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Rheinpfalz News - DFB Team

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Sport



Wackelkandidat Schweinsteiger

Spekulation um offene Stelle in der DFB-Elf - Nutznießer Podolski?

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer TENERO. Die Spannung steigt, die Frage bleibt: Beginnt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft ihr Vorrunden-Auftaktspiel der Europameisterschaft morgen (20.45 Uhr) gegen Polen in Klagenfurt mit Bastian Schweinsteiger - oder nicht?



Mit der Aussage am Donnerstag „Bastian Schweinsteiger wird sicherlich im Verlauf des Turniers ein wichtiger Spieler für uns" hatte Joachim Löw die Diskussion um den Stammspieler eröffnet. Links wie rechts kann der WM-Held die Außenbahn beleben. Und morgen doch eher Linksdraußen als Linksaußen?





Nach einer durchwachsenen Saison beim FC Bayern München sieht der Bundestrainer den Flügelmann körperlich noch nicht topfit. Unklar ist, wer für ihn beginnen würde. Lukas Podolski? „Poldi" statt „Schweini"? Ein Spezi für den anderen, ein Bayer für den anderen Bayern? Eigentlich ist Podolski Stürmer. „Ich bin gut in Form", betonte er gestern Abend nach dem Abschluss-Training und will sich ansonsten keine großen Gedanken machen. Wie Podolski eben so ist.





Vielleicht aber gibt es auch eine richtige Überraschung und Piotr Trochowski rutscht in die Mannschaft. Ein Spieler, der erst nach der guten Leistung beim Test in Kaiserslautern gegen Weißrussland (2:2) sein Ticket für die EM bekam. „Ich lasse mich überraschen. Das Turnier ist lang", meinte der HSV-Spieler gestern Abend. Einer, der zunächst nicht um seinen Platz bangen muss ist Clemens Fritz, der schnelle Mann von Werder Bremen. Auch bei ihm steigt die Fieberkurve. „Wenn einer die Anspannung jetzt nicht spürt, dann ist er fehl am Platze", meinte Fritz. Die fürchterliche EM-Bilanz der letzten Jahre - seit dem EM-Triumph 1996 hat keine deutsche Mannschaft bei Europameisterschaften mehr gewonnen, berührt den Pfeil von der rechten Außenbahn nur am Rande. „Wir müssen uns auf uns konzentrieren. Es gibt nichts Wichtigeres, als positiv ins Turnier zu starten", weiß der 27-Jährige.





Bei Co-Trainer Hansi Flick klang das so: „Am Sonntag geht es um alles. Es ist wichtig, nach der Vorbereitung zu zeigen, was man umsetzen kann." Der Assistent von Joachim Löw charakterisierte die Polen gestern als starke Mannschaft. „Wir haben alle Infos. Sie ist durch ihren Trainer holländisch geprägt. Sie hat eine gute Ordnung und ist offensiv sehr mutig", erläutere Flick und pries die Achse Boruc, Bak, Lewandowski und Zurawski. Er räumte ein, dass Standardsituationen ein großes Thema in den letzten Einheiten waren. Da haben die deutschen Gipfelstürmer noch viel Luft nach oben.





Dass die deutsche Elf mit Miroslav Klose, Lukas Podolski und Piotr Trochowski drei Spieler mit polnischen Wurzeln im Kader hat, bringt laut Flick „gewisse Vorteile". Sicher nicht nur bei der Aussprache. Bak werde Bok ausgesprochen, hat Geheimagent Lukas Podolski Hansi Flick erzählt ...





Ein Sieg wäre für den Bayern-Spieler und früheren Kölner mit Blick auf seine Heimat ganz besonders wichtig. „Ich habe eine große Familie in Polen. Ich habe polnisches Fernsehen zu Hause, habe viele Spiele der Polen gesehen. Ich bin hundertprozentig sicher, dass wir das Spiel gewinnen", meinte der Angreifer. Was sich in den polnischen Boulevard-Medien diese Woche abspielte, interessiert Podolski nicht. Sagt er ...





Selbstverständlich wurde gestern auch bei Michael Ballack wegen der Geschmacklosigkeiten in polnischen Zeitungen nachgehakt. Ein Blatt zeigte ihn unter anderem mit abgeschlagenem Kopf. „Wir haben das gesehen, wir waren nicht erfreut. Es geht um Fußball, so etwas sollte nicht dazu gehören. Das war nicht schön. Das wird unsere sportliche Leistung nicht beeinflussen. Es motiviert uns eher noch mehr", betonte der Kapitän.





Eine SMS traf gestern im deutschen Quartier in Ascona ein. Sie war von Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann.. Er wünschte der Mannschaft eine „tolle EM und viel Erfolg". „Das ist riesig angekommen", berichtete Mediendirektor Harald Stenger. Auf die Frage, ob das Trainerteam zur Einstimmung auf das Spiel ähnliche Worte wie Jürgen Klinsmann 2006 bei der WM benutze, also einen Satz wie „Wir hauen die Polen durch die Wand", erwiderte Co-Trainer Hansi Flick: „Wir haben uns die Rede noch einmal geben lassen und lernen sie auswendig." Und im Ernst? „Jeder Trainer hat so seine Art. Joachim Löw weiß, wie die Mannschaft angepackt werden muss."





Entschieden ist, dass Robert Enke (30) bei der gesamten EM Ersatz-Torwart sein soll. Torwarttrainer Andreas Köpke informierte, dass der Hannoveraner den Vorzug vor René Adler (23) von Bayer Leverkusen erhält.







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.131

Datum: Samstag, den 07. Juni 2008

Seite: Nr.9

"Deep-Link"-Referenznummer: '3671631'

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EM-Tagebuch

Fort Knox im Tessin



Von Udo Schöpfer





Recht bald nach der Ankunft bin ich von Locarno (wo mein Hotel ist) nach Ascona gefahren (wo das der deutschen Fußballer ist). Das sagenumwobene „Il Giardino". Es ist gut ausgeschildert, liegt in einer Gegend, in der viele Ferienhäuser sind. Das belegen die deutschen Autos, die dort geparkt sind. Ein KSC-Fan - Wimpel vorne am Spiegel - ist auch da. Vor der Zufahrtsstraße des Hotels stehen die ersten beiden Polizisten. Kurze Kontrolle, dann geht es weiter. Vor dem Hotel sind dann weitere Sicherheitskräfte postiert. Auch von der anderen Seite, da wo der Golfplatz liegt, muss man an Polizisten vorbei. Das Hotel ist hermetisch abgeriegelt. Fort Knox im Tessin.





Es ist kurz vor 16.30 Uhr, für 17.45 Uhr steht Training auf dem Programm. So etwa 20, 25 deutsche Fans, Urlauber harren - in der Hitze, da schien noch die Sonne - vor dem Hotel aus. So richtig reinschauen kann man nicht. Gespräch mit einem Ehepaar. „Meine Eltern haben hier eine Ferienwohnung. Wir sind aus Köln, wir sind auf Hochzeitsreise. Wir möchten ein Autogramm für meinen Neffen", erzählt die Frau. Ein Angestellter kommt, und wirft eine Handvoll Kügelchen in den Gully. „Damit sie keine Probleme mit den Mücken bekommen", informiert er, nachdem er in die verwirrten Gesichter geschaut hat. 17 Uhr, noch keine Bewegung vor dem Mannschaftsbus. 17.25 Uhr, langsam tut sich was. „Wenn jemand hier einen Getränkestand hinstellen würde, er würde gut verdienen", scherzt ein Zaungast. Ein Mitarbeiter des DFB kommt und geht auf die Fans zu. Er verteilt Autogrammkarten, sehr großzügig, wenn es auch mal zwei sind, macht das überhaupt nichts. Lukas Podolski taucht als Erster auf, Jens Lehmann als Letzter. Manche Spieler winken, manche nicht. Bundestrainer Joachim Löw erhält mit den meisten Beifall. Einen intensiveren Kontakt gibt es wohl nicht. Beim Training zuzuschauen, das erlaubt der DFB nicht (mehr). Eine ältere Frau fragt mich: „Wo gab es denn diese Karten?" „Von dem Mann da hinten. Möchten Sie eine haben? Ich habe zwei." „Au ja."





Ein Polizei-Auto fährt direkt vor den Bus, ein anderes stellt sich dahinter quer. Nun müssen alle Fans auf die gegenüberliegende Seite des Hotels. Klare Anweisung. Nur eine Familie mit einem schlafenden Baby im Kinderwagen darf im Schatten bleiben. Von hinten darf jetzt niemand mehr durch. Um 17.30 Uhr fährt der Bus - eskortiert von zwei Polizeiwagen - los in das ein paar Kilometer entfernte Tenero. Der Bus fährt weg, die Gäste machen sich sofort auf den Weg. Ein Geduldsspiel dauert auch 90 Minuten.







SPERKA





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.131

Datum: Samstag, den 07. Juni 2008

Seite: Nr.9

"Deep-Link"-Referenznummer: '3671647'

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KOMMENTAR

Es geht um sehr viel

Von Udo Schöpfer



Ende Mai 2002 machte sich die deutsche Fußball-National-Mannschaft auf dem Weg nach Asien. Im Gepäck hatte sie vor allem eine gehörige Portion Pessimismus. Abwehrchef Jens Nowotny hatte sich damals vor der WM einen Kreuzbandriss zugezogen, Sebastian Deisler verletzte sich kurz vorher beim Test in Leverkusen gegen Österreich. Mehmet Scholl wollte nicht mehr. Und dann kam das Eröffnungsspiel gegen Saudi-Arabien - und Deutschland siegte 8:0. Der Stern von Miroslav Klose ging so richtig auf. Von diesem Ergebnis wurde das Team beflügelt. Mit viel Selbstvertrauen, wenn auch spielerisch nicht sonderlich berauschend, schaffte die Elf tatsächlich den Sprung ins Finale, wo es nach der besten Turnier-Leistung überhaupt eine 0:2-Niederlage gegen Brasilien gab.





Mit Philipps Lahms Tor im Eröffnungsspiel gegen Costa Rica begann das Sommermärchen 2006. Die WM-Begeisterung war plötzlich da, das Team fing an sich zu finden. Costa Rica, ein schöner Gegner zum Warmspielen.





Als Deutschland 1996 Europameister wurde, war Tschechien - wie später im Finale - schon im ersten Spiel der Gegner. Da stand ein sicherer 2:0-Sieg zu Buche.





Auch dieser Erfolg war eine exzellente Grundlage für ein großes Turnier, das mit dem Titelgewinn in Wembley gekrönt wurde.





Ganz im Gegensatz dazu verlief der Auftakt der EM 2000 in Belgien und den Niederlanden für das deutsche Team. Erich Ribbeck hieß damals der Trainer. Seine Maßnahme, Oldtimer Lothar Matthäus zurückzuholen, sorgte für Turbulenzen. Das Team war in sich zerstritten. Gegen Rumänien sprang nur ein 1:1 heraus. Bezeichnend: Es folgte die traurigste deutsche Turnier-Leistung der Neuzeit.





Deprimierend war 2004 das erste Spiel gegen die Niederlande. Deutschland führte lange 1:0, nach einer Unachtsamkeit auf der linken Seite kam eine Vorlage zu Ruud van Nistelrooy und die Holländer glichen noch spät aus. Davon hat sich das deutsche Team nicht mehr erholt. Die Ära Rudi Völler war beendet. Nach dem Unentschieden gegen Lettland und der Niederlage gegen das tschechische B-Team fuhr die Mannschaft geschlagen nach Hause. Ein Sieg gegen Holland hätte ganz sicher eine andere Dynamik nach sich gezogen.





Morgen geht es gegen Polen bereits um sehr viel. Der Bundestrainer weiß das. Seine Mannschaft auch. Eine Niederlage wäre fatal.





Auftaktspiele sind richtungsweisend bei





einer EM und WM. Für die deutsche Elf geht es morgen gegen Polen um sehr viel.







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.131

Datum: Samstag, den 07. Juni 2008

Seite: Nr.9

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im interview: michael ballack

„Die Mannschaft hat das Zeug, Großes zu leisten"

Der deutsche Kapitän über Favoriten und Aussichten - Hochzeit nach EM - Berater Becker ist Freund und Vertrauter



Michael Ballack führt die deutsche Mannschaft morgen (20.45 Uhr) zum EM-Start gegen Polen in Klagenfurt als Kapitän aufs Feld. Der 31-Jährige traut der Mannschaft Großes zu. Das Interview mit dem Top-Star des FC Chelsea führte Horst Konzok.





Frage: Herr Ballack, sind die Tränen aus dem Finale der Champions League getrocknet? Wie schnell können Sie nach dieser herben Enttäuschung neue Ziele angehen?





Michael Ballack: Das Finale ist abgehakt, weil ich das nächste Ziel vor Augen habe - die Europameisterschaft. Aber solch ein Spiel, das löste natürlich Emotionen aus, vor allem auch durch die Art und Weise, wie es entschieden wurde. Das Elfmeterschießen, der vergebene Elfmeter, das war ein Hammer. Da vergießt man schon mal Tränen. Ich hatte dann ja ein paar Tage Pause, konnte mich erholen, regenerieren und Abstand gewinnen. Das hat gut getan.





Wie fit ist Michael Ballack? Wie fühlt sich der Kapitän? Was fehlt noch?





Es läuft immer besser. Ich hatte durch die Champions League ja bis zuletzt Wettkampfpraxis. Ich habe das Finale gespielt, ich bin im Rhythmus geblieben. Ich bin fit!





Es ist Ihre dritte EM. Was stimmt Sie optimistisch, dass es nicht wie 2000 oder 2004 mit einem Reinfall der deutschen Mannschaft endet?





Man geht ja immer mit dem Vorsatz in ein Turnier, erfolgreich zu spielen. Wir haben eine gute Mannschaft und ich hoffe schon, dass wir weit kommen. Es sieht auch ganz gut aus. Die Mannschaft hat absolut das Zeug dazu, Großes zu leisten.





Wer ist Ihr Favorit auf den EM-Titel?





Sicherlich Italien und Frankreich, die ja auch im WM-Finale waren. Auch die Spanier sind stark. Abwarten muss man, ob Holland die Vorrunde übersteht. Gespannt bin ich auf die Schweiz. Was der Heimvorteil ausmacht, das haben wir bei der WM 2006 ja auch gesehen.





Wie sehen Sie die drei deutschen Gruppengegner? Polen zum Auftakt, dann Kroatien, Gastgeber Österreich?





Es sind nicht die großen Namen wie Italien und Frankreich, aber drei sehr unangenehme Gegner. Kroatien hat England in der Qualifikation ausgeschaltet, in England gewonnen. Ich habe das Spiel gesehen. Der Vorteil der Kroaten ist, dass niemand viel von ihnen erwartet, das macht sie so gefährlich. Polen, das wissen wir, ist ein ganz unbequemer Gegner. Österreich hat sich auf alle Fälle stark verbessert. Das haben wir im Testspiel ja auch erlebt. Auch gegen Holland haben sie eine sehr gute Leistung gebracht, sind hohes Tempo gegangen. Am Ende fehlte die Kraft. Ihnen fehlt es an internationaler Erfahrung. Wenn wir um den EM-Titel mitspielen wollen, dann müssen wir die Aufgaben hoch konzentriert angehen. Sonst kannst du in dieser Gruppe auch schnell mal ein Spiel verlieren und dann wird es schon eng. Wir dürfen nicht den zweiten vor dem ersten Schritt tun.





Herr Ballack, vorletzten Dienstag waren Sie mit der Nationalmannschaft in Kaiserslautern. Sie haben dort mit 21 Jahren den Durchbruch geschafft? Was verbindet Sie noch mit der Pfalz?





Ich habe noch immer große Sympathien für Kaiserslautern, das Stadion und die Fans. Es macht mir Spaß, dort zu spielen.





Michael Ballack heiratet nach der EM. Wo und wann wird das sein?





Ja, es ist geplant, dass wir im Sommer in Deutschland heiraten.





Haben wir in Deutschland zu lange dem Sommermärchen 2006 nachgehangen und verkannt, dass die EM kein Selbstläufer wird? Sie als Kapitän haben sich ja da sehr deutlich zu Wort gemeldet und recht früh die Konzentration auf neue Ziele eingefordert.





Die WM war schön, aber irgendwann muss Schluss sein! Wir sind Dritter und nicht Weltmeister geworden! Mir ging es darum, dass wir uns aufs Wesentliche konzentrieren.





Sie waren Klinsmanns Kapitän, sind jetzt Löws Kapitän. Was hat Michael Ballack intern zu sagen? Wurde der Kapitän beispielsweise befragt, als jetzt Jermaine Jones, Patrick Helmes und Marko Marin aus dem EM-Kader gestrichen wurden?





Auf die Nominierung hatte ich keinen Einfluss. Es ist aber auch die Sache der Trainer, solche Fragen zu entscheiden. Als Spieler ist das schwer, man ist da vielleicht auch zu emotional. Joachim Löw hat mich ja auch zu Klinsmanns Zeit als Kapitän kennen gelernt und erlebt, von daher hat sich da nichts verändert. Ich sehe meine Aufgabe nach wie vor als Leader - auf und außerhalb des Platzes. Das versteht sich von selbst.





Der junge Michael Ballack sagte, Spanien sei sein Traum. Nun sind Sie in England gelandet. Ist es das gelobte Land des Fußballs oder ist ein Wechsel in den Süden für Sie vorstellbar?





Ich werde im September 32. Ich bin zufrieden bei Chelsea, ich habe noch einen Vertrag. Ich spiele bei einem absoluten Top-Klub und habe auch in der Champions League noch große Ziele! Ich habe mit Chelsea die Chance, noch viel zu erreichen.





Ist die WM 2010 das große Ziel, das Sie dann noch anpeilen?





Die Frage kommt zu früh. Im Augenblick ist die EM mein Ziel! Ich habe ein großes Ziel vor Augen. Darauf bin ich jetzt absolut konzentriert.





Sie waren lange verletzt, haben ein halbes Jahr nicht gespielt, wurden zweimal am Knöchel operiert - hatten Sie Angst vor dem plötzlichen Ende der Karriere?





Angst? Angst vielleicht nicht ... Aber es hat lange gedauert. Da gab es schon ein paar Momente, wo du nachdenklich wirst. Es war eben eine sehr lange Zeit, bis ich wieder fit war.





Sie werden 32 - wie lange wird es den Fußballer Michael Ballack noch geben? Wollen Sie am Ende noch einmal in der Bundesliga spielen?





Das ist für mich noch weit weg. Ich habe noch einen Vertrag bei Chelsea, den ich erfüllen möchte.





Seit Ihrer Zeit beim 1. FC Kaiserslautern ist Michael Becker Ihr Berater, der Mann, der hinter den Kulissen die Marke Ballack vermarktet, Weichen stellt. Wie wichtig ist Herr Becker für Sie?





Michael Becker ist ja nicht nur mein Rechtsanwalt und mein Berater. Er ist in den knapp zehn Jahren ein Freund geworden. Wir haben auch noch nie einen Vertrag miteinander gehabt - es beruht alles auf absolutem Vertrauen.
 
Der Chef neben dem Chef

FUSSBALL: Heute um 20.45 Uhr beginnt die Europameisterschaft für die deutsche Mannschaft in Klagenfurt mit dem Spiel der Gruppe B gegen Polen. Torsten Frings ist neben Kapitän Ballack die Zentralfigur und der zweite Häuptling im Gefüge des Teams. Der Bremer fühlt sich nach langer Pause fit für den Titel.



VON UDO SCHÖPFER





TENERO. Spricht Joachim Löw über seinen Mittelfeldspieler Torsten Frings, dann spricht er nur Gutes. „Ein Kompliment dafür, mit welcher Kraft er sich nach der langen Pause wieder herangekämpft hat", lobt der Bundestrainer vor dem EM-Start der deutschen Mannschaft heute Abend in Klagenfurt gegen Polen.





Torsten Frings, der Stratege von Werder Bremen, hat ein schlimmes Jahr hinter sich. Wegen einer Innenband- und Kreuzband-Verletzung fiel er fast die gesamte Hinrunde in der Bundesliga aus. Kaum wieder im Training, zog er sich im Januar am zuvor lädierten Knie erneut einen Innenbandriss zu. „Es stand für mich immer fest, dass ich an diesem Turnier teilnehmen werde. Ich hatte Pech, aber ich habe am Ende der Saison noch ein paar Spiele gemacht und wusste, dass ich mit einer guten Vorbereitung rechtzeitig fit bin", analysiert der Bremer kühl und klar. Nachfrage: Und wie genau hat er das geschafft? „Ich habe so viel trainiert wie noch nie."





Das sagt einer, der (bereits) 31 Jahre alt ist und auch schon bei Borussia Dortmund und dem FC Bayern München spielte. Der internationale Durchbruch gelang Frings 2002 bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea, wo er auf der rechten Seite hinter Bernd Schneider ein fabelhaftes Turnier spielte und mit dem zweiten Platz belohnt wurde. Womöglich ist es diesmal sogar ein Vorteil, dass er nicht mit 50 Partien in den Knochen in das Treffen der besten 16 europäischen Mannschaften geht. „Das werden wir sehen. Ich fühle mich gut und frisch", betont der Mittelfeldspieler, der mit Michael Ballack schon vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft in Deutschland eine ganz starke Kommandozentrale bildete. Der Chef neben dem Chef. Mit Blick nach vorne, mit Blick nach hinten. „Jeder weiß, dass die Defensive unsere Stärke ist. Wir kassieren wenig Tore", argumentiert Frings, längst der zweite Häuptling im Team.





Darüber zu reden, hielt er aber gestern in der DFB-Pressekonferenz nicht für nötig. „Dass ich eine Führungsrolle habe, muss ich nicht mehr erzählen. Das ist kalter Kaffee." Brühwarm erzählte der Mann mit den langen Haaren aber, die Mannschaft habe sich weiterentwickelt. „Wir haben das in der Qualifikation gesehen. Da sind wir durchmarschiert. Das war ja nicht immer so bei deutschen Mannschaften. Wir können Europameister werden!"





Nicht eingemischt hat er sich in die Debatte, ob die Außenpositionen heute gegen Polen offensiv oder defensiver besetzt werden sollen. Stand gestern Abend: Bastian Schweinsteiger beginnt wohl doch.





Für den Gegner Polen sieht Frings die eigene Mannschaft bestens gewappnet. „Urs Siegenthaler hat uns mehrere Videos gezeigt. Wir kennen ihre Stärken und Schwächen", behauptet der 72-malige Auswahlspieler, der in der Nationalelf im Februar 2001 bei der 0:1-Niederlage in Paris gegen Frankreich debütierte.





Seitdem ist viel passiert. Auch dies: Vor zwei Jahren bei der WM sorgte Frings auch ein bisschen für Wirbel, als er den Ball des Eröffnungsspieles gegen Costa Rica unter seinem Trikot nach draußen schmuggelte. Die Fifa war nicht amüsiert angesichts der Sicherheitslücke im System. Humorvolle Frage gestern: Und was wird er diesmal mitgehen lassen? „Drei Punkte", antwortet der 31-Jährige. Wo der Ball im Hause Frings gelandet ist, konnte er spontan gar nicht sagen. „Ich weiß nicht, wo er liegt. Ich weiß nur, dass keine Luft drin ist. Vermutlich hat ihn der Hund kaputt gemacht."





Torsten Frings - der Chef neben dem Chef. Der Mann, der mit und neben Ballack den Takt vorgibt.







KAMMC





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.23

Datum: Sonntag, den 08. Juni 2008

Seite: Nr.11

"Deep-Link"-Referenznummer: '3670449'

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FUSSBALL

Köpke: Ball ist kein Alibi



TENERO. Sein Name: Europass. Sein Gewicht: 441 Gramm. Sein Kennzeichen: Er ist neu. Sein Ruf: ziemlich schlecht. Sein Spitzname: Flatterball. Der neue Ball, eigens für die Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz entwickelt, kam bei den Torhütern bisher überhaupt nicht gut an.





„Wer ihn fangen will, braucht Mut", hat beispielsweise Jens Lehmann dieser Tage formuliert. Tschechiens Petr Cech, Italiens Gianluigi Buffon und alle anderen kritisieren das neue Spielgerät. Andreas Köpke, der Torwart-Trainer der deutschen Nationalmannschaft, sagte dazu gestern: „Mit dem Ball ist keiner hundertprozentig zufrieden. Es hat aber keinen Sinn, darüber zu lamentieren. Wir trainieren ja schon drei Wochen mit ihm." Das Schuss-Training sei intensiviert worden, um die Torhüter an den neuen Ball zu gewöhnen. Keinesfalls habe er als Torwart-Trainer die Devise ausgegeben: fausten statt fangen. „Die Abwehrspieler müssen aber noch wacher sein", fordert Köpke. Der 46-Jährige: „Ich glaube nicht, dass wir ein Gegentor bekommen weil es am Ball liegt."





Sollte mit Jens Lehmann irgendetwas passieren - Verletzung, Platzverweis , Formkrise - dann würde Robert Enke nachrücken und nicht René Adler. Was nach der Europameisterschaft passiert, ob Jens Lehmann weiter macht oder nicht, damit will sich Andreas Köpke, der Keeper der Europameister-Mannschaft von 1996, nicht beschäftigen. „Wir warten die EM ab und analysieren dann in Ruhe." Vergleiche zwischen der aktuellen Mannschaft und dem großen Team von 1996 mochte er nicht ziehen. „Beide lassen sich nicht vergleichen. Was ich sagen kann: Diese Mannschaft ist immer da, wenn es um etwas geht." (öpf)







KAMMC





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.23

Datum: Sonntag, den 08. Juni 2008

Seite: Nr.11

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Mit „högschder Disziplin"

FUSSBALL: Bundestrainer Joachim Löw geht hoch konzentriert in die Europameisterschaft. Trotzdem ist er auch locker. Er lobt das Team hinter dem Team und er lobt seine Mannschaft. Sie geben ihm Ruhe.



VON UDO SCHÖPFER





TENERO. Eine Szene, die den Bundestrainer Joachim Löw gut charakterisiert: Als er am Donnerstag zu spät zur Pressekonferenz kam, spurtete er auf das Podest. Er schien die Wortmeldung eines Reporters zu entdecken und meinte: „Schon Fragen? Da brauche ich ja nichts zu sagen." Die Entdeckung der Gelassenheit.





Joachim Löw ruhte auch in den Tagen unmittelbar vor dem Start der Europameisterschaft in sich. Er ist konzentriert, er ist fixiert, er ist zuweilen aber auch locker. Er weiß: Er hat ein Konzept und er hat klare Vorstellungen. Das große Turnier jagt ihm keinen Schrecken ein.





„Es ist für mich nichts besonderes, unter Druck zu stehen. Schon 2006 bei der WM war viel Verantwortung an mich übergeben worden. So habe ich nicht das Gefühl, dass dies mein erstes Turnier als verantwortlicher Trainer ist", erläuterte der 48-Jährige, der in Schönau/Baden geboren wurde.





Wenn Löw abends völlig entspannt ins Bett geht, dann liegt das auch an der Klasse seiner Mannschaft und an dem Team hinter dem Team. Sagt er. „Sie geben mir Ruhe. Und bei der Mannschaft spüre ich Leidenschaft. Sie macht insgesamt einen guten Eindruck", betonte der Trainer. Was aber nicht heißt, dass er vor dem Einschlafen nicht noch einmal alles gedanklich durchgeht ...





Zuvor hat sich - wie fast jeden Abend - im Quartier der harte Kern getroffen. Löw, Assistent Hansi Flick, Torwart-Trainer Andreas Köpke und Manager Oliver Bierhoff.





DFB-Präsident Theo Zwanziger fackelte im Juli 2006 nicht lange, als Projektarbeiter Jürgen Klinsmann seinen Abschied bekannt gab und machte den Assistenten Löw zum Chef. Sönke Wortmanns Film über die WM machte Löw unglaublich populär. Der Streifen gab einen Einblick, was der Mann im Hintergrund wirklich leistete. Stichwort: „Högschde Disziplin."





„Löw ist ein großartiger Trainer. Keiner wünscht sich den Titel mehr als er", unterstrich Theo Zwanziger diese Woche in Tenero. Jürgen Klinsmann war schnell vergessen, weil Löw die Mannschaft auf der Grundlage des Sommermärchens von 2006 kontinuierlich weiter entwickelte. Für die einst neuen Methoden und Strukturen von Klinsmann gilt das genau so. Gut zu sehen auf Mallorca, wo auch mal ein Basketball-Spielchen auf dem Programm steht, um Abwehrstrategien einzuüben. Vier Fitness-Trainer assistieren Joachim Löw und Hansi Flick. Geld spielt - offenbar - keine Rolle.





Der „nette Herr Löw" kann aber auch knallhart sein. Timo Hildebrand zu Hause zu lassen, das war brutal für den Torhüter vom FC Valencia. Auf was er sich einließ, als er zunächst 26 Spieler in den Kader berief und dann drei wieder strich, war dem Coach von Anfang an bewusst. Löw zog die Sache durch. „Ich freue mich mehr, als dass ich nervös bin", lautete der Schlüsselsatz über sein Befinden vor dem Start heute in Klagenfurt gegen Polen.





Gestern Abend beim Abschlusstraining traf er Leo Beenhakker. Polens Trainer entschuldigte sich persönlich für die Hasstiraden der Boulevardpresse. Und nannte es eine große Geste, dass Löw erklärte, eine Entschuldigung sei nicht erforderlich, das Theater habe ja nichts mit der polnischen Mannschaft zu tun. Joachim Löw - der richtige Mann am richtigen Platz. Seine Mannschaft ist nun am Zug.







KAMMC





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.23

Datum: Sonntag, den 08. Juni 2008

Seite: Nr.12

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Glücksgriff Podolski entscheidet mit Doppelschlag

Deutschland startet mit 2:0 gegen Polen in die EM - Miroslav Klose gefällt als uneigennütziger Mannschaftsspieler

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer KLAGENFURT. Auf dem Weg zum Gipfel haben die deutschen Fußball-Bergsteiger gestern Abend in Klagenfurt die ersten paar Höhenmeter hinter sich gebracht. Gegen Polen gelang ihnen in ihrem ersten Vorrunden-Spiel der Gruppe B ein 2:0 (1:0)-Sieg. Bis auf eine Viertelstunde nach der Pause war das schon ganz ordentlich. Zweiter Gegner ist am Donnerstag Kroatien - und zwar wieder in Klagenfurt.



Diesmal hat es nicht so lange gedauert wie vor zwei Jahren bei der Weltmeisterschaft, als Oliver Neuville erst kurz vor dem Abpfiff die deutsche Mannschaft zum 1:0-Sieg gegen Polen schoss. Diesmal dauerte es 20 Minuten und nach einer vorzüglichen Kombination gelang die Führung: Mario Gomez schaufelte den Ball in den freien Raum, Miroslav Klose startete im richtigen Moment, lief allein auf das Tor von Artur Boruc zu, gab den Ball nach links und Lukas Podolski hatte wenig Mühe, die Kugel über die Linie zu drücken.





Lukas Podolski hatte tatsächlich den Vorzug vor seinem Freund Bastian Schweinsteiger erhalten, überzeugte, spielte ungemein dynamisch. Ein Tempomacher auf links.





Miroslav Klose als uneigennütziger Partner - das hatten wir bereits in der dritten Minute. Auch da lief Klose allein auf das polnische Tor zu, gab in der Szene nach rechts, doch Mario Gomez erreichte den Ball nicht richtig und spitzelte ihn am Tor vorbei. Das war Mario Gomez" erste große Chance, die zweite vergab er in der 38. Minute. Nach einem tollen Flankenlauf des agilen Clemens Fritz traf er wieder den Ball nicht richtig und verzog. Das war unglücklich.





Die deutsche Mannschaft hatte in der ersten Halbzeit mehr von der Partie, die polnische spielte aber bei weitem nicht so defensiv wie bei der WM 2006. Beflügelt wurde sie von den vielen, vielen Fans im rot-weißen Outfit, die auf den Rängen klar in der Überzahl waren.





Auch die Polen hatten ihre Möglichkeiten. Die beste in der 35. Minute, als sich Marcell Jansen von Wojciech Lobodzinski überlaufen ließ, Maciej Zurawski jedoch am Tor vorbeischoss. Trainer Leo Beenhakker kennt bei solchen Anlässen keinen Spaß und ließ Zurawski zur Pause in der Kabine.





Der neue Mann, Roger Guerreiro, machte dann auch sofort mächtig Dampf. Dieser Wechsel zahlte sich aus. Polen nahm das Heft in die Hand, weil sich Deutschland zurückzog, nicht mehr konzentriert und konsequent nach vorne spielte. Auch Joachim Löw reagierte und brachte Bastian Schweinsteiger, den er während der Woche noch nicht in Top-Form sah. Er kam für Clemens Fritz. Der Bremer hatte erneut zu zwei rasanten Springs angesetzt, blieb jedoch zweimal hängen. Schweinsteiger fügte sich gut ein, war gleich da.





Es dauerte bis zur 71. Minute, bis die deutsche Elf mal wieder zu einer zwingenden Aktion kam. Torsten Frings setzte Philipp Lahm in Szene, Lahm schob den Ball in den Rücken der Abwehr, doch Artur Boruc drehte den Schuss des herangeeilten Michael Ballack gerade noch über die Latte. Das Signal: Eine Minute später stand es 2:0. Nach Bastian Schweinsteigers Einsatz flog der Ball zu Miroslav Klose, der traf ihn nicht richtig - aber Lukas Podolski. Per Direktabnahme donnerte er die Kugel ins Netz. Was für eine feine Schusstechnik! Wichtig: Sorgenkind Christoph Metzelder, der lange verletzte Innenverteidiger, ließ aufsteigende Form erkennen.





Auch Torhüter Jens Lehmann zeigte zwei, drei gute Paraden, flatterte nicht mehr wie noch in der Vorbereitung in Kaiserslautern im Spiel gegenWeißrussland. In der Schlussphase musste er dann noch mehrfach eingreifen und ließ dabei erkennen, dass von fehlender Spielpraxis an diesem Abend keine Rede sein konnte.





Die Polen mühten sich bis zum Schluss um eine Resultatsverbesserung, sie gelang nicht, weil die Deutschen nun wieder konzentrierter zu Werke ging und dem Team von Trainer Leo Beenhakker eben die Zeit davon lief. „Wenn man 1:0 führt geht man manchmal einen Schritt zu weit zurück, aber wir haben viele Dinge gut umgesetzt", meinte Joachim Löw.





So spielten sie





Deutschland: Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen - Fritz (55. Schweinsteiger), Ballack, Frings, Podolski - Klose (90. +1 Kuranyi), Gomez (75. Hitzlsperger)





Polen: Boruc - Wasilewski, Zewlakow, Bak, Golanski (75. Saganowski) - Lobodzinski (65. Piszczek), Lewandowski, Dudka, Krzynowek - Smolarek, Zurawski (46. Guerreiro)





Tore: 1:0 Podolski (20.), 2:0 Podolski (72.) - Gelbe Karten: Smolarek, Lewandowski - Schweinsteiger - Beste Spieler: Podolski, Frings, Ballack, Mertesacker - Guerreiro, Lobodzinski, Dudka - Zuschauer: 32.000 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Övrebö (Norwegen).







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.132

Datum: Montag, den 09. Juni 2008

Seite: Nr.11

"Deep-Link"-Referenznummer: '3683902'

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Platzhirsch ohne Brunftgebaren

Der deutsche Kapitän Michael Ballack ist Chef einer Truppe mit intaktem Teamgeist - Gegen Kroatien kaum Änderungen



Von unserem Redakteur





Udo Schöpfer





TENERO. Offensiv im Spielkonzept, gewohnt defensiv, wenn es darum geht, die Aufstellung für das morgige EM-Vorrunden-Spiel in Klagenfurt gegen Kroatien (18 Uhr) zu veröffentlichen. Bundestrainer Joachim Löw sagte gestern immerhin: „Viele Wechsel wird es nicht geben. Denkbar ist es aber, dass wir den einen oder anderen neuen Spieler bringen."





(Ersatz-)Spielern wie Bastian Schweinsteiger, Arne Friedrich oder Thomas Hitzlsperger bescheinigte Löw Top-Trainingsleistungen.





Kapitän Michael Ballack sagte gestern: „Es spricht vieles dafür, die Mannschaft so zu lassen. Gegen Kroatien wird es ein offenes Spiel, wir sind sicher noch mehr gefordert." Ballack war auch beim 2:0-Auftaktsieg gegen Polen in Klagenfurt die zentrale Figur. Im Kabinengang, noch auf den letzten Metern zum Spielfeld, schwor er seine Kameraden auf die Partie ein. „Wir werden heute keinen Zweikampf verlieren", stachelte er das Team an. Deutschland, das ist nicht der FC Ballack, aber ohne Ballack wäre dieser Fußball-Club ganz sicher schwächer.





So bei 80, 85 Prozent siedelt er die aktuelle Leistungsstärke der deutschen Mannschaft zu diesem frühen Zeitpunkt des Turniers an. „Kroatien hat England zweimal geschlagen, nach dem Spiel wissen wir noch genauer, wo wir stehen. Mit dem ersten Spiel kann man zufrieden sein. Wir müssen uns steigern. Und es werden nun Spiele kommen, in denen wir weniger Chancen bekommen", erläuterte der Mittelfeldspieler, der absolute Chef in der deutschen Mannschaft. Eine Rolle, die von selbst kam.





„Ich bin schon einige Jahre dabei. Ich habe die Rolle nie in der Öffentlichkeit beansprucht. Da wächst man über den natürlichen Weg hinein: durch Leistung, durch Erfahrung", berichtete Ballack. Torsten Frings und Jens Lehmann, bis zu seiner Verletzung Bernd Schneider, das sind die anderen Spieler mit absoluten Führungsqualitäten. Den Teamgeist, einer der Aspekte, wenn es darum geht, die Faktoren für den möglichen Coup zu beleuchten, ist für den Kapitän intakt. „Wir haben eine gute Stimmung im Team. Ich denke, da hat sich etwas entwickelt. Das ist schon ein Tick Normalität, da hatten wir wenig Probleme in den vergangenen Jahren", sagte der 31-Jährige, „jeder nimmt sich selbst nicht so wichtig in der Öffentlichkeit. Da ist eine Struktur herangewachsen. Vor fünf bis zehn Jahren gab es noch das Platzhirsch-Denken. Schon Jürgen Klinsmann hat viele junge Spieler eingebaut. Bei guten Leistungen kommt man immer schneller in die Nationalmannschaft."





Gestern selbstverständlich auf der Agenda: Der 3:0-Sieg der Niederlande gegen Italien. „Ich glaube, es war klar, dass man in dieser Gruppe guten Fußball erwarten durfte", unterstrich Ballack. Löw, der Gegner Kroatien als raffinierte Mannschaft charakterisierte, hält jedoch überhaupt nichts davon, den klaren holländischen Sieg schon zum Maß aller Dinge hoch zu stilisieren. „Es war erst das erste Spiel, dem das nächste folgt. Von einem Maßstab möchte ich nicht sprechen. Die Leistungsdichte ist eng. Wenn Italien in Führung geht, nimmt das Spiel vielleicht einen ganz anderen Verlauf."





Für die deutschen Fußballer steht in der Freizeit weiter Golf und Radfahren auf dem Programm. Im Tessin wird auch Bungee jumping angeboten. Dazu sagte Löw artig (aber nachdrücklich) „Nein, danke." „Wenn meine Spieler aus 200, 300 Metern vom Berg runterspringen würden, das wäre mir nicht so recht. Da gibt es andere Möglichkeiten. Wir wissen, was gut tut."
 
Geduldsspielchen mit guten Bekannten

Heute zweiter EM-Auftritt des deutschen Teams - Friedrich in Startelf? - Gegner Kroatien wohl mit vier Bundesliga-Profis

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer TENERO. Mittagessen, Flug von Lugano nach Klagenfurt, 18 Uhr Abschluss-Training: So sah gestern der Ablauf für die deutsche Nationalmannschaft vor dem zweiten EM-Gruppenspiel heute (18 Uhr) gegen Kroatien aus. Mit einem Sieg könnte das deutsche Team schon den Sprung ins Viertelfinale schaffen, wenn Polen und Österreich beispielsweise unentschieden spielen.



Das ist Theorie. Die Praxis für Arne Friedrich sah zuletzt so aus, dass er mit einem Platz auf der Bank vorliebnehmen muss. Friedrich, einer der WM-Stammspieler von 2006. Das Sommermärchen wurde für ihn zu einem recht nüchternen Roman. Da, wo er vor zwei Jahren verteidigte, spielt nun sein Tischtennis- und Billard-Partner Philipp Lahm. Und innen sind Per Mertesacker und Christoph Metzelder gesetzt.





„Es ist nicht einfach für mich, zu Beginn eines solchen Turniers auf der Bank zu sitzen. Ich war bei der WM 2006 und der EM 2004 Stammspieler, habe 57 Länderspiele. Das ist nicht befriedigend, aber ich respektiere die Entscheidung des Bundestrainers", betonte der Abwehrspieler.





Am Samstag hat Löw dem Berliner in einem Vier-Augen-Gespräch seine Entscheidung mitgeteilt. Und am Dienstag lobte der Bundestrainer Löw den Abwehrspieler Friedrich überschwänglich. „Friedrich und Westermann sind in blendender Form. In so einer starken Verfassung habe ich Arne selten gesehen", unterstrich der Bundestrainer.





Arne Friedrich - gar ein Fall für Kroatien, zumal Marcell Jansen beim 2:0 gegen Polen links nicht frei von Schwächen war? Oder heißt es auch im modernen Fußball anno 2008 immer noch: Never change a winning team, verändere nie eine erfolgreiche Mannschaft?





Jansen raus, Lahm wieder nach links und Friedrich nach rechts? Hm. Oder roch das Lob vielleicht doch nur nach Bauchpinselei? „Das braucht er bei mir nicht zu tun. Ich bin kein Stinkstiefel. Wir haben 2:0 gewonnen, da hat der Trainer alles richtig gemacht. Das Turnier ist lang, ich bin in guter Form, ich bin bereit, mal sehen, was passiert. Persönliche Dinge stelle ich zurück", erläuterte der 29-Jährige, der sich primär als Innenverteidiger sieht und der - so erzählte er gestern - in Berlin mit einer Mentaltrainerin zusammenarbeitet, um auch auf diesem Gebiet noch stärker zu werden.





Arne Friedrich kennt sich bei den Kroaten ein wenig aus, weil Josip Simunic, ein Kollege von Hertha, mit Robert Kovac die Innenverteidigung bildet. Ist das eine Schwachstelle? Gerade Robert Kovac ist langsamer geworden. „Kroatien steht sehr kompakt. Es wird nicht so einfach, in die Gasse zu kommen. Es wird ein enges Spiel werden, wir müssen Geduld aufbringen", meinte der Berliner, noch bis 2009 bei Hertha unter Vertrag.





Assistenz-Trainer Hansi Flick betonte, dass die deutsche Mannschaft sich von Luka Modric, dem großen Mittelfeld-Talent der Kroaten, taktisch nicht durcheinander bringen lässt. „Wir haben unsere Philosophie, wir ziehen unser Ding durch. Wir haben eine Grundformation, die werden wir nicht ändern." Eine Grundformation, in der der gegen Polen überragende Lukas Podolski als linker Mittelfeldspieler erneut eine tragende Rolle spielen soll. „Er ist in toller Form", bescheinigte ihm Flick.





SO SPIELEN SIE





Deutschland: Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen - Fritz, Ballack, Frings, Podolski - Klose, Gomez





Kroatien: Pletikosa - Corluka, Robert Kovac, Simunic, Pranjic - Srna, Niko Kovac, Modric, Rakitic - Kranjcar - Olic





Schiedsrichter: de Bleeckere (Belgien).







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.135

Datum: Donnerstag, den 12. Juni 2008

Seite: Nr.11

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IM INTERVIEW: MARIO GOMEZ

„Ich genieße das"

Vom „Irokesen" zum Nationalspieler



Der deutsche Stürmer Mario Gomez (22) vom VfB Stuttgart vergab im Auftaktspiel gegen Polen zwei gute Chancen. Darüber sprach er in Tenero, nicht aber über die Wechselgerüchte um seine Person.





Herr Gomez, gegen Polen haben nur Millimeter zum Torerfolg gefehlt. Woran lag"s? In der Liga wirken Sie entspannter, war der Druck zu groß?





Nein, zumindest habe ich es nicht so empfunden. Dass ich das Tor nicht gemacht habe, hatte andere Gründe. Ich musste einfach aufpassen, dass ich nicht ins Abseits renne. Und Miro Klose sah meinen Gegenspieler im Rücken - deshalb hat er etwas steiler gespielt. Unglaublich, dass es nicht geklappt hat.





Mit welchen Gefühlen sind Sie in dieses Spiel gegangen?





Mit einer Riesenfreude. Meine Motivation war groß.





Zu groß? Ein Stürmer lebt auch von seiner Lockerheit vor dem Tor.





Ich habe keinen Unterschied zu meinen Spielen beim VfB gespürt.





Also zufrieden mit Ihrem ersten EM-Spiel?





Ja, unser Spiel war sicher noch nicht perfekt. Aber für ein Auftaktspiel kann man zufrieden sein. Ich hatte viele Aktionen, habe viele Zweikämpfe gewonnen, hatte zwei Chancen und war an beiden Toren beteiligt.





Sie sind unheimlich viel gelaufen. Fredi Bobic sagte einmal: Wenn Stürmer zu viel nach hinten arbeiten müssen, fehlt ihnen die Konzentration vor dem Tor. Stimmt das?





Heutzutage müssen alle mitarbeiten. Aber ich habe mich dennoch sehr spritzig gefühlt. Ich habe genug Kraft, um noch fünf Spiele Vollgas zu geben.





Das bedeutet: Deutschland erreicht das Finale. Und: Sie spielen am Donnerstag wieder von Beginn an?





(Grinst) Das entscheidet der Trainer. Und zur ersten Frage: Natürlich wollen wir Europameister werden.





Nun haben alle Teams gespielt. Mit wem muss man rechnen?





Also, die Holländer haben mich sehr beeindruckt. Aber schreibt Italien nicht ab! Die sind auch bei der WM schlecht gestartet. Und was daraus geworden ist, weiß jeder.





Denken Sie manchmal daran, wie rasant Ihre Karriere bisher verlief?





Ja, manchmal ist es wie in einem schönen Traum, der in Erfüllung ging. Vor zwei Jahren habe ich noch mit einer Irokesen-Perücke getarnt auf der Münchner Fanmeile gestanden und mich über Poldis Tore gegen Schweden gefreut. Und heute bin ich hier. Ich genieße das unheimlich. (öpf)







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.135

Datum: Donnerstag, den 12. Juni 2008

Seite: Nr.11

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Nach bösem Ausrutscher Endspiel gegen Österreich

Deutsche Nationalmannschaft versagt beim 1:2 gegen Kroatien - Podolski-Tor zu spät - Schweinsteiger flippt aus

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer KLAGENFURT. Das Finale der Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz ist am 29. Juni. Die deutsche Mannschaft hat nach der 1:2 (0:1)-Niederlage gestern Abend gegen Kroatien bereits am Montag (20.45) ein Endspiel gegen Österreich. Auch in Wien. Das Weiterkommen ist gefährdet.



Das Team zeigte gestern eine enttäuschende Leistung. Der 1:2-Anschlusstreffer von Lukas Podolski kam viel zu spät. Zu den Fans gingen am Ende gerade noch einmal fünf Spieler. Der Frust saß tief.





Eklatant die spielerischen Schwächen, schlimm die Fehler vor den beiden Gegentoren. Und am Ende fiel auch noch Bastian Schweinsteiger aus der Rolle. Nach einem rüden Foul von Jerko Leko schubste Schweinsteiger den Kroaten zu Boden, klare Sache: Rote Karte. Beim Abgang zeigte Schweinsteiger dann auch noch einen Vogel. Strafverschärfung droht!





Das deutsche Team begann viel zu spät, aggressiv und mit Tempo zu spielen. Die Angriffe wurden zu einfallslos vorgetragen, ungenaue Flanken aus dem Halbraum waren gestern ganz sicher das falsche Mittel, um die Abwehr-Routiniers Robert Kovac und Josip Simunic zu gefährden.





Das 1:0 fiel in der 24. Minute - und war zu diesem Zeitpunkt völlig verdient. Aber es war zu verhindern, weil der Ball von Danijel Pranjic lange unterwegs war. Per Mertesacker hätte die Kugel aus der Gefahrenzone köpfen müssen. Marcell Jansen unterschätzte die Situation, Darijo Srna drückte den Ball über die Linie.





Jansen war Minuten zuvor bei einem Foul verletzt worden. Immer wieder dehnte er die lädierte Schulter. Schon beim Auftakt-Spiel gegen Polen war er auf der linken Seite die Achillesferse in der Abwehr. In der 42. Minute ließ er sich von Vedran Corluka überlaufen, Niko Kranjcars Schuss hielt Lehmann glänzend. Die Abstimmung von Jansen mit Lukas Podolski klappte diesmal überhaupt nicht. Der Verteidiger wurde mit dem Pausenpfiff erlöst und blieb in der Kabine.





Auch das zweite Gegentor enttarnte die deutsche Schlafmützigkeit. Diesmal flankte Ivan Rakitic in aller Ruhe, Lukas Podolski fälschte den Ball leicht ab, Torhüter Jens Lehmann spekulierte, er lenkte den Ball an den Pfosten und der Hamburger Ivica Olic staubte ab. Da sah Lehmann schlecht aus!





Die deutsche Mannschaft hatte lange wenig Durchschlagskraft, auch weil Mario Gomez ebenso wie Miro Klose ein Totalausfall war. Gomez sprangen viele Bälle vom Fuß. Als er sich in der 61. Minute mal frei gespielt hatte, schloss er die Aktion mit einem ungenauen Pass ab. Dass er in der 65. Minute ausgewechselt wurde, war überfällig. Der Fußballer des Jahres 2007 war erneut fahrig, und es ist naheliegend, dass seine Unkonzentriertheiten mit den Gerüchten über den Wechsel zum FC Bayern München oder zum FC Barcelona zu tun haben.





Bundestrainer Joachim Löw stellte zur Pause um, brachte David Odonkor für Jansen und zog Clemens Fritz nach hinten und Philipp Lahm nach links - das blieb aber lange wirkungslos, weil Michael Ballack zwar viel arbeitete, aber auch nicht frei von Abspielfehlern war. Ballack bereitete das 1:2 durch Lukas Podolski vor, den nach einem Kopfball abprallenden Ball donnerte Podolski volley ins Netz. Torsten Frings hatte immer ein Auge auf Luka Modric, von der Uefa zum Spieler des Spiels gekürt, und so fehlte dem Bremer Ruhe und Kraft im Spielaufbau. David Odonkor brachte nichts zuwege, er wirkte wie ein Statist. Auch Miroslav Klose tauchte zunehmend unter. Kevin Kuranyi konnte keine Akzente mehr setzen.





So spielten sie





Deutschland: Lehmann - Lahm, Mertesacker, Metzelder, Jansen (46. Odonkor) Fritz (81. Kuranyi), Frings, Ballack, Podolski - Gomez (65. Schweinsteiger), Klose





Kroatien: Pletikosa - Corluka, Robert Kovac, Simunic, Pranjic - Srna (79. Leko), Niko Kovac, Modric, Rakitic - Kranjcar (85. Knezevic), Olic (72. Petric)





Tore: 1:0 Srna (24.), 2:0 Olic (62.), 2:1 Podolski (79.) - Gelbe Karten: Ballack, Lehmann - Leko, Modric, Simunic, Srna - Rote Karte: Schweinsteiger (90. + 1) - Beste Spieler: Lahm Podolski - Modric, Srna, Corluka - Zuschauer: 30.000 (ausverkauft) - Schiedsrichter: De Bleeckere (Belgien).







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.136

Datum: Freitag, den 13. Juni 2008

Seite: Nr.10

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stimmen und stimmungen

Marcell Jansen im Büßergewand

Nach dem 1:2 gegen Kroatien ist im deutschen Lager deutliche Selbstkritik angesagt



Selbstkritik nach der 1:2 (0:1)-Schmach gegen Kroatien im deutschen Lager. Udo Schöpfer sammelte Stimmen und Stimmungen in Klagenfurt.





Marcell Jansen, entscheidend beteiligt am ersten Gegentor gestern Abend beim 1:2 gegen Kroatien im zweiten deutschen Gruppen-Spiel der Europameisterschaft, zeigte sich nach dem Spiel einsichtig.





„Ich stelle mich der Kritik. Das war kein gutes Spiel. So Tage gibt es im Fußball. Vor dem 1:0, das war mein Fehler, das Tor kann, das Tor muss ich vereiteln. Ich muss anders zum Ball stehen", sagte der Außenspieler des FC Bayern München.





„Das war ein Schritt zurück nach dem guten Spiel gegen Polen. Wir haben eine gute Mannschaft, das haben wir gegen Polen gezeigt", meinte Torschütze Lukas Podolski. Er ist sich sicher, dass die deutsche Mannschaft in der Lage ist, mit der völlig veränderten Situation umzugehen. „Wir können mit dem Druck umgehen. Sonst könnten wir ja direkt nach Hause fahren", betonte Podolski, der wieder als linker Mittelfeldspieler begann, später in den Sturm wechselte. Mit (taktischen) Einzelheiten wie Laufwegen wollte sich Podolski nicht groß beschäftigen in den Minuten nach der Niederlage. „Fakt ist, dass wir verloren haben."





Per Mertesacker, der beim 0:1 auch sehr schlecht aussah, den Kopfball „verweigerte", analysierte: „Wir haben wenig positive Ansätze gezeigt. Wir haben die große Lösung nicht gefunden."





Bundestrainer Joachim Löw bewertete die Niederlage als gerecht. „Wir sind alle enttäuscht. Die Niederlage ist verdient, weil wir es als Mannschaft nicht geschafft haben, Tempo zu machen. Wir haben es nicht geschafft, die defensiv eingestellten Kroaten unter Druck zu setzen", unterstrich Löw. Die vielen Flanken auf Robert Kovac und Josip Simunic waren nicht vorgesehen, sagte Löw.





„Gegen Österreich werden wir wieder ein anderes Gesicht zeigen. Wir sind aber am Montag in der Lage, Akzente zu setzen", sagte der Bundestrainer und schloss einen Torwartwechsel in Wien zum entscheidenden Spiel gegen Österreich aus. Auf so brisante Momente wie am Ende bei Bastian Schweinsteiger hat das Trainerteam die deutschen Spieler ganz dezidiert hingewiesen. Ohne Erfolg ...





„Wir haben zu wenig Herz gezeigt", befand Jens Lehmann. „Wir haben uns zu wenig bewegt. Wir haben nicht als Mannschaft gespielt. Ich denke, dass wir das Spiel gegen Österreich gewinnen können. Man muss jetzt nicht alles schlecht reden", forderte Miroslav Klose. Michael Ballack rackerte - ohne Erfolg. „Die Kroaten waren bissiger und haben uns gut zugestellt. Wir waren zu wenig in Bewegung und in allen Bereichen schlechter als im Spiel gegen Polen", meinte der Kapitän.





Slaven Bilic, der Trainer von Kroatien, frohlockte: „Wir haben heute die Räume von Beginn an sehr eng gemacht und die Außenbahnen gut zugestellt. Damit haben wir es den Deutschen sehr schwer gemacht. Ich bin mit allen Spielern zufrieden, nur mit dieser Einstellung kann man gegen eine Mannschaft wie Deutschland gewinnen."





Der eingewechselte David Odonkor sagte, was Spieler in solchen Fällen oft sagen: „Wir müssen nach vorne schauen." (öpf)







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.136

Datum: Freitag, den 13. Juni 2008

Seite: Nr.10

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Die Wellness-Wochen im Tessin sind vorbei

Nach der Enttäuschung gegen Kroatien wird der Ton im deutschen Lager schärfer - Schweinsteiger für ein Spiel gesperrt

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer TENERO/ASCONA. Vor dem entscheidenden Gruppenspiel gegen Österreich in Wien am Montag (20.45 Uhr), bei dem ein Punkt reicht, um das Viertelfinale am Donnerstag in Basel gegen Portugal zu erreichen, sind vier Spieler der deutschen Mannschaft angeschlagen. Bastian Schweinsteiger erhielt wegen seiner Roten Karte im Spiel gegen Kroatien eine Sperre für ein Spiel.



Philipp Lahm (Bluterguss in der Wade), Lukas Podolski (Kapselverletzung) und Marcell Jansen (Schulterzerrung) zogen sich die Verletzungen bei der 1:2 (0:1)-Niederlage gegen Kroatien zu. Heiko Westermann bekam gestern im Training einen Ball an die Hand und erlitt dabei einen Bänderriss und eine Knochenabsplitterung, könnte mit Gips aber spielen. Lahm kann am Montag auf jeden Fall auflaufen.





Die Wellness-Wochen im Tessin sind vorbei. Das Rundum-Harmonie-Paket hatte ein Verfalldatum - Donnerstagabend, 19.45 Uhr. Die Analyse von Bundestrainer Joachim Löw nach dem traurigen 1:2 gegen Kroatien war klar und deutlich. Gestern Nachmittag gab es viele Einzelgespräche. Darin versuchte der Bundestrainer zu ergründen, was denn genau los war in Klagenfurt, wo die deutsche Mannschaft alles vermissen ließ, was sie seit zwei Jahren auszeichnet. Michael Ballack hatte so seine Gedanken. „Einige hier können wohl nicht mit Lob umgehen. Es scheint, als ob wir nach dem Sieg gegen Polen zu viel gefeiert hätten. Wir haben vielleicht gedacht, wir hätten schon etwas erreicht", monierte der Kapitän. Ähnlich sahen das Spiel auch die beiden Innenverteidiger: „Wir müssen unsere guten Möglichkeiten hart erarbeiten. Wir dachten, dass wir einen Tick weiter sind. Man kann konstatieren, dass wir weiter über Laufbereitschaft und großes Engagement reinfinden und dann unsere individuelle Klasse ausspielen können - aber nicht umgekehrt", meinte Christoph Metzelder. Per Mertesacker sagte: „Wir haben unser Können nur kurz aufblitzen lassen. Wir haben die große Lösung nicht gefunden. Wir haben nicht die großen Einzelkämpfer, sondern sind als Mannschaft stark."





Michael Ballack ist eher ein Freund vorsichtiger Vorgehensweise. Er gilt als Erfinder der „Doppel-Sechs", weil er schon vor zwei Jahren, vor der WM 2006, nach dem 2:2 gegen Japan, mehr Defensivarbeit und erhöhte Disziplin anmahnte. Am Donnerstag erinnerte er an die deutschen Tugenden. „Wir müssen bei der Einstellung, bei der Laufbereitschaft bis an die Grenzen gehen", forderte er.





So oder so: Für das Spiel gegen Österreich sind Änderungen zu erwarten: Einer der ersten Einsatz-Kandidaten ist nach wie vor Arne Friedrich. Er könnte rechts verteidigen, Philipp Lahm für die linke Abwehrseite frei machen. Im Mittelfeld ist Thomas Hitzlsperger, die Fachkraft aus der EM-Qualifikation, ganz sicher ein Aspirant. Wird Lukas Podolski fit, ist Mario Gomez draußen.





Philipp Lahm, der Beste in einer enttäuschenden Elf, war noch nicht auf der Welt, als die deutsche Fußball-Mannschaft 1978 ihr Debakel bei der WM in Argentinien in Cordoba erlebte. Er ist am 11. November 1983 geboren und kann dennoch das 2:3 präzise einordnen. „Ich weiß, was damals passiert ist und ich weiß, was auf uns zukommt", meinte der Verteidiger, der - wie sein Trainer Joachim Löw - nicht glaubt, dass die Mannschaft überheblich war. „Aber vielleicht hatte der eine oder andere im Hinterkopf, einen Tick weniger machen zu können." Lahm rechnet mit dem Sprung ins Viertelfinale der Europameisterschaft: „Wir sind Deutschland. Wir müssen unser Spiel durchziehen."





Ungeachtet dessen, wie die Sache ausgeht: Joachim Löw wird nach der EM am 20. August in Nürnberg gegen Belgien auf der Bank sitzen. „Joachim Löw bleibt bis 2010 unser Trainer. Es gibt zu ihm keine Alternative. Das ist völlig unabhängig davon, ob wir bei der EM ausscheiden oder weiterkommen", versicherte DFB-Boss Theo Zwanziger gestern. Löw selbst geriet sichtlich aus dem Takt, als er gestern auf seine Zukunft im Fall eines raschen Turnierendes angesprochen wurde. Die Stimmung im Tessin hat sich grundlegend geändert ...





Gestern, ein paar Minuten nach 12 Uhr, hallte ein „Jaaaaa" über den Trainingsplatz. David Odonkor hatte getroffen - beim Handball, und er freute sich mächtig darüber. Das war, bevor Joachim Löw mit seinen Spezialisten gesprochen hat ...







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.137

Datum: Samstag, den 14. Juni 2008

Seite: Nr.11

"Deep-Link"-Referenznummer: '3706398'

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im Interview: joachim löw

Konkurrenzkampf ist da

Bundestrainer analysiert Kroatien-Spiel



35 Minuten lang analysierte Bundestrainer Joachim Löw (48) gestern Mittag in Tenero die 1:2 (0:1)-Niederlage der deutschen Mannschaft gegen Kroatien. Udo Schöpfer hat zentrale Passagen des Frage- und Antwortspiels aufgezeichnet.





Herr Löw, wie stellt sich die Situation für Sie einen Tag nach dem Spiel dar?





Die Enttäuschung sitzt sehr tief. So wie der Spielverlauf war, ist die Niederlage gerechtfertigt. Wir haben drei, vier unserer Grundprinzipien nicht abrufen können. Die Mannschaft hat nicht ihr wahres Gesicht gezeigt.





Haben Sie etwas Bammel vor dem Spiel am Montag?





Wir wissen um die Konstellation. Wir wissen, dass die Österreicher um ihr Leben rennen werden. Sie haben die einmalige Chance, mit einem Sieg ins Viertelfinale einzuziehen. Sie haben bisher im Turnier gezeigt, dass sie in der Lage sind, Chancen herauszuspielen und Druck zu erzeugen. Ich verspreche, dass wir anders auftreten werden.





Sie haben die Einstellung angesprochen, gibt es auch eine andere Aufstellung der deutschen Mannschaft?





Da gibt es durchaus Überlegungen.





Michael Ballack hat angeregt, mehr auf die deutschen Tugenden zu setzen. Erwägen Sie eine Kurskorrektur?





An der Philosophie wird nichts entscheidend geändert. Wir haben gezeigt, dass wir in der Lage sind, schnellen, körperbetonten Fußball zu spielen, wo jeder permanent in Bewegung ist. Ich bin nicht der Trainer, der jetzt sagt, wir müssen Gras fressen. Aber läuferisch und kämpferisch müssen wir 100 Prozent Einstellung bringen.





War die Mannschaft überheblich?





Dieser Meinung bin ich nicht. Vorher gab es für mich keine Anzeichen. Das Abschlusstraining war auf einem sehr guten Niveau. Auf dem Weg ins Stadion waren alle ruhig und konzentriert. Wenn die Mannschaft nach nur einem Spiel überheblich wäre, dann wäre das fatal. Die Mannschaft ist nicht zerrissen.





Ist im Tessin alles zu perfekt?





Dass die Harmonie zu perfekt ist, lasse ich nicht gelten. Wir schaffen die Voraussetzungen für die Spieler. Trotz der Harmonie ist es schon so, dass man den Konkurrenzkampf noch spürt. Wir haben Spieler, die in die Mannschaft drängen.





Schließen sich die Trainer bei der Kritik mit ein?





Ja, unsere Wechsel sind am Donnerstag nicht so aufgegangen, wie wir das erwartet hatten.





Gehen Sie den Weg weiter, auch wenn die Mannschaft ausscheidet?





Die Frage dürfen Sie mir nicht stellen. Ich denke nicht an Dinge, die passieren könnten. Wir werden ins Viertelfinale einziehen!







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.137

Datum: Samstag, den 14. Juni 2008

Seite: Nr.11

"Deep-Link"-Referenznummer: '3707238'

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„Löw macht hervorragende Arbeit"

INTERVIEW: Miroslav Klose rechnet nach der Aufarbeitung der Niederlage gegen Kroatien mit einer Trotzreaktion der deutschen Nationalmannschaft im Spiel gegen Österreich. Der 30-Jährige fordert eine klare Leistungssteigerung von allen. Im Sturm sieht der Profi des FC Bayern München kein Harmonieproblem.



VON UDO SCHÖPFER





Herr Klose, zwei Tage danach: Was ist im Spiel gegen Kroatien passiert?





Ich denke, man kann festhalten, dass die Mannschaft nicht gut gespielt hat. Wir haben in keiner Weise das umgesetzt, was wir uns vorgenommen hatten. Aber ich bin jetzt froh, dass wir so ein Spiel wie gegen Österreich haben, ein Spiel, auf das wir uns absolut konzentrieren müssen. Bei der EM kann man kein Spiel mit nur 60, 70 Prozent bestreiten.





Sie haben nach dem Spiel gesagt: Es gab einige bei uns, die machen nur ihr eigenes Ding.





Ja, das Gefühl hatte ich während des Spiels. Wenn das so war, dann muss ich das auch ansprechen.





Ging diese Kritik konkret an die Adresse Ihres Sturmpartners Mario Gomez?





Die Kritik ging an keinen konkret. Es muss aber jeder das umsetzen, was er sich selbst vorgenommen hat. Ich denke, wir können viel besser spielen, wenn jeder ein paar Prozent mehr gibt. Das ist aber keine Kritik an Mario Gomez.





Vor dem Turnier stand die deutsche Abwehr in die Kritik - und nun hat noch kein Stürmer getroffen. Besorgt Sie das?





Lukas Podolski hat getroffen. Ich sehe ihn auch als Stürmer. Wir haben die besten offensiven Leute, müssen uns aber auch defensiv einbringen. Es war immer unsere Stärke, gut zu stehen. Es war klar, dass wir nicht viele Chancen bekommen, von den wenigen müssen wir die eine oder andere nutzen.





These: Miroslav Klose harmoniert besser mit Podolski als mit Gomez.





Nein, ich kann mit jeden zusammen spielen. Ich bin da variabel. Ich habe auch mit Oliver Neuville im Training schon gute Einheiten gemacht. Wir haben Stürmer der Extra-Klasse.





Im Tessin ist es sehr schön. Kann zu viel Harmonie im Team sich auch negativ auswirken? War die deutsche Mannschaft in der Partie gegen Kroatien zu überheblich?





Dass es zu friedlich bei uns ist, glaube ich nicht. Nach dem Spiel gegen Polen war eine gewisse Euphorie da. Fakt ist, dass sich die Mannschaft konzentrieren kann, wenn es darauf ankommt.





Aber noch einmal: Wie kann es passieren, dass die Mannschaft nur 60, 70 Prozent abruft?





Da sind viele Kleinigkeiten zusammengekommen. Wir sind nicht die Wege gegangen, die weh tun, wir sind nicht die langen Wege gegangen, bei denen unklar ist, ob wir den Ball erreichen oder nicht. So haben wir es dem Gegner einfach gemacht. Aber mit mehr Bewegung reißen wir Löcher. Diese Bereitschaft hat gefehlt.





Kommt Deutschland ins Viertelfinale?





Ja, wir haben alles angesprochen, wissen genau, was wir besser machen müssen. Wir haben nach schlechten Spielen immer eine Reaktion gezeigt. Ich bin überzeugt, das ist auch gegen Österreich der Fall.





Bundestrainer Joachim Löw wird schon hinterfragt ...





Er macht eine hervorragende Arbeit. Das ist bei uns kein Thema.





Mario Gomez und der FC Bayern - macht Sie diese mögliche Liaison nachdenklich?





Nein, ich befürworte das. Wenn der FC Bayern so einen Spieler kriegen kann ... Wir spielen Champions League. Kein Problem.





Wie oft kommen Sie noch nach Blaubach?





Nicht mehr oft.





Ist Ihre Familie jetzt hier in Ascona?





Ja, die Familie ist hier bei der EM.





Sie haben kräftig mit ihrem früheren Verein, dem 1. FC Kaiserslautern , mitgezittert, als es am 18. Mai um den Klassenerhalt in der Zweiten Liga gegangen ist?





Ja, ich habe am Sonntag, als das Spiel gegen Köln war, die Konferenz geschaut. Es war ein schönes Gefühl, als sie es geschafft hatten. Milan Sasic und Stefan Kuntz leisten hervorragende Arbeit beim FCK.







KAMMC





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.24

Datum: Sonntag, den 15. Juni 2008

Seite: Nr.11

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Reinigendes Gewitter vor dem „Endspiel"

Aussprache ohne Bundestrainer - Harte Worte - Ein Remis heute gegen Österreich reicht zum Einzug ins Viertelfinale

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer TENERO. Der Herbst hat Einzug gehalten im Tessin. Es regnete Katzen gestern bei ungemütlichen Temperaturen. Die deutsche Mannschaft ist abgeflogen nach Wien, wo heute (20.45 Uhr) das entscheidende Gruppenspiel gegen Gastgeber Österreich (20.45 Uhr) ansteht. Ein Punkt genügt, um das Viertelfinale am Donnerstag in Basel gegen Portugal zu erreichen. Bis auf Marcell Jansen (Schulterzerrung) sind alle Spieler fit.



Einen richtigen Klimawandel gab es sogar in der Mannschaft. Nachdem sich zunächst alle betont lieb hatten, setzten sich die Spieler nach dem enttäuschenden Auftritt beim 1:2 gegen Kroatien am Freitag zusammen.





Nach der Niederlage von Klagenfurt wurde Tacheles geredet. Ohne Bundestrainer Joachim Löw, berichtete gestern Kapitän Michael Ballack.





„Es war kein Krisengespräch, es war ein Gespräch unter uns. Die Art und Weise, wie wir gegen Kroatien gespielt haben, war nicht okay", erläuterte der 31-Jährige. Piano ging es da anscheinend nicht zu. „Wir haben uns in der Fußballer-Sprache unterhalten. Da wurde laut die Meinung gesagt. Da braucht keiner eingeschnappt zu sein, auch wenn mal nicht der richtige Ton getroffen wurde. Wenn"s dem Erfolg dient ... Das ist normal, dass es da rauer wird", berichtete Ballack, der bisher dem Spiel der deutschen Mannschaft nicht seinen Stempel aufdrücken konnte.





Er macht, er tut, er kämpft, er meckert - gegen Kroatien bis auf die abgewehrte Vorlage für Lukas Podolski ohne durchschlagenden Erfolg. „Verkrampft bin ich nicht. Wir sind insgesamt noch nicht an unsere Grenzen gestoßen. Kritik muss sich jeder gefallen lassen. Wir haben noch viel Luft nach oben", meinte er. Als einziger deutscher Feldspieler ist Ballack heute mit der Gelben Karte belastet. Sieht er eine zweite, ist er für das Viertelfinale gesperrt. Als erfahrener Spieler glaubt er, diese Situation meistern zu können.





„Bei der Europameisterschaft gibt es eigentlich kein Achtelfinale. Das Spiel gegen Österreich ist aber ein Achtelfinale. Es ist ein besonderes Spiel. Wenn wir unsere Vorteile ausspielen, werden wir als Sieger vom Platz gehen", betonte Michael Ballack, für den nicht primär ist, wer wo spielt. „Nicht die Aufstellung ist wichtig, sondern die Einstellung."





Versprochen ist versprochen: „Die Mannschaft wird ein anderes Gesicht zeigen" (Joachim Löw). „Wir wissen, was wir besser machen müssen" (Miroslav Klose). „Wenn wir 100 Prozent abrufen, dann kann es nur einen Sieger geben" (Oliver Bierhoff). „Ich gehe davon aus, dass nichts schiefgeht" (Torsten Frings). Aussagen wie diese dokumentieren, dass das Team erkannt hat, was die Stunde geschlagen hat. „Wenn wir das zeigen, was uns gegen Polen stark gemacht hat, wenn wir Laufbereitschaft zeigen und die richtige Einstellung, dann bin ich zuversichtlich, dass uns ein Erfolg gelingt", meinte Assistenz-Trainer Hansi Flick. Auf ein Unentschieden zu spielen, kommt keinesfalls in Frage. „Das ist nicht in unserem Gedankengut", formulierte Flick.





Auf jeden Fall stand auch das Testspiel im Februar noch einmal auf dem Programm, dieser 3:0-Sieg, in dem die Österreicher klar unter Wert geschlagen wurden. „Das Spiel zeigt, was für eine Stärke die Mannschaft besitzt. Wir lassen uns von dem 3:0 nicht blenden. Wir müssen hellwach sein. Österreich wird bis in die letzten Haarspitzen motiviert sein", erklärte Hansi Flick. Endlich ein neues „Cordoba", davon träumt Österreich in Erinnerung an den 3:2-Sieg gegen Deutschland bei der WM 1978 in Argentinien.





Wie denn der Abreise-Reiseplanaussehe, wurde Hansi Flick gestern gefragt. „Es gibt definitiv keinen Plan B", unterstrich er. So, wie er es gesagt hat, konnte man ihm das ohne weiteres abnehmen. Fährt die deutsche Mannschaft am Dienstag nach Hause? „Quatsch", meinte Miroslav Klose zur RHEINPFALZ. Das Stichwort





so spielen sie





Österreich: Macho - Garics, Stranzl, Pogatetz, Fuchs - Aufhauser, Ivanschitz, Leitgeb, Korkmaz - Linz, Harnik.





Deutschland: Lehmann - Friedrich (Fritz), Mertesacker, Metzelder, Lahm - Fritz (Borowski), Frings, Ballack, Hitzlsperger - Klose, Podolski
 
Österreich wartet auf neue Helden

Gegen Erzrivale Deutschland soll Geschichte geschrieben werden



WIEN (sid). Ganz Österreich träumt vom Sieg heute Abend (20.45 Uhr) gegen Deutschland - und vom Einzug ins EM-Viertelfinale gegen Portugal.





Auch Hans Krankl, der beim legendären 3:2-Sieg in Cordoba bei der WM 1978 zwei Tore erzielte, den Siegtreffer markierte, will endlich neue Helden sehen. „Der Geist von Cordoba liegt in Cordoba begraben. Die Spieler sollen rausgehen und selbst Geschichte schreiben. Sie können zu Helden werden. Sie sollen Cordoba auslöschen", fleht der 56 Jahre Krankl, der sich an jenem denkwürdigen 21. Juni 1978 selbst ein Denkmal gesetzt hat.





30 Jahre nach ihrem „Wunder von Cordoba" fiebern acht Millionen Österreicher dem Vorrunden-Finale gegen den Erzrivalen Deutschland im Wiener Ernst-Happel-Stadion entgegen. Einen „Aufstand der Alpenzwerge" droht die „Kronenzeitung" den Deutschen an. Immer wieder wird der Mythos Cordoba bemüht, aber sogar dem Wiener „Kurier" ist es nun zu viel geworden: „Nur eines ist wichtig: Die Tilgung des ,Wunders von Cordoba". 30 Jahre lang hat sich dieses Land durch Verherrlichung selbst betrogen."





Auch Österreichs Teamchef Josef Hickersberger, selbst einer dieser verklärten Helden, hat nur einen Wunsch: Das Gerede um Cordoba muss endlich aufhören. „Cordoba war der größte Fluch, der unseren Fußball überhaupt treffen konnte. Nach dem Sieg haben wir in Österreich geglaubt, Jahrhundert-Talente wie Krankl, Prohaska, Pezzey oder Schachner würden jedes Jahr geboren. Unsere Nachwuchsförderung wurde von den Funktionären sträflich vernachlässigt", sagt der 60-Jährige, der „in dieser argentinischen Stadt" sein letztes Länderspiel für Österreich bestritt.





Angetrieben von den rot-weiß-roten Anhängern will „Hicke" mit seinem Team dennoch nichts Geringeres erreichen als eine Sensation und eine Neufassung der österreichischen Fußball-Geschichte. Dass das Team Austria nur die Nummer 92 der Weltrangliste ist und außerdem seit 22 Jahren kein Spiel mehr gegen die Deutschen gewonnen hat, interessiert die Gastgeber vor dem „Finale" nur am Rande.





„Wir haben die reelle Chance, mit einem Sieg ins Viertelfinale einzuziehen. Das ist für die Mannschaft eine historische Gelegenheit", meinte Teammanager Andreas Herzog.





Fast völlig unter geht jedoch selbst bei den Österreichern, dass ihnen eine Sensation gegen Deutschland sportlich erst mal gar nichts nutzt: Wenn es nicht nur bei der Geburt neuer Helden bleiben, sondern auch mit dem Einzug ins Viertelfinale klappen soll, dürfen zeitgleich die Polen nicht höher gegen Kroatien gewinnen. Selbst Hickersberger, für den das Spiel gegen Deutschland im Falle einer Niederlage sein letztes als Teamchef sein könnte, blendet diesen Fakt nahezu aus: „Es geht um alles oder nichts, um den Einzug ins Viertelfinale oder das Ende unserer Träume. Daher freue ich mich besonders, dass Deutschland unser Gegner ist." Damit Kapitän Andreas Ivanschitz und Co. auch tatsächlich bewusst wird, welche historische Chance sie da bekommen, schickte Hickersberger seine Mannschaft am Wochenende zum Teampsychologen. Den Gang sparen konnte sich Sebastian Prödl. Der künftige Bremer Werder-Profi verbüßt seine Gelb-Sperre.





„Das wird das geilste Spiel meiner Karriere. Wir wollen unbedingt in die Geschichte eingehen", sagt Mittelfeldspieler René Aufhauser, der die Kreise von Michael Ballack einengen soll. Martin Harnik, Ersatz-Stürmer von Werder Bremen, ist sich derweil sicher: „Die Deutschen scheißen sich schon in die Hose." Der Spruch brachte dem forschen Nordlicht einen Ordnungsruf Hickersbergers ein.







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.138

Datum: Montag, den 16. Juni 2008

Seite: Nr.11

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Ballack schießt Deutschland ins EM-Viertelfinale

„Goldenes Tor" des Kapitäns zum 1:0-Sieg gegen Österreich - „Jogi" Löws Mannschaft zittert sich über die Ziellinie



Von unserem Redakteur





Udo Schöpfer





WIEN. Deutschland hat sich durch einen 1:0 (0:0)-Sieg gegen Österreich gestern Abend in Wien ins Viertelfinale der Europameisterschaft gezittert. Michael Ballack erzielte das Tor des Tages. In der Runde der letzten Acht trifft das Team am Donnerstag (20.45 Uhr) in Basel auf Portugal.





Das war nicht die deutsche Mannschaft, die wir kennen. Das war nicht die Mannschaft, die die EM-Qualifikation so sicher gespielt hatte. Das war nicht die Mannschaft, die zum Start Polen klar mit 2:0 besiegt hatte.





Mario Gomez, der trotz Formkrise ran durfte, hätte dem Spuk früh ein Ende hätte bereiten können. Nach fünf Minuten kam er drei Meter vor dem Tor frei zu Schuss, Miroslav Klose hatte wunderbar quer gelegt, doch der Ball sprang auf und Gomez traf ihn nicht richtig. Chance vergeben! Führung verschenkt.





Das tat weh. Mehr und mehr verlor das Team die Kontrolle über die Partie. Mitte der ersten Halbzeit hatten die Gastgeber eine ganz starke Phase. Die deutsche Abwehr zeigte sich sehr anfällig bei schnellen Bällen zwischen die zwei Innenverteidiger. In der 18. Minute hatte die Elf Glück, dass ein Foul von Christoph Metzelder an Erwin Hoffer nicht mit Elfmeter geahndet wurde. Gnade vor Recht!





Nur eine Minute später scheiterte Hoffer, weil ihm der Ball versprang. Die Chefstrategen Michael Ballack und Torsten Frings brachten nicht mehr viel zuwege, die Bälle in die Spitze waren ungenau und halbherzig. Die erste Halbzeit endete mit einem kleinen Eklat: Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez schickte die Trainer Joachim Löw und Josef Hickersberger auf die Tribüne, nachdem die Beiden zunächst untereinander Krach bekommen hatten und sich dann auch noch mit dem vierten Unparteiischen Damir Skomina anlegten. Die Streithähne gaben sich danach die Hand, das nützte ihnen aber nichts mehr. Joachim Löw musste auf der Tribüne erst einmal Bundeskanzlerin Angela Merkel Rapport erstatten, und erzählen, was da genau vorgefallen war. Dann war er Tribünennachbar des gesperrten Bastian Schweinsteiger. Sünder unter sich. Für Nervenstärke sprach Löws Abgang nicht ...





Ein paar Minuten nach der Pause lag er in den Armen von Rotsünder Bastian Schweinsteiger und Manager Oliver Bierhoff. Kapitän Michael Ballack donnerte in der 49. Minute einen Freistoß unhaltbar für den guten Ex-Lauterer Jürgen Macho in die Maschen. Philipp Lahm hatte sich vorn prima durchgetankt, wurde gefoult. Dieses Tor gab den Deutschen wieder mehr Sicherheit. Zumal sich die österreichischen Konterkünstler schwer taten, das Spiel selbst aufzuziehen. „Wir konnten hier gegen einen Underdog nur verlieren, haben aber als Mannschaft einen großen Fight geliefert", sagte Kapitän Ballack.





Der Gastgeber nahm das Heft nach dem 0:1 in die Hand, für Entlastung sorgte ein Ball von Hitzlsperger auf Klose, der im letzten Moment gestoppt wurde. Nach einer guten Konterchance über Podolski verzog Hitzlsperger überhastet. Joker Oliver Neuville verschenkte am Ende die tolle Chance zum 2:0.





Klose - verbessert, aber nicht gut. Das Mittelfeld nicht kreativ genug. In der Abwehr - Christoph Metzelder als Wackelkandidat, Arne Friedrich solide, Per Mertesacker souverän.





So spielten sie





Österreich: Macho - Garics, Stranzl, Hiden (55. Leitgeb), Pogatetz - Aufhauser (63. Säumel), Fuchs - Harnik (67. Kienast), Ivanschitz, Korkmaz - Hoffer





Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Fritz (90. + 3 Borowski), Ballack, Frings, Podolski (83. Neuville) - Klose, Gomez (60. Hitzlsperger)





Tor: 0:1 Ballack (49.) - Gelbe Karten: Hoffer, Ivanschitz, Stranzl - Beste Spieler: Macho, Ivanschitz, Aufhauser - Lahm, Lehmann, Ballack - Zuschauer: - 51.428 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Gonzalez (Spanien).







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.139

Datum: Dienstag, den 17. Juni 2008

Seite: Nr.8

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KOMMENTAR

Das Wie ist egal

Von Udo Schöpfer



Deutschland hat die Hürde Österreich genommen. Das „Wie" spielt keine Rolle mehr. Der 1:0-Sieg gibt Auftrieb für das Viertelfinale. Jetzt geht es wieder von vorne los. Stichwort: Deutschland, eine Turniermannschaft!





„Cordoba II, heute, 20.45 Uhr, Happel-Stadion" titelten die österreichischen Zeitungen mehr oder weniger synchron. Nein, dazu ist es nicht gekommen. Österreich muss noch ein paar Jährchen warten, bis der Coup aus dem Jahr 1978 eine Wiederholung erfährt. Deutschland hat den Angriff gerade mal so abgewehrt. Das Spiel als Kopfsache - genau so war es auch. Von Minute zu Minute wurde das Match zu einem reinen Nervenspiel. Die Angst vor dem K.o. nach der Vorrunde, die Angst wie schon 2000 und 2004 zu scheitern, lähmte die deutschen Spieler lange. Das Selbstvertrauen ging flöten und damit auch die spielerische Klasse. Was für die Analyse des Kroatiens Spiels gilt, gilt erst recht für die des Österreich-Spiels. Nichts, was sich die deutsche Mannschaft vor der Pause vorgenommen hat, konnte sie umsetzen. Der Kleinste, nicht frei von Fehlern, war noch der Mutigste - Philipp Lahm. Es war ein Signal, wie er kurz nach der Pause nach vorne marschierte. Michael Ballack schoss sich mit dem Freistoß-Tor den Frust von der Seele. Nach dem Tor war vieles anders. Wie gut, dass wir nicht über Joachim Löw debattieren müssen. So hätte die Amtszeit des beliebten, kompetenten Tainers nicht zu Ende gehen dürfen.





Jetzt also Portugal. Trainer Luiz Felipe Scolari hat am Sonntag acht Spieler für das Viertelfinale geschont. Deutschland ist im Rhythmus. Und befreit und erleichtert!







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.139

Datum: Dienstag, den 17. Juni 2008

Seite: Nr.8

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Wiener Burgtheater einmal ganz anders

Bundestrainer Löw ist für das morgige Viertelfinale gegen Portugal vorläufig gesperrt, betrachtet sich aber als unschuldig

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer WIEN. Wien und die Folgen: Bundestrainer Joachim Löw ist für das EM-Viertelfinale der deutschen Nationalmannschaft morgen (20.45 Uhr) in Basel gegen Portugal vorläufig gesperrt, weil er in der Partie gegen Österreich (1:0) zusammen mit dem Kollegen Josef Hickersberger in der 41. Minute nach einem Disput mit dem vierten Schiedsrichter Damir Skomina aus Slowenien vom Unparteiischen Manuel Mejuto Gonzalez aus Spanien auf die Tribüne geschickt wurde.



Löw betrachtet sich als unschuldig. Das letzte Wort ist in dieser Angelegenheit auch noch nicht gesprochen. Löw musste gestern eine schriftliche Stellungnahme abgeben. Die Kontroll- und Disziplinarkommission der Uefa fällt nach der Lektüre erst heute eine endgültige Entscheidung über die beiden Trainer. In Paragraf 9, Absatz 1, des Uefa-Reglements heißt es, dass ein Spieler oder ein Offizieller automatisch für mindestens ein Spiel gesperrt wird, wenn er des Feldes oder aus dem „Technischen Bereich" verwiesen wird. Theoretisch kann die Sperre jedoch wieder aufgehoben oder eine längere Sperre verhängt werden.





Joachim Löw zeigte sich gestern als Filmexperte. „Sie alle kennen den ,dritten Mann", am Montag haben wir auch Bekanntschaft mit dem vierten Mann gemacht. Ich habe ihn in keiner Weise beleidigt. Ich habe ihm nur deutlich gemacht, dass wir in unserer Zone ruhig arbeiten und unseren Job konzentriert machen wollen. Zu Beginn des Spiels hat er mich quasi im Minutentakt aufgefordert, wieder zurück auf die Bank zu gehen. Das finde ich so nicht in Ordnung", betonte Löw. Der Bundestrainer widersprach der Einschätzung, er und Josef Hickersberger hätten sich nach einem Foul an Per Mertesacker in die Haare gekriegt. „Er und ich haben keine Probleme miteinander. Wir haben uns kein Scharmützel geleistet. Wir hatten schon, als er bei Rapid war und ich bei Austria Wien, ein sehr, sehr gutes Verhältnis", erzählte Löw. Gleichwohl gaben sie sich auf dem Weg Richtung Tribüne die Hand. Löw wurde dort von Bundeskanzlerin Angela Merkel empfangen. Was die beiden genau miteinander sprachen, „entzieht sich meiner Erinnerung", so Löw.





Fortan saß der Bundestrainer oben zwischen dem gesperrten Bastian Schweinsteiger und Manager Oliver Bierhoff und hat da auch das eine oder andere gesehen, was er vielleicht unten am Spielfeldrand nicht entdeckt hätte. In der Halbzeit ist Löw dann in die Kabine marschiert. „Ich bin rein, unwissend wie ich war. Ich wollte mit den Spielern sprechen. Als ich in der Mitte war, wurde ich aus der Kabine von einem Uefa-Mitarbeiter herausgezogen", berichtete der 48-Jährige. Das Wiener Burgtheater einmal anders.





Die Pressekonferenz übernahm nach dem Spiel (sicherheitshalber und wohl auch gemäß der Regularien) Assistent Hansi Flick. „Ich gehe davon aus, dass ich freigesprochen werden kann", meinte Löw und erklärte noch einmal grundsätzlich, dass er „der Letzte ist, der die Schuld bei den Schiedsrichtern sucht. Das Problem mit dem vierten Mann ist aber zunehmend größer geworden. Er hat jede Aktion von mir beobachtet. In der 40. Minute bin ich dann etwas deutlicher geworden." Ob er einen Schritt über die Coaching Zone hinaus machte, vermag Löw nicht mehr genau zu sagen. Nicht alle Spieler haben mitbekommen, was sich an der Außenlinie abspielte.





„Ich habe erst was gemerkt, als Hansi Flick in der Kabine stand und eine Ansprache gehalten hat", sagte Torhüter Jens Lehmann. Er hat sich gleich zu Beginn ein bisschen über Manuel Mejuto Gonzalez gewundert, als dieser den österreichischen Kapitän Andreas Ivanschitz aufforderte, „sein weißes Stutzentape in Rot zu ändern".





Regelkunde gab"s gestern von Eugen Strigel, dem Schiedsrichter-Lehrwart aus Rheinzabern. „Der vierte Offizielle darf selbstverständlich den Schiedsrichter veranlassen, den Trainer auf die Tribüne zu schicken", erklärte er. Was das alles für Löw bedeutet, wird heute ersichtlich. An einer alternativen Strategie wird schon mal gearbeitet. Das Stichwort







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.140

Datum: Mittwoch, den 18. Juni 2008

Seite: Nr.8

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der hintergrund

Frings plagt ein Rippenbruch

Auch Podolski fällt gegen Portugal wohl aus - Klose: Hebel umgelegt



Mittelfeldspieler Torsten Frings hat sich in der zweiten Halbzeit beim 1:0-EM-Sieg von Deutschland gegen Österreich einen Rippenbruch zugezogen. Weil er über Schmerzen klagte, wurde er im Krankenhaus in Lugano geröntgt. Der Schock am Nachmittag ...





Frings ist der zweite Stammspieler, der für das Viertelfinale morgen (20.45 Uhr) gegen Portugal in Basel zu fehlen droht: Lukas Podolski, mit drei Treffern bislang bester Torschütze der deutschen Elf, hat eine Wadenverletzung. Sicher ist: Bastian Schweinsteiger, erst nur Ersatz, dann wegen seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen Kroatien gesperrt, spielt von Anfang an.





„Frings wird in den kommenden Stunden intensiv behandelt. Die Entscheidung, ob er gegen Portugal spielen kann, fällt erst kurzfristig am Donnerstag", erklärte Bundestrainer Joachim Löw.





Bastian Schweinsteiger ist bereit - und prädestiniert für das Spiel gegen Portugal. Er hat einschlägige Erfahrungen. Beim 3:1 im Spiel um Platz drei bei der WM schoss Schweinsteiger zwei Tore, einen Schuss von ihm fälschte Petit ab. In der Champions League überwand der Bayern-Akteur danach ebenfalls Keeper Ricardo zum 1:0-Sieg gegen Sporting Lissabon. „Er ist in einer Bringschuld. Ich erwarte ihn voller Motivation und Energie. Was er gegen Kroatien gemacht hat, können wir so nicht akzeptieren", betonte Löw. Die Partie gegen Österreich war noch nicht richtig vorbei, da hat Torhüter Jens Lehmann seinem Verteidiger Arne Friedrich bereits erzählt, wie man am besten gegen Cristiano Ronaldo spielt. „Bei Arsenal haben die Abwehrspieler ein gutes Rezept gefunden", berichtete der gegen Österreich starke Torhüter. Verraten hat er es natürlich nicht.





Die Erleichterung war groß nach dem 1:0-Zittersieg gegen das limitierte österreichische Team. „Wir haben den Test bestanden, der darin bestand, eine psychologisch große Herausforderung zu sein. Da ist kein wunderschönes Fußball-Spiel zu erwarten", dozierte Lehmann. Bei Michael Ballack machte sich auch ein wenig Genugtuung breit: „Die Österreicher haben den Mund voll genommen, als wären sie schon drei Mal Weltmeister geworden und als hätten wir noch nie einen Ball getroffen", meinte der Kapitän. Ballack geht davon aus, dass der Sieg einen Schub gibt und eine bessere Leistung gegen Portugal bewirkt.





Miroslav Klose fand besonders wichtig, das Ziel, als Mannschaft aufzutreten, umgesetzt zu haben. „Ich bin froh, dass wir den Hebel umgelegt haben", unterstrich er. Wenn Lukas Podolski passen muss, dann ist vermutlich doch noch einmal der blasse Mario Gomez ein Thema. Joachim Löw will Einzelgespräche mit ihm führen. „Habt doch Verständnis", so konterte Gomez die von ihm abgelehnten Interview-Wünsche. Selbstbewusstsein sieht anders aus.





Viele hatten eigentlich Thomas Hitzlsperger auf der Rechnung für die Startformation. Aber er musste wieder auf die Bank. „Der Trainer hat mir signalisiert, dass ich gleich bereit sein soll. Er hat sich aber entschieden, offensiver zu spielen", erklärte er der RHEINPFALZ. Enttäuscht? „Nein, es geht nicht um Einzelschicksale. Ich bin zufrieden, dass wir weiter sind." Wenn Frings ausfällt, schlägt seine Stunde. (öpf)







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.140

Datum: Mittwoch, den 18. Juni 2008

Seite: Nr.8

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KOMMENTAR

Viel Luft nach oben

Von Udo Schöpfer



Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat eigentlich genügend Probleme, Sorgen und Nöte, obwohl sie im Viertelfinale der EM steht. Jetzt muss sie sich auch noch mit dem Platzverweis für Joachim Löw auseinandersetzen. Das ist ein ziemlich undankbarer Nebenkriegsschauplatz. Das lenkt wieder mal vom Kern ab.





Psychologisch, das Wort ist gestern ein paar Mal gefallen im Tessin, wäre es schon gut, wenn der Trainer Löw morgen auch im Spiel bei seiner Mannschaft wäre. Ein Freispruch täte dem bislang völlig unbescholtenen Trainer gut. Er wäre von Vorteil für seine Reputation. Ansonsten bleibt doch was hängen. Der vierte Offizielle hat nach Löws Darstellung nicht so gut Englisch gesprochen, und damit ist zweifelhaft, ob die Wahrheit wirklich ans Licht kommt. Konkret: Was genau Löw dem vierten Schiedsrichter Damir Skomina in der Coaching Zone von Wien entgegengeschleudert hat. Merkwürdig ist auch, was zwischen den beiden Trainern ablief. Löw verneinte einen Streit. Aber auf dem Weg zur Tribüne haben sie sich betont die Hand gereicht. Nur als Leidensgenossen, vom „vierten Mann" gepeinigt? Vielleicht nahm sich der Mann aus Slowenien ja wirklich zu wichtig und war einfach überfordert.





Noch einmal: Das alles lenkt ab. Das Thema ist Portugal und die Frage, wie die am Montag noch ziemlich verunsicherte deutsche Mannschaft es schaffen kann, die bisher spielerisch so überzeugenden Portugiesen rauszukegeln. Sammeln wir ein paar Argumente. Der Sieg gegen Österreich gibt Selbstvertrauen, blamieren kann sich die Mannschaft nun nicht mehr. Die Portugiesen liegen uns vielleicht - bitte an das wunderbare Spiel in Stuttgart um WM-Platz drei denken. Portugal ist nicht einmal im eigenen Land (und mit Figo) Europameister geworden. Vielleicht ist Scolaris Team einen minimalen Tick überheblich. Und: Deutschland kann (und muss!) sich in allen Mannschaftsteilen verbessern. Vor allem im Sturm, vor allem im Spielaufbau.





Auf der Bergtour, nach der Hälfte der Expedition, ist immer noch viel Luft nach oben. Auch bei Michael Ballack, der nach seinem Supertor mit breiterer Brust auflaufen kann. Wenn dieses Tor keine Flügel verleiht ...





Negativ auswirken könnte sich nun das anstrengende Wechselspiel bei den Quartieren. Die Tour von Ascona über Lugano nach Wien und nachts aus Österreich wieder zurück in die Schweiz hat Kraft gekostet. Jens Lehmann, der einen neuen Zettel mit Tipps fürs mögliche Elfmeterschießen bekommt, räumte bei der Pressekonferenz gestern um 12.45 Uhr ein, gerade mal eine Stunde wach zu sein.





Ob er genau so sicher sei, das Halbfinale zu erreichen wie das Viertelfinale, wurde der Bundestrainer gestern gefragt. Die Antwort bestand aus zwei Buchstaben: „Ja."





Joachim Löws Platzverweis lenkt vom eigentlichen Thema ab. Das heißt Portugal.







KONZOKH





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Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.140

Datum: Mittwoch, den 18. Juni 2008

Seite: Nr.8

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„Ronaldo wird EM-Star"

Fernando Meira über Portugals Chancen



BASEL. Fernando Meira (29), der Kapitän des VfB Stuttgart, begegnet am Donnerstag (20.45 Uhr) in Basel mit Portugal der deutschen Mannschaft im EM-Viertelfinale. Oliver Trust sprach mit Meira.





Wie beurteilen Sie die Chancen beim Viertelfinal-Spiel Deutschland gegen Portugal am Donnerstag in Basel?





Ich denke, sie sind 50:50.





Obwohl Sie das Spiel Deutschlands gegen Kroatien gesehen haben?





Portugal erwartet Deutschland eher in der Form des ersten Spiels. Deutschland hat eine starke Mannschaft, die sich auch in schwierigen Situationen zu wehren weiß. Ich kann Ihnen aber versprechen, dass Portugal auch nicht so spielen wird wie gegen die Schweiz.





Sie waren gegen die Schweiz zum ersten Mal Kapitän, aber Sie haben auch aus einem anderem Grund eine gewisse Beziehung zur Schweiz.





Sie meinen meine Eltern?





Genau.





Ich war ein paar Mal im Urlaub in der Schweiz damals. Es war für alle schwierig, ich blieb daheim in Portugal mit den Großeltern. Meine Eltern haben in der Schweiz in der Nähe von Basel in einem Hotel gearbeitet, um Geld zu verdienen. Diese Zeit hat mich sehr geprägt und mich vieles gelehrt. Fußball war meine einzige Chance, mich durchzusetzen.





Wie alt waren Sie, als ihre Eltern in die Schweiz gingen?





Ich war acht, sie haben sieben oder acht Jahre in der Schweiz gearbeitet. Ein Jahr vorher hatte ich mit Fußball angefangen und bin in die Schule gegangen. Ich habe darauf geachtet, dass beides gut lief, das war ich meinen Eltern schuldig. Jetzt sind sie wieder in Guimaraes.





Für viele ist Portugal ein Geheimfavorit der EM, auch in Portugal?





Die Erwartungen sind sehr hoch. Wir sind weiter als bei der EM 2004. Die Leute haben auch die WM 2006 gesehen und sie haben registriert, dass wir uns als Mannschaft wieder weiterentwickelt haben.





Wer wird für Sie der EM-Star?





Ronaldo, eindeutig! Er kann nicht nur schön spielen, er kann auch kämpfen.





Ist einer wie Ronaldo nicht auch ein Nachteil, weil sich der Gegner nur auf ihn zu konzentrieren braucht?





Wir haben noch einige andere im Team, die besondere Fähigkeiten haben. Denken Sie an Deco, an Hugo Almeida und an Quaresma. Ronaldo weiß, er muss nicht alles alleine machen, wir werden ihm helfen. Aber es ist normal für alle, dass er auf einem anderen Niveau spielt als alle anderen.





Und wenn er mal schlecht spielt?





Schlecht ist er immer noch gut, wenn er schlecht spielt, hat er immer noch einen guten Tag. Solche Spieler, zu denen ich auch Messi, Kaka oder Lampard rechne, sind immer schwer zu halten.





Er ist Ihr Kapitän, dabei ist er erst 22 Jahre alt ...





Das zeigt, wie sehr er reif ist für eine solche Position. Er ist nicht aus Zufall Kapitän, er hat seine Persönlichkeit entwickelt und hat eine enorme Ausstrahlung.





Wo sehen Sie Ihre Position?





Das spielt keine Rolle, ich sehe mich als Mannschaftsspieler und bin nicht einer, der eine Position fordert. Die letzten zwei Spiele habe ich als Sechs im Mittelfeld vor der Abwehr gespielt. Dass ich auch in der Viererkette spielen kann, ist sicher ein Vorteil. Unser Trainer Scolari legt zu Recht viel Wert auf mannschaftliche Geschlossenheit.





Was für ein Typ ist Scolari?





Er ist ein Trainer mit unheimlich viel Erfahrung, der auf Disziplin Wert legt, aber auch viel Spaß haben will. Es geht ihm um die Mannschaft, und er sucht Spieler, die eine Mannschaft werden können.







KONZOKH





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Ausgabe: Nr.140

Datum: Mittwoch, den 18. Juni 2008

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Der Achterbahnfahrer wird zum Hoffnungsträger

Deutschland heute mit Schweinsteiger im Viertelfinale gegen Portugal - Bundestrainer Löw nur Tribünen-Zuschauer

Von unserem Redakteur Udo Schöpfer TENERO. Also doch: Bundestrainer Joachim Löw darf die deutsche Nationalmannschaft heute (20.45 Uhr) im EM-Viertelfinale in Basel gegen Portugal nicht betreuen. Er bleibt - ebenso wie der österreichische Kollege Josef Hickersberger - für ein Spiel gesperrt. Löw sagte: „Ich bin maßlos enttäuscht." Das Coaching übernimmt Assistent Hansi Flick.



Löw und Hickersberger wurden am Montag im letzten Gruppenspiel zwischen Deutschland und Österreich (1:0) in der 41. Minute vom spanischen Schiedsrichter Manuel Mejuto Gonzalez auf die Tribüne geschickt, sie hatten einen Disput mit dem vierten Offiziellen Damir Skomina aus Slowenien. Die Urteilsbegründung: „Die beiden Trainer verhielten sich sehr nervös. In der 35. Minute kam es zu einem Wortgefecht zwischen den beiden Teamverantwortlichen, in dessen Verlauf sie sich gegenseitig anschrien. Als der vierte Offizielle die Situation beruhigen wollte, wurde er von den beiden Teamverantwortlichen angeschrien."





Löw hatte betont, mit Hickersberger kein Problem zu haben. Er darf das Spiel heute nur von der Tribüne aus verfolgen. Vor und während des Spiels darf er sich nicht in den Umkleidekabinen, im Spielertunnel und in der technischen Zone aufhalten. Genauso wenig darf er in dieser Zeit mit dem Team sprechen. Trösten dürfte Löw auch nicht, dass Portugals Trainer Luiz Felipe Scolari die Entscheidung der Uefa kritisierte.





Der Sport rückte gestern also in den Hintergrund. Beim Abschlusstraining am Morgen in Tenero waren bis auf den angeschlagenen Podolski alle dabei, der Einsatz von Torsten Frings (Rippenbruch) entscheidet sich heute unmittelbar vor dem Match.





Zur Löw-Sperre meinte Oliver Bierhoff: „Für den Fußball ist diese Entscheidung eine schwere Niederlage." Der Teammanager hatte schon zuvor „eine gedrückte Stimmung" festgestellt hatte, die mit dem enormen Druck im Österreich-Spiel zusammenhing. Bierhoff musste zudem erneut eine Verteidigungsrede für das Quartier in Ascona, weit weg vom Schuss und jedweder EM-Stimmung, halten. „Es war die richtige Entscheidung. Wir haben uns in Wien umgeschaut, dort haben wir aber keine geeignete Möglichkeit gefunden", erklärte er.





Zum Hoffnungsträger soll nun heute Abend ausgerechnet ein Spieler werden, für den die EM bisher eine Achterbahnfahrt der Ereignisse war: Bastian Schweinsteiger. Entgegen seiner Gepflogenheiten hat Joachim Löw früh bekannt gegeben, dass der Spieler des FC Bayern München gegen Portugal von Beginn an mitmacht. Für Schweinsteiger ist das eine EM-Premiere: In den Spielen gegen Polen und Kroatien wurde er jeweils eingewechselt, gegen Kroatien flog er in der Nachspielzeit vom Platz.





„Dass ich vielleicht gegen Kroatien einen Fehler gemacht habe, weiß ich. Ich versuche viel Schwung zu bringen, ich versuche der Mannschaft zu helfen", erklärte der 23-Jährige, der mit dem Verweis auf mangelnde Fitness am Anfang nicht zur Stammformation gehörte. Schweinsteiger, eine der Hauptfiguren aus dem Sommermärchen 2006, hatte daran zu knabbern. „Es war schon ein bissel frustrierend, enttäuschend. Aber es zählt die Mannschaft", sagte Schweinsteiger. Beim FC Bayern spielte er erst wieder regelmäßig, als sich Hamit Altintop verletzte. Und dennoch bewertet er seine Gesamtentwicklung nicht so negativ. „Ich habe nicht so schlecht gespielt, wie viele sagen. Natürlich hätte es noch besser laufen können. Ich habe auch bei Bayern viele Spiele gemacht, wurde wieder Meister und Pokalsieger", erläuterte der technisch begabte junge Mann.





Schweinsteiger freut sich auf Portugal, Ricardo freut sich auf Schweinsteiger. Den Torhüter hat der Mittelfeldspieler im WM-Spiel um Platz drei 2006 in Stuttgart zweimal überwunden - und der Bayer Schweinsteiger hat auch in der Champions League getroffen, als Ricardo noch bei Sporting Lissabon war. „Natürlich spielt das im Kopf noch eine Rolle", meinte derMünchner. Sein Eindruck: „Portugal ist für mich die stärkste Mannschaft."





so spielen sie





Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Schweinsteiger, Ballack, Hitzlsperger (Frings), Podolski - Gomez, Klose





Portugal: Ricardo - Jose Bosingwa, Pepe, Carvalho, Ferreira Petit, Joao Moutinho - Ronaldo, Deco, Simao - Nuno Gomes





Schiedsrichter: Fröjdfeldt (Schweden).







KONZOKH





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Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.141

Datum: Donnerstag, den 19. Juni 2008

Seite: Nr.10

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der hintergrund

Überragende Zentrale

Portugal etwas besser besetzt als Löw-Elf



Deutschland gegen Portugal - beim Vergleich der Mannschaftsteile schneidet Portugal besser ab als das deutsche Team.





Torhüter: Brüder im Geiste. Ricardo verlor seinen Stammplatz bei Betis Sevilla, Jens Lehmann seinen bei Arsenal London. Lehmann steigerte sich gegen Österreich. RHEINPFALZ-Urteil: unentschieden.





Abwehr: Die beiden portugiesischen Innenverteidiger Pepe und Carvalho sind eine Klasse für sich. Bei der EM wurde ersichtlich, warum Real Madrid 30 Millionen für Pepe ausgegeben hat und warum er Christoph Metzelder vor dessen Verletzung bei Real verdrängte. In der Defensive hat Deutschland nur auf der linken Verteidigerposition Vorteile - da spielt bislang der beste Deutsche, Philipp Lahm. Er war effektiver als Paulo Ferreira. Arne Friedrich und Bosingwa nehmen sich nichts. RHEINPFALZ-Urteil: Vorteil Portugal.





Mittelfeld: Das deutsche Mittelfeld überzeugte bisher noch nicht, bis auf Lukas Podolski, der drei Tore erzielte. Der Spielaufbau ist mangelhaft! Die Leitfigur der Portugiesen ist Cristiano Ronaldo, der mit Abstand beste Spieler der vergangenen Saison. Er hat mit Manchester United im Mai das Champions-League-Finale gegen Michael Ballack und Chelsea London gewonnen. Petit, Moutinho oder Deco, langsam auf dem Weg zu alter Form, hängen die deutschen Spieler ab. RHEINPFALZ-Urteil: Vorteil Portugal.





Angriff: Im Sturm liegen die Schwächen Portugals. Nuno Gomes hat in der letzten Saison bei Benfica Lissabon nur ein Tor erzielt. Simao überzeugte hier. Die deutschen Angreifer haben noch nicht getroffen. Miroslav Klose spielte gegen Polen uneigennützig, legte gut auf. Mario Gomez läuft neben der Spur. Er ist die bisher größte Enttäuschung. Bei ihm muss es ganz schnell „klick" machen. RHEINPFALZ-Urteil: Vorteil Deutschland, weil die Stürmer es eigentlich können.





Trainer: Luiz Felipe Scolari ist ein alter Fahrensmann. Mit dem Zuschlag für Chelsea London erhielt er nun den Ritterschlag. Scolari machte Brasilien in Asien 2002 zum Weltmeister, führte Portugal 2004 ins EM-Finale. Joachim Löw steht erst am Anfang seiner Laufbahn als Nationaltrainer. Er ist der Richtige, hat bei dieser EM aber schon viel Lehrgeld bezahlt.





Gesamt-Bilanz: Portugal ist in Abwehr und Mittelfeld besser besetzt. Sie haben einen Tag mehr Pause. Das spricht für einen Erfolg der Südeuropäer. (öpf)







KONZOKH





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Ausgabe: Nr.141

Datum: Donnerstag, den 19. Juni 2008

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KOMMENTAR

Von wegen Emotionen

Von Udo Schöpfer



„Erlebe Emotionen" heißt das Motto der Uefa für die Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz. Der Verband hat diese Zeilen mit der Sperre für Joachim Löw und Josef Hickersberger aber karikiert. Das Urteil, die Sperre von je einem Spiel, ist falsch.





Fußball lebt von den Emotionen, von der Spannung, von all den kleinen sportlichen Mini-Tragödien und Comebacks. Speziell für Joachim Löw stand am Montagabend sehr viel auf dem Spiel. Er hatte genau so viel Druck wie seine Spieler. Es war seine wichtigste Partie als Trainer der Nationalmannschaft. Bei einer Niederlage wäre schon denkbar gewesen, dass seine Amtszeit beendet ist. Besonders der vierte Offizielle hat nicht verstanden, worum es da am Montag ging. Er hat es nicht geschafft, der besonderen Atmosphäre Rechnung zu tragen. Er hat es nicht geschafft, die Stimmung, die sich im „Laufställchen" mit den Kreidezeichen allmählich hoch geschaukelt hat, zu beruhigen. Ganz im Gegenteil.





Die Sperre ist bitter für die deutsche Mannschaft und für Joachim Löw, der in seiner Laufbahn nicht als Schiedsrichter-Schreck galt. Die Sperre passt ins Bild. Das Turnier lief alles andere als gut für den Bundestrainer, dessen Mannschaft nicht den Fußball spielt, den er sich vorstellt. Mit Josef Hickersberger hat er grundsätzlich kein Problem, den Disput mit ihm hat er ausgeblendet. Bewusst?





Das ganze Theater erinnert an die WM 2006, als Torsten Frings wegen der Vorfälle aus dem Spiel gegen Argentinien beim Rendezvous mit Italien im Halbfinale gesperrt war. Diese Geschichte ging nicht gut aus ...







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.141

Datum: Donnerstag, den 19. Juni 2008

Seite: Nr.10

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EM-MAGAZIN



Portugiesen haben vor dem





Viertelfinale viel Spaß





BASEL (sid). Die Ungewissheit ist gewichen, der Respekt geblieben, das Selbstbewusstsein und der Spaß sind weiter gestiegen: Die portugiesischen Fußball-Künstler um Cristiano Ronaldo mussten sich vor dem heutigen EM-Viertelfinale gegen Deutschland vor Lachen sogar den Bauch halten. Doch weniger die bisher bescheidenen Leistungen des deutschen Teams, sondern vielmehr der zurzeit wohl beste Fußballer der Welt und Nationaltrainer Luiz Felipe Scolari sorgen für prächtige Stimmung im Lager der Brasilianer Europas.





„Er kann noch nicht mal beim Fünf gegen Fünf verlieren", verriet Mittelfeldspieler Petit gestern über Ronaldo und rieb sich dabei die Tränen vom Lachen aus den Augen. Der neben ihm sitzende Superstar von Manchester United wischte dem Mittelfeldspieler freundschaftlich mit der Hand über den Hinterkopf, woraufhin Petit Ronaldo einen Lolli in die Hand drückte: „Hier, als Trostpreis." Daraufhin prustete Ronaldo los.





Am Montag war der Ausnahmespieler im Training beim Spiel Fünf gegen Fünf abgekocht worden. Dass in der gegnerischen Mannschaft Zeugwart Bruno Pereira mitspielte, hat Ronaldo offenbar zusätzlich gewurmt. Später ging es dann noch an die Tischtennis-Platte. Offenbar ist es dort besser gelaufen, darf man den Worten Ronaldos glauben. „Dich schlage ich auch mit der linken Hand", sagte der Kapitän zu Petit.





Der defensive Mittelfeldspieler von Benfica Lissabon, der die Kreise von Michael Ballack einschränken soll, sieht den entscheidenden Faktor für die gelöste Atmosphäre im scheidenden Nationaltrainer Scolari: „Er sorgt für unglaublich gute Stimmung bei uns." So konnte man auch das 0:2 gegen die Schweiz mit einer B-Elf gut verschmerzen, die Erkenntnisse und Eindrücke aus den tollen Vorrunden-Spielen gegen die Türkei (2:0) und Tschechien (3:1) überwogen. Der Respekt vor dem heutigen Gegner ist trotzdem groß. „Die Deutschen spielen immer guten Fußball, treten als Mannschaft auf und sind physisch sehr stark", meinte Ronaldo.





EM im TV





ARD: EM-Studio (18.55 und 20.15 Uhr)





Viertelfinale





Portugal - Deutschland (20.45 Uhr)





Waldis EM-Club (23.30 Uhr)





Phoenix: EM-Fieber (11.30 Uhr).







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.141

Datum: Donnerstag, den 19. Juni 2008

Seite: Nr.10

"Deep-Link"-Referenznummer: '3712595'

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Toller Schweinsteiger schießt Tor zum Halbfinale auf

Gestern Abend im Viertelfinale 3:2-Sieg gegen Portugal - Kloses 40. Länderspieltor - Auch Kapitän Ballack trifft



Von unserem Redakteur





Udo Schöpfer





BASEL. Die deutsche Nationalmannschaft steht im EM-Halbfinale und trifft dort am Mittwoch auf Kroatien oder die Türkei: Nach einer imponierenden Leistung bezwang das Team gestern Abend in Basel den Favoriten Portugal durch Tore von Bastian Schweinsteiger, Miroslav Klose und Michael Ballack mit 3:2 (2:1).





Das war auch ein Erfolg für Bundestrainer Joachim Löw, der das Spiel gesperrt von der Tribüne aus verfolgen musste. Die ersten 25 Minuten waren die mit Abstand besten, die die deutsche Mannschaft im bisherigen Turnier-Verlauf zeigte.





Die auf drei Positionen veränderte Elf - Simon Rolfes, Thomas Hitzlsperger und Bastian Schweinsteiger kamen rein, Torsten Frings, Clemens Fritz und Mario Gomez mussten raus - war vom ersten Moment an präsent.





Die System-Änderung, ein verstärktes Mittelfeld mit allen Freiheiten für Michael Ballack, dafür in Miroslav Klose nur eine Spitze, funktionierte. Simon Rolfes machte ein prima Spiel. Wie aufgedreht wirkte Bastian Schweinsteiger, der zum ersten Mal bei dieser EM von Beginn an spielte und kaum zu halten war. Der Portugiesen-Schreck schlug wieder zu - nach einem fantastischen Angriff über die linke Seite „Marke Niederlande". Michael Ballack und Lukas Podolski gelang der doppelte Doppelpass, Podolski gab genau nach innen und der heranrauschende Bastian Schweinsteiger donnerte den Ball in der 22. Minute ins Tor. Der Favorit war beeindruckt. Schon früh hatten sich Deco und Ronaldo mal einen Blick des Unverständnisses zugeworfen, in der 26. Minute waren sie völlig baff. Schweinsteiger drehte einen Freistoß in den Strafraum und Miroslav Klose köpfte zum 2:0 ein. Sein 40. Länderspieltor.





Die deutsche Mannschaft konnte das 2:0 aber nicht mit in die Pause nehmen. Die Abstimmung auf der linken Seite klappte nicht, weil Lukas Podolski Schwächen im Rückwärtsgang offenbarte. In der 40. Minute war es passiert: Per Mertesacker verschätzte sich kolossal, Jens Lehmann wehrte den Schuss von Cristiano Ronaldo zwar noch ab, aber den Nachschuss brachte Nuno Gomes über die Linie, der Schuss wurde von Christoph Metzelder abgefälscht. Kurz vor dem Halbzeitpfiff flog ein Ball von Cristiano Ronaldo, der immer stärker wurde, nur knapp am langen Pfosten vorbei. Arne Friedrich tat sich schwer gegen ihn, sah gleich nach der Pause die Gelbe Karte, nachdem er den antrittsschnellen Ronaldo gelegt hatte.





Portugal blieb am Drücker, auch wenn Thomas Hitzlsperger eine gute Chance überhastet vergab. In der 57. Minute lag der Ausgleich in der Luft, aber Pepe köpfte einen Eckball aus kurzer Distanz über das Tor. Die Vorentscheidung in der 61. Minute: Michael Ballack köpfte einen Freistoß von Bastian Schweinsteiger zum 3:1 in die Maschen. Glück, dass Ballacks Schubser gegen Ferreira ungesühnt blieb. Drei Minuten vor dem Ende aber aber das große Zittern: Postiga trifft nach Flanke Flanke des nicht attackierten Nani - Mertesacker und auch Metzelder sehen schlecht aus: 3:2.





So spielten sie





Portugal: Ricardo - Ferreira, Carvalho, Pepe, Bosingwa - Moutinho (31. Meireles), Petit (72. Postiga) - Simao, Deco, Ronaldo - Nuno Gomes (67. Nani)





Deutschland: Lehmann - Friedrich, Mertesacker, Metzelder, Lahm - Rolfes, Hitzlsperger (72. Borowski) - Schweinsteiger (82. Fritz), Ballack, Podolski - Klose (89. Jansen)





Tore: 0:1 Schweinsteiger (22.), 0:2 Klose (26.), 1:2 Nuno Gomes (40.), 1:3 Ballack (61.), 2:3 Postiga (87.) - Gelbe Karten: Pepe, Petit, Postiga - Friedrich, Lahm - Beste Spieler: Ronaldo, Deco, Simao - Ballack, Schweinsteiger, Lahm - Zuschauer: 39.730 (ausverkauft) - Schiedsrichter: Fröjdfeldt (Schweden).







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.142

Datum: Freitag, den 20. Juni 2008

Seite: Nr.9

"Deep-Link"-Referenznummer: '3728745'

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Stimmen und STIMMUNGEN

Freudentänzchen im Glaskäfig

Der gesperrte Bundestrainer Jochim Löw fiebert auf der Tribüne mit



Sitzen, aufspringen, umhertigern, schreien, jubeln: Im gläsernen Käfig durchlebte Bundestrainer Joachim Löw die Höhen und Tiefen von 90 Minuten Fußball - und durfte am Ende feiern.





Wegen seiner Sperre war der 48-Jährige beim 3:2 (2:1)-Sieg des deutschen Nationalteams im Viertelfinale gegen Portugal zum Zuschauen verurteilt. Kontakt zur Mannschaft strikt verboten. „Es war hinter der Glasscheibe ganz schlimm. Ich war weit weg. Man sieht einiges von oben sehr gut, aber die Distanz war nervend", betonte der Bundestrainer. Die Erleichterung nach dem Halbfinal-Einzug war umso größer.





Um 20.45 Uhr begann mit dem Anpfiff die Qual. Links von Löw saß Chefscout Urs Siegenthaler, rechts der Uefa-Beobachter.





Auf seinem Stuhl sitzend sah Löw sein Team vor allem in den ersten 25 Minuten überragend spielen. Der Chef stand auf, schritt umher, nutzte jeden Meter der Glaskabine, klatschte bei gelungenen Aktionen.





21.07 Uhr, 1:0 Schweinsteiger, Löw schoss aus dem Sitz, umarmte Siegenthaler, ballte die Fäuste und brüllte seine Freude raus. 21.11 Uhr, Klose traf zum 2:0, wieder lagen sich die „Gefangenen" in den Armen. 21.25 Uhr, 1:2 durch Nuno Gomes, Löw zog Luft durch die Zähne, blieb sitzen. 21.32 Uhr, Halbzeitpause, Durchatmen.





Assistent Hansi Flick erlebte die ersten 20 Minuten auf dem Platz zumeist von der Bank aus, unternahm sporadisch Ausflüge an die Grenze der Coaching-Zone und rief Anweisungen ins Feld. Nach den Toren von „Schweini" und Klose sprang er auf, schrie seine Freude heraus und klatschte die Torschützen ab. Die zweite Hälfte war ein Krimi. 61. Minute, Freistoß Schweinsteiger, Kopfball Ballack, 3:1, Löw sprang aus seinem Sitz, riss die Arme hoch, ballte die Siegerfäuste, drehte sich um, umarmte Siegenthaler. Unten sprang Flick Köpke in die Arme und reckte die Fäuste gen Himmel.





Aber von Entspannung keine Spur. 22.29 Uhr, das 2:3 durch Helder Postiga, wieder Zittern, Löw zündete nervös eine Zigarette an. 22.36 Uhr, Schlusspfiff, geschafft! Freudentänzchen im Glaskäfig.





Riesige Freude auch beim Interims-„Bundestrainer" Hansi Flick. Der Ex-Coach der TSG Hoffenheim betonte: „Das Endspiel ist unser Ziel. Der Druck gegen Österreich war groß, aber dann hatten wir unser Minimalziel erreicht. Heute waren wir hungrig und heiß. Wir wollen jetzt mehr. Ich hatte mit Joachim Löw keinen Kontakt. Wir haben wie immer alles gemeinsam geplant, vor dem Spiel alles genau durchgesprochen. Heute hat alles funktioniert."





Bastian Schweinsteiger, Spieler des Spiels, und nach seinem Platzverweis gegen Kroatien nach Ansicht Löws in der „Bringschuld", hat diese als Torschütze und Vorlagengeber auf beeindruckende Weise eingelöst. „Ich bin überglücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben. Wir sind unter den Top vier. Wir haben die beste Mannschaft aus dem Turnier gekegelt", meinte Schweinsteiger. Er betonte: „Heute haben wir für den Trainer gespielt. Ich wusste, dass ich gegen Kroatien einen Fehler gemacht habe. Ich wollte der Mannschaft so gut wie möglich helfen. Im Fußball ist immer was möglich, wir haben deutsche Tugenden gezeigt." (sid)







KONZOKH





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Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.142

Datum: Freitag, den 20. Juni 2008

Seite: Nr.9

"Deep-Link"-Referenznummer: '3728749'

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KOMMENTAR

Ein Sieg für Löw

Von Udo Schöpfer



Die deutsche Nationalmannschaft hat gestern Abend eine fast schon unglaubliche Leistungssteigerung gezeigt. Sie ist verdient ins EM-Halbfinale eingezogen, weil sie wieder mal auf die Minute top war.





Was für eine Überraschung. Das war nicht die Mannschaft, die gegen Polen 2:0 gewann. Das war nicht die Mannschaft, die beim 1:2 gegen Kroatien böse enttäuschte. Das war nicht die Mannschaft, die gegen Österreich bis zum Schluss um das karge 1:0 zitterte. Sie hat tatsächlich ein anderes Gesicht gezeigt, sie nahm die Zweikämpfe an, spielte taktisch klug und hatte endlich auch mit Standard-Situationen Erfolg.





Was in der Vorrunden-Gruppe B geschah, das war gestern in Basel vergessen. Wichtig: Die Mannschaft, so schien es, wollte auch für ihren Trainer gewinnen, der unverständlicherweise wegen der Vorfälle aus dem Spiel gegen Österreich gesperrt wurde. Wenn die deutsche Mannschaft dieses Niveau hält, dann ist ihr noch einiges im Turnier zuzutrauen. Und im Falle eines Falles hätte sie ja gegen Kroatien einiges gut zu machen.





Mit Joachim Löws Nibelungen-Treue war es gestern Abend vorbei. Lange hielt er gerade an Mario Gomez fest, gestern setzte er ihn auf die Bank. Und auch die Taktik änderte er, bislang ein absolutes Tabu für den Trainer. Die neue Spiel-Philosophie tat der Mannschaft offensichtlich gut. Es war nicht das wichtigste Spiel in seiner Karriere als Nationalmannschaftstrainer, wie hie und da zu lesen und hören war. Das wichtigste Spiel war das in der Vorrunde gegen Österreich. Aber es war ganz sicher Joachim Löws schönster Sieg.







KONZOKH
 
der gast-kommentar Ein Tor für Miros Seele



Ja, das war eine prima Vorstellung unserer Mannschaft beim 3:2-Sieg gegen Portugal im EM-Viertelfinale am Donnerstagabend in Basel! Man hat gesehen, dass die Mutmaßungen über konditionelle Probleme, die manchmal negative Körpersprache einiger unserer Spieler in den Gruppenspielen mit dem Druck zusammenhingen. Dieser Erfolgsdruck, die Angst vor einer Blamage, war nach dem Erreichen des Minimalzieles, des Viertelfinales, weg.





Die Trainer haben am Donnerstag in Basel sehr gute Personalentscheidungen getroffen - mit ihrer Aufstellung und mit ihrer taktischen Ausrichtung. Jeder Spieler hat sich hundertprozentig an die Marschrichtung gehalten.





Miroslav Klose hatte gegen die Portugiesen offensichtlich die Aufgabe, im Zentrum zu bleiben, und die beiden Innenverteidiger zu binden. Bei den Fernseh-Kommentatoren und -Experten kam ja leichte Kritik an Miro auf, er würde sich nicht mehr so viel bewegen wie früher. Aber das hatte mit seiner Rolle zu tun - wenn man sieht, gegen wen er da spielte und dass er dann auch noch getroffen hat ... Ein Tor tut ihm immer gut. Je nachdem, welche Taktik „Jogi" Löw jetzt wählt, wird sich Miroslav Klose sicher auch wieder bewegen, über die Flügel kommen, so wie man das von ihm kennt.





Es war mutig und es ging auf, nominell nur mit einer Spitze und Bastian Schweinsteiger und Lukas Podolski über die Außen und Michael Ballack dahinter zu spielen. Das haben die perfekt umgesetzt. Simon Rolfes, für den verletzten Torsten Frings in der Mittelfeldzentrale, hat das super gespielt. Sie haben Cristiano Ronaldo keinen Raum gelassen und so die entscheidenden Weichen für den Einzug ins Halbfinale gestellt.





Michael Ballack ist generell schwer ins Turnier rein gekommen. Aber er hat gegen Österreich das „goldene" und gegen Portugal das spielentscheidende Tor gemacht. Das erwartet man von einem Leader, einem Führungsspieler. Man sieht ja immer wieder, wie er sich engagiert, die anderen auch verbal mitzureißen versucht, er nimmt die Chefrolle an - so wie das auch Jens Lehmann tut.





Es gab bei dieser Europameisterschaft auch ein paar wenige schwächere Spiele. Aber wenn man den Hochgeschwindigkeitsfußball sieht, den die Spanier, die Portugiesen, die Russen und vor allem die Holländer bieten - zuletzt auch unsere Mannschaft - dann wird deutlich, wie hoch das Niveau dieser Europameisterschaft ist.





Nach dem Erreichen des Halbfinales ist für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft alles drin. Die Spieler wissen um ihre Stärke, sie stehen nicht mehr unter Druck.





Ich war beim Spiel unserer Mannschaft gegen Österreich in Wien und hatte schon den Eindruck, dass es dort Wichtigeres gibt als diese EM. Für die eigentliche Stimmung sorgen eher die mitgereisten Fans. Aber das haben wir ja irgendwie in den beiden Gastgeberländern auch so erwartet, wenn wir ehrlich sind.





Der Autor: Stefan Kuntz (45), der Vorstandsvorsitzende des 1. FC Kaiserslautern, Meister 1991, Pokalsieger 1990, zweimaliger Bundesliga-Torschützenkönig, ist 1996 im Londoner Wembley-Stadion mit der deutschen Fußball-Nationalmannschaft Europameister geworden. (Foto: Kunz)



Stefan Kuntz





KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Ludwigshafener Rundschau

Ausgabe: Nr.143

Datum: Samstag, den 21. Juni 2008

Seite: Nr.10

"Deep-Link"-Referenznummer: '3732508'

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Schweinsteiger ist der bessere Ronaldo

Mann des Abends von Basel hat den Rat der Bundeskanzlerin beherzigt - Gegen Portugal endlich auch ein Stürmertor



Von unserem Redakteur





Udo Schöpfer





TENERO/BASEL. Für die deutschen Ersatzspieler stand gestern nach dem glorreichen 3:2 (2:1)-Sieg gegen Portugal im EM-Viertelfinale in Basel eine intensive Trainingseinheit an, für die Stammformation hieß es lediglich: Regeneration. Wie immer nach den Spielen war gestern Nachmittag Familienzeit im Team-Hotel „Il Giardino" in Ascona.





Die deutsche Mannschaft hat einen nicht mehr gesperrten Bundestrainer Joachim Löw, sie hat einen starken Assistenten Hansi Flick, sie hat einen charmanten Manager, vier Fitness-Übungsleiter, einen Scout, zig Masseure - und sie hat einen richtig berühmten Motivationscoach aus Berlin. Ihr Name: Angela Merkel, Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland. „Sie hat mir gesagt, ich soll keine Dummheiten mehr machen und so spielen wie damals. Und was die Bundeskanzlerin sagt, muss man auch machen", betonte Bastian Schweinsteiger am Donnerstagabend mit Blick auf das Tribünengeflüster am Montag in Wien zwischen ihm und ihr. Da war er wegen seiner Roten Karte aus dem Spiel gegen Kroatien noch gesperrt, im Match gegen Portugal drehte der EM-Spätberufene auf.





Die Gala gegen Portugal war vermutlich Schweinsteigers bestes Länderspiel überhaupt. Bastian Schweinsteiger, das war am Super-Donnerstag der bessere Cristiano Ronaldo. „Ich wusste, dass ich gegen Kroatien einen Fehler gemacht habe. Ich wollte der Mannschaft so gut wie möglich helfen. Im Fußball ist immer was möglich, wir haben deutsche Tugenden gezeigt und die beste Mannschaft aus dem Turnier geworfen", formulierte der Mittelfeldspieler des FC Bayern München. Das 1:0 erzielte er selbst, die Tore zwei und drei durch Miroslav Klose und Michael Ballack bereitete er vor. „Wir waren gut drauf, auf den Punkt fit. Die Umstellung hat sich positiv ausgewirkt, wir hatten mehr Ballbesitz, das ist wichtig gegen so einen starken Gegner", meinte Kapitän Ballack. Ein 4-2-3-1 mit zwei betont defensiven Mittelfeldspielern statt 4-4-2 - davon profitierte gegen Portugal auch der Kapitän, der durch seine große Laufbereitschaft bestach. „Vorher waren wir zu statisch, wir waren nun kreativer", befand Ballack.





Endlich ein Tor von einem Stürmer, Miroslav Klose machte es und unterstrich: „Ich habe immer gewusst, dass wir kicken können. Die Standards hatten wir extra trainiert." Assistent Hansi Flick, verantwortlich für das Einstudieren der Varianten mit „ruhenden Bällen", hatte mit seinem Chef Joachim Löw eine Wette laufen, dass diesmal ein Tor durch eine Standard-Situation fällt. „Diese Flasche Wein bezahle ich gerne, äh, die zwei", meinte Joachim Löw gut gelaunt.





Stürmer Mario Gomez, diesmal nur auf der Bank, resümierte: „Das Spiel war Charaktersache, das war ein Sieg der Mentalität, der Trainer hat alles richtig gemacht." Beispielsweise den ungemein ballsicheren Simon Rolfes in die Zentrale zu stellen. Seine Bälle kommen an! „Ich bin sehr glücklich", unterstrich der Mittelfeldmann von Bayer Leverkusen. „Super Spiel, super Sieg", dergestalt brachte Lukas Podolski die 94 Minuten auf den Punkt.





Einer, der auch für die Steigerung steht, ist Christoph Metzelder. Diesmal spielte der Innenverteidiger ordentlich, schlecht war, dass sein Partner Per Mertesacker bei beiden Gegentoren Schirmherr spielte. „Das war eine fantastische Leistung. Das Spiel gegen Österreich war eine andere Angelegenheit. Das waren andere Voraussetzungen. Da ging es darum zu vermeiden, dass wir uns für die nächsten 30 Jahre blamieren. Uns war klar, dass wir uns leichter tun gegen die portugiesische Mannschaft, die auch nach vorne spielt", analysierte Metzelder. Er hat es stets gewusst. „Ich habe immer an diese Mannschaft geglaubt und an ihre Stärken. Für uns geht jetzt das Turnier richtig los."





Zunächst steht nun also das Halbfinale am Mittwoch (20.45 Uhr) in Basel an. Hansi Flick, der hoch angesehene „Co": „Wir wollen jetzt mehr." Weil er, laut seines Vorgesetzten Joachim Löw, alles richtig gemacht hat während des Spiels, ist das durchaus möglich. In der Gruppenphase hat Löw das Viertelfinale versprochen, im Viertelfinale das Halbfinale - und jetzt im Halbfinale? Klare Ansage: Deutschland kommt ins Finale!







KONZOKH
 
IM INTERVIEW: JOACHIM LÖW

Trainer im „Exil" braucht keine Baldriantropfen

Viel Lob fürs Mittelfeld, Bastian Schweinsteiger und das Vertretungspersonal



Mit Aspirin, Getränken und Baldriantropfen wurde der gesperrte Bundestrainer Joachim Löw in der Kabine auf der Tribüne am Donnerstag zum Viertelfinale gegen Portugal erwartet. 45 Minuten lang stand Löw gestern in Tenero den Journalisten Rede und Antwort. Hier ein kleiner Auszug seiner Analysen.





Herr Löw, wie haben Sie das Spiel oben in der sogenannten Sky Box erlebt?





Es war für mich völlig ungewöhnlich, das Spiel da zu erleben. Es war ein unglaublich spannendes, dramatisches Fußball-Spiel. Vom Willen, von der Leidenschaft, von der Spielkultur waren wir auf sehr hohem Niveau. Wir waren sehr gut organisiert, die Raumaufteilung war hervorragend.





Hatten Sie bei der Taktik-Umstellung eine Eingebung?





Unmittelbar nach dem Spiel gegen Österreich auf dem Rückflug saßen wir schon zusammen. Es war klar, dass wir kleinere Korrekturen vornehmen mussten. Gegen Österreich und Kroatien hatten wir nicht das Niveau, das wir normalerweise gezeigt haben. Für das Spiel war es wichtig, ein starkes zentrales Mittelfeld zu haben, schnell umzuschalten. Das haben wir klasse umgesetzt.





Haben Sie damit Ideale aufgegeben?





Nein, an unserer taktischen Ausrichtung hat sich nichts grundsätzlich geändert. Wir wollen viele Aktionen über die Außen, wir wollen Bälle schnell gewinnen. Durch die neue Taktik war die Raum-Aufteilung aber besser.





Wie bewerten Sie die Mittelfeldleistung?





Michael Ballack, Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes haben sich durch eine besonders hohe Laufleistung ausgezeichnet. Es war wichtig, frische Spieler zu haben. Thomas Hitzlsperger und Simon Rolfes sind sehr ballsichere Spieler. Wir hatten im Spiel gegen Österreich zu viele Ballverluste.





Wie zufrieden sind Sie mit Hansi Flick, der die Mannschaft gegen Portugal betreute?





Er hat das hervorragend gemacht. Er und Andi Köpke haben die Mannschaft hervorragend geführt. Ich hätte bei allem genau so entschieden.





Wie bewerten Sie die Leistung von Simon Rolfes?





Er spielt unglaublich gute vertikale Bälle. Er spielt nicht immer spektakulär, aber unglaublich effizient. Seine Spielweise tut uns sehr gut.





Wie geht"s weiter im Turnier?





Wir haben gezeigt, dass wir eine gute Rolle spielen können während des Turniers. Wir haben auf die sehr spielstarke portugiesische Mannschaft viel Druck ausgeübt. Die Mannschaft war sehr fokussiert auf das Spiel. Wir haben gezeigt: Mit uns ist zu rechnen. Wir haben gesehen, was möglich ist.





Bastian Schweinsteiger war überragend ...





Er war ständig unterwegs, er hat ein klasse Tor erzielt. Er wusste, dass er in der Bringschuld ist. Er hat das hervorragend umgesetzt. Er hatte eine unglaubliche Dominanz, er hat uns sehr geholfen. (öpf)







KONZOKH



KOMMENTAR

Rückkehr der Jogi-Ritter

Von Udo Schöpfer



Die deutsche Mannschaft hat sich mit dem Sieg gegen Portugal eindrucksvoll im EM-Turnier zurückgemeldet. Das Halbfinale muss nicht die Endstation sein.





Noch immer hat die deutsche Elf auf dem Weg zum Gipfel jedoch Verbesserungsmöglichkeiten. In der Abwehr stimmt es nach wie vor nicht. Auf der linken Seite, da wo Lukas Podolski prima nach vorne agiert, gibt es defensiv zu viele Schwächen und Lücken. Der Sieg gegen Portugal war ein taktisches Meisterstück. Bevor Portugal wusste, was da gespielt wird, war die Partie im Grunde entschieden. Joachim Löw hat schon im Dezember prognostiziert, dass das Spiel mit einer Spitze Stil prägend für diese EM werden würde. Die neue Taktik mit den ausgeruhten Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger hat der Auswahl geholfen. Torsten Frings in der Verfassung dieser EM wurde nicht vermisst. Im Gegenteil.





Diese EM ist auch eine EM der Köpersprache. Zwischen dem deutschen Auftritt gegen Kroatien und dem gegen Portugal lagen Welten. Am Donnerstag stand eine selbstbewusste, konzentrierte, auch heiße Mannschaft auf dem Feld. Die Ansage an die Konkurrenz ist deutlich geworden: Hallo Niederlande, hallo Spanien, hallo Italien, hier ist noch jemand mit Ambitionen.





Der Abend von Basel versprühte einen Hauch WM-Atmosphäre à la 2006. Die Stimmung war schon ab der 80. Minute ausgelassen. Hallo Raumschiff Nationalmannschaft, bitte zur Erde zurückkommen! Bei der EM geht alles ganz schnell.







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.143

Datum: Samstag, den 21. Juni 2008

Seite: Nr.9

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EM-MAGAZIN



Peters nach Kritik vor





Aus im Kompetenzteam?





TENERO (öpf). Die Tage von Bernhard Peters (48) im Kompetenzteam des Deutschen Fußball-Bundes sind gezählt. „Das wird Konsequenzen haben", kündigte Bundestrainer Joachim Löw gestern an. Der ehemalige Hockey-Bundestrainer, nun bei 1899 Hoffenheim angestellt, hatte die deutsche Auswahl und vor allem den Trainerstab nach der Vorrunde heftig kritisiert. „Mir fällt auf, dass die Mannschaft nicht so zielstrebig und leidenschaftlich auftritt wie bei der Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Ich bin mir nicht sicher, ob in der Vorbereitung alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden", sagte der Sportdirektor des Bundesliga-Aufsteigers vorm Viertelfinale der Heidelberger „Rhein-Neckar-Zeitung" und fügte hinzu: „In der Defensive wurden zu viele gegnerische Chancen zugelassen. In der Offensive habe ich eine klare Struktur und Aufgaben-Verteilung vermisst."





„Ich habe diese Aussagen gelesen, und sie haben mir nicht gefallen. Ich war überrascht von seiner Ferndiagnose", meinte Löw, der vor der WM 2006 als Assistent des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann Peters als Wunschkandidaten für den Posten des DFB-Sportdirektors bezeichnet hatte. Löw wollte dieses Thema gestern und während der EM nicht weiter behandeln und kündigte nach dem Turnier ein Gespräch mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Teammanager Oliver Bierhoff an. Neben Peters gehören Löw, Bierhoff, Sammer, Junioren-Coach Dieter Eilts, Erich Rutemöller, der ehemalige Generalsekretär Horst R. Schmidt, dessen Nachfolger Niersbach und die ehemalige Frauen-Bundestrainerin Tina Theune-Meyer dem Kompetenzteam an.





Frings drängt nach





Zwangspause zurück





TENERO (öpf). Ob Torsten Frings (Rippenbruch) am Mittwochabend im EM-Halbfinale bei der deutschen Mannschaft wieder mitspielen kann, ist völlig offen. Der 31-jährige Mittelfeldspieler von Werder Bremen erklärte gestern, am Mittwoch in Basel unbedingt wieder dabei sein zu wollen. „Für das Spiel gegen Portugal war mir das Risiko zu groß. Wenn er nach zehn, fünfzehn Minuten hätte ausgewechselt werden müssen, wäre das sehr schmerzhaft gewesen", sagte Bundestrainer Joachim Löw gestern. Frings trainiert mit der Mannschaft, soll aber Zweikämpfe tunlichst vermeiden. Mit einem Tapeverband wurde die Verletzung stabilisiert.





Pressestimmen





Portugal - Deutschland 2:3





Portugal





A Bola: „Traurig, traurig. Gut zu sein, war nicht genug. Die Mannschaft von Scolari war nur ein Schatten ihrer selbst."





O Jogo: „Scolari wurde von seinem Jungen verraten. Ricardo war ein Schwachpunkt. Es fehlen ihm Zentimeter zu einem großen Torhüter."





Italien





Gazzetta dello Sport: „Ein schönes Deutschland schickt Ronaldos Portugal nach Hause. Vier Schüsse aufs Tor, drei Treffer, die Deutschen sind zurück: genau und pünktlich."





Corriere dello Sport: „Ronaldo raus, der König ist Ballack."





Frankreich





L"Equipe: „Die Portugiesen sind traurig. Ein Traum zerbricht. Aber ihre Unzulänglichkeiten waren zu offensichtlich, um der taktischen und mentalen Stärke der Deutschen widerstehen zu können."





Türkei





Fanatik: „Große Show von Schweinsteiger, er war der Star. Vor dieser Mannschaft muss man Angst haben."





Star: „Deutschland hat gezeigt, dass der Favorit nicht auf dem Papier, sondern auf dem Platz ausgemacht wird."





Spanien





Marca: „Dieses Deutschland lehrt jeden Gegner das Fürchten."





EM im TV





ZDF: EM-Studio (19.25 Uhr)





Viertelfinale: Niederlande - Russland (20.45 Uhr)





ARD: Berichte und Interviews (18 Uhr)





Phoenix: EM-Fieber (11.30 Uhr).







KONZOKH





Quelle:

Verlag: DIE RHEINPFALZ

Publikation: Pfälzer Tageblatt - Ausgabe Weinstraße

Ausgabe: Nr.143

Datum: Samstag, den 21. Juni 2008

Seite: Nr.9

"Deep-Link"-Referenznummer: '3712597'

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