Wenn man sich im Netz so umschaut, scheint die Personalie Wunderlich durchaus zu polarisieren. Ich kann dabei Argumente beider Seiten nachvollziehen.
Einerseits sollte es grundsätzlich immer das Ziel sein, professionelle und zeitgemäße Strukturen im Verein zu schaffen. Dazu gehören auch qualitative Verbesserungen im Trainer- und Betreuerstab. Nach den zuletzt getätigten Aussagen der Verantwortlichen befindet man sich in diesen genannten Punkten aktuell ja allerdings offenbar schon "auf der Suche".
Andererseits könnte es gerade im aktuellen Umfeld rund um den Betzenberg mit all seinen Vor- u. Nachteilen durchaus hilfreich sein, einen Typen wie Wunderlich im Staff zu haben – als Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainerteam und Cheftrainer. Gerade Lieberknecht eilte in der vergangenen Saison ja schon des Öfteren der Ruf voraus im Umgang mit Spielern etwas (zu) empathisch und (zu) verständnisvoll zu agieren, was je nach Perspektive sowohl Stärke als auch Schwäche sein kann.
TL sprach in diesem Zusammenhang ja auch nicht nur einmal auf den PK's von einer "anderen Spielergeneration". Vor diesem Hintergrund könnte ein ehemaliger Profi, der noch nicht allzu lange aus dem aktiven Geschäft raus ist, eine sinnvolle Ergänzung darstellen und dabei helfen, die Lücke zwischen Generationen und unterschiedlichen Erwartungshaltungen zu schließen. In diesem Spannungsfeld könnte Wunderlichs Rolle für zusätzliche Balance oder ggf. sogar eine hochnotwendige Reibung sorgen – sozusagen als „Bad Cop“. Als ehemaliger Führungsspieler mit seiner ausgeprägten "Never surrender"-Attitüde, der auf dem Platz nie vor Verantwortung zurückgeschreckt ist und immer als Leader vorangegangen ist, bringt er genau diese klare, kompromisslose Komponente mit, die unserem aktuellen Kader in großen Teilbereichen offenbar noch immer abzugehen scheint.
Außerdem finde ich ihn aufgrund seiner Vita, seiner zurückliegenden Burn-out-Erkrankung und der Art und Weise, wie er damit umgegangen ist bzw. sich danach wieder ins Profigeschäft zurückgekämpft hat, bis heute sehr respektabel. Ich persönlich würde als Spieler zu so einem Typen definitiv aufschauen. Denn gerade auf dieser Ebene geht es nicht nur um fußballerische Inhalte, sondern heute mehr denn je auch um die mentalen Aspekte, die bei uns offensichtlich schon seit Jahren eine Rolle spielen und eher leistungshemmend- statt fördernd wirken. Und wer könnte das besser nachvollziehen als jemand, der diese Erfahrungen als langjähriger Profi im Stahlbad Profifußball selbst gemacht und sich immer wieder durchgebissen hat? Stichwort: Resilienz entwickeln, Verantwortung übernehmen und Widerstände überwinden.
Die Rolle als möglicher Co. von Wunderlich würde meiner Meinung nach außerdem überhaupt nicht ausschließen, dass man sich zusätzlich noch nach einem weiteren Co-Trainer umsieht – insbesondere dann, wenn Rump nicht weitermacht. Dieser könnte im Idealfall dann auch das Profil „modern, taktisch stark ausgebildet und progressiv“ abdecken, sofern der Verein in diese Richtung sucht.