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Fortuna Düsseldorf vor schwerer Auswärtsaufgabe auf dem Betzenberg
Nach der aktuellen Länderspielpause richtet sich der Fokus am Rhein auf die Pfalz: Fortuna Düsseldorf tritt auswärts beim 1. FC Kaiserslautern im traditionsreichen Fritz-Walter-Stadion an. Anpfiff ist am Samstag, den 04.04.2026, um 13:00 Uhr.Im Duell zweier ambitionierter Zweitligisten, die im bisherigen Saisonverlauf jeweils auf ihre eigene Art und Weise nicht durchgehend zu überzeugen wussten, möchte (bzw. muss) Düsseldorf nun im Saisonendspurt wichtige Punkte einfahren. Doch die Aufgabe könnte schwieriger kaum sein – ausgerechnet auf dem Betzenberg, Deutschlands höchstgelegenem Fußballstadion.
Nach 27 Spieltagen belegt Fortuna Düsseldorf aktuell den 11. Tabellenplatz. Mit 31 Punkten (9 Siege, 4 Unentschieden, 14 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 26:40) findet sich der einstige deutsche Meister von 1933 sowie zweimalige DFB-Pokalsieger (1979, 1980) klar im unteren Mittelfeld wieder und hat den Anschluss an die oberen Ränge längst aus dem Sichtfeld verloren.
Angesichts eines augenblicklichen Vorsprungs von lediglich vier Punkten auf den ersten direkten Abstiegsplatz – derzeit belegt von 1. FC Magdeburg mit 27 Zählern – muss sich der Blick in Düsseldorf sogar zunehmend nach unten richten. Zumal auch die Verfolger aus dem Tabellenkeller wie Fürth, Dresden und Kiel zuletzt ebenfalls wieder in die Erfolgsspur zurückgefunden haben.
Aufgrund mehrfacher aussichtsreicher Chancen auf eine Rückkehr in die Bundesliga und durchgehend stabilen Tabellenplatzierungen in den vergangenen Jahren – meist unter den Top Ten, teilweise sogar unter den besten Fünf – ging der Blick in Düsseldorf auch zur neuen Saison verständlicherweise ambitioniert nach oben in Richtung Aufstieg. Schon nach wenigen Wochen zeichnete sich jedoch ein besorgniserregender Abwärtstrend ab, der die Rheinländer nach und nach bis ins graue Mittelfeld der Liga abrutschen ließ.
Bereits nach dem achten Spieltag und einer schmerzhaften 2:3-Heimniederlage gegen den letzten FCK-Gegner aus Nürnberg sah man sich bei F95 dann offenbar zu einem der drastischsten Schritte des heutigen Profifussballs gezwungen und trennte sich nach dem verlorenen Heimspiel vom langjährigen Cheftrainer Daniel Thioune (51), der das Team über drei Jahre an der Seitenlinie begleiten durfte und den Fortunen in der Saison 23/24 sogar den Fast-Aufstieg in die Bundesliga bescherte, in der damaligen Relegation allerdings hochdramatisch gegen den VFL Bochum scheiterte (Hinspiel 3:0 / Rückspiel 0:3 (5:6 im Elfmeterschießen).
Vom Aufstiegskandidaten zum Sorgenfall: Fortunas schleichender Absturz
Obwohl man dem umsichtigen, ruhigen und stets loyalen F95-Cheftrainer auch nach dem verpassten Aufstieg noch rund eineinhalb Jahre die Treue auf der Cheftrainerbank hielt, zeichnete sich unter seiner Regie unterschwellig eine Art Eigendynamik ab, die sich offenbar auch subtil und nachhaltig in der Teamdynamik-/Chemie seiner Mannschaft bemerkbar machte. Thiounes Mannschaft wirkte in der Saison nach dem verpassten Aufstieg phasenweise etwas ausgebrannt, trotz wechselnden Spielermaterials und abweichenden Spielsystemen. Eine spürbare Weiterentwicklung fand unter Thiounes Leitung nicht mehr statt - die letzte Saison schloss man "nur" noch auf Tabellenplatz Sechs ab - augenscheinlich zu wenig für die hohen Ansprüche aus Düsseldorf.Nach der Heimniederlage gegen die Mannschaft von Miroslav Klose im vergangenen Oktober musste Daniel Thioune schließlich seinen langjährigen Posten räumen. Seine Nachfolge trat ausgerechnet der frühere Lautrer-Übungsleiter Markus Anfang (51) an. Als ehemaliger Profi von Fortuna Düsseldorf (2006–2008, 84 Pflichtspiele) ist der gebürtige Kölner am Rhein ebenfalls kein Unbekannter. Am kommenden Samstagmittag steht nun das erste Wiedersehen mit seinem früheren Verein im Fritz-Walter-Stadion an. Dort war Anfang im April 2025 nicht ganz geräuschlos von seinen Aufgaben als Cheftrainer entbunden worden, nachdem der 1. FCK drei Mal in Folge gegen Magdeburg (0:2), den 1. FC Nürnberg (1:2) und Eintracht Braunschweig (0:;2) verloren hatte und seine leichten Aufstiegshoffnungen schon frühzeitig im Saisonendspurt mehr oder weniger ad acta legen konnte.
Der nackte Punkteschnitt unter seiner Regie fällt bislang auch bei seinem neuen Verein deutlich verbesserungswürdig aus. Nach 20 Spielen liegt Anfang bei lediglich 1,05 Punkten pro Spiel – zum Vergleich: Thioune kam in seiner Zeit von über drei Jahren auf der Düsseldorfer-Trainerbank auf einen Schnitt von 1,72 PPS. Unter Anfangs Leitung gab es bislang sechs Siege, drei Unentschieden und elf Niederlagen bei einem Torverhältnis von 19:28 – ein Ergebnis, das den Trainerwechsel aus der Ferne sicherlich kontrovers erscheinen lässt und zu Diskussionen anregt - auch in den Fankreisen von F95 selbst, in denen die Personalie Markus Anfang ähnlich streitbar diskutiert wurde und wird wie auch damals beim 1. FC Kaiserslautern nach seiner Installation im Sommer 2024.
Doch nicht nur an der Seitenlinie zeigen sich die aktuellen Probleme bei Fortuna Düsseldorf. Ein mindestens ebenso entscheidender Faktor war die Transferpolitik in der vergangenen Sommerpause, die damals noch maßgeblich von Ex-Sportvorstand Klaus Allofs (69) und Ex-Sportdirektor Christian Weber (42) verantwortet wurde – beide sind seit Mitte Dezember nicht mehr im Amt bzw. offiziell freigestellt. Seitdem fungiert der ehemalige Chefscout von Borussia Dortmund, Sven Mislintat (53) als neuer starker Mann bei den Fortunen und soll einen strategischen Neuanfang einleiten. Die vakante Position des Sportdirektors, die zuvor Weber innehatte, wurde bislang nicht neu besetzt.
Obwohl die Fortunen in der vergangenen Sommerpause allein durch Abgänge von Leistungsträgern wie Mittelfeldspieler Ísak Jóhannesson (5,5 Mio. – 1. FC Köln) und Innenverteidiger Jamil Siebert (5,5 Mio. – US Lecce) über zehn Millionen Euro Einnahmen zur neuen Saison generieren konnten, wurden viele Schlüsselspieler und Abgänge nicht adäquat ersetzt. Zudem verpufften vermeintliche Sofortverstärkungen wie Žan Celar (27, Queens Park Rangers), Sotiris Alexandropoulos (24, Sporting Lissabon), Jesper Daland (26, Cardiff City), Christian Rasmussen (23, Ajax Amsterdam) oder auch ein ehemaliger Wegbegleiter der Roten Teufel, Tim Breithaupt (24, Leihe vom FC Augsburg), in ihrer bisherigen Zeit am Rhein zu mehr oder weniger offensichtlichen "Missverständnissen".
Taktische Ausgangslage / Statistikecke
- Grundordnung: meist 3-1-4-2, 3-4-2-1 oder 3-5-2
- Ansatz: kontrollierter Spielaufbau mit Ballbesitzphasen
- Umschaltspiel: vorhanden, aber nicht konstant effektiv
- Problemzone: Chancenverwertung und Restverteidigung
Offensiv zeigt sich Düsseldorf grundsätzlich gefährlich, lässt jedoch zu oft klare Chancen ungenutzt. Defensiv wiederum fehlt es in entscheidenden Momenten an Stabilität, was sich insbesondere gegen kompakt auftretende Gegner bemerkbar macht. Im Konter-/Umschaltspiel präsentiert sich die Fortuna ebenso anfällig, geht es beim Gegner schnell in die Vertikale, geht es bei der Mannschaft vom Rhein im Spiel gegen den Ball oftmals zu langsam.
Bei der Anzahl der Flanken (346) rangiert man gegenwärtig sogar auf Platz 1 im Ligavergleich, was bei einem großgewachsenen Stoßstürmer wie Cedric Itten sicherlich auch nicht sehr verwunderlich scheint, der im System von Trainer Anfang als klarer nomineller Zielspieler agiert.
Trotz 360 Abschlüssen – Ligaplatz neun in dieser Kategorie – stehen für die Elf von F95 bisher gerade einmal 26 eigene Treffer zu Buche. Das macht ligaweit den letzten Rang, noch hinter Eintracht Braunschweig (29 Tore). Die Chancen sind offenbar vorhanden, doch Präzision und Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlen und hängen zu sehr von den wenigen Unterschiedsspielern wie Itten oder Muslija ab.
Auch in den physischen Leistungswerten präsentiert sich Fortuna Düsseldorf bislang wechselhaft. Während man bei den gewonnenen Zweikämpfen (2.835) einen soliden neunten Rang belegt und sich mit bereits 65 Gelben Karten durchaus körperbetont zeigt, liegt die Mannschaft in den Bereichen Sprints (3.726 – Platz 14) sowie intensive Läufe (16.528 – Platz 15) lediglich im unteren Drittel der Liga.
Schlüsselspieler:
Forian Kastenmeier (27 TW) - Erfahrener Torwart und aktueller Mannschaftskapitän der Fortunen. Ein zuverlässiger, reaktionsschneller Torhüter mit guter Strafraumbeherrschung und solider Fähigkeit im Aufbauspiel, der seiner Abwehr Sicherheit gibt. Kastenmeier ist besonders stark bei schnellen Abschlüssen aus kurzer Distanz und Reflexparaden. Er hält auch in hektischen Phasen die Ruhe, zeigt Führungsqualitäten und kommuniziert viel mit der Abwehr.
Cedric Itten (29 ST) - Bester Torschütze der Fortuna (11 Tore / 2 Vorlagen) und zentraler Zielspieler im Angriff. Der mit 1,90m großgewachsene Schweizer ist ein klassischer Mittelstürmer, dessen Spiel stark auf Effizienz im Strafraum und physische Präsenz ausgelegt ist. Durch seine Größe und sein Timing ist er eine echte Waffe bei Flanken und Standards. Er hat ein gutes Gespür für Räume und steht häufig dort, wo der Ball herunterfällt. Er kann Bälle festmachen, sich gegen Innenverteidiger behaupten und als Wandspieler fungieren.
Florent Muslija (27 OM, LA) - Kreativer Offensivspieler, der zwischen den Linien agiert und Chancen kreieren kann. Er hat ein gutes Gefühl für kreative Lösungen, überraschende Pässe und unorthodoxe Aktionen. Seine größte Stärke ist das Eins-gegen-eins. Er kann Gegenspieler auf engem Raum ausspielen und so Überzahlsituationen schaffen. Ebenfalls ist er als starker Standardschütze bekannt. Meist agiert der aktuelle Nationalspieler des Kosovo als offensiver Mittelfeldspieler oder inverser Flügelspieler, musste allerdings durch die Verletzenmisere zuletzt auch verstärkt als linker Schienenspieler agieren. Nach Itten zweitbester Scorer der Fortunen (Fünf Saisontore / Sechs Vorlagen).
Anouar El Azzouzi (24, ZM) - Der Niederländer mit marokkanischen Wurzeln fungiert als wichtiger Verbindungsspieler im Mittelfeld mit hoher Präsenz im Spielaufbau. Laufstark und diszipliniert, sorgt er für die nötige Balance im Zentrum. Mit gutem Stellungsspiel liest er Passwege frühzeitig und schiebt intelligent nach, um Räume zu schließen – häufig im Zusammenspiel mit dem japanischen Winterneuzugang Satoshi Tanaka (23), der ihn defensiv absichert. Der aktuelle Nationalspieler der marokkanischen U20 ist einer der wenigen Neuzugänge die noch unter dem ehemaligen Gespann Aloffs/Weber im vergangenen Sommer verpflichtet wurden, sich allerdings schnell zur etablierten Stammkraft am Rhein entwickelten (25 Saisoneinsätze).
Personalsituation:
Die angespannte Personalsituation hat sich bei der Fortuna in der Länderspielpause nur geringfügig verbessert.
Sicher gelten für die Partie auf Deutschlands höchsten Fußballberg aktuell nur die Ausfälle von Mittelfeldspieler Hamza Anhari (22, Schulterluxation), Innenverteidiger Kenneth Schmidt (23, Kreuzbandriss), und Linksaußen Tim Rossmann (22, Aufbautraining nach Oberschenkelmuskelriss)
Ersatzkeeper Marcel Lotka (24) fehlte zum Trainingsauftakt mit Fußproblemen, ebenso sein Mannschaftskollege Matthias Zimmermann (33) mit Knieproblemen. Ajax-Leihgabe Christian Rasmussen (23) laboriert offenbar nach wie vor an Adduktorenproblemen. Hinter ihren Einsatzmöglichkeiten beim Spiel auf dem Betzenberg stehen aktuell noch kleinere Fragezeichen.
Cedric Itten (29), Christopher Lenz (31) und Tim Breithaupt (24) absolvierten zu Beginn der Trainingswoche noch individuelle Einheiten, ebenso Mittelstürmer Jordi Paulina (21) und der isländische Rechtsverteidiger Valgeir Lunddal (24) – ihre Einsätze am kommenden Samstag gelten – Stand heute – allerdings nicht als gefährdet.
Florent Muslija (27, Kosovo) und Simoa Suso (20, Deutschland U20) befinden sich aktuell noch auf Länderspielreise und werden zur Mitte/Ende der Woche wieder am Rhein zurückerwartet.
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