Ich habe heute Abend einige Videos auf einer sehr bekannten Video-Plattform im Internet angeschaut.
Angefangen von Sternstunden, wie dem Sieg gegen Real, über clevere Siege wie gegen Schalke (in der Nachspielzeit durch einen mehr als fragwürdigen Elfmeter), Abstieg, Wiederaufstieg usw. Dort sind viele Spielernamen aufgetaucht, die zuerst und teilweise auch wieder, in der großen Masse, völlig unbekannt sind und waren.
Die einzige Konstante war (selbst zu Zeiten des aufkeimenden Größenwahns Ende der90er): das Team, der Zusammenhalt und natürlich auch die Unterstützung der Fans.
Es sei dahin gestellt wie wichtig eine Unterstützung in einer positiven Situation ist: Wenn es läuft dann läuft’s und dann muss mir niemand sagen, dass ich gut war (In meinem persönlichen Fall zB muss mir der Chef nicht sagen, dass ich den Prozess toll ausgelegt habe, und dass es überragend und Weltklasse ist, was für tolle Fähigkeitskennwerte wir haben). Umgekehrt jedoch schaut es anders aus: Wenn man mal den Dreck am Stecken hat und was richtig in den Sand gesetzt hat, dann hilft es sicherlich nie auf denjenigen, der am Boden liegt noch einzudreschen. Davon wird auch nichts besser. Es ist so. Man muss analysieren woran das liegt. Schauen, wo die Stärken und Schwächen liegen. Überlegen, ob das bisher Geleistete ausreicht und in welchen Bereichen man sich steigern kann, und im schlimmsten Fall, ob das so wirklich umsetzbar ist, oder ob man neu ansetzten muss.
Jetzt kann man den Bogen zum aktuellen Kader und zur aktuellen Situation spannen:
Wir haben, mit relativ langfristigen Verträgen ausgestattete, junge Spieler/Talente im Kader. Diese rufen aktuell nicht die Leistung ab, die man sich von ihnen verspricht. Mittelfristig - was in der BuLi sehr kurz ist - sollten sie dies tun, sonst wird das eine recht unerfreuliche Saison.
Aber nun zur Analyse (also den oben genannten Fragen):
Woran liegt/lag es: In den ersten Spielen sicherlich hauptsächlich an der Defensive. Katastrophale individuelle Fehler in Bezug auf Stellungsspiel und auch technische Unzulänglichkeiten. Wenn die Defensive überlastet ist, ist die Offensive gezwungen den nicht fähigen Prozess des Verteidigens zu kompensieren. Das heißt, dass die Offensive ihre eigentliche Aufgabe, das kreieren von Torchancen, in vollem Umfang, nicht umzusetzen kann. Zum einen können die geplanten Positionen nicht mehr eingehalten werden, wodurch der Angriff ins Stocken gerät und es geht Spritzigkeit, Laufvermögen usw. im Defensivverbund verloren. Positiv: Das Defensivverhalten war gegen Gladbach, aber meiner Meinung nach auch schon gegen München, besser. Zwei der bisher stärksten Mannschaften der Saison, welche schon mal gern mehr als 1 bis 3 Tore schießen, gelang jeweils nur 1 Tor aus dem Spiel heraus. Ich weiß was für Stimmen jetzt aufkeimen, aber: Kleinvieh macht auch Mist. (Wenn das keiner mehr hören/lesen kann ("Schritt für Schritt" usw.) verstehe ich das absolut, aber es ist eher selten der Fall, dass sich etwas innerhalb kürzester Zeit von schlecht in gut wandelt)
Die Stärken und Schwächen: Stärken sind momentan, auf den erste Blick, schwer auszumachen, aber:
In der Vergangenheit hat sich unsere Abwehr bewiesen. Sie ist momentan nicht prozesssicher, aber es ist beherrschbar. Dass es momentan nicht funktioniert liegt also vermutlich an einem außerplanmäßigen Ereignis, sprich der sogenannten Formschwäche. Dies ist aber handlebar. Man weiß, dass man das Ganze in absehbarer Zeit in den Griff bekommt.
Schwäche, auch rein statistisch, ist sicherlich die Offensive. Wenn/Falls man meiner Logik im Bereich "Woran liegt/lag es" folgen mag, könnte diese Schwäche, aber durch die wiedererstarkte Defensive, zumindest zum Teil, kompensiert werden.
Potential: Potential - toller Begriff um Sachen die bisher schlecht sind positiv einzufärben - besteht im Kreativspiel. Einfache Doppelpässe, die momentan unmöglich erscheinen, ein Flankenwechsel, oder auch mal ein Steilpass aus dem Halbfeld quer durch die 4er Abwehrreihe, sind momentan eher mangelwahre. Ein Fortounis hat in Nationalmannschaft usw. tolle Ansätze gezeigt. Ein Tiffert hat, vor gar nicht so langer Zeit, überragende Leistungen geboten. Vermouth, Shechter usw. sind ja wirklich genug besprochen und evtl. auch mit zu viel Erwartungen belegt, aber scheinen uns weiter zu bringen: das Potential ist eigentlich da! Auch ein SuPa kann kein Schlechter sein: Man landet nicht ohne Grund bei Bayer in der Jugend und ist U-Nationalspieler (obwohl wir in D meiner Meinung nach ein Stürmer-Problem haben...).
Fazit: Die Schwächen sind erkannt. Die ersten Schritte zur Stabilisierung sind eingeleitet und scheinen, zum Teil, zu greifen. Um die Formschwäche der Abwehr weiter auszumerzen muss sicherlich an mehreren der 5 M's (im Qualitätsmanagement: Mensch, Maschine, Material, Methode und Mitwelt) gearbeitet werden: Da die Jungs eben keine Maschinen, sondern Menschen sind, sicherlich gutes Schuhwerk haben und eigentlich! wissen was zu tun ist, liegt es an der Mitwelt, den Fans, positive Unterstützung an den Tag zu legen, um somit das erste "eigentlich" aus diesem Satz zu streichen! Falls die These von oben stimmt, müsste sich damit auch die Angriffsproblematik mittelfristig lösen.
Sollte dies nicht der Fall sein, dann bleibt das ganze kritisch zu betrachten. Damit will ich keine Köpfe fordern oder Ähnliches! Jedoch ist bei gescheiterten Prozessen zumeist ein Neuanfang, oder eine Umkehr derer das Beste. Das bestehende Personal zu entfernen ist dabei jedoch der größte Fehler den man begehen kann, da dieses die meiste Erfahrung mit dem bisher Geschehenen, Geleisteten und Gescheiterte hat.
Um nochmal auf die Videos zurück zu kommen: Gebt den bisher verschmähten, unbekannten, teilweise schon beinahe verhasst wirkenden Spielern zumindest noch ein paar Spiele ein Chance. Die Ansätze sind da. Sollten diese, auch mit unserer Unterstützung, Früchte tragen, dann freuen wir uns Alle! Sollte dies nicht der Fall sein, dann bitte ich um sachliche Kritik! Profispieler sind sicherlich nicht unmotiviert, oder zeigen absichtlich schlechte Leistungen. Sie verdienen damit ihren Lebensunterhalt und haben, genauso wie jeder von uns, sicherlich keine Lust darauf ihrer Passion und ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen zu können.
Niemand ist mit dem bisher gezeigten zufrieden! und ich möchte Nichts schönreden (auch wenn das vermutlich alles stark danach klingt). Ich will hiermit nur zu Zusammenhalt aufrufen. Ich glaube auch die Spieler, welche die zu Beginn genannten Spiele abgeliefert haben, waren nicht direkt in den ersten Woche auf diesem hohen und erfolgreichen Leistungsniveau.
Wie in so vielen Signaturen rauszulesen ist: Nur gemeinsam sind wir stark!
In diesem Sinne und im Hoffen auf den Klassenerhalt!