FRANK LELLE - DER NEUE LEITER DES SPORTPARKS "ROTE TEUFEL"
Und noch ein ehemaliger FCK’ler ist zurück bei den "Roten Teufeln": Frank Lelle, der neue Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Von 1986 bis 1993 spielte er für den FCK, wurde 1990 Pokalsieger und 1991 Deutscher Meister. Seit einigen Wochen sitzt er im Fröhnerhof und kümmert sich intensiv um den FCK-Nachwuchs. Nach dem auch die A- und B-Junioren das Training wieder aufgenommen haben, wird es Zeit, sich über seine Philosophie und "seinen" Nachwuchs zu informieren.
Frank, Du bist mit dem FCK Deutscher Meister und Pokalsieger geworden, Du hast 85 Spiele für diesen Club gemacht - und jetzt bist Du wieder hier…wie fühlt sich das an?
Frank Lelle:
Zunächst einmal bin ich froh, dass ich diese Tätigkeit beim FCK jetzt ausüben kann. Ca. vier Wochen vor meinem Einstieg gab es sehr gute Gespräche mit Stefan Kuntz - wir sind uns einig geworden, dass das jetzt ein Anfang ist und auch ein sehr großer zeitlicher Aufwand. Aber ich nehme das gerne in Kauf. Ich weiß, dass am Fröhnerhof bisher schon Leute gearbeitet haben, die das menschlich und qualitativ hervorragend gelöst haben - ich freue mich auf diese Aufgabe.
Du warst Profi, dann Co-Trainer und auch Chef-Trainer beim FK Pirmasens, hast Dich also um "gestandene" Spieler gekümmert - dann hast Du aber einen anderen Weg eingeschlagen und Dich um den Nachwuchs und Scouting gekümmert. Jetzt bist Du Leiter des Nachwuchsleistungszentrums beim 1. FC Kaiserslautern… was fasziniert Dich an "Fußball-Nachwuchs"?
Frank Lelle:
Prinzipiell glaube ich, dass es eine persönliche Stärke von mir und ein Teil meiner Persönlichkeit ist, dass ich mit jungen Menschen, jungen Fußballern sehr gut klar komme. Ich denke, dass ich durch die Erfahrungen, die ich bisher gesammelt habe, die schulischen und familiären Hintergründe von jungen Fußballern sehr gut beurteilen kann - auch sehr wichtig ist es, auf der emotionalen Ebene mit den jungen Fußballern zu kommunizieren. Das kann ich meiner Meinung nach sehr gut, deswegen ist es interessant für beide Seiten - für mich und für den FCK.
Was macht denn die Arbeit mit jungen Fußballern schwierig? Muss man den Nachwuchs von heute eher zurechtweisen und mehr motivieren als Euch früher?
Frank Lelle:
Es ist ja nichts Neues, dass sich die gesellschaftlichen Umstände ständig verändern und die wirtschaftlichen Verhältnisse vieler Familien auch nicht gerade einfacher sind als zu meiner Zeit. Das ist natürlich auch ein Problem. Nur, wir sind hier in Kaiserslautern und haben nicht ganz so die großen wirtschaftlichen und sozialen Probleme von Heranwachsenden wie in Berlin, Hamburg, Köln oder München. Somit achten wir natürlich auch darauf, dass wir neben der sportlichen Entwicklung auch die persönliche Weiterentwicklung und Begleitung nicht vernachlässigen. Das haben wir uns auf die Fahne geschrieben und das ist auch ein Punkt, der hier gut umgesetzt wird. Wir haben einen pädagogischen Begleiter, der jahrelang Schulleiter in Kaiserslautern war, der bei einem schulischen Problem unterstützend eingreift. Wir haben auch genügend qualifizierte Trainer und Mitarbeiter, die die jungen Leute unterstützen und fördern. Das geht aber natürlich nicht ohne Konsequenzen, Disziplin und Respekt. Das sind Kleinigkeiten, die wichtig sind, wenn sich hier 200 bis 250 Kinder und Jugendliche sich auf der Anlage bewegen. Und dann gibt es ja noch die Eltern, die hier her kommen.
Was sind jetzt Deine genauen Aufgaben?
Frank Lelle:
Jetzt zu Beginn natürlich die Saisonvorbereitung, die begonnen hat bei der U17, der U19, die der U23 läuft schon was länger. Ich mache mir - zusammen mit dem Trainer - ein Bild davon, welche sportliche Qualität die einzelnen Mannschaften besitzen, damit wir ohne Probleme und gut vorbereitet in die Saison starten können. Und daneben natürlich auch die ganzen organisatorischen Dinge, die bei einem so großen Gelände und der Anzahl an Spielern anfallen. Aber das mache ich alles im Team, das ist ein wichtiger Punkt. Ich lege viel Wert auf Kommunikation, hier in der Jugendgeschäftsstelle und auch im Bezug auf die Trainer der einzelnen Leistungsklassen untereinander. Wir wollen hier als Team auftreten. Es muss der FCK-Gedanke bei den Spielern ankommen, dass es wichtig ist, dass alle an einem Strang ziehen und auch wissen, welche Verpflichtung es bedeutet, bei einem so großen Verein spielen zu dürfen.
Was ist eher zu ändern bei einem Spieler: Ist es einfacher aus einem jungen Kerl, der fußballerisches Talent hat und charakterlich etwas schwierig ist, einen kompletten Fußballer zu machen, oder ist es besser, einen weniger talentierten Spieler mit gutem Charakter dazu auszubilden ?
Frank Lelle:
Ich sehe beides nicht wirklich als Schwierigkeit an. Wenn Dinge passieren, die im Sinne der Gemeinschaft nicht in Ordnung sind, oder die man über einen längeren Zeitraum nicht dulden kann - dann muss man konsequente Entscheidungen treffen. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir uns von etwa charakterlich problembehafteten Spielern unbedingt trennen müssen. Wir versuchen immer, miteinander eine Lösung zu finden. Ich glaube, dass wir als Fußball-Lehrer, Trainer und Übungsleiter gut genug sind, Spieler mit schwierigen schulischen oder familiären Hintergründen wieder neu zu integrieren und ihnen zu helfen, dass sie sich sportlich und menschlich weiterentwickeln können.
Wann sagt Frank Lelle: "Ich habe erfolgreich hier gearbeitet - woran machst Du das fest... an sportlichem Erfolg oder an Spielern, die dann irgendwann einmal "oben" spielen?
Frank Lelle:
Auf den sportlichen Erfolg habe ich eher weniger Einfluss, das ist Sache der Trainer - ich bin ja auch nicht da, um eine Art "Oberaufseher" der Trainer zu sein. Ich möchte auch die Chefrolle nicht so ausfüllen: "Ich treffe Entscheidungen und Ihr macht was ich sage!" - Das entspricht absolut nicht meinem Persönlichkeitsprofil. Erfolgreich ist die Geschichte hier, wenn alle Freude an der Arbeit haben, wenn das Betreuerteam funktioniert und wenn innerhalb der Mannschaften Dinge eingehalten werden, die für die persönliche Entwicklung der einzelnen Spieler und für den sportlichen Erfolg wichtig sind. Das ist das Hauptziel... dass daraus am Ende der eine oder andere Profispieler nach der Jugendlaufbahn "entstehen" soll, das versteht sich von selbst. In den letzten Jahren ist dies ja auch gelungen. Ein weiteres Ziel ist es, die Qualität der Spieler weiter zu verbessern. Mir schwebt vor, dass ein Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum in ein paar Jahren mal im Stadion bei den Profis spielt und die Leute sagen "Mann, das ist ein Riesen-Kicker!" - das ist der Anspruch von mir und meinen Team.
Man konnte ja vor kurzem auch von Konkurrenz in puncto Nachwuchsausbildung lesen - Stichwort Hoffenheim. Wie kann man denn Nachwuchsspieler dafür begeistern, zum FCK zu kommen?
Frank Lelle:
Natürlich können wir momentan mit manchen Vereinen nicht mithalten, das ist klar. Aber darum geht es beim FCK auch nicht in erster Linie. Wir besinnen uns auf die Tradition, jeder muss wissen, wofür er spielt. Das Trikot des FCK zu tragen ist etwas Besonderes - wir wollen uns nicht absolut von anderen Vereinen abgrenzen, wir machen hier unser Ding, wir sind davon überzeugt, dass es eine "Philosophie FCK" gibt, die wir ganz klar verkörpern und noch stärker herausbilden wollen. Das ist einfach die Identifikation mit diesem Club. Alle Mitarbeiter, angefangen vom Platzwart, Hausmeister und Putzfrau über den Cheftrainer der U23 oder den Cheftrainer der Profis müssen diesen plakativen Begriff der "FCK-Familie" leben. Das Zusammenarbeiten verbindet - wir müssen das stärker herausbilden und in der täglichen Arbeit mit unseren Jugendspielern auch immer wieder ansprechen. Ich meine das Ganze jetzt aber nicht negativ bezogen auf unsere Nachbarvereine aus der Region - Wir schauen auf uns, damit sind wir bisher immer gut gefahren.