FRITZ WALTER der TEUFEL aller TEUFEL

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„Er war wie du und ich“

LESERAKTION: Er hat Kaiserslautern in der ganzen Welt bekannt, ja berühmt gemacht. Er führte den 1. FCK zwei Mal zur
deutschen Meisterschaft und die Nationalmannschaft zum WM-Titel 1954. Fritz Walter ist zum Idol geworden.
Heute wäre er 100 Jahre alt geworden. Unsere Leser erinnern sich in Episoden an ihn, den Menschen hinter dem Fußballer.


„Er war kein Star“
Ich war in den 80er Jahren Briefträger bei Fritz Walter, habe ihn persönlich gekannt, habe noch zwei Autogramme von ihm mit persönlicher Widmung: meinem Briefträger Erhard Klemmer. Er war kein Star, er war wie du und ich. Ich musste jeden Tag in die Leiningerstraße 104, ganz
oben über Alsenborn, das letzte Haus in der Straße, immer den Berg rauf. Er bekam jeden Tag die Bild-Zeitung per Post. Manchmal nahm er
mir die Arbeit ab, dann kam er mit seinem Fahrer und sagte: Komm gib mir die Post mit, dann hast du den Berg gespart. Er war ein feiner herzensguter Mann. An Weihnachten bekamen alle Postler beim Postamt Enkenbach-Alsenborn eine Flasche Fritz-Walter-Sekt mit besten
Wünschen vom Fritz Walter. Ja, so war er, ein Star ohne anzugeben.
Erhard Klemmer, Münchweiler

Fläschchen Piccolosekt

Es gibt Momente, die einen ein Leben lang begleiten. Der 31. Oktober 1973 war für mich als 22-Jähriger ein solcher Moment. Im September,
frisch verheiratet und als Briefträger bei der Deutschen Bundespost beschäftigt, war das junge Glück auf jeden Pfennig angewiesen. Am
Nachmittag arbeitete ich als Helfer im Landstuhler Blumenhaus Dengel. Dazu gehörte auch das Ausfahren von Blumengrüßen. Am Nachmittag
des Tages ging ein Auftrag eines Hoteliers aus Ramstein ein, einen großen Blumenstrauß nach Enkenbach-Alsenborn zu überbringen. Auf den
Namen des Empfängers achtete ich weniger, die Straße und der Ortsname waren mir wichtig. Es war ein großer schöner Vorgarten, durch den
ein langer Weg mit Treppen nach oben zu dem schmucken Haus führte. Ich drückte den Klingelknopf, ohne auf das Namensschild zu achten.
Die Tür öffnete sich und vor mir stand ein Mann mit sympathischem Lächeln. Mir verschlug es buchstäblich die Sprache. „Ei Bub, was haschte
dann“, fragte er ganz lässig mit einem schelmischen Grinsen. Ich überreichte ihm den Blumenstrauß mit der anhängenden Grußkarte. „Wart e Moment, ich bin gleich wieder do“, meinte er und ging ins Haus zurück. Als er zurückkam, hat er eine kleine Schachtel mit einem Fläschchen Piccolosekt in der Hand, die er mir lächelnd überreichte. Er bedankte sich und klopfte mir freundschaftlich auf den Rücken. Auf der Heimfahrt
nach Landstuhl wurde mir langsam klar, das es wirklich der Fritz Walter war, bei dem ich meinen Blumenstrauß abgeliefert hatte. Meine Frau
machte gleich einen Vermerk: „Geschenkt von Fritz Walter am 31.10.1973“ auf der Schachtel. Nach fast 50 Jahren hüten wir dieses kleine
Geschenk von Fritz Walter immer noch wie unseren Augapfel, und mir kommt es vor, als wäre es gestern gewesen, als mir der Fritz das
Fläschlein überreichte.
Mathias Gillen, Landstuhl

„Vielen Dank, Fritzchen!“

Meine Frau und ich sind Fritz Walter, dem liebenswürdigen Menschen und überragenden Fußballer, einmal persönlich im Leben begegnet.
Das war am Samstag, dem 16. Dezember 1956, in Kaiserslautern. Fritz Walter hatte in der Innenstadt das Kino „Universum“ erbauen lassen
und betrieb es von 1956 bis 1967 mit einem Teilhaber. Gelegentlich saß Walters Ehefrau Italia persönlich an der Kasse und er prüfte am
Eingang die Eintrittskarten. Bei unserem Kinobesuch war dies der Fall, und meine Frau bat ihn um ein Autogramm auf der Eintrittskarte,
das er bereitwillig gab. Übermütig bedankte sich meine Frau mit den Worten: „Vielen Dank, Fritzchen!“ Er lächelte und antwortete:
„Das ist lange her.“ Seine Unterschrift zählt zu den kostbarsten Stücken unserer Sammlung von Autogrammen.
Karlheinz und Irmgard Schauder, Landstuhl

Ehemann kennengelernt

Mein Mann, Siegfried Kress, gebürtiger Norddeutscher, damals 17 Jahre alt, durfte auswählen, wo die Familie zukünftig leben sollte.
Zur Auswahl standen Rosenheim oder Kaiserslautern. Die Entscheidung war schnell getroffen. Es kam nur Kaiserslautern in Frage,
denn da wohnte sein größtes Vorbild und das seiner Fußball-Kameraden. Zu diesem Zeitpunkt hatte er es nicht für möglich gehalten,
Fritz Walter jemals persönlich kennen zu lernen.
Im „Universum-Kino“ gab es damals eine Toto-Lotto-Annahmestelle, von Familie Walter betrieben, und so lernten wir auch seine sympathische
Frau Italia kennen. Vor zirka 25 Jahren machten wir in Milano Marittima Urlaub. Bei einem Strandspaziergang haben wir das Ehepaar Walter
zufällig getroffen. Sie luden uns in ihre Stamm-Strandbar ein, und wir verbrachten bei guten Gesprächen eine kurzweilige Zeit. Beim Abschied meinte er: „Ehr sinn schun so braun und ich mit moine weiße Bää!“ Dank Fritz Walter habe ich meinen Mann in Kaiserslautern kennen gelernt.
Doris Kress, Kaiserslautern

Schreiben an den Staatssekretär

„Ach du Schei ..., un deswäh kummen Sie extra do raus gefahr?“ − mit diesen Worten begrüßte mich Fritz Walter an einem Sommermorgen
im Jahre 1995. Ich war damals Personalratsmitglied beim Bundesvermögensamt Kaiserslautern, das im Zuge einer Verwaltungsreform
aufgelöst werden sollte. Neben vielen Politikern und Politikerinnen hatten wir auch Fritz Walter um Unterstützung gegen diese Maßnahme
gebeten. Er hatte mir telefonisch gestattet, sein Briefpapier bei seiner Sekretärin zu besorgen und darauf ein entsprechendes Schreiben an
den zuständigen Staatssekretär zu verfassen („... un schreiben Se norr ordentlich gepeffert!“), er würde den Brief dann unterschreiben.
Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, ihm das fertige Schreiben persönlich zur Unterschrift zu überbringen. Ich verbrachte dann noch
ute zwei Stunden in seinem Haus in Alsenborn und lernte Fritz Walter als beeindruckende Persönlichkeit kennen: ein bodenständig
gebliebener Prominenter, ein echter Pfälzer, mit dem man sich „vun de Lung uff die Zung“ hervorragend unterhalten konnte.
Er interessierte sich sehr für unser Anliegen und erzählte natürlich auch von der Fußball-WM in Bern und vom „Chef“ Sepp Herberger.
Schließlich gab er mir noch die Telefonnummer einer hochrangigen Person in der damaligen Bonner Bundesregierung: Ich solle mich
auf ihn berufen und wegen weiterer Unterstützung dort anrufen, was ich später auch tat. Unsere Dienststelle wurde schließlich doch aufgelöst,
aber nicht zuletzt dank des Wirbels, den wir seinerzeit veranstalteten, konnten wir uns über die Zeit retten und sind als Ortsbehörde noch
immer in Kaiserslautern präsent. Nochmal vielen Dank, Fritz Walter, für die Unterstützung damals!
Cornelius Molitor, Kaiserslautern

Schnellzug wartet

Folgende wunderbare Erinnerung an Herrn Fritz Walter erlebte ich als stellvertretender Dienststellenleiter des Bahnhofs Kaiserslautern Hbf.
In Kaiserslautern war ja bekannt, dass unser Fritz nie mit dem Flugzeug unterwegs war, sondern den Zug vorzog. So auch an einem Montag
im Jahr 1988, und zwar im Sommer. Nach der Ankunft des Schnellzuges von Frankfurt auf Gleis 1 verließ Herr Walter den Schnellzug, blieb
aber nach zirka 20 Metern abrupt stehen und lief zurück zu dem Ausstieg, aus dem er den Zug verlassen hatte. Ich war wie so oft auf dem
Bahnsteig, um das pünktliche Abfertigen unserer Schnellzüge zu überprüfen. Ich rief Herrn Walter zu: „Herr Walter, stimmt was nicht?“
Und der antwortete: „Habe meine Brille vergessen, Italia gibt mir die Rote Karte“. Daraufhin deutete ich dem Zugführer, der schon die
Pfeife im Mund zur Abfahrt hatte: „Kollege, warten, die Verspätung geht auf meine Kappe“. Der Zugführer fragte mich, was denn los sei
und ich sagte ihm, dass Herr Walter seine Brille vergessen hätte und sie nun holen würde. Gleich darauf kam auch Fritz Walter aus dem Zug
und er bedankte sich sehr höflich bei mir für die Unterstützung. Seit diesem Ereignis hatten wir uns noch mehrere Male im Bahnhof gesehen
und immer ein paar Worte gewechselt.
Karl-Heinz Wagner, Landstuhl

KOMMENTAR
Geschichte geschrieben

Von Hans-Joachim REDZIMSKI

Seine bodenständige Art hat Fritz Walter in der Erinnerung vieler unsterblich gemacht.
Beethoven und Bonn. Karl Marx und Trier, Goethe und Frankfurt. Johannes Gensfleich alias Gutenberg und Mainz. Fritz Walter und Kaiserslautern.
Ist es vertretbar, einen Fußballer in einer Reihe aufzuführen mit einem begnadeten Komponisten, einem systemkritischen Philosophen, einem
großen Dichter oder dem Erfinder des Buchdrucks?
Eine klare Antwort: ja! Fritz Walter hat Geschichte in Deutschland geschrieben. Er hat den Ruhm des 1. FC Kaiserslautern begründet, als Kopf
der „Walter-Elf“. Er hat als Kapitän der Nationalmannschaft mit dem WM-Erfolg von 1954 Deutschland nach dem verlorenen Krieg in die europäische Wertegemeinschaft zurückgeführt. Mit dem „Wunder von Bern“ hat er auch das deutsche Wirtschaftswunder gefördert.

Die Bekanntheit von Kaiserslautern gründete lange allein auf Fritz Walter, seinem Bruder Ottmar und seinen Kameraden Werner Liebrich,
Werner Kohlmeyer und Horst Eckel, den Helden von Bern. Sie trugen den Namen von Kaiserslautern hinaus in die Welt. Sie machten diese
Stadt in der Provinz, im Südwesten Deutschlands gelegen populär. Die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt zehrte in der Folge davon.
Der Zuschlag für Kaiserslautern als WM-Standort 2006 war eine Reverenz des deutschen Fußballs an „unseren Fritz“.

Das Besondere an Fritz Walter, und das kommt heute auch in vielen emotionalen Erinnerungen unserer Leser zum Ausdruck, war,
dass er zwar um den Ruhm wusste, der ihn umgab, ihn aber nicht auslebte. Er bewahrte sich seine bodenständige Art. Sie machte ihn
in der Erinnerung vieler unsterblich.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 254 Samstag, den 31. Oktober 2020
 

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Blickpunkt

Es muss nicht immer Sekt sein

LESERAKTION: Fritz Walter war es auch hin und wieder nach einem Bier. Eine Leserin erzählt die Geschichte, wie sich beim Karstadt Fußballturnier zwischen Weihnachten und Silvester in der Barbarossahalle Fritz Walter überraschend neben sie setzte und sie ein Bier
für ihn holte.

Zum Frühstück eingeladen

Als es in Kaiserslautern noch die Fußballfirmenrunde gab, war ich Torwart von Spartec (Spar = Kreissparkasse, Tec = Tennisclub). An einem regnerischen Tag im Spätherbst 1954 spielten wir im Buchenloch gegen die Mannschaft der Firma Schlensak. Ich hatte einen besonders guten Tag erwischt. Am Rande des Spielfelds stand eine einzelne Person in einen Gummimantel gehüllt mit einem Schlapphut. Diese kam nach Spielende auf mich zu und sagte: „Du musst zu uns kommen.“ Ich erschrak – es war Fritz Walter – und sagte nein, ich mache im Februar Abitur und gehe dann nach Karlsruhe an die Technische Hochschule und studiere Bauingenieurwesen. „Macht nichts“, meinte Fritz, „wir sind mit dem VfB Mühlburg befreundet. In der Woche trainierst du mit den Mühlburgern, und am Wochenende fährst du nach Hause und samstags trainierst du mit uns. Wenn du weiter so gut bist, spielst du bald sonntags bei uns.“ Ich lehnte ab. Später trafen wir uns noch öfter. Einmal sagte Herr Walter zu mir: „Ich sage jetzt seitdem wir uns kennen Klaus zu Dir; ich heiße Fritz.“ Das letzte Mal, dass ich Fritz sah, war er in Alsenborn frühmorgens in seinem Garten und mähte den Rasen. Ich rief über den Zaun: „Schon so früh bei der Arbeit?“ Seine Antwort: „Komm rein, wir frühstücken.“ – „Ich will heute Morgen wandern.“ – „Heute wird nicht gewandert, heute wird gefrühstückt.“ Bei Fritz dauerte ein Frühstück mindestens zwei Stunden. Als Italia wieder in der Küche war, um einen neuen Gang vorzubereiten, meinte Fritz: „Gut, dass du gekommen bist, jetzt kann Italia den Rasen fertig mähen.“ Fritz und ich waren Freunde geworden.
Klaus Frölich, Kaiserslautern

Erste Begegnung bleibt haften

Meine erste Begegnung mit Fritz Walter und der Walter-Elf war der Empfang in Kaiserslautern nach der WM 1954. Ich bin Jahrgang 1945 und war damals neun Jahre alt, als mich meine Eltern mitnahmen nach Kaiserslautern, um die fünf Lauterer WM-Helden gebührend zu empfangen. Die Ankunftszeit war in etwa terminiert, aber es wurde eine stundenlange Wartezeit daraus, bis die Karawane am Fackelrondell eintraf. Es brach ein ungeheurer Jubel aus, als sich die Cabrios im Schritttempo einen Weg durch die Menschenmenge bahnten. Dieser erste Eindruck blieb derart bei mir haften, dass ich mir damals schwor, in Zukunft möglichst alle Spiele des 1. FCK auf dem Betzenberg zu verfolgen.

Das Glück, dieses Vorhaben in die Tat umsetzen zu können, war mir insofern hold, dass mein Onkel Willi, ein glühender Verehrer des FCK und besonders von Fritz Walter, mit zwei guten Bekannten jedes Heimspiel besuchte. Auf meine schüchterne Frage, ob ich einmal mitfahren dürfe, erklärte er mir: „Wenn Platz ist, kannst du immer mitfahren.“ So ergab es sich, weil mein Cousin überhaupt kein Interesse am Fußball hatte, dass ich in der Folge der vierte „Mann“ im großen Wagen war, wenn es zum Betzenberg ging.

Unser Betzebesuch war immer verbunden mit einem Besuch eines Cafés in der Mühlstraße. An diesem Spieltag waren wir etwas spät dran, da mein Onkel, der ein Geschäft in Niederkirchen betrieb, nicht rechtzeitig losfahren konnte. Das Ritual blieb jedoch das Gleiche nur in wesentlich schnellerer Abfolge. Die drei Herren verschlangen ihren Kuchen in Rekordzeit, ich ließ die Hälfte meiner Bluna im Glas zurück und schon ging es nach dem Bezahlen im Laufschritt zum links am Bürgersteig parkenden Fahrzeug. Mein Sitzplatz war hinter dem Fahrer auf dem Rücksitz. Die drei Herren schlugen schon die Türen zu, da hatte ich meine Tür noch nicht richtig geöffnet. Mein Onkel trat schon aufs Gaspedal, so dass durch das abrupte Anfahren die Tür zuklappte und meine Finger eingeklemmt waren. Nach heftigem Schreien und zirka drei bis vier Meter Wettlauf mit dem Auto stoppte mein Onkel, sprang aus dem Auto, befreite meine Finger, packte sie zwischen seine Hände und begann sie heftigst sekundenlang zu reiben. Nach einem hastigen „Das tut mir ja so leid, aber das wird wieder“ fuhren wir los und nahmen mit dem Anpfiff auf unseren reservierten Sitzen auf der alten Holztribüne Platz.
Fritz Walter hatte ein tolles Spiel gemacht, der 1. FCK gewann das Spiel und von unserem kleinen Zwischenfall erfuhr kein Mensch.
Helmut Leppla


Ein großer Handball-Fan

Natürlich ist die Freundschaft zwischen unseren Eltern und Fritz und Italia entstanden, aber wir waren als kleine Jungs, später auch als „große Jungs“ sehr oft dabei und durften auch beispielsweise Beckenbauer, Seeler, Overath, Puskas etwa bei der Geburtstagsfeier im Stadion die Hand schütteln. Die Begegnungen mit Fritz Walter, seiner Frau Italia und oft auch mit Ottmar und Anneliese Walter waren stets geprägt von Herzlichkeit und völlig frei von Allüren.

Nicht nur als Gäste unseres Restaurants Landhaus Woll, sondern meist in privater Atmosphäre gab es viele vertraute und freundschaftliche Treffen,
so haben unser Vater Karl und Fritz an fast allen ihren Geburtstagen ein Gläschen miteinander getrunken, haben sich oft nur deswegen getroffen. Natürlich ging es häufig um Familie und den Sport.

Fritz war ein großer Handball-Fan und hat oft erzählt, dass er und Herberger sich regelmäßig über die Entwicklung des deutschen Handballs unterhalten haben – Deutschland war ja mehrfacher Weltmeister auch im Feldhandball. Unvergessen sind für uns die Telegramme, die er uns vor unseren wichtigen Handball-Spielen um Meisterschaft und Aufstieg hat zukommen lassen. Meist direkt vor den Spielen noch in der Kabine verlesen, haben sie uns allen Gänsehaut und einen entscheidenden Motivationskick gegeben. Dazu gehörte aber auch ein „weiter geht’s, Männer“ nach verlorenen wichtigen Spielen. Man fühlte: Er lässt uns mit ihm als Weltstar auf Augenhöhe sein.

Es gibt viele Anekdoten und Geschichten, die Fritz Walter mit unseren Eltern und uns verbinden. Fritz hat manchmal unserem Vater einen Fußball als Geschenk mitgebracht, um ihn ein bisschen zu foppen: „Karl, die Buwe sollen Fußball spielen“, hat er immer im Spaß gemeint.

An einem unserer Kulinarischen Weinabende waren die Walters zu Gast und die anwesenden Winzer Wehrheim, Rebholz, Kessler, Siegrist und Becker, die damals schon zur nationalen Weinelite zählten und noch heute große FCK-Fans sind, waren völlig begeistert von der Zugänglichkeit der Walters. Noch heute ziert das gemeinsame Foto der fünf Freunde mit Fritz Walter die Vinotheken der Güter.

Als ich mich nach dem Studium mal selbstständig machen und einen entsprechenden Werbeflyer anfertigen wollte, hat er sich sofort bereit erklärt, als „Werbefigur“ zu unterstützen. „Komm vorbei ,Knecht’“, ich mach das, dann trainiere merr awwer a e bissje“. Das haben wir dann auch ein paar Monate gemacht. Auch bei Veranstaltungen in der Uni waren die Walter-Brüder ab und zu mal, auch einzeln, zu Gast, was natürlich gerade bei den Gästen unseres Dachverbandes aus ganz Deutschland immer wieder für Begeisterung sorgte. Alex hatte viel mit Fritz zu tun in seiner Zeit als Repräsentant seiner eigenen Sekt-Linie.

Auch waren die Dienstage vor Weihnachten stets „reserviert“ für ein Treffen unseres Vaters Karl im Hause Walter in Alsenborn und neben den Gesprächen unter Freunden gab es sicher auch den Ehrentrunk-Sekt als Gesprächsbegleiter. Irgendwie hatte er immer die richtigen Ratschläge...

Für uns ist die Tatsache, dass wir ihn so intensiv aus der Nähe und im privaten Umfeld kennen und erleben durften, ein großes Geschenk.
Die Werte, die er gelebt hat, sind nach wie vor Leitbild für Anstand, Respekt und Fairness in unserem täglichen Tun.
Alexander und Thomas Woll, Kaiserslautern

In den Lostopf gegriffen

Der DB Super Cup war gerade ins Leben gerufen worden. In 20 Städten in Deutschland wurden die Vorrunden für Freizeitteams ausgetragen, um die Teilnahme am Finalturnier im Ostseebad Damp zu erreichen. Die erste Vorrunde fand in Kaiserslautern beim ESC West statt. Als ich Fritz Walter anrief und die Bitte an ihn hatte, die Teams in die Gruppen zu losen, war er sofort bereit, dies zu tun. Am 16. August kam es dann im Sportheim des ESC West zur öffentlichen Auslosung. Beim anschließenden Gespräch konnten wir noch Ideen austauschen. Er war bereit, wenn es seine Zeit erlaubte, immer da zu sein. Es war ein großartiges Erlebnis, mit ihm im Austausch zu bleiben.
Herbert Kuby, Kaiserslautern

Ein Platz war noch frei

Ich war mit meinem Mann und meinem Sohn jährlich beim Karstadt Fußballturnier zwischen Weihnachten und Silvester in der Barbarossahalle. In einem Jahr war es wie immer proppenvoll in der Halle, allerdings war neben mir noch ein Platz frei. Irgendwann kam ein Mann und fragte höflich, ob noch frei wäre. Ohne große Beachtung des Mannes bejahte ich. Der Mann nahm Platz und fragte in pfälzischem Dialekt „Wie steht's dann?“. Als ich ihn anschaute, erkannte ich sofort Fritz Walter. Wir unterhielten uns, wobei er sagte „Wääsche, isch muss immer Sekt drinke. Unn jetzt hann isch Luschd uff a Bier, deedsch du mer äns hole?“ Selbstverständlich ging ich dann zum Ausschank und holte Fritz Walter ein Bier, welches er dann genüsslich beim Fußballschauen trank. Das war ein sehr schönes Erlebnis mit einem bodenständigen „Star“ der damaligen Zeit. Ich erinnere mich noch immer sehr gerne daran.
Margit Christmann

Sonja, das Sonnenscheinchen

Ich begegnete Fritz Walter Anfang November 1994. Im Rahmen des 25. Firmenjubiläums des Möbelladens Interia, für den ich damals arbeitete, hatte er sich für eine Autogrammstunde zur Verfügung gestellt. Im Gespräch erzählte er mir, dass seine Schwester ebenso wie ich Sonja hieß und sie in der Familie immer „Sonnenscheinchen“ genannt wurde. Ich habe ihn als sehr freundlichen, zuvorkommenden, bescheidenen und liebenswerten Mann kennengelernt, der mich sehr beeindruckt hat. Deshalb erinnere ich mich auch heute – 26 Jahre später – noch gerne an diese Begegnung.
Sonja Mohring, Otterbach
 

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Ein Telefonat
Fritz Walter war immer mein fußballerisches und menschliches Vorbild. So war es 2002 selbstverständlich für mich, der Trauerfeier auf dem „Betze“ beizuwohnen, Fritz Walters ergreifenden Sprechgesang, die beeindruckende Rede des damaligen Oberbürgermeisters und eine wundervolle Sopranistin zu erleben. Ich war zu Tränen gerührt. Gut, dass mich meine Tochter Theresia begleitete. Sie ist seit 20 Jahren in Kaiserslautern verheiratet, was ich immer als Fügung betrachtete.

Den Betzenberg mit einfacher Tribüne und dem Wall für die Stehplätze hatte ich jedoch schon 1951 als Bub von neun Jahren erkundet, als der FCK Deutscher Meister geworden war. Danach kamen 1953 die erneute Meisterschaft und 1954 die Krönung als Weltmeister mit der halben Lauterer Mannschaft. 2004 erlebte ich im Pfalztheater das 50. Jubiläum, lernte Horst Eckel mit Ehefrau kennen und die Ungarn Grocsic (Torwart) und Buzanski (Verteidiger).

Größtes Erlebnis war aber ein Telefonat mit Fritz Walter. Er hatte mich angerufen, nachdem ich ihm geschrieben hatte. Das war 2001, ein Jahr vor seinem Tod. Er hat mir erzählt von Herberger, der Kameradschaft und in der Tat von Max Schmeling, was mich damals sehr überraschte. Seiner Frau ginge es nicht gut, wie er sagte, so dass eine persönliche Begegnung unterblieb. Noch vor Weihnachten 2001 starb Italia, für Fritz das Ende, wie ich heute vermute. Ein halbes Jahr später verstarb auch er im Alter von 81 Jahren. Ich war zu spät, hatte mich früher nicht getraut.

Nun besuche ich sein Grab, wenn ich nach Lautern komme, lese zu Hause in den Büchern von und über ihn und nicht nur das 3:2. Und am Samstag trinke ich mit meiner Frau den letzten Fritz-Walter-Sekt, der mir geblieben ist.
Horst Herr, Schonach im Schwarzwald

Autogramm im Arbeitszimmer

„Uffm Betze“ habe ich, neben unvergesslichen Spielen, auch meinen magischsten FCK-Moment erlebt. Es war der 17. Dezember 1988. Ich spielte damals Handball beim FCK und wir saßen in einem Raum am Treppenaufgang zur Nordtribüne bei einer Weihnachtsfeier zusammen. Ein paar Treppenstufen höher war der Eingang zur beschaulichen Geschäftsstelle. Es war bereits dunkel draußen, als leise die Tür aufging und kein geringerer als Fritz Walter hereinspazierte. „Genobend ihr Mäd. Ich hann Licht gesieh, do wollt ich mol gugge, was do los is.“ Er kam ganz zufällig vorbei, war neugierig, schlenderte herein, blieb eine Zeit lang und plauderte ganz ungezwungen. Man nahm ihm ab, dass er gerne hier war. Ich bin stolz darauf, einen Helden von Bern, den größten Sportler unserer Stadt, den Ehrenspielführer der Nationalmannschaft, vor allem aber den sympathischen Menschen Fritz Walter persönlich kennengelernt zu haben. Das Autogramm, das er mir an diesem Abend gab, hängt noch heute gerahmt im Arbeitszimmer.
Bettina Uhl

Sekt für Fahrservice

Zu meiner Flasche Sekt von Italia und Fritz Walter gibt es eine Geschichte: Es ist circa 20 Jahre her, dass ich Fritz Walter, damals in meiner Funktion als Präsidentin des Deutsch-Amerikanischen Frauenclubs, angefragt habe, ob er für unseren Pfennigbasar oben im Stadion die Schirmherrschaft übernehmen würde. Ich kannte ihn schon vorher persönlich, er sagte zu. Bedingung: Er muss in Alsenborn abgeholt und wieder zurückgebracht werden. Für diesen Service gab es dann den Sekt. Wir haben ihn bis heute in Ehren gehalten.
Marlies Kohnle-Gros, Hütschenhausen

„Das wird schon wieder, mein Junge“

Meine unvergessene Begegnung mit Fritz Walter: Es war Samstag, der 21. Januar 1995. Ich erholte mich gerade von einer Operation. Nach dem Mittagessen saß ich mit Günter, einem Leidensgenossen, unten am Eingang der Ambulanz des Lauterer Krankenhauses im Rollstuhl und rauchte eine Zigarette. Bei all dem Krankenwagen- und Patientenverkehr parkte unter anderem eine schwarze Limousine dort, wo sie eigentlich nicht parken durfte. Hinter uns ging die automatische Tür auf und plötzlich lief die Weltmeisterikone Fritz Walter an uns vorbei. Wie ich erst später erfuhr, besuchte er seine Frau Italia im Krankenhaus, die sich von einer Hüftoperation erholte. Nach ein paar Sekunden des Erstarrens stammelte ich nur „Herr Walter“. Daraufhin drehte er sich um und sagte: „Was, Sie kennen mich?“ Ich hatte meine Sprache wieder gefunden und antwortete: „Wer Sie nicht kennt, der hat eine Bildungslücke.“ Daraufhin legte er seine Hand auf meine Schulter, schaute mich an, dann an mir herunter auf meinen Gipsverband am Bein und sagte: „Das wird schon wieder, mein Junge.“ Er ging auf das geparkte Auto zu, wo sein Chauffeur hinterm Steuer saß und auf ihn wartete. Ich schaute ihm nach. Noch einmal schweifte sein Blick in meine Richtung. Irgendwas tat er noch auf seinem Beifahrersitz, ich wusste aber nicht was. Er schien etwas zu schreiben. Nach ein paar Minuten stieg der Fahrer aus und kam auf mich zu. Mit den Worten „Herr Walter möchte sich nicht selbst bei Ihnen antragen, aber wenn Sie möchten, würde er Ihnen gerne diese beiden Autogrammkarten überreichen“ übergab er mir zwei Autogrammkarten. Eine für mich und eine für Günter. lch nahm sie entgegen.

Für mich ein unvergessener Augenblick in meinem Leben, den ich in lebenslanger Erinnerung behalten werde. Als das Fahrzeug schließlich nicht mehr zu sehen war, fragte mich Günter anschließend: „Wer war denn das?“ Ich steckte mir noch eine Zigarette an. Als kleinen Beweis besitze ich noch die Autogrammkarte – datiert auf den 21. Januar 1995.
Ingo Zimmer, Altenglan
Blickpunkt


LESERAKTION
Erinnerungen an Fritz Walter


Die Kaiserslauterer Fußball-Legende Fritz Walter wäre am 31. Oktober 100 Jahre alt geworden. Welche Erinnerungen haben Sie an „unseren Fritz“? Haben Sie ihn auf dem Betzenberg spielen sehen? Sind Sie ihm begegnet? Haben Sie etwas zusammen mit ihm erlebt? Was verbinden Sie mit Fritz Walter? Das fragten wir unsere Leser. Herausgekommen sind viele Erinnerungen und Geschichten, die den prominenten Fußballer und Menschen Fritz Walter porträtieren. rdz

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 254 Samstag, den 31. Oktober 2020
 

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Blickpunkt

Mit Engelsgeduld Autogramme gegeben
LESERAKTION: Eigentlich hätte Michael Hach aus Siegelbach ja nicht einmal zu seinem Idol Fritz Walter vorgelassen werden sollen.
Doch der sah den damaligen Teenager und rief ihn zu sich. Fast eine halbe Stunde lang signierte Walter anschließend alle Fotos mit
ihm im Buch „Die Fußballkönige aus der Pfalz“.

„Bub, hol’ mir doch einmal ein Glas Sekt“

Es war im Juni 2001, ungefähr ein Jahr vor seinem Tod, Ort: Fritz-Walter-Stadion Kaiserslautern. Stattgefunden hat das Fußball-Endspiel im Rahmen des Finanzsportturniers europäischer Finanzamtsmannschaften, und zwar mit den Teams aus Ungarn und Griechenland. Ehrengäste waren die Brüder Fritz und Ottmar Walter. Sie hatten ihre reservierten Plätze im Foyer des Stadions. Von dort aus konnten sie das Spiel verfolgen. Als ich sie während des laufenden Spiels begrüßte, sagte ich zu ihnen – ich meinte die Ungarn: „Meine Herren Walter, da könnten doch Enkel der Spieler dabei sein, gegen die sie damals gespielt haben?“ Fritz antwortete mir: „Da könntest du recht haben. Bub, hol’ mir doch einmal ein Glas Sekt.“ Als der „Bub“ mit dem Sekt zurückkam, war dieser schon serviert. Ich kam zu spät. Ich stand noch eine Weile bei ihnen, beobachtete das Spiel, hörte den beiden aber auch aufmerksam zu, als sie miteinander plauderten. So zum Beispiel fragte Fritz Walter seinen Bruder, wie es ihm gehe. Ottmar antwortete: „Sieh mal Fritz, wie hoch ich das Bein wieder heben kann.“ Dabei hob er es in die Höhe. Fritz daraufhin zu Ottmar: „Sieht gut aus, auch mir geht es besser.“ Etwa ein Jahr später starb Fritz Walter. Dies war die einzige persönliche Begegnung mit Fritz Walter. Auf dem Platz habe ich ihn nie spielen sehen.
Helmut Weber, Krickenbach

Vom Walterfritz 5 Mark obendrauf

In den 1957 bis etwa 60er-Jahren ging unser Walterfritz in der Neuen Eintracht am Kolpingplatz kegeln. Dabei waren mein Vater Jakob Rahm, Polizeibeamter, ein Karl König, Prokurist bei Kohlen Raab in der Kohlenhofstraße, und noch etliche andere. Ich war dabei „de Keschelbu“, saß also am hinteren Ende der Kegelbahn, und meine Aufgabe war es, nach jedem Wurf die Kegel neu aufzustellen. Damals hingen die Kegel noch nicht an Strippen. Als Entlohnung bekam ich dann von der Kegelgruppe fünf Mark und vom Fritz noch mal fünf Mark extra. Das war damals für mich sehr viel Geld. Ich durfte den Fritz sogar duzen. Meine Freunde haben mich darum beneidet. Das sind meine angenehmen Erinnerungen an unseren im Volksmund genannten Walterfritz.
Benno Rahm, Kaiserslautern

„Sie setzen sich neben mich“

Am 23. August 2000 wurde die Schule mit Schwerpunkt „Lernen“ umbenannt in „Fritz-Walter-Schule“. Zu diesem feierlichen Anlass wurde ich als stellvertretende Ortsvorsteherin „Bännjerrück/Karl-Pfaff-Siedlung“ eingeladen und sollte ein Grußwort sprechen. Ich betonte, dass wir auf dem Bännjerrück besonders stolz sind, dass eine Schule in unserem Wohngebiet in Zukunft den Namen „Fritz Walter“ tragen soll. In Vorbereitung zu diesem Festakt ist mir eine Broschüre aus dem Jahr 1954 zur Weltmeisterschaft in die Hände gefallen und ich erinnerte mich an die Worte meiner Mutter nach dem Tod des Vaters: „Gib es Stephan (unser Sohn), er soll es gut aufbewahren.“ Dies erwähnte ich beim Festakt und bekam damit die volle Aufmerksamkeit des Namensgebers. Er stand auf, kam auf mich zu und sagte: „Sie setzen sich neben mich.“ Später bekam ich noch seine Unterschrift auf das Titelblatt. Diese Begegnung mit einem großartigen, unvergesslichen Menschen, der seinen Namen einer Schule gegeben hat, deren Kinder in besonderem Maße unsere Unterstützung benötigen, ist für mich zu einem unvergesslichen Erlebnis geworden. Einige Zeit danach wurde ich für viele Jahre Vorsitzende des „Fördervereins Fritz-Walter-Schule“.
Karin Kolb, Kaiserslautern

Geburtsstunde der Fangemeinde

Im August 1955 feierte meine Heimatstadt Michelstadt im Odenwald das Jubiläum „1200 Jahre Verleihung der Stadtrechte“. Der damalige Bürgermeister Erwin Hasenzahl kannte Fritz Walter aus den Tagen gemeinsamer Kriegsgefangenschaft und diese Kontakte ermöglichten es ihm, den 1. FC Kaiserslautern mit all seinen fünf Weltmeistern – die gerade ein Jahr zuvor das „Wunder von Bern“ geschafft hatten – für Mittwoch, 10. August 1955, 18 Uhr, als Gegner einer Auswahl des Odenwaldkreises zu gewinnen. Eine Sensation für den Odenwald! Das Spiel besuchten 10.000 Zuschauer.

Ich war damals 17 Jahre alt und kann mich noch gut an das Spiel erinnern, wie auch an den Abend danach im großen Festzelt, wo die Lauterer Spieler nicht müde wurden, für Autogramme und Fotos – es gab damals leider noch keine Selfies – zur Verfügung zu stehen. Dieser Tag war die Geburtsstunde der großen Lauterer Fangemeinde im Odenwald – mich eingeschlossen. Als ich 1969 berufsbedingt in Kaiserslautern sesshaft wurde, war es Ehrensache, Mitglied im 1. FC Kaiserslautern zu werden – und das bin ich nun seit 48 Jahren und Träger der goldenen Ehrennadel. Auf einem Bild von dem Tag sind Fritz Walter mit Bürgermeister Hasenzahl – daneben Horst Eckel – beim „Wimpeltausch“ zu sehen.
Werner Schmucker, Kaiserslautern

Ein ehrenwerter Mann

Ich schrieb Fritz Walter an, ob er die Schirmherrschaft für meine Wohltätigkeitsveranstaltung „Ein Herz für Kinder“ in Hochspeyer übernehmen würde. Eine Woche später klingelte das Telefon und Fritz Walter war dran. Er sagte, dass er diesbezüglich so viele Anfragen hat und er wäre so oft noch unterwegs, dass er normalerweise für solche Veranstaltungen gar nicht mehr zusagen könnte. Nun kam das große „aber“ – da es für einen guten Zweck sei, würde er kommen. Ein weiterer Hauptgrund: Seine erste Jugendliebe sei aus Hochspeyer gewesen. Der Tag der Veranstaltung kam, und wir holten Fritz Walter zuhause ab. Seine erste Frage war: „Hast du Fußball gespielt?“ „Ja, aber nicht so gut.“ Daraufhin Fritz Walter: „Egal, Fußballer sind alle gleich. Ich bin de Fritz.“

Wir hatten eine Tombola und Fritz spendete eine Silbermünze von ihm mit der Prägenummer 1111. An dem Tag war seine Frau Italia krank, und er könne leider nicht solange bleiben. Fritz unterhielt die Gäste auf sehr charmante Art und gab Autogramme ohne Ende. Als ich ihn nach zwei Stunden fragte, ob wir ihn nach Hause zu Italia fahren sollen, antwortete er: „Och, die schläft bestimmt. Kommt, wir machen noch ein Fläschen Mumm auf.“ Ein unvergesslicher Abend.

Und nun kam was, das Fritz Walter auszeichnete: Ich schrieb ihm montags einen Brief, in dem ich mich bedankte. Am nächsten Tag kam ein Brief von ihm, in dem er sich für die Einladung bedankte und auch für den Blumenstrauß für seine Frau. Ein ehrenwerter Mann – Happy Birthday!
Manfred Blauth, Hochspeyer

Versprechen eingelöst

Mein persönliches Erlebnis mit Fritz Walter war im Sommer 1979. Ich war 13 Jahre alt und Fritz Walter kam zu uns nach Siegelbach auf den Sportplatz, um sich ein Fußballspiel anzusehen. Ich hatte im Vorfeld davon erfahren, nahm mein neues FCK-Buch (Die Fußballkönige aus der Pfalz) mit und hoffte auf ein Autogramm von ihm. Als ich mich zielstrebig meinem Idol näherte, wollte man mich davon abhalten und versperrte mir den Weg. Fritz Walter sah das und rief: „Lasst doch den Bub mal durch zu mir!“ Ich ging zu ihm und fragte ihn, ob er mir jedes Bild unterschreiben würde, auf dem er abgebildet sei. Er bejahte dies und ich setzte mich neben ihn. Mit einer Engelsgeduld löste er sein Versprechen ein. Es dauerte bestimmt eine halbe Stunde, bis er jedes Bild signiert hatte. Das Buch hat seitdem einen Ehrenplatz bei mir. Gerne denke ich an diesen freundlichen, bescheidenen Menschen und dieses damalige Ereignis zurück. PS: Ich habe noch mal nachgezählt. Es waren 18 Autogramme.
Michael Hach, Siegelbach

Wir erheben das Champagnerglas

„Ihnen lieber Eugen Simgen zur freundlichen Erinnerung, herzlichst Ihr Sportkamerad Fritz Walter. Im Dezember 1968.“ So nett und persönlich signierte der Kapitän der Weltmeisterelf von 1954 sein 1968 herausgegebenes Buch „Alsenborn – Aufstieg einer Dorfmannschaft“. Es war dies die Zeit, in der man nirgendwo erklären musste, wo Alsenborn liegt, und in der sich das eigene Ansehen mühelos steigern ließ durch den angelegentlichen Hinweis, dass man mit Fritz Walter in derselben Straße wohnt. Dieses Privileg wussten Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen unseres Vaters zu nutzen. Sie baten um Autogramme, signierte Bücher, Minifußballschuhe, Bälle und Mannschaftsfotos. Fritz Walter empfing uns in seinem Wohnzimmer und setzte seine Unterschrift auf alles Gewünschte. Dabei versäumte er nie, sich nach den Namen der zu Beschenkenden zu erkundigen und Grüße an oben erwähnten Sportskameraden ausrichten zu lassen.

Das Buch hat nun, 2020, ein wenig an Aktualität verloren, aber es zu lesen, ist für Enkenbach-Alsenborner Ureinwohner zweifelsohne nach wie vor von nicht zu unterschätzendem Reiz. Man begegnet dem Zwacke und dem Flatsch, weiß um den Inhalt des Schwurs von Amsterdam, versteht, warum Lorenz Horr damals den Berliner Verführungskünsten nicht unterliegen durfte und wie Fritz Walter von der unübertrefflichen Alsenborner Wohnqualität überzeugt wurde.

In seinem Haus war ich als Erwachsene nicht mehr, aber dank seiner guten Freundschaft zu Lissi Schmitt, meiner Tante, fand sich weiterhin ein Weg, seine menschliche und soziale Unterstützung zu gewinnen. So signierte er für den Weltladen Kaiserslautern fair gehandelte Fußbälle zu einem Zeitpunkt, wo seine Gesundheit bereits stark angefochten war. Ihm, der auch Kinobetreiber war, erweisen wir unsere Reverenz, indem wir mit seinem Foto im Foyer des Provinzkinos an diese Zeit erinnern – und indem wir, zumindest cineastisch gesehen, das Champagnerglas heben auf ihn, der ihn immer so gerne getrunken hat!
Ursula Simgen-Buch, Enkenbach-Alsenborn

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 254 Samstag, den 31. Oktober 2020
 

Betzi39

Well-Known Member

Am 31. Oktober 2020 wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Rund um dieses großartige Jubiläum beenden die Roten Teufel den Drittligaspieltag am Montagabend in einem ganz besonderen Dress: Der FCK läuft zu Ehren seines Fritz mit einem Sondertrikot auf!

Fritz Walter hat den FCK geprägt wie kein anderer Fußballer. Gemeinsam mit seinem Verein holte er zweimal die Deutsche Meisterschaft, mit seinen Mitspielern der Walter-Elf hatte er maßgeblichen Anteil am Weltmeistertitel für Deutschland im Jahr 1954. Um diesen herausragenden Sportler und Menschen zu ehren, hat der FCK rund um den 100. Geburtstag Fritz Walters ein Sondertrikot aufgelegt, in dem die Betze-Buben ihr Heimspiel gegen den F.C. Hansa Rostock bestreiten. Das Sondertrikot ist ab sofort in den FCK-Fanshops am Stadion und in der Innenstadt sowie im Onlineshop erhältlich.

Das Trikot ist in einem klassischen Bordeaux gehalten und mit weißen Applikationen versehen. Die Brust ziert das Traditionslogo sowie ein aufgestickter weißer Nike-Swoosh. Besondere Highlights sind die rot-weiße Schärpe mit Fritz Walters legendärem Spruch „Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und der Wille, alles für den anderen zu geben“, die sich über die linke Seite des Trikots zieht, das Hologramm, in dem sich die zwei großen Jubiläen „100 Jahre Fritz Walter“ und „100 Jahre Fritz-Walter-Stadion“ widerspiegeln sowie das eingeprägte Portrait Fritz Walters auf der rechten Unterseite des Trikots. Auf der Außenseite des Nackens ist anstelle des üblichen Teufelskopf der Name „Fritz Walter“ zu finden.

Damit das Sondertrikot noch mehr an die alten Zeiten erinnert, bleibt die Brust frei: Der Hauptsponsor des FCK, die Dr. Theiss Naturwaren GmbH, verzichtet bei diesem besonderen Trikot nicht nur auf die Werbung auf der Vorderseite des Jerseys, sondern auch auf dem Ärmel. Dem hat sich bwin, Partner der Dritten Liga, ebenfalls angeschlossen und verzichtet für das Heimspiel gegen Rostock auf den üblichen Ärmelaufdruck. An dieser Stelle möchte sich der FCK nochmal ausdrücklich bei beiden Partnern bedanken, die damit ihren Teil dazu beitragen, dem größten deutschen Fußballer allr Zeiten die Ehre zu erweisen!

Das Trikot ist für Erwachsene in den Größen S bis 2XL zu einem Presi von 79,95 Euro erhältlich, für Kinder in den Größen XS, M und L zum Preis von 74,95 Euro. In unseren FCK-Fanshops und dem Onlineshop findet zudem die passende Hose und Stutzen zu dem Trikot.

Wer sein Trikot komplett veredeln möchte, kann sich den Sonderflock mit der Nummer 8 und dem Namen Fritz Walter auf dem Rücken verewigen lassen. Dieser ist für 20 Euro erhältlich.
 

strowbowse

Well-Known Member

Am 31. Oktober 2020 wäre Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. Rund um dieses großartige Jubiläum beenden die Roten Teufel den Drittligaspieltag am Montagabend in einem ganz besonderen Dress: Der FCK läuft zu Ehren seines Fritz mit einem Sondertrikot auf!

Fritz Walter hat den FCK geprägt wie kein anderer Fußballer. Gemeinsam mit seinem Verein holte er zweimal die Deutsche Meisterschaft, mit seinen Mitspielern der Walter-Elf hatte er maßgeblichen Anteil am Weltmeistertitel für Deutschland im Jahr 1954. Um diesen herausragenden Sportler und Menschen zu ehren, hat der FCK rund um den 100. Geburtstag Fritz Walters ein Sondertrikot aufgelegt, in dem die Betze-Buben ihr Heimspiel gegen den F.C. Hansa Rostock bestreiten. Das Sondertrikot ist ab sofort in den FCK-Fanshops am Stadion und in der Innenstadt sowie im Onlineshop erhältlich.

Das Trikot ist in einem klassischen Bordeaux gehalten und mit weißen Applikationen versehen. Die Brust ziert das Traditionslogo sowie ein aufgestickter weißer Nike-Swoosh. Besondere Highlights sind die rot-weiße Schärpe mit Fritz Walters legendärem Spruch „Der Schlüssel zum Erfolg ist Kameradschaft und der Wille, alles für den anderen zu geben“, die sich über die linke Seite des Trikots zieht, das Hologramm, in dem sich die zwei großen Jubiläen „100 Jahre Fritz Walter“ und „100 Jahre Fritz-Walter-Stadion“ widerspiegeln sowie das eingeprägte Portrait Fritz Walters auf der rechten Unterseite des Trikots. Auf der Außenseite des Nackens ist anstelle des üblichen Teufelskopf der Name „Fritz Walter“ zu finden.

Damit das Sondertrikot noch mehr an die alten Zeiten erinnert, bleibt die Brust frei: Der Hauptsponsor des FCK, die Dr. Theiss Naturwaren GmbH, verzichtet bei diesem besonderen Trikot nicht nur auf die Werbung auf der Vorderseite des Jerseys, sondern auch auf dem Ärmel. Dem hat sich bwin, Partner der Dritten Liga, ebenfalls angeschlossen und verzichtet für das Heimspiel gegen Rostock auf den üblichen Ärmelaufdruck. An dieser Stelle möchte sich der FCK nochmal ausdrücklich bei beiden Partnern bedanken, die damit ihren Teil dazu beitragen, dem größten deutschen Fußballer allr Zeiten die Ehre zu erweisen!

Das Trikot ist für Erwachsene in den Größen S bis 2XL zu einem Presi von 79,95 Euro erhältlich, für Kinder in den Größen XS, M und L zum Preis von 74,95 Euro. In unseren FCK-Fanshops und dem Onlineshop findet zudem die passende Hose und Stutzen zu dem Trikot.

Wer sein Trikot komplett veredeln möchte, kann sich den Sonderflock mit der Nummer 8 und dem Namen Fritz Walter auf dem Rücken verewigen lassen. Dieser ist für 20 Euro erhältlich.
Schaut schon gut aus, muss ich sagen. Für mein Kapilendo-Invest hätte ich meine ganze Hochzeitsgesellschaft (vor Corona) damit ausstatten können.
 

playerred

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Viele Fans und illustre Gäste gratulieren
Am Tage von Fritz Walters 100. Geburtstag pilgern ungezählte Menschen zum Grab auf dem Hauptfriedhof
Von Christian Hamm

Fußballfreunde gedenken des großen Fritz, illustre Gäste verneigen sich in Erinnerung an einen großartigen Sportler und Menschen: Da war mächtig was los auf dem Hauptfriedhof: Viele Menschen sind am Samstag zum Grab Fritz Walters gepilgert, um dem Weltmeister die Ehre zu erweisen, der an diesem Tag 100 Jahre alt geworden wäre.

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 255 Montag, den 2. November 2020
 

playerred

Well-Known Member
Wie ein Schattenriss von Fritz Walter in den Rasen kommt
Sebastian Stollhof

Ein Kunstwerk im Rasen – „Kunstrasen“ nennt das Michael Klant. Der Professor an der Hochschule in Freiburg hat mit seinem Team
einen 65 Meter großen Schattenriss von Fritz Walter geschaffen, der im Rasen des Stadions zu sehen ist.
Eine besondere Herausforderung – nicht nur für den Künstler.

RPplus


 

Pfalzadler

Well-Known Member
Das Jahr 2020 neigt sich dem Ende zu. Ein Jahr, das von der Corona-Pandemie geprägt wurde und wird. Für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) gab es in den zurückliegenden Monaten dennoch Anlass, auf wichtige Augenblicke in der Verbandsgeschichte zurückzublicken und ausgewählte Themenschwerpunkte zu setzen.

Am 31. Oktober 2020 wäre der große Fritz Walter 100 Jahre alt geworden. DFB.de widmete dem DFB-Ehrenspielführer eine eigene Serie zum Jubiläum.

 

playerred

Well-Known Member
Lokalsport
„Ich bin der Fritz“
Es ist schon eine Weile her, dass Fußballer des VfL Neustadt vor vollen Zuschauerrängen gespielt haben. Ebenso, dass ihr Gegner
1. FC Kaiserslautern geheißen hat und Weltmeister in seinen Reihen hatte. Einer davon, Fritz Walter, ist vor über 100 Jahren geboren worden. Die beiden ehemaligen VfL-Fußballer Günter Göhring und Kurt Staiger haben ganz persönliche Erinnerungen an ihn.

Von Sabine Dean

Tausende von Zuschauern bei einem Fußballspiel des VfL Neustadt. Eine vollgeparkte Sauterstraße, „obwohl damals noch gar nicht so
viele Autos gefahren sind“. Am 29. April 1959 trat der 1. FC Kaiserslautern zu einem Freundschaftsspiel im Neustadter Stadion gegen
den VfL an. „Ich war immer der Meinung gewesen, dass es über 6000 Zuschauer waren“, erinnert sich Kurt Staiger, seinerzeit VfL-Spieler,
an die Partie, die seine Mannschaft mit 2:8 verlor. „VfL glanzlos untergegangen“, lautete seinerzeit die Schlagzeile in der RHEINPFALZ.
„Wir haben uns als faire Verlierer gezeigt“, sagt der heute 81-jährige Günter Göhring schmunzelnd. Er gehörte damals als 19-Jähriger
neben dem gleichaltrigen Teamkollegen Jürgen Winter zu den jüngsten VfL-Spielern.
Schon vor dem Anpfiff zeigte sich ein Unterschied zwischen beiden Mannschaften. „Wir haben uns vor einem Spiel nie warm gemacht“,
erinnert sich Göhring weiter und lacht. „Als später Karl Schmidt unser Trainer wurde und er wollte, dass wir uns aufwärmen,
haben wir gemeint, dann seien wir doch müde im Spiel.“ Karl Schmidt war einer der FCK-Spieler im April 1959.
Vor dem Freundschaftsspiel gegen den FCK seien jedenfalls „die Lauterer auf das Plätzel hinter der Tribüne gegangen und haben
sich aufgewärmt“, erzählt Günter Göhring. „Und wir haben nur geguckt und gestaunt.“
Nervöser VfL-TorwartTrotz der klaren Niederlage „war die erste Hälfte sehr, sehr gut“, weiß Günter Göhring noch. Die Lauterer hätten
kämpfen müssen. Doch sei Tormann Hans Häfner nach der Pause für Ernst Kimmel gekommen. „Der Hans hatte nicht seinen besten Tag –
der war sehr nervös“, wissen Göhring und Staiger noch gut. „Nicht schuldlos an der hohen Niederlage war Torwart Häfner, der in der letzten Viertelstunde Kimmel bei Weitem nicht ersetzen konnte und drei durchaus haltbare Tore erhielt“, stand damals in der RHEINPFALZ.
Nach der Partie hätten die Neustadter Fußballer „noch kurz mit den Lauterern beisammen gestanden“. Göhring betont, dass es eine sehr
angenehme Atmosphäre gewesen sei. Und das war nicht immer so. Als der VfL und der FCK ganz früher gemeinsam in derselben Liga,
der Oberliga, gespielt hätten, „war immer ein bissel Rivalität da“, erzählt Günter Göhring. In der Oberliga habe der VfR Frankenthal mal
mit 1:0 beim FCK gewonnen, und der VfL sei deswegen abgestiegen. „Da hatte es geheißen, der FCK hat den VfR gewinnen lassen,
damit der VfL absteigt“, weiß Göhring aus ganz alten Zeiten.
Dass 1959 so viele Zuschauer gekommen waren, „dazu noch mittwochs abends“, sagt Staiger, hatte seinen Grund. „Der FCK war damals
anders als heute.“ Zwar waren die Lauterer ohne ihren Nationalspieler und Weltmeister von 1954, Werner Liebrich, gekommen.
„Beifall löste jedoch bei der Ansage der Name Fritz Walter aus. Der Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft stand das ganze
Treffen durch“, war ebenfalls in der RHEINPFALZ zu lesen. Dass Fritz Walter, Kapitän der Weltmeister-Elf von 1954, nicht ausgewechselt
worden war, war schon von Bedeutung. Es war nämlich in jenem April 1959 „eines der letzten Spiele des damals 38-jährigen Fritz Walter“ überhaupt, betont Jürgen Johannes, Vorsitzender sowie Ehrenvorsitzender des VfL Neustadt. Johannes war 1959 noch nicht Mitglied des VfL,
ist dem Verein erst 1966 beigetreten. Doch jene Partie gegen den FCK habe er gesehen. Übrigens auch das legendäre Spiel im März 1948
im Stadion gegen den FCK, das die Neustadter mit 2:0 gewonnen hatten. Vor 14.000 Zuschauern.
Aber zurück ins Jahr 1959. Die Tribüne sei voller Menschen gewesen. Auch rund um das Spielfeld hätten die Leute dicht gedrängt gestanden.
„Die 1936 errichtete Tribüne war ein Vorteil für den VfL – wenn schlechtes Wetter war, konnten die Zuschauer dort trocken stehen“,
betont Staiger. Günter Göhring erinnert sich ebenfalls noch, dass „die Tribüne und Stehränge voll waren“.
„Ich habe Herr Walter gesagt“„Er war ein netter Kerl, der Fritz, ein feiner Kerl“, sagt der heute 90-jährige Kurt Staiger über den 2002
verstorbenen Ehrenspielführer. Zweimal habe er gegen ihn gespielt. Einmal im besagten Freundschaftsspiel und einmal bei
einer 2:5-Niederlage, in der übrigens Kurt Staiger beide Tore geschossen hat. „Ich war immer Stürmer. Als ich älter wurde, bin ich
immer weiter nach hinten gerückt“, verrät der 90-Jährige über sich selbst und muss schmunzeln. Auch in seiner ersten Begegnung mit
Fritz Walter hat der Neustadter getroffen, hat einen Elfmeter verwandelt. Staiger hatte als linker Läufer direkt gegen Walter gespielt.
„Ich habe ihn im Spiel immer gesiezt, habe Herr Walter gesagt“, erinnert sich Kurt Staiger. Damals hätte noch jeder Achtung vor dem
anderen gehabt. Doch der Lauterer habe prompt geantwortet „Ich bin der Fritz“. Kurt Staiger gesteht noch heute: Alleine die Namen
der Lauterer hätten schon vorher für ein bisschen Aufregung gesorgt. „Aber mit 29 Jahren war ich damals ja schon einiges gewöhnt“,
sagt er. Staiger hat seinerzeit im Außendienst für eine Kosmetikfirma gearbeitet. „Dass die Lauterer überlegen waren, war klar. Die waren
ja Profis.“ An eines können sich übrigens weder Staiger noch Göhring erinnern: Vor dem Freundschaftsspiel 1959 hat zunächst die Tochter
des Oberbürgermeisters und damaligen VfL-Vorsitzenden Edwin Hartmann, Christel, Fritz Walter Blumen überreicht. Anschließend hat
Walter den Strauß einem Jungen gegeben, der ihn in die Kabine bringen sollte. Wer der Bub war, ist unbekannt.
Kurt Staiger hat noch andere Erinnerungen an den berühmten Weltmeister von 1954. Einmal sei Walter nach Neustadt in den Saalbau
gekommen, habe dort im Beethovensaal von der Weltmeisterschaft und vom FCK erzählt. „Ich hatte eine Tante in Kaiserslautern.
Und dann hat sich herausgestellt, dass sie mit Fritz Walter verwandt war“, erzählt Kurt Staiger. „Ich bin zu ihm hin und habe gesagt,
er solle der Litti Dörr schöne Grüße ausrichten.“ Und Walter habe „ach, Gott“ geantwortet.
Geburtstagsgrüße von WalterDie Familie von Günter Göhring hatte ebenfalls Kontakt zu Fritz Walter. „Meine Eltern hatten einen
Omnibusbetrieb“, erzählt der Neustadter. Sein Vater Max Göring habe öfter den FCK zu Spielen gefahren. „Mein Vater hat an seinem
Geburtstag entweder von Fritz Walter einen Anruf oder eine Glückwunschkarte bekommen“, berichtet Göhring. Fritz Walter sei ganz
normal „in allem“ gewesen. Überhaupt seien die Lauterer kein bisschen hochgestochen gewesen.
Übrigens ist auf alten Fotos zu sehen, dass die Spieler 1959 im Neustadter Stadion die Aschenbahn auf Brettern überqueren, um aufs
Spielfeld zu kommen. „Weil wir Stollen an den Schuhen hatten“, erklärt Kurt Staiger dies. „Wir durften mit den Fußballschuhen nicht auf
die Aschenbahn, die wäre sonst beschädigt worden.“ Und weil die VfL-Fußballer immer zeitgleich mit den Leichtathleten Training gehabt
hätten, „wollten wir uns mit denen immer gut vertragen“. In den Übungsstunden haben die Kicker normale Sportschuhe getragen und nur
„sonntags zum Spiel die Treter“. Kurt Staiger erinnert sich gerne: „Es war eine schöne Zeit.“ Nach seiner Zeit als Fußballer hat
der Neustadter von 1970 bis 2010 Tennis gespielt. „Und dann Golf“, erzählt der 90-Jährige. Eigentlich seien sie zu viert, jetzt coronabedingt
nur zu zweit und spielten dreimal pro Woche in Essingen. Anfangs habe er ein Handicap von 54 gehabt, jetzt von 34. Kurt Staiger verrät:
„Den Ehrgeiz habe ich nicht mehr. Ich will einfach nur schön spielen.“

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Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 17 Donnerstag, den 21. Januar 2021
 

playerred

Well-Known Member
Am Rande
Fritz Walter: Wahl zur Briefmarke des Jahres


Die Deutsche Post sucht Deutschlands schönste Briefmarke des Jahres 2020 – zur Wahl steht unter anderem
die Fritz-Walter-Briefmarke. Das Unternehmen hat eine Online-Befragung gestartet, bei der alle Briefeschreiber
und Marken-Liebhaber für ihre drei Favoriten des vergangenen Jahres abstimmen können.

In der anonymen Online-Befragung werden die Teilnehmer auch gefragt, wofür sie Briefmarken nutzen – privat oder geschäftlich –,
wie wichtig ihnen die Motive beim Kauf sind und warum sie sich für ihre drei Lieblingsmarken entschieden haben. Außerdem
haben sie die Möglichkeit, Wünsche für Themen und Motive künftiger Briefmarken anzugeben. Wer möchte, nimmt an einem
Gewinnspiel teil. Die Befragung endet heute, 23. März, und ist online (https://surveys.dpdhl.com/fvzueiyikb?l=de) zu finden.rhp/bgi

Die Rheinpfalz Pfälzische Volkszeitung - Nr. 69 Dienstag, den 23. März 2021
 

Dr.BETZE

Moderator
Teammitglied
sollte es nicht ein spiel der nationalmannschaft zu ehren fritz walters und dessen hundertsten geburtstag geben?

wird das irgendwann noch stattfinden?
 

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