etablierten Stammkraft am Rhein entwickelten (25 Saisoneinsätze).
Personalsituation:
Die angespannte Personalsituation hat sich bei der Fortuna in der Länderspielpause nur geringfügig verbessert.
Sicher gelten für die Partie auf Deutschlands höchsten Fußballberg aktuell nur die Ausfälle von Mittelfeldspieler Hamza Anhari (22, Schulterluxation), Innenverteidiger Kenneth Schmidt (23, Kreuzbandriss), und Linksaußen Tim Rossmann (22, Aufbautraining nach Oberschenkelmuskelriss)
Ersatzkeeper Marcel Lotka (24) fehlte zum Trainingsauftakt mit Fußproblemen, ebenso sein Mannschaftskollege Matthias Zimmermann (33) mit Knieproblemen. Ajax-Leihgabe Christian Rasmussen (23) laboriert offenbar nach wie vor an Adduktorenproblemen. Hinter ihren Einsatzmöglichkeiten beim Spiel auf dem Betzenberg stehen aktuell noch kleinere Fragezeichen.
Cedric Itten (29), Christopher Lenz (31) und Tim Breithaupt (24) absolvierten zu Beginn der Trainingswoche noch individuelle Einheiten, ebenso Mittelstürmer Jordi Paulina (21) und der isländische Rechtsverteidiger Valgeir Lunddal (24) – ihre Einsätze am kommenden Samstag gelten – Stand heute – allerdings nicht als gefährdet.
Florent Muslija (27, Kosovo) und Simoa Suso (20, Deutschland U20) befinden sich aktuell noch auf Länderspielreise und werden zur Mitte/Ende der Woche wieder am Rhein zurückerwartet.
Von Derby-Hoch zu Nürnberg-Tief: Die Lautrer Inkonstanz setzt sich fort
Zahlreiche FCK-Fans dürften wohl ausnahmsweise einmal nur wenig unglücklich über die zweiwöchige Länderspielpause gewesen sein – nach der desolaten 0:3-Auswärtsniederlage beim 1. FC Nürnberg, in der die Betzebuwe nahezu alle grundlegenden Tugenden vermissen ließen, die man auf dem Betzenberg eigentlich als selbstverständlich voraussetzen darf. Mutlos, kraftlos und ohne jegliches Aufbäumen ergaben sie sich gegen die Glubberer ihrem fußballerischen Schicksal.
Umso trauriger und erschreckender war an diesem gebrauchten Fußballsamstag eigentlich nur noch, dass die Roten Teufel erneut von über 7.000 pfälzischen Schlachtenbummlern ins beschauliche Frankenland begleitet wurden, die ihr wertvolles Wochenende für ihren Verein opferten, einen tollen Support von den Rängen im Max-Morlock-Stadion ablieferten und die von ihren Mannen als Dank dafür in den neunzig nachfolgenden Minuten dafür bitter enttäuscht wurden.
Betze-Elf ohne Gegenwehr: Nürnberg dominiert FCK von Beginn an
Noch eine Woche zuvor hatte der 1. FCK im Südwestderby gegen den Karlsruher SC auf dem Betzenberg mit einem 3:0-Sieg seinen Gegner förmlich überrollt – um in Nürnberg dann schon wieder eine kaum erklärbare Nicht-Leistung folgen zu lassen, obwohl Torsten Lieberknecht in der Partie gegen den Glubb auf die gleiche Anfangsformation vertraute, die er auch gegen die „Gelbfüssler“ von der falschen Rheinseite ins Rennen geschickt hatte.
Allerdings war schon nach zwei Minuten jede taktische Vorgabe aus Sicht der Lautrer nur noch schnöde Makulatur: FCN-Innenverteidiger Luka Lochoshvili (27) köpfte nach einer Ecke nahezu unbedrängt zur 1:0-Führung für die Klose-Elf ein (2.). Danach setzten offensivstarken Glubberer nach, während phlegmatisch wirkenden Lautrer kaum ins Spiel fanden und meist nicht einmal über die Mittellinie hinauskamen.
Als sich die Hausherren zum Ende der ersten Halbzeit etwas zurückzogen, durften sich dann auch die Lautrer erstmals vor dem Tor von FCN-Keeper Jan Reichert (24) anmelden. Einmal köpfte Mërgim Berisha (27) nach Flanke von Luca Sirch (26) per Kopf zum vermeintlichen Anschlusstreffer ein (33.) – was allerdings aus einer klaren Abseitssituation passierte. Wenige Momente später scheiterte Nataan Skyttä (23) mit einem Außenrist-Schuss, nachdem eine Flanke von Paul Joly (25) vom FCN-Keeper an die Latte gelenkt wurde.
Nach dem Pausentee allerdings das gleiche Bild – Nürnberg dominierte und zog das Tempo wieder spürbar an, der FCK fand keine Mittel. Auch der letzte taktische Schachzug von Lieberknecht – mit Kenny Prince Redondo (31), Mahir Emreli (28) und Norman Bassette (21) die gesamte restlich verbleibende Offensivabteilung der Lautrer nach rund einer Stunde einzuwechseln – verpuffte nahezu noch in der gleichen Spielminute. Vorausgegangen war ein allzu tapsiger Rempler von Semih Sahin (26) gegen Nürnbergs Top-Torschützen Mohamed Ali Zoma (22) im eigenen Strafraum, der auch ohne VAR-Überprüfung einen Foulelfmeter gegen die Roten Teufel und das nicht unverdiente 0:2 durch FCN-Mittelfeldstratege Adam Markhiev zur Folge hatte. (58.)
Über das späte 0:3 (erneut durch Lochoshvili / 83.) legte man wohl großmännisch den berühmten Mantel des Schweigens, wobei alleine die Erwähnung des Doppeltorschützen aus Nürnberg, der normalerweise eher für das Verhindern von Gegentoren zuständig ist, an diesem Tag absolut in den gebrauchten Betze-Tag passte und zeitgleich bestätigte, dass sich der Georgier offenbar keine Sorgen machen musste, dass hinten noch etwas anbrennen könnte.
Haltungslos in Nürnberg: Ein Team im Zwiespalt
Der sichtlich konsternierte Lieberknecht, der normalerweise stets eher pro- statt contra seine eigenen Mannen argumentiert und oft das Positive in den Vordergrund zu moderieren versucht, zeigte sich nach dem Abpfiff gegen die Klose-Elf ebenso überfragt wie die mitgereisten Fans: „Bei uns ist einfach dieser Virus drin, dass es uns nach einem extrem guten Spiel wie jetzt gegen Karlsruhe nicht gelingt, das zu bestätigen. Das war heute eigentlich der Auftrag an die Mannschaft.“
Am Ende waren es jedoch auch in Nürnberg erneut drei gravierende individuelle Fehler in der Lautrer Hintermannschaft, die zu den Gegentoren führten. Und doch ist diese Niederlage damit nicht annähernd erklärt. Dem FCK fehlte es beim Spiel in Nürnberg wieder einmal sichtlich an einer adäquaten Einstellung und der entsprechenden „Haltung“, wie es der Lautrer-Chefcoach auf der abschließenden Pressekonferenz ebenfalls formulierte.
Eine Begrifflichkeit die gerade erst eine Woche zuvor im Heimderby gegen den KSC vom gegnerischen Trainer Christian Eichner (43) noch als große Qualität der Lautrer herausgestellt wurde, die hauptverantwortlich dafür gewesen sei, dass die Roten Teufel in der Partie gegen den KSC als souveräner und verdienter Sieger den Platz gegangen waren.
Am Valznerweiher allerdings hatte man diese Haltung offenbar wieder im Mannschaftsbus oder auf der Autobahn zurückgelassen und innerhalb von nur einer Woche für starkes Stirnrunzeln und Kopfkratzen gleichermaßen gesorgt, in Anbetracht der dargebotenen Nicht-Leistung auf dem Rasen des Max-Morlock-Stadions. Zumal die eigentliche Frage nach dem „Warum“ längst schon über die aktuelle Saison hinausgeht und gleichermaßen Fans, Trainer, Verantwortliche und hoffentlich auch die Spieler selbst vor die gleichen, unerklärlichen Fragen stellt. Die einzige Konstanz in Lautern scheint auch in dieser Saison wieder die Unkonstanz zu sein.
Einen möglichen Lösungsansatz lieferte während der Länderspielpause FCK-Mittelfeldspieler Semih Sahin. In einem ausführlichen Interview gestand er: „Wir haben ehrlicherweise nicht immer die Einstellung gezeigt, wie es nötig gewesen wäre.“ „Jeder müsse bei sich selbst anfangen„, betonte Sahin. Laut der Zeitung mit den vier Buchstaben sei einer der Knackpunkte die mangelnde Einstellung der Mannschaft – wobei offen bleibt, ob dies in erster Linie in den Verantwortungsbereich des Cheftrainers fällt oder, wie Sahins Aussagen nahelegen, jeder Spieler für seine eigene intrinsische Motivation selbst verantwortlich ist.
Die Frage – und der wohlbekannte Satz „Es ist etwas faul im Staate Kaiserslautern“ – bleibt bestehen: Warum scheint der Betzenberg auch in dieser Saison wieder seinem Image als „Wohlfühloase“ gerecht zu werden? Unabhängig von der Trainerfrage, der eigentlichen Kaderstruktur, einem nahezu runderneuerten Trainerteam und diversen „aufgebrochenen“ Strukturen zu Saisonbeginn? Diese Probleme liegen tiefer.
Leistungslücken auf dem Betzenberg
Abseits dessen ist allerdings auch nicht alles was derzeit auf dem pfälzischen Rasen feilgeboten wird, mit einer mangelhaften „Haltung“ oder dem falschen „Mindset“ entschuldbar, denn auch auf dem Rasen selbst sind die Probleme nach wie vor vielschichtig, offensichtlich und auch durch den bisherigen Rückrundenverlauf statistisch belegbar.
Ein Blick auf die Laufleistung macht die Probleme der Roten Teufel deutlich: In acht Saisonspielen, in denen sie mehr Kilometer als der Gegner zurücklegten, holten sie 18 Punkte – ein Schnitt von 2,25 Punkten pro Spiel. Hochgerechnet auf eine gesamte Saison würde das locker für den Aufstieg reichen. In den 15 Spielen, in denen die Betzebuwe weniger liefen als der Gegner, standen dagegen nur 14 Punkte zu Buche, also weniger als ein Punkt pro Spiel – das Niveau eines Abstiegskandidaten.
Ebenfalls dringend verbesserungswürdig sind die Standardsituationen der Roten Teufel – sowohl offensiv als auch defensiv. Nach über 120 eigenen Eckbällen in dieser Saison gelang der Mannschaft von Lieberknecht bislang kein einziger Treffer. Gleichzeitig fielen drei der jüngsten vier Gegentore gegen den VFL Bochum und den 1. FC Nürnberg nach gegnerischen Standards. Solche Zahlen sind alarmierend, denn normalerweise zählen Standardsituationen zu den großen Stärken der Lautrer, vor denen sich die Gegner saisonübergreifend stets in Acht nehmen mussten.
Diese ‚Hard Facts‘ sind offenbar auch den Verantwortlichen beim FCK nicht entgangen. Wie vor wenigen Tagen offiziell bekannt gegeben wurde, wurde der bisherige Co-Trainer Niklas Martin (38), der seit Saisonbeginn federführend für die Ausführung der Standardsituationen verantwortlich war, intern zum neuen NLZ-Leiter am Sportpark Rote Teufel befördert. Der gebürtige Saarländer ersetzt damit den langjährigen und verdienten bisherigen NLZ-Leiter Uwe Scherr (59), der seit 2020 entscheidend zur Entwicklung des Nachwuchsbereichs beigetragen hatte, dessen Vertrag zum Saisonende jedoch nicht verlängert wird.
Frei nach Robert Lembke – Welches Schweinderl hätten Sie gern?
Aber abseits dieser Personalentscheidungen dürfte sich vor dem anstehenden Spiel an Karsamstag erneut die mittlerweile ermüdende Frage stellen, welches Gesicht die FCK-Mannschaft ihren eigenen Fans präsentieren wird? Die aus den bisherigen Heimspielen schon so oft gezeigte Jetzt-erst-Recht-Einstellung die vor allem auf eine erneute Wiedergutmachung der aufbrausenden FCK-Fanseelen setzt oder der eher lockere Laissez-Faire-Stil, den man genauso von der aktuellen Mannschaft im rot-weiß-roten Trikot kennt und der insbesondere die Allesfahrer aus der Pfalz im 14-tägigen Rhythmus vor die mittlerweile erschreckende Frage stellt, „woran es eigentlich jetzt schon wieder jelegen hat?“
Wie hieß es schon im oscarprämierten Film „Forrest Gump“ von Regisseur Robert Zemeckis aus dem Jahr 1994 so schön? „Der 1. FCK ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man kriegt.“
Bilanz gegen Fortuna Düsseldorf:
Die Hoffnung der zahlreichen FCK-Fans, dass es am kommenden Spieltag zu einem verdienten Heimsieg ihrer Roten Teufel kommt – es wäre der zehnte der aktuellen Saison – dürfte auch in der eindeutigen Heimbilanz aus den bisherigen Partien gegen die Tuna begründet liegen. Aus insgesamt 33 bisherigen Pflichtspielbegegnungen auf Deutschlands höchsten Fussballberg, gingen die Pfälzer stolze 21 mal als Sieger hervor. Daneben gab fünf weitere Remis, nur sieben Mal siegte die Mannschaft vom Niederrhein. Auch das Torverhältnis spricht mit 63:36 Treffern eine eindeutige Sprache zu Gunsten der rot-weiß-roten Hausherren.
Bereits in der vergangenen Saison erwiesen sich die Betzebuwe als harte Nuss für die Gäste von der Düsseldorfer-Kö und setzten sich mit einem deutlichen 3:1-Heimsieg durch. Marlon Ritters frühe Führung (14.) hielt allerdings lange, ehe Tim Oberdorf erst in der zweiten Spielhälfte zum 1:1 egalisieren konnte (60.) Die Betzebuwe allerdings gaben sich keine Blöße und siegten durch das 16. Saisontor von Ragnar Ache (73.) und Luca Sirch, der in der 90+1 Minute den berühmten Deckel auf die Partie machte auch in der Höhe nicht unverdient.
Sicherlich würde es den tausenden FCK-Fans schmecken, wenn die Pralinen-Schachtel am kommenden Ostersamstag wieder eine ähnlich schmackhafte Süßigkeit für sie bereithalten würde – es wäre nach dem debakulösen Auftritt aus dem Spiel beim 1. FC Nürnberg mehr als angebracht – wieder einmal.
So könnten sie spielen:
1. FC Kaiserslautern: Krahl – Kim, Gyamfi, Sirch,- Joly, Haas, Sahin, Kunze, Ritter (C), Skyttä, – Berisha (Bassette)
Fortuna Düsseldorf: Kastenmeier (C) – Oberdorf, Suso, Egouli, – El Azzouzi, Tanaka, Lenz, Iyoha (Lunddal), Appelkamp (Ljubicic), Muslija, – Itten
Sperren / Ausfälle:
1. FC Kaiserslautern: Ivan Prtajin (MS – Reha nach Achillessehnenriss)
Fortuna Düsseldorf: Marcel Lotka (TW – Fußprobleme, Einsatz fraglich), Matthias Zimmermann (RV – Knieprobleme, Einsatz fraglich), Tim Rossmann (LA – Aufbautraining nach Oberschenkelverletzung), Christian Rasmussen (RA – Adduktorenprobleme, Einsatz fraglich), Kenneth Schmidt (IV – Kreuzbandriss), Hamza Anhari (OM – Reha Schulterluxation)







