Ich habe am Samstag etwas in den letzten Härtetest der Wolfsburger gegen den SC Telstar aus der ersten niederländischen Liga hineingeschaut. Mein Fazit fällt dabei durchaus differenziert aus: Im Offensivspiel wirkten die Wölfe bereits sehr eingespielt und homogen, was angesichts der individuellen Qualität der einzelnen Spieler allerdings kaum überraschen dürfte.
Vor allem im Kombinationsspiel und bei den offensiven Abläufen hinterließ Wolfsburg einen sehr guten Eindruck bei mir. Damar absolvierte ein äußerst starkes Spiel, war im Mittelfeld ein ständiger Fixpunkt und zugleich wichtiger Antreiber. Ähnlich präsent war auch Elvis Rexhbecaj, der als einer der wenigen Spieler über die gesamte Spielzeit auf dem Platz stand. Reese war im finalen Test dagegen gar nicht dabei und musste aufgrund eines grippalen Infekts passen. Ich gehe allerdings davon aus, dass er heute Abend wieder in der Startelf stehen dürfte.
Defensiv wirkte die Millionentruppe dagegen noch nicht ganz sattelfest. Eigentlich konnte nur Hauke Wahl als Abwehrchef vollends überzeugen, während seine Nebenleute in einigen Situationen noch etwas fahrig agierten und überraschend häufig Fehler im Abwehrverhalten gezeigt haben. Linksverteidiger Mæhle hatte beispielsweise seinen Anteil am Anschlusstreffer der Niederländer: Durch ein falsches Stellungsspiel ließ er seinem Gegenspieler beim Tor zum 1:3 zu viel Raum.
Für uns wird es daher wohl vor allem darauf ankommen, aus einer kompakten Defensive heraus immer wieder ins eigene Kombinationsspiel zu finden und offensiv für Entlastung zu sorgen. Gleichzeitig birgt eine solche Herangehensweise natürlich auch Risiken. Wenn wir Wolfsburg zu große Teile des Spielfelds überlassen und ihnen erlauben, das Spiel nach Belieben zu kontrollieren, könnte das schnell ins Auge gehen. Gegen eine Mannschaft mit dieser offensiven Qualität wird es deshalb entscheidend sein, die Räume möglichst eng zu halten, ohne sich ausschließlich hinten hineinzustellen. Wir müssen immer wieder für Entlastung sorgen und mit gezielten Nadelstichen selbst offensive Akzente setzen - so "einfach" das auch klingen mag.
Vielleicht gelingt es uns trotz der klar verteilten Favoritenrolle sogar, überraschend in Führung zu gehen. Allein deshalb wäre es spannend zu sehen, wie die hoch gehandelten Hausherren auf einen solchen Spielverlauf reagieren und welche Dynamik sich daraus im weiteren Verlauf der Partie dann entwickelt.